Verletzung einer Extremität, Trauma der Arme oder Beine, Frakturen, Luxationen, Weichteilverletzung, Kompartmentsyndrom
73 Minuten Lesezeit
Ein Extremitätentrauma umfasst Verletzungen an Armen oder Beinen durch äußere Gewalt, etwa bei Stürzen, Unfällen oder Sportverletzungen. Dabei kann es zu Frakturen, Luxationen, Gefäß-, Nerven- oder Weichteilschäden kommen. Extremitätentraumata entstehen infolge direkter oder indirekter Krafteinwirkung und treten entweder als isolierte Verletzungen oder im Rahmen eines Polytraumas mit Beteiligung weiterer Körperregionen auf.
Häufige Ursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze, Sport- oder Arbeitsunfälle. Klinisch zeigen sich Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung sowie bei schweren Verletzungen sichere Frakturzeichen wie Krepitation, Achsfehlstellung, abnorme Beweglichkeit oder sichtbare Knochenfragmente.
Die pDMS-Kontrolle (Durchblutung, Motorik, Sensibilität) und der Pulsstatus sind essenzieller Bestandteil der Untersuchung. Zu den wichtigsten präklinischen Maßnahmen zählen eine effektive Blutstillung sowie die Immobilisation der betroffenen Extremität, um Schmerz zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und den Transport zu erleichtern.
Info
Das Spektrum an Verletzungen ist breit und reicht von einfachen Schnittwunden am Finger bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Zuständen.
In diesem Artikel liegt der Fokus auf der Versorgung von Frakturen und Luxationen. Maßnahmen zur Blutstillung, Versorgung von Amputationsverletzungen sowie zur Versorgung von schwerstverletzten Patient:innen werden in den entsprechenden Fachartikeln behandelt.
Um den Einstieg in das Thema Extremitätentrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Extremitätenverletzung“
Ort: Sporthalle, Schule
Alarmzeit: 10:09 Uhr
Anrufer:in: Lehrkraft
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Männlich, 17 Jahre alt
Sportverletzung
Verdacht auf Fraktur des linken Sprunggelenks
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt ein etwa 17-jähriger Schüler auf dem Boden der Sporthalle. Er hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht das linke Sprunggelenk. Mehrere Mitschüler:innen und eine Lehrkraft stehen in der Nähe und beobachten die Situation, ohne direkt einzugreifen. Der Unfall ereignete sich während des Sprinttrainings. Der Patient stürztenach einem unglücklichen Umknicken des linken Fußes und konnte ihn danachnichtmehrbelasten.
Die Lage ist wie folgt:
Der Patient ist wach, ansprechbar und orientiert
Er klagt über starke, stechendeSchmerzen im Bereich des linken Sprunggelenks
Eine Fehlstellung oder offene Verletzung liegt nicht vor, jedoch ist eine deutlicheSchwellung erkennbar
Die Haut über dem betroffenen Bereich ist gespannt, aber intakt
Die Sporthalle ist ruhig, die Lehrkraft hat den Sportunterricht abgebrochen und Erste Hilfe verständigt
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Extremitätentrauma aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute rosig
Patient spricht selbstständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Inspektorisch unauffällig
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
Keine Krepitation spürbar
SpO2: 97 %
Atemfrequenz: 21/min
Kein B-Problem
C
Hautkolorit rosig
Rekap-Zeit: 2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Mäßig tachykard, 106/Minute
Kein C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Symptome:
Schwellung linkes Sprunggelenk
Allergien / Infektionen: Keine bekannt
Medikamente: Keine Dauer- oder Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: Frühstück, um ca. 08:00 Uhr
Ereignis: Umknicken mit Sturzgeschehen beim Sport
Risikofaktoren: Keine
Akutes E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten mit einem Extremitätentrauma. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Extremitätentrauma
Als Extremitätentrauma werden unfallbedingte Verletzungen der oberen oder unteren Gliedmaßen bezeichnet. Betroffen sein können Knochen, Gelenke, Muskeln und andere Weichteile sowie Blutgefäße und Nerven. Zu den typischen Verletzungsformen zählen Frakturen, Luxationen und Luxationsfrakturen.
Klassifikation
Abgrenzung offener und geschlossener Frakturen:
Frakturform
Definition
Offene Fraktur
Im Bereich der Fraktur besteht eine Haut- und Weichteilwunde mit Verbindung zwischen Frakturzone und Außenwelt. Der Knochen muss dabei nicht sichtbar sein
Geschlossene Fraktur
Die Haut ist im Bereich der Fraktur nicht eröffnet; eine Verbindung zwischen Frakturzone und Außenwelt besteht nicht
Nach Weichteilschaden:
Einteilung des Weichteilschadens bei geschlossenen Frakturen nach Tscherne und Oestern:
Grad
Kennzeichnende Befunde
0
Kein oder lediglich geringfügiger Weichteilschaden
I
Oberflächliche Hautabschürfung oder leichte Weichteilkontusion
II
Tiefe, kontaminierte Hautabschürfung mit umschriebener Kontusion von Haut und Muskulatur; ein Kompartmentsyndrom kann sich entwickeln
III
Ausgedehnte Haut- und Muskelkontusion mit möglicher Muskelzerstörung oder Ablederung (Décollement); möglich sind außerdem ein manifestes Kompartmentsyndrom sowie Nerven- oder Gefäßverletzungen
Einteilung des Weichteilschadens bei offenen Frakturen nach Gustilo und Anderson:
Offene Frakturen werden anhand des Ausmaßes der Wunde, der Kontamination sowie der begleitenden Weichteil- und Gefäßschädigung eingeteilt.
Grad
Kennzeichnende Befunde
I
Wunde bis etwa 1 cm mit geringer Kontamination und geringfügigem Weichteilschaden
II
Wunde über 1 cm mit mäßiger Weichteilschädigung, jedoch ohne ausgedehnten Weichteilverlust
IIIA
Ausgedehnte Weichteilschädigung, der freiliegende Knochen kann jedoch noch ausreichend durch Weichteile bedeckt werden
IIIB
Ausgedehnter Weichteilverlust mit Ablösung des Periosts und freiliegendem Knochen
IIIC
Offene Fraktur mit arterieller Gefäßverletzung, die unabhängig vom Ausmaß des Weichteilschadens rekonstruiert werden muss
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Merke
Extremitätentraumata entstehen infolge direkter oder indirekter Krafteinwirkung auf Arme oder Beine und treten entweder als isolierte Verletzungen oder im Rahmen eines Polytraumas mit Beteiligung weiterer Körperregionen auf.
Häufige Ursachen
Ursache
Typische Situationen
Mögliches Verletzungsspektrum
Unfälle im Straßenverkehr
Zusammenstöße mit Auto, Motorrad oder Fahrrad sowie Fußgängerunfälle; beim Dashboard-Mechanismus prallt das Knie gegen das Armaturenbrett
Frakturen, Luxationen, Quetschungen, offene Verletzungen und ausgedehnte Weichteilschäden
Sturzereignisse
Sturz aus größerer Höhe, auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf das Knie; bei älteren Menschen auch Stürze aus dem Stand
Frakturen der oberen oder unteren Extremität, Luxationen und Verletzungen durch axiale Stauchung
Sport- und Freizeitaktivitäten
Ski- und Reitunfälle, Fußball, Mountainbiking sowie Kontakt- und Mannschaftssportarten
Verdrehtraumata, Bandverletzungen, Frakturen und Luxationen
Arbeitsbedingte Unfälle
Sturz, direkter Anprall, Einklemmung oder Kontakt mit Werkzeugen und Maschinen
Frakturen, Quetsch- und Weichteilverletzungen sowie offene Wunden
Gewalteinwirkung
Schläge, Tritte, Faustschläge oder Verletzungen bei Abwehrbewegungen
Hämatome, Quetschwunden, Frakturen und Verletzungen durch stumpfe oder scharfe Gewalt
Schuss-, Stich- und Pfählungsverletzungen
Eindringen eines Geschosses, scharfen Gegenstands oder anderen Fremdkörpers in eine Extremität
Penetrierende beziehungsweise offene Verletzungen mit möglichen Gefäß-, Nerven- und ausgedehnten Weichteilschäden
Explosionsereignisse
Einwirkung der Druckwelle, umherfliegende Splitter und Trümmer oder Wegschleudern des Körpers
Stumpfe und penetrierende Verletzungen, Frakturen sowie traumatische Amputationen
Vorgeschädigter Knochen
Verminderte Knochenstabilität durch Osteoporose, Knochentumoren, Knochenzysten oder andere strukturelle Erkrankungen
Pathologische Fraktur nach geringfügiger Gewalteinwirkung oder ohne erkennbares Trauma
Wichtige Unfallmechanismen
Direktes stumpfes Trauma: Schläge, Tritte oder ein unmittelbarer Aufprall können Hämatome, Quetschwunden, Weichteilschäden und Frakturen verursachen
Einklemmungs- und Quetschtrauma: Eine starke Kompression kann Muskulatur, Gefäße und Nerven schädigen und mit Frakturen einhergehen
Axiale Belastung: Eine entlang der Extremität wirkende Kraft, etwa beim Sturz auf die ausgestreckte Hand, kann Stauchungsfrakturen und gelenknahe Verletzungen hervorrufen
Rotations- und Überdehnungstrauma: Verdrehung, Überstreckung oder Überbeugung können Spiralfrakturen, Luxationen sowie Band- und Gelenkverletzungen verursachen
Indirektes Trauma: Die Kraft wird über Knochen oder Gelenke weitergeleitet, sodass die Verletzung entfernt vom eigentlichen Krafteintritt entstehen kann
Penetrierendes Trauma: Scharfe Gegenstände, Geschosse oder andere Fremdkörper können offene Frakturen sowie Weichteil-, Gefäß- und Nervenschäden verursachen
Explosionstrauma: Druckwellen verursachen primäre Gewebeschäden, Splitter führen zu sekundären penetrierenden Verletzungen und das Wegschleudern des Körpers zu tertiären Aufprallverletzungen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Merke
Reminder: Anatomische und physiologische Grundlagen
Wichtige anatomische Strukturen:
Aufbau eines Röhrenknochens:
Diaphyse, Metaphyse, Epiphyse
Knochenhaut (Periost) mit Schmerzfasern und Gefäßen
Gelenkflächen mit hyalinem Knorpel
Gelenke:
Gelenke sind wichtige Verbindungen im Körper, die Bewegungen ermöglichen und Stabilität bieten
Es gibt verschiedene Arten von Gelenken, die sich in ihrer Anatomie, Beweglichkeit und Funktion unterscheiden
Skelettmuskulatur und Sehnen:
Die Skelettmuskulatur ist ein aktives Bewegungsorgan, das über Sehnen an den Knochen ansetzt und die willkürliche Bewegung des Körpers ermöglicht
Quergestreift,mehrkernig und wird vom somatischen Nervensystem gesteuert
Sehnen: Kraftübertragung, Ursprung in der Faszie → Insertion am Knochen
Zusammenspiel von Muskel, Sehne, Knochen und Gelenk
Gelenkachsen und Bewegungsausmaße (z.B. Flexion/Extension, Pronation/Supination)
Durchblutung und Versorgung:
Abhängigkeit der Gewebe von konstanter Blut- und Sauerstoffversorgung
Endarterien sind besonders verletzungsgefährdet
Nervenleitung und Koordination:
Efferenzen: Reize vom ZNS zur Muskulatur
Afferenzen: Propriozeption, Schmerz, Berührung → wichtig für Schutzreflexe
Reflexbögen (z.B. Patellarsehnenreflex)
Die pathophysiologischen Folgen eines Extremitätentrauma entwickeln sich aus der primärenmechanischenGewebeschädigung. Blutungen, Hämatome, Ödeme sowie Gefäß-undNervenschäden können die Verletzung im weiteren Verlauf verstärken. Präklinisch sind insbesondere lebensbedrohlicheBlutungen, eine beeinträchtigteDurchblutung der Extremität und die Entwicklung eines Kompartmentsyndroms relevant.
Systemische Komplikationen treten vorwiegend bei ausgedehnten Hochenergie-, Quetsch- oder Amputationsverletzungen auf.
Pathophysiologischer Abschnitt
Zentrale Vorgänge
Mögliche Folgen
Primäre Gewebeschädigung
Direkte, indirekte, axiale, rotatorische oder penetrierende Krafteinwirkung auf Knochen, Gelenke und Weichteile
Fraktur, Luxation sowie Muskel-, Gefäß- oder Nervenschädigung
Lokale Verletzungsprogression
Blutung, Hämatombildung und zunehmendes Gewebeödem. Zusätzliche Schädigung durch instabile Knochenfragmente möglich
Schwellung, Schmerzen, zunehmender Weichteilschaden und weiterer Blutverlust
Neurovaskuläre Schädigung
Unterbrechung oder Kompression der arteriellen Versorgung sowie Schädigung peripherer Nerven
Ischämie, neurologische Ausfälle, Gewebenekrose und Funktionsverlust
Kompartmentsyndrom
Druckanstieg innerhalb einer geschlossenen Muskelloge mit zunehmender Beeinträchtigung der Mikrozirkulation
Fortschreitende Muskel- und Nervenschädigung bis zum irreversiblen Funktionsverlust
Systemische Folgen schwerer Verletzungen
Erheblicher Blutverlust oder ausgedehnte Weichteilzerstörung, insbesondere bei Quetsch- und Amputationsverletzungen
Hämorrhagischer Schock, Rhabdomyolyse, akute Nierenschädigung und bei schwerem Verlauf Multiorganversagen
Primäre Gewebeschädigung
Info
Die primäre Schädigung entsteht unmittelbar durch die einwirkende mechanische Energie. Verletzungsmuster und Ausmaß werden hauptsächlich durch Richtung, Stärke und Art der Krafteinwirkung sowie durch die betroffenen Gewebestrukturen bestimmt.
Aufbau eines Knochens
Knochenschädigung: Biege-, Stauch-, Scher- oder Torsionskräfte überschreiten die Belastungsgrenze des Knochens → Unterbrechung der Knochenkontinuität mit möglicher Instabilität und Fehlstellung
Gelenkschädigung: Luxationen oder gelenknahe Frakturen → mögliche Verletzung von Gelenkkapsel, Bändern, Knorpel und angrenzenden Weichteilen
Muskelschädigung: direkte Kontusion, Quetschung, Zerreißung oder Ischämie der Muskulatur → Schmerzen, Schwellung, Funktionsverlust und bei ausgedehnter Schädigung mögliche Rhabdomyolyse
Gefäßschädigung: Kompression, Überdehnung, Einriss oder Durchtrennung eines Gefäßes → Blutung, Hämatombildung oder Unterbrechung der arteriellen Versorgung
Nervenschädigung: Direkte Gewalteinwirkung, Überdehnung, Kompression oder Durchtrennung eines Nervs → Sensibilitätsstörungen, motorische Ausfälle oder vollständiger Funktionsverlust
Dislozierte Knochenfragmente: verschobene oder instabile Fragmente → mögliche Kompression, Überdehnung oder Zerreißung benachbarter Muskeln, Gefäße und Nerven
Penetrierendes Trauma: Eindringen eines scharfen oder ballistischen Fremdkörpers → direkte Verletzung von Weichteilen, Gefäßen, Nerven und gegebenenfalls Knochen
Offene Fraktur: Verbindung des Frakturbereichs mit der Außenwelt → Kontamination und erhöhtes Risiko einer tiefen Infektion
Lokale Verletzungsprogression
Nach der primären Gewebeschädigung können Blutungen, Hämatome, Entzündungsreaktionen und Ödeme den lokalen Schaden weiter verstärken.
Schädigungsmechanismus
Vorgang
Mögliche Folge
Blutung und Hämatombildung
Lokale Blutung: Verletzung von Arterien, Venen, Muskeln, Weichteilen oder des Frakturbereichs
Austritt von Blut in das umgebende Gewebe oder in Muskellogen
Hämatombildung: Ansammlung von Blut im Gewebe
Zunahme des lokalen Volumens und Gewebedrucks
Sekundäre Kompression: Druckwirkung durch Hämatom und Schwellung
Kompression benachbarter Gefäße und Nerven mit möglichen Durchblutungs- oder Funktionsstörungen
Verdeckter Blutverlust: Einblutung in Muskulatur und Weichteile bei äußerlich geschlossener Verletzung
Instabile Fraktur: Weitere Gewebeschädigung durch bewegliche oder dislozierte Knochenfragmente
Zunahme von Blutung, Hämatom und Weichteilschaden
Ödembildung und Entzündungsreaktion
Erhöhte Kapillarpermeabilität: gesteigerte Durchlässigkeit der Kapillaren infolge der Gewebeschädigung
Austritt von Flüssigkeit in das Interstitium und zunehmende Schwellung
Entzündungsreaktion: Freisetzung von Entzündungsmediatoren durch Gewebeschädigung und lokale Hypoxie
Vasodilatation, erhöhte Gefäßpermeabilität und Schmerzverstärkung
Selbstverstärkender Mechanismus: Ödem und Hämatom erhöhen den Gewebedruck und verschlechtern die Mikrozirkulation
Zunehmende lokale Hypoxie und weitere Ödembildung
Progressiver Weichteilschaden: anhaltende Kompression und Minderperfusion
Sekundäre Ischämie, Gewebenekrose und möglicher Funktionsverlust
Neurovaskuläre Schädigung
Gefäß- und Nervenschäden sowie ein zunehmender Druck innerhalb geschlossener Muskellogen können die Funktion und den Erhalt der betroffenen Extremität gefährden.
Arterielle Durchblutungsstörung
Die arterielle Versorgung kann durch eine direkte Gefäßverletzung, Kompression, Dislokation oder einen traumabedingten Vasospasmus beeinträchtigt werden.
Zelluläre Schädigung: Sauerstoffmangel → Störung des Energiestoffwechsels und der Zellhomöostase → Zellödem und fortschreitende Gewebeschädigung
Metabolitenansammlung: Unzureichender Blutfluss → verminderter Abtransport saurer und potenziell schädlicher Stoffwechselprodukte → zusätzliche Beeinträchtigung von Endothel und Mikrozirkulation
Ischämische Schädigung: Anhaltende Minderperfusion → Funktionsverlust, Nekrose und im schwersten Fall Verlust der Extremität
Zeitabhängigkeit: Das Ausmaß der Schädigung nimmt mit Dauer und Schwere der Ischämie zu → eine vermutete arterielle Durchblutungsstörung ist zeitkritisch zu behandeln
Nervenschädigung
Periphere Nerven können unmittelbar durch das Trauma oder sekundär durch Dislokation, Hämatom, Ödem und Gewebekompression geschädigt werden.
Direkte Schädigung: Kontusion, Schnitt- oder Schussverletzung → partielle oder vollständige Schädigung des Nervs
Kompression: Druck auf einen Nerv → Beeinträchtigung der Myelinscheide und der Reizleitung
Überdehnung: Fraktur oder Luxation mit Zug auf den Nerv → mögliche Schädigung von Myelinscheide, Axonen oder gesamter Nervenkontinuität
Mögliche Folgen: Hypästhesie, Anästhesie, Parästhesien, Schmerzen, Paresen oder vollständiger motorischer Funktionsverlust distal der Läsion
Kompartmentsyndrom
Blutung und Ödembildung können den Druck innerhalb einer geschlossenen Muskelloge erhöhen. Da die umgebende Faszie nur begrenzt nachgibt, wird zunächst der venöse Abfluss und im weiteren Verlauf die kapilläre Gewebeperfusion beeinträchtigt.
Pathophysiologische Kaskade: Blutung oder Ödem → Druckanstieg in der Muskelloge → Behinderung des venösen Abflusses → weiterer Druckanstieg → Abnahme der kapillären Perfusion
Gewebehypoxie: verminderte Mikrozirkulation → Ischämie von Muskulatur und Nerven
Selbstverstärkung: Ischämie und Kapillarschädigung → zusätzliche Ödembildung → weiterer Druckanstieg
Mögliche Folgen: fortschreitende Muskel- und Nervenschädigung, Nekrose, Kontrakturen und dauerhafter Funktionsverlust
Wichtige Einschränkung: Ein tastbarer peripherer Puls schließt ein Kompartmentsyndrom nicht aus, da die großen Arterien trotz gestörter Mikrozirkulation noch durchgängig sein können
Ausgedehnte Extremitätenverletzungen können über die lokale Schädigung hinaus den gesamten Organismus beeinträchtigen. Besonders relevant sind erhebliche Blutungen sowie die Zerstörung großer Muskelmassen durch Quetschung, Kompression oder Ischämie.
Blutverlust und hämorrhagischer Schock
Verletzungen größerer Gefäße, ausgedehnte Weichteilschäden sowie offene oder geschlossene Frakturen können einen erheblichen Blutverlust verursachen.
Blutungsquellen: Verletzung von Arterien, Venen, Muskulatur, Weichteilen oder dem Frakturbereich → äußere oder im Gewebe verborgene Blutung
Kompensation: Aktivierung des Sympathikus → Tachykardie, Vasokonstriktion und Zentralisation des Kreislaufs
Zentralisation: Bevorzugte Durchblutung von Herz und Gehirn zulasten von Haut, Extremitätenmuskulatur, Nieren und Splanchnikusgebiet
Mikrozirkulationsstörung: Anhaltender Schock und Endothelschädigung → erhöhte Gefäßpermeabilität und Flüssigkeitsverschiebung in das Interstitium → weitere Verminderung des intravasalen Volumens
Dekompensation: Anhaltende Hypoperfusion → Gewebehypoxie, anaerober Stoffwechsel, Laktatanstieg und metabolische Azidose → mögliche Oligurie, Bewusstseinsstörung und Hypotonie
Schockspirale: Blutverlust und Hypoperfusion → zunehmende Gewebeschädigung, Azidose und Gerinnungsstörung → verstärkte Blutungsneigung und fortschreitende Kreislaufdekompensation
Lokalisation
Ungefährer, möglicher Blutverlust
Humerus
100–800 ml
Radius oder Ulna
50–400 ml
Femur
300–2500 ml
Tibia
100–1000 ml
Möglicher Blutverlust nach einer Extremitätenfraktur
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme eines Extremitätentrauma
Erheblicher Blutverlust mit Gefahr eines hämorrhagischen Schocks
Neurovaskuläre Schädigung mit Störungen von Durchblutung, Motorik und Sensibilität
Zunehmender Gewebedruck mit Gefahr eines Kompartmentsyndroms
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Typische Zeichen
Schmerzen, insbesondere bei Bewegung, Belastung oder Palpation
Schwellung und Hämatombildung als Zeichen einer Weichteilverletzung oder Blutung
Fehlstellung, Achsabweichung oder Verkürzung als Hinweise auf eine Fraktur oder Luxation
Eingeschränkte oder aufgehobene Funktion der betroffenen Extremität
Abnorme Beweglichkeit oder Krepitation als mögliche Frakturzeichen
Prellmarken, Schürfwunden und Quetschungen als Hinweise auf die lokale Krafteinwirkung
Offene Wunden oder sichtbare Knochenanteile als Hinweise auf eine offene Fraktur
Starke äußere Blutung bei Gefäßverletzung, offener Fraktur oder traumatischer Amputation
Blässe, Kälte oder verzögerte Rekapillarisierung distal der Verletzung als mögliche Zeichen einer Durchblutungsstörung
Fehlender oder abgeschwächter peripherer Puls als Hinweis auf eine relevante arterielle Gefäßverletzung
Sensibilitätsstörungen, beispielsweise Taubheit, Kribbeln oder verminderte Berührungsempfindung
Motorische Ausfälle mit eingeschränkter oder aufgehobener aktiver Beweglichkeit
Zunehmende, unverhältnismäßig starke Schmerzen, Schmerzen bei passiver Muskeldehnung und eine prall gespannte Schwellung als mögliche Hinweise auf ein Kompartmentsyndrom
Generalisierte Zeichen
Tachykardie, Hypotonie, Blässe und Kaltschweißigkeit bei relevantem Blutverlust
Unruhe, Angst, Schwäche oder Vigilanzminderung bei Schmerzen, Stress oder beginnender Schocksymptomatik
Tachypnoe im Rahmen von Schmerzen oder Kreislaufdekompensation
Übelkeit und Erbrechen als unspezifische Begleitreaktionen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Anamnese
S (Symptome): Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung, Funktionsverlust, Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kältegefühl distal der Verletzung erfragen. Auf Fehlstellungen sowie Störungen von Durchblutung, Motorik und Sensibilität achten
Offenes oder penetrierendes Trauma: Wunden, Blutungen, sichtbare Knochenfragmente, Gewebedefekte, Fremdkörper sowie Ein- und mögliche Austrittswunden erfassen
Warnzeichen: lebensbedrohliche Blutung, fehlende periphere Pulse, Blässe oder Kälte distal der Verletzung, zunehmende pDMS-Störungen, unverhältnismäßig starke Schmerzen, eine prall gespannte Muskelloge oder Zeichen der Kreislaufinstabilität beachten
A (Allergien): Medikamentenallergien und bekannte schwere allergische Reaktionen erfragen
M (Medikation): Dauermedikation sowie Zeitpunkt und Dosis der letzten Einnahme erfassen. Besonders relevant sind Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer
P (Patientengeschichte): Osteoporose, Gerinnungsstörungen, Gefäß- oder Nervenerkrankungen, Diabetes mellitus sowie frühere Verletzungen, Operationen oder Gelenkprothesen erfragen. Bei offenen Verletzungen nach dem Tetanusimpfschutz fragen
L (Letzte …): Zeitpunkt, Art und Menge der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfragen → relevant für eine mögliche Narkoseeinleitung oder operative Versorgung
E (Ereignis): Zeitpunkt und Mechanismus des Traumas erfassen. Relevant sind direkte oder indirekte Krafteinwirkung, Sturz, Verdrehung, axiale Belastung, Einklemmung oder Quetschung, penetrierende Verletzung, Amputation und Explosion
R (Risiko): Antikoagulation, Gerinnungsstörungen, Osteoporose, höheres Lebensalter, Diabetes mellitus, Gefäß- oder Nervenerkrankungen, Hochenergietrauma und länger anhaltende Kompression berücksichtigen
S (Schwangerschaft): Bestehende oder mögliche Schwangerschaft sowie die Schwangerschaftswoche erfragen. Die Schwangerschaft bei Lagerung, Medikamentengabe und Wahl der Zielklinik berücksichtigen
Frakturzeichen
Bei Verdacht auf eine Fraktur wird zwischen sicheren und unsicheren Frakturzeichen unterschieden. Die Untersuchung erfolgt behutsam;
Sichere Frakturzeichen
Unsichere Frakturzeichen
Sichtbare Knochenfragmente
Schmerzen und Druckschmerz
Deutliche Fehlstellung oder Achsabweichung
Schwellung
Abnorme Beweglichkeit
Hämatom
Knochenkrepitation
Bewegungseinschränkung oder Funktionsverlust
Körperliche Untersuchung
Merke
pDMS-Kontrolle
Die betroffene Extremität auf periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität untersuchen:
Durchblutung: Hautfarbe, Hauttemperatur, Rekapillarisierung und periphere Pulse
Motorik: Aktive Beweglichkeit distal der Verletzung
Sensibilität: Berührungsempfinden, Taubheit oder Kribbeln
Inspektionsbefund bei distaler Radiusfraktur
Inspektion:
Tipp
Vergleiche die verletztemit der unverletztenExtremität auf Schwellung, Fehlstellung, Form, Farbe und Bewegung. Auffälligkeiten geben erste Hinweise auf mögliche Frakturen oder Luxationen.
Allgemeinzustand und Hautkolorit: Auf Blässe, Kaltschweißigkeit und weitere mögliche Zeichen einer Schocksymptomatik achten
Bajonettstellung bei distaler Radiusfraktur
Fehlstellungen: Auf Achsabweichungen, Verkürzungen, Rotationsfehlstellungen sowie eine unnatürliche Gelenkstellung achten
Schonhaltung und Funktion: Auf eine auffällige Haltung, verminderte spontane Bewegung oder vollständige Gebrauchsunfähigkeit achten
Äußere Verletzungszeichen: Haut auf Schwellungen, Hämatome, Prellmarken, Schürfwunden, Quetschungen oder Ablederungen untersuchen
Penetrierende Verletzungen: Ein- und mögliche Austrittswunden sowie Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen suchen
Fremdkörper: Eingedrungene Fremdkörper erkennen, jedoch nicht entfernen oder bewegen
Durchblutungszeichen: Auf Blässe, livide Verfärbung oder andere auffällige Veränderungen distal der Verletzung achten
Amputationsverletzungen: Teil- oder vollständige Amputationen sowie den Zustand des Amputationsstumpfs erkennen
Info
Bajonett- und Fourchette-Fehlstellung bei einer distalen Radiusfraktur
Bei einer dislozierten distalen Radiusfraktur können abhängig von der Verschiebungsrichtung unterschiedliche charakteristische Fehlstellungen auftreten.
Bajonettfehlstellung: radiale Verlagerung der Hand beziehungsweise des distalen Frakturfragments → die Handachse erscheint gegenüber dem Unterarm seitlich versetzt
Fourchette-Fehlstellung: dorsale Verlagerung und Abknickung des distalen Frakturfragments → im seitlichen Profil zeigt sich ein deutlicher Knick zwischen Unterarm und Hand
Luxation der SchulterOffene Unterschenkelfraktur
Info
Bagatelltrauma vs. schweres Trauma
Die Inspektion sollte unter bestmöglichen Bedingungen erfolgen, insbesondere bei ausreichender Beleuchtung. In der Regel ist dafür eine Entkleidung der Patient:innen erforderlich, wobei unbedingt auf den Wärmeerhalt zu achten ist. Die Kleidung sollte schonend und schmerzarm entfernt werden, um die Verletzungsregionen vollständig zugänglich zu machen.
Bei isolierter Extremitätenverletzung nach Bagatelltrauma reicht es aus, nur die betroffene Körperstelle zu entkleiden
Bei schwerem Trauma muss stets eine vollständige Ganzkörperuntersuchung erfolgen
Für eine präzise Übergabe an das Klinikteam kann es sinnvoll sein, vor einer Reposition oder Verbandanlage ein Foto des Befundes zu dokumentieren. Dabei sind jedoch stets der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte der Patient:innen zu wahren.
Pulspunkte
Palpation:
Systematisches Vorgehen: Die betroffene Extremität vorsichtig von proximal nach distal untersuchen und dabei möglichst in schmerzarmen Bereichen beginnen
Seitenvergleich: Hauttemperatur, Schwellung, Gewebespannung und periphere Pulse mit der unverletzten Gegenseite vergleichen
Druckschmerz: Knochen, Gelenke und Weichteile behutsam auf lokalisierbare Druckschmerzen untersuchen
Knochenkonturen: Auf tastbare Stufenbildungen, Defekte oder Fehlstellungen achten
Weichteile: Schwellungen, Hämatome, Verhärtungen, Fluktuationen oder eine ungewöhnlich gespannte Muskulatur erfassen
Kompartmentsyndrom: Eine prall gespannte Muskelloge und zunehmende Schmerzen bei vorsichtiger passiver Dehnung können auf einen erhöhten Kompartmentdruck hinweisen
Durchblutung: Periphere Pulse, Hauttemperatur und Rekapillarisierungszeit distal der Verletzung prüfen
Obere Extremität: Pulsstatus an A. radialis und A. ulnaris kontrollieren
Untere Extremität: Pulsstatus an A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior kontrollieren
Gelenkbeteiligung: Angrenzende Gelenke vorsichtig auf Druckschmerz, Schwellung und Fehlstellung untersuchen
Offene Verletzungen: Wunden nicht austasten und nicht mit dem Finger sondieren; sichtbare Fremdkörper oder Knochenfragmente nicht manipulieren
Tipp
Schmerzen vermeiden:
Wird ein sicheres Frakturzeichen festgestellt, sollte auf eine weitere Untersuchung desselben Knochens verzichtet werden, um zusätzliche Schmerzen zu vermeiden.
Perkussion:
Die Perkussion besitzt bei der Untersuchung eines Extremitätentrauma nur einen geringen Stellenwert und wird nicht routinemäßig durchgeführt
Auskultation:
Der Auskultationsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund oder Verlauf
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Bei unkomplizierter Extremitätenverletzung häufig normwertig
Tachykardie bei Schmerzen, Stress oder relevantem Blutverlust möglich
Eine Tachykardie kann auf einen beginnenden hämorrhagischen Schock hinweisen
Blutdruck
Anfangs häufig normwertig
Bei erheblichem Blutverlust Hypotonie möglich
Sympathikusaktivierung und Vasokonstriktion können den Blutdruck zunächst aufrechterhalten. Eine Hypotonie ist häufig ein spätes Zeichen der Kreislaufdekompensation
Atemfrequenz und Atemmuster
Bei isolierter Verletzung häufig unauffällig
Tachypnoe bei Schmerzen oder hämorrhagischem Schock möglich
Eine erhöhte Atemfrequenz kann Ausdruck von Stress, Schmerzen oder einer Kreislaufstörung sein, ist jedoch nicht spezifisch für ein Extremitätentrauma
Körpertemperatur
Bei längerer Exposition oder größerem Blutverlust Hypothermie möglich
Hypothermie beeinträchtigt die Blutgerinnung
Sauerstoffsättigung
Bei isolierter Extremitätenverletzung meist normwertig
Im Schock möglicherweise unzuverlässige oder fehlende Messwerte
Eine verminderte periphere Perfusion und Vasokonstriktion können die pulsoxymetrische Messung beeinträchtigen
Blutzucker
Keine verletzungsspezifische Veränderung
Messung insbesondere bei Bewusstseinsstörung erforderlich
Eine Hypoglykämie muss bei Bewusstseinsstörungen als mögliche alternative oder zusätzliche Ursache ausgeschlossen werden
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Bewusstseinslage beispielsweise mithilfe der Glasgow Coma Scale (GCS) beurteilen und im Verlauf dokumentieren. Eine isolierte Fraktur verursacht normalerweise keine Vigilanzminderung
pDMS-Kontrolle: Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität distal der Fraktur untersuchen und mit der unverletzten Gegenseite vergleichen
Periphere Durchblutung: Hautfarbe, Hauttemperatur, Rekapillarisierungszeit und periphere Pulse prüfen
Motorik: Aktive Bewegungsfähigkeit distal der Fraktur beurteilen und auf Kraftminderung oder Paresen achten
Sensibilität: Berührungsempfinden prüfen und nach Taubheit, Kribbeln oder Missempfindungen fragen
Verlaufskontrolle: pDMS vor und nach Reposition, Verbandanlage und Immobilisation sowie wiederholt während des Transports kontrollieren und dokumentieren
Mögliche Ursachen neurologischer Auffälligkeiten:
Periphere Nervenschädigung: Dislozierte Knochenfragmente, Hämatome oder Schwellungen können Nerven komprimieren, überdehnen oder verletzen
Kompartmentsyndrom: Zunehmender Gewebedruck kann Parästhesien, Sensibilitätsminderung und später motorische Ausfälle verursachen
Hämorrhagischer Schock: Unruhe, Verwirrtheit oder Vigilanzminderung können bei erheblichem Blutverlust auftreten
Begleitendes Schädel-Hirn-Trauma: Amnesie, Desorientierung, Erbrechen, Pupillenstörungen oder ein abnehmender GCS-Wert können auf eine zusätzliche Kopfverletzung hinweisen
Wirbelsäulen- oder Rückenmarkverletzung: Paresen oder Sensibilitätsausfälle an mehreren Extremitäten können auf eine zentrale neurologische Schädigung hinweisen
Hypoxie oder Hypoglykämie: Bei einer Bewusstseinsstörung als alternative oder zusätzliche Ursache berücksichtigen
pDMS-Schema
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Bei auffälligem Herzrhythmus, hämodynamischer Instabilität, kardialen Beschwerden oder relevanten Herzerkrankungen durchführen → das EKG dient der ergänzenden Kreislaufdiagnostik
Sinustachykardie: unspezifischer Befund, beispielsweise bei Schmerzen, Stress oder relevantem Blutverlust
POCUS / eFAST: Bei Hochenergietrauma, Polytrauma oder hämodynamischer Instabilität zur Suche nach zusätzlichen lebensbedrohlichen Verletzungen einsetzen → bei einer isolierten Extremitätenfraktur nicht routinemäßig erforderlich
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Häufige Frakturen der oberen Extremität
Frakturen der oberen Extremität entstehen häufig durch Stürze auf den ausgestreckten Arm oder durch direkte Gewalteinwirkung, etwa beim Sport oder im Rahmen von Verkehrsunfällen. Besonders bei älteren Menschen mit Osteoporose treten typische Brüche wie die distale Radiusfraktur häufig auf.
Fraktur
Typischer Unfallmechanismus
Erkennungsmerkmale
Besonderheiten
Distale Radiusfraktur
Meist Sturz auf die ausgestreckte Hand. Bei Flexionsfrakturen Sturz auf die gebeugte Hand
Schmerzen, Schwellung und Druckschmerz am Handgelenk
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung
Gegebenenfalls Sensibilitätsstörungen
Bajonett- oder Fourchette-Fehlstellung mögich
Bei jüngeren Personen häufiger Folge eines Hochenergietraumas
Bei älteren Personen häufig nach Niedrigenergietrauma bei verminderter Knochenfestigkeit
Fraktur der Handknochen
Direkte Gewalteinwirkung, Sturz auf die Hand sowie axiale oder rotatorische Belastung
Schwellung
Ruhe-, Druck- und Bewegungsschmerz
Eingeschränkte Beweglichkeit
Gegebenenfalls Verkürzung
Achs- oder Rotationsfehlstellung
Betroffen sein können Handwurzel-, Mittelhand- oder Fingerknochen
Häufig ist der 5. Mittelhandknochen verletzt. Rotationsfehlstellungen der Finger sind besonders zu beachten
Humerusfraktur
Meist indirekte Gewalteinwirkung durch Sturz auf den ausgestreckten Arm
Lokale Schmerzen, Schwellung, Hämatom
Schonhaltung und Bewegungseinschränkung
Gegebenenfalls Fehlstellung oder Krepitation
Proximale Humerusfrakturen treten häufiger bei älteren Personen auf
Distale, insbesondere suprakondyläre Frakturen sind typisch für Kinder
Begleitende Gefäß- und Nervenschäden sind zu beachten
Claviculafraktur
Meist Sturz oder direkte Gewalteinwirkung auf die Schulter. Seltener Sturz auf den ausgestreckten Arm
Schmerzen bei Armbewegung
Schwellung, Hämatom, Schonhaltung
Tastbare oder sichtbare Stufenbildun
Die Schulter kann abgesenkt oder verkürzt erscheinen
Häufige Fraktur bei Kindern und Erwachsenen
Bei stärkerer Dislokation können Hautspannung sowie selten neurovaskuläre Begleitverletzungen auftreten
Frakturen der oberen Extremität
Häufige Frakturen der unteren Extremität
Frakturen der unteren Extremität entstehen häufig durch Sturzverletzungen, Verkehrs- oder Sportunfälle. Besonders bei älteren Patient:innen mit Osteoporose treten typische Frakturmuster wie die Oberschenkelhalsfraktur gehäuft auf.
Fraktur
Typischer Unfallmechanismus
Erkennungsmerkmale
Besonderheiten
Oberschenkelhalsfraktur
Bei älteren Personen meist Stolpersturz oder Sturz aus geringer Höhe auf die Hüfte. Bei jüngeren Personen eher Hochenergietrauma
Hüft- oder Leistenschmerzen
Druck- und Bewegungsschmerz
Eingeschränkte oder aufgehobene Gehfähigkeit
Bei dislozierter Fraktur häufig verkürztes und außenrotiertes Bein
Häufig bei älteren Personen und Menschen mit Osteoporose
Bei eingestauchten oder nicht dislozierten Frakturen kann die typische Beinfehlstellung fehlen
Femurschaft- oder distale Femurfraktur
Meist Hochenergietrauma, beispielsweise Verkehrsunfall, Sturz aus großer Höhe, Reitunfall oder direkter Anprall. Bei älteren Personen auch Niedrigenergietrauma bei verminderter Knochenfestigkeit
Starke Schmerzen
Schwellung und Hämatom
Deutliche Bewegungseinschränkung
Gegebenenfalls Achsfehlstellung, Stufenbildung, abnorme Beweglichkeit oder Krepitation
Gefahr eines erheblichen Blutverlusts
Nach Hochenergietraumen häufig weitere Verletzungen
Altersabhängige Verletzungsursachen sind zu berücksichtigen
Unterschenkelfraktur
Direkte Gewalteinwirkung, Hochenergietrauma oder Verdrehung bei fixiertem Fuß, beispielsweise beim Ski- oder Fußballunfall
Schmerzen und Bewegungsschmerz
Schwellung und Hämatom
ingeschränkte oder aufgehobene Steh- und Gehfähigkeit
Gegebenenfalls Fehlstellung, Instabilität oder Krepitation
Betroffen sein können Tibia, Fibula oder beide Knochen
Sprunggelenksfraktur
Meist Supinations-, Pronations- oder Rotationstrauma beim Umknicken. Auch Hochenergietrauma möglich
Schmerzen im Knöchelbereich
Schwellung und Hämatom
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung
Belastungsunfähigkeit
Bei instabiler Verletzung gegebenenfalls sichtbare Fehlstellung
Außenknöchel, Innenknöchel und hintere Tibiakante können beteiligt sein
Begleitverletzungen der Syndesmose sind möglich
Frakturen der unteren Extremität
Häufige Luxationen der Extremitäten
Luxationen der Extremitätengelenke entstehen häufig durch Stürze, Verkehrs- oder Sportunfälle. Abhängig von Unfallmechanismus und betroffenem Gelenk kann der Gelenkkopf vollständig aus der Gelenkpfanne treten. Typische Lokalisationen sind Schulter-, Ellenbogen-, Hüft-, Patella- und Sprunggelenk. Begleitende Verletzungen von Knochen, Bändern, Gefäßen oder Nerven sind möglich.
Luxationsort
Typischer Unfallmechanismus
Erkennungsmerkmale
Besonderheiten
Schultergelenk
Meist Sturz auf den nach hinten gestreckten, abduzierten und außenrotierten Arm
Starke Schmerzen
Schonhaltung
Schmerzhafte, federnde Fixierung
Abgeflachtes Schulterrelief
Prominentes Acromion
Tastbar erscheinende „leere Gelenkpfanne“
Meist anteriore beziehungsweise subcoracoidale Luxation
Abduktion und Außenrotation wirken beim Unfall als Hebel
Ellenbogengelenk
Meist indirektes Trauma durch Sturz auf den Arm mit Hyperextension, axialer Kompression sowie Rotations- oder Valgusstress
Starke Schmerzen, Schwellung
Sichtbare Deformität oder Fehlstellung
Häufig fixierte Beugestellung
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung
Häufig posteriore oder posterolaterale Luxation
Sprunggelenk
Meist Supinations- oder Pronationstrauma beim Umknicken
Schmerzen, Schwellung und Hämatom
Deutliche Fehlstellung
Belastungsunfähigkeit
Gegebenenfalls gespannte oder gefährdete Haut
Durch die Fehlstellung sind Haut und Weichteile gefährdet
Präklinische Reposition notwendig
Hüftgelenk
Meist Hochenergietrauma, beispielsweise Verkehrsunfall oder Sturz aus großer Höhe
Sehr starke Hüft- oder Leistenschmerzen
Federnde Fixierung
Stark eingeschränkte oder aufgehobene Beweglichkeit
Häufig auffällige Beinfehlstellung
Bei posteriorer Luxation kann ein Dashboard-Mechanismus (Aufprall des gebeugten Knies auf das Armaturenbrett bei einem Verkehrsunfall) zugrunde liegen
Patella
Meist Rotationsbewegung des leicht gebeugten Knies, insbesondere bei schnellen Richtungswechseln im Sport
Sichtbar verlagerte Patella
Schmerzen, Schwellung und Hämatom
Kniegelenkserguss
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung
Mehr als 90 % der Patellaluxationen erfolgen nach lateral
Luxationen von Extremitäten
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Zu den wichtigsten präklinischen Maßnahmen bei Verletzungen der Extremitäten zählen die Blutstillung und die sichere Immobilisation der betroffenen Gliedmaße. Die Blutstillung dient der Vermeidung eines relevanten Blutverlusts und kann in bestimmten Fällen lebensrettend sein. Die Immobilisation stabilisiert die verletzte Struktur, lindert Schmerzen, verhindert Folgeschäden und erleichtert einen schonenden Transport.
Basismaßnahmen
Lagerung: An Kreislaufzustand, Begleitverletzungen und Beschwerden anpassen
Bei hämodynamischer Instabilität: Möglichst flach und achsengerecht in Rückenlage lagern
Verletzte Extremität: Schonend in der vorgefundenen oder annähernden Neutralstellung lagern und unnötige Bewegungen vermeiden
Verdacht auf Kompartmentsyndrom: Extremität nicht über Herzhöhe lagern
Sauerstoffgabe: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: EKG, SpO₂, Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz sowie Körpertemperatur wiederholt und kontinuierlich überwachen. Ggf. zusätzlich eine kontinuierliche Kapnografie durchführen
Intravenöser Zugang: Zur intravenösen Analgesie oder Analgosedierung einen peripheren Venenzugang etablieren. Bei Kindern sollte abgewogen werden, ob ein venöser Zugang erforderlich ist oder eine geeignete intranasale Analgesie ausreicht
Druckverband, gegebenenfalls in Kombination mit einem Hämostyptikum
Tourniquet bei lebensbedrohlicher Blutung, die mit anderen Maßnahmen nicht zeitgerecht beherrscht werden kann
Wundversorgung: Offene Frakturen und Weichteilverletzungen steril abdecken. Sichtbare Knochenfragmente oder eingedrungene Fremdkörper nicht zurückschieben beziehungsweise entfernen
pDMS-Kontrolle: Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität vor und nach jeder Reposition, Verbandanlage oder Immobilisation prüfen und dokumentieren
Immobilisation: Verletzte Extremität ruhigstellen und möglichst die angrenzenden Gelenke einbeziehen
Wärmeerhalt: Auskühlung vermeiden und möglichst Normothermie erhalten
RICE-Method (englisch) bzw. PECH-Regel (deutsch)
Spezifische Maßnahmen
Analgesie: Frühzeitig eine titrierte, dem Kreislaufzustand angepasste Analgesie durchführen, beispielsweise mit Fentanyl 0,05 mg i.v. titriert bis gewünschte Wirkung, max. Dosis: 0,2 mg oder Esketamin 0,125-025 mg/kgKG i.v + Midazolam 1-2 mg i.v.
Tranexamsäure (TXA): Bei einer unkontrollierbaren Blutung oder polytraumatisierten Patient:innen frühzeitige Verabreichung von Tranexamsäure1 g i.v. über 10 Minuten als Kurzinfusion
Volumenmanagement: Angepasste Volumensubstitution mittels VEL mit dem Ziel der Normotonie. Bei nicht beherrschbaren Blutungen → permissive Hypotension (Ziel RRsyst. ~80 mmHg oder MAD ~65 mmHg)
Merke
Esketamin hat gegenüber Opioiden den Vorteil, dass es bei invasiven Maßnahmen wie Reposition und Schienung nicht nur analgetisch wirkt, sondern die betroffene Person zusätzlich gegenüberäußerenReizenabschirmt.
Therapie nach Verletzungsmuster
Verletzungsmuster
Präklinische Maßnahmen
Hinweise
Geschlossene Fraktur
Schmerzarm und möglichst achsgerecht lagern
Vor Bewegung oder Transport ruhigstellen
Proximales und distales Gelenk in die Immobilisation einbeziehen
Vakuumschiene gegenüber einer Luftkammerschiene bevorzugen, sofern verfügbar und geeignet
pDMS vor und nach der Immobilisation kontrollieren
Ausreichende Analgesie
Ringe, Armbänder und andere abschnürende Gegenstände frühzeitig entfernen
Krepitation und abnorme Beweglichkeit nicht gezielt provozieren
Offene Fraktur
Blutung kontrollieren
Nur lose, grobe Verschmutzungen entfernen
Wunde steril abdecken
Extremität immobilisieren
pDMS kontrollieren
Antibiotikaprophylaxe nach lokalem Protokoll, insbesondere bei verlängerter Rettungszeit und vorhandener Möglichkeit zur intravenösen Gabe
Zügiger Transport zur operativen Versorgung
Keine routinemäßige Wundspülung → falls im Einzelfall erforderlich, ausschließlich physiologische Kochsalzlösung verwenden
Knochenfragmente nicht zurückschieben
Verband nach Möglichkeit bis zur klinischen Versorgung geschlossen belassen
Luxation oder grob dislozierte Fraktur
Ausreichende Analgesie bzw. Analgosedierung
Bei distalem neurologischem oder vaskulärem Defizit oder gefährdetem Weichteilmantel sofortiger Repositionsversuch
Bei grober Fehlstellung, Ischämie oder langer Rettungszeit annähernde Reposition durch kontrollierten axialen Zug und manuelle Korrektur
Ziel sind eine ausreichende Durchblutung und annähernde Achsgerechtigkeit, nicht die anatomisch exakte Reposition
Anschließend stabil immobilisieren
pDMS vor und nach jeder Maßnahme kontrollieren und dokumentieren
Bei erhaltener neurovaskulärer Versorgung kann auf die Reposition verzichtet und in schmerzarmer, vorgefundener Position immobilisiert werden
Zu starken Längszug und wiederholte Repositionsversuche vermeiden
Bei Verschlechterung der pDMS sofort in die Ausgangsstellung zurückkehren und erneut stabilisieren
Schulter-, Ellenbogen- und Hüftluxationen: Präklinische Reposition grundsätzlich zurückhaltend und nicht routinemäßig durchführen. Nur bei Gefäß- oder Nervenschädigung, Ischämie, extremer Fehlstellung oder gefährdetem Weichteilmantel
Offensichtlich dislozierte Sprunggelenksfrakturen beziehungsweise Luxationsfrakturen sollen durch erfahrene Personen noch am Unfallort reponiert werden
Gelenknahe Frakturen vorzugsweise in der vorgefundenen Position immobilisieren
Bei distaler Femurfraktur starken Längszug vermeiden → Immobilisation + Kniebeugung von 30–50° möglich
Geschlossene Weichteilverletzung
Belastung reduzieren
Symptomorientiert ruhigstellen
pDMS kontrollieren
Gegebenenfalls mild, indirekt und zeitlich begrenzt kühlen
Keine straffe Kompression bei beeinträchtigter Durchblutung oder prall gespannter Schwellung
Schmerzen, Schwellung und pDMS regelmäßig kontrollieren
Akute Wunde ohne Fraktur
Lose, grobe Verschmutzungen vorsichtig entfernen
Wunde steril abdecken
Blutung durch manuelle Kompression oder Druckverband kontrollieren
Eingedrungene Fremdkörper grundsätzlich belassen und stabilisieren
Tourniquet nur bei lebensbedrohlicher, anders nicht zeitgerecht kontrollierbarer Blutung
Kritische Extremitätenblutung
Manuelle Kompression
Anschließend Druckverband, gegebenenfalls mit Hämostyptikum
Bei zugänglicher tiefer Wundhöhle gegebenenfalls Wound Packing mit Verbandmaterial oder Hämostyptikum
Nach dem Wound Packing konsequente manuelle Kompression aufrechterhalten
Tourniquet bei weiterhin lebensbedrohlicher, nicht zeitgerecht kontrollierbarer Blutung
Tourniquet proximal der Blutung anlegen
Nicht direkt über einer Wunde, einem Gelenk oder einem Fremdkörper platzieren
Wirksames Tourniquet regelmäßig auf Nachblutungen kontrollieren
Tipp
Bei einer habituellen Schulterluxation mit typischem Befund und ohne Hinweis auf eine begleitende Fraktur kann eine vorsichtige präklinische Reposition durch entsprechend erfahrenes Personal vertretbar sein.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Reposition bezeichnet in der Medizin das Zurückbringen eines fehlgestellten Körperteils in seine anatomisch korrekte Lage. Der Begriff wird vor allem bei Knochenbrüchen (Frakturen), Verrenkungen (Luxationen) und anderen Gelenkfehlstellungen verwendet.
Beispiele:
Bei einer Fraktur: das dislozierte (vershobene) Knochenfragment wird wieder in seine ursprüngliche Ausrichtung gebracht
Bei einer Luxation (z.B. Schulterverrenkung): der ausgekugelte Gelenkkopf wird wieder in die Gelenkpfanne zurückgeführt
Info
Ziele einer Reposition im Rettungsdienst
Schmerzlinderung: durch die anatomische Korrektur kann mechanischer Druck auf Nerven und Gewebe reduziert werden, was zu einer deutlichen Schmerzreduktion führt
Blutungsreduktion: insbesondere venöse Blutungen lassen sich durch die Volumenverringerung im verletzten Areal eindämmen → das reduziert den Blutverlust
Weichteile vor Folgeschäden schützen: eine Reposition verhindert, dass scharfe Frakturenden Muskeln, Gefäße oder Haut weiter verletzen und senkt das Risiko für Infektionen
Durchblutung sicherstellen: Fehlstellungen können Gefäße abdrücken. Durch die Reposition kann die arterielle Versorgung distal der Verletzung wiederhergestellt werden
Neurologische Funktion erhalten oder verbessern: Nerven, die durch Fehlstellungen komprimiert oder überdehnt sind, können durch eine achsengerechte Stellung entlastet werden → Sensibilität und Motorik können sich dadurch normalisieren
Schritt 1: Untersuchung und Erstbehandlung der betroffenen Extremität
pDMS-Schema
Kleidung der betroffenen Extremität entfernen: ermöglicht eine vollständige Sicht auf mögliche Verletzungen wie Schwellung, Fehlstellung, Hämatome oder ggf. offene Frakturen
pDMS-Kontrolle durchführen: Beurteilung der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität zur frühzeitigen Erkennung von Gefäß- oder Nervenschäden
Ggf. grobe Verunreinigungen vorsichtig entfernen: Entfernen von Kleidung, Erde, Ästen oder grobem Schmutz zur Vorbereitung auf eine sterile Versorgung
Ggf. Blutstillung durchführen: Blutungskontrolle nach Stufenschema
Schritt 2: Aufklärung der betroffenen Person
Patientenaufklärung vor Durchführung: Bei geschäfts- oder einwilligungsfähigen Patient:innen soll eine kurze, verständliche Aufklärung über mögliche Risiken erfolgen
Allgemeine Risiken ansprechen: Information über die geplante Analgosedierung oder Notfallnarkose, mögliche Atemwegssicherung, Kreislaufreaktionen oder allergische Zwischenfälle
Spezifische Risiken der Reposition erklären: Hinweis auf mögliche Komplikationen wie:
Anhaltende oder neue Schmerzen nach dem Eingriff
Verletzungen von Gefäßen oder Nerven durch Manipulation
Weichteilschäden wie Muskel- oder Sehnenverletzungen
Schritt 3: Teamabsprache und Vorbereitung:
Vor der Durchführung der Maßnahme ist eine klare Kommunikation im Team essenziell, um diese sicher und koordiniert durchzuführen. Folgende Punkte sollen besprochen und vorbereitet werden:
Ort der Maßnahme abstimmen: Entscheidung, ob die Reposition direkt am Einsatzort oder im RTW erfolgt
Aufgabenverteilung festlegen: Wer übernimmt welche Funktion (z.B. Atemwegssicherung, Medikamentengabe, Reposition, Monitoring)?
Medikamentenauswahl und Dosierung besprechen: Auswahl der Medikamente inkl. geplanter Dosierung im Vorfeld definieren
Monitoring und Material vorbereiten: Überwachung (SpO₂, EKG, RR, ggf. CO2) und benötigte Materialien (z.B. Sauerstoff, Absaugung, Immobilisationsmaterial) vorhalten
Ablauf und Reihenfolge abstimmen: Maßnahmen koordinieren, um einen reibungslosen Ablauf ohne Verzögerungen oder Verwechslungen zu gewährleisten
Schritt 4: Analgesie
Die Reposition stellt ein schmerzhaftes Verfahren dar und erfordert daher zwingend eine suffiziente Analgesie bzw. Analgosedierung, um Patient:innen vor unnötigen Schmerzen und Stress zu schützen
Tipp
Analgosedierung
Eine ausreichende Analgosedierung ist essenziell und muss immer individuell an die Situation und an die erkrankte Person angepasst durchgeführt werden. Die hier aufgeführten Dosierungen stellen eine beispielhafte Auswahl dar.
Generell muss dabei auf die örtlichen Gegebenheiten geachtet werden!
Schritt 5: Durchführung der Reposition:
Nach entsprechender Vorbereitung wird die betroffene Extremität, in dem Fall eine Unterschenkelfraktur, reponiert
Eine Person fixiert das proximal gelegene Beinsegment (Oberschenkel)
Die andere Person übt kontrollierten axialen Längszug am distalen Segment (Fuß) aus
Dabei wird die Fraktur durch Zug entlang der Längsachse über die Spannung der umgebenden Bänder wieder ausgerichtet. Unterstützend kann ein gezielter Druck mit der anderen Hand zur manuellen Reposition eingesetzt werden
In einigen Fällen sind zusätzlich Traktion und Flexion erforderlich, um die korrekte Stellung wiederherzustellen
Die folgende Abbildung veranschaulicht den schematischen Ablauf dieses Vorgehens:
Reposition einer Unterschenkelfraktur
Achtung
Was bei der Reposition zählt
Die anatomisch exakteReposition gilt präklinisch nicht als vorrangiges Ziel. Vorrang haben die achsgerichteteundmöglichststabileLagerungderExtremität sowie die Wiederherstellung einer adäquaten lokalen und peripheren Durchblutung
Ein übermäßigerZug auf die Extremität ist zwingend zuvermeiden, da hierdurch Perfusionsstörungen entstehen oder ein erhöhter Gewebedruck in den Muskeln mit der Gefahr eines Kompartmentsyndroms resultieren kann
Misslingt der Repositionsversuch, sollte auf weitere Versuche verzichtet werden. Mögliche Repositionshindernisse wie Weichteileinklemmung oder Knochensplitter können präklinisch nicht sicher erkannt werden
Nach jeder Reposition, auch bei fehlgeschlagenem Versuch, muss umgehend eine erneute Kontrolle der peripheren Durchblutung,Motorik und Sensibilität (pDMS) erfolgen
Schritt 6: Immobilisation der Extremität
Nach erfolgreicher Reposition erfolgt die achsengerechteImmobilisation der betroffenen Extremität
Anschließend ist die erneuteÜberprüfungderperipherenDurchblutung,Motorik und Sensibilität (pDMS) essenziell → mit besonderem Augenmerk auf eine verbesserte Reperfusion und eine Reduktion der Weichteilspannung
Alle Befunde und Maßnahmen werden sorgfältig im Rettungsdienstprotokoll dokumentiert
Immobilisation der unteren Extremität
Achtung
Um ein Wiederverlagern oder Verdrehen der Fraktur zu verhindern, stabilisiert eine zweite Person die betroffeneExtremitätmitleichtemZug, bis die endgültige Immobilisation sicher angelegt ist.
Tipp
Praxis-Trick
Um während dem Transport in die Klinik eine grobe Orientierung über die arterielle Durchblutung zu haben, kann die PulsoxymetrieamZeh eingesetzt werden.
Sie liefert einen orientierenden Hinweis auf die Perfusion im arteriellen Versorgungsgebiet und erlaubt Rückschlüsse auf die aktuelle pDMS-Situation
Nicht blind darauf verlassen
Messfehler möglich bei:
Kalter oder schlecht durchbluteter Extremität
Bewegung des Patienten
Schlecht sitzendem Sensor
Nagellack oder Schmutz
Starker Vasokonstriktion
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Das Ziel der Immobilisation von Extremitätenverletzungen ist es, durch die Ruhigstellung der betroffenen Körperregion folgende Effekte zu erzielen:
Schmerzreduktion durch Vermeidung von Bewegungen im Frakturbereich
Verhinderung weiterer Gewebeschäden, insbesondere an Gefäßen, Nerven und Muskeln
Vermeidung von Frakturverschiebungen (Dislokationen) oder sekundären Frakturkomplikationen
Reduktion von Blutverlust, vorwiegend bei offenen oder stark dislozierten Frakturen
Verbesserung des Transports durch sichere und stabile Lagerung
Schutz vor sekundären Verletzungen, etwa durch Bewegung oder unsachgemäße Handhabung
Merke
Grundregeln der Immobilisation von Extremitäten:
Achsengerechte Lagerung: Die Extremität sollte möglichst in physiologischer Längsachse stabilisiert werden, um Fehlstellungen und Folgeschäden zu vermeiden
Schienung unter Zug: Wenn möglich, sollte unter leichtem, konstantem Zug geschient werden. Dies reduziert Schmerzen, Muskelverspannungen und Repositionsverluste
Fixation der angrenzenden Gelenke: Die Ruhigstellung muss immer die gelenknahen Abschnitte oberhalb und unterhalb der Fraktur mit einschließen, um Rotationskräfte zu verhindern
Druckstellen vermeiden: Auf ausreichende Polsterung achten. Harte Schienenmaterialien dürfen nicht direkt auf Knochenvorsprüngen aufliegen (offene Frakturen)
pDMS-Kontrolle vor und nach Schienung: Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität muss stets vor und nach dem Anlegen überprüft und dokumentiert werden
Regelmäßige Reevaluation: Auch nach dem Anlegen der Schiene sind Verlaufskontrollen notwendig, um Schwellung, Schmerzen oder pDMS-Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen
Die Auswahl der in der Präklinik mitgeführten Stabilisierungsmaterialien variiert regional erheblich. Im Einsatz befinden sich zahlreiche unterschiedliche kommerzielle Schienungssysteme. Daher ist es wichtig, dass sich alle im Rettungsdienst tätigen Personen mit den in ihrer Region verwendeten Produkten vertraut machen.
Im Folgenden werden einige häufig genutzte Materialien übersichtlich zusammengefasst:
Material
Vorteile
Nachteile
Vakuummatratze
Stabilisierung mehrerer Körperregionen gleichzeitig
Hohe Gesamtstabilität
Zeitintensives Anlegen
Luftkammerschiene
Schneller Einsatz möglich
Zuverlässige Stabilität
Risiko von Weichteilschäden bei Überdruck
Vakuumschiene
Sehr hohe Stabilität
Möglicher Druck auf Fraktur und umliegende Gewebe
Gefahr von Stellungsverlust nach Reposition
Kunststoffsplint
Sehr schnell anzulegen
Geringe Stabilität
Alupolsterschiene
Leichtes Gewicht
Gut anpassbar und formbar
Begrenzte Stabilität
Kann sich leicht verbiegen
Dreiecktuch
Einfach und schnell anzuwenden
Kaum stabilisierend
Nur für Schulter und Arm geeignet
Merke
Ziel der präklinischen Versorgung ist die Sicherung der lokalen und peripherenDurchblutung sowie die VermeidungsekundärerGewebeschäden. Jede Extremität mit dem Verdachtauf eine Fraktur sollte noch vor dem Transport adäquatruhiggestellt werden, unabhängig vom Vorliegen einer gesicherten Frakturdiagnose.
Allgemeine Vorgehensweise bei Frakturen
Blutstillung: Bei stark blutenden Extremitätenverletzungen ist eine schnelle Blutstillung entscheidend
Ruhigstellung der betroffenen Extremität: Eine frühzeitige Schienung oder Immobilisation verhindert weitere Gewebeschädigungen, lindert Schmerzen und schützt Gefäße und Nerven vor zusätzlicher Belastung
Sterile Wundversorgung: Offene Verletzungen sollten möglichst keimarm abgedeckt werden, um das Risiko einer Infektion und weiterer Komplikationen zu reduzieren
Analgesie: Eine frühzeitige und adäquate Schmerztherapie reduziert Stress, verbessert die Mitarbeit der Patient:innen und schafft die Voraussetzung für eine schonende Lagerung, Schienung oder Reposition
Anwendung einer Alupolsterschiene bei einer Unterarmfraktur
Offene Frakturen
Grobe Verunreinigungen entfernen: Fremdkörper (z.B.Kleidungsreste) oberflächlich entfernen, um Infektionsrisiko zu senken
Keine ausgedehnte Wundreinigung: kein Ausspülen oder Manipulieren der Wunde, da so Keime tiefer ins Gewebe eindringen können
Sterile Abdeckung der Wunde: die Wunde keimarm mit steriler Kompresse bedecken, um Infektionen zu verhindern
Blutstillung nach Stufenschema: Bei aktiver Blutung Tourniquet oder Druckverband gemäß dem Stufenschema zur Blutstillung anwenden
Weitere Versorgung wie bei geschlossener Fraktur: Nach der Wundversorgung erfolgt die Immobilisation und ggf. Reposition nach den gleichen Grundsätzen wie bei einer geschlossenen Fraktur
Tipp
Präklinische Antibiotikagabe
Bei verlängerter Rettungszeit (z.B. Bergrettung) kann eine präklinische Antibiotikatherapie erwogen werden (z.B. Cephalosporin der 2. Generation).
Hüftgelenksnahe Frakturen und distale Femurfraktur:
Schonende Umlagerung: Die Umlagerung der erkrankten Person soll schonend, unter ausreichender Analgesie und unter leichtem Längszug am betroffenen Bein erfolgen. Hierzu bietet sich die Verwendung einer Schaufeltrage an
Lagerung in der Vakuummatratze mit leicht gebeugter Hüfte während des Transports: Diese Position entspannt die Muskulatur, verbessert den venösen Rückfluss, reduziert Schmerzen und ermöglicht eine effektive Immobilisation der verletzten Extremität durch formstabile Anpassung der Matratze
Bei distalen Femurfrakturen sollte keine Reposition erfolgen, da hierbei die Gefahr einer Gefäßverletzung besteht. Stattdessen ist eine Lagerung in 30–50° Kniebeugung anzustreben, um Schmerzen zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden
Lagerung hüftnaher Frakturen und distale Femurfraktur
Grob dislozierte Frakturen
Wenn möglich Reposition unter Analgesie oder Analgosedierung in Neutralstellung oder in eine Stellung, die der Neutralstellung am nächsten kommt
Anschließend Immobilisation
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Kompartmentsyndrom
Defintion
Kompartmentsyndrom
Ein Kompartmentsyndrom entsteht durch eine pathologische Drucksteigerung innerhalb eines geschlossenen osteofaszialen Kompartiments. Dieses Kompartiment ist durch straffe Faszien begrenzt, die nur eine sehr begrenzte Dehnung zulassen.
TypischeAuslöser, im Rahmen eines Extremitätentraumas sind:
Frakturen (insbesondere Tibia- und Unterarmfrakturen)
Traumatische Weichteilverletzungen mit Einblutung
Durch die Einblutung oder das Ödem innerhalb des Kompartiments steigt der intrafasziale Druck über ein kritisches Maß an, wodurch die kapilläre Perfusion des Gewebes eingeschränkt oder vollständig unterbrochen wird.
Querschnitt des rechten Unterschenkels (Ansicht von kaudal)
Info
Was passiert beim Kompartmentsyndrom
Druckanstieg im osteofaszialen Kompartiment: Blut oder interstitielle Flüssigkeit sammelt sich in einem Muskelkompartiment → Faszien lassen kaum Dehnung zu → intrakompartimenteller Druck ↑
Kollaps der Venen: Venen besitzen eine dünne Wandstruktur und kollabieren früh bei Druckerhöhung → venöser Abstrom ist behindert → venöser Rückstau im Kapillarbett
Kapillare Leckage & Ödembildung: durch den venösen Rückstau steigt der Kapillardruck → es kommt zur transsudativen Flüssigkeitsverschiebung ins Interstitium → interstitielles Ödem → Teufelskreis der Druckzunahme.
Reduktion des arteriellen Einstroms: wird der Gewebedruck (Kompartmentdruck) höher als der kapilläre Perfusionsdruck, wird der arterielle Zustrom eingeschränkt → hypoxische Gewebeanspannung.
Ischämische Zellschädigung: durch die anhaltende Ischämie kommt es zur zellulären Hypoxie
Nervenzellen degenerieren nach ca. 2–4 Stunden
Myozyten (Muskelzellen) nekrotisieren nach ca. 6 Stunden
Gefahr der irreversiblen Schädigung mit Kontrakturen, Funktionseinbußen bis hin zur Amputation
Klinische Hinweise:
Klinisch zeigen sich mehrere mögliche Hinweise, die jedoch nicht beweisend für das Vorliegen eines Kompartmentsyndroms sind. Dazu zählen:
Starke Schmerzen, insbesondere bei passiver Dehnung des betroffenen Muskels
Ausgeprägte Schwellung der Muskulatur
Sensibilitätsstörungen im Bereich der betroffenen Dermatomsegmente
Merke
Ein Kompartmentsyndrom bleibt damit eine klinische Verdachtsdiagnose, die bei entsprechenden Symptomen dringlich weiter abgeklärt werden muss.
Therapie
Extremität nicht über Herzniveau lagern
Auf eine Kühlung sollte verzichtet werden, da sie durch Vasokonstriktion die Muskeldurchblutung weiter reduzieren kann
Zügiger Transport → endgültige Diagnosestellung und Therapienur in der Klinik möglich
Die operative Behandlung erfolgt notfallmäßig durch eine Dermatofasziotomie, bei der alle Kompartimente der betroffenen Extremität entlastet werden
Rhabdomyolyse und Crush-Syndrom
Eine ausgedehnte Quetschung, länger anhaltende Kompression, Muskelischämie oder ein Kompartmentsyndrom können zur Zerstörung quergestreifter Muskulatur führen.
Muskelzellschädigung: Mechanische Kompression und Ischämie → Schädigung der Zellmembranen und Zerfall von Muskelzellen
Rhabdomyolyse: Muskelzerfall → Freisetzung von Myoglobin, Kalium, Phosphat und Kreatinkinase; die Kreatinkinase dient insbesondere als diagnostischer Marker der Muskelschädigung
Flüssigkeitsverschiebung: Flüssigkeit tritt in die geschädigte Muskulatur über → Ödembildung und Verminderung des intravasalen Volumens → mögliche Verstärkung von Hypovolämie und Kreislaufinstabilität
Reperfusion: Wiederherstellung der Durchblutung nach vorheriger Ischämie → mögliche Ausschwemmung von Kalium, Laktat und weiteren Stoffwechselprodukten in den Kreislauf
Hyperkaliämie: Freisetzung von Kalium aus geschädigten Muskelzellen → mögliche Erregungsleitungsstörungen und Herzrhythmusstörungen
Myoglobinfreisetzung: Myoglobin gelangt in den Kreislauf und wird renal ausgeschieden → renale Vasokonstriktion, direkte Tubulusschädigung und intratubuläre Zylinderbildung möglich
Akute Nierenschädigung: Myoglobinbelastung, Hypovolämie und verminderte Nierendurchblutung → Abnahme der Nierenfunktion bis zu Oligurie oder Anurie
Crush-Syndrom: Systemische Folge einer ausgedehnten Muskelkompression oder Muskelischämie → mögliche Kreislaufinstabilität, Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen sowie akute Nierenschädigung
Begriffliche Abgrenzung: Die Rhabdomyolyse bezeichnet den Zerfall quergestreifter Muskulatur; das Crush-Syndrom umfasst die daraus entstehenden systemischen Auswirkungen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Zielkrankenhaus
Die Zielklinik richtet sich nach Verletzungsschwere, Kreislaufstabilität, Blutungskontrolle, Weichteilschaden und neurovaskulärem Status.
Leichte isolierte Verletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen und ohne offene Verletzung oder neurovaskuläres Defizit Transport in eine Notaufnahme mit Bildgebung und unfallchirurgischer Beurteilung
Vermutete operationspflichtige Verletzung: Transport in eine Klinik mit zeitnah verfügbarer Bildgebung, Anästhesie und operativer Unfallchirurgie
Offene Fraktur oder schwerer Weichteilschaden: Möglichst direkte Versorgung in einem Traumazentrum mit unfallchirurgischer und plastisch-rekonstruktiver Kompetenz
Gefäßverletzung oder bedrohte Extremität: Schnellstmöglicher Transport in eine Klinik mit Möglichkeit der Gefäßrekonstruktion, Fasziotomie und Frakturstabilisierung
Amputationsverletzung: Frühzeitige Abstimmung mit einem Replantationszentrum und bei zeitgerechter Erreichbarkeit direkter Transport.
Schweres Extremitätentrauma oder Mehrfachverletzung: Transport in ein geeignetes regionales oder überregionales Traumazentrum
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: Vitalparameter sowie Durchblutung, Motorik und Sensibilität regelmäßig kontrollieren und dokumentieren
Blutungskontrolle: Kompression, Druckverband oder bei lebensbedrohlicher Blutung Tourniquet; Anlagezeit dokumentieren
Immobilisation: Extremität gepolstert und möglichst achsengerecht ruhigstellen
Analgesie: Ausreichende, dem Kreislaufzustand angepasste Schmerztherapie durchführen
Offene Verletzung: Grobe Verschmutzungen entfernen, steril abdecken und möglichst wenig manipulieren
Amputation: Stumpf versorgen; Amputat steril verpacken und ohne direkten Eiskontakt kühlen
Verlaufskontrolle: Auf Blutung, zunehmende Schmerzen, Schwellung sowie neurovaskuläre Verschlechterung achten
Wärmeerhalt: Auskühlung der betroffenen Person vermeiden
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach einem standardisierten Schema, etwa SINNHAFT oder ISOBAR
Relevante Informationen:
Unfallzeitpunkt und Verletzungsmechanismus
Initiale und aktuelle Vitalparameter
Lokalbefund sowie offene oder geschlossene Verletzung
pDMS vor und nach Reposition und Immobilisation
Blutverlust und durchgeführte Blutstillung
Verdachtsdiagnosen und Begleitverletzungen
Durchgeführte Maßnahmen und verabreichte Medikamente
Bei Tourniquet: Position und Anlagezeit
Bei Amputation: Versorgung und Kühlung des Amputats
Bei Instabilität, Gefäßverletzung, Kompartmentsyndrom, schwerer offener Fraktur oder Amputation frühzeitig den Schockraum vorinformieren
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Definition
Extremitätentrauma
Als Extremitätentrauma werden unfallbedingte Verletzungen der oberen oder unteren Gliedmaßen bezeichnet. Betroffen sein können Knochen, Gelenke, Muskeln und andere Weichteile sowie Blutgefäße und Nerven. Zu den typischen Verletzungsformen zählen Frakturen, Luxationen und Luxationsfrakturen.
Frakturform
Definition
Offene Fraktur
Im Bereich der Fraktur besteht eine Haut- und Weichteilwunde mit Verbindung zwischen Frakturzone und Außenwelt. Der Knochen muss dabei nicht sichtbar sein
Geschlossene Fraktur
Die Haut ist im Bereich der Fraktur nicht eröffnet; eine Verbindung zwischen Frakturzone und Außenwelt besteht nicht
Ursachen
Ursache
Typische Situationen
Mögliches Verletzungsspektrum
Unfälle im Straßenverkehr
Zusammenstöße mit Auto, Motorrad oder Fahrrad sowie Fußgängerunfälle; beim Dashboard-Mechanismus prallt das Knie gegen das Armaturenbrett
Frakturen, Luxationen, Quetschungen, offene Verletzungen und ausgedehnte Weichteilschäden
Sturzereignisse
Sturz aus größerer Höhe, auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf das Knie; bei älteren Menschen auch Stürze aus dem Stand
Frakturen der oberen oder unteren Extremität, Luxationen und Verletzungen durch axiale Stauchung
Sport- und Freizeitaktivitäten
Ski- und Reitunfälle, Fußball, Mountainbiking sowie Kontakt- und Mannschaftssportarten
Verdrehtraumata, Bandverletzungen, Frakturen und Luxationen
Arbeitsbedingte Unfälle
Sturz, direkter Anprall, Einklemmung oder Kontakt mit Werkzeugen und Maschinen
Frakturen, Quetsch- und Weichteilverletzungen sowie offene Wunden
Gewalteinwirkung
Schläge, Tritte, Faustschläge oder Verletzungen bei Abwehrbewegungen
Hämatome, Quetschwunden, Frakturen und Verletzungen durch stumpfe oder scharfe Gewalt
Schuss-, Stich- und Pfählungsverletzungen
Eindringen eines Geschosses, scharfen Gegenstands oder anderen Fremdkörpers in eine Extremität
Penetrierende beziehungsweise offene Verletzungen mit möglichen Gefäß-, Nerven- und ausgedehnten Weichteilschäden
Explosionsereignisse
Einwirkung der Druckwelle, umherfliegende Splitter und Trümmer oder Wegschleudern des Körpers
Stumpfe und penetrierende Verletzungen, Frakturen sowie traumatische Amputationen
Vorgeschädigter Knochen
Verminderte Knochenstabilität durch Osteoporose, Knochentumoren, Knochenzysten oder andere strukturelle Erkrankungen
Pathologische Fraktur nach geringfügiger Gewalteinwirkung oder ohne erkennbares Trauma
Pathophysiologie
Pathophysiologischer Abschnitt
Zentrale Vorgänge
Mögliche Folgen
Primäre Gewebeschädigung
Direkte, indirekte, axiale, rotatorische oder penetrierende Krafteinwirkung auf Knochen, Gelenke und Weichteile
Fraktur, Luxation sowie Muskel-, Gefäß- oder Nervenschädigung
Lokale Verletzungsprogression
Blutung, Hämatombildung und zunehmendes Gewebeödem. Zusätzliche Schädigung durch instabile Knochenfragmente möglich
Schwellung, Schmerzen, zunehmender Weichteilschaden und weiterer Blutverlust
Neurovaskuläre Schädigung
Unterbrechung oder Kompression der arteriellen Versorgung sowie Schädigung peripherer Nerven
Ischämie, neurologische Ausfälle, Gewebenekrose und Funktionsverlust
Kompartmentsyndrom
Druckanstieg innerhalb einer geschlossenen Muskelloge mit zunehmender Beeinträchtigung der Mikrozirkulation
Fortschreitende Muskel- und Nervenschädigung bis zum irreversiblen Funktionsverlust
Systemische Folgen schwerer Verletzungen
Erheblicher Blutverlust oder ausgedehnte Weichteilzerstörung, insbesondere bei Quetsch- und Amputationsverletzungen
Hämorrhagischer Schock, Rhabdomyolyse, akute Nierenschädigung und bei schwerem Verlauf Multiorganversagen
Klinischer Eindruck
Schmerzen, insbesondere bei Bewegung, Belastung oder Palpation
Schwellung und Hämatombildung als Zeichen einer Weichteilverletzung oder Blutung
Fehlstellung, Achsabweichung oder Verkürzung als Hinweise auf eine Fraktur oder Luxation
Eingeschränkte oder aufgehobene Funktion der betroffenen Extremität
Abnorme Beweglichkeit oder Krepitation als mögliche Frakturzeichen
Prellmarken, Schürfwunden und Quetschungen als Hinweise auf die lokale Krafteinwirkung
Offene Wunden oder sichtbare Knochenanteile als Hinweise auf eine offene Fraktur
Starke äußere Blutung bei Gefäßverletzung, offener Fraktur oder traumatischer Amputation
Blässe, Kälte oder verzögerte Rekapillarisierung distal der Verletzung als mögliche Zeichen einer Durchblutungsstörung
Fehlender oder abgeschwächter peripherer Puls als Hinweis auf eine relevante arterielle Gefäßverletzung
Sensibilitätsstörungen, beispielsweise Taubheit, Kribbeln oder verminderte Berührungsempfindung
Motorische Ausfälle mit eingeschränkter oder aufgehobener aktiver Beweglichkeit
Zunehmende, unverhältnismäßig starke Schmerzen, Schmerzen bei passiver Muskeldehnung und eine prall gespannte Schwellung als mögliche Hinweise auf ein Kompartmentsyndrom
Diagnostik
Sichere Frakturzeichen
Unsichere Frakturzeichen
Sichtbare Knochenfragmente
Schmerzen und Druckschmerz
Deutliche Fehlstellung oder Achsabweichung
Schwellung
Abnorme Beweglichkeit
Hämatom
Knochenkrepitation
Bewegungseinschränkung oder Funktionsverlust
Inspektion:
Tipp
Vergleiche die verletztemit der unverletztenExtremität auf Schwellung, Fehlstellung, Form, Farbe und Bewegung. Auffälligkeiten geben erste Hinweise auf mögliche Frakturen oder Luxationen.
Allgemeinzustand und Hautkolorit: Auf Blässe, Kaltschweißigkeit und weitere mögliche Zeichen einer Schocksymptomatik achten
Fehlstellungen: Auf Achsabweichungen, Verkürzungen, Rotationsfehlstellungen sowie eine unnatürliche Gelenkstellung achten
Schonhaltung und Funktion: Auf eine auffällige Haltung, verminderte spontane Bewegung oder vollständige Gebrauchsunfähigkeit achten
Äußere Verletzungszeichen: Haut auf Schwellungen, Hämatome, Prellmarken, Schürfwunden, Quetschungen oder Ablederungen untersuchen
Penetrierende Verletzungen: Ein- und mögliche Austrittswunden sowie Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen suchen
Fremdkörper: Eingedrungene Fremdkörper erkennen, jedoch nicht entfernen oder bewegen
Durchblutungszeichen: Auf Blässe, livide Verfärbung oder andere auffällige Veränderungen distal der Verletzung achten
Amputationsverletzungen: Teil- oder vollständige Amputationen sowie den Zustand des Amputationsstumpfs erkennen
Palpation:
Systematisches Vorgehen: Die betroffene Extremität vorsichtig von proximal nach distal untersuchen und dabei möglichst in schmerzarmen Bereichen beginnen
Seitenvergleich: Hauttemperatur, Schwellung, Gewebespannung und periphere Pulse mit der unverletzten Gegenseite vergleichen
Druckschmerz: Knochen, Gelenke und Weichteile behutsam auf lokalisierbare Druckschmerzen untersuchen
Knochenkonturen: Auf tastbare Stufenbildungen, Defekte oder Fehlstellungen achten
Weichteile: Schwellungen, Hämatome, Verhärtungen, Fluktuationen oder eine ungewöhnlich gespannte Muskulatur erfassen
Kompartmentsyndrom: Eine prall gespannte Muskelloge und zunehmende Schmerzen bei vorsichtiger passiver Dehnung können auf einen erhöhten Kompartmentdruck hinweisen
Durchblutung: Periphere Pulse, Hauttemperatur und Rekapillarisierungszeit distal der Verletzung prüfen
Obere Extremität: Pulsstatus an A. radialis und A. ulnaris kontrollieren
Untere Extremität: Pulsstatus an A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior kontrollieren
Gelenkbeteiligung: Angrenzende Gelenke vorsichtig auf Druckschmerz, Schwellung und Fehlstellung untersuchen
Offene Verletzungen: Wunden nicht austasten und nicht mit dem Finger sondieren; sichtbare Fremdkörper oder Knochenfragmente nicht manipulieren
Therapie
Verletzungsmuster
Präklinische Maßnahmen
Hinweise
Geschlossene Fraktur
Schmerzarm und möglichst achsgerecht lagern
Vor Bewegung oder Transport ruhigstellen
Proximales und distales Gelenk in die Immobilisation einbeziehen
Vakuumschiene gegenüber einer Luftkammerschiene bevorzugen, sofern verfügbar und geeignet
pDMS vor und nach der Immobilisation kontrollieren
Ausreichende Analgesie
Ringe, Armbänder und andere abschnürende Gegenstände frühzeitig entfernen
Krepitation und abnorme Beweglichkeit nicht gezielt provozieren
Offene Fraktur
Blutung kontrollieren
Nur lose, grobe Verschmutzungen entfernen
Wunde steril abdecken
Extremität immobilisieren
pDMS kontrollieren
Antibiotikaprophylaxe nach lokalem Protokoll, insbesondere bei verlängerter Rettungszeit und vorhandener Möglichkeit zur intravenösen Gabe
Zügiger Transport zur operativen Versorgung
Keine routinemäßige Wundspülung → falls im Einzelfall erforderlich, ausschließlich physiologische Kochsalzlösung verwenden
Knochenfragmente nicht zurückschieben
Verband nach Möglichkeit bis zur klinischen Versorgung geschlossen belassen
Luxation oder grob dislozierte Fraktur
Ausreichende Analgesie bzw. Analgosedierung
Bei distalem neurologischem oder vaskulärem Defizit oder gefährdetem Weichteilmantel sofortiger Repositionsversuch
Bei grober Fehlstellung, Ischämie oder langer Rettungszeit annähernde Reposition durch kontrollierten axialen Zug und manuelle Korrektur
Ziel sind eine ausreichende Durchblutung und annähernde Achsgerechtigkeit, nicht die anatomisch exakte Reposition
Anschließend stabil immobilisieren
pDMS vor und nach jeder Maßnahme kontrollieren und dokumentieren
Bei erhaltener neurovaskulärer Versorgung kann auf die Reposition verzichtet und in schmerzarmer, vorgefundener Position immobilisiert werden
Zu starken Längszug und wiederholte Repositionsversuche vermeiden
Bei Verschlechterung der pDMS sofort in die Ausgangsstellung zurückkehren und erneut stabilisieren
Schulter-, Ellenbogen- und Hüftluxationen: Präklinische Reposition grundsätzlich zurückhaltend und nicht routinemäßig durchführen. Nur bei Gefäß- oder Nervenschädigung, Ischämie, extremer Fehlstellung oder gefährdetem Weichteilmantel
Offensichtlich dislozierte Sprunggelenksfrakturen beziehungsweise Luxationsfrakturen sollen durch erfahrene Personen noch am Unfallort reponiert werden
Gelenknahe Frakturen vorzugsweise in der vorgefundenen Position immobilisieren
Bei distaler Femurfraktur starken Längszug vermeiden → Immobilisation + Kniebeugung von 30–50° möglich
Geschlossene Weichteilverletzung
Belastung reduzieren
Symptomorientiert ruhigstellen
pDMS kontrollieren
Gegebenenfalls mild, indirekt und zeitlich begrenzt kühlen
Keine straffe Kompression bei beeinträchtigter Durchblutung oder prall gespannter Schwellung
Schmerzen, Schwellung und pDMS regelmäßig kontrollieren
Akute Wunde ohne Fraktur
Lose, grobe Verschmutzungen vorsichtig entfernen
Wunde steril abdecken
Blutung durch manuelle Kompression oder Druckverband kontrollieren
Eingedrungene Fremdkörper grundsätzlich belassen und stabilisieren
Tourniquet nur bei lebensbedrohlicher, anders nicht zeitgerecht kontrollierbarer Blutung
Kritische Extremitätenblutung
Manuelle Kompression
Anschließend Druckverband, gegebenenfalls mit Hämostyptikum
Bei zugänglicher tiefer Wundhöhle gegebenenfalls Wound Packing mit Verbandmaterial oder Hämostyptikum
Nach dem Wound Packing konsequente manuelle Kompression aufrechterhalten
Tourniquet bei weiterhin lebensbedrohlicher, nicht zeitgerecht kontrollierbarer Blutung
Tourniquet proximal der Blutung anlegen
Nicht direkt über einer Wunde, einem Gelenk oder einem Fremdkörper platzieren
Wirksames Tourniquet regelmäßig auf Nachblutungen kontrollieren
Besondere Situationen
Defintion
Kompartmentsyndrom
Ein Kompartmentsyndrom entsteht durch eine pathologische Drucksteigerung innerhalb eines geschlossenen osteofaszialen Kompartiments. Dieses Kompartiment ist durch straffe Faszien begrenzt, die nur eine sehr begrenzte Dehnung zulassen.
TypischeAuslöser, im Rahmen eines Extremitätentraumas sind:
Frakturen (insbesondere Tibia- und Unterarmfrakturen)
Traumatische Weichteilverletzungen mit Einblutung
Durch die Einblutung oder das Ödem innerhalb des Kompartiments steigt der intrafasziale Druck über ein kritisches Maß an, wodurch die kapilläre Perfusion des Gewebes eingeschränkt oder vollständig unterbrochen wird.
Transport
Die Zielklinik richtet sich nach Verletzungsschwere, Kreislaufstabilität, Blutungskontrolle, Weichteilschaden und neurovaskulärem Status.
Leichte isolierte Verletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen und ohne offene Verletzung oder neurovaskuläres Defizit Transport in eine Notaufnahme mit Bildgebung und unfallchirurgischer Beurteilung
Vermutete operationspflichtige Verletzung: Transport in eine Klinik mit zeitnah verfügbarer Bildgebung, Anästhesie und operativer Unfallchirurgie
Offene Fraktur oder schwerer Weichteilschaden: Möglichst direkte Versorgung in einem Traumazentrum mit unfallchirurgischer und plastisch-rekonstruktiver Kompetenz
Gefäßverletzung oder bedrohte Extremität: Schnellstmöglicher Transport in eine Klinik mit Möglichkeit der Gefäßrekonstruktion, Fasziotomie und Frakturstabilisierung
Amputationsverletzung: Frühzeitige Abstimmung mit einem Replantationszentrum und bei zeitgerechter Erreichbarkeit direkter Transport.
Schweres Extremitätentrauma oder Mehrfachverletzung: Transport in ein geeignetes regionales oder überregionales Traumazentrum
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Humerusfrakturen
Scapulafrakturen
Claviculafrakturen
Olecranonfrakturen
Radiusköpfchen- und -halsfrakturen
Unterarmschaftfrakturen
Distale Radiusfrakturen
Frakturen der Hand
Femurfrakturen
Frakturen des Beckens
Unterschenkelfrakturen
Calcaneusfrakturen
Frakturen des Sprunggelenks
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.