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Faktencheck - 12 klassische Ernährungsmythen

12 Minuten Lesezeit

Zitrusfrüchte haben den höchsten Vitamin-C-Gehalt 

Zitrone

Vitamin C wird oft mit Zitrusfrüchten in Verbindung gebracht. Auch auf entsprechenden Vitaminpräparaten sind Zitrusfrüchte häufig als Symbol für einen hohen Vitamin-C-Gehalt abgebildet.

Zitrusfrüchte werden zwar zu den Vitamin-C-reichen Lebensmitteln gezählt, es gibt jedoch zahlreiche andere Nahrungsmittel, die deutlich mehr Vitamin C enthalten. Beispiele hierfür sind Acerolakirschen, schwarze Johannisbeeren, Paprika oder Rosenkohl

Superfoods sind besonders gesundheitsfördernd und machen fit

Topf

Häufig wird der Begriff Superfoods für Lebensmittel verwendet, die als besonders nährstoffreich gelten. Der Begriff ist allerdings nicht wissenschaftlich definiert und wird häufig als Marketingstrategie verwendet. 

Als Superfoods bezeichnete Produkte wie Chiasamen oder Gojibeeren können eine ausgewogene Ernährung zwar sinnvoll ergänzen, „magische" Lebensmittel existieren jedoch nicht.

Es gibt allerdings auch heimische Lebensmittel, die den Superfood-Exoten in nichts nachstehen, preiswerter und durch kürzere Transportwege umweltfreundlicher sind. So können Chiasamen z.B. durch Leinsamen ersetzt werden, die ebenso reich an Eiweiß, Ballaststoffen, Omega-3-Fettsäuren und Calcium sind.

Der Nutri-Score gibt Auskunft über den Gesundheitswert eines Lebensmittels

Der Nutri-Score soll Verbraucher:innen dabei helfen, die Nährwerte von Lebensmitteln auf einen Blick zu vergleichen. Dieser Vergleich erfolgt jedoch nur zwischen Lebensmitteln gleicher oder ähnlicher Produktgruppen (z.B. Vergleich zwischen Pizza der Marke A mit Pizza der Marke B). 

Der Nutri-Score macht also keine Aussage über den Gesundheitswert eines Lebensmittels oder darüber, welche Produkte Verbraucher:innen für eine ausgewogene Ernährung bevorzugen sollten.

Wer viel Karotten isst, kann besser sehen

Karotten

Das Gerücht, dass man durch den Verzehr von Karotten besser sehen könne, hat seinen Ursprung im 2. Weltkrieg und war Teil einer Propagandakampagne der britischen Regierung. Diese sollte die Menschen davon überzeugen, dass der große Erfolg britischer Pilot:innen beim Abschuss deutscher Flugzeuge auf den Verzehr von Karotten zurückzuführen sei. Auf diese Weise sollte der wahre Grund für den Erfolg - die Entwicklung fortschrittlicher Radarsysteme - geheim gehalten werden.

Karotten sind reich an Beta-Carotin, das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Vitamin A ist wichtig für die Erhaltung der Sehkraft. Ein Mangel kann zum klassischen Symptom der Nachtblindheit und letztlich auch zur Erblindung führen. Es ist jedoch nicht möglich, die Sehkraft durch eine übermäßige Zufuhr von Vitamin A zu verbessern.

Kaffee dehydriert den Körper

Kaffee

Lange Zeit galt die Annahme, dass Kaffeekonsum den Körper dehydriert. Diese Vorstellung basierte auf der Beobachtung, dass Koffein eine harntreibende Wirkung besitzt. 

Koffein führt zwar kurzfristig zu einem verstärkten Harndrang, insgesamt unterscheidet sich die Wirkung auf den Wasserhaushalt aber kaum von der von Wasser.

Detox-Diäten entgiften den Körper

Detox

Sogenannte Detox-Diäten sollen den Körper von Giftstoffen befreien und das allgemeine Wohlbefinden fördern. Dabei handelt es sich bspw. um bestimmte Produkte wie Tees, Smoothies oder Nahrungsergänzungsmittel, die eine „Entgiftung“ des Körpers versprechen. Der Nutzen solcher „Entgiftungsdiäten“ ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt

Nach aktuellem Forschungsstand gibt es keine Vorteile gegenüber den natürlichen Entgiftungsmechanismen des Körpers.

Statt auf kurzfristige „Entgiftungskuren“ zu setzen, empfehlen Expert:innen eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und einen gesunden Lebensstil, um den Körper langfristig zu unterstützen und das Wohlbefinden zu fördern.

Man sollte mindestens 3 Liter Wasser am Tag trinken

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig. Der Flüssigkeitsbedarf variiert jedoch von Person zu Person und hängt von zahlreichen Faktoren ab (Körper, Alter, körperliche Aktivität etc). 

Zudem haben viele Lebensmittel einen hohen Wassergehalt (z.B. Gurken oder Tomaten) und tragen somit entscheidend zur täglichen Flüssigkeitszufuhr bei. Eine pauschale Trinkmengenempfehlung ist für gesunde Personen daher nicht sinnvoll.

Bier auf Wein, lass lieber sein!

Kopfschmerzen

Ursprünglich stammt das Sprichwort aus dem Mittelalter. Während Bier billig war und als Volksgetränk galt, war Wein den höheren Schichten vorbehalten. Folglich wurde Wein mit sozialem Aufstieg, Bier hingegen mit sozialem Abstieg assoziiert.

Für die Stärke des Katers spielt es allerdings keine Rolle, in welcher Reihenfolge alkoholische Getränke konsumiert werden. Ausschlaggebend sind Menge und Qualität des Alkohols.

Dunkles Brot ist gesünder als helles

Getreide

Optische Reize spielen auch beim Brotkauf eine große Rolle. Eine dunkle Farbe wird von vielen Menschen mit einem hohen Vollkornanteil in Verbindung gebracht. Vollkornbrot ist zwar gesünder als Brote aus Weißmehl, allerdings lässt die Farbe nicht unbedingt auf den Vollkorngehalt schließen. Häufig wird Brot aus hellen Mehlsorten z.B. mit Malzextrakt dunkel gefärbt.

Auch bei den Bezeichnungen wird oft getrickst. So sind Begriffe wie „Fit & Vitalbrot“ nicht geschützt und können grundsätzlich für alle Arten von Backwaren verwendet werden, unabhängig von ihrem Vollkornanteil. Wer sicher gehen will, sollte daher die Zutatenliste prüfen. 

Gluten ist ungesund

Glutenfrei

Gluten (auch Klebereiweiß genannt) ist ein Protein, das in verschiedenen Getreidesorten vorkommt. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Gluten ungesund ist und bevorzugen daher glutenfreie Produkte. Die Industrie für glutenfreie Lebensmittel verzeichnet daher ein starkes Wachstum.

Tatsächlich ist es in bestimmten Fällen ratsam, glutenhaltige Produkte zu meiden. So sollten bspw. Menschen mit Zöliakie gänzlich auf Gluten verzichten. Für die Allgemeinbevölkerung bestehen jedoch keine gesundheitlichen Vorteile. Tatsächlich sind glutenfreie Produkte sogar oft nährstoffärmer und enthalten weniger Ballaststoffe. Grundsätzlich wird ein bewusster Verzicht auf Gluten von Forscher:innen nicht empfohlen.

Eier lassen den Cholesterinspiegel stark ansteigen

Eier

Der Mythos, dass Eier den Cholesterinspiegel stark erhöhen, geht auf ältere Ernährungskonzepte zurück, die von einer einfachen Beziehung zwischen dem Cholesterin in der Nahrung und dem Cholesterinspiegel im Blut ausgingen. Heute weiß man, dass Nahrungscholesterin kaum einen Einfluss auf den Cholesterinspiegel hat und dass z.B. der Verzehr von gesättigten Fettsäuren eine größere Rolle spielt.

Darüber hinaus enthalten Eier einen hohen Anteil an wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Zink, essenzielle Aminosäuren und Lecithin. Lecithin gehört zur Gruppe der Phospholipide und ist mit zahlreichen gesundheitsfördernden Wirkungen verbunden. So trägt Ei-Lecithin bspw. dazu bei, die Gehirnfunktion zu unterstützen und die Nervengesundheit zu fördern.

Spinat ist der ultimative Eisenlieferant

Spinat

Dieser Mythos beruht auf einer fehlerhaften Messung aus dem 19. Jahrhundert. Die damalige Berechnung ergab einen Eisengehalt von 35 mg/100 g Spinat. Dieser ermittelte Wert beruht jedoch auf einem Dezimalstellenfehler, sodass der tatsächliche Eisengehalt mit ca. 3 mg/100 g deutlich geringer ist.

Hinzu kommt, dass Spinat Oxalsäure enthält. Diese schränkt die Resorption des enthaltenen Eisens durch Komplexbildung deutlich ein.

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Zuletzt aktualisiert am 11.01.2025
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