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Fall 14: Routine-Checkup

5 Minuten Lesezeit

Beschreibung

  • Die 60-jährige Frau Erikmann kommt zum Routine-Checkup in ihre internistische Praxis 
  • Sie habe seit einem halben Jahr leichte Knieschmerzen, sodass sie aufgrund von Bewegungsmangel 10kg zugenommen habe
  • Die Kniebeschwerden seien bereits in orthopädischer Behandlung 
  • Als Vorerkrankungen seien eine Hypercholesterinämie und ein Bluthochdruck bekannt, Z.n. Appendektomie 
  • Sie nehme Rosuvastatin, Ramipril und Amlodipin ein
  • Nichtraucherin, gelegentlich Alkohol (2 Gläser Wein/ Woche)
  • Ihr 5 Jahre älterer Bruder und ihr Vater seien zuckerkrank
  • Vollständig geimpft

Vitalparameter

  • Blutdruck: 128/78 mmHg
  • HF: 67/min

Körperliche Untersuchung

  • Patientin ist adipös (32 kg/m → Adipositas Grad I)
  • Herz: Herztöne rein, rhythmisch, keine Herzgeräusche
  • Lunge: ubiquitär vesikuläres Atemgeräusch, keine RGs, sonorer Klopfschall
  • Abdomen: weich, kein Druckschmerz, keine Abwehrspannung, rege Darmgeräusche auskultierbar, Laparoskopie Narben
  • Nieren: nicht klopf- oder druckschmerzhaft
  • Neurologisch orientierend unauffällig, orientiert zu Zeit, Ort, Person und Situation

Labor

  • Unauffälliges Blutbild, Spontanblutzucker 240mg/dl, HbA1c 6,8% Gesamtcholesterin 190 mg/dl, HDL 60mg/dl
 Info

Fragen

  1. Was ist deine Verdachtsdiagnose? Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
  2. Was sind die Unterschiede zwischen den beiden häufigsten Typen?
  3. Wie gehst du therapeutisch vor, wenn sich deine Verdachtsdiagnose bestätigt?
  4. Welche chronischen Komplikationen können bei länger bestehender Erkrankung auftreten?
 Info

Frage 1: Was ist deine Verdachtsdiagnose? Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Bei Frau Erikmann besteht ein Diabetes mellitus Typ 2 (HbA1c>6,5 und Spontanplasmaglukose >200 mg/dl)

ParameterGesundPrädiabetesDiabetes mellitus
Nüchternplasmaglukose in mg/dl<100
 (<5,6 mmol/l)

100-125 
(5,6-6,9 mmol/l)

→ abnorme Nüchternglukose

≥126 
(≥7,0 mmol/l)
HbA1c in %<5,7 
(<39 mmol/mol Hb)
5,7-6,4 
(39-47 mmol/mol Hb)

≥6,5

(≥48 mmol/mol Hb)

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT) 2-Std. Plasmaglukose in mg/dl<140 
(<7,8 mmol/l)

140-199
 (7,8-11 mmol/l)

→ pathologische Glukosetoleranz

≥200
 (≥11,1 mmol/l)
Spontanplasmaglukose in mg/dl  

≥200
 (≥11,1 mmol/l)

+ diabetestypische Symptomen

 Tipp

Der HbA1c-Wert stellt den Anteil von glykiertem Hämoglobin A1 am Gesamthämoglobin dar. Er wird als „Blutzuckergedächtnis“ der letzten 3 Monate genutzt.

 Info

Frage 2: Was sind die Unterschiede zwischen den beiden häufigsten Typen?

Diabetes mellitusTyp 1Typ 2
Häufigkeit<10%~90%
PathophysiologieAbsoluter InsulinmangelRelativer Insulinmangel bei peripherer Insulinresistenz
AlterKindes- und JungendalterMeist >40 Lebensjahr (aber zunehmend jüngeres Erkrankungsalter),
VererbungHLA-Assoziation (HLA-DR3, HLA-DR4)Genetische Prädisposition (keine HLA-Assoziation)
Beginnakutschleichend
C-PeptidMeist fehlend/niedrigMeist normal bis erhöht
KörpergewichtMeist normalgewichtigMeist übergewichtig, adipös
Neigung zur KetoazidoseHoch  Gering
TherapieInsulintherapie erforderlichStufentherapie mit Lebensstiländerung, Antidiabetika und Insulin
 Info

Frage 3: Wie gehst du therapeutisch vor, wenn sich deine Verdachtsdiagnose bestätigt?

  • Die Diabetes-Therapie soll die Langzeitkomplikationen von zu hohen Blutglukosespiegeln reduzieren
    • Allgemein ist eine Basistherapie empfohlen, welche eine Veränderung des Lebensstils beinhaltet
      • Falls eine ausreichende Absenkung des HbA1c nicht zu erwarten ist, kann direkt bei Stufe 2 gestartet werden
    • Als Therapieziel wird ein individueller HbA1c-Zielwert festgelegt (abhängig von dem Wunsch der Patientin, Alter, Komorbiditäten, Lebenserwartung, Risiko für Hypoglykämien, familiäre/soziale Hilfe, Erkrankungsdauer)
      • Allgemeiner Zielwert: 6,5-8,5%
    • Auswahl der Antidiabetika nach individuellen Risikofaktoren und Komorbiditäten (mehr zu den Antidiabetika auf unserem YouTube-Channel)

Stufentherapie des Diabetes mellitus Typ 2

 Info

Frage 4: Welche chronischen Komplikationen können bei länger bestehender Erkrankung auftreten?

  • Diabetische Makroangiopathie
    • KHK
    • pAVK
    • Mönckeberg-Mediasklerose
    • Verschluss von Hirnarterien (Apoplex)
  • Diabetische Mikroangiopathie
    • Diabetische Nephropathie
      • Noduläre Glomerulosklerose initial mit Mikroalbuminurie
    • Diabetische Retinopathie
      • Lange symptomlos→ regelmäßige Augenarzt-Termine
    • Diabetische Neuropathie
      • U.a. reduziertes Schmerz- und Vibrationsempfinden
      • Autonome Dysregulation (z.B. Rhythmusstörungen oder Gastroparese) 
    • Diabetische Fußsyndrome
      • Malum perforans (schmerzloser Ulkus v.a. am Fußballen)
      • Eintrittspforte für Erreger→ Phlegmonengefahr 
  • Weitere:
    • Steatosis hepatis (diabetische Fettleber)
    • Katarakt
    • Diabetische Kardiomyopathie 
      • Klinik: Herzinsuffizienz
    • Limited Joint Mobility
      • Eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke 
    • Necrobiosis lipoidica 
      • Granulomatöse Entzündung der Dermis v.a. an den Unterschenkelstreckseiten
Necrobiosis lipoidica
Necrobiosis lipoidica 
Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026
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