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Fall 5: Schwarzer Stuhl und Bluterbrechen

6 Minuten Lesezeit

Beschreibung

  • Der 81-jährige berentete Heizungsbauer Herr Muster habe heute morgen Blut erbrochen, daraufhin habe er sich direkt in die Notaufnahme vorgestellt
  • Daneben berichtet er, dass er seit vorgestern schwarzen Stuhlgang bemerkt habe
  • Aufgrund von Stents nehme Herr Muster ASS 100mg ein
  • Da er in letzter Zeit häufig Rückenschmerzen habe, wurde ihm vor einer Woche vom Orthopäden Diclofenac verschrieben
  • Der Patient sei Nichtraucher und trinke keinen Alkohol 

Vitalparameter

  • Blutdruck: 85/60
  • HF: 110/min

Körperliche Untersuchung

  • Der Patient ist normalgewichtig (BMI: 22 kg/m2
  • Herz: rein, rhythmisch, keine Herzgeräusche
  • Lunge: vesikuläres Atemgeräusch, seitengleich gut belüftet
  • Abdomen: weich, Druckschmerz im linken Oberbauch, Darmgeräusche rege auskultierbar
  • Pulsstatus: unauffällig
  • Neurologische Untersuchung orientierend unauffällig 
 Info

Fragen:

  1. Was ist deine Verdachtsdiagnose? Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
  2. Kennst du weitere Ursachen? 
  3. Welche Sofortmaßnahmen leitest du ein?
  4. Welche Komplikationen können bei der Erkrankung auftreten?
  5. Was beschreibt die Forrest-Klassifikation?
 Info

Frage 1: Was ist deine Verdachtsdiagnose? Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • Es besteht der Verdacht auf eine Blutung aus dem oberen GI-Trakt (proximal des Treitzbandes) 
    • Typische Symptome sind die Hämatoemesis (Bluterbrechen) und die Meläna (schwarzer Teerstuhl)
    • Bei unteren GI-Blutungen kommt es häufiger zur Hämatochezie, also roten Blutauflagerung auf dem Stuhl. Bei unteren GI-Blutungen kommt es nicht zur Hämatoemesis
  • Mögliche Ursache: Ulkus
    • Die gleichzeitige Einnahme von ASS und Diclofenac führt über eine Hemmung der Prostaglandinsynthese → reduzierte Bildung des schützenden Magenschleims → dadurch erhöht sich die Gefahr für Magen- und Duodenalulzera

Hinweise auf eine obere und untere gastrointestinale Blutung (GI-Blutung)

 Info

Frage 2: Kennst du weitere Ursachen?

  1. Ulcus ventriculi bzw. Ulcus duodeni (häufigste Ursache oberer GI-Blutungen, 50% der Fälle)
    1. Helicobacter-pylori-(HP-) positive Ulkuskrankheit
      • Nachweis: Helicobacter-Urease-Schnelltest (HUT) aus Biopsien, der C13-Atemtest
      • HP-negative Ulkuskrankheit
        • NSAR- oder Glukokortikoid-Einnahme
        • Stressulkus 
        • Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom)
        • Primärer Hyperparathyreoidismus („Stein-, Bein- und Magenpein“)
  2. Mallory-Weiss-Syndrom: Einrisse im gastroösophagealen Übergang bei starkem Erbrechen (häufig in Verbindung mit starkem Alkoholkonsum)
  3. Tumorblutung (Magenkarzinom, GIST, Ösophaguskarzinom)
  4. Erosive Gastritis
  5. Hiatushernie
  6. Ösophagusvarizenblutung: bei portaler Hypertension, Leberzirrhose
  7. Angiodysplasien
 Info

Frage 3: Welche Sofortmaßnahmen leitest du ein?

  • Ziele:
    1. Symptomatisch: Stabilisierung des Kreislaufs  → Herr Muster ist hypoton und tachykard
    2. Kausal: Blutung stoppen  → Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD
  • Maßnahmen:
    1. Patient nüchtern lassen
    2. Mindestens zwei großlumige venöse Zugänge legen 
    3. Blutentnahme für Blutbild, Bestimmung der Blutgruppe, Gerinnung, Elektrolyte, Nierenfunktion 
    4. Volumensubstitution mit kristalloiden Infusionslösungen bspw. mit isotonischen Elektrolytlösungen
    5. Ggf. Erythrozytenkonzentrate (Eks) anhängen
      1. Zielwert: Hb um 8g/dl (ein EK erhöht den Hb ca. um 1g/dl)
      2. 1 Plasmakonzentrat pro 2 Eks
      3. Systolischer Blutdruck von >100 mmHg sollte angestrebt werden
    6. Protonenpumpeninhibitoren (PPIs) i.v. als Bolus bei nicht variköser oberer GI-Blutung 
    7. Ggf. Erythromycin 
      1. Steigert die Motilität des Magens und kann damit die Sicht im oberen GI-Trakt verbessern
    8. ÖGD zur Diagnostik und Therapie
      1. Sklerosierung, Unterspritzung, Ligatur, Koagulation oder Anbringen eines Gefäßclips
    9. Bei endoskopisch nicht beherrschbaren Blutungen → OP
 Info

Frage 4: Welche Komplikationen können bei der Erkrankung auftreten?

  • Anämie
    • Akute Blutung: Hb-Wert ist bei einer akuten Blutung nicht sofort erniedrigt→ normwertiger Hb-Wert zu Beginn
    • Erst im Verlauf kommt es zu einem ausgleichenden Flüssigkeitseinstrom in die Gefäße und so zu einer Verdünnung des Hb- Wertes → dann normochrome und normozytäre Anämie

Akute Blutung - Beurteilung des Hb-Wertes

  • Aspiration ggf. mit Entwicklung einer Aspirationspneumonie
  • Hypovolämischer Schock
 Achtung

Bei Patienten mit Leberzirrhose: das Blut ist guter Nährboden für ammoniakbildende Bakterien → Gastrointestinale Blutungen können zu einer hepatischen Enzephalopathie führen

 Info

Frage 5: Was beschreibt die Forrest-Klassifikation?

  • Die Forrest-Klassifikation beschreibt den endoskopischen Blutungsbefund
    • Beurteilung des Risikos für eine Rezidivblutung
Forrest BeschreibungRezidivrisiko
IAktive 
Blutung
Ia: Spritzende arterielle Blutung>85%
Ib: Sickerblutung25-55%
IIInaktive 
Blutung
IIa: Läsion mit sichtbarem Gefäßstumpf20-50%
IIb:  Koagelbedeckte Läsion20-40%
IIIc: Hämatinbelegte Läsion5-10%
IIILäsion ohne Blutungszeichen5%
Forrest-Klassifikation
Zuletzt aktualisiert am 20.01.2025
Fall 4: Schmerzen im Unterschenkel
Fall 6: Starke Schmerzen in der Brust
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