Fallvignette
Beschreibung
- Der 81-jährige berentete Heizungsbauer Herr Muster habe heute morgen Blut
erbrochen, daraufhin habe er sich direkt in die Notaufnahme vorgestellt - Daneben berichtet er
, dass er seit vorgestern schwarzen Stuhlgang bemerkt habe - Aufgrund von Stents nehme Herr Muster ASS 100mg
ein - Da er
in letzter Zeit häufig Rückenschmerzen habe, wurde ihm vor einer Woche vom Orthopäden Diclofenac verschrieben - Der Patient sei Nichtraucher und trinke keinen Alkohol
Vitalparameter
- Blutdruck: 85/60
- HF: 110/min
Körperliche Untersuchung
- Der Patient ist normalgewichtig (BMI
: 22 kg/m2) - Herz: rein, rhythmisch, keine Herzgeräusche
- Lunge
: vesikuläres Atemgeräusch , seitengleich gut belüftet - Abdomen: weich, Druckschmerz im linken Oberbauch, Darmgeräusche rege auskultierbar
- Pulsstatus: unauffällig
- Neurologische Untersuchung
orientierend unauffällig
InfoFragen:
- Was ist deine Verdachtsdiagnose? Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- Kennst du weitere Ursachen?
- Welche Sofortmaßnahmen leitest du ein?
- Welche Komplikationen können bei der Erkrankung auftreten?
- Was beschreibt die Forrest-Klassifikation
?
Antwort zu Frage 1
InfoFrage 1: Was ist deine Verdachtsdiagnose? Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- Es besteht der Verdacht auf eine Blutung aus dem oberen GI-Trakt (proximal des Treitzbandes)
- Typische Symptome sind die Hämatoemesis (Bluterbrechen
) und die Meläna (schwarzer Teerstuhl ) - Bei unteren GI-Blutungen
kommt es häufiger zur Hämatochezie , also roten Blutauflagerung auf dem Stuhl. Bei unteren GI-Blutungen kommt es nicht zur Hämatoemesis
- Typische Symptome sind die Hämatoemesis (Bluterbrechen
- Mögliche Ursache: Ulkus
- Die gleichzeitige Einnahme von ASS und Diclofenac führt über eine Hemmung der Prostaglandinsynthese → reduzierte Bildung des schützenden Magenschleims → dadurch erhöht sich die Gefahr für Magen
- und Duodenalulzera
- Die gleichzeitige Einnahme von ASS und Diclofenac führt über eine Hemmung der Prostaglandinsynthese → reduzierte Bildung des schützenden Magenschleims → dadurch erhöht sich die Gefahr für Magen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Antwort zu Frage 2
InfoFrage 2: Kennst du weitere Ursachen?
- Ulcus ventriculi
bzw. Ulcus duodeni (häufigste Ursache oberer GI-Blutungen , 50% der Fälle) - Helicobacter-pylori-(HP
-) positive Ulkuskrankheit - Nachweis: Helicobacter-Urease-Schnelltest
(HUT ) aus Biopsien, der C13-Atemtest - HP
-negative Ulkuskrankheit - NSAR
- oder Glukokortikoid -Einnahme - Stressulkus
- Gastrinom
(Zollinger-Ellison-Syndrom) - Primärer Hyperparathyreoidismus („Stein-, Bein- und Magenpein“)
- NSAR
- Nachweis: Helicobacter-Urease-Schnelltest
- Helicobacter-pylori-(HP
- Mallory-Weiss-Syndrom
: Einrisse im gastroösophagealen Übergang bei starkem Erbrechen (häufig in Verbindung mit starkem Alkoholkonsum) - Tumorblutung (Magenkarzinom
, GIST, Ösophaguskarzinom ) - Erosive Gastritis
- Hiatushernie
- Ösophagusvarizenblutung
: bei portaler Hypertension, Leberzirrhose - Angiodysplasien
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Antwort zu Frage 3
InfoFrage 3: Welche Sofortmaßnahmen leitest du ein?
- Ziele:
- Symptomatisch: Stabilisierung des Kreislaufs → Herr Muster ist hypoton
und tachykard - Kausal: Blutung stoppen → Ösophagogastroduodenoskopie
(ÖGD )
- Symptomatisch: Stabilisierung des Kreislaufs → Herr Muster ist hypoton
- Maßnahmen:
- Patient nüchtern lassen
- Mindestens zwei großlumige venöse Zugänge legen
- Blutentnahme für Blutbild
, Bestimmung der Blutgruppe, Gerinnung, Elektrolyte, Nierenfunktion - Volumensubstitution mit kristalloiden Infusionslösungen bspw. mit isotonischen Elektrolytlösungen
- Ggf. Erythrozytenkonzentrate (Eks) anhängen
- Zielwert: Hb
um 8g/dl (ein EK erhöht den Hb ca. um 1g/dl) - 1 Plasmakonzentrat pro 2 Eks
- Systolischer Blutdruck von >100 mmHg sollte angestrebt werden
- Zielwert: Hb
- Protonenpumpeninhibitoren
(PPIs ) i.v. als Bolus bei nicht variköser oberer GI-Blutung - Ggf. Erythromycin
- Steigert die Motilität des Magens und kann damit die Sicht im oberen GI-Trakt verbessern
- ÖGD
zur Diagnostik und Therapie - Sklerosierung, Unterspritzung, Ligatur, Koagulation oder Anbringen eines Gefäßclips
- Sklerosierung, Unterspritzung, Ligatur, Koagulation oder Anbringen eines Gefäßclips
- Bei endoskopisch nicht beherrschbaren Blutungen → OP
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Antwort zu Frage 4
InfoFrage 4: Welche Komplikationen können bei der Erkrankung auftreten?
- Anämie
- Akute Blutung: Hb
-Wert ist bei einer akuten Blutung nicht sofort erniedrigt→ normwertiger Hb -Wert zu Beginn - Erst im Verlauf kommt es zu einem ausgleichenden Flüssigkeitseinstrom in die Gefäße und so zu einer Verdünnung des Hb
- Wertes → dann normochrome und normozytäre Anämie
- Akute Blutung: Hb

- Aspiration ggf. mit Entwicklung einer Aspirationspneumonie
- Hypovolämischer Schock
AchtungBei Patienten mit Leberzirrhose
: das Blut ist guter Nährboden für ammoniakbildende Bakterien → Gastrointestinale Blutungen können zu einer hepatischen Enzephalopathie führen
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Antwort zu Frage 5
InfoFrage 5: Was beschreibt die Forrest-Klassifikation
?
- Die Forrest-Klassifikation
beschreibt den endoskopischen Blutungsbefund - Beurteilung des Risikos für eine Rezidivblutung
| Forrest | Beschreibung | Rezidivrisiko | |
|---|---|---|---|
| I | Aktive Blutung | Ia: Spritzende arterielle Blutung | >85% |
| Ib: Sickerblutung | 25-55% | ||
| II | Inaktive Blutung | IIa: Läsion mit sichtbarem Gefäßstumpf | 20-50% |
| IIb: Koagelbedeckte Läsion | 20-40% | ||
| IIIc: Hämatinbelegte Läsion | 5-10% | ||
| III | Läsion ohne Blutungszeichen | 5% | |
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.

