Fallvignette
Beschreibung
- Die 85-jährige Frau Jansen sei in den letzten zwei Wochen dreimal gestürzt. Bisher habe sie sich bis auf ein paar blaue Flecken noch keine schweren Verletzungen zugezogen
- Unmittelbar vor den Stürzen habe sie etwas geschwitzt und ihr sei übel geworden, dann sei ihr Schwarz vor Augen geworden
- Ihre Tochter, die beim letzten Sturz dabei war, berichtet, dass die Mutter sich von der Bewusstlosigkeit (Dauer ca. 20 sek) sehr schnell wieder erholt habe. Sie mache sich aber trotzdem große Sorgen und würde die Stürze gerne bei Ihnen abklären lassen
- Als Vorerkrankungen seien eine arterielle Hypertonie
, eine Mitralklappeninsuffizienz sowie ein Diabetes mellitus Typ II (tablettengeführt) bekannt. - Die Patientin nehme als Dauermedikation Candesartan, Amlodipin und Metformin ein
Vitalparameter
- Blutdruck: 110/80 mmHg
- HF: 46/min
- Sättigung: 96%
Körperliche Untersuchung
- Patientin ist übergewichtig (31 kg/m2)
- Herz: Herztöne rhythmisch, Holosystolikum mit p.m. links 5. ICR medioklavikulär und Ausstrahlung in die Achsel
- Lunge
: ubiquitär vesikuläres Atemgeräusch , keine RGs - Abdomen: weich, kein Druckschmerz, keine Abwehrspannung
- Nieren: nicht klopf- oder druckschmerzhaft
- Neurologisch orientierend unauffällig, orientiert zu Zeit, Ort, Person und Situation
InfoFragen
- Was ist deine Verdachtsdiagnose? Was sind mögliche Differentialdiagnosen bei der vorliegenden Anamnese?
- Welche Diagnostik sollte zur weiteren Abklärung durchgeführt werden?
- Wie befundest du das vorliegende Monitor-EKG
? - Welche Therapie leitest du bei vorliegendem EKG
-Befund ein?
Antwort zu Frage 1
InfoFrage 1: Was ist deine Verdachtsdiagnose? Was sind mögliche Differentialdiagnosen bei der vorliegenden Anamnese?
- Die Arbeitsdiagnose bei Frau Jansen ist die Synkope
- Häufige Prodomi sind:
- Schwindel
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schwitzen
- Sehstörungen
- Kältegefühl
- Schwindel
TippDie Synkope
ist definiert als plötzlicher Bewusstseinsverlust (i.d.R. <20 sek) mit vollständiger und schneller Erholung aufgrund von kurzfristiger zerebraler Minderperfusion. Zum Teil gehen Synkopen Warnsignale (sog. Prodomi) voraus.
AchtungBei einer häufigen Verlaufsform der konvulsiven Synkope
kommt es nach dem Bewusstseinsverlust zu Myoklonien (unwillkürlichen Muskelzuckungen) für eine Dauer von <15 sek. Danach kommt es im Gegensatz zum epileptischen Anfall schnell zur vollständigen Erholung.
- Neben der Synkope
kommen differentialdiagnostisch noch weitere nicht- traumatische Ursachen infrage: - Epileptischer Anfall
- Meist länger als 20 sek mit verzögerter Erholung (postiktale Eintrübung)
- Begleitend lateraler Zungenbiss, Myoklonien
zeitgleich mit dem Bewusstseinsverlust
- Psychogener Bewusstseinsverlust
- Meist längere Zeitspanne (>2 min), psychische Erkrankungen in der Vorgeschichte
- Weitere:
- Intoxikationen
- Hypoglykämie
- Intoxikationen
- Übersicht zu den Differentialdiagnosen bei kurzzeitigem Bewusstseinsverlust (TLOC)
- Epileptischer Anfall

- Daneben wird die Synkope
noch weiter eingeteilt in 3 Unterformen: - Kardiale Synkope
- Reflexsynkope
- Orthostatische Synkope
- Kardiale Synkope
Antwort zu Frage 2
InfoFrage 2: Welche Diagnostik sollte zur weiteren Abklärung durchgeführt werden?
- Nach der Anamnese (wenn möglich auch Fremdanamnese), der körperlichen Untersuchung und der Abklärung der Differentialdiagnosen, sollten zuerst die kardialen, potentiell lebensbedrohlichen, Ursachen ausgeschlossen werden
- 12-Kanal-EKG
- Labor mit Herzenzymen, Blutbild
, Elektrolyte, Blutzucker, TSH , Infektwerte, ggf. Bestimmung von Medikamentenspiegeln (bei V.a. Überdosierungen) - Schellong-Test
: - Bestimmung des Blutdrucks im Liegen und Stehen, zur Abklärung einer orthostatischen Hypotonie
- Weitere:
- Echokardiografie
- EKG
-Monitoring - Kipptischuntersuchung
- Karotissinus-Massage
- Echokardiografie
- 12-Kanal-EKG
Antwort zu Frage 3
InfoFrage 3: Wie befundest du das vorliegende Monitor-EKG
?

Auswertung:
Frequenz: Mit 40 Schlägen pro Minute liegt eine Bradykardie
Rhythmik: Das EKG
P-Welle
QRS-Komplex
Erregungsrückbildung
Bewertung: Es liegt ein AV-Block I° vor, der intermittierend in einen AV-Block III° übergeht. Auf der Intensivstation wurden ihr vorübergehend ein Schrittmacherkabel eingeschwemmt. Am nächsten Morgen erhielt sie einen Schrittmacher. In dem unteren auf Seite 17 dargestellten Monitor-EKG
Antwort zu Frage 4
InfoFrage 4: Welche Therapie leitest du bei vorliegendem EKG
-Befund ein?
- Bei Frau Jansen liegt folglich eine kardiale Synkope
aufgrund eines bradykarden AV-Blocks III° vor - Frau Jansen war hämodynamisch stabil, daher wird ihr zunächst ein Schrittmacherkabel eingeschwemmt, um im Notfall stimulieren zu können
- Kausale Therapie: es erfolgte eine permanente Herzschrittmacherversorgung (DDD-Schrittmacher)
- Eine Elektrode wird im rechten Vorhof
, eine Elektrode wird im rechten Ventrikel platziert - Bei Unterschreitung einer Triggerfrequenz wird das Herz durch den Schrittmacher stimuliert
- Die am häufigsten verwendeten Einstellungen sind DDD und der VVI (letzterer z.B. bei bradykard
übergeleitetem Vorhofflimmern ) - Absetzen der bradykardisierenden Medikamente
- Eine Elektrode wird im rechten Vorhof
Info: zur Überprüfung der korrekten Lage des Schrittmachers wird eine Röntgenthorax-Aufnahme angefertigt

Weiterführende Fallbeispiele
Für praktische EKG
Für praktische EKG

