Bei einer Röntgen-Thorax-Aufnahme sollten auch die Knochenstrukturen beurteilt werden, da Frakturen oft als Nebenbefund sichtbar sind. Die genaue Beschreibung der Fraktur im radiologischen Befund ist essentiell. Bei Verdacht auf eine Rippenfraktur wird häufig nur die betroffene Thoraxseite (Hemithorax) in Weichstrahltechnik abgebildet, was für einen besseren Kontrast sorgt. Bei Frakturverdacht anderer Körperregionen, wie z.B. des Unterschenkels, ist es wichtig, immer mehrere Ebenen zu röntgen, um die Fraktur umfassend beurteilen zu können.
Die radiologische Beurteilung von Frakturen erfordert das Erkennen spezifischer direkter und indirekter Frakturzeichen:
- Direkte Frakturzeichen:
- Frakturspalt oder Diskontinuität der Kortikalis: Sichtbare Unterbrechung in der Knochenrinde.
- Stufenbildung der Kortikalis oder sichtbare, dislozierte Knochenfragmente: Versetzung der Knochenfragmente an der Frakturlinie
- Impaktationszonen bei Kompression oder Einstauchung: Verdichtungsbereiche, die durch die Kompression eines Knochenfragments in ein anderes entstehen
- Deformierung (z.B. Keilwirbel der Wirbelsäule): Verformung von Knochen durch Krafteinwirkung
- Indirekte Frakturzeichen:
- Fettpolsterzeichen: Verlagerung des Fettgewebes durch frakturbedingte Ergussbildung
- Weichteilemphysem: Luftansammlung im Weichgewebe, häufig bei Rippenfrakturen, die durch die Verletzung der Lunge entstehen kann
- Pneumothorax: Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, oft infolge einer Rippenfraktur, bei der Luft aus der Lunge in den Pleuraspalt gelangt
- Erguss: durch die Fraktur kann es zu einer Ergussbildung (z.B. Gelenkerguss) kommen
Knochenbrüche können anhand unterschiedlicher Kriterien eingeteilt werden. Einige wichtige Kriterien, die im Befund genannt werden, sind:
- Anzahl der Frakturfragmente: Ein- oder Zweifragmentfraktur, Mehrfragmentfraktur (3–6 Frakturfragmente), Trümmerfraktur (> 7 Frakturfragmente)
- Frakturverlauf: Querfraktur, Längsfraktur, Schrägfraktur, Biegungsfraktur, Spiralfraktur
- Pathomechanismus: Traumatische Fraktur, pathologische Fraktur, Stressfraktur
- Dislokation: ad latus, ad longitudinem, ad axim, ad peripheriam
- Gelenkbeteiligung: Intraartikuläre oder extraartikuläre Beteiligung
Das Fettpolsterzeichen, auch als "fat pad sign" bekannt, entsteht durch die Abhebung des periartikulären Fettes infolge eines Gelenkergusses. Besonders bekannt ist dieses Zeichen bei undislozierten Frakturen des Ellenbogens und kann manchmal das einzige indirekte Frakturzeichen im Röntgenbild sein. Das Fettpolster liegt in den Fossae olecrani und coronoidea und ist an der Gelenkkapsel fixiert. Bei einem Gelenkerguss oder einer Einblutung füllt sich die Gelenkkapsel und drückt das Fettpolster weg, was im Röntgenbild als Aufhellung (dunkle Zone) sichtbar wird.

Bei Verdacht auf eine Rippenfraktur kann ein spezielles Röntgenbild des betroffenen Hemithorax angefertigt werden. Diese Aufnahme unterscheidet sich von einem "normalen" Röntgen-Thorax durch folgende Merkmale:
- Weichstrahltechnik: bei einer Hemithorax-Aufnahme wird weiche Röntgenstrahlung (<100keV) verwendet, um einen besseren Kontrast zu erzielen
- Aufnahmewinkel: Die Bilder werden in a.p.- (anterior-posterior) oder p.a.- (posterior-anterior) Projektion und zusätzlich im 45°-Winkel aufgenommen, um die lateralen Rippenanteile besser beurteilen zu können


