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Fremdkörperaspiration im Kindesalter

SK
7 Minuten Lesezeit

Die Fremdkörperaspiration stellt eine häufige Ursache für Atemwegsnotfälle im Kindesalter dar, insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren. Etwa 85 % der Aspirationen ereignen sich vor dem 5. Lebensjahr, wobei der größte Anteil zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr zu verzeichnen ist. Besonders häufig sind es kleine Objekte wie Nüsse, Teile von Plastikspielzeug oder Metallgegenstände, die in die Atemwege gelangen.

Ein plötzlicher Beginn von Husten oder Dyspnoe, häufig im Zusammenhang mit dem Verzehr von Nahrung oder dem Spielen mit kleinen Gegenständen, deutet stark auf eine Fremdkörperaspiration hin. Dennoch sind auch verlaufsverzögerte Fälle möglich, die mit unspezifischen Symptomen wie chronischem Husten oder wiederkehrenden Pneumonien auffallen. Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Aspiration dabei nicht aus.

Aufgrund der potentiellen Gefahr einer vollständigen Atemwegsobstruktion mit dem Risiko des akuten Erstickens ist die Fremdkörperaspiration als klinischer Notfall zu werten. Präklinisch sollte der etablierte Therapiealgorithmus angewendet werden, um eine schnelle und gezielte Intervention zu gewährleisten. Bei stabiler Situation erfolgt die Diagnosesicherung über eine gründliche körperliche Untersuchung sowie eine Röntgenaufnahme des Thorax – wobei bei begründetem Verdacht stets eine Bronchoskopie zur sicheren Diagnose und Entfernung durchgeführt werden sollte. In seltenen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Bei rechtzeitiger und sachgerechter Entfernung ist die Prognose meist günstig, bleibende Schäden sind selten.

Fremdkörperaspiration bezeichnet das Einatmen eines Fremdkörpers, wodurch dieser in das Tracheobronchialsystem gelangt. Dabei kann es zu einer teilweisen oder vollständigen Verlegung der Atemwege kommen, was unterschiedlich ausgeprägte klinische Symptome verursacht – von leichtem Husten bis hin zu lebensbedrohlicher Atemnot.

 Info

Die Unterscheidung zwischen Fremdkörperaspiration (Einatmen in die Lunge) und Fremdkörperingestion (Verschlucken in den Magen-Darm-Trakt) kann herausfordernd sein, da die Symptome variieren.

Lokalisation

  • Fremdkörper gelangen häufiger in den rechten Hauptbronchus, da dieser einen steileren Abgang und einen größeren Durchmesser als der linke Hauptbronchus aufweist

Mechanismen der Atemwegsverlegung

  • Ventilstenose (partielle Verlegung):
    • Einlass von Luft beim Einatmen, aber eingeschränkter Auslass beim Ausatmen
    • Führt zu Air trapping (Luftfalle) mit Überblähung des betroffenen Lungenabschnitts
  • Komplette Verlegung:
    • Keine Belüftung distal des Fremdkörpers
    • Führt zu Atelektase (Zusammenfallen des betroffenen Lungenareals)
Fremdkörperaspiration

Typische Symptome:

  • Plötzlich einsetzender, starker Husten: Bei zuvor gesunden Kindern oft erstes Zeichen, häufig begleitet von Atemnot (Dyspnoe)
  • Atemnot (Dyspnoe): Schweregrad abhängig von Größe und Position des Fremdkörpers
  • Pfeifendes Atemgeräusch (Wheezing): Hinweis auf partielle Verlegung der Atemwege
  • Zyanose, Tachykardie, Blässe oder Unruhe: Hinweise auf drohende Hypoxie bei schwerer Verlegung der Atemwege
  • Fieber: Kann auf eine begleitende Infektion oder Entzündung durch den Fremdkörper hinweisen
 Achtung

Unzureichender Hustenreflex bei Säuglingen kann dazu führen, dass eine Aspiration unbemerkt bleibt.

Verlaufsformen

  • Akut:
    • Sofortige Symptomatik nach Aspiration (Husten, Atemnot, Wheezing)
  • Chronisch:
    • Unbehandelte Fremdkörper führen zu:
      • Superinfektionen
      • Rezidivierenden Pneumonien
      • Schädigung des Lungengewebes (z. B. bronchiale Stenosen)
    • Differenzialdiagnosen bei chronischen Symptomen: Mukoviszidose, Asthma bronchiale, Immundefekte
    • Hinweis: Fehlendes Ansprechen auf Standardtherapien (z. B. Antibiotika, Inhalativa) sollte an eine Fremdkörperaspiration denken lassen

Anamnese

  • Typischer Hinweis: Sehr plötzlicher Symptombeginn ohne vorausgehende Krankheit
  • Zeitlicher Zusammenhang: Auftreten der Symptome unmittelbar nach dem Essen oder Spielen mit kleinen Gegenständen
 Achtung

Knopfbatterien sind absolute Notfälle → rasche Entfernung zur Vermeidung von Gewebsnekrosen!

Körperliche Untersuchung

Interkostale Einziehung eines Neugeborenen
Interkostale Einziehungen
  • Inspektion:
    • Asymmetrische Thoraxbewegungen
    • Zeichen der Dyspnoe (Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, juguläre, inter- und subkostale Einziehungen)
  • Perkussion:
    • Hypersonorer Klopfschall bei Ventilmechanismus (Hinweis auf Air-Trapping)
    • Hyposonorer Klopfschall bei Atelektase
  • Auskultation:
    • Abgeschwächtes Atemgeräusch
    • Ggf. einseitiges Giemen

Apparative Diagnostik

Aspiration von zwei Nägeln
Aspirierte Nägel
  • Röntgen-Thorax (a.p. und lateral, von der Zahnleiste bis zum Abdomen)
  • Typische Befunde:
    • Air-Trapping (64 %)
    • Atelektase (14 %)
    • Pneumonie (13 %)
    • Sichtbarer Fremdkörper (4 %)
    • Unauffälliger Befund (12 %)
  • Bronchoskopie
    • Diagnostisches Verfahren der Wahl
    • Sollte bei klinischem Verdacht auch bei unauffälligem Röntgen-Thorax durchgeführt werden
    • Ermöglicht gleichzeitig die therapeutische Entfernung des Fremdkörpers

 

 Merke

Da das Röntgenbild oft keine eindeutigen Hinweise liefert, sollte eine Bronchoskopie bei klinischem Verdacht nicht verzögert werden.

Die Behandlung der Fremdkörperaspiration bei Kindern erfordert ein rasches und altersangepasstes Vorgehen. Akut symptomatische Kinder müssen schnellstmöglich in eine Kinderklinik mit Möglichkeit zur Tracheobronchoskopie transportiert werden.

Akut

In der präklinischen Phase richtet sich das Vorgehen nach dem Hustenverhalten:

  • Effektiver Husten (Kind ist ansprechbar, kann sprechen/weinen):
    → Beruhigen, Spontanatmung und Husten zulassen, kontinuierliches Monitoring
  • Ineffektiver Husten (leise, keine Luft, Zyanose, Bewusstseinsverlust):
    → Sofortige Maßnahmen zur Fremdkörperentfernung:
    • Säuglinge: 5 Rückenschläge + 5 Thoraxkompressionen im Wechsel
    • Kinder >1 Jahr: Heimlich-Manöver (abdominelle Kompression)
    • Nach Heimlich-Manöver: dringende Nachsorge wegen Organruptur-Risiko (v. a. Milz, Leber)
Algorithmus: V.a. Fremdkörperaspiration
 Achtung

Je länger der Fremdkörper liegt, desto höher das Risiko für Granulationsgewebe und Blutungen!

Vorgehen in der Klinik

Wenn präklinisch keine Entfernung gelingt oder ein V.a. einen tieferliegenden Fremdkörper besteht, erfolgt in der Klinik:

  • Tracheobronchoskopie unter Sicht (flexibel oder starr), idealerweise nüchtern bei subakuter Symptomatik
  • (Video-)Laryngoskopie zur Entfernung bei oberflächlich lokalisiertem Fremdkörper (Larynx/Hypopharynx)
  • Notfallbronchoskopie auch bei Säuglingen, da bei Dislokation eine vollständige Atemwegsobstruktion droht
  • Ultima ratio: chirurgische Entfernung, z. B. bei festsitzenden oder schwer erreichbaren Fremdkörpern
 Achtung

Laryngospasmus möglich → ggf. Notfallintubation oder -tracheotomie!

Medikamentöse Zusatzmaßnahmen:

  • Inhalative β2-Sympathomimetika oder Adrenalinverneblung bei Bronchospasmus
  • Systemische Kortikosteroide bei ausgeprägter Schleimhautschwellung
  • Antibiotikatherapie nur bei bakterieller Superinfektion, komplizierter Bronchoskopie oder langem Fremdkörperverbleib
  • Mortalität ca. 3,4 %, Todesfälle meist ereignisnah bei vollständiger Atemwegsobstruktion
  • Gute Prognose, wenn der Fremdkörper schnell und komplikationslos entfernt wird
  • Chronischer Verlauf möglich, wenn Aspiration unbemerkt bleibt → Risiko für:
    • Rezidivierende Pneumonien
    • Chronischer Husten
    • Atelektasen
    • Bronchiektasen
  • Frühzeitige Diagnostik und Therapie → in der Regel vollständige Genesung ohne bleibende Schäden
  • Prognose verschlechtert sich, je länger der Fremdkörper in den Atemwegen verbleibt (Granulationsgewebe, Infektion)
 Tipp
Tipps zur Vermeidung von Fremdkörperaspirationen
  • Keine Nüsse oder harte Kleinteile bei Kindern unter 3 Jahren
  • Beim Essen: ruhige Umgebung, Sitzen und keine Ablenkung
  • Nicht essen oder trinken beim Spielen, Laufen oder Toben (z. B. Trampolin, Klettern)
  • Kleine Gegenstände (z. B. Perlen, Legosteine) außer Reichweite von Kleinkindern halten
  • Spielzeug auf altersgerechte Größe und Sicherheit prüfen
  • Kinder vor dem Essen auf ruhiges Verhalten hinweisen und ggf. begleiten
Zuletzt aktualisiert am 28.04.2025
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