Eine Indikation für ein Röntgen-Thorax ist die Überprüfung der Lage von Fremdmaterial im Röntgen-Thorax. Nach dem Einbringen solcher Materialien wird häufig eine radiologische Kontrolle durchgeführt, um Fehllagen oder Komplikationen zu erkennen. Zudem wird überprüft, ob das Material intakt ist oder ob Materialbrüche oder Diskonnektionen vorliegen. Die Prüfung sollte möglichst immer in zwei Ebenen erfolgen, um eine genaue Beurteilung zu ermöglichen.
MerkeHäufige Fremdmaterialien
- Zentrale Venenkatheter (ZVK)
- Magensonden
- Pleura- oder Thoraxdrainagen
- Kardiologische Implantate wie Herzschrittmacher
Bei der Anlage von Fremdmaterialien können Komplikationen auftreten, die bei der Lagekontrolle stets mitbeurteilt werden sollten. Häufige Komplikationen, die im Röntgen-Thorax erkennbar sind, umfassen:
- Weichteilemphysem: Luftansammlung im Weichgewebe, oft durch Verletzungen während des Einführens
- Pneumothorax: Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, besonders Vorsicht geboten bei Mediastinalshift (Spannungspneumothorax)
- Fehllage, sekundäre Dislokation oder Materialbruch: Abweichung von der korrekten Position, Verschiebung oder Bruch des eingeführten Materials
- Hämatothorax: Blutansammlung im Pleuraspalt, oft durch Gefäßverletzungen während des Einführens
Magensonde
Magensonden werden häufig in Krankenhäusern verwendet. Sie sollten in der Projektion auf die Speiseröhre (Ösophagus) liegen. Die Spitze der Magensonde wird manchmal nicht miterfasst, sollte aber immer unterhalb des Zwerchfells (subdiaphragmal) liegen. Als Orientierungshilfe kann die oft gut abgrenzbare Magenblase verwendet werden.
AchtungBei Patient:innen mit Magenhochzug nach Ösophagusresektion kann eine Magensondenlage mit Spitze in Projektion auf das Mediastinum ausreichend sein.

Endotrachealtubus
Der Tubus sollte im Röntgenbild entlang der Trachea verlaufen. Die Spitze des Tubus sollte sich etwa 2-7 cm oberhalb der Carina tracheae befinden (suprakarinal).

EKG-Kabel und Halskrause
Insbesondere bei Röntgenaufnahmen in der Notaufnahme liegt häufig Fremdmaterial auf dem Körper, das nicht entfernt werden kann oder darf. Dieses Material kann die Beurteilung erschweren und muss berücksichtigt werden.
Beispiel: Auf diesem Röntgenbild sind drei EKG-Kabel (mit türkisfarbenen Pfeilen markiert) und eine Halskrause (rot markiert) zu sehen. Trotz dieser Fremdmaterialien sollte man sich auf die Pathologie des Röntgenbildes konzentrieren. In diesem Fall sind mehrere alte Rippenfrakturen (weißer Kreis) und eine konsolidierte Verschattung im linken basalen Unterfeld zu erkennen. Die linke Zwerchfellkuppel ist nicht vollständig abgrenzbar, was insgesamt auf eine Pneumonie hinweist.

Defibrillator
Häufig haben Patienten kardiale Implantate (Devices). In diesem Beispiel hat die Patientin (Mammaschatten) einen ICD (implantierter Kardioverter-Defibrillator (blaues Overlay) linkspektoral. Es sollte immer beschrieben werden, wie viele Sonden angeschlossen sind und wohin ihre Spitzen projizieren. Hier sind zwei Sonden angeschlossen, deren Spitzen auf den rechten Vorhof (türkises Overlay) und den rechten apexnahen Ventrikel projizieren (rotes Overlay). Daneben sind EKG-Aufkleber (schwarze Pfeile) mit Kabeln zu sehen.

Aorten- und Mitralklappenersatz
Das Röntgenbild zeigt die regelrechte Lage des Aortenklappenersatzes (türkisfarbener Pfeil) und des Mitralklappenersatzes (roter Pfeil). Ventral in Projektion auf das Sternum sind postoperativ, nach einer Sternotomie, sieben Sternalcerclagen sichtbar.

TAVI und Schrittmacher
Das Röntgenbild zeigt die regelrechte Lage der Aortenklappe nach TAVI (türkisfarbener Pfeil, TAVI = Transkatheter-Aortenklappen-Implantation) in Projektion auf die Aortenklappe. Zusätzlich ist ein Herzschrittmacher (schwarzer Pfeil) links pektoral sichtbar, mit zwei konnektierten Sonden in Projektion auf die Vorhöfe.

Portkatheter
Das Röntgenbild zeigt die regelrechte Lage des Portsystems (grünes Overlay) rechts pektoral. Der dazugehörige Katheter (blau) verläuft via rechter V. subclavia und endet mit der Spitze in Projektion auf den cavoatrialen Übergang. Daneben ist ein thorakaler Aortenstent zu sehen (weißer Pfeil).

Pleura- oder Thoraxdrainage
Die Thoraxdrainage (grünes Overlay) wird meist durch einen anterolateralen Interkostalraum eingeführt und sollte intrathorakal liegen. Daher ist es wichtig, auf den Verlauf und die Spitze, sowie auf die „Drainagelöcher“ zu achten.

Osteosynthesematerial
Unfallchirurgisches Fremdmaterial sollte immer mitbeurteilt werden. Es ist besonders wichtig, auf mögliche Materialbrüche oder Zeichen der Lockerung zu achten.

Es kommt gelegentlich zu Fehllagen des eingebrachten Fremdmaterials.
Endotrachealtubus
Das Röntgenbild zeigt eine Fehllage des Tubus (rotes Overlay) im rechten Hauptbronchus. Dies führt zu einer vollständigen Verschattung des linken Hemithorax aufgrund eines Lungenkollapses bei fehlender Belüftung. Es besteht ein Mediastinalshift nach links, da die Herzsilhouette rechts nicht abgrenzbar ist und vollständig im linken Hemithorax verschwindet (Pfeile).

Magensonde
Eine mögliche Komplikation ist die Fehllage der Magensonde in den rechten Unterlappenbronchus, wie in diesem Beispiel.

Zentraler Venenkatheter (ZVK)
Die Spitze des ZVKs bei Einlage über die V. jugularis interna sollte am cavoatrialen Übergang landen, also am Übergang der V. cava superior in das rechte Atrium.
Beispiel: Der ZVK über die rechte V. jugularis interna (VJI) verläuft nach lateral über die V. subclavia.


