Einleitung
DefinitionWenn perinatal Fruchtwasser oder dessen Bestandteile in den mütterlichen Kreislauf eintreten, kann es zu kardiopulmonalen Komplikationen kommen. Diesen Umstand bezeichnet man als Fruchtwasserembolie. Diese ist theoretisch auch präpartal möglich, zum Beispiel von Traumata oder intrauterinen Eingriffen, allerdings findet dieser Notfall insbesondere nach der Geburt
statt.
Die Hauptrisikofaktoren umfassen einen Kaiserschnitt, durch die Verletzungen, die chirurgisch zugefügt werden können, weiterhin aber auch ein hohes Alter der Mutter (> 35 Jahre) oder eine Plazenta praevia
Bei der Fruchtwasserembolie tritt Fruchtwasser über die mütterlichen Venen oder Wundflächen an Uterus bzw. Plazenta in den Kreislauf ein. Zum einen können hier feste Bestandteile innerhalb des Fruchtwassers eine mechanische Obstruktion bedingen. Weiterhin enthält Fruchtwasser jedoch auch Substanzen, die zu einer Vasokonstriktion führen und die Blutkoagulation fördern können.
Meist verläuft diese Reaktion in Phasen. Die Benennung der Phasen variiert je nach Quelle, sodass hier die Reaktion im Gesamten erläutert wird, ohne eine Einteilung in konkret benannte Phasen vorzunehmen.
Zunächst führt eine pulmonale Vasokonstriktion zu einer pulmonalen Hypertonie
Das besagte Rechtsherzversagen kann dann in einem akuten Linksherzversagen
Außerdem findet schon früh eine Entzündung der Alveolen
InfoDas Fruchtwasser enthält Bradykinin und Histamin. Beide Stoffe bewirken eine Vasokonstriktion, insbesondere pulmonaler Art. Die prokoagulatorischen Substanzen, die oben angesprochen wurden, sind zum Beispiel der Tissue Factor oder Phosphatidylserin. Beide bewirken eine Verbrauchskoagulopathie und bedingen somit auch eine inflammatorische Reaktion. In der Folge kommt es durch eine erhöhte Aktivierung des Komplementsystems zu einem septischen Schock
, welcher für die Mutter lebensgefährlich sein kann.
In der Folge kommt es zu einer disseminierten intravasalen Gerinnung (auch als
DIC = disseminated intravascular coagulation bekannt). Dabei handelt es sich um eine Verbrauchskoagulopathie als Folge eines exzessiven Gebrauchs von Gerinnungsfaktoren. Entsprechend kann es zu schweren Blutungen kommen, welche physiologisch nicht gestoppt werden können.
In ihrer Gesamtheit ist die Fruchtwasserembolie also akut lebensgefährlich und benötigt ein komplexes, interdisziplinäres Therapieschema.
Symptome
Die Symptomatik zeigt sich sowohl bei der Mutter als auch beim Kind. Häufig gibt es auch ausschließlich mütterliche Symptome, da die Krankheit häufig postpartal
MerkeDie Mutter hat initial ebenfalls wenig spezifische Symptome, wie eine allgemeine Wesensänderung im Sinne einer Apathie oder Agitation sowie Lichtempfindlichkeit und ein systematisches Kältegefühl.
Im Verlauf wird die Symptomatik hauptsächlich von der Hypoxämie
Diagnostik
Das größte Problem in der Diagnostik der Fruchtwasserembolie ist, dass es eine klinische Ausschlussdiagnose darstellt. Das heißt, es darf nicht nur nicht übersehen werden, sondern alle anderen Ursachen sollten im Vorhinein ausgeschlossen werden, während die Patientin sich in akuter Lebensgefahr befindet.
Zur Einschätzung der Patientin sollte eine engmaschige Kontrolle der Kreislaufparameter mittels Monitoring und BGA erfolgen, sowie regelmäßige Gerinnungskontrollen.
Zum Ausschluss anderer Genesen sollte ein Röntgen Thorax
Wichtige Differenzialdiagnosen, die ausgeschlossen werden sollten, sind:
- Lungenembolie
- Myokardinfarkt
- Kardiomyopathie
- Anaphylaktischer Schock
(z.B. auch induziert durch Medikamente) - Aspirationspneumonie
Erst post mortem können ggf. Fruchtwasserbestandteile gefunden und der Symptomatik zugeordnet werden. Auch diese sind jedoch nicht immer als beweisend zu sehen, da sich in der Lunge
Therapie
Sollte die Fruchtwasserembolie vor der Geburt
Kommt es erst nach der Geburt
Bei einer aktiven Hyperfibrinolyse mit starker Blutung können Tranexamsäure
Manche Quellen empfehlen die Gabe von Glukokortikoiden
Prüfungswissen
Definitionen:
- Eintritt von Fruchtwasser oder dessen Bestandteilen in den mütterlichen Kreislauf
- Resultiert in kardiopulmonalen Komplikationen
Symptome:
- Teils nur bei Mutter symptomatisch (weil häufig postpartal
) - Bezeichnend: plötzliches Auftreten der Symptomatik
- Fetal: Dezelerationen im CTG
- Maternal: Agitation bis Apathie, Dyspnoe
, Zyanose, Hypotonie, Herzrhythmusstörungen, Lungenödem , Asystolie bis Multiorganversagen
Diagnostik:
- Ausschlussdiagnose
- Auch post mortem nur die Freiheit von fetalen Bestandteilen im Kreislauf der Mutter als Beweis gegen die Fruchtwasserembolie zu werten
(fetale Zellen auch ohne Fruchtwasserembolie oft in mütterlichem Kreislauf)
Therapie:
- Wenn präpartal: Notfall-Sectio
mit Versorgung in Perinatalzentrum - Intensivmedizinische Behandlung
- Oft Intubation
und Beatmung mit PEEP zur sicheren Oxygenierung - Angepasste Volumengabe
- Katecholamingabe erwägen
- Bei starker Blutung: Tranexamsäure
+ Uterotonika (evtl. Gabe von Blutprodukten ) - Keine offizielle Empfehlung für Gabe von Glukokortikoiden
- Oft Intubation

