Gastrointestinale Blutungen werden abhängig von ihrer Lokalisation in obere und untere GI-Blutungen unterteilt.
Obere GI-Blutung:
Blutungsquelle proximal des Treitz-Bandes (Übergang Duodenum–Jejunum)
Häufigste Ursache sind Ulzera des Magens oder Duodenums, die etwa 50 % aller oberen GI-Blutungen ausmachen
Typische Symptome:
Hämatemesis („Bluterbrechen“)
Meläna („Teerstuhl“)
Epigastrische Schmerzen
Kreislaufsymptome bei relevantem Blutverlust
Untere GI-Blutung:
Blutungsquelle distal des Treitz-Bandes
Ursachen können unter anderem Divertikelblutungen, Angiodysplasien, entzündliche Darmerkrankungen oder Tumore sein
Typische Symptome:
Hämatochezie (frische Blutauflagerungen oder Blutbeimengungen im Stuhl)
Dunkelrote Blutabgänge per rectum
Abdominelle Beschwerden
Zeichen der Blutungsanämie bei stärkerem Blutverlust
Die klinische Symptomatik hängt wesentlich von Blutungsstärke, Lokalisation und Verweildauer des Blutes im Gastrointestinaltrakt ab.
Ein zügiger Transport in eine geeignete Klinik ist insbesondere bei relevanter Blutungsdynamik essenziell, da durch Blutverlust eine Blutungsanämie sowie eine hypovolämiebedingte Kreislaufinstabilität bis hin zur Schocksymptomatik entstehen können.
Präklinisch steht primär ein gezieltes Volumenmanagement zur hämodynamischen Stabilisierung im Vordergrund. Ergänzend sind engmaschigesMonitoring, die Sicherung eines venösen Zugangs sowie die frühzeitigeErkennung einer drohendenSchocksituation entscheidend.
Achtung
Nachhaltig helfen kann nur eine endoskopische oder chirurgische Intervention! Der schnelle Transport hat hier also Vorrang.
Um den Einstieg in das Thema Gastrointestinale Blutungen etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Gastrointestinale Blutung
Ort: Wohnung, 2. Stock
Alarmzeit: 12:42 Uhr
Anrufer: Ehefrau des Betroffenen
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo: Bluterbrechen und Kreislaufschwäche
Lageeinweisung vor Ort:
Ein 58-jähriger Patient wird in seinem Wohnzimmer sitzend vorgefunden. Die Ehefrau berichtet, dass er sich mehrfach erbrochen habe, zuletzt blutig und schwach wirke.
Der Patient hält eine Schale mit blutig Erbrochenem vor sich, ist auf den ersten Blick blass und wirkt verwirrt
Er reagiert auf laute Ansprache, wirkt insgesamt jedoch schwach und schläfrig
Der Patient zeigt Anzeichen einer akuten Kreislaufschwäche, die eine sofortige Behandlung erforderlich macht
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer gastrointestinalen Blutung aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers (außer bei Bewusstlosigkeit ungeklärter Ursache) in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
c
Kein aktiver äußerer Blutverlust sichtbar
A
Atemwege frei
Gerötete Mundschleimhaut
Geringe Blutrückstände sichtbar
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Normale Thoraxexkursionen
Atmung wirkt eher flach
Keine gestauten Halsvenen sichtbar
Tachypnoe, 22/min
Auskultatorisch:
Vesikuläres Atemgeräusch beidseits hörbar
Keine Nebengeräusche
SpO2: 96%
Mittelbares B-Problem
C
Hautkolorit blass
Insgesamt kaltschweißig
Rekap-Zeit: 4 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk:
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard, 128/min
Akutes C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar
GCS 14
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 4
Beste motorische Reaktion: 6
Klagt über Schwindel
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Mittelbares D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Schwindel
Übelkeit, Bluterbrechen
Allgemeine Schwäche
Allergien/Infektionen: keine bekannt
Medikamente: ASS 100 mg, Lisinopril, Rosuvastatin, Pantoprazol
Patientengeschichte: Ulkuskrankheit, bekannte Hypertonie, koronare Herzkrankheit (KHK), Zustand nach Stentimplantation vor ein paar Jahren
Letzte Mahlzeit: Frühstück um 8:00 Uhr
Ereignis: Akuter Schwindel und Erbrechen von Blut, Schweißausbruch
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Eine gastrointestinale Blutung (GI-Blutung) bezeichnet das Austreten von Blut in das Lumen des Verdauungstrakts infolge einer Schädigung der Schleimhaut oder von Blutgefäßen.
Je nach Lokalisation wird zwischen einer oberen GI-Blutung (Ösophagus, Magen, Duodenum) und einer unteren GI-Blutung (Dünn- und Dickdarm bis Rektum) unterschieden.
Das klinische Erscheinungsbild reicht von geringen, klinisch unauffälligen Blutverlusten bis zu akuten, lebensbedrohlichen Blutungen mit hämodynamischer Instabilität und Schocksymptomatik.
Klassifikation nach Art des Blutungsnachweises
Okkulte gastrointestinale Blutung: Klinisch zunächst nicht sichtbare Blutung ohne offensichtliche Blutungszeichen. Hinweise ergeben sich häufig erst durch eine Blutungsanämie oder eine chronische Eisenmangelanämie
Overte gastrointestinale Blutung: Klinisch manifeste gastrointestinale Blutung mit sichtbaren Blutungszeichen wie Hämatemesis, Meläna oder Hämatochezie
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Um die Ursachen zu gliedern, kann man das Krankheitsbild in die verschiedenen Lokalisationen der Blutungsquellen unterteilen.
Obere gastrointestinale Blutungen
Merke
Die obere GI-Blutung entsteht proximaldes Treitz-Bandes, also im Bereich von Ösophagus, Magen oder Duodenum. Mit etwa 90 % aller gastrointestinalen Blutungen stellt sie die häufigste Form dar.
Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni: verantwortlich für etwa 50 % aller oberen GI-Blutungen
Ösophagusvarizenblutung: häufig bei portaler Hypertension infolge einer Leberzirrhose; anamnestisch oft langjähriger Alkoholkonsum
Mallory-Weiss-Syndrom: Schleimhauteinrisse nach fulminantem Erbrechen, häufig assoziiert mit Alkoholkonsum
Tumorblutungen: beispielsweise bei Ösophagus- oder Magenkarzinom
Erosive Gastritis oder Duodenitis: entzündlich bedingte Schleimhautschädigungen mit Blutungsneigung
Schwere Refluxösophagitis: erosive Schleimhautveränderungen im distalen Ösophagus
Soorösophagitis: Sonderform infektiöser Schleimhautentzündung, insbesondere bei immunsupprimierten Patient:innen
Hiatushernie: mögliche chronische Schleimhautirritation und Blutungsquelle
Angiodysplasien: vaskuläre Malformationen mit erhöhter Blutungsneigung
GAVE-Syndrom („watermelon stomach“): vaskuläre Ektasien des Magens als seltenere Ursache chronischer oder akuter Blutungen
Untere gastrointestinale Blutungen
Merke
Die untere GI-Blutung entsteht distal des Treitz-Bandes. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von vaskulärenVeränderungen über entzündlicheErkrankungen bis zu malignen Prozessen.
Divertikulose: häufige Ursache akuter unterer GI-Blutungen, insbesondere im höheren Lebensalter
Hämorrhoiden: meist hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder Toilettenpapier
Angiodysplasien: vaskuläre Malformationen mit intermittierender Blutungsneigung
Kolorektale Tumoren: insbesondere kolorektales Karzinom oder Analkarzinom
Kolonpolypen: benigne Schleimhautveränderungen mit potenzieller Blutungsquelle
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn mit entzündlich bedingten Blutungen
Infektiöse Kolitiden und Enteritiden: z.B. Salmonellose, Shigellose, Campylobacter-Infektionen oder Clostridioides-difficile-Kolitis
Virale Kolitiden bei Immunsuppression: insbesondere CMV- oder Herpes-Kolitis
Infektiöse Proktitis: beispielsweise bei sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Syphilis
Ischämische Ursachen: z.B. ischämische Kolitis oder Mesenterialinfarkt
Rektale Varizen: bei portaler Hypertension als mögliche Blutungsquelle
Strahlenkolitis: chronische Schleimhautschädigung nach Radiatio
Meckel-Divertikel: seltene Ursache gastrointestinaler Blutungen, insbesondere bei jüngeren Patient:innen
Tipp
Weitere Faktoren, die zu gastrointestinalen Blutungen führen können, sind die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), übermäßiger Alkoholkonsum sowie chronischer Stress, der die Magenschleimhaut angreifen kann.
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Merke
Reminder: physiologische Grundlagen
Schleimhautaufbau des Verdauungstraktes: Die Schleimhaut schützt das darunterliegende Gewebe vor Säuren und Enzymen
Gefäßversorgung des Gastrointestinaltraktes: Der Magen-Darm-Trakt ist insgesamt gut durchblutet. Die arterielle Versorgung erfolgt hauptsächlich über den Truncus coeliacus und die Arteria mesenterica superior und inferior
Blutgerinnung und Wundheilung: Ein intaktes Gerinnungssystem ist entscheidend, um kleine Gefäßverletzungen zu verschließen und Blutungen zu stoppen
Magensaftproduktion und Schutzmechanismen der Magenschleimhaut: Die Produktion von Magensäure und der Schleimschutz sind essenziell, um die Verdauung zu ermöglichen, ohne die Magenwand zu schädigen
Die Pathophysiologie gastrointestinaler Blutungen basiert auf einer SchädigungdergastrointestinalenSchleimhaut und der darunterliegenden Gefäßstrukturen durch mechanische, chemische oder hämodynamischeEinflüsse.
InfolgederSchleimhautläsion kommt es zur Freilegung und Schädigung von Blutgefäßen, wodurch Blut in das Lumen des Gastrointestinaltrakts austritt.
Kurzüberblick über die pathophysiologischen Mechanismen
Die genannten Mechanismen können isoliert oder kombiniert auftreten und beeinflussen maßgeblich Lokalisation, Blutungsdynamik und Schweregrad der gastrointestinalen Blutung.
Klinisch reicht das Spektrum von okkulten Mikroblutungen mit chronischem Blutverlust bis zu massiven gastrointestinalen Blutungen mit hämodynamischer Instabilität und hämorrhagischem Schock.
Gestörte Mukosabarriere
Physiologischer Schutzmechanismus: Schleimschicht + Bikarbonat + Prostaglandine + gute Schleimhautdurchblutung → Schutz vor Magensäure und Verdauungsenzymen
Die gastroduodenale Ulkuskrankheit liegt vor, wenn ein Schleimhautdefekt (Ulkus) die Lamina muscularis mucosae des Magens oder Zwölffingerdarms durchbricht. Je nach Lokalisation wird unterschieden:
Ulcus ventriculi (Magengeschwür)
Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür).
Magenschleimhaut:
Die Schleimhaut des Magens und des Darms befindet sich in einem ständigen Gleichgewicht zwischen aggressiven und protektiven Faktoren
Wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, kann es zu Schädigungen der Schleimhaut kommen, was im schlimmsten Fall Blutungen zur Folge hat
Merke
Ein Ulkus ist ein tiefer, lokal begrenzter Defekt der Schleimhaut, der über die Lamina muscularis mucosae hinausgeht und durch ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven Faktoren (z. B. Salzsäure, Pepsin) und protektiven Faktoren (z. B. Schleimproduktion, Bikarbonat) entsteht.
NSAR-induzierte Ulkuskrankheit:
NSAR inhibieren das Enzym COX1 → weniger Prostaglandine → schützender Magenschleim und Bikarbonat ↓ → Ulkusrisiko um etwa Faktor 5 erhöht
Die Kombination von NSAR und Glukokortikoiden erhöht das Ulkusrisiko um etwa Faktor 10!
PAthophysiologie der NSAR-induzierte Ulkuskrankheit
Ösophagusvarizenblutung
Ösophagusvarizen sind pathologisch erweiterte Venen in der Schleimhaut des unteren Ösophagus (Speiseröhre), die infolge eines erhöhten Drucks im Pfortadersystem (portale Hypertonie) entstehen. Sie stellen eine gefährliche Komplikation dar, da sie leicht reißen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können.
Info
Der Hauptauslöser für die Entstehung von Ösophagusvarizen ist eine portale Hypertonie (erhöhter Blutdruck in der Vena portae), die das Blut aus den Bauchorganen zur Leber transportiert.
Entstehung von Ösophagusvarizen:
Blutstau in der Pfortader: Bei einer portalen Hypertension kann das Blut nicht mehr ausreichend durch die Leber abfließen. Es kommt zu einem Rückstau des Blutes in die Vena portae
Umgehungskreisläufe (Kollateralkreisläufe): Um den hohen Druck zu kompensieren, bildet der Körper portosystemische Kollateralen. Dies sind Umgehungskreisläufe, die das Blut vom Pfortadersystem in den systemischen Kreislauf leiten
Bildung von Ösophagusvarizen: Ein wichtiger Umgehungskreislauf führt durch die Venen des unteren Ösophagus, die normalerweise Blut aus der Speiseröhre in die Vena azygos leiten
Achtung
Bei portaler Hypertonie wird dieser Weg überlastet und die Venen im unteren Ösophagus erweitern sich zu Varizen. Diese Varizen sind oberflächlich und dünnwandig, was sie anfällig für Rupturen macht.
Info
Leberzirrhose
Langjähriger Alkoholabusus zählt zu den häufigsten Ursachen für die Entwicklung einer Leberzirrhose (Vernarbung und Umbau des Lebergewebes). Diese Mechanismen führen zu einem erhöhten Widerstand im intrahepatischen Blutfluss und begünstigen eine portale Hypertonie.
Mechanismen der Ösophagusvarizenblutung:
Der hohe Druck in den Varizen schwächt ihre Wand
Zusätzliche Faktoren wie mechanische Belastung (Schlucken, Erbrechen) oder eine erhöhte Druckspitze durch Husten oder Pressen können die Varizen zum Reißen bringen
Traumatische Verletzungen
Auch Traumata können gastrointestinale Blutungen hervorrufen. Hierbei können beispielsweise Kohabitationsverletzungen mit verletzter Analschleimhaut oder Suizidversuche mit schädigenden Substanzen und Gegenständen, welche in den Magen-Darm-Trakt eingeführt werden, ursächlich sein.
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei gastrointestinalen Blutungen
Verlust der Mukosabarriere → Schleimhautschädigung und Gefäßfreilegung
Akuter oder chronischer Blutverlust → Blutungsanämie und Hypovolämie
Hämodynamische Instabilität → Kreislaufversagen bis zum hämorrhagischen Schock
Schädigung von Organen: Gehirn, Herz, Niere, Lunge
Zusätzliche Komplikationen: Aspirationsgefahr bei Hämatemesis, Gerinnungsstörungen, hepatische Enzephalopathie bei Leberzirrhose
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Typische Zeichen
Oberere GI-Blutung
Untere GI-Blutung
Hämatemesis (Bluterbrechen)
Hämatochezie:
Rektale Blutung: frisches Blut, häufig Streifenförmig aufliegend
Hämatochezie (rotes Blut im Stuhl) bei massiver Blutung möglich
Erhöhte Stuhlfrequenz, gesteigerte Darmmotilität
Info
Kaffeesatzartiges Erbrechen
Durch den Magen nahezu verdautes Blut kann sich kaffeesatzartig darstellen. Es sieht bräunlich aus, statt frisch-rot. Es ist außerdem nicht mehr flüssig, sondern liegt in kleineren Krümeln vor. Das Gesamtbild erinnert an aufgebrühten Kaffeesatz, weshalb dieses Symptom als Kaffeesatzerbrechen bezeichnet wird.
Tipp
Auch ohne diese typischen Zeichen kann eine Blutung vorliegen. Bedenke bei Zeichen eines hypovolämischen Schocks ohne äußere sichtbare Blutung auch immer eine innere Blutungsquelle!
Symptome obere vs. untere GI-Blutung
Generalisierte Zeichen
Blässe, kaltschweißige Haut
Tachykardie, Hypotonie
Schwindel, ggf. Synkope
Abdominelle Schmerzen
Übelkeit, Erbrechen
Kopfschmerzen
Reduzierte Leistungsfähigkeit, Schwächegefühl
Vigilanzminderung bei massivem Blutverlust
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Anamnese
S (Symptome): Schwindel, Übelkeit, Bluterbrechen, Teerstuhl, allgemeine Schwäche
A (Allergien, Infektionen): Allergien gegen Medikamente, Gastritis bekannt?
M (Medikation): Einnahme von NSAR, ASS, Antikoagulanzien (z.B. DOAK, Marcumar), Kortikosteroiden, Protonenpumpenhemmern
P (Patientengeschichte): Frühere GI-Blutungen, peptische Ulzera, portale Hypertension, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Gerinnungsstörungen oder bekannte Lebererkrankungen
L (Letzte…): Zeitpunkt der letzten Mahlzeit; letzter Stuhlgang mit Beurteilung von Farbe, Konsistenz und Blutbeimengungen
E (Ereignis): Starkes Erbrechen, Alkoholkonsum, Stress, Medikamenteneinnahme, körperliche Belastung oder Trauma
R (Risiko): Chronischer Alkohol- oder Nikotinkonsum, Leberzirrhose, Stressulzera nach Trauma oder Operation, Koagulopathien
S (Schwangerschaft): Relevanz für medikamentöse Therapie, Diagnostik und hämodynamisches Management berücksichtigen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine GI-Blutung abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Blässe und kaltschweißige Haut: mögliche Zeichen einer akuten Hypovolämie oder beginnenden Kreislaufdekompensation
Blutrückstände an Mund, Kleidung oder Umgebung: Hinweis auf Hämatemesis oder aktive obere GI-Blutung
Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung: mögliche Zeichen einer zerebralen Minderperfusion bei relevantem Blutverlust
Aufgeblähtes Abdomen: möglicher Hinweis auf Ileus, Perforation oder intraabdominelle Flüssigkeitsansammlung
Palpation:
Druckschmerz oder Abwehrspannung im Oberbauch: Hinweis auf Ulkusperforation oder beginnende Peritonitis
Epigastrische Schmerzhaftigkeit: möglich bei Gastritis oder peptischem Ulkus
Hepatomegalie, Splenomegalie oder Aszites: mögliche Zeichen einer Leberzirrhose mit portaler Hypertension
Perkussion:
Gedämpfter Klopfschall: Hinweis auf Aszites oder freie Flüssigkeit im Abdomen
Tympanitischer Klopfschall: möglich bei freier Luft im Abdomen oder Ileusgeschehen
Auskultation:
Verminderte oder fehlende Darmgeräusche: Hinweis auf paralytischen Ileus oder Peritonealreizung
Hyperaktive Darmgeräusche: unspezifischer Hinweis auf gesteigerte Darmmotilität, z.B. bei akuter Blutungssituation
Vitalparameter
Parameter
Frühphase
Spätphase, schwerer Verlauf
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Tachykardie (>100/min)
Bradykardie im Prämortalstadium
Sympathikusaktivierung zur Aufrechterhaltung des Herzzeitvolumens
Kompensation von Hypoxie und metabolischer Azidose
Temperatur
Normal oder leicht erniedrigt
Hypothermie im Schockstadium, ggf. Fieber bei Infektion
Periphere Vasokonstriktion und Zentralisation
Sauerstoffsättigung
Meist normal
Abfall bei Aspiration, Hypoperfusion oder Schock
Gestörte Oxygenierung und Minderperfusion
Blutzucker
Ggf. Stresshyperglykämie durch Katecholamine und Cortisol
Ggf. Hypoglykämie bei Leberversagen oder prolongiertem Schock
Gestörte hepatische Glukosebereitstellung und reduzierte Gluconeogenese
Achtung
Bewertung der Sauerstoffsättigung bei bestehender Anämie
Bei einer Anämie kann trotz einer Sauerstoffunterversorgung des Gewebes eine normwertige Sättigung des Blutes und des Hämoglobins bestehen. Es gibt jedoch nicht mehr ausreichend Hämoglobin, das den Sauerstoff transportieren kann.
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Präklinisch steht primär ein gezieltes Volumenmanagement zur hämodynamischen Stabilisierung und ein zügigerTransport in eine KlinikmitMöglichkeit zur Endoskopie im Vordergrund.
Basismaßnahmen
Lagerung:
Hämodynamisch stabil: Oberkörperhochlagerung (ca. 30–45°), reduziert das Aspirationsrisiko
Hämodynamisch instabil: Flachlagerung, ggf, leicht erhöhte Oberkörperposition (ca. 10–15°) zur Sicherung der zerebralen Perfusion und Vermeidung zusätzlicher Kreislaufbelastung
Massive Hämatemesis: aufrechte Lagerung zur Vermeidung von Aspiration
Sauerstoffgabe: angepasste Sauerstoffgabe, orientiert an Ziel-SpO₂: 94–98 %
Kontinuierliches Monitoring: EKG-, SpO₂- und wiederholte Blutdruckkontrollen zur frühzeitigen Erkennung hämodynamischer Veränderungen
Venöser Zugang: Anlage von mindestens einem i.v.-Zugang zum Volumenmanagement
Transport: zügigen Transport anstreben
Wärmeerhalt sichern
Spezifische Maßnahmen
Angepasste Volumengabe an Ziel-RRsys.: > 90 mmHg mittels Vollelektrolytlösung 250-500 ml i.v.
Bei massivem Blutverlust mit Volumenmangelschock: restriktive Volumengabe im Sinne einer permissiven Hypotension
Bei persistierender Schocksymptomatik: medikamentöse Kreislaufunterstützung, z.B. Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v, Dosis orientiert an MAD ∼65 mmHg
Protonenpumpenhemmer, z.B. Pantoprazol 80 mg i.v. als Bolus werden bei oberengastrointestinalen Blutungen zur Hemmung der Magensäuresekretion eingesetzt. Ziel ist die Stabilisierung von Blutkoageln, die Förderung der Hämostase sowie die Reduktion des Risikos für Rezidivblutungen
Antiemetika, z.B. Ondansetron 4 mg i.v. können zur Linderung von Übelkeit, zur Reduktion des Brechreizes sowie zur Senkung des Aspirationsrisikos eingesetzt werden
Achtung
Bei ausgeprägter, persistierender Hämatemesis in Kombination mit eingeschränkter Vigilanz oder fehlenden Schutzreflexen sollte frühzeitig die Indikation zur Atemwegssicherung mittels Schutzintubation geprüft werden, um das Risiko einer Aspiration zu minimieren.
Info
Für untere gastrointestinale Blutungen im Bereich von Kolon oder Rektum besteht derzeit keine generelle Empfehlung für den routinemäßigen Einsatz von Protonenpumpenhemmern (PPI), da hier keine relevante säurebedingte Schleimhautschädigung vorliegt.
Merke
Die Rolle von Tranexamsäure
Die aktuelle DGVS-Leitlinie zur gastrointestinalen Blutung empfiehlt keine routinemäßige Gabe von Tranexamsäure
Tranexamsäure besitzt ihren therapeutischen Stellenwert vorwiegend bei Schleimhautblutungen mit gesteigerter Fibrinolyseaktivität oder bei speziellen hämostaseologischen Erkrankungen, etwa dem Von-Willebrand-Syndrom
Bei massiven gastrointestinalen Blutungen mit persistierender hämodynamischer Instabilität oder Schocksymptomatik kann die Anwendung jedoch im Rahmen einer individuellen Einzelfallentscheidung erwogen werden.
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Mallory-Weiss-Syndrom und Meckel-Divertikelblutung
Zu den seltenen, jedoch klinisch relevanten Sonderformen gastrointestinaler Blutungen zählen das Mallory-Weiss-Syndrom sowie die Meckel-Divertikelblutung. Beide Krankheitsbilder unterscheiden sich hinsichtlich Pathophysiologie, Lokalisation und klinischer Präsentation, können jedoch mit relevanten akuten Blutungen einhergehen.
Mallory-Weiss-Syndrom: Schleimhauteinriss im Bereich des gastroösophagealen Übergangs infolge von starkem Erbrechen oder Würgereiz. Typische klinische Zeichen sind Hämatemesis sowie epigastrische Schmerzen
Meckel-Divertikelblutung: Häufigste Komplikation eines kongenitalen Meckel-Divertikels des Dünndarms. Ursache ist meist ektope Magenschleimhaut mit säurebedingter Schleimhautschädigung. Klinisch treten häufig schmerzlose Meläna oder frische rektale Blutabgänge auf
Mallory-Weiss-Syndrom
Meckel-Divertikelblutung
Definition
Längsverlaufende Schleimhauteinrisse am gastroösophagealen Übergang
Echtes Divertikel des terminalen Ileums als embryologischer Rest des Ductus omphaloentericus
Hämatemesis, epigastrische Schmerzen nach Erbrechen
Schmerzlose Meläna oder frische rektale Blutabgänge
Epidemiologie
Ca. 5 % aller GI-Blutungen; häufiger bei Männern
Häufigste kongenitale GI-Fehlbildung; häufiger bei Männern und Kindern
Mögliche Komplikationen
Massive Blutung bei Gefäßbeteiligung
GI-Blutung, Ulzeration, Divertikulitis, Ileus, Invagination oder Volvulus
Besonderheit
Typischer Zusammenhang mit vorausgehendem Erbrechen
Häufig symptomatisch im Kindesalter
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Zielkrankenhaus
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität sowie 24h-Endoskopie- und OP-Bereitschaft erfolgen. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach Blutungsquelle, Blutungsstärke und hämodynamischer Stabilität von Patient:innen.
Hämorrhagischer Schock bei gastrointestinaler Blutung → Chirurgische oder gastroenterologische Klinik mit Intensivkapazität sowie unmittelbarer endoskopischer und operativer Interventionsbereitschaft
Varizenblutung bei Leberzirrhose → Klinik mit Möglichkeit zur interventionellen Therapie, insbesondere TIPS-Anlage (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt)
Untere GI-Blutung mit hämodynamischer Instabilität oder Schockzeichen → chirurgisches Zentrum mit Intensivkapazität sowie Möglichkeit zur notfallmäßigen Koloskopie, interventionellen Angiografie und operativen Versorgung
Transportbegleitende Maßnahmen
Sauerstofftherapie: angepasste Sauerstoffgabe zur Verbesserung der Gewebeoxygenierung
Wärmeerhalt: Vermeidung von Hypothermie durch Wärmeerhalt, Warmhaltefolie und ggf. erwärmte Infusionen
Transportzielzeit: zügiger Transport unter Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechte
Monitoring: kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, SpO₂ und Bewusstseinslage
Absaugbereitschaft: Vorbereitung auf mögliches Absaugen von Blut, Erbrochenem oder Sekret zur Sicherung der Atemwege und Reduktion des Aspirationsrisikos
Reanimationsbereitschaft: insbesondere bei persistierender Schocksymptomatik
Angepasste Lagerung: symptomorientierte Positionierung zur Optimierung von Kreislauf, Atmung und Organperfusion
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata wie SINNHAFT oder ISOBAR
Übergabe relevanter Informationen zu:
Ereignis, Vitalparametern, klinischem Verlauf, Maßnahmen und verabreichten Medikamenten
Hämorrhagischer Schock: direkte Übergabe an das Schockraumteam mit exakter Zeitdokumentation
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Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:
Definition:
Definition
Eine gastrointestinale Blutung (GI-Blutung) bezeichnet das Austreten von Blut in das Lumen des Verdauungstrakts infolge einer Schädigung der Schleimhaut oder von Blutgefäßen.
Je nach Lokalisation wird zwischen einer oberen GI-Blutung (Ösophagus, Magen, Duodenum) und einer unteren GI-Blutung (Dünn- und Dickdarm bis Rektum) unterschieden.
Das klinische Erscheinungsbild reicht von geringen, klinisch unauffälligen Blutverlusten bis zu akuten, lebensbedrohlichen Blutungen mit hämodynamischer Instabilität und Schocksymptomatik.
Klassifikation:
Okkulte gastrointestinale Blutung: Klinisch zunächst nicht sichtbare Blutung ohne offensichtliche Blutungszeichen. Hinweise ergeben sich häufig erst durch eine Blutungsanämie oder eine chronische Eisenmangelanämie
Overte gastrointestinale Blutung: Klinisch manifeste gastrointestinale Blutung mit sichtbaren Blutungszeichen wie Hämatemesis, Meläna oder Hämatochezie
Ursachen:
Obere GI-Blutung:
Blutungsquelle proximal des Treitz-Bandes (Übergang Duodenum–Jejunum)
Häufigste Ursache sind Ulzera des Magens oder Duodenums, die etwa 50 % aller oberen GI-Blutungen ausmachen
Untere GI-Blutung:
Blutungsquelle distal des Treitz-Bandes
Ursachen können unter anderem Divertikelblutungen, Angiodysplasien, entzündliche Darmerkrankungen oder Tumore sein
Pathophysiologie:
Die Pathophysiologie gastrointestinaler Blutungen basiert auf einer SchädigungdergastrointestinalenSchleimhaut und der darunterliegenden Gefäßstrukturen durch mechanische, chemische oder hämodynamischeEinflüsse.
InfolgederSchleimhautläsion kommt es zur Freilegung und Schädigung von Blutgefäßen, wodurch Blut in das Lumen des Gastrointestinaltrakts austritt.
Hämatochezie (rotes Blut im Stuhl) bei massiver Blutung möglich
Erhöhte Stuhlfrequenz, gesteigerte Darmmotilität
Symptome obere vs. untere GI-Blutung
Diagnostik:
Inspektion:
Blässe und kaltschweißige Haut: mögliche Zeichen einer akuten Hypovolämie oder beginnenden Kreislaufdekompensation
Blutrückstände an Mund, Kleidung oder Umgebung: Hinweis auf Hämatemesis oder aktive obere GI-Blutung
Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung: mögliche Zeichen einer zerebralen Minderperfusion bei relevantem Blutverlust
Aufgeblähtes Abdomen: möglicher Hinweis auf Ileus, Perforation oder intraabdominelle Flüssigkeitsansammlung
Palpation:
Druckschmerz oder Abwehrspannung im Oberbauch: Hinweis auf Ulkusperforation oder beginnende Peritonitis
Epigastrische Schmerzhaftigkeit: möglich bei Gastritis oder peptischem Ulkus
Hepatomegalie, Splenomegalie oder Aszites: mögliche Zeichen einer Leberzirrhose mit portaler Hypertension
Perkussion:
Gedämpfter Klopfschall: Hinweis auf Aszites oder freie Flüssigkeit im Abdomen
Tympanitischer Klopfschall: möglich bei freier Luft im Abdomen oder Ileusgeschehen
Auskultation:
Verminderte oder fehlende Darmgeräusche: Hinweis auf paralytischen Ileus oder Peritonealreizung
Hyperaktive Darmgeräusche: unspezifischer Hinweis auf gesteigerte Darmmotilität, z.B. bei akuter Blutungssituation
Therapie:
Merke
Präklinisch steht primär ein gezieltes Volumenmanagement zur hämodynamischen Stabilisierung und ein zügigerTransport in eine KlinikmitMöglichkeit zur Endoskopie im Vordergrund.
Basismaßnahmen:
Lagerung:
Hämodynamisch stabil: Oberkörperhochlagerung (ca. 30–45°), reduziert das Aspirationsrisiko
Hämodynamisch instabil: Flachlagerung, ggf, leicht erhöhte Oberkörperposition (ca. 10–15°) zur Sicherung der zerebralen Perfusion und Vermeidung zusätzlicher Kreislaufbelastung
Massive Hämatemesis: aufrechte Lagerung zur Vermeidung von Aspiration
Sauerstoffgabe: angepasste Sauerstoffgabe, orientiert an Ziel-SpO₂: 94–98 %
Kontinuierliches Monitoring: EKG-, SpO₂- und wiederholte Blutdruckkontrollen zur frühzeitigen Erkennung hämodynamischer Veränderungen
Venöser Zugang: Anlage von mindestens einem i.v.-Zugang zum Volumenmanagement
Transport: zügigen Transport anstreben
Wärmeerhalt sichern
Spezifische Maßnahmen:
Angepasste Volumengabe an Ziel-RRsys.: > 90 mmHg mittels Vollelektrolytlösung 250-500 ml i.v.
Bei massivem Blutverlust mit Volumenmangelschock: restriktive Volumengabe im Sinne einer permissiven Hypotension
Bei persistierender Schocksymptomatik: medikamentöse Kreislaufunterstützung, z.B. Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v, Dosis orientiert an MAD ∼65 mmHg
Protonenpumpenhemmer, z.B. Pantoprazol 80 mg i.v. als Bolus werden bei oberengastrointestinalen Blutungen zur Hemmung der Magensäuresekretion eingesetzt. Ziel ist die Stabilisierung von Blutkoageln, die Förderung der Hämostase sowie die Reduktion des Risikos für Rezidivblutungen
Antiemetika, z.B. Ondansetron 4 mg i.v. können zur Linderung von Übelkeit, zur Reduktion des Brechreizes sowie zur Senkung des Aspirationsrisikos eingesetzt werden
Achtung
Bei ausgeprägter, persistierender Hämatemesis in Kombination mit eingeschränkter Vigilanz oder fehlenden Schutzreflexen sollte frühzeitig die Indikation zur Atemwegssicherung mittels Schutzintubation geprüft werden, um das Risiko einer Aspiration zu minimieren.
Besondere Situationen:
Mallory-Weiss-Syndrom: Schleimhauteinriss im Bereich des gastroösophagealen Übergangs infolge von starkem Erbrechen oder Würgereiz. Typische klinische Zeichen sind Hämatemesis sowie epigastrische Schmerzen
Meckel-Divertikelblutung: Häufigste Komplikation eines kongenitalen Meckel-Divertikels des Dünndarms. Ursache ist meist ektope Magenschleimhaut mit säurebedingter Schleimhautschädigung. Klinisch treten häufig schmerzlose Meläna oder frische rektale Blutabgänge auf
Transport:
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität sowie 24h-Endoskopie- und OP-Bereitschaft erfolgen. Die Auswahl der Zielklinik richtet sich nach Blutungsquelle, Blutungsstärke und hämodynamischer Stabilität von Patient:innen.
Hämorrhagischer Schock bei gastrointestinaler Blutung → Chirurgische oder gastroenterologische Klinik mit Intensivkapazität sowie unmittelbarer endoskopischer und operativer Interventionsbereitschaft
Varizenblutung bei Leberzirrhose → Klinik mit Möglichkeit zur interventionellen Therapie, insbesondere TIPS-Anlage (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt)
Untere GI-Blutung mit hämodynamischer Instabilität oder Schockzeichen → chirurgisches Zentrum mit Intensivkapazität sowie Möglichkeit zur notfallmäßigen Koloskopie, interventionellen Angiografie und operativen Versorgung
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S2k Gastrointestinale Blutung, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS)