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Geburtstraumata

SK
9 Minuten Lesezeit

Geburtstraumata beim Neugeborenen umfassen eine Bandbreite physischer und neurologischer Verletzungen, die während der Geburt auftreten können. Häufige Formen beinhalten mechanische Schäden durch Zangen- oder Saugglockengeburten, Frakturen der Schlüsselbeine sowie periphere Nervenverletzungen, die zu motorischen Einschränkungen führen können. 

Geburtstraumata sind Verletzungen von Neugeborenen durch mechanische Einwirkungen während der Geburt. Folgende Risikofaktoren begünstigen das Auftreten eines Geburtstraumas

  • Makrosomie
  • Anatomische Fehlbildungen
  • Abnorme Kindslage
  • Missverhältnis des kindlichen. Kopfes zum maternalen Becken
  • Schulterdystokie
  • Forceps- oder Vakuumentbindung
  • Prolongierte- oder Sturzgeburt

Caput succedaneum (Geburtsgeschwulst)

 Definition

Das Caput succedaneum ist eine weiche, schmerzlose Schwellung am Kopf eines Neugeborenen, die während der Geburt entsteht. Es handelt sich dabei um ein perinatales, subkutanes Ödem zwischen der Haut und der Galea aponeurotica.

Ursachen:

  • Mechanische Kompression des Kopfes während der Passage durch den Geburtskanal
  • Stauung der Blut- und Lymphgefäße führt zum Flüssigkeitsaustritt ins subkutane Gewebe
  • Häufige Assoziationen:
    • Typischerweise bei vaginalen Entbindungen beobachtet, besonders nach längeren Geburten
    • Erhöhtes Auftreten bei Verwendung von Geburtshilfsmitteln wie Saugglocke oder Geburtszange

Klinik:

  • Schwellung überschreitet die Schädelnahtgrenzen (Abgrenzung zum Kephalhämatom, das begrenzt bleibt)
  • Schmerzlose Schwellung ohne Krankheitswert

Therapie:

  • Keine medizinische Behandlung erforderlich, da es sich um eine physiologische Anpassungsreaktion handelt

Verlauf und Prognose:

  • Rückbildung des Ödems in der Regel innerhalb weniger Tage
  • Keine langfristigen Komplikationen oder neurologische Schäden

 

Caput succedanum
Caput succedaneum = Geburtsgeschwulst

Subgaleatisches Hämatom

 Definition

Ein subgaleatisches Hämatom ist eine seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Blutansammlung zwischen der Galea aponeurotica (Bindegewebsschicht der Schädelmuskulatur) und dem Periost (Knochenhaut des Schädels). Es tritt vor allem bei Neugeborenen nach einer perinatalen Verletzung auf.

Ursachen und Risikofaktoren:

  • Gefäßverletzungen durch Scherkräfte während der Geburt, insbesondere bei operativen Entbindungen (z. B. Vakuumextraktion, Forceps)
  • Vitamin-K-Mangel und Gerinnungsstörungen (z. B. Hämophilie)

Klinik:

  • Weiche, schwappende und fluktuierende Schwellung, die den gesamten Schädel betreffen kann und über die Schädelnahtgrenzen hinausgeht
  • Oberflächliche subkutane Einblutungen im Nackenbereich (nuchal)

Diagnostik:

  • Sonographie der Kopfweichteile zur Beurteilung des Blutansammlungsumfangs und des Zustands der Kalotte
  • Erweiterte Bildgebung (CT, MRT) bei ausgeprägtem Befund oder neurologischen Auffälligkeiten (z. B. Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Lethargie)

Therapie und Management:

  • Aggressive Volumensubstitution zur Kompensation des Blutverlusts und zur Schockprävention
  • Prophylaktische Gabe von Vitamin K zur Reduktion des Blutungsrisikos und Prävention von Gerinnungsstörungen
  • Überwachung: Intensive Überwachung auf der Intensivstation mit kontinuierlicher Kontrolle von Blutdruck, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung

Komplikationen:

  • Hypovolämischer Schock: Bei großem Blutverlust kann das Hämatom einen volumenbedingten Schockzustand verursachen, der sofortige ärztliche Intervention erfordert

Kephalhämatom (Kopfblutgeschwulst)

 Definition

Ein Kephalhämatom ist ein prall-elastisches Hämatom zwischen dem Schädelknochen und dem Periost (subperiostal), das durch Scherkräfte bedingte Gefäßverletzungen entsteht. Es ist durch die Schädelnähte begrenzt und häufig mit einer Forceps-Entbindung assoziiert.

Diagnostik:

  • Sonographie der Kopfweichteile, der Kalotte und des Gehirns zur Bestimmung des Hämatomausmaßes
  • Erweiterte Bildgebung (z. B. CT oder MRT) bei Verdacht auf Schädelbrüche

Prophylaxe und Therapie:

  • Prophylaktische Gabe von Vitamin K zur Vermeidung weiterer Blutungen
  • Bei Impressionsfrakturen des Schädels kann eine neurologische Therapie notwendig sein

Verlauf und Prognose:

  • Spontane Rückbildung des Hämatoms in der Regel innerhalb von Wochen bis Monaten
  • Gute Prognose, meist ohne langfristige Komplikationen
Kephalhämatom
Geburtstraumata des Kopfes

Das häufigstes Geburtstrauma ist die Klavikulafraktur. Meistens präsentiert sich diese symptomarm oder gänzlich asymptomatisch und imponiert als Grünholzfraktur. Die Diagnosestellung erfolgt häufig erst bei regulären Folgeuntersuchungen des Neugeborenen, da Kallus ertastet werden kann. Seltener kann es auch zu Frakturen mit Dislokationen kommen, für welche Schmerzen, Schonhaltung, eine asymmetrische Spontanmotorik und ein asymmetrischer Moro-Reflex charakteristisch sein können. 

 Info
Was ist eine Grünholzfraktur? 

Grünholzfrakturen sind subperiostale Biegungsfrakturen und eine typische Frakturform im Kindes- und Jugendalter. Ihr Auftreten wird durch den noch nicht vollständig mineralisierten Knochen begünstigt. Durch die einwirkende Kraft von außen verbiegt der Knochen, bis die einwirkende Energie zu hoch wird und die Kortikalis des Knochens dann einseitig an der konvexen Seite bricht. Die gegenseitige Kortikalis dagegen wird lediglich deformiert und das Periost bleibt intakt - die Fraktur ist hier also subperiostal. 

Torticollis osseus

 Definition

Der Torticollis osseus ist eine erworbene Schiefhaltung des Kopfes, die durch eine atlanto-axiale Subluxation entsteht. Typisch ist eine Kopfneigung zur betroffenen Seite mit gleichzeitiger Rotation zur gesunden Seite.

Diagnostik:

  • Röntgen der Halswirbelsäule zur Bestätigung der atlanto-axialen Subluxation

Therapie:

  • Physiotherapie nach Vojta zur Verbesserung der Beweglichkeit
  • Korrigierende Lagerung und Ansprache des Kindes von der Gegenseite, um die Schiefhaltung zu kompensieren
  • Bei ausgeprägten Fällen: Tenotomie oder operative Korrektur zur Ermöglichung des geraden Kopfhaltens
Torticollis
Torticollis osseus

Torticollis muscularis congenitus 

 Definition

Der Torticollis muscularis congenitus ist eine angeborene Fehlhaltung des Kopfes, bedingt durch eine einseitige Verkürzung des M. sternocleidomastoideus. Diese Verkürzung führt zu einer charakteristischen Kopffehlhaltung.

Ursachen:

  • Angeborene Verkürzung des M. sternocleidomastoideus
  • Ähnliche Symptomatik kann durch Einblutungen in den Muskel während der Geburt entstehen, ist jedoch kein Geburtstrauma im engeren Sinne

Klinik:

  • Neigung des Kopfes zur betroffenen Seite und Drehung zur Gegenseite

Therapie:

  • Frühzeitige Physiotherapie zur Verlängerung und Stärkung des betroffenen Muskels
  • In seltenen, schweren Fällen: operative Verlängerung des M. sternocleidomastoideus

Die häufigste Schädigung eines peripheren Nervens unter der Geburt stellt die periphere Fazialisparese mit Funktionsausfall der oberen und unteren Gesichtsmuskeln dar. Durch Kompression des Schädels werden die peripheren Äste des N. facialis nach Austritt aus dem Foramen stylomastoideum geschädigt. Assoziiert ist diese Pathologie mit einer Forceps-Entbindung, Makrosomie des Kindes und einer protrahierten Geburt. Therapeutisch ist v.a. abwartend vorzugehen, da in 90% der Fälle eine vollständige Rückbildung innerhalb von 3 Wochen zu beobachten ist. Da der Lidschluss von der Parese betroffen ist, ist symptomatisch vor allem auf den Schutz des Auges vor Austrocknung zu achten. 

Zentrale und periphere Fazialisparese

Aufbau des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Netzwerk von Nervenfasern, das eine entscheidende Rolle bei der motorischen und sensiblen Versorgung der oberen Extremität und der Brustwand spielt. Der Plexus brachialis entsteht aus den Rami ventrales der Spinalnervensegmente C5 bis Th1, die aus dem Rückenmark austreten und sich zu einem Geflecht von Nervensträngen verbinden. Der Plexus brachialis zieht durch die Skalenuslücke, die vom M. scalenus anterior und medius gebildet wird, bis zum Humeruskopf. Durch die Skalenuslücke zieht auch die A. subclavia, die im weiteren Verlauf als A. axillaris bezeichnet wird. 

Plexus brachialis

Obere Plexus Lähmung (Erb-Duchenne)

 Definition

Die obere Plexus Lähmung (Erb-Duchenne) ist eine geburtstraumatische Verletzung des Plexus brachialis, die durch Zerrung oder Verletzung der Nervenwurzeln C5 und C6 entsteht. Diese Verletzung macht etwa 80 % der geburtstraumatischen Plexusschäden aus.

Klinik:

  • Schlaff herabhängender Arm in Adduktion und Innenrotation mit Pronationsstellung der Hand
  • Verminderte Beweglichkeit des betroffenen Arms
  • Fehlender Bizepssehnen- und Radiusperiost-Reflex
  • Asymmetrie des Moro-Reflexes und der Spontanmotorik des Arms
  • Unauffällige Spontanmotorik der Hand sowie erhaltener Greifreflex

Begleitverletzungen:

  • Beteiligung von C4-Fasern kann zur Zwerchfellparese führen (Beteiligung des N. phrenicus)
  • Falls cervikale Sympathikus-Fasern betroffen sind, kann ipsilateral ein Horner-Syndrom (Ptosis, Miosis, Enophthalmus) auftreten

Untere Plexus Lähmung (Klumpke)

 Definition

Die untere Plexus-Lähmung, auch Klumpke-Lähmung genannt, ist eine geburtstraumatische Verletzung der Nervenwurzeln C7, C8 und Th1. Sie tritt isoliert selten auf und wird häufiger in Kombination mit der oberen Plexus-Lähmung beobachtet.

Klinik:

  • Parese der kleinen Handmuskeln und der Handgelenksbeuger
  • Fehlender Greifreflex (bei isoliertem Auftreten)
  • Unauffälliger Bizepssehnenreflex bei isolierter Klumpke-Lähmung

Verlauf und Prognose:

  • Prognose hängt von der Schwere der Verletzung ab
  • Häufig erfolgt eine Rückbildung der Symptome innerhalb mehrerer Monate
Zuletzt aktualisiert am 31.10.2024
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