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Gefahren und Verhalten an der Einsatzstelle (RD)

Gefahrenmatrix
40 Minuten Lesezeit

Einsatzstellen können unübersichtlich, gefährlich und dynamisch sein. Für Rettungsdienstmitarbeitende ist es daher entscheidend, frühzeitig potenzielle Gefahren zu erkennen und sich sicherheitsbewusst zu verhalten.

Die eigene Sicherheit hat dabei stets die oberste Priorität - nur wer sich selbst schützt, kann auch anderen helfen. Klassische Gefahrenquellen werden durch die Gefahrenmatrix beschrieben. Schon bei der Anfahrt sollten erste Einschätzungen getroffen werden, etwa zur Lage des Einsatzortes, Wetterbedingungen oder potenzielle Gefahren. 

Vor Ort gilt es dann, die Situation strukturiert zu erfassen (SSSS-Schema und Gefahrenmatrix) und gemeinsam mit dem Team geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Ein umsichtiges, koordiniertes Vorgehen schützt nicht nur den Rettungsdienst, sondern auch Patient:innen und Dritte.

Um den Einstieg in das Thema Gefahren und Verhalten an der Einsatzstelle etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: "Brand Einfamilienhaus"
  • Ort: Einfamilienhaus
  • Alarmzeit: 16:52
  • Anrufer:in: Hausbewohner, Nachbarn
  • Anzahl der betroffenen Personen: 4
  • Zusatzinfo:
    • Dachstuhlbrand eines Einfamilienhauses
    • Familie bestehend aus 4 Personen, nicht mehr im Haus

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht die Familie auf der Straße und die Feuerwehr hat mit den Löscharbeiten begonnen.

Die Lage ist wie folgt:

  • Der Dachstuhl des Einfamilienhauses hat Feuer gefangen
  • Die Familie konnte sich schnell aus dem Haus retten, es ist keiner mehr im Haus
  • Die Einsatzstelle birgt mehrere Gefahren
Fallbeispiel Gefahren und Verhalten an der Einsatzstelle

Eigenschutz und Lageerkundung

Erstbeurteilung der Einsatzstelle:

Nach dem Eintreffen an der Einsatzstelle sollte eine strukturierte Beurteilung der Lage erfolgen, dafür eignet sich das SSSS-Schema:

SSSS-Schema

Absicherung der Einsatzstelle

Die Absperrung einer Einsatzstelle wird in der Regel von Polizei oder Feuerwehr übernommen. Sie kann jedoch auch durch den Rettungsdienst erfolgen, insbesondere wenn dieser als erstes an der Einsatzstelle eintrifft.
Eine kurzfristige Absperrung kann z. B. durch das Abstellen des Einsatzfahrzeugs mit eingeschalteten Warnsignalen in ausreichendem Abstand erfolgen, um den nachfolgenden Verkehr von der Einsatzstelle fernzuhalten.
Bei besonderen Einsatzszenarien, wie etwa einem Terroranschlag, werden Absperrungen häufig durch die Polizei in Gefahrenbereiche eingeteilt. Diese sind strikt zu beachten und dürfen nicht ohne Freigabe betreten werden.

Organisation und Dokumentation

Lagemeldung:

Eine präzise Lagemeldung an die Leitstelle ist entscheidend für den optimalen Einsatz von Rettungsfahrzeugen und Ressourcen. Daher sollten mehrere Lagemeldungen erfolgen, besonders bei Änderungen der Einsatzsituation.

 Info
Lagemeldung auf Sicht
  • Bestätigung der Funktionsübernahme (z.B. 1. RTW)
  • Einsatzort bestätigen
  • Offensichtliche Lage → bspw.: Anzahl Verletzter, Art des Ereignisses, Anzahl der verunfallten Fahrzeuge, etc.
  • Anfahrende Fahrzeuge ausreichend, weitere benötigt
  • Potenzielle Gefahren → Nachalarmierung Fachkräfte

Beispiel: Status 5 oder 0 (je nach Leitstelle) → Sprechaufforderung

„Rotkreuz Herrsching 71/1 mit Lage auf Sicht und übernehmen Funktion 1. RTW. Einsatzort bestätigt, ausgedehnter Dachstuhlbrand, ein Haus betroffen. 4 Personen betroffen und viele Schaulustige. Feuerwehr und Polizei benötigt (falls Alarmierung nicht bekannt), weiteres in Kürze. Ende“

Fahrzeugaufstellung:

Das als Erstes eintreffende Fahrzeug sollte mit ausreichend Abstand vor der Schadensstelle abgestellt und die Warnsignale sollten aktiviert werden. Dies dient in erster Linie der Absicherung der Einsatzstelle. Sobald die Polizei oder die Feuerwehr dies übernimmt, verändert sich die Aufstellung. Treffen mehrere Rettungswagen an der Einsatzstelle ein, sollten diese im Fischgrätenmuster aufgestellt werden. So kann jedes Fahrzeug jederzeit von der Einsatzstelle abrücken. Ebenso sollte bei der Fahrzeugaufstellung darauf geachtet werden, dass andere Rettungskräfte nicht an ihrer Arbeit gehindert werden. Das heißt auch, dass der Rettungswagen nicht zwingend ganz vorne stehen muss, da dort in der Regel die Fahrzeuge der Feuerwehr positioniert sind, um lange Laufstrecken mit den schweren Geräten zu vermeiden. Auch auf die Aufstellmöglichkeiten der Drehleiter sollte geachtet werden.

Fahrzeugaufstellung

Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften:

Je größer das Schadensereignis, desto mehr Fachkräfte sammeln sich an der Einsatzstelle. Daher ist ein gutes Schnittstellenmanagement und eine gute Kommunikation wichtig. Es sollten regelmäßige Lagebesprechungen der Fachbereiche stattfinden, um das weitere Vorgehen zu planen

Verletztenanhängekarte

Es muss auf eine klare Kommunikation und „Closed-Loop“-Kommunikation geachtet werden, damit keine Informationen verloren gehen. Das bedeutet, dass eine Information nicht nur weiter gegeben wird, sondern auch geprüft wird, ob sie verstanden worden ist bzw. ein Auftrag ausgeführt worden ist. 

Ein Beispiel dafür wäre: 
„Bring alle grün triagierten Patient:innen auf die linke Seite des Schulhofes. Wenn das passiert ist, kommst du zurück und berichtest mir, wie es gelaufen ist.“
Im Nachgang wird durch die Berichterstattung und Rückmeldung der ausführenden Kraft geprüft, ob die Information richtig verstanden und richtig ausgeführt worden ist. 

Patient:innendokumentation:

Neben dem sorgfältigen Ausfüllen der Protokolle pro Patient:in gibt es bei Massenanfällen zusätzliche Dokumentationen. Hierzu werden sogenannte „Patientenanhängekarten“ an die Patient:innen verteilt, die nach Sichtung entsprechend kategorisiert werden.

 Definition
Gefahr

Gemäß der geltenden Definitionen ist von einer Gefahr auszugehen, wenn eine Sachlage oder ein Verhalten bei ungehindertem Geschehensablauf mit hinreichender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit die öffentliche Sicherheit oder Ordnung potenziell gefährden könnte.

Für die Gefahrenbeurteilung an der Einsatzstelle wird die Gefahrenmatrix angewendet. Die Gefahrenmatrix strukturiert die vielen potenziellen Gefahren für Mensch, Tier, Umwelt und Sachwerte. Außerdem ist erkennbar, welche Gefahren bekämpft werden können und vor welchen sich die Einsatzkräfte schützen müssen.

Gefahrenmatrix
 Merke
Gefahrenmatrix
  • Merkschema: 4 A / 1 C / 4 E 
    → Atemgifte, Angstreaktion, Ausbreitung, Atomare Strahlung, Chemische Stoffe, Erkrankung, Explosion, Elektrizität, Einsturz
  • Erweiterte Gefahrenmatrix: 5 A / 1 B / 1 C / 5 E
    Atemgifte, Angstreaktion, Ausbreitung, Atomare Strahlung, Absturz, Biologische Stoffe, Chemische Stoffe, Erkrankung, Explosion, Elektrizität, Einsturz, Ertrinken
 Achtung
Eigenschutz beachten!

Der Eigenschutz hat grundsätzlich Vorrang gegenüber der Behandlung von Patient:innen!

Atemgifte

Rauch

Atemgifte können in unterschiedlichen Formen (gasförmig, flüssig, fest) vorliegen. Gemeinsam haben sie jedoch die Aufnahme über die Atemwege und die resultierende Schädigung des Körpers.

Vorkommen:

Atemgifte stellen an vielen Einsatzstellen eine erhebliche Gefahr für Einsatzkräfte dar. Besonders relevant sind sie bei Bränden (z. B. in Wohngebäuden oder Fahrzeugen), in schlecht belüfteten Räumen mit Heizungsanlagen oder beim Austritt von Gasen. Häufig vorkommende Atemgifte sind Kohlenmonoxid, Cyanidverbindungen, Ammoniak und Chlorgas. Auch bei (Arbeits-)Unfällen in Silos, Kanalschächten oder Gäranlagen können gefährliche Gaskonzentrationen auftreten.

Gefahrenmatrix: Atemgifte
 Achtung

Ein besonderes Risiko besteht bei Suizidversuchen mit Grills in geschlossenen Räumen, da es hierbei zu einer hochgradigen Kohlenmonoxid-Akkumulation kommt.

Auswirkung:

Durch die Aufnahme durch die Atemwege gelangen die Atemgifte in die Atemwege und schädigen die Atemorgane, aber auch der Gasaustausch in den Alveolen kann gestört werden. Dadurch kann es zu systemischen Schädigungen kommen.

  • Erstickende Gase (z.B. Methan, Erdgas) → verdrängen den Sauerstoff aus der Atemluft
  • Sauerstoffbindende Gase (z.B. Kohlenmonoxid, Cyanid, Kampfstoffe, Lösungsmitteldämpfe) → blockieren die Sauerstoffbindung im Blut oder die Zellatmung
  • Reizgase (z.B. Chlor, Ammoniak) → reizen die Atemwege und verursachen Schleimhaut- und Lungenschäden
  • Ätzende Gase → zerstören das Gewebe der Atemwege durch Verätzung 

Da die Wirkung teils zeitverzögert eintritt, ist eine kontinuierliche Beobachtung der Symptome im Verlauf erforderlich.

 Merke
Erkennen
  • Auf Umgebung achten → z.B. Holzkohlegrill im Raum
  • Bei Verdacht auf Atemgifte oder durch Messgerätenachweis → Fachkräfte (z.B. Feuerwehr) nachalarmieren
  • Auf Gefahrgutsymbole auf Hinweisschildern oder Warntafeln achten → siehe Artikel Gefahrgüter (RD)
  • Mitführen von Messgeräten → z.B. CO-Warner
  • Kann teilweise am Geruch oder Farben erkannt werden, viele Gase sind aber meist geruchs-, farb- oder geschmackslos
  • Auf folgende Symptome achten (bei einem selbst oder bei Patient:innen):
    • Kopfschmerzen
    • Sehstörungen
    • Übelkeit / Erbrechen
    • Unruhe
    • Hustenreiz
    • Krämpfe
    • Atemnot
 Tipp
Verhalten beim Auftreten von Atemgiften:
  • Bei einem Verdacht auf Atemgifte oder sogar einem Nachweis mit dem Messgerät (z.B. CO-Warner) sollten unverzüglich Fachkräfte (z.B. Feuerwehr) nachalarmiert werden. Bei bekanntem Atemgift sollte dieses der Leitstelle mitgeteilt werden
  • Selbstrettung aus dem Gefahrenbereich hat oberste Priorität. Wenn eine Patientenrettung ohne weitere Gefahr und Exposition möglich ist, kann diese ebenso erfolgen
  • Gefahrenbereiche nicht betreten
  • Die Therapie richtet sich nach dem aufgenommenen Atemgift, der Schädigung und der Symptome
  • Dokumentation und Meldung der Exposition
 Achtung

Zum Eigenschutz sollte im Rettungsdienst in jedem Einsatz auf das Mitführen des CO-Warngerätes geachtet werden!

Angstreaktion

Angstreaktionen umfassen Kurzschlusshandlungen oder Schreckreaktionen einzelner Personen sowie Panikreaktionen in Menschenmengen. Sie entstehen entweder durch eine unmittelbare Gefahr oder bereits durch das subjektive Gefühl einer Bedrohung. Dadurch ergeben sich potenzielle Gefahren sowohl für die Einsatzkräfte als auch für die Patient:innenversorgung.

Betroffen sein können nicht nur die unmittelbar Gefährdeten, sondern auch Angehörige, Ersthelfer:innen oder unbeteiligte Beobachter:innen. Angstreaktionen stellen eine natürliche Körperreaktion auf eine unnatürliche oder bedrohliche Situation dar.

 Achtung

Auch Einsatzkräfte selbst können Angstreaktionen entwickeln. Wichtig ist daher, nicht nur auf die eigene Verfassung, sondern ebenso auf die der Kolleg:innen zu achten.

Gefahrenmatrix: Angstreaktion

Vorkommen:

Angstreaktionen können grundsätzlich an jeder Einsatzstelle auftreten. Besonders häufig sind sie jedoch in folgenden Situationen zu erwarten:

  • Bedrohungslagen wie Angriffe auf Menschenmengen oder Gewaltszenarien
  • Unklare oder unbekannte Einsatzsituationen, die Unsicherheit über die unmittelbare oder zukünftige Entwicklung erzeugen
  • Belastende Extremsituationen, etwa Massenunfälle, Brände mit vielen Betroffenen oder lebensbedrohliche Gefahren

In solchen Lagen fehlt den Betroffenen oft ein erlerntes Handlungsmuster, sodass es zu irrationalen Reaktionen, Panik oder Kurzschlusshandlungen kommt. Auch Tiere – ob klein oder groß – können durch Stress und Bedrohungslagen starke Angstreaktionen zeigen, die ein zusätzliches Risiko darstellen.

Auswirkung:

Angst ist nicht ausschließlich negativ, sondern erfüllt auch schutz- und leistungssteigernde Funktionen. Entscheidend ist die Intensität und Dauer der Reaktion.

  • Positive Aspekte:
    • Schutzmechanismus
    • Geschärfte Sinne
    • Erhöhte Konzentrationsfähigkeit
  • Negative Aspekte (v. a. bei extremer oder langanhaltender Angst):
    • Stressreaktionen mit Konzentrationsschwäche und Fehlverhalten
    • Tunnelblick, Denkblockaden
    • Körperliche Symptome: Zittern, Übelkeit, Schwitzen
    • Lähmung, Rückzug oder Flucht
    • Emotionale Ausbrüche

Die Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Cortisol) steigert kurzfristig die Leistungsfähigkeit. Bei anhaltender Belastung überwiegen jedoch die negativen Effekte. Für Einsatzkräfte ist dies besonders kritisch, wenn es zu Kurzschlusshandlungen kommt – eine Gefahr, die auch von den Einsatzkräften selbst ausgehen kann.

 Merke
Erkennen

Angstreaktionen treten insbesondere bei außerordentlichen Extremsituationen auf.

  • Hinweise auf Angstreaktionen
    • Positive Aspekte: gesteigerte Aufmerksamkeit, erhöhte Konzentration
    • Negative Aspekte: Fehlverhalten, Denkblockaden, körperliche Stressreaktionen
  • Mögliches Verhalten von Personen
    • Häufige Fehler und unsachgemäßes Verhalten
    • Kinder verstecken sich oft als Angstreaktion
    • Aggressivität, Schrei- und Weinanfälle
    • Flucht- oder Erstarrungsreaktionen
  • Angstreaktionen bei Tieren
    • Unkontrolliertes Fluchtverhalten mit Gefahr von Verletzungen für Umstehende
    • Aggressives Verhalten bis hin zu Angriffen
 Tipp
Verhalten bei Angstreaktionen
  • Kommunikation: Klare Anweisungen geben und eine ruhige, bestimmte Sprache verwenden
  • Selbstreflexion: Eigene Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen und Überlastungen erkennen
  • Teamarbeit: Weiteres Vorgehen gemeinsam im Team abstimmen, um ein koordiniertes Handeln sicherzustellen
  • Flexibilität: Jederzeit mit Veränderungen der Lage rechnen und das Vorgehen entsprechend anpassen
 Achtung
Nachbesprechung

Nach belastenden Einsätzen ist eine strukturierte Nachbesprechung im Team sinnvoll. Bei Bedarf sollte diese durch speziell geschultes Personal, beispielsweise ein PSNV-E-Team (Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte), begleitet werden.

Ausbreitung

Generell besteht für jede Einsatzstelle die Möglichkeit, sich auf unterschiedliche Arten auszubreiten. Einerseits kann sich das Gefahrenpotenzial ausbreiten, andererseits kann die Einsatzstelle räumlich vergrößert werden. In Bezug auf die räumliche Ausbreitung eines Brandes ist zunächst die Möglichkeit einer Sekundärschädigung durch Übergreifen auf ein weiteres Wohnhaus zu berücksichtigen. Ferner kann sich die betroffene Bevölkerung bei einer Massenpanik in alle Himmelsrichtungen verteilen, um dem eigentlichen Gefahrenort zu entkommen, und sich dabei räumlich in unterschiedliche Richtungen ausbreiten. Infolgedessen sind neben Menschen und Tieren auch die Umwelt und Sachwerte betroffen.

Vorkommen:

  • Gefahrguteinsätze
  • Brände
  • Industrieunfälle
  • Unfälle mit atomarer Strahlung
  • Infektionsgeschehen (z. B. Corona-Pandemie als Beispiel für eine „unscheinbare“ Gefahr mit erheblicher Ausbreitung)
Gefahrenmatrix: Ausbreitung

Auswirkung:

Typische Beispiele der Ausbreitung im Einsatz:

  • Folgeunfälle durch unübersichtliche oder wachsende Einsatzlage
  • Brandausbreitung
  • Schadstoffverbreitung (Luft, Wasser, Boden)
  • Fehler durch Einsatzkräfte, z. B. falscher Löschmitteleinsatz
  • Hochwasseranstieg und Überschwemmungen
  • Infektionsausbreitung durch Kontamination bei mangelhafter Hygiene
 Merke
Erkennen
  • Genaues Beobachten des Einsatzes und der Umgebung
  • Auf weitere Gefahren achten!
  • Bei Erkrankungen, Atemgiften oder anderen gefährlichen Stoffen auf entsprechende Symptome bei Betroffenen achten
 Tipp
Verhalten bei einer Ausbreitung:
  • Meldung der erkannten Ausbreitung oder Gefahrenquellen
  • Ggf. Rückzug aus dem Gefahrenbereich
  • Fachkräfte hinzuziehen, falls benötigt
  • Bei Übergabe des Patienten, der Patientin im Krankenhaus entsprechende Kontaminationen mit Gefahrstoffen oder Infektionen melden
  • Auf entsprechende persönliche Schutzausrüstung (PSA) achten

Atomare Strahlung

Atomare Strahlung stellt eine potenzielle, wenn auch glücklicherweise seltene Gefahr in der Einsatzrealität dar. Da sie unsichtbar ist und ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit bedeutet, ist eine schnelle Erkennung und Einschätzung entscheidend, um wirksame Schutz- und Eindämmungsmaßnahmen einzuleiten.

Strahlungsarten:

  • α-Strahlung (Alpha):
    • Gefährdung v. a. bei Inkorporation oder Hautkontamination
    • Abschirmung bereits durch Blattpapier möglich
  • β-Strahlung (Beta):
    • Schädigung bei Inkorporation oder Kontamination
    • Abschirmung durch wenige Millimeter Metallblech
  • γ-Strahlung (Gamma):
    • Hohe Durchdringungskraft
    • Abschirmung nur durch dicke Materialien mit hoher Dichte (z. B. Blei, Beton)
Gefahrenmatrix: Atomare Strahlung

Vorkommen:

Radioaktive Stoffe können in fester, flüssiger oder gasförmiger Form vorliegen.
Mögliche Einsatzorte:

  • Kernkraftwerke
  • Industriebetriebe
  • Medizinische Einrichtungen (Krankenhäuser, Arztpraxen mit Nuklearmedizin/Strahlentherapie)
  • Forschungseinrichtungen und Hochschullabore
  • Straßenverkehr: Transporte radioaktiver Stoffe mit entsprechender Gefahrgutkennzeichnung

Im Straßenverkehr sind ebenso regelmäßig Transporter mit radioaktiven Stoffen unterwegs. Diese haben ein Hinweisschild an der Fahrzeugaußenseite angebracht.

Auswirkung:

  • Dauerhafte Strahlungsabgabe von radioaktiven Stoffen, kein direktes Gegenmittel vorhanden
  • Kontamination: Materialien oder Oberflächen können radioaktive Stoffe aufnehmen, werden selbst jedoch nicht radioaktiv
  • Inkorporation: Aufnahme radioaktiver Substanzen durch Inhalation oder Ingestion
  • Abschirmung: Je nach Strahlungsart eingeschränkt durch Einsatzkleidung oder spezielle Materialien möglich
  • Wirkung auf den menschlichen Körper:
    • Akute Strahlenschäden: Übelkeit, Erbrechen, Hautrötungen, Blutbildveränderungen, Kreislaufversagen
    • Langzeitschäden: Erhöhtes Krebsrisiko, genetische Schäden
 Merke
Kennzeichnung eines Transporters mit radioaktivem Stoff
Erkennen
  • Hinweisschilder auf atomaren Strahler
  • Messgeräte (z.B. Geigerzähler)
 Tipp
Verhalten bei atomarer Strahlung:
  • Gefahr melden: Bei Erkennen von Strahlungshinweisen sofortige Meldung und Anforderung von Spezialkräften (z. B. ABC-Zug, Strahlenschutzexperten)
  • Exposition verhindern: Kontamination und Inkorporation vermeiden (Atemschutz, Hautschutz)
  • PSA nutzen: Persönliche Schutzausrüstung konsequent tragen; bei Kontamination ist eine Dekontamination und Freigabe erforderlich
  • Sicherer Aufenthaltsort: Möglichst außerhalb des Gefahrenbereichs bleiben, Abstand wahren
  • Rettung und Versorgung: Patientenrettung nur durch speziell geschulte Kräfte; Versorgung erst nach erfolgter Dekontamination
  • Dokumentation: Exposition und Maßnahmen lückenlos dokumentieren, enge Zusammenarbeit mit Fachkräften (Strahlenschutz, Medizin, Feuerwehr)
  • Einsatzstellenhygiene: Strikte Beachtung der Hygieneregeln, um Verschleppung von Kontamination zu verhindern

Chemische Stoffe

Chemische Stoffe können in unterschiedlichen Aggregatzuständen (fest, flüssig, gasförmig) vorliegen und stellen damit eine potenzielle Gefahr für Einsatzkräfte, Betroffene, Tiere, Sachwerte und die Umwelt dar. Abhängig von Art und Konzentration des Stoffes sind teils schwere gesundheitliche Schäden möglich. Daher haben Eigenschutz und strukturiertes Handeln oberste Priorität.

Gefahrenmatrix: Chemische Stoffe

Vorkommen:

Chemische Gefahren zählen zu den ABC-Gefahrstoffen (atomar – biologisch – chemisch). Mögliche Einsatzorte:

  • Haushalte (z. B. Reinigungsmittel, Gase)
  • Labore und Forschungseinrichtungen
  • Transportfahrzeuge mit Gefahrgut
  • Industrieanlagen
  • Landwirtschaft (z. B. Düngemittel, Pestizide)
  • Suizidversuche mit Chemikalien oder Gasen
  • Während eines Einsatzes können auch neue Stoffe entstehen, z. B. durch:
    • Vermischung ausgetretener Substanzen
    • Reaktionen mit Wasser oder Löschmitteln
    • Verbrennungsprodukte bei Bränden

Auswirkung:

  • Akute Schädigungen: Haut- und Schleimhautverätzungen, toxische Inhalationseffekte
  • Systemische Vergiftungen: Organschäden (z. B. Leber, Nervensystem)
  • Brand- und Explosionsgefahr
  • Sekundärgefahren durch Kontamination von Personen, Material und Umgebung
 Merke
Erkennen
  • Auf Gefahrgutkennzeichnung achten
  • Auf Geruch, Verfärbungen, Rauch und Dämpfe achten
  • Nachweis per Messgerät
  • Symptome bei betroffenen Personen (z.B. Hautrötungen oder Atemnot)
 Tipp
Verhalten bei chemischen Stoffen:
  • Gefahr melden: Sofortige Meldung und Anforderung von Spezialkräften (z. B. Gefahrstoffzug, ABC-Einheiten)
  • Exposition verhindern: Kontamination und Inkorporation (z. B. Einatmen, Hautkontakt) unbedingt vermeiden
  • PSA nutzen: Geeignete persönliche Schutzausrüstung konsequent tragen; kontaminierte PSA muss dekontaminiert und freigegeben werden
  • Sicherer Aufenthaltsort: Möglichst außerhalb des Gefahrenbereichs aufhalten
  • Rettung und Versorgung: Patientenrettung nur durch geschulte Kräfte; Versorgung erst nach erfolgter Dekontamination
  • Dokumentation: Lückenlose Dokumentation und enge Zusammenarbeit mit Fachkräften (Feuerwehr, Strahlenschutz, Toxikologie, Klinik)
  • Einsatzstellenhygiene: Strikte Beachtung, um Verschleppung von Gefahrstoffen zu vermeiden
 Info
GAMS-Regel

Merkhilfe für das Verhalten bei Erkennen von ABC-Gefahrstoffen

  • Gefahr erkennen
  • Absperren
  • Menschenrettung nur mit Eigenschutz
  • Spezialkräfte nachfordern (z.B. Feuerwehr, Gefahrstoffzug)

Erkrankung / Verletzung

Lebensbedrohliche Zwangslagen entstehen, wenn Menschen oder Tiere in Situationen geraten, die eine akute Ansteckungs- oder Verletzungsgefahr darstellen. Auch Einsatzkräfte selbst können im Einsatz zu Betroffenen werden und sind dann wie Patient:innen zu behandeln.

Gefahrenmatrix: Erkrankung/Verletzung

Vorkommen:

  • Infektionsgefahr: z. B. Ansteckung mit Infektionskrankheiten, Kontamination, Nadelstichverletzungen
  • Mechanische Verletzungen: Stolpern, Ausrutschen, Splitter, Trümmerteile
  • Thermische Schäden: Verbrennungen oder Erfrierungen
  • Angstreaktionen: Panik, Fehlverhalten, Kurzschlusshandlungen
  • Chemische Stoffe: Verätzungen, Vergiftungen
  • Atemgifte: Kontamination, Inhalation toxischer Gase
  • Andere Erkrankungen: z. B. akute körperliche Dysfunktionen (Herz-Kreislauf, neurologisch)
 Merke
Erkennen
  • Erkennen: Frühzeitiges Erkennen der Gefahr ist entscheidend
  • Anamnese: Strukturiert nach SAMPLERS-Schema erheben
  • Untersuchung: Körperliche Verletzungen strukturiert nach xABCDE-Schema erfassen
 Tipp
Verhalten bei Erkrankung / Verletzung:
  • Das xABCDE-Schema dient der Untersuchung und Therapie von Verletzungen bzw. Erkrankungen
  • Die weitere Versorgung muss stets individuell am Krankheitsbild orientiert erfolgen

Explosion

Eine Explosion ist eine extrem rasch ablaufende Reaktion (meist Verbrennung oder chemische Reaktion) mit der plötzlichen Freisetzung von Wärmeenergie und/oder einer Druckwelle.

Vorkommen:

  • Gaslecks (z. B. Erdgas, Flüssiggas)
  • Chemische Reaktionen
  • Defekte Batterien oder Akkumulatoren
  • Brände mit Druckbehältern (Gasflaschen, Aerosole)
  • Staubexplosionen (Mühlen, Silos, Industrieanlagen)
  • Sprengstoffe oder Munition (selten im zivilen Alltag, eher im militärische Bereich)
  • Fettexplosionen im häuslichen Umfeld durch unsachgemäße Brandbekämpfung (z. B. Löschversuch mit Wasser)
Gefahrenmatrix: Explosion

Auswirkung:

Eine Explosion kann mehrere Schädigungsmechanismen kombinieren:

  • Hitzeeinwirkungen: Flammen, Strahlungshitze, Stichflammen
  • Druckwelle: Plötzlicher Druckanstieg mit strukturellen Gebäudeschäden, möglichen Barotraumen
  • Akustische und optische Effekte: Knall, Lichtblitze → Trommelfellrupturen, Augenverletzungen
  • Sekundärgeschosse: Umherfliegende Splitter, Trümmer oder Schrapnelle mit erheblichem Verletzungspotenzial
  • Chemische Zusatzgefahren: Bei flüssigen oder chemischen Substanzen können Hautreaktionen, Verätzungen oder Vergiftungen hinzukommen
 Merke
Erkennen
  • Erkennen: Gefahrenstelle sorgfältig beobachten, insbesondere bei bestehenden Bränden
  • Warnsignale: Auf Gefahrstoffsymbole und Kennzeichnungen achten
 Tipp
Verhalten bei einer Explosion:
  • Abstand wahren, Gefahrenbereich nicht betreten
  • Deckung suchen, um sich vor Druck- und Splitterwirkung zu schützen
  • Spezialkräfte hinzuziehen (Feuerwehr, Polizei, Sprengstoffexperten) und in enger Abstimmung arbeiten
  • Eigensicherung beachten, bevor Rettungs- oder Sicherungsmaßnahmen eingeleitet werden

Elektrizität

Elektrizität ist eine potenziell lebensgefährliche Gefahrenquelle an Einsatzstellen. Obwohl sie allgegenwärtig ist, wird ihr Risiko oft unterschätzt. Schutzmaßnahmen oder -einrichtungen können durch Brände, Unfälle oder Umwelteinflüsse beeinträchtigt oder außer Kraft gesetzt sein.

Es wird unterschieden zwischen:

  • Niederspannung: bis 1.000 V (typisch in Gebäuden)
  • Hochspannung: über 1.000 V (z. B. Bahnlinien, Freileitungen)
Gefahrenmatrix: Elektrizität

Vorkommen:

  • Haushalte
  • Blitzeinschläge
  • Bahn- und Verkehrsunfälle (inkl. Elektrofahrzeuge)
  • Brände mit beschädigten Leitungen
  • Arbeitsunfälle mit Strom
  • Herabhängende Leitungen nach Unwettern oder Kollisionen

Auswirkung:

Die Schwere der Schädigung steigt mit der Spannungshöhe.

  • Verbrennungen (Ein- und Austrittsstellen, Strommarken)
  • Herzrhythmusstörungen (z. B. Kammerflimmern) bis hin zum plötzlichen Tod
  • Nerven- und Muskelstörungen
  • Sekundärverletzungen (z. B. Sturz-, Krampfverletzungen)
  • Gefahr für Einsatzkräfte durch Sekundärkontakt bei Rettungsversuchen
 Merke
Erkennen
  • Anzeichen für Elektrizität (z.B. defekte Stromleitungen) → auf Umgebung achten!
  • Kennzeichnung von Hochspannungsanlagen mit entsprechenden Warnschildern
  • Niederspannungsanlagen sind meist nicht gekennzeichnet
  • Verletzungsmuster (z.B. typische Strommarken)
 Tipp
Verhalten bei Gefahren durch Elektrizität:
  • Eigenschutz beachten!
  • Abstand halten, Gefahrenbereich absperren
  • Strom durch Fachkräfte abschalten lassen, bevor Rettungsmaßnahmen erfolgen
  • Alle Betroffenen nach Stromunfall müssen in ein Krankenhaus gebracht werden (auch bei initial unauffälligem Befund)

Einsturz / Absturz

Der Begriff umfasst das Einstürzen von Gebäuden, Decken oder Trümmerteilen sowie das Herabfallen von Bäumen oder Bauteilen, wodurch Menschen und Tiere verschüttet oder verletzt werden können. Zusätzliche Gefahren entstehen durch beschädigte Wasser-, Gas- oder Stromleitungen.

Gefahrenmatrix: Einsturz/Absturz

Vorkommen:

Ein erhöhtes Risiko für Ein- oder Abstürze besteht insbesondere bei:

  • Unwettereinsätzen (z. B. Verkehrsunfälle bei Sturm, Orkan, Schneelast)
  • Brandeinsätzen (geschwächte Bausubstanz, Löscharbeiten)
  • Hoch- und Tiefbauunfällen
  • Naturkatastrophen (z. B. Erdbeben, Überschwemmungen)

Die häufigste Ursache von Abstürzen ist jedoch die unzureichende Sicherung bei Arbeiten in großer Höhe.

Auswirkung:

  • Lebensgefahr durch herabfallende Materialien, welche neben traumatischen Verletzungen auch zu Verschüttungen führen können
  • Sekundärunfälle möglich (z.B. durch Ausrutschen, Umknicken, falsche Sicherung)
  • Erschwerter Zugang zu Patient:innen durch Trümmer oder blockierte Bereiche
 Merke
Erkennen
  • Beobachtung der Einsatzstelle
  • Auf Geräusche, Risse, Bewegungen (von beispielsweise Bäumen oder Bauteilen) achten
 Tipp
Verhalten bei Einstürzen oder Abstürzen:
  • Eigensicherung hat Priorität
  • Sicherheitsabstände einhalten → Trümmerschatten beachten, Rückzugsweg sichern
    • Als Faustformel gilt hier: Der Trümmerschatten ist etwa 1,5-fach so groß wie die Gebäudehöhe
  • Bei akuter Gefahr den Gefahrenbereich nicht betreten
  • Verletzungen versorgen
  • Zusammenarbeit mit Fachkräften (THW, Feuerwehr) sicherstellen

Weitere Gefahren

Biologische Stoffe:

Bei Rettungseinsätzen ist das Risiko einer biologischen Gefährdung besonders hoch. Dazu zählen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten, die auf unterschiedlichen Wegen übertragen werden können, z. B. über Tröpfchen-, Schmier- oder Kontaktinfektionen.

Biologische Stoffe gehören zu den ABC-Gefahrstoffen.

Vorkommen:

  • Haushalte
  • Pflegeeinrichtungen
  • Krankenhäuser
  • Leichenfunde
  • Labore
  • Selten: Einsatz biologischer Kampfstoffe

Auswirkung:

Die Auswirkungen sind stark vom Erreger abhängig und reichen von milden Reaktionen bis hin zu schweren, potenziell tödlichen Erkrankungen.

 Merke
Erkennen
  • Auf entsprechende Symptome bei Patient:innen achten
  • Warnhinweise an Einsatzort oder durch Leitstelle
 Tipp
Verhalten bei biologischen Stoffen:
  • Schutzmaßnahmen richten sich nach dem zugrunde liegenden Erreger → auf entsprechende PSA achten
  • Ebenso richtet sich die Behandlung nach dem zugrunde liegenden Erreger
  • Kontaminationen vermeiden und auf Hygiene achten
  • Je nach Erreger Dokumentation und Meldung 

Ertrinken:

Ertrinkungsunfälle treten insbesondere in den Sommermonaten auf, sind jedoch auch im Winter durch das Einbrechen von Eisflächen vorhanden. Neben klassischen Einsatzorten wie Seen, Flüssen und Schwimmbädern besteht bei Überflutungen auch in Kellern ein erhöhtes Risiko. Bereits eine flache Wasseransammlung kann, abhängig vom Bewusstseinszustand, zum Ertrinken führen.
Statistisch sind Männer häufiger betroffen, was mit einer erhöhten Risikobereitschaft in Verbindung gebracht wird.

Vorkommen:

  • Gewässer: Seen, Flüsse, Meer
  • Schwimmbäder
  • Keller bei Hochwasser

Auswirkung:

  • Besonders gefährdet sind:
    • Personen ohne Schwimmkenntnisse oder in der Schwimmausbildung
    • Kinder, ältere Menschen, alkoholisierte Personen
    • Auch geübte Schwimmer:innen, z. B. in starken Strömungen oder Kehrströmungen
  • Formen des Ertrinkens:
    • Primäres Ertrinken: Tod im Akutgeschehen
    • Sekundäres Ertrinken: Lungenödem durch Lungenschädigung nach initialer Rettung
    • Nasses Ertrinken: Aspiration großer Wassermengen
    • Trockenes Ertrinken: Laryngospasmus nach Wasserkontakt → Hypoxie bei trockener Lunge
 Merke
Erkennen
  • Initial hektische Schwimmbewegungen, die im Verlauf ausbleiben
  • Stilles Absinken unter die Wasseroberfläche
  • Leblos treibende Personen
  • Bewegungs- oder Bewusstseinsverlust nach Kopfsprung
  • Untertauchen durch andere Personen
 Tipp
Verhalten bei der Gefahr des Ertrinkens:
  • Zusammenarbeit mit Fachkräften (z.B. Wasserwacht, Rettungsschwimmer:innen)
  • Maßnahmen richten sich nach entsprechenden Symptomen und Leitlinien
  • Eigenschutz beachten!
 Achtung

Nach einem Ertrinkungsunfall müssen alle Patient:innen für mindestens 24 Stunden stationär überwacht werden, auch bei initial stabiler Situation, aufgrund der Gefahr eines sekundären Ertrinkens.

Hygiene:

Einsatzstellenhygiene beachten → Kontamination und Inkorporation vermeiden

  • Kein Essen und Trinken im Gefahrenbereich
  • Regelmäßige Händehygiene (Hände waschen und desinfizieren)
  • Entsprechende persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Schwarz-Weiß-Trennung, wenn möglich
    • Kontaminierte Einsatzkleidung wird getrennt von sauberer, nicht-komtaminierter Einsatzkleidung aufbewahrt
    • Auch die Bereiche, in denen gegessen und getrunken wird, sollten nicht in kontaminierter Kleidung aufgesucht werden

Einsatznachbesprechung / Reflexion:

Einsatznachbesprechungen sind wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten und sich stetig zu verbessern. Bei sehr belastenden Einsätzen findet die Nachbesprechung eventuell in Begleitung eines speziell geschulten Teams (PSNV-E-Team) statt.

 Merke
Wichtige Regeln der Einsatznachbesprechung
  • Jede:r hat den Einsatz anders wahrgenommen
  • Jede:r darf sagen, wie Dinge wahrgenommen wurden
  • Es gibt kein Richtig oder Falsch
  • Kompetenzen und Ausbildungen spielen hier keine übergeordnete Rolle

Verhalten an der Einsatzstelle:

  • Ersteinschätzung mithilfe des SSSS-Schemas
  • Absicherung der Einsatzstelle:
    • Initial Fahrzeug mit Abstand und Warnsignal abstellen
    • Ansonsten durch Feuerwehr und Polizei
  • Lagemeldung:
    • Präzise Lagemeldungen an die Leitstelle
    • Regelmäßige Lagemeldungen (v.a. bei Änderungen)
 Info
Lagemeldung auf Sicht
  • Bestätigung der Funktionsübernahme (z.B. 1. RTW)
  • Einsatzort bestätigen
  • Offensichtliche Lage → bspw.: Anzahl Verletzter, Art des Ereignisses, Anzahl der verunfallten Fahrzeuge, etc.
  • Anfahrende Fahrzeuge ausreichend, weitere benötigt
  • Potenzielle Gefahren → Nachalarmierung Fachkräfte

Beispiel: Status 5 oder 0 (je nach Leitstelle) → Sprechaufforderung

„Rotkreuz Herrsching 71/1 mit Lage auf Sicht und übernehmen Funktion 1. RTW. Einsatzort bestätigt, ausgedehnter Dachstuhlbrand, ein Haus betroffen. 4 Personen betroffen und viele Schaulustige. Feuerwehr und Polizei benötigt (falls Alarmierung nicht bekannt), weiteres in Kürze. Ende“

Fahrzeugaufstellung
  • Fahrzeugaufstellung:
    • Fischgrätmuster bei mehreren Fahrzeugen
    • Feuerwehrfahrzeuge und Drehleiter haben bestimmte Aufstellorte
  • Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften:
    • Schnittstellenmanagement
    • Regelmäßige Lagebesprechungen
    • Klare Kommunikation
  • Patient:innendokumentation:
    • Verletztenanhängekarten mit Sichtungskategorie bei MANV
    • Präzise Patient:innendokumentation

Gefahren an der Einsatzstelle:

Gefahrenmatrix
GefahrBeschreibung
Atemgifte
  • Unsichtbare toxische Gase
  • Schädigung der Atemwegsorgane bei Inhalation
Angstörungen
  • Personen in Panik oder Angst
  • Individuen oder auch Menschenmassen
  • Gefahr durch unkontrolliertes Verhalten
Ausbreitung
  • Unterschiedliche Gefahren haben das Potential zur Ausbreitung
Atomare Strahlung
  • Unsichtbare Gefahr
  • Kurz- und Langzeitschäden möglich
Chemische Stoffe
  • Toxisch, ätzend, entzündliche Stoffe
Erkrankung / Verletzung
  • Lebensbedrohliche Zwangslagen
  • Traumatische Verletzungen, Infektionsgefahren
Explosion
  • Plötzliche Druckwelle, Hitze oder Splitter
Elektrizität
  • Gefahr durch Nieder- und Hochspannungsleitungen
  • Gefahr für Verbrennungen und Herzrhythmusstörungen
Einsturz / Absturz
  • Gefahr des Einstürzen, Abstürzen, Herunterfallen, Abrechen von Gegenständen oder Gebäuden
  • Gefahr der Verschüttung
Biologische Stoffe
  • Kontaminations- und Infektionsgefahr
Ertrinken
  • Primäres und Sekundäres Ertrinken
  • Nasses oder trockenes Ertrinken
  • Hygiene:
    • Einsatzstellenhygiene beachten!
  • Einsatznachbesprechung:
    • Ggf. in Begleitung eines PSNV-E-Teams
    • Für Verbesserung und Verarbeitung relevant
 Merke
Wichtige Regeln der Einsatznachbesprechung
  • Jede:r hat den Einsatz anders wahrgenommen
  • Jede:r darf sagen, wie Dinge wahrgenommen wurden
  • Es gibt kein richtig oder falsch
  • Kompetenzen und Ausbildungen spielen hier keine übergeordnete Rolle
  • Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
  • Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäte Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958
  • Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, Verhalten im Einsatz und in der Öffentlichkeit, Teilnehmerunterlagen Modulare Truppausbildung (Zugriff am 15.07.2025)
  • Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, Verhalten bei Gefahr, Teilnehmerunterlagen Modulare Truppausbildung (Zugriff am 15.07.2025)
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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