Das Sternoklavikulargelenk (Art. sternoclavicularis) ist ein Gelenk, das das Brustbein (Sternum) mit dem Schlüsselbein (Clavicula) verbindet. Es ist das einzige echte Gelenk, das den Schultergürtel mit dem Thorax verbindet. Das Sternoklavikulargelenk ist anatomisch gesehen ein Sattelgelenk. Allerdings handelt es sich funktionell um ein Kugelgelenk, da der Discus articularis die Unebenheiten des Gelenks ausgleicht. Histologisch gesehen besteht der Discus articularis aus Faserknorpel.
Beteiligte Strukturen:
- Sternum (Manubrium sterni)
- Clavicula (mediales Ende)
Bänder:
- Lig. sternoclaviculare anterius: begrenzt die Retraktion der Schulter
- Lig. sternoclaviculare posterius: begrenzt die Protraktion der Schulter
- Lig. interclaviculare: begrenzt das Absenken der Clavicula
- Lig. costoclaviculare: begrenzt das Anheben der Clavicula
Funktionen:
- Frontalebene: Anheben und Absenken der Clavicula (Elevation/Depression)
- Transversalebene: Vor- und Rückführen (Protraktion/Retraktion)
- Bei Armelevation: Rotation der Clavicula bis 30° um die eigene Achse
Ansicht des Sternoklavikulargelenks von ventral:

Das Akromioklavikulargelenk (Art. acromioclavicularis) ist die Verbindung zwischen dem Acromion (Schulterblatt) und der seitlichen Clavicula (Schlüsselbein). Es wird auch als laterales Schlüsselbeingelenk bezeichnet und ist mechanisch mit dem Sternoklavikulargelenk verbunden. Obwohl es die Form eines planen Gelenks hat, hat es funktionell drei Freiheitsgrade, wobei die Beweglichkeit durch die Bänder stark begrenzt ist.
Strukturen:
- Acromion der Scapula
- Clavicula (Laterales Ende)
Bänder:
- Lig. coracoclaviculare: Erstreckt sich zwischen Proc. coracoideus der Scapula und lateralem Ende der Clavicula. Es wird unterteilt in:
- Lig. trapezoideum (lateraler Teil)
- Lig. conoideum (medialer Teil)
- Lig. acromioclaviculare: Erstreckt sich zwischen Acromion der Scapula und der Clavicula, verstärkt das Art. acromioclavicularis
Funktionen:
- Stabilisierung des Schultergürtels
- Ermöglicht das Anheben (Elevation) des Arms über das Schulterniveau hinweg
Ansicht des Akromioklavikulargelenks von ventral:

Das Schultergelenk (Articulatio humeri) ist die Verbindung zwischen Humeruskopf mit der Gelenkpfanne (Cavitas glenoidalis) der Scapula. Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk mit 3 Freiheitsgraden und ermöglicht eine große Bewegungsfreiheit des Arms. Zusätzlich zu den Bändern wird es von den Muskeln der Rotatorenmanschette und dem Caput longum des Musculus biceps brachii unterstützt. Durch den großen Bewegungsspielraum ist es allerdings anfälliger für Verletzungen wie Luxationen.
Beteiligte Strukturen:
- Gelenkpfanne: Cavitas glenoidalis der Scapula
- Gelenkkopf: Caput humeri des Humerus
Bänder:
- Lig. coracoacromiale (“AC-Band“)
- Lig. coracohumerale
- Ligg. glenohumeralia
Schleimbeutel:
- Bursa subacromialis
- Bursa subdeltoidea
- Bursa subtendinea musculi subscapularis
Funktionen:
- Anteversion und Retroversion
- Innenrotation und Außenrotation
- Abduktion und Adduktion
- Elevation (= Abduktion über 90°)
Querschnitt durch das Schultergelenk:

Ansicht des Schultergelenks von lateral:

Ansicht des Schultergelenks von ventral:

Bewegungsumfang des Schultergelenks:

TippDer Gelenkkopf (Caput humeri) ist etwa viermal so groß wie die Gelenkpfanne (Cavitas glenoidalis). Dies ermöglicht eine große Flexibilität der Schulter auf Kosten einer geringeren Stabilität. Bänder und Muskeln sind daher wichtige Stabilisatoren des Schultergelenks.
Klinik:
Das Schultergelenk ist das Gelenk mit dem höchsten Luxationsrisiko. Dabei treten Luxationen häufig nach kaudal/ventral auf.
| Band | Verlauf | Funktion/Besonderheit |
| Art. sternoclavicularis | Besitzt Discus articularis (Faserknorpel) | Funktionelles Kugelgelenk |
| Lig. sternoclavicularis ant. | Sternum- Clavicula | Begrenzt die Retroversion der Schulter |
| Lig. sternoclavicularis post. | Sternum- Clavicula | Begrenzt die Anteversion der Schulter |
| Lig. interclaviculare | Zwischen den beiden Extremitates sternales | Begrenzt das Absenken der Clavicula |
| Lig. costoclaviculare | 1. Rippe - Clavicula | Begrenzt das Anheben der Clavicula |
| Art. acromioclavicularis | Funktionelles Kugelgelenk | |
| Lig. acromioclaviculare | Acromion - Clavicula | Verbindet Acromion und Clavicula |
| Lig. conoideum | Proc. coracoideus - Tuberculum conoideum | Zusammengefasst zum Lig. Coracoclaviculare → verstärkt die Verbindung von Scapula und Clavicula |
| Lig. trapezoideum | Proc. coracoideus - Linea trapezoidea der Clavicula | |
| Lig. coracoacromiale | Proc. coracoideus - Acromion | Bildet einen Teil des Schulterdachs |
| Art. humeri | Kugelgelenk | |
| Lig. coracohumerale | Proc. coracoideus - Tuberculum majus und minus | Stabilisiert die lange Bizepssehne, sichert abrutschen |
| Lig. glenohumeralia sup. | Obere Pfanne - Collum anatomicum | Verstärkt Gelenkkapsel ventral |
| Lig. glenohumeralia med. | Untere Pfanne - Tuberculum minus | Verstärkt Gelenkkapsel ventral |
| Lig. glenohumeralia inf. | Partes ant. et post von unterer Pfanne zu Collum anatomicum | Dazwischen: Recessus axillaris (Spielraum für Bewegungen) |
| Lig. coracoacromiale | Acromion - Proc. coracoideus | Sichert das Caput humeri nach kranial, bildet mit Acromion und Proc. coracoideus Fornix humeri, darunter Bursa subacromialis |
Das Ellenbogengelenk (Articulatio cubiti) ist die Verbindung zwischen dem Oberarm (Humerus) und den Unterarmknochen Ulna (Elle) und Radius (Speiche). Das Ellenbogengelenk ist ein zusammengesetztes Drehscharniergelenk und besteht aus den 3 Teilgelenken, die jedoch von einer gemeinsamen Gelenkkapsel und Gelenkhöhle umgeben werden:
- Humeroradialgelenk (Art. humeroradialis): Kugelgelenk
- Humeroulnargelenk (Art. humeroulnaris): Scharniergelenk
- Proximales Radioulnargelenk (Art. radioulnaris proximalis): Radgelenk
Beteiligte Strukturen:
- Humerus (Trochlea humeri und Capitulum humeri)
- Ulna (Olecranon, Incisura radialis und Incisura trochlearis)
- Radius (Fovea capitis radii und Circumferentia radialis)
Bänder:
- Lig. collaterale ulnare (Innenband)
- Lig. collaterale radiale (Außenband)
- Lig. anulare radii (Ringband)
Funktion:
- Humeroradialgelenk (Kugelgelenk): durch Bandapparat in Bewegungsgrad eingeschränkt, besitzt nur zwei Freiheitsgrade
- Flexion und Extension
- Pronation und Supination des Unterarms
- Humeroulnargelenk (Scharniergelenk)
- Flexion und Extension
- Proximale Radioulnargelenk (Radgelenk)
- Pronation und Supination
TippEselsbrücke: Pronation und Supination
Pronation, wie ein Handtuch, das man auswringt.
Supination, wie ein Suppenlöffel, den man zum Essen schwingt.
Ansicht des rechten Ellenbogengelenks von ventral:

Ansicht des Ellenbogengelenks von lateral:

Ansicht des Ellenbogengelenks von medial:

Ansicht des Ellenbogengelenks von ventral:

Das distale Radioulnargelenk (Art. radioulnaris distalis) ist die Verbindung zwischen dem distalen Ende von Radius und Ulna. Radius und Ulna sind durch eine bindegewebige Membran, der Membrana interossea antebrachii miteinander verbunden, die eine Längsverschiebung von Radius und Ulna gegeneinander verhindert. Es handelt sich um ein Radgelenk, das Pro- und Supinationsbewegungen des Unterarms ermöglicht.
Beteiligte Strukturen:
- Radius (Incisura ulnaris)
- Ulna (Circumferentia articularis ulnae)
Bänder:
- Lig. radioulnare dorsale und palmare
Funktion:
- Pro- und Supinationsbewegung
Ansicht der Radioulnargelenke von ventral:


Proximales Handgelenk (Articulatio radiocarpalis):

Beteiligte Strukturen:
- Facies articularis carpalis des Radius
- Discus articularis ulnocarpalis (Discus gleicht Inkongruenz der distalen Ulna aus)
- Proximale Reihe der Handwurzelknochen (Os scaphoideum, Os triquetrum und Os lunatum)
Gelenktyp:
- Eigelenk (Articulatio ellipsoidea)
Funktion:
- Palmarflexion und Dorsalextension
- Radialabduktion und Ulnarabduktion
Distales Handgelenk (Articulatio mediocarpalis):
Beteiligte Strukturen:

- Proximale und distale Handwurzelknochen
Gelenktyp:
- Verzahntes Scharniergelenk
Funktion:
- Palmarflexion und Dorsalextension
Interkarpalgelenke (Articulationes intercarpales):
Beteiligte Strukturen:
- Handwurzelknochen einer Reihe
- Starke Befestigung durch Bänder
(Ligg. intercarpalia)
Gelenktyp:
- Amphiarthrosen (echte Gelenke mit straffem Bandapparat)
Karpometakarpalgelenke (Articulationes carpometacarpales):
Beteiligte Strukturen:
- Distale Reihe der Handwurzelknochen
(Ossa trapezium, trapezoideum, capitatum und hamatum) - Basen oder Ossa metacarpi II-V
- Durch Bänder (Ligg. metacarpalia dorsalia, palmaria et interossea) sehr straff fixiert
Gelenktyp:
- Amphiarthrosen
Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis):
Beteiligte Strukturen:
- Os trapezium
- Os metacarpi I
Gelenktyp:
- Sattelgelenk (3 Freiheitsgrade!)
Funktion:
- Abduktion und Adduktion
- Flexion und Extension
- Innen- und Außenrotation
- Opposition (Kombination aus Flexion Adduktion und Innenrotation)
Übersicht über die Handgelenke

Ansicht der Bänder des rechten Handgelenks von palmar

Fingergrundgelenke II-V (Articulationes metacarpophalangeales (MCP))
Beteiligte Strukturen:
- Metakarpalknochen (Mittelhand)
- Proximale Phalangen (Finger)
- Ligg. collateralia, Ligg. palmaria, Ligg. metacarpalia transversa profunda
Gelenktyp:
- Funktionelles Eigelenk (anatomisch Kugelgelenk, durch Bänder eingeschränkt)
Funktion:
- Flexion und Extension
- Abduktion und Adduktion
Daumengrundgelenk (Articulatio metacarpophalangea pollicis)
Beteiligte Strukturen:
- Mittelhand (Metakarpalknochen I)
- Finger (Proximale Phalanx I)
- Ligg. collateralia, Ligg. palmaria
Gelenktyp:
- Scharniergelenk
Funktion:
- Flexion und Extension
Interphalangealgelenke (Articulationes interphalangeales):
Die Interphalangealgelenke der Hand lassen sich in proximale Interphalangealgelenke (PIP, Fingermittelgelenke) zwischen Grund- und Mittelphalanx und distale Interphalangealgelenke (DIP, Fingerendgelenke) zwischen Mittel- und Endphalanx unterteilen.
Geltend für alle Interphalangealgelenke:
Beteiligte Strukturen:
- Ligg. collateralia, Ligg. palmaria
Gelenktyp:
- Scharniergelenke
Funktion:
- Flexion und Extension

Ansicht der Bänder der rechten Hand von palmar

Bewegungsumfang des Fingergrundgelenks

Zusammenfassung: Bänder und Gelenke des Oberarms und Ellenbogens
| Band | Verlauf | Funktion/Besonderheit |
|---|---|---|
| Art. cubiti | Setzt sich aus dem Art. humeroulnaris (Scharniergelenk), Art. humeroradialis (Kugelgelenk) und Art. radioulnaris proximalis (Radgelenk) zusammen | |
| Lig. anulare radii | Liegt intrakapsulär und ist mit dem Lig. collaterale radiale verwachsen | Stabilisiert das Art. radioulnaris proximalis |
| Lig. collaterale radiale (Außenband) | Epicondylus lateralis – Lig. anulare | Stärkt die Gelenkkapsel bei Varusstress |
| Lig. collaterale ulnare (Innenband) | Epicondylus medialis – Incisura trochlearis | Stärkt die Gelenkkapsel bei Valgusstress |
Zusammenfassung: Bänder und Gelenke der Hand
| Art. radiocarpalis (proximales Handgelenk, Eigelenk) | Art. mediocarpalis (distales Handgelenk, verzahntes Scharniergelenk) |
|
|
|
|
| Art. carpometacarpales (Amphiarthrose) | Art. metacarpophalangealis (MCP) (Kugelgelenk, funktionell: Eigelenk) |
|
|
| Art. interphalangeales (PIP / DIP) | |
|
TippDer Daumen besitzt nur zwei Fingerglieder und damit auch nur zwei Gelenke: das Daumengrundgelenk (Articulatio metacarpophalangea pollicis, MCP I) und das Daumenendgelenk (Articulatio interphalangea policis).
Klinik:
Eine Arthrose im Daumensattelgelenk (Art. carpometacarpalis pollicis) wird Rhizarthrose genannt.