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Gelenke der oberen Extremität

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20 Minuten Lesezeit

Das Sternoklavikulargelenk (Art. sternoclavicularis) ist ein Gelenk, das das Brustbein (Sternum) mit dem Schlüsselbein (Clavicula) verbindet. Es ist das einzige echte Gelenk, das den Schultergürtel mit dem Thorax verbindet. Das Sternoklavikulargelenk ist anatomisch gesehen ein Sattelgelenk. Allerdings handelt es sich funktionell um ein Kugelgelenk, da der Discus articularis die Unebenheiten des Gelenks ausgleicht. Histologisch gesehen besteht der Discus articularis aus Faserknorpel.

Beteiligte Strukturen:

  • Sternum (Manubrium sterni)
  • Clavicula (mediales Ende) 

Bänder:

  • Lig. sternoclaviculare anterius: begrenzt die Retraktion der Schulter
  • Lig. sternoclaviculare posterius: begrenzt die Protraktion der Schulter
  • Lig. interclaviculare: begrenzt das Absenken der Clavicula
  • Lig. costoclaviculare: begrenzt das Anheben der Clavicula 

Funktionen:

  • Frontalebene: Anheben und Absenken der Clavicula (Elevation/Depression)
  • Transversalebene: Vor- und Rückführen (Protraktion/Retraktion)
  • Bei Armelevation: Rotation der Clavicula bis 30° um die eigene Achse

Ansicht des Sternoklavikulargelenks von ventral:

Sternoklavikulargelenk (Articulatio sternoclavicularis)

Das Akromioklavikulargelenk (Art. acromioclavicularis) ist die Verbindung zwischen dem Acromion (Schulterblatt) und der seitlichen Clavicula (Schlüsselbein). Es wird auch als laterales Schlüsselbeingelenk bezeichnet und ist mechanisch mit dem Sternoklavikulargelenk verbunden. Obwohl es die Form eines planen Gelenks hat, hat es funktionell drei Freiheitsgrade, wobei die Beweglichkeit durch die Bänder stark begrenzt ist.

Strukturen:

  • Acromion der Scapula
  • Clavicula (Laterales Ende)

Bänder:

  • Lig. coracoclaviculare: Erstreckt sich zwischen Proc. coracoideus der Scapula und lateralem Ende der Clavicula. Es wird unterteilt in:
    • Lig. trapezoideum (lateraler Teil)
    • Lig. conoideum (medialer Teil)
  • Lig. acromioclaviculare: Erstreckt sich zwischen Acromion der Scapula und der Clavicula, verstärkt das Art. acromioclavicularis

Funktionen:

  • Stabilisierung des Schultergürtels
  • Ermöglicht das Anheben (Elevation) des Arms über das Schulterniveau hinweg

Ansicht des Akromioklavikulargelenks von ventral:

Akromioklavikulargelenk (Articulatio acromioclavicularis)

Das Schultergelenk (Articulatio humeri) ist die Verbindung zwischen Humeruskopf mit der Gelenkpfanne (Cavitas glenoidalis) der Scapula. Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk mit 3 Freiheitsgraden und ermöglicht eine große Bewegungsfreiheit des Arms. Zusätzlich zu den Bändern wird es von den Muskeln der Rotatorenmanschette und dem Caput longum des Musculus biceps brachii unterstützt. Durch den großen Bewegungsspielraum ist es allerdings anfälliger für Verletzungen wie Luxationen.

Beteiligte Strukturen:

  • Gelenkpfanne: Cavitas glenoidalis der Scapula
  • Gelenkkopf: Caput humeri des Humerus

Bänder:

  • Lig. coracoacromiale (“AC-Band“)
  • Lig. coracohumerale
  • Ligg. glenohumeralia

Schleimbeutel:

  • Bursa subacromialis
  • Bursa subdeltoidea
  • Bursa subtendinea musculi subscapularis

Funktionen:

  • Anteversion und Retroversion
  • Innenrotation und Außenrotation
  • Abduktion und Adduktion
  • Elevation (= Abduktion über 90°)

Querschnitt durch das Schultergelenk:

Schultergelenk (Articulatio humeri)

Ansicht des Schultergelenks von lateral:

Schultergelenk (Articulatio humeri)

Ansicht des Schultergelenks von ventral:

Schultergelenk (Articulatio humeri)

Bewegungsumfang des Schultergelenks:

Bewegungsumfang des Schultergelenks

 Tipp

Der Gelenkkopf (Caput humeri) ist etwa viermal so groß wie die Gelenkpfanne (Cavitas glenoidalis). Dies ermöglicht eine große Flexibilität der Schulter auf Kosten einer geringeren Stabilität. Bänder und Muskeln sind daher wichtige Stabilisatoren des Schultergelenks.

Klinik:

Das Schultergelenk ist das Gelenk mit dem höchsten Luxationsrisiko. Dabei treten Luxationen häufig nach kaudal/ventral auf.

BandVerlaufFunktion/Besonderheit
Art. sternoclavicularisBesitzt Discus articularis (Faserknorpel)Funktionelles Kugelgelenk
Lig. sternoclavicularis ant.Sternum- ClaviculaBegrenzt die Retroversion der Schulter
Lig. sternoclavicularis post.Sternum- ClaviculaBegrenzt die Anteversion der Schulter
Lig. interclaviculareZwischen den beiden Extremitates sternalesBegrenzt das Absenken der Clavicula
Lig. costoclaviculare1. Rippe - ClaviculaBegrenzt das Anheben der Clavicula
Art. acromioclavicularis Funktionelles Kugelgelenk
Lig. acromioclaviculareAcromion - ClaviculaVerbindet Acromion und Clavicula
Lig. conoideumProc. coracoideus - 
Tuberculum conoideum
Zusammengefasst zum Lig. Coracoclaviculare
→ verstärkt die Verbindung von Scapula und Clavicula
Lig. trapezoideumProc. coracoideus - Linea trapezoidea der Clavicula
Lig. coracoacromialeProc. coracoideus - AcromionBildet einen Teil des Schulterdachs
Art. humeri Kugelgelenk
Lig. coracohumeraleProc. coracoideus -
Tuberculum majus und minus
Stabilisiert die lange Bizepssehne, sichert abrutschen
Lig. glenohumeralia sup.Obere Pfanne - Collum anatomicumVerstärkt Gelenkkapsel ventral
Lig. glenohumeralia med.Untere Pfanne - Tuberculum minusVerstärkt Gelenkkapsel ventral
Lig. glenohumeralia inf.Partes ant. et post von unterer Pfanne zu Collum anatomicumDazwischen: Recessus axillaris (Spielraum für Bewegungen)
Lig. coracoacromialeAcromion - Proc. coracoideusSichert das Caput humeri nach kranial, bildet mit Acromion und Proc. coracoideus Fornix humeri, darunter Bursa subacromialis

Das Ellenbogengelenk (Articulatio cubiti) ist die Verbindung zwischen dem Oberarm (Humerus) und den Unterarmknochen Ulna (Elle) und Radius (Speiche). Das Ellenbogengelenk ist ein zusammengesetztes Drehscharniergelenk und besteht aus den 3 Teilgelenken, die jedoch von einer gemeinsamen Gelenkkapsel und Gelenkhöhle umgeben werden: 

  1. Humeroradialgelenk (Art. humeroradialis): Kugelgelenk
  2. Humeroulnargelenk (Art. humeroulnaris): Scharniergelenk
  3. Proximales Radioulnargelenk (Art. radioulnaris proximalis): Radgelenk 

Beteiligte Strukturen:

  • Humerus (Trochlea humeri und Capitulum humeri)
  • Ulna (Olecranon, Incisura radialis und Incisura trochlearis)
  • Radius (Fovea capitis radii und Circumferentia radialis)

Bänder:

  • Lig. collaterale ulnare (Innenband)
  • Lig. collaterale radiale (Außenband)
  • Lig. anulare radii (Ringband)

Funktion:

  • Humeroradialgelenk (Kugelgelenk): durch Bandapparat in Bewegungsgrad eingeschränkt, besitzt nur zwei Freiheitsgrade
    • Flexion und Extension
    • Pronation und Supination des Unterarms
  • Humeroulnargelenk (Scharniergelenk)
    • Flexion und Extension
  • Proximale Radioulnargelenk (Radgelenk)
    • Pronation und Supination
 Tipp

Eselsbrücke: Pronation und Supination

Pronation, wie ein Handtuch, das man auswringt.

Supination, wie ein Suppenlöffel, den man zum Essen schwingt.

Supination und Pronation

Ansicht des rechten Ellenbogengelenks von ventral:

Ellenbogengelenk (Articulatio cubiti)

Ansicht des Ellenbogengelenks von lateral:

Ellenbogengelenk – Seitenansicht

Ansicht des Ellenbogengelenks von medial:

Ellenbogengelenk – Medialansicht

Ansicht des Ellenbogengelenks von ventral:

Ellenbogengelenk – Vorderansicht

Das distale Radioulnargelenk (Art. radioulnaris distalis) ist die Verbindung zwischen dem distalen Ende von Radius und Ulna. Radius und Ulna sind durch eine bindegewebige Membran, der Membrana interossea antebrachii miteinander verbunden, die eine Längsverschiebung von Radius und Ulna gegeneinander verhindert. Es handelt sich um ein Radgelenk, das Pro- und Supinationsbewegungen des Unterarms ermöglicht. 

Beteiligte Strukturen: 

  • Radius (Incisura ulnaris)
  • Ulna (Circumferentia articularis ulnae) 

Bänder:

  • Lig. radioulnare dorsale und palmare 

Funktion:

  • Pro- und Supinationsbewegung 

Ansicht der Radioulnargelenke von ventral:

Distales Radioulnargelenk (Articulatio radioulnaris distalis)
Pro- und Supination des Unterarms

Proximales Handgelenk (Articulatio radiocarpalis):

Beteiligte Strukturen:

  • Facies articularis carpalis des Radius
  • Discus articularis ulnocarpalis (Discus gleicht Inkongruenz der distalen Ulna aus)
  • Proximale Reihe der Handwurzelknochen (Os scaphoideum, Os triquetrum und Os lunatum)

Gelenktyp:

  • Eigelenk (Articulatio ellipsoidea)

Funktion:

  • Palmarflexion und Dorsalextension
  • Radialabduktion und Ulnarabduktion

Distales Handgelenk (Articulatio mediocarpalis):

Beteiligte Strukturen:

  • Proximale und distale Handwurzelknochen

Gelenktyp:

  • Verzahntes Scharniergelenk

Funktion:

  • Palmarflexion und Dorsalextension

Interkarpalgelenke (Articulationes intercarpales):

Beteiligte Strukturen:

  • Handwurzelknochen einer Reihe
  • Starke Befestigung durch Bänder 
    (Ligg. intercarpalia)

Gelenktyp:

  • Amphiarthrosen (echte Gelenke mit straffem Bandapparat)

Karpometakarpalgelenke (Articulationes carpometacarpales):

Beteiligte Strukturen:

  • Distale Reihe der Handwurzelknochen 
    (Ossa trapezium, trapezoideum, capitatum und hamatum)
  • Basen oder Ossa metacarpi II-V
  • Durch Bänder (Ligg. metacarpalia dorsalia, palmaria et interossea) sehr straff fixiert

Gelenktyp:

  • Amphiarthrosen

Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis):

Beteiligte Strukturen:

  • Os trapezium
  • Os metacarpi I

Gelenktyp:

  • Sattelgelenk (3 Freiheitsgrade!)

Funktion:

  • Abduktion und Adduktion
  • Flexion und Extension
  • Innen- und Außenrotation
  • Opposition (Kombination aus Flexion  Adduktion und Innenrotation)

Übersicht über die Handgelenke

Gelenke der Handwurzel und des Handgelenks

Ansicht der Bänder des rechten Handgelenks von palmar

Bänder des Handgelenks (Palmaransicht)

Fingergrundgelenke II-V (Articulationes metacarpophalangeales (MCP))

Beteiligte Strukturen:

  • Metakarpalknochen (Mittelhand)
  • Proximale Phalangen (Finger)
  • Ligg. collateralia, Ligg. palmaria, Ligg. metacarpalia transversa profunda

Gelenktyp:

  • Funktionelles Eigelenk (anatomisch Kugelgelenk, durch Bänder eingeschränkt)

Funktion:

  • Flexion und Extension
  • Abduktion und Adduktion

Daumengrundgelenk (Articulatio metacarpophalangea pollicis)

Beteiligte Strukturen:

  • Mittelhand (Metakarpalknochen I)
  • Finger (Proximale Phalanx I)
  • Ligg. collateralia, Ligg. palmaria

Gelenktyp:

  • Scharniergelenk

Funktion:

  • Flexion und Extension

Interphalangealgelenke (Articulationes interphalangeales):

Die Interphalangealgelenke der Hand lassen sich in proximale Interphalangealgelenke (PIP, Fingermittelgelenke) zwischen Grund- und Mittelphalanx und distale Interphalangealgelenke (DIP, Fingerendgelenke) zwischen Mittel- und Endphalanx unterteilen.

Geltend für alle Interphalangealgelenke:

Beteiligte Strukturen:

  • Ligg. collateralia, Ligg. palmaria

Gelenktyp:

  • Scharniergelenke

Funktion:

  • Flexion und Extension
Gelenke der Hand und Finger – Übersicht der Gelenktypen

Ansicht der Bänder der rechten Hand von palmar

Ansicht der Bänder der rechten Hand von palmar

Bewegungsumfang des Fingergrundgelenks

Bewegungsumfang des Fingergrundgelenks

Zusammenfassung: Bänder und Gelenke des Oberarms und Ellenbogens

BandVerlaufFunktion/Besonderheit
Art. cubitiSetzt sich aus dem Art. humeroulnaris (Scharniergelenk), Art. humeroradialis (Kugelgelenk) und Art. radioulnaris proximalis (Radgelenk) zusammen
Lig. anulare radiiLiegt intrakapsulär und ist mit dem Lig. collaterale radiale verwachsenStabilisiert das Art. radioulnaris proximalis
Lig. collaterale radiale (Außenband)Epicondylus lateralis – 
Lig. anulare
Stärkt die Gelenkkapsel bei Varusstress
Lig. collaterale ulnare (Innenband)Epicondylus medialis – 
Incisura trochlearis
Stärkt die Gelenkkapsel bei Valgusstress

Zusammenfassung: Bänder und Gelenke der Hand

Art. radiocarpalis 
(proximales Handgelenk, Eigelenk)
Art. mediocarpalis 
(distales Handgelenk, verzahntes Scharniergelenk)
  • Lig. collaterale carpi radiale
  • Lig. collaterale carpi ulnare
  • Lig. radiocarpale palmare
  • Lig. radiocarpale dorsale
  • Lig. ulnocarpale palmare
  • Lig. ulnocarpale dorsale
  • Ligg. intercarpalia dors.
  • Ligg. intercarpalia palm.
  • Ligg. intercarpalia interossea
  • Lig. carpi radiatum
  • Lig. pisohamatum
  • Ermöglicht Palmarflexion und Dorsalextension sowie Radial- und Ulnarabduktion
  • Ermöglicht Palmarflexion und Dorsalextension
Art. carpometacarpales 
(Amphiarthrose)
Art. metacarpophalangealis (MCP) 
(Kugelgelenk, funktionell: Eigelenk)
  • Ligg. carpometacarpalia palmaria
  • Ligg. carpometacarpalia dorsalia
  • Ligg. pisometacarpale
  • Ligg. metacarpalia palmaria, distalia, interossea
  • Lig. metacarpale transversum profundum
  • Ligg. palmaria
  • Ligg. collateralia
  • Lig. anularia
  • Lig. obliquum
  • Lig. phalangoglenoidale
Art. interphalangeales (PIP / DIP) 
  • Ligg. collateralia
  • Ligg. palmaria
  • Lig. anularia
  • Lig. phalangoglenoidale (nur PIP)
 
 Tipp

Der Daumen besitzt nur zwei Fingerglieder und damit auch nur zwei Gelenke: das Daumengrundgelenk (Articulatio metacarpophalangea pollicis, MCP I) und das Daumenendgelenk (Articulatio interphalangea policis).

Klinik:

Eine Arthrose im Daumensattelgelenk (Art. carpometacarpalis pollicis) wird Rhizarthrose genannt.

Zuletzt aktualisiert am 15.07.2026
Knochen der oberen Extremität
Muskeln der oberen Extremität
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