Einleitung
Die Hauptfunktion der Lunge
- Es erfolgt eine Aufnahme von Sauerstoff
(310 ml/Minute in Ruhe) - Es erfolgt eine Abgabe von Kohlenstoffdioxid
(260 ml/Minute in Ruhe) - Die Voraussetzung für den Gasaustausch ist ein Konzentrationsgefälle
- Die Sauerstoff
-Konzentration ist in der Luft höher als im Blut - Der Sauerstoff
diffundiert durch die dünne Wand zwischen Lungenbläschen (= Alveolen) und den Blutgefäßen - Die Diffusion
ist abhängig von Partialdruckunterschied, der Diffusionsleitfähigkeit, der verfügbaren Fläche und der Diffusionsstrecke und ist darstellbar durch das Fick´sche Diffusionsgesetz:
- Die Sauerstoff
- Der Krogh´sche Diffusionskoeffizient ist eine Kenngröße (für CO
2 etwa 23-mal größer als für O2) - Je größer die Austauschfläche und je größer die Partialdruckdifferenz ist, desto größer ist der Diffusionsstrom
- Je länger die Diffusionsstrecke ist, desto geringer ist der Diffusionsstrom
| Partialdrücke in Atemluft und Lungenkapillaren | CO | O2-Partialdruck | N2-Partialdruck | H2O-Partial-druck |
|---|---|---|---|---|
| In der Inspirationsluft | 0,3 mmHg (≈0,04 kPa) | 160 mmHg (≈21 kPa) | 593 mmHg (≈79 kPa) | 0 mmHg (≈0 kPa) |
In den Lungenkapillaren/ Alveolen | 40 mmHg (≈5,3 kPa) | 100 mmHg (≈13,3 kPa) | 573 mmHg (≈76 kPa) | 47 mmHg (≈6,3 kPa) |
| In der Exspirationsluft | 27 mmHg (≈3,6 kPa) | 120 mmHg (≈16 kPa) | 566 mmHg (≈75 kPa) | 47 mmHg (≈6,3 kPa) |
Diffusion der Atemgase
Durch die Diffusion
Ventilation
Als
- Die Ventilation ist die Voraussetzung für den Gasaustausch in den Alveolen
- Es gibt zwei Arten von Lungenbereichen: den Alveolarraum und den Totraum
- Der Alveolarraum ist der Teil der Atemwege, der am Gasaustausch beteiligt ist
- Der funktionelle Totraum ist der Teil der Atemwege, der belüftet wird, aber nicht am Gasaustausch beteiligt ist
- Der physiologische Totraum beträgt beim Erwachsenen ca. 150-200 ml
Totraum
- Der physiologische Totraum beträgt beim Erwachsenen ca. 150-200 ml
Der anatomische Totraum umfasst die luftleitenden Atemwege und kann über die Totraumventilation berechnet werden
𝑻𝒐𝒕𝒓𝒂𝒖𝒎𝒗𝒆𝒏𝒕𝒊𝒍𝒂𝒕𝒊𝒐𝒏 = 𝑻𝒐𝒕𝒓𝒂𝒖𝒎𝒗𝒐𝒍𝒖𝒎𝒆𝒏∗𝑨𝒕𝒆𝒎𝒇𝒓𝒆𝒒𝒖𝒆𝒏𝒛
- Der alveoläre Totraum umfasst die Alveolen, die belüftet, aber nicht durchblutet sind und daher nicht am Gasaustausch beteiligt sind
Berechnung des funktionellen Totraums durch die Bohr-Totraumformel:
Vt = Totraumvolumen
VE = Exspirationsvolumen
FECO2 = CO
FACO2 = CO
- CO
2 wird von den Lungengefäßen in die Alveolen abgegeben. In der Umgebungsluft befindet sich sehr wenig CO 2. In den Alveolen, die ventiliert werden und am Gasaustausch teilnehmen ist daher die CO 2-Fraktion in der Exspirationsluft höher, als die CO 2-Fraktion in der Luft von Abschnitten des Atemwegssystems die nicht am Gasaustausch teilnehmen (Totraum) - Je höher der Anteil von CO
2 in der Ausatemluft im Verhältnis zum Anteil von CO 2 in den Alveolen ist, desto geringer ist das Totraumvolumen. Bei einem hohen Totraumvolumen würde der Anteil von CO 2 im Verhältnis zum Gesamtvolumen der Exspirationsluft zunehmen
Ventilationsparameter:
- Das Atemzeitvolumen (AMV/Atemminutenvolumen) ist das Luftvolumen, das pro Minute ein- und ausgeatmet wird
- Die Atemfrequenz
gibt an, wie viele Atemzüge pro Minute gemacht werden - Die alveoläre Ventilation ist der Anteil des Atemzeitvolumens, der die Alveolen erreicht und am Gasaustausch beteiligt ist
- Der Ventilationskoeffizient gibt an, wie viel des alveolären Gasgemisches pro Atemzug ausgetauscht wird
| Ventilations-parameter | Normwert | Bezeichnung bei Erniedrigung | Bezeichnung bei Erhöhung |
|---|---|---|---|
| Atemfrequenz | 16-20/Minute | Bradypnoe (<10/Minute) | Tachypnoe (>20/Minute) |
| Atemzugvolumen | 0,5 L | Hypopnoe | Hyperpnoe |
| Atemzeitvolumen | 7,5 L/Minute | Hypoventilation | Hyperventilation |
Perfusion
Regulation der Lungenperfusion
Neben der Ventilation ist die Lungenperfusion (= Durchblutung der Lunge
- Die Durchblutung der Lunge
muss für einen optimalen Gasaustausch an die Ventilation angepasst sein - Im Ruhezustand sind nur ca. 50 % der Lungenkapillaren durchblutet
- Bei körperlicher Belastung öffnen sich Reservekapillaren (= kapilläres Recruitment), um den Gesamtwiderstand der Lungenperfusion zu verringern
- Das Dehnungsverhalten der Lungengefäße bei steigendem Pulmonalarteriendruck unterstützt die effektive Erhöhung der Lungendurchblutung bei körperlicher Aktivität
- Im Gegensatz zu anderen Gefäßen dehnen sich die Lungengefäße passiv aus
- Der Strömungswiderstand
im Lungenkreislauf nimmt bei steigendem Herzzeitvolumen ab
Ventilations-Perfusions-Verhältnis:
- Das Ventilations-Perfusions-Verhältnis (= V/Q-Verhältnis) bezieht sich auf das Verhältniszwischen der Luftmenge, die in den alveolären Raum gelangt (Ventilation) und der Menge an Blut
, das durch die Lungenkapillaren fließt (Perfusion) - Ein ausgeglichenes V/Q-Verhältnis bedeutet, dass die Ventilation und die Perfusion in einem bestimmten Lungensegment proportional zueinander sind
- Ein ungleiches V/Q-Verhältnis kann aufgrund verschiedener pathologischer Zustände wie einer Lungenarterienembolie
, einer COPD oder einer Lungenentzündung bestehen
Va = alveoläre Ventilation
Q = Lungenperfusion
- Wenn die Ventilation höher als
die Perfusion ist, wird das Blut nicht ausreichend mit Sauerstoff angereichert - Wenn die Perfusion höher als
die Ventilation ist, kann der Gasaustausch nicht effizient genug stattfinden, da das Blut nicht ausreichend Sauerstoff aufnehmen und Kohlenstoffdioxid abgeben kann
Hypoxische Vasokonstriktion
- Die Lunge
hat einen speziellen Gefäßmechanismus, um ein gestörtes Ventilations-Perfusions-Verhältnis auszugleichen beziehungsweise zu vermeiden - Bei einem O2-Mangel verengen sich die Lungengefäße (Vasokonstriktion ➜ Euler-Liljestrand-Mechanismus), im Gegensatz zur Gefäßerweiterung in den anderen Organen, bei denen es zu einer Dilatation kommt (siehe lokal-metabolische Regulation der Organdurchblutung)
- Der alveoläre O2-Partialdruck sinkt und die zuführenden Pulmonalarterienäste verengen sich
- Dadurch steigt der Strömungswiderstand
und die Perfusion von Lungenarealen ohne einen effektiven Gasaustausch wird gedrosselt - Die hypoxische Vasokonstriktion wird genutzt, um das Blut
in besser belüftete Lungenbereiche umzuleiten Dieser Mechanismus ist auch bei einem Aufenthalt in großer Höhe zu beobachten, bei dem die alveoläre Hypoxie zu einer Vasokonstriktion der Lungengefäße führt
Sauerstoffbindungskurve
- Die O2-Sättigung im Blut
hängt vom O2-Partialdruck ab , der die Bindungsaffinität des Hämoglobins (Hb ) zu O2 beeinflusst - Die Hb
-Bindungsaffinität wird von äußeren Faktoren moduliert, die zu einer Links- oder Rechtsverschiebung der Sauerstoffbindungskurve führen können - Eine Rechtsverschiebung der Sauerstoffbindungskurve bedeutet, dass die Sauerstoffbindung an Hämoglobin
schwächer ist und eine begünstigte O2-Abgabe an das Gewebe stattfindet. Ursachen für eine Rechtsverschiebung sind ein Anstieg des pCO2, der Temperatur, ein Abfall des pH-Wertes und ein Anstieg von 2,3-Bisphosphoglycerat - Eine Linksverschiebung bedeutet, dass die Sauerstoffbindung an das Hämoglobin
stärker ist und somit eine geringere O2-Abgabe an das Gewebe stattfindet. Ursachen für eine Linksverschiebung sind ein Abfall des pCO2, der Temperatur, ein Anstieg des pH-Wertes und ein Abfall von 2,3-Bisphosphoglycerat
