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Hämorrhoiden

8 Minuten Lesezeit

Hämorrhoiden sind pathologische Vergrößerungen des arteriell gespeisten Corpus cavernosum recti (Plexus hämorrhoidales superior) proximal der Linea dentata. Es handelt sich um eine Pathologie, die vor allem bei älteren Menschen auftritt und eine häufige Ursache für gastrointestinale Blutungen darstellt. Sie sind nicht zu verwechseln mit den rektalen Varizen (= erweiterte Venen), die zum Beispiel durch portale Hypertension hervorgerufen werden können. Da der Begriff Hämorrhoiden uneinheitlich verwendet wird, haben wir in der folgenden Tabelle die verschiedenen Definitionen einmal aufgeführt:

BezeichnungCharakteristika
HämorrhoidenVergrößerung des Plexus cavernosum recti (Plexus hämorrhoidalis superior oberhalb der Linea dentata)
HämorrhoidalleidenSymptomatische Hämorrhoiden
Innere Hämorrhoiden Echte Hämorrhoiden, welche aus dem Plexus cavernosum recti (Plexus hämorrhoidalis superior) hervorgehen
„Äußere“ Hämorrhoiden Dabei handelt es sich um falsche Hämorrhoiden. Dort ist der Plexus hämorrhoidalis inferior unterhalb der Linea dentata betroffen. Der Begriff Analthrombose grenzt die Entitäten eindeutiger voneinander ab.
Rektale VarizenErweitere Venen im Bereich des Rektums
Hämorrhoiden

Etwa 70-80% der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von einem Hämorrhoidalleiden betroffen.

Risikofaktoren

  • Chronische Verstopfung
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • Starkes Pressen beim Stuhlgang
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Übergewicht
  • Bindegewebsschwäche
  • Oft asymptomatisch
  • Blutung (hellrot, durch die arteriovenöse Quelle)
  • Pruritus (Juckreiz) und Brennen in der Analregion
  • Bei Thrombose oder Fissuren: starke Schmerzen
  • Schleimauflagerungen
  • Bei ausgeprägten Befunden: Gefühl der unvollständigen Darmentleerung, Fremdkörpergefühl

Unterschiede zwischen inneren Hämorrhoiden und Analvenenthrombosen (äußere Hämorrhoiden):

Innere HämorrhoidenAnalvenenthrombose
  • Gelten als nicht schmerzhaft (keine somatische Innervation)
  • Ggf. hellrote Blutung
  • Juckreiz durch Prolaps mit erhöhter Mukusproduktion
  • Strangulation durch Prolaps & Verdrehung/Einklemmung
  • Ggf. Inkontinenz durch Prolaps
  • Schmerzhafter perianaler Knoten (mit somatischer Innervation)
  • Livide verfärbt
  • Schmerzhafte Stuhlentleerung
  • Seltener Blutungen

 

Hämorrhoiden 3. Grades
Analvenenthrombose (Perianalthrombose)

Die inneren Hämorrhoiden werden in 4 verschiedene Schweregrade eingeteilt, nach denen sich auch die Therapie richtet:

GradCharakteristika
I
  • Proktoskopisch sichtbare Erweiterung, über der Linea dentata; reversibel
Gradeinteilung der Hämorrhoiden
II
  • Prolaps beim Pressen mit spontaner Reposition
III
  • Spontaner Prolaps, manuelle Reposition nötig
IV
  • Nicht reponierbarer Prolaps
  • Anamnese & körperliche Untersuchung 
    • Perianale Inspektion & digital-rektale Untersuchung (DRU)
  • Proktoskopie, um innere Hämorrhoiden zu diagnostizieren und von Neoplasien und lokalen entzündlichen Pathologien abzugrenzen
  • Ggf. Koloskopie zur Differentialdiagnostik
 Achtung

Bei rektalen Blutungen sollte ein kolorektales Karzinom ausgeschlossen werden, bevor Hämorrhoiden als ihre Ursache diagnostiziert werden!

Konservative, symptomatische Therapie

  • In vielen Fällen ausreichend
  • Adäquate Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche Ernährung, Gabe von Flohsamen, lokale Hygiene & Sitzbäder
  • Bewegung
  • Schmerzlindernde, topische Medikation in Form von Salben (Lidocain) oder Zäpfchen 

Interventionelle Therapie

  • Sklerosierung & Infrarotkoagulation: induzieren Fibrosierung
  • Gummibandligatur (Abbinden der Hämorrhoide → Nekrose und Ablösung)

Chirurgischer Eingriff: 

  • Hämorrhoidektomie
    • Offene Hämorrhoidektomie (Milligan-Morgan Methode)
    • Stapler-Hämorrhoidopexie (nach Longo)

Schema für die Therapie der inneren Hämorrhoiden

GradTherapie
I
  • Konservative, symptomatische Therapie
  • Bei Blutung: Sklerosierung oder Infrarotkoagulation
  • Bei Prolaps / keiner Besserung nach konservativer Therapie: Gummibandligatur oder Infrarotkoagulation
II
III
  • Gummibandligatur oder Infrarotkoagulation
  • Bei keiner Besserung: Hämorrhoidektomie
IV
  • Hämorrhoidektomie

Schema der Therapie der Analvenenthrombose

  • Kleinere Knoten: konservative, symptomatische Therapie
    • Stuhlregulierung und Sitzbäder
    • Analgetische Salben
  • Bei größeren Knoten, starken Schmerzen und Versagen der konservativen Maßnahmen:
    • Operative Therapie mit Stichinzision und Entfernung des Thrombus
 Info

Externe Hämorrhoiden treten häufig erneut auf. Es kann nach Ausheilung ein kleiner Hautlappen (sekundäre Mariske) verbleiben.

  • S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden, Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie e.V. (DGK)
  • S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und Deutschen Krebshilfe
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
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