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Harnstoffwechsel

5 Minuten Lesezeit

Arzneimittel zur Beeinflussung des Harnstoffwechsels werden bei der Behandlung der Gicht angewendet. Die Gicht ist charakterisiert durch eine Ablagerung von Uratkristallen in Gelenken infolge von erhöhten Harnsäurespiegeln (Hyperurikämie). Die Ausfällung der Kristalle führt zu einer lokalen, sehr schmerzhaften Entzündungsreaktion mit Einwanderung von Granulozyten. Dabei gilt: je höher der Harnsäurespiegel, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure überschritten wird und es zu einem akuten Gichtanfall kommt. Die häufigste Manifestationsform ist die Entzündung des
Großzehengrundgelenks (ca. 60% der Fälle). Diese wird auch als Podagra bezeichnet.

Die Harnsäure ist ein Abbauprodukt der Purinnukleotide. Purine wie Adenin und Guanin bilden einen zentralen Bestandteil der DNA und RNA. Der Purinabbau geschieht über die Zwischenprodukte Hypoxanthin und Xanthin. Die Harnsäure wird vor allem über die Nieren (ca. 80%) ausgeschieden. Sie wird frei filtriert, aber zu einem großen Teil im proximalen Tubulus rückresorbiert.

Wirkorte der Urostatika und Urosurika
  • 1. Wahl: Urikostatika wie Allopurinol oder Febuxostat
  • 2. Wahl: Urikosurika wie Probenacid oder Benzbromaron
WirkstoffeWirkungNebenwirkungenBesonderheiten

Urikostatika

  • Allopurinol
  • Febuxostat
  • Reversible Hemmung der Xanthinoxidase
    → Weniger Harnsäure wird gebildet
    → Hypoxanthin und Xanthin sind besser wasserlöslich und werden leichter ausgeschieden
  • Allergische Reaktionen
  • Zu Beginn der Therapie: Auslösung eines Gichtanfalls möglich
  • Cave: bei Kombination von Allopurinol mit Azathioprin 
    →Metabolite von Azathioprin werden über die Xanthinoxidase abgebaut
    → Erhöhte Wirkspiegel
    → Erhöhte Knochenmarkstoxizität
  • Wechselwirkungen: verminderte Wirkung von Allopurinol bei Kombination mit Thiaziden, Probenazid oder Benzbromaron

Kontraindikationen:  

  • Akuter Gichtanfall
  • Niereninsuffizienz
  • Schwangerschaft

Urikosurika

  • Probenecid
  • Benzbromaron
  • Hemmung der tubulären Harnsäure-Rückresorption
    → Mehr Harnsäure wird renal eliminiert
  • Zu Beginn der Therapie: Auslösung eines Gichtanfalls möglich
  • Urolithiasis
    → Durch Ausfällung der Harnsäure in den Nierentubuli
  • Wechselwirkungen: Salicylate reduzieren die urikosurische Wirkung

Kontraindikationen:  

  • Akuter Gichtanfall
  • Niereninsuffizienz  
  • Schwangerschaft
Rasburicase
  • Steigert die Umwandlung von Harnsäure zu Allantoin
    →Allantoin ist sehr gut wasserlöslich und kann leicht renal eliminiert werden
  • Allergische Reaktionen
  • Insbesondere Einsatz zur Prophylaxe eines Tumorlysesyndroms
  • Eine Kombination mit Allopurinol ist nicht empfehlenswert
    → Durch Allopurinol fehlt der Rasburicase das Substrat

Kontraindikationen:

  • Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
  • Hämolytische Anämie

Medikamentöse Therapie des akuten Gichtanfalls

  1. COX-Hemmer (Diclofenac, Indometacin, Ibuprofen)
  2. Prednisolon
    1. Ggf. auch Kombination von COX-Hemmern und Prednisolon
  3. Colchicin (2. Wahl)
  • Wirkung:
    • Colchicin ist ein Mitosespindelgift (Alkaloid der Herbstzeitlose)
      Verhindert die Mikrotubuli-Polymerisation
      ⟶ Hemmt die Einwanderung der neutrophilen Granulozyten und die Phagozytose der Uratkristalle
  • Nebenwirkungen:
    • Geringe therapeutische Breite
    • Diarrhö
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Neuropathien
    • Nephrotoxisch (in hohen Dosen)
  • Kontraindikationen:
    • Leber- und Niereninsuffizienz
    • Schwangerschaft
  • Wechselwirkungen:
    • Erhöhte Colchicin-Konzentrationen bei Gabe von CYP3A4-Hemmern oder Kombination mit Inhibitoren des P-Glykoproteins
    • Z.b. mit Statinen (außer Pravastatin, da es nicht über CYP3A4 metabolisiert wird), Ciclosporin, Makroliden, Fluconazol, Ketoconazol, Verapamil, Propranolol, Carvedilol. Diltiazem, Amiodaron, Metformin, Phenytoin, Grapefruitsaft, Johanniskraut, Paracetamol
 Achtung

Während und nach der Gabe (Männer 6 Monate und Frauen 3 Monate) sollte aufgrund der erbgutschädigenden Wirkung von Cholchin sicher verhütet werden. Die Patient:innen sollten hierüber aufgeklärt werden.

  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
Lipidsenker
Knochenstoffwechsel (Pharmakologie)
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