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Hiatushernie

6 Minuten Lesezeit

Das Zwerchfell, das den Thorax und den Bauchraum trennt, hat eine natürliche Schwachstelle dort, wo der Ösophagus in den Bauchraum eintritt - den sogenannten Hiatus oesophageus. Ein hoher Druck im Bauchraum (z.B. bei Übergewicht, Schwangerschaft oder chronischer Obstipation) oder eine Zwerchfellschwäche (z.B. im höheren Lebensalter aufgrund einer Bindegewebsschwäche) begünstigen den Durchtritt von Teilen des Magens oder anderen Organen durch diesen Hiatus. Eine Hiatushernie beschreibt den abnormalen Durchtritt von Organen des Abdomens durch den Hiatus oesophageus. 

  • Typ I: Axiale Hernie / Gleithernie
    • (90% aller ösophagealen Hernien)
    • Der ösophagogastrale Übergang (Z-Linie) befindet sich oberhalb des Diaphragmas.
Typ I: Axiale Hernie/Gleithernie
  • Typ II: Paraösophageale Hernie
    • Der ösophagogastrale Übergang befindet sich unterhalb des Diaphragmas und ein anderer Teil des Magens tritt am Ösophagus vorbei in den Brustkorb hinein. Die Maximalvariante ist der „Upside-down-Magen“, bei dem 2/3 oder mehr des Magens in den Thorax verlagert sind.
Typ II: Paraösophageale Hernie
  • Typ III: Mischform (Kombination aus Typ I und II)
    • Der ösophagogastrale Übergang sowie Teile des Magens (Magenfundus, Magenkardia) befinden sich oberhalb des Diaphragmas.
Typ III: Mischform (Kombination aus Typ I und II)
  • Typ IV: Komplexe Hiatushernie
    • Die schwerste Form der Zwerchfellhernien. Hier sind Magen (Thoraxmagen) und weitere Organe des Abdomens (z.B. Milz, Kolon, Zwölffingerdarm) in den Brustraum verschoben.
Typ IV: Komplexe Hiatushernie
  • Typ I: Axiale Hernie/Gleithernie
    • Meistens asymptomatisch
    • Funktion des Ösophagussphinkters beeinträchtigt
    • Leitsymptom: Reflux mit Sodbrennen, Regurgitation, Aufstoßen, saurer Geschmack im Mund, Husten
  • Typ II: Paraösophageale Hernie
    • Meistens asymptomatisch, Mageninkarzeration möglich
    • Funktion des Ösophagussphinkters nicht beeinträchtigt
    • Leitsymptom: Dysphagie; Druckgefühl im Thorax
  • Typ III: Mischform (Kombination aus Typ I und II)
    • Refluxsymptomatik möglich, Mageninkarzeration möglich
    • Postprandiales (= nach dem Essen) Druckgefühl, Thoraxschmerzen, Blähungen
  • Typ IV: Komplexe Hiatushernie
    • Klinik ähnlich zu Typ 3 + Klinik entsprechend der involvierten Organe (z.B. Hämatochezie, Verstopfung, Bauchschmerzen)
  • Anamnese, körperliche Untersuchung (ggf. Darmgeräusche im Thoraxbereich)
  • Labor: ggf. Eisenmangelanämie bei chronischer Blutung (mikrozytär, hypochrom)
  • ÖGD mit Biopsie
    • Beurteilung der Z-Linie (ösophagograstraler Epithelübergang)
    • Zeichen für Barrett-Ösophagus & Karzinom
 Merke

Bei paraösophagealen Hiatushernien liegt häufig eine normale Position der Z-Linie vor, wodurch die Diagnose mittels Endoskopie erschwert wird.

  • Sonografie
  • Röntgen-Thorax: ggf. Darstellung von intrathorakalen Bruchinhalten
Hiatushernie im seitlichen Röntgenbild des Thorax

 

  • CT-Thorax mit Kontrastmittel: bei V.a. eine Inkarzeration zur genauen Darstellung von Bruchpforte und Bruchsack
  • Ösophagusbreischluck: zur genauen Darstellung von komplexen Hernien
    • Durchführung: mit Bauchpresse und tiefgelagertem Kopf
  • Ggf. 24-Stunden-pH-Monitoring bei Reflux-Symptomatik oder Manometrie des Ösophagus
  • Konservative Therapie bei axialer Hiatushernie mit Reflux-Symptomatik
    • Therapiemaßnahmen gleichen denen der GERD
      • Lifestyle Modifikationen: Kein Rauchen, Gewichtsabnahme, keine Mahlzeiten innerhalb von 3 Stunden vor dem Schlafengehen, kleinere und häufigere Mahlzeiten, magenreizende Stoffe meiden (Kaffee, Alkohol, Schokolade, fettige Nahrungsmittel usw.)
      • Medikamentöse Therapie: Protonenpumpeninhibitoren (Alternativ: H2-Rezeptorantagonisten)
 Tipp

Eine axiale Hiatushernie ohne Symptome bedarf keiner Therapie.

  • Operativer Eingriff
    • Typ 1: ggf. Fundoplicatio, falls eine therapieresistente Symptomatik besteht
    • Typ 2: Hiatoplastik, Gastropexie (Magen wird am Zwerchfell fixiert), ggf. Fundoplicatio
    • Typ 3 & 4: Verlagerung des Magens + ggf. anderer abdominaler Strukturen zurück in den Bauchraum + ggf. Gastropexie/Fundoplicatio
 Achtung

Eine Operationsindikation besteht bei jeder paraösophagealen Hernie (Typ II) oder Mischform (Typ III) aufgrund des hohen Risikos von Komplikationen wie Inkarzerationen oder Passagestörungen.

Zuletzt aktualisiert am 03.02.2025
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