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Hygiene in der Pflege und im Rettungsdienst

Krankenhaushygiene
JG
53 Minuten Lesezeit

Das Thema Hygiene ist vor allem in der Pflege und im Rettungsdienst besonders wichtig. Verschiedene Maßnahmen tragen dazu bei, dass Keime reduziert werden und so eine Keimverschleppung verhindert wird. Dadurch wird die Sicherheit von Personal und Patient:innen gewährleistet und Infektionen verhindert. 

Hygienische Maßnahmen sind vielfältig und reichen von der Reinigung, die groben Schmutz entfernt, über die Desinfektion, die Keime auf Oberflächen abtötet, bis hin zur Sterilisation, die eine vollständige Keimfreiheit gewährleistet. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über zentrale Hygienemaßnahmen, darunter Händedesinfektion, persönliche Schutzausrüstung, aseptische Techniken und spezielle Herausforderungen in der Krankenhauspflege sowie im Rettungsdienst. 

 Info
Genauere Informationen findet ihr außerdem in den Hygieneplänen eurer Einrichtung.

Einsatzszenario

Ein Rettungswagen (RTW) wird zu einem Patienten mit Verdacht auf eine hochinfektiöse Erkrankung gerufen. Der 56-jährige Herr Müller hat hohes Fieber (39,5 °C), starken Husten, Atemnot. Eine kürzlich durchgeführte PCR-Testung auf Influenza A ist positiv ausgefallen. Aufgrund seiner Dyspnoe und der reduzierten Sauerstoffsättigung (SpO₂ 89 % unter Raumluft) hat die Hausärztin den Infektionstransport in eine Isolationsstation angeordnet. Herr Müller lebt mit seiner Frau zusammen, die ebenfalls erkältungstypische Symptome zeigt.

Hygienemaßnahmen vor dem Patientenkontakt:

  1. Bewertung des Infektionsrisikos:
    • Die Leitstelle informiert über eine bestätigte Influenza-Infektion
    • Standardvorgehen für den Transport infektiöser Patienten wird eingeleitet
  2. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) anlegen:
    • FFP2-/FFP3-Maske für das gesamte Team (je nach Aerosolrisiko)
    • Schutzkittel mit langen Ärmeln
    • Einmalhandschuhe
    • Schutzbrille oder Gesichtsvisier zum Schutz vor Tröpfchenübertragung

Hygienemaßnahmen während des Patientenkontakts

  1. Patientenvorbereitung:
    • Herr Müller erhält einen Mund-Nasen-Schutz, um die Virenausbreitung zu minimieren
    • Husten und Niesen erfolgen in ein Einmaltuch, welches anschließend direkt entsorgt wird
  2. Infektionskontrolle beim Transport:
    • Kein unnötiges Durchqueren öffentlicher Bereiche (direkter Transport zum RTW)
    • Oberflächenkontamination vermeiden: Alle verwendeten Gegenstände nach dem Kontakt direkt in einen separaten infektiösen Abfallbehälter entsorgen
  3. Kommunikation mit dem Krankenhaus:
    • Vor Ankunft Meldung an die Isolationsstation
    • Transportweg ins Krankenhaus möglichst über separaten Eingang, um Kreuzkontamination zu vermeiden

Hygienemaßnahmen nach dem Transport

  1. Desinfektion der Hände und der PSA-Ablage:
    • Entfernen der PSA nach festgelegter Reihenfolge (Handschuhe → Schutzkittel → Schutzbrille → Maske)
    • Entsorgung der PSA im infektiösen Abfallbehälter, z.B. spezieller Müllsack
  2. Fahrzeugdesinfektion:
    • Wischdesinfektion aller Flächen, die mit dem Patienten oder der PSA in Kontakt gekommen sind
    • Desinfektion der Trage und des Transportstuhls mit Flächendesinfektionsmittel mit nachgewiesener viruzider Wirkung
    • Lüftung des RTW zur Aerosolreduktion
  3. Dokumentation und Teamreflexion:
    • Notierung des Einsatzes mit Kennzeichnung als Infektionstransport
    • Selbstkontrolle auf Symptome in den folgenden Tagen
    • Reflexion: Wurden alle Hygienemaßnahmen korrekt eingehalten?
Infektionstransport im Rettungsdienst
 Achtung

Wichtig ist es, sich im Vorhinein über die nötigen Präventionsmaßnahmen gegen die jeweilige Erkrankung zu informieren. Bei manchen Krankheiten sind Vollschutzanzüge notwendig, während bei anderen Erkrankungen ein schlichter Mund-Nasen-Schutz genügt, um sich effizient zu schützen. 

Hygiene umfasst Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos und zum Schutz der Gesundheit von Patient:innen und Personal. Dies schließt persönliche Hygiene, das Tragen von Berufskleidung, die Flächendesinfektion und die Sterilisation von verwendeten Materialien ein. Die Einhaltung von Hygienestandards ist unerlässlich, um nosokomiale Infektionen (Infektionen, die während eines Krankenhausaufenthalts erworben werden) zu verhindern. Diese können die Genesung verzögern und zu Komplikationen führen, was die Verantwortung der Pflegekräfte und der Mitarbeiter im Rettungsdienst unterstreicht.

Maßnahmen, die ergriffen werden können, sind die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit gegen Keime

  • Reinigung: Verunreinigungen und Keime werden mechanisch entfernt und die Keimzahl wird um 50-80 % reduziert
    • Die Reinigung ist die Voraussetzung für die Desinfektion und stellt sicher, dass das Desinfektionsmittel die gesamte Oberfläche benetzen kann
  • Desinfektion: Abtötung der Keime meist durch chemische Verfahren und Reduktion der Keimzahl um bis zu 99,9 %
    • Desinfektion findet im Rettungsdienst Anwendung als z.B. Händedesinfektion, Hautdesinfektion, Raumdesinfektion, Flächendesinfektion oder Instrumentendesinfektion
  • Sterilisation: Abtötung der Keime durch physikalische oder chemische Verfahren und Reduktion der Keimzahl um 100 %
    • Sterilisierte Materialien sind keimfrei (steril)
    • Verfahren: z.B. Dampfsterilisation von medizinischen Instrumenten, Gassterilisation von hitzeempfindlichem Material wie Endoskopen
 Merke
Hygieneplan

Im Rettungsdienst ist es verpflichtend, einen Hygieneplan zu erstellen und umzusetzen, da hier häufig wechselnde Patient:innen mit unterschiedlichen Infektionsrisiken versorgt werden. Zudem sind Rettungskräfte oft in zeitkritischen und unkontrollierten Umgebungen tätig, was eine klare Struktur und standardisierte Abläufe zur Infektionsprävention unerlässlich macht. Dies ist in § 36 Infektionsschutzgesetz (IfSG) festgelegt. Ein Hygieneplan enthält beispielsweise:

  • Regelungen zum Umgang mit Erregern
  • Verantwortlichkeiten und Risikobewertungen
  • Standardanweisungen für die Hygiene
  • Desinfektionspläne
  • Arbeitsschutzanweisungen

Bei der Erstellung müssen einige Gesetze, Verordnungen, Leitlinien, Standards und Regeln beachtet werden. Deshalb kann es von Vorteil sein, Personen mit dieser Aufgabe zu betrauen und diese eine Weiterbildung zum Hygienebeauftragten oder Desinfektor machen zu lassen.

 Info

Krankheitserreger befinden sich nicht überall im Körper eines Menschen, sondern meist nur in bestimmten Organen oder Körperflüssigkeiten. Je nach Lokalisation ergeben sich unterschiedliche Übertragungswege. Dabei kann eine Person entweder infiziert oder lediglich besiedelt (kolonisiert) sein.

Man unterscheidet direkte, indirekte und endogene Übertragung.

ÜbertragungsartBeschreibungBeispiele Besonderheiten
Direkte KontaktübertragungÜbertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritt
  • Hautkontakt (z.B. sexuell, Küssen) 
  • Tröpfcheninfektion über Mund, Nase, Augen 
  • Reichweite: meist 1–1,5 m 
  • Während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind
  • Nur wenige Erreger überleben nach dem Austrocknen
Indirekte KontaktübertragungÜbertragung über Zwischenwege (Vehikel oder Vektoren)
  • Vehikel: Hände, Oberflächen, Kleidung, Geräte, Nahrungsmittel, Trinkwasser
  • Vektoren: Mücken, Zecken 
  • Aerogen: über die Luft
  • Bei aerogener Übertragung: schwebende Partikel, Reichweite > 1 m
Endogene ÜbertragungErreger stammen aus dem eigenen Körper
  • Verschleppung in andere Körperbereiche, z.B. durch Hände oder medizinische Maßnahmen
  • Teil der körpereigenen Flora → wird bei Barriere- oder Immunschwäche pathogen
 Tipp
Praxisbeispiele: Indirekte Übertragung

Stell dir vor, jemand hat Schnupfen. Beim Niesen hält er sich die Hand vor den Mund. Dabei landen die Viren auf der Hand. Danach fasst er z.B. eine Türklinke an und überträgt die Erreger darauf.

Die nächste Person greift an die Türklinke, bekommt die Viren an die Hände und fasst sich später ins Gesicht, an die Nase oder den Mund. So gelangen die Erreger auf die Schleimhäute und können sich dort vermehren → die Person steckt sich an.

Das passiert übrigens auch, wenn man sich die Hand gibt, oder wenn Tröpfchen auf Oberflächen wie Tische oder Geräte gelangen und von dort aufgenommen werden.

Ein anderes Beispiel ist Essen: Wenn jemand mit Durchfall Lebensmittel zubereitet und die Hygiene nicht stimmt, können Erreger aufs Essen kommen. Wer dies anschließend isst, nimmt die Erreger auf. Gleiches gilt für verunreinigtes Trinkwasser.

Tröpfcheninfektion

  • Direkte Übertragung von Mensch zu Mensch
  • Entstehung bei Atmen, Sprechen, Husten, Niesen, Erbrechen
  • Größe entscheidend:
    • Große Tröpfchen → sinken schnell ab
    • Reichweite meist 1–1,5 m
  • Aufnahme über Mund, Nase, Rachen, Augen
  • Schutz durch Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrille
  • Über abgesetzte Tröpfchen auch indirekte Übertragung möglich (Hände → Gesicht)
  • Beispiele: Erkältung, Streptokokken-Angina, Meningokokken-Meningitis

Aerogene Übertragung (Luftübertragung)

  • Erreger in feinsten Partikeln (Aerosolen)
  • Bleiben lange in der Luft schwebend
  • Können über größere Distanzen übertragen werden
  • Gelangen beim Einatmen bis in die unteren Atemwege
  • Schutz: dicht sitzende Filtermaske (z.B. FFP2/FFP3) erforderlich
  • Beispiele: COVID-19, Influenza, Masern, Windpocken, Tuberkulose

Übertragung über Stuhl

  • Aufnahme von Erregern über den Mund (fäkal-oral)
  • Meist indirekte Übertragung
  • Über kontaminierte Oberflächen, Lebensmittel oder Trinkwasser
  • Beispiele: Norovirus, Hepatitis A, Salmonellen, Cholera

Sexuelle Übertragung

  • Direkte Übertragung beim Geschlechtsverkehr
  • Kontakt über Schleimhäute und Körperflüssigkeiten
  • Beispiele: HIV, HPV, Syphilis

Übertragung von der Mutter auf das Kind

  • Direkte Übertragung
  • Möglichkeiten:
    • Während der Schwangerschaft
    • Bei der Geburt
    • Über die Muttermilch
  • Beispiele: Zytomegalie, Herpes neonatorum, HIV

Übertragung durch Insekten

  • Indirekte Übertragung über Vektoren (z.B. Mücken, Zecken)
  • Erreger werden durch den Stich übertragen
  • Beispiele: Malaria, Dengue-Fieber

Übertragung durch Blut und Blutprodukte

  • Indirekte Übertragung über Blut als Vehikel, z.B. durch gemeinsam genutzte Nadeln
  • Beispiele: Hepatitis C, HIV
 Definition

Das Infektionsschutzgesetz regelt Maßnahmen zur Eindämmung ansteckender Krankheiten.

Zu den Maßnahmen zählen u.a.:

  • Die Meldung an das Gesundheitsamt
    • §6 IfSG: Meldepflicht bei Verdacht auf eine bestimmte Infektionskrankheit aufgrund spezifischer Symptome
    • §7 IfSG: Nachweis bestimmter Krankheitserreger
    • §8 IfSG: Meldepflichtige Personen
 Merke

Der Rettungsdienst unterliegt der Meldepflicht, wenn Patient:innen mit Verdacht auf eine Infektionskrankheit nicht in eine ärztlich geleitete Einrichtung gebracht werden, da eine nicht erfasste Infektion das Risiko einer unkontrollierten Weiterverbreitung erhöhen kann.

  • §18 IfSG: Behördlich angeordnete Maßnahmen
    • Maßnahmen der Desinfektion und zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen, Krätzmilben und Kopfläusen
  • §23 IfSG: Prävention nosokomialer Infektionen und Vermeidung der Weiterverbreitung von Krankheitserregern 
    → Erstellung eines Hygieneplans
  • §30 IfSG: Absonderung der Patient:innen
    • Die Dauer richtet sich nach der Inkubationszeit des jeweiligen Erregers
    • Isolierung: Betrifft Patient:innen, bei denen die Infektion tatsächlich nachgewiesen wurde
    • Quarantäne: Betrifft Patient:innen mit Verdacht auf eine Infektion, z.B. Kontaktpersonen
 Tipp

Händedesinfektion ist die effektivste Maßnahme gegen die Übertragung von Krankheitserregern. Etwa 80 % der Infektionen werden über die Hände übertragen. Eine korrekte Durchführung unterbindet Infektionsketten.

 Achtung
Tragen von Schmuck 

Das Tragen von Schmuck ist neben dem hygienischen Aspekt auch im Sinne der Unfallverhütung meist im Umgang mit Patient:innen untersagt. Dazu zählen auch Eheringe

Das Konzept der 5 Momente der Händehygiene 

Das Konzept der "5 Moments for Hand Hygiene" wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt, um das Infektionsrisiko in Gesundheitseinrichtungen zu minimieren. Die fünf Anlässe sind spezifische Zeitpunkte, an denen eine Händedesinfektion durchgeführt werden muss, um die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. 

  1. Vor Patientenkontakt: Schutz der Patient:innen vor Erregern, die durch das Pflegepersonal übertragen werden könnten
  2. Vor einer aseptischen Tätigkeit: Sicherstellung, dass keimfreie Verfahren nicht durch die Hände des Pflegepersonals kontaminiert werden
  3. Nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten: Schutz des Pflegepersonals und anderer Patient:innen vor möglicherweise infektiösen Flüssigkeiten
  4. Nach Patientenkontakt: Vermeidung der Weiterverbreitung von Erregern, die während der Pflege aufgenommen wurden
  5. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung: Reduzierung der Erregerübertragung, auch wenn kein direkter Patientenkontakt stattfand

Weitere Indikationen:

  • Vor jedem Kontakt mit Lebensmitteln oder Arzneimitteln
  • Vor Beginn der Arbeit
  • Vor und nach invasiven Eingriffen
  • Vor und nach der Verwendung von Einmalhandschuhen

Durchführung:

Bei der Händedesinfektion muss darauf geachtet werden, dass beide Hände während der empfohlenen Einwirkzeit vollständig benetzt sind. Dafür sollten mindestens 3 ml Desinfektionsmittel verwendet werden. Die Lösung wird durch gründliches Reiben gleichmäßig verteilt, sodass alle Bereiche der Hände – Fingerkuppen, Nagelfalze, Daumen, Fingerzwischenräume, Innen- und Außenflächen sowie die Handgelenke – vollständig benetzt sind.

Hygienische Händedesinfektion

 Achtung

Das Desinfektionsmittel muss auf trockene Haut angewendet werden. Bei feuchter Haut wird das Desinfektionsmittel verdünnt und die Wirksamkeit kann vermindert sein. 

 Info

Hygienische vs. chirurgische Händedesinfektion

  • Hygienische Händedesinfektion: Ziel ist die Reduktion der transienten Hautflora (vorübergehend vorhandene Mikroorganismen), um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. Sie dauert etwa 30 Sekunden, wobei das Desinfektionsmittel gründlich verteilt wird, bis die Hände trocken sind
  • Chirurgische Händedesinfektion: Wird vor chirurgischen Eingriffen durchgeführt, um sowohl die transiente als auch die residente Hautflora (dauerhaft vorhandene Mikroorganismen) zu reduzieren. Die Einwirkzeit beträgt in der Regel 1,5 bis 3 Minuten, und die Desinfektion umfasst auch die Unterarme bis zum Ellenbogen, um eine maximale Keimreduktion zu gewährleisten

Händewaschen vs. Händedesinfektion

 Tipp

Die Händedesinfektion sollte bevorzugt angewendet werden, da sie effektiver ist als das. Händewaschen. Das Waschen der Hände ist nur bei sichtbarer Verschmutzung notwendig.

Mikrobielle Besiedlung auf einer Blutagarplatte
Mikrobielle Besiedlung auf einer Blutagarplatte ohne vorherige Maßnahme (Sektor A), nach dem Händewaschen (Sektor B) und nach der Desinfektion der Hände mit Alkohol (Sektor C)
  • Händewaschen: Entfernt sichtbaren Schmutz und reduziert die Keimzahl
    • Besonders wichtig nach Verschmutzungen, vor dem Essen oder nach der Benutzung der Toilette, Kontakt mit Türklinken in der Öffentlichkeit und nach dem Kontakt mit Tieren oder Menschen
    • Sollte nicht zu häufig durchgeführt werden, da sie die natürliche Hautbarriere schädigt und die Keimbelastung deutlich weniger reduziert als die Händedesinfektion
    • Im Alltag in der Regel ausreichend
  • Händedesinfektion: Tötet effektiv Krankheitserreger ab und ist insbesondere in medizinischen Einrichtungen unerlässlich, um Infektionen zu vermeiden
    • Kann mit unterschiedlichen Desinfektionslösungen zu unterschiedlichen Zwecken durchgeführt werden 
      (z.B. wurden vermehrt besonders viruzide Desinfektionslösungen innerhalb der Corona-Pandemie genutzt)

Hautpflege

Die regelmäßige Anwendung von Desinfektionsmitteln kann bei vorgeschädigter Haut zu Reizungen führen. Deshalb ist eine regelmäßige Hautpflege wichtig.

  • Verwende rückfettende Desinfektionsmittel: Sie enthalten pflegende Substanzen, die während der Desinfektion auf die Haut abgegeben werden und so die austrocknende Wirkung des Alkohols ausgleichen
  • Verwende regelmäßig rückfettende Cremes, insbesondere nach der Arbeitsschicht
  • Achte darauf, dass die Hautpflegeprodukte keine zusätzlichen Reizstoffe oder Duftstoffe enthalten, um Allergien zu vermeiden
  • Pflegecreme immer nach gründlichem Händewaschen auftragen, da das Händewaschen die schützende Fettschicht der Haut entfernt
  • Langes Tragen von Handschuhen sollte vermieden werden

Die Eigenhygiene ist wichtig, um sich selbst und sein Umfeld zu schützen. Besonders im Rettungsdienst spielt sie eine große Rolle, da Einsatzkräfte regelmäßig mit potenziell infektiösen Patient:innen und kontaminierten Materialien in Kontakt kommen. Eine konsequente Hygiene hilft, das Risiko von Infektionen für Rettungskräfte und Patient:innen zu minimieren

Dazu zählen verschiedene Maßnahmen:

  • Haare: Im Dienst möglichst kurz tragen und bei langen Haaren einen Zopf machen
  • Keinen Schmuck tragen
  • Fingernägel: Kurz und rund schneiden, keine künstlichen Fingernägel oder Gelnägel
  • Dienstkleidung: Geschlossen halten, um Kontamination der Unterkleidung oder Haut zu vermeiden
  • Nach jedem Dienst: Duschen und Haare waschen → Keime beseitigen bzw. Keimzahl reduzieren
  • Trennen von Dienstkleidung und privater Kleidung
  • Dienstkleidung: Nach jedem Dienst reinigen lassen → Keimverschleppung vermeiden
  • Dienstschuhe: Regelmäßig reinigen und desinfizieren
 Definition

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) schützt Pflegekräfte und Patient:innen vor der Übertragung von Infektionen. Sie besteht aus verschiedenen Komponenten, die je nach Risikosituation eingesetzt werden, um eine Kontamination zu verhindern.

BestandteileIndikationen
BerufskleidungWird täglich nach Dienstende oder bei Bedarf gewechselt 
BereichskleidungWird in bestimmten Bereichen angezogen (z.B. grün im OP-Bereich) und muss beim Verlassen ausgezogen werden, wird täglich oder bei Bedarf gewechselt
HandschuheKontakt mit Körperflüssigkeiten, kontaminierten Materialien oder bei der Reinigung von Geräten 
Selbstschutz
EinmalschürzeBei engem Kontakt mit Patient:innen wie z.B. beim Waschen 
Schutzkittel (lange Ärmel, hinten geschlossen)Bei besonderer Gefahr einer Kontamination bei isolierten Patient:innen
Mund-Nasen-SchutzSchützt das Umfeld vor ausgeatmeten Tröpfchen, die potenziell Krankheitserreger wie Viren und Bakterien enthalten können
FFP-MaskenBesserer Schutz des Tragenden vor Aerosolen bei Patient:innen mit erhöhter Infektionsgefahr (z.B. Corona-Virus-Infektion oder Tuberkulose) 
SchutzbrillenSchutz der Augen vor Spritzern von Körperflüssigkeiten oder anderen kontaminierenden Substanzen
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Beim Ablegen der PSA ist es wichtig, eine Kreuzkontamination zu vermeiden. Idealerweise werden zwei Paar Handschuhe getragen: Das äußere Paar kann direkt nach potenziell kontaminierendem Kontakt ausgezogen werden. Das innere Paar verbleibt zunächst an den Händen und dient dem Eigenschutz beim weiteren Ablegen der Schutzkleidung.

Anschließend wird die Schutzkleidung, danach die Maske entfernt. Zum Schluss werden die inneren Handschuhe ausgezogen, um eine Kontamination der Hände zu vermeiden. Nach Gebrauch ist die PSA sicher in vorgesehenen Abwurfbehältern zu entsorgen. Abschließend erfolgt eine Händedesinfektion.

 Tipp
Ablegen der PSA – Einfach vs. Doppelhandschuhe

Einfachhandschuhe:

  • Reihenfolge: Schutzkleidung → Maske → Handschuhe zuletzt
  • Hintergrund: Hände bleiben bis zum Schluss geschützt
  • Abschließend: Händedesinfektion

Doppelhandschuhe:

  • Zwei Paar Handschuhe tragen
  • Äußeres Paar: frühzeitig nach Kontamination ausziehen
  • Inneres Paar: bleibt zum Schutz beim Ablegen der PSA an
  • Reihenfolge: Schutzkleidung → Maske → inneres Paar zuletzt ausziehen
  • Abschließend: Händedesinfektion
 Tipp

Übe den An- und Ablegeprozess regelmäßig, um sicherzustellen, dass du ihn auch unter Stressbedingungen korrekt durchführst.

 Achtung

Es ist wichtig zu beachten, dass das Tragen von Einmalhandschuhen die Händedesinfektion nicht ersetzt. Vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen der Handschuhe muss immer eine gründliche Händedesinfektion durchgeführt werden.

Einmalhandschuhe

Einmalhandschuhe sind ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und dienen dem Schutz sowohl des medizinischen Personals als auch der Patient:innen vor Kreuzkontaminationen. Sie werden aus verschiedenen Materialien wie Latex, Nitril oder Vinyl hergestellt und sind in verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich.

Indikationen für die Anwendung von Einmalhandschuhen:

  1. Kontakt mit Körperflüssigkeiten: Bei potenziellem Kontakt mit Blut, Urin, Speichel, Sekreten oder Exkreten, z.B. bei Blutabnahmen, Verbandwechseln oder der Pflege von Patient:innen mit offenen Wunden
  2. Handhabung von kontaminiertem Material: Beim Umgang mit potenziell infektiösen Materialien, wie z.B. Abfallprodukten, benutzten Instrumenten oder infizierten Proben
  3. Direkter Patient:innen: Bei invasiven Maßnahmen wie Katheterisierung oder endoskopischen Eingriffen sowie beim direkten Hautkontakt, wenn Patient:innen infektiös sind
  4. Umgang mit Chemikalien oder Medikamenten: Insbesondere beim Arbeiten mit Zytostatika oder Desinfektionsmitteln, die die Haut schädigen können
  5. Schutz des Personals bei Allergien oder Hauterkrankungen: Bei Vorliegen einer Latexallergie oder empfindlicher Haut ist der Einsatz von geeigneten Einmalhandschuhen (z.B. aus Nitril) sinnvoll, um Irritationen zu vermeiden

Wichtige Hinweise zur Anwendung:

  • Einmalhandschuhe sind nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt und sollten nach jedem Personenkontakt oder Eingriff umgehend entsorgt werden
  • Eine gründliche Händedesinfektion ist sowohl vor dem Anziehen als auch nach dem Ausziehen der Handschuhe obligatorisch, um die Keimverbreitung zu minimieren
  • Die Handschuhe sollten auf Unversehrtheit überprüft werden, bevor sie verwendet werden, um ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Beschädigungen zu vermeiden
 Definition

Aseptische Tätigkeiten umfassen alle Maßnahmen in Bereichen, die primär steril sind oder potenziell mit Krankheitserregern besiedelt sein könnten. Hierbei ist das Ziel, eine Kontamination oder die Übertragung zu vermeiden.

Liste von ausgewählten, aseptischen Tätigkeiten:

  • Verbandwechsel
  • Durchführung von Injektionen und Blutentnahmen
  • Legen von Kathetern, z.B. periphere Venenverweilkathetern, Blasenkathetern, zentralen Venenkathetern
  • Kontakt zu Wunden
  • Konnektion und Diskonnektion eines Beatmungssystems
  • Absaugung intubierter Patient:innen
  • Kontakt mit nicht intakter Haut oder Schleimhäuten
  • Wechsel zwischen kolonisierten/kontaminierten und sauberen Körperbereichen
Legen eines Venenverweilkatheter
Legen eines Venenverweilkatheters
 Achtung

Einmalmaterial wie Nadeln und Spritzen darf niemals wiederverwendet werden, da dies ein hohes Infektionsrisiko darstellt. Entsorge diese Materialien sofort nach der Nutzung in stichfesten Abwurfbehälter!

 Info

Bei aseptischen Tätigkeiten kann es auch zu Verletzungen des Pflege-/Rettungsdienstpersonals kommen. Dabei sind Nadelstichverletzungen mit Sicherheit die häufigsten Behandlungsanlässe. Dazu findet ihr einen eigenen Artikel auf unserer Plattform. 

Desinfektion der Haut der Patient:innen

Normalerweise bildet die Haut eine natürliche Barriere gegen äußere und innere Einflüsse. Wenn diese Barriere durch einen Eingriff wie das Legen eine Venenverweilkanüle durchbrochen wird, besteht ein Infektionsrisiko. Aufgrund dieser Gefahr muss vor jedem Eingriff die Haut an der entsprechenden Stelle desinfiziert werden. Mithilfe der Desinfektion werden potenziell krankheitsauslösende Keime abgetötet und die Anzahl der Keime reduziert. Dadurch wird eine Keimverschleppung verhindert.

Demnach muss eine Desinfektion der Haut z.B. vor Punktionen, Injektionen, dem Legen von Kathetern oder chirurgischen Eingriffen durchgeführt werden, um das Risiko von Wundinfektionen und der Einschleppung von Krankheitserregern in den Körper zu minimieren. Die Durchführung unterscheidet sich je nach vorzunehmender Maßnahme:

  • Bei Punktionen: Durchführen einer Sprühdesinfektion der entsprechenden Stelle → Beachten der Einwirkzeit und Trocknen der Stelle
  • Bei Kapillarblutentnahmen, z.B. für eine Blutzuckermessung: Abreiben der entsprechenden Stelle mit einem mit Hautdesinfektionsmittel getränkten sterilen Tupfer oder einem Einmal-Alkohol-Tupfer und diese Stelle trocknen lassen

Isolationsmaßnahmen sind essenzielle Vorkehrungen, um die Übertragung von Infektionskrankheiten in medizinischen Einrichtungen zu verhindern. Sie werden eingesetzt, um Patient:innen mit hochinfektiösen oder multiresistenten Erregern zu isolieren und somit andere Patient:innen, das Pflegepersonal und Besucher:innen zu schützen. Die Art der Isolation richtet sich nach dem Erregertyp und dem Übertragungsweg (z.B. Tröpfchen-, Kontakt- oder aerogene Übertragung).

Die folgenden Informationen verdeutlichen wichtige Punkte, die bei der Pflege isolierter Patient:innen zu beachten sind:

Hinweisschild für Isolationszimmer
  • Raumorganisation
    • Einzelzimmerisolation: Isolierte Patient:innen werden in Einzelzimmern untergebracht, die mit einer eigenen Nasszelle oder einem eigenen Toilettenstuhl ausgestattet sind
    • Kohortenisolation: Mehrere Patient:innen mit derselben Infektion können in einem Raum isoliert werden
    • Kennzeichnung: Ein deutlich sichtbares Hinweisschild weist auf besondere Hygienemaßnahmen hin
    • Verlassen des Zimmers: Das Isolationszimmer darf von den isolierten Personen nur mit entsprechenden Schutzmaßnahmen verlassen werden
  • Pflege- und Desinfektionsmaßnahmen
    • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Pflegepersonal trägt Schutzkittel und Handschuhe, bei Tröpfchenübertragung zusätzlich Mund-Nasen-Schutz. Bei aerogener Übertragung wird eine FFP2- oder FFP3-Maske getragen
    • Pflegeutensilien: Diese bleiben im Zimmer und werden täglich wischdesinfiziert. Einwegmaterialien für den Tagesbedarf werden direkt im Zimmer gelagert
    • Reihenfolge der Pflege: Isolationszimmer werden immer als Letztes bei der Pflege und Reinigung versorgt, um eine Keimübertragung auf andere Zimmer zu vermeiden
    • Tägliche Desinfektion: Häufig berührte Flächen wie Telefone, Nachttische, Türgriffe und Nasszellen werden täglich wischdesinfiziert
  • Operationsplanung: Isolierte Patient:innen werden am Ende des OP-Programms operiert oder zuletzt für Funktionsuntersuchungen eingeplant
  • Schulung und Beratung: Pflegekräfte und Angehörige werden über die notwendigen Hygienemaßnahmen und den richtigen Umgang mit der Schutzausrüstung informiert und geschult
  • Abfall- und Wäscheentsorgung: Wäsche und Abfälle werden direkt im Zimmer gesammelt und täglich entsorgt
  • Abschlussdesinfektion: Nach der Isolation wird das Zimmer gründlich desinfiziert
 Info

Umkehrisolation (oder Schutzisolation): Umkehrisolation schützt immungeschwächte Patient:innen (z.B. nach Chemotherapie oder Organtransplantation) vor Keimen aus der Umgebung. Strikte Hygienemaßnahmen wie das Tragen von Schutzkleidung, Desinfektion der Hände vor Betreten des Zimmers und das Vermeiden von möglichen Keimquellen wie frischen Blumen sind erforderlich.

Multiresistente Erreger (MRE) stellen eine erhebliche Herausforderung in der modernen Gesundheitsversorgung dar. Diese Erreger sind unempfindlich gegenüber den üblichen Antibiotika, was die Behandlung von Infektionen erschwert und die Sterblichkeit sowie Komplikationsrate bei betroffenen Patient:innen erhöht. 

Zu den bekanntesten MRE gehören:

  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
  • Multiresistente gramnegative Bakterien: Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli

Risikofaktoren für MRE-Infektionen

MRE betreffen vor allem Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem oder solche, die längere Zeit in medizinischen Einrichtungen verweilen. 

Typische Risikofaktoren sind:

  • Langzeitaufenthalte in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen
  • Intensivmedizinische Versorgung (z.B. Beatmung, Katheter, Dialyse)
  • Vorangegangene Antibiotikatherapien, besonders wenn diese breit angelegt und wiederholt verschrieben worden sind
  • Offene Wunden oder operative Eingriffe
  • Chronische Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z.B. Diabetes mellitus, Krebserkrankungen)
  • Pflegebedürftigkeit, besonders bei eingeschränkter Mobilität oder Multimorbidität
  • Krankenhauspersonal mit häufigem Kontakt zu Infizierten

Übertragungswege von multiresistenten Erregern

MRE werden vor allem durch Kontakt- und Schmierinfektionen übertragen. 

Die Hauptübertragungswege sind:

  • Direkter Kontakt: Übertragung von Mensch zu Mensch, besonders durch Hände
  • Indirekter Kontakt: Über kontaminierte Oberflächen, medizinische Geräte oder Pflegeutensilien
  • Tröpfcheninfektion: Bei bestimmten MRE, wie z.B. multiresistenten Tuberkuloseerregern, kann auch eine Übertragung über die Luft erfolgen

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

 Definition

Ein Bakterium, das eine Resistenz gegen viele Beta-Lactam-Antibiotika entwickelt hat, einschließlich Methicillin, Penicillin und Oxacillin.

  • Nosokomiale Infektionen: MRSA ist ein bedeutender Erreger der nosokomialen Infektionen (= Infektionen, die im Krankenhausumfeld entstehen)
  • Screening auf MRSA:
    • Abstriche der Nasenvorhöfe, des Rachens und gegebenenfalls anderer Körperstellen wie Wunden
    • Mikrobiologische Untersuchung der Abstriche zur Identifizierung von MRSA-Trägern
  • Sanierung von MRSA-Träger:innen:
    • Spezielle Dekontaminationsbehandlung mit antiseptischen Nasensalben (z.B. Mupirocin) und antiseptischen Waschlösungen (z.B. Chlorhexidin)
      • Nase: Antibiotische Nasensalbe 5 Tage in der Nase auftragen
      • Rachen: Mit Mundspüllösung 5 Tage gurgeln
      • Haut: Körper und Haare für 5 Tage mit antibakterieller Waschlotion reinigen. Bettwäsche täglich wechseln und die Matratze gründlich desinfizieren. Alle Pflegeutensilien regelmäßig desinfizieren. Zähne mit einer Einmalzahnbürste putzen, Einmalrasierer verwenden und Kamm sowie Bürste nach jedem Gebrauch desinfizieren
    • 3 Tage nach Abschluss der Sanierung Abstriche an 3 verschiedenen Tagen 
      → Bei negativem Befund Aufhebung der Isolation
    • Während der Sanierung unbedingt Einzelzimmerunterbringung, um erneute Ansteckung durch Zimmernachbarn zu vermeiden
  • Isolationsmaßnahmen:
    • Patient:innen mit MRSA müssen isoliert werden, entweder in einem Einzelzimmer (insbesondere bei der Sanierung) oder in Kohortenisolierung mit anderen MRSA-positiven Patient:innen
    • Pflegepersonal und Besuchspersonen müssen Schutzkleidung wie Handschuhe, Kittel und Mund-Nasen-Schutz tragen
  • Therapie:
    • Antibiotische Behandlung richtet sich nach der Resistenzlage des Erregers
    • Häufig verwendete Antibiotika: Glykopeptid-Antibiotika wie Vancomycin oder Teicoplanin
    • In bestimmten Fällen kommen moderne Antibiotika wie Linezolid oder Daptomycin zum Einsatz
    • Behandlung erfolgt unter Berücksichtigung der Infektionslokalisation, des klinischen Zustands der Patient:innen und der mikrobiologischen Ergebnisse

Vancomycinresistente Enterokokken (VRE)

 Definition

Ein Darmbakterium mit zahlreichen intrinsischen Resistenzen der Enterokokken, z.B. gegen Cephalosporine und zusätzlich eine erworbene Resistenz gegen Glykopeptidantibiotika.

  • Screening auf VRE: Aufnahmescreening bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko empfohlen, in manchen Einrichtungen sogar verpflichtend
    • Durchführung eines Analabstrichs
    • Mikrobiologische Untersuchung der Abstriche zur Identifizierung von VRE-Träger:innen
  • Isolationsmaßnahmen:
    • Patient:innen werden in Einzelzimmern isoliert
    • Personal und Besuchspersonen müssen Schutzkleidung, wie Handschuhe, Kittel und Mund-Nasen-Schutz tragen
    • Intensivierte Flächendesinfektion, z.B. mind. 1x täglich Desinfektion der Kontaktflächen
  • Therapie:
    • Gestaltet sich schwierig, da VRE multiple Resistenzen aufweisen
    • Reserveantibiotika, wie Linezolid oder Tigecyclin können zum Einsatz kommen
 Definition

Ein Infektionstransport dient dem sicheren Transport von Patient:innen mit nachgewiesenen oder vermuteten Infektionskrankheiten unter Einhaltung spezieller Hygienemaßnahmen.

Vorbereitung:

Zur Vorbereitung des Transportes gehört die Einstufung der Patient:innen und die Vorbereitung des Fahrzeugs:

  • Einstufung der Patient:innen: Die Einstufung hängt vom Zustand der Patient:innen ab und wird durch Notfallsanitäter:innen oder das ärztliche Personal durchgeführt
    • Entscheidend für die Einstufung sind die 5 Infektionskategorien der S1-Leitlinie „Hygienemaßnahmen beim Patiententransport“
  • Vorbereitung des Fahrzeugs:
    • Alle Materialien aus dem Fahrzeug räumen, die nicht benötigt werden
    • Ist genügend Schutzausrüstung vorhanden?
KategorieDefinitionMaßnahmenBeispiel
AKein Verdacht auf eine InfektionskrankheitStandardhygienemaßnahmen 
BNachgewiesene Infektionskrankheit, die bei üblichen Kontakten nicht übertragbar istStandardhygienemaßnahmenGeschlossene Tuberkulose
C1Gesicherte Diagnose oder begründeter Verdacht auf eine Infektionskrankheit
  • Information an das transportierende Team
  • Nicht benötigte Materialien beim Fahrer verstauen
  • Fahrerabteil muss geschlossen halten werden, z.B. Zwischenfenster geschlossen lassen
  • Fahrer öffnet und schließt nur die Türen → kein Patientenkontakt
  • Schutzkleidung entsprechend der Risikobewertung
  • Kontaminierte Flächen müssen sofort desinfiziert werden
  • Einmalmaterial auch bei Verdacht auf Kontamination entsorgen
Offene Tuberkulose
C2Verdacht auf eine übertragene Infektionskrankheit mit besonders gefährlichen Erregern 
  • Information und Genehmigung des zuständigen Gesundheitsamtes
  • Besteht eine Gefährdung für Personal oder Bevölkerung?
  • Nutzung eines Spezialfahrzeugs
  • Transport mit Polizei-Sicherung
  • Maßnahmen wie bei C1
  • Ggf. Dekontamination vor Ablegen der Schutzkleidung
  • Patient:innen: evtl. Schutzanzug und Mund-Nasen-Schutz ohne Ausatemventil
Ebola
DBesonders stark infektionsgefährdete Patient:innen
  • Reinigung und Desinfektion des Fahrzeugs vor Transportbeginn
  • Tragen von Schutzkleidung
  • Verwendung von Einmalmaterialien
Ausgedehnte Verbrennungen

Durchführung:

Das Tragen von Schutzkleidung kann auf die Umgebung befremdlich wirken oder zu Stigmatisierung der Patient:innen führen. Beispielsweise könnte das Tragen von Vollschutzanzügen in Wohngebieten, Nachbar:innen oder Passant:innen beunruhigen und zu unnötigen Ängsten führen. Für die Patient:innen selbst kann es zudem belastend sein, wenn sie durch die Schutzmaßnahmen als potenziell gefährlich wahrgenommen werden. Deshalb gilt der Grundsatz: Nur so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Das Personal muss sich jedoch zwingend an den Hygieneplan halten. 

 Merke
Wichtige Punkte zur Durchführung:
  • Aufklärung der Patient:innen über die Schutzmaßnahmen
  • Gleichbehandlung aller Patient:innen
  • Gefahr einer Übertragung durch Tröpfcheninfektion: Patient:innen sollten sich die Hände desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen, das Personal eine FFP-Maske
  • Patient:innen sollten so wenig Kontakt wie möglich mit Gegenständen oder Flächen im Fahrzeug haben
  • Entsorgung von Ausscheidungen in luftdicht verschlossenen Plastikbeuteln
  • Sofortige Entfernung von oberflächlichen Verschmutzungen während der Fahrt
  • Möglichst keine Klimaanlage oder Heizung nutzen → Verwirbelung der Keime vermeiden
  • Ab Kategorie C: Zieleinrichtung informieren
 Achtung

Bevor Patient:innen mit Infektionskrankheiten behandelt werden, muss die Schutzkleidung angelegt werden. Eigenschutz geht immer vor!

Nachbereitung:

Sobald die Patient:innen in der Zieleinrichtung angekommen sind, beginnt die Reinigung und Desinfektion des Fahrzeugs gemäß Hygieneplan. 

Weitere wichtige Punkte:

  • Schutzkleidung und anderen Müll fachgerecht entsorgen (z.B. spezielle Behälter für Infektionsabfall an Kliniken nutzen)
  • Personal führt entsprechende Körperhygiene durch (z.B. duschen) und zieht normale Dienstkleidung an
 Achtung
Transport von Patient:innen mit Parasitenbefall

Liegt bei Patient:innen eine Infestation (Besiedlung eines Organismus mit einem Parasiten) mit Krätze, Läusen, Flöhen oder Bettwanzen vor, werden Rettungsmittel bestenfalls mindestens für 12 Stunden außer Dienst gestellt. Dieser Zeitraum ist für eine vollständige Schädlingsbekämpfung durch Fachpersonal für Schädlingsbekämpfung erforderlich, da Parasiten desinfektionsmittelresistent sind. Das Personal muss sich einer Dekontamination unterziehen, falls ein direkter Kontakt mit betroffenen Patient:innen oder kontaminierten Flächen bestand.

→ Die genaue Vorgehensweise ist im Hygieneplan eurer Einrichtung beschrieben.

Falls erst nach dem Transport festgestellt wird, dass eine Infektionskrankheit vorliegt, sind umgehend Maßnahmen zur Minimierung weiterer Risiken einzuleiten. Dies betrifft sowohl das betroffene Personal als auch andere Patient:innen, die möglicherweise Kontakt hatten. Eine schnelle Identifikation und Information relevanter Stellen sind essenziell, um weitere Übertragungen zu verhindern.

 Merke
To Do
  • Meldung an die Leitstelle
  • Ggf. Postexpositionsprophylaxe
  • Dokumentation
  • Betroffenes Personal und Fahrzeug: Außer Dienst stellen und Reinigungs-/Desinfektionsmaßnahmen durchführen

Um nosokomiale Infektionen zu vermeiden, müssen auch die Flächen im Fahrzeug einer regelmäßigen Reinigung und Desinfektion unterzogen werden. Da Rettungsfahrzeuge häufig Patient:innen mit unterschiedlichen Infektionsrisiken transportieren, ist eine konsequente Flächendesinfektion essenziell, um Kreuzkontaminationen und die Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Die Oberflächen werden deshalb einer Gefahrenbewertung unterzogen und in kontaminierte und verunreinigte Flächen unterteilt.

  • Kontaminierte Flächen, wie z.B. Schubladengriffe: Hier ist ein direkter Kontakt mit Personal und Patient:innen zu verzeichnen 
    → Im Rahmen der Einsatznachbereitung müssen diese Flächen einer Wischdesinfektion unterzogen werden
  • Verunreinigte Flächen, wie z.B. der Boden des Fahrzeugs: Hier liegen häufig Verunreinigungen in Form von z.B. Blut oder Sekreten vor 
    → Sofortige Wischdesinfektion durchführen

Das Fahrzeug muss nach jedem Einsatz wischdesinfiziert werden, um eine Keimverschleppung zu verhindern und das Infektionsrisiko für nachfolgende Patient:innen sowie das Personal zu minimieren. Dazu gehören Arbeitsflächen, die Trage und der Fußboden. Im Hygieneplan ist nachzulesen, was mit welchem Desinfektionsmittel zu desinfizieren ist und wie lange die Einwirkzeit sein muss.

 Merke

Manchmal haben Patient:innen hochgradig ansteckende Infektionskrankheiten. Nach dem Transport mit diesen Patient:innen ist eine Innenraumdesinfektion indiziert, welche heutzutage häufig durch eine Verneblung von Wasserstoffperoxid durchgeführt wird.

Aufbereitung des Fahrzeugs:

Das Fahrzeug sollte nicht nur nach jedem Einsatz desinfiziert und gereinigt werden. Mindestens einmal wöchentlich sollte auch eine Gesamtreinigung des Fahrzeugs durchgeführt werden. Bei der Gesamtreinigung werden zusätzlich zu den Arbeitsflächen, der Trage und dem Fußboden alle Innenflächen, die medizinischen Geräte und das Inventar gereinigt.

Bei der Reinigung des Inventars kann dann direkt geprüft werden, ob:

  • Dinge ersetzt werden müssen, nachdem sie gebraucht wurden, damit das Material wieder vollständig ist 
    → Sollte auch nach jedem Einsatz erfolgen
  • Verpackungen von sterilen Artikeln beschädigt sind und ausgetauscht werden müssen
  • Artikel abgelaufen sind
  • Die Lagertemperatur stimmt

Im Einsatz fallen jederzeit unterschiedliche Abfälle an, die eine korrekte und sichere Entsorgung erfordern. 

Es findet eine Unterteilung in vier Kategorien statt:

KategorieMerkmale

Gefährliche Abfälle (infektiöser Abfall)

  • Abfall mit besonderen Anforderungen, der drei Voraussetzungen erfüllt
    • Er stammt von Patient:innen mit einer Infektionskrankheit
    • Er ist kontaminiert
    • Es liegt eine Übertragungswahrscheinlichkeit vor
  • Muss gemäß hygienischer und gesetzlicher Vorgaben in speziellen Behältnissen gesammelt und entsorgt werden:
    • Am Ort des Anfallens
    • Behältnisse: reißfest, feuchtigkeitsbeständig und dicht
    • Kennzeichnung mit Biohazard-Symbol
    • Kontamination der Außenseite vermeiden

Gebrauchte spitze und scharfe medizinische Instrumente

  • Unmittelbar nach Gebrauch in Kanülenabwurfbehälter entsorgen
  • Eigenschaften des Abwurfbehälters:
    • Fest verschließbar
    • Gibt den Inhalt bei z.B. Fall nicht frei
    • Durchdringfest
    • Eindeutig als Abwurfbehälter erkennbar
  • Gefüllte Kanülenabwurfbehälter können verschlossen über den normalen Hausmüll entsorgt werden, sofern keine anderslautenden kommunalen oder gesetzlichen Regelungen bestehen

Haushaltsabfälle

  • Ähnliche Zusammensetzung wie der Abfall eines Mehrfamilienhauses, z.B. Verpackungsmaterial, Bioabfälle
  • Entsorgung über die Abfalltonnen des örtlichen Entsorgungsunternehmens

Sonstige Abfälle aus der Patientenversorgung

  • Abfälle, die keiner der anderen Kategorien zugeordnet werden können, aber an deren Entsorgung spezielle Anforderungen gestellt werden:
    • Mit Blut, Sekreten oder Exkreten behaftete Abfälle, z.B. Wundverbände: Entsorgung in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen
    • Körperteile und Organe, inkl. Blutbeutel und -konserven: Getrennte Entsorgung vom restlichen Abfall und gesonderte Beseitigung (zugelassene Verbrennungsanlage)

Grundlagen:

  • Hygiene: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionserkrankungen und Bekämpfung pathogener Erreger
  • Infektionsprophylaxe: Umfasst Schutzmaßnahmen zur Verhinderung von Ansteckung und Erkrankung
  • Hygienemaßnahmen:
    • Reinigung: Mechanische Entfernung von Verunreinigungen und Keimen (Keimzahlreduktion um 50–80%) → Voraussetzung für Desinfektion
    • Desinfektion: Abtötung von Keimen (Reduktion um bis zu 99,9%), z.B. Hände-, Haut-, Raum- und Flächendesinfektion
    • Sterilisation: Vollständige Abtötung von Keimen (100%), z.B. durch Dampf- oder Gassterilisation
  • Hygieneplan im Rettungsdienst (§36 IfSG)
    • Verpflichtend zur Infektionsprävention, besonders wegen wechselnder Patient:innen und unkontrollierter Umgebungen
    • Enthält u.a.:
      • Regelungen zum Umgang mit Erregern
      • Verantwortlichkeiten und Risikobewertungen
      • Standardhygieneanweisungen und Desinfektionspläne
      • Arbeitsschutzanweisungen
    • Erstellung sollte von geschultem Personal (Hygienebeauftragte/Desinfektor:innen) übernommen werden

Übertragungswege von Infektionen:

ÜbertragungsartBeschreibungBeispiele Besonderheiten
Direkte KontaktübertragungÜbertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritt
  • Hautkontakt (z.B. sexuell, Küssen) 
  • Tröpfcheninfektion über Mund, Nase, Augen 
  • Reichweite: meist 1–1,5 m 
  • Während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind
  • Nur wenige Erreger überleben nach dem Austrocknen
Indirekte KontaktübertragungÜbertragung über Zwischenwege (Vehikel oder Vektoren)
  • Vehikel: Hände, Oberflächen, Kleidung, Geräte, Nahrungsmittel, Trinkwasser
  • Vektoren: Mücken, Zecken 
  • Aerogen: über die Luft
  • Bei aerogener Übertragung: schwebende Partikel, Reichweite > 1 m
Endogene ÜbertragungErreger stammen aus dem eigenen Körper
  • Verschleppung in andere Körperbereiche, z.B. durch Hände oder medizinische Maßnahmen
  • Teil der körpereigenen Flora → wird bei Barriere- oder Immunschwäche pathogen

Infektionsschutzgesetz (IfSG):

  • Regelt Maßnahmen zur Eindämmung ansteckender Krankheiten
  • Meldepflicht an das Gesundheitsamt:
    • §6 IfSG: Verdacht auf Infektionskrankheit
    • §7 IfSG: Nachweis bestimmter Krankheitserreger
    • §8 IfSG: Meldepflichtige Personen
    • Rettungsdienst muss melden, wenn Patient:innen nicht in eine ärztlich geleitete Einrichtung gebracht werden (zur Verhinderung unkontrollierter Verbreitung)
  • Behördliche Maßnahmen:
    • §18 IfSG: Desinfektion und Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen (z.B. Krätzmilben, Kopfläuse)
  • Prävention nosokomialer Infektionen:
    • §23 IfSG: Erstellung eines Hygieneplans
  • Absonderung von Patient:innen:
    • §30 IfSG: Abhängig von der Inkubationszeit
    • Isolierung bei nachgewiesener Infektion
    • Quarantäne bei Infektionsverdacht (z.B. Kontaktpersonen)
HändehygieneEigenhygiene
  • 5 Momente der Händedesinfektion
    • Vor Patient:innenkontakt: Schutz der Patient:innen vor übertragbaren Erregern
    • Vor aseptischer Tätigkeit: Vermeidung von Kontamination bei sterilen Eingriffen
    • Nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten: Schutz vor infektiösen Flüssigkeiten
    • Nach Patient:innenkontakt: Verhinderung der Weiterverbreitung von Erregern
    • Nach Kontakt mit der Patient:innenumgebung: Reduktion der Erregerübertragung
  • Weitere Indikationen für Händehygiene
    • Vor Kontakt mit Lebensmitteln/Arzneimitteln
    • Vor Arbeitsbeginn, invasiven Eingriffen, Verwendung von Handschuhen
  • Durchführung der Händedesinfektion
    • Mindestens 3 ml Desinfektionsmittel, Einwirkzeit beachten
    • Vollständige Benetzung aller Handbereiche
    • Anwendung nur auf trockener Haut
  • Arten der Händehygiene
    • Hygienische Händedesinfektion: Reduktion transienter Hautflora, 30 Sekunden
    • Chirurgische Händedesinfektion: Reduktion transienter + residenter Hautflora, 1,5–3 Minuten, auch Unterarme einbeziehen
    • Händewaschen: Entfernt sichtbaren Schmutz, aber weniger effektiv gegen Keime, daher nicht übermäßig häufig durchführen
  • Hautpflege bei Händehygiene
    • Rückfettende Desinfektionsmittel verwenden
    • Regelmäßige Pflege mit rückfettenden Cremes (ohne Reizstoffe/Duftstoffe)
    • Nach Händewaschen Pflegecreme auftragen
    • Langes Tragen von Handschuhen vermeiden
  • Reduziert das Infektionsrisiko für Rettungskräfte und Patient:innen
  • Wichtige Maßnahmen:
    • Haare: Kurz tragen oder zusammenbinden
    • Kein Schmuck (Ringe, Armbänder, Uhren)
    • Fingernägel: Kurz und rund schneiden, keine künstlichen Nägel
    • Dienstkleidung: Geschlossen tragen, nach jedem Dienst reinigen lassen
    • Händehygiene: Nach jedem Dienst duschen und Haare waschen
    • Dienstschuhe: Regelmäßig reinigen und desinfizieren
    • Trennung von Dienst- und Privatkleidung zur Vermeidung von Keimverschleppung

Persönliche Schutzausrüstung (PSA):

  • Funktion: Schutz von Pflegekräften und Patient:innen vor Infektionen, angepasst an das Infektionsrisiko
  • Bestandteile der PSA:
    • Berufskleidung: Täglicher Wechsel oder nach Bedarf
    • Bereichskleidung: In speziellen Bereichen (z.B. OP), Wechsel bei Verlassen
    • Handschuhe: Schutz bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder kontaminiertem Material
    • Einmalschürze: Bei engem Patient:innenkontakt (z.B. Körperpflege)
    • Schutzkittel: Lange Ärmel, hinten geschlossen, für großflächige Kontaminationsgefahr
    • Mund-Nasen-Schutz: Schutz vor Tröpfchenübertragung
    • FFP-Masken: Schutz vor Aerosolen, z.B. bei Tuberkulose oder COVID-19
    • Schutzbrille: Schutz der Augen vor Spritzern kontaminierter Flüssigkeiten
  • Richtiges Anlegen und Ablegen:
    • Anlegen: Reihenfolge: Schutzkleidung → Maske → Handschuhe
    • Ablegen: Reihenfolge: Handschuhe → Schutzkleidung → Maske, um Kontamination zu vermeiden
    • Entsorgung: In dafür vorgesehene Abfallbehälter
  • Einmalhandschuhe:
    • Indikationen:
      • Kontakt mit Körperflüssigkeiten (Blut, Sekrete)
      • Umgang mit kontaminiertem Material oder infektiösen Patient:innen
      • Arbeiten mit Chemikalien oder Medikamenten
      • Schutz bei Hauterkrankungen oder Latexallergien
    • Wichtige Hinweise:
      • Nur einmalige Nutzung, danach sofort entsorgen
      • Händedesinfektion vor und nach dem Gebrauch erforderlich
      • Vor Nutzung auf Unversehrtheit prüfen

Aseptische (keimfreie) Tätigkeiten:

  • Definition: Maßnahmen zur Vermeidung von Kontamination und Übertragung von Krankheitserregern in sterilen oder potenziell kontaminierten Bereichen.
  • Beispiele für aseptische Tätigkeiten:
    • Injektionen und Blutentnahmen
    • Legen von Kathetern (peripher, zentral, Blasenkatheter)
    • Kontakt zu Wunden
    • Konnektion/Diskonnektion von Beatmungssystemen
    • Absaugung intubierter Patient:innen
    • Kontakt mit nicht intakter Haut oder Schleimhäuten
  • Wichtige Hygienemaßnahmen:
    • Einmalmaterialien wie Nadeln und Spritzen niemals wiederverwenden
    • Sofortige Entsorgung in stichfeste Abwurfbehälter
  • Desinfektion der Haut der Patient:innen:
    • Haut bildet eine natürliche Schutzbarriere, die bei Eingriffen durchbrochen wird
    • Ziel: Infektionen verhindern, Keimverschleppung vermeiden
    • Indikationen für Hautdesinfektion:
      • Vor Punktionen/Injektionen: Sprühdesinfektion mit Einwirkzeit
      • Bei Kapillarblutentnahmen: Abreiben mit Desinfektionstupfer, trocknen lassen

Isolationsmaßnahmen:

  • Zweck: Verhinderung der Übertragung von Infektionen durch Isolation von Patient:innen mit hochinfektiösen oder multiresistenten Erregern
  • Arten der Isolation:
    • Einzelzimmerisolation: Patient:innen werden in separaten Zimmern mit eigener Nasszelle untergebracht
    • Kohortenisolation: Mehrere Patient:innen mit derselben Infektion teilen sich ein Zimmer
    • Kennzeichnung: Hinweisschilder zur besonderen Hygienevorgabe
    • Verlassen des Zimmers: Nur mit Schutzmaßnahmen erlaubt
  • Pflege- und Desinfektionsmaßnahmen:
    • PSA: Schutzkittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz (bei aerogener Übertragung FFP2-/FFP3-Maske)
    • Pflegeutensilien: Bleiben im Zimmer, werden täglich desinfiziert
    • Pflegereihenfolge: Isolationszimmer werden zuletzt versorgt
    • Tägliche Desinfektion: Häufig berührte Flächen werden regelmäßig wischdesinfiziert
    • Operationsplanung: Isolierte Patient:innen werden am Ende des OP-Programms eingeplant
    • Schulung: Pflegekräfte und Angehörige werden in Hygienemaßnahmen unterrichtet
    • Abfall-/Wäscheentsorgung: Direkt im Zimmer gesammelt und täglich entsorgt
    • Abschlussdesinfektion: Nach der Isolation erfolgt eine gründliche Desinfektion des Zimmers
 Merke
  • Umkehrisolation (Schutzisolation):
    • Schutz immungeschwächter Patient:innen (z.B. nach Chemotherapie, Organtransplantation)
    • Strenge Hygiene (PSA, Händedesinfektion, Vermeidung von Keimquellen wie frischen Blumen)

Multiresistente Erreger (MRE):

 Definition

MRE sind gegen übliche Antibiotika resistent, erschweren die Behandlung und erhöhen Sterblichkeit sowie Komplikationen.

  • Wichtige MRE:
    • MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)
    • VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
    • Multiresistente gramnegative Bakterien (Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli)
  • Beispiele für Risikofaktoren für MRE-Infektionen:
    • Intensivmedizinische Versorgung (Beatmung, Katheter, Dialyse)
    • Häufige/unspezifische Antibiotikatherapien
    • Offene Wunden, operative Eingriffe
    • Krankenhauspersonal mit häufigem Patient:innenkontakt
  • Übertragungswege:
    • Direkter Kontakt: Mensch-zu-Mensch, meist über Hände
    • Indirekter Kontakt: Kontaminierte Oberflächen, medizinische Geräte
    • Tröpfcheninfektion: Selten, bei bestimmten Erregern (z.B. multiresistente Tuberkulose)
MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)VRE (Vancomycinresistente Enterokokken)
  • Eigenschaften: Resistenz gegen Beta-Lactam-Antibiotika (Methicillin, Penicillin, Oxacillin)
  • Nosokomiale Infektionen: Häufig im Krankenhaus erworbene Infektionen
  • Screening: Abstriche von Nasenvorhöfen, Rachen, ggf. Wunden
  • Sanierung:
    • Nase: Antibiotische Nasensalbe (Mupirocin) für 5 Tage
    • Rachen: Mundspülung mit antiseptischer Lösung (z.B. Chlorhexidin)
    • Haut: Antibakterielle Waschlösung für 5 Tage, täglicher Wäschewechsel, Desinfektion von Pflegeutensilien
    • Nachbeobachtung: Abstriche an 3 Tagen → Isolation bei negativem Befund aufheben
    • Einzelzimmerisolierung während Sanierung
  • Isolationsmaßnahmen:
    • Einzelzimmer oder Kohortenisolierung für MRSA-positive Patient:innen
    • Schutzkleidung für Personal (Handschuhe, Kittel, Mund-Nasen-Schutz)
  • Therapie:
    • Antibiotikatherapie je nach Resistenzlage
    • Häufig verwendete Medikamente:
      • Glykopeptid-Antibiotika: Vancomycin, Teicoplanin
      • Alternativen: Linezolid, Daptomycin
    • Behandlung abhängig von Infektionsort, klinischem Zustand und mikrobiologischen Ergebnissen
  • Eigenschaften:
    • Darmbakterium mit zahlreichen intrinsischen Resistenzen (z.B. gegen Cephalosporine)
    • Zusätzliche erworbene Resistenz gegen Glykopeptidantibiotika (z.B. Vancomycin)
  • Screening:
    • Empfohlen bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko, teils verpflichtend
    • Durchführung mittels Analabstrich
    • Mikrobiologische Untersuchung zur Identifizierung von VRE-Träger:innen
  • Sanierung: Nicht möglich
  • Isolationsmaßnahmen:
    • Einzelzimmerisolation
    • Schutzkleidung für Personal (Handschuhe, Kittel, Mund-Nasen-Schutz)
    • Tägliche Desinfektion von Kontaktflächen
  • Therapie:
    • Erschwert durch multiple Resistenzen
    • Reserveantibiotika: Linezolid, Tigecyclin

Infektionstransporte:

 Definition

Sicherer Transport von Patient:innen mit bestätigten oder vermuteten Infektionskrankheiten unter speziellen Hygienemaßnahmen.

VorbereitungDurchführungNachbereitung
  • Einstufung der Patient:innen: Nach S1-Leitlinie in 5 Infektionskategorien, abhängig vom Zustand der Patient:innen
  • Vorbereitung des Fahrzeugs:
    • Unnötige Materialien entfernen
    • Sicherstellen, dass genügend Schutzausrüstung vorhanden ist
  • Infektionskategorien und Maßnahmen
    • A: Kein Verdacht 
      → Standardhygienemaßnahmen
    • B: Nicht übertragbare Infektion 
      → Standardhygienemaßnahmen (z.B. geschlossene Tuberkulose)
    • C1: Verdacht oder gesicherte Diagnose 
      → Fahrerkabine abtrennen, Schutzkleidung, sofortige Desinfektion (z.B. offene Tuberkulose)
    • C2: Hochgefährliche Infektion 
      → Gesundheitsamt informieren, Spezialfahrzeug, ggf. Polizeibegleitung (z.B. Ebola)
    • D: Stark infektionsgefährdete Patient:innen 
      → Schutzkleidung, Reinigung vor Transportbeginn (z.B. ausgedehnte Verbrennungen)
  • Schutzkleidung nur so viel wie nötig
  • Aufklärung der Patient:innen über Schutzmaßnahmen
  • Tröpfchenschutz: Patient:innen mit Mundschutz, Personal mit FFP-Maske
  • Minimierung von Kontakt mit Flächen im Fahrzeug
  • Sofortige Entfernung von Verschmutzungen, luftdichte Entsorgung von Ausscheidungen
  • Keine Klimaanlage oder Heizung zur Vermeidung von Keimverwirbelung
  • Ab Kategorie C: Vorab-Information der Zieleinrichtung
  • MERKE: Eigenschutz hat Priorität!
  • Fahrzeugreinigung und Desinfektion gemäß Hygieneplan
  • Schutzkleidung und Abfälle fachgerecht entsorgen
  • Körperhygiene des Personals (z.B. Duschen, Wechsel der Kleidung)
  • Falls Infektion erst nach dem Transport erkannt wird:
    • Meldung an Leitstelle
    • Ggf. Postexpositionsprophylaxe
    • Dokumentation
    • Fahrzeug und betroffenes Personal außer Dienst, umfassende Desinfektion

Reinigung und Desinfektion des Fahrzeugs:

  • Flächendesinfektion zur Infektionsprävention
    • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion erforderlich, um nosokomiale Infektionen und Kreuzkontaminationen zu vermeiden
    • Gefahrenbewertung der Flächen:
      • Kontaminierte Flächen (z.B. Schubladengriffe): Wischdesinfektion nach jedem Einsatz
      • Verunreinigte Flächen (z.B. Fahrzeugboden, Blut/Sekrete): Sofortige Wischdesinfektion
    • Fahrzeug nach jedem Einsatz wischdesinfizieren (Arbeitsflächen, Trage, Fußboden)
    • Innenraumdesinfektion (z.B. mit Wasserstoffperoxid-Verneblung) bei hochgradig ansteckenden Infektionskrankheiten
  • Aufbereitung des Fahrzeugs
    • Wöchentliche Gesamtreinigung aller Innenflächen, medizinischen Geräte und Inventar
    • Überprüfung des Inventars:
      • Materialbestand auffüllen nach jedem Einsatz
      • Beschädigte sterile Verpackungen austauschen
      • Abgelaufene Artikel entfernen
      • Lagertemperatur der Materialien kontrollieren

Abfallentsorgung:

KategorieMerkmale

Gefährliche Abfälle (infektiöser Abfall)

  • Abfall mit besonderen Anforderungen, der drei Voraussetzungen erfüllt
    • Er stammt von Patient:innen mit einer Infektionskrankheit
    • Er ist kontaminiert
    • Es liegt eine Übertragungswahrscheinlichkeit vor
  • Muss gemäß hygienischer und gesetzlicher Vorgaben in speziellen Behältnissen gesammelt und entsorgt werden:
    • Am Ort des Anfallens
    • Behältnisse: reißfest, feuchtigkeitsbeständig und dicht
    • Kennzeichnung mit Biohazard-Symbol
    • Kontamination der Außenseite vermeiden

Gebrauchte spitze und scharfe medizinische Instrumente

  • Unmittelbar nach Gebrauch in Kanülenabwurfbehälter entsorgen
  • Eigenschaften des Abwurfbehälters:
    • Fest verschließbar
    • Gibt den Inhalt bei z.B. Fall nicht frei
    • Durchdringfest
    • Eindeutig als Abwurfbehälter erkennbar
  • Gefüllte Kanülenabwurfbehälter können verschlossen über den normalen Hausmüll entsorgt werden, sofern keine anderslautenden kommunalen oder gesetzlichen Regelungen bestehen

Haushaltsabfälle

  • Ähnliche Zusammensetzung wie der Abfall eines Mehrfamilienhauses, z.B. Verpackungsmaterial, Bioabfälle
  • Entsorgung über die Abfalltonnen des örtlichen Entsorgungsunternehmens

Sonstige Abfälle aus der Patientenversorgung

  • Abfälle, die keiner der anderen Kategorien zugeordnet werden können, aber an deren Entsorgung spezielle Anforderungen gestellt werden:
    • Mit Blut, Sekreten oder Exkreten behaftete Abfälle, z.B. Wundverbände: Entsorgung in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen
    • Körperteile und Organe, inkl. Blutbeutel und -konserven: Getrennte Entsorgung vom restlichen Abfall und gesonderte Beseitigung (zugelassene Verbrennungsanlage)
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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