Logo Image

Hypertensive Krise und hypertensiver Notfall

3 Minuten Lesezeit

Die hypertensive Krise beschreibt einen raschen Blutdruckanstieg mit Blutdruckwerten von über 180/120 mmHg. Liegen zusätzlich Organschäden vor, wird dies als hypertensiver Notfall bezeichnet. Dieser bedarf einer akuten Behandlung.

 Definition

Hypertensive Krise: rascher Blutdruckanstieg >180/110 mmHg

Hypertensiver Notfall: rascher Blutdruckanstieg mit zusätzlichen Organschäden

  • Klinik und Anamnese:
    • Folgende Symptome/Schäden können durch den erhöhten Blutdruck hervorgerufen werden:
      • ZNS: starke Kopfschmerzen, intrakranielle Blutung, Schlaganfall
      • Herz: kardiale Dekompensation, Angina pectoris
      • Lunge: Hypertensives Lungenödem
      • Gefäße: Aortendissektion, Aortenruptur bei Aortenaneurysma
      • Augen: Hypertensive Retinopathie
      • Niere: Nierenversagen
      • Bei Schwangeren: Eklampsie
  • Auslöser: Medikamenteneinnahme (z.B. neue NSAR-Einnahme), Drogen (Kokain, Ecstasy, Amphetamine), Phäochromozytom, Aufregung/Stress
  • Körperliche Untersuchung zur Identifikation/Ausschluss von Organschäden
  • Bei Brustschmerzen: EKG + Troponin (siehe akutes Koronarsyndrom)
  • Bei neurologischen Symptomen: cCT zum Ausschluss einer Blutung/Schlaganfall
  • Bei Verdacht auf eine Nierenschädigung: Kreatinin und Bilanzierung
  • Bei DyspnoeRöntgen-Thorax
Arterielle Hypertonie - Grenzwerte 
Nicht-erhöhter Blutdruck<120/70 mmHg
Hypertensive Krise>180/110 mmHg
Hypertensiver Notfall

>230/120 mmHg

bzw. Hypertonie mit akuten Organschäden

Maligne HypertonieDiastolisch >120 mmHg
  • Konsequente und frühzeitige Blutdrucksenkung
    • Maximal 30% innerhalb der ersten Stunde (Gefahr einer Minderdurchblutung bei überschießender Senkung)
    • Bei Aortendissektion/Aortenaneurysma/hypertensivem Lungenödem: Senkung auf unter 120/80 mmHg
 Tipp

Diagnostik und Therapie sollten nicht nur an die Blutdruckwerte, sondern insbesondere auch an die Symptomatik angepasst werden.

  • 1. Wahl für die medikamentöse Blutdrucksenkung:
    • Glyceroltrinitrat 0,4 mg 1-3 Sprühstöße s.l.
    • ACE-Hemmer (z.B. Ramipril 5 mg)
    • Bei Systolikum/Aortenklappenstenose: Kontraindikation für Nitrate, ACE-Hemmer & Calciumantagonisten (Nachlastsenker)
    • Mögliche Alternativen: a1-Rezeptor-Blocker (z.B. Urapidil 12,5 mg i.v. oder als Perfusor ➜ Arterieller Zugang zur kontinuierlichen Blutdrucküberwachung notwendig) oder a2-Agonisten (z.B. Clonidin 0,075 mg s.c.)
    • Bei hypertensiver Enzephalopathie: kein Clonidin 
    • Bei akutem Koronarsyndrom: keine kurzwirksamen Dihydropyridine wie Nifedipin (Gefahr der Reflextachykardie und Minderperfusion)
  • 2. Wahl für die medikamentöse Blutdrucksenkung:
    • Dihydralazin (z.B. Dihydralazin 6,25 mg i.v.)
    • Bei hypertensivem Lungenödem: kein Dihydralazin aufgrund der Flüssigkeitsretention oder Betablocker aufgrund der negativ inotropen Wirkung
 Tipp

Meistens nehmen Patient:innen bereits Antihypertensiva ein. Diese können und sollten ausdosiert werden. Es kann weiterhin vor der Einleitung weiterer Maßnahmen eine Extragabe erfolgen.

Algorithmus: hypertensive Krise/hypertensiver Notfall
Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026
Perikardtamponade
Aortendissektion
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz