Hypothermie bezeichnet eine Absenkung der Körperkerntemperatur unter 35 °C. Sie entsteht durch unzureichende Wärmeproduktion oder vermehrten Wärmeverlust. Ursachen können primär (Wärmeleitung, Wärmestrahlung, Verdunstung) oder sekundär durch Thermodysregulation (z.B. nach kardiovaskulären Ereignissen), mangelnde Wärmeproduktion (beispielsweise Patient:innen mit Nebenniereninsuffizienz) oder ein erhöhter Wärmeverlust (beispielsweise bei Verbrennungen oder Schock) sein. Die klinische Einteilung erfolgt anhand der Schweregrade Mild, Moderat und Schwer. Entscheidend ist die schnelle Diagnostik und ein kontrolliertes Wiederaufwärmen, da zu schnelles Aufwärmen Kreislaufversagen verursachen kann.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema Hypothermie etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Hypothermie
Ort: Parkbank, Innenstadt
Alarmzeit: 05:30 Uhr
Anrufer:in: Passant
Anzahl der betroffenen Personen: 1
Zusatzinfo:
75-jährige Patientin
Reagiert auf Ansprache
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt die Patientin angelehntgegendieParkbank, der Passant steht neben ihr und macht mit Winken auf sich aufmerksam.
Die Lage ist wie folgt:
Die Patientin ist auf laute Ansprache erweckbar
Sie wirkt starr und teilnahmslos
Die Betroffene zeigt eine Lippenzyanose
Ein Passant kam zufällig vorbei, bemerkte den auffälligen Zustand der Patientin und alarmierte daraufhin den Notruf
Umgebungstemperatur: -2 °C, leichter Wind
Es sind keine äußeren Verletzungen erkennbar
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Hypothermie aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
X
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute blass
Patientin reagiert auf Ansprache
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits verlangsamt und flach
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Badypnoe, Atemfrequenz bei 10/Minute
Zyanose sichtbar
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 88 %
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: >2 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses an der A. radialis:
Rhythmisch
Schlecht tastbar
Bradykard 53/Minute
Blutdruck 90/60 mmHg
Mittelbares C-Problem
D
Reagiert auf Ansprache, desorientiert
GCS 12
Öffnen der Augen: 3
Beste verbale Reaktion: 4
Beste motorische Reaktion: 5
Pupillenkontrolle:
Isokor
Beidseits Lichtreagibel
Blutzucker: 70 mg/dl
Mittelbares D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Temperatur 29 °C
Symptome:
Somnolent
Zyanose
Muskelstarre
Allergien / Infektionen: Unbekannt
Medikamente: Ramipril
Patientengeschichte: Unbekannt
Letzte Mahlzeit: Unbekannt
Ereignis: Vermutlich eingeschlafen, vorher einige Bier konsumiert
Risikofaktoren: Unbekannt
Akutes E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Definition
Die Hypothermie ist definiert als ein Abfallen der Körperkerntemperatur unter 35 °C. Dabei wird zwischen folgenden Stadien unterschieden:
Milde Hypothermie (35–32 °C)
Moderate Hypothermie (32–28 °C)
Schwere Hypothermie (unter 28 °C)
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Ursachen
Der Körper verliert über drei verschiedene Mechanismen Wärme an die Umgebung:
Wärmeleitung (Konduktion) und Konvektion: Der Körper kommt mit kalten Oberflächen in Berührung, wodurch Wärme direkt an diese abgegeben wird (z.B. Liegen auf kaltem Boden)
Wärmestrahlung (Radiation): Der Körper gibt Wärme in Form von elektromagnetischen Wellen an die Umgebung ab
Verdunstung (Evaporation): Wärmeverlust durch das Verdunsten von Flüssigkeit, z.B. Schweiß oder feuchte Kleidung
Zudem gibt es sekundäre Ursachen, die den Wärmeverlust begünstigen können:
Thermodysregulation: zum Beispiel bei Alkoholintoxikation, Schlaganfall oder kardiovaskulären Ereignissen
Mangelnde Wärmeproduktion: beispielsweise bei Patient:innen mit Nebenniereninsuffizienz oder Hypoglykämie
Erhöhter Wärmeverlust: zum Beispiel bei Verbrennungen oder Schock
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Pathophysiologie
Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen
Der Körper hält die Körperkerntemperatur (Körperstamm) annähernd konstant bei ca. 37 °C
Er unterliegt jedoch zirkadianen Schwankungen von etwa 0,5 °C. Bei Frauen sind die Schwankungen auch abhängig vomMenstruationszyklus
Regelzentrum: Der Hypothalamus verarbeitet Informationen vom Rückenmark und peripheren Thermosensoren in der Haut
Regelmechanismen:
Der Istwert der Körperkerntemperatur wird mit dem Sollwert verglichen
Falls nötig, erfolgt eine Gegenregulation
Reaktion auf Kälte:
Wärmeabgabe wird reduziert durch Vasokonstriktion → Zentralisation
Wärmeproduktion wird erhöht durch Muskelzittern
Achtung
Säuglinge kühlen schneller aus aufgrund ihres hohen Oberflächen-Volumen-Verhältnisses. Sie können deshalb Wärme zusätzlich im braunen Fettgewebe bilden.
Die pathophysiologischen Veränderungen hängen vom Schweregrad der Hypothermie ab.
Milde Hypothermie - Erregungsstadium (35-32 °C):
Muskelzittern: Der Körper versucht, durch Muskelkontraktionen Wärme zu erzeugen. Dabei kommt es zu einem Anstieg des Ruhestoffwechsels, was zu Hypoglykämie führt
Erhöhter Sauerstoffverbrauch: Durch die zerebrale Stimulation des Atemzentrums steigt der Sauerstoffverbrauch
Tachykardie und Vasokonstriktion: Eine gesteigerte sympathische Aktivität führt zu erhöhter Katecholaminausschüttung. Dies resultiert in Vasokonstriktion, Zentralisation und einem Anstieg der Herzleistung und folglich einer Tachykardie. Zudem führt Vasokonstriktion an den Akren zu Schmerzen
Hyperkaliämie und metabolische Azidose: Die Zellfunktion ist gestört
Thrombozytopenie und Funktionsstörung der Thrombozyten: Verminderte Adhäsion und Aggregation
Erschöpfung der Glukosequellen: Die Körperreserven von beispielsweise Glykogen sind aufgebraucht. Der Blutzuckerspiegel sinkt
Bradykardieund Arrhythmie
Atemdepression: Die Atemfrequenz sinkt, da das Atemzentrum des Gehirns beeinträchtigt ist
Halluzinationen und paradoxes Verhalten (z.B. Entkleiden)
Bewusstlosigkeit
Hypokaliämie:Kalium wird in die Zelle verschoben und es kommt zur Hypokaliämie und metabolischen Azidose
Störung der plasmatischen Gerinnung:Funktionsstörung von Thrombin und Fibrin sowie eine erhöhte fibrinolytische Aktivität führen zu Gerinnungsstörungen
Schwere Hypothermie - Lähmungsstadium (< 28 °C):
Reflexe sistieren und es kommt zu Bewegungsarmut
Herzrhythmusstörungen → Herz-Kreislauf-Stillstand
fortschreitende Hypokaliämie und metabolische Azidose
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Klinischer Eindruck
Stadieneinteilung
Körperkerntemperatur
Symptome
I (milde Hypothermie)
35-32 °C
Bewusstseinsklar, Kältezittern, AF ↑
II (moderate Hypothermie)
32-28 °C
Bewusstseinseingetrübt, kein Kältezittern, unregelmäßige + flache Atmung
III ( schwere Hypothermie)
28-24 °C
Bewusstlosigkeit, Lebenszeichen vorhanden, AF ↓
IV
< 24 °C
Kreislaufstilland / minimaler Kreislauf, keine oder minimale Lebenszeichen (Scheintod)
V
< 13,7 °C
Tod durch Hypothermie (irreversibler Kältetod)
Achtung
Es soll nicht alleine anhand der Temperaturbestimmung auf den Schweregrad der Hypothermie geschlossen werden. Diese können, je nach Patient:innensituation, eine große Bandbreite aufweisen.
Generalisierte Zeichen
Tachykardie oder Bradykardie
Hypotonie
Tachypnoe-/Bradypnoe → Die Sauerstoffsättigung kann erniedrigt oder normal sein (mögliche Fehlmessung auf Grund der Vasokonstriktion)
Rhythmusstörungen im EKG (Gefahr eines Kammerflimmerns)
Hyper-/ Hypoglykämie
Bewusstseinsveränderungen bis hin zum Koma
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Diagnostik
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome): Kältezittern, Muskelstarre
A (Allergien, Infektionen): Bekannte Allergien oder Infektionen?
M (Medikation): Dauer- oder Akutmedikation?
P (Patientengeschichte): Bestehende Vorerkrankungen, insbesondere endokrine Erkrankungen und neurologische Erkrankungen. Liegen besondere Umstände wie ein Lawinen- oder Ertrinkungsunfall vor?
L (Letzte…): Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme?
E (Ereignis): Letzte Sichtung der Patient:in
R (Risiko): Kalte Jahreszeit, Wetterbedingungen, Alkoholintoxikation
S (Schwangerschaft): mögliche Schwangerschaft bei Patient:innen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Hypothermie abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Blasse Haut
Zyanose möglich
Muskelzittern möglich
Palpation:
Bestimmung der Rekapillarisierungszeit
Palpation des Pulses:
Tachykardie, Bradykardie oder Arrhythmie
Perkussion:
Der Perkussionsversuch sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Auskultation:
Der Auskulationsbefund sollte physiologisch ausfallen. Ist das nicht so, muss differenzialdiagnostisch gedacht werden
Vitalparameter:
Hypothermie
Atemfrequenz kann erhöht oder erniedrigt sein
EKG: Initiale Tachykardie → später Bradykardie
Arrhythmie
J-Welle / Osborn-Welle
Jer5150, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Die J-Welle oder Osborn-Welle bezeichnet eine kleine, positive Zacke am J-Punkt. Sie bildet sich hauptsächlich im Rahmen einer Hypothermie und ist reversibel.
Hypotonie
Hyper-/Hypoglykämie
Tipp
DieSauerstoffsättigung sollte kritisch hinterfragt werden. Durch kalte Extremitäten (Vasokonstriktion) und durch Verschiebung der Sauerstoffbindungskurve können eventuell normale Werte angezeigt werden, die gegebenenfalls nicht mit dem Sauerstoffbedarf übereinstimmen.
Info
Oft kommt die Hypothermie als Begleitmorbidität zum Beispiel im Rahmen eines Traumas vor. Differenzialdiagnostisch müssen andere Ursachen der Vigilanzminderung,wie z.B. Intoxikationen bedacht werden.
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Erfrierungen
Definition
Erfrierungen sind lokaleGewebeschädigungen durch Kälteexposition. Meist sind schlecht geschützte Regionen wie Finger, Nase oder Ohren betroffen.
Pathophysiologie:
Eiskristalle bilden sich im Gewebe aus
Dehydration führt zur Zerstörung von Zellen
Mikrovaskuläre Schäden
Symptomatik:
Stadium
Symptomatik
Symptome nach Wiedererwärmung
I
Blasse, ödematöse Haut
Kribbeln, Schmerzen
Hyperämie (verstärkte Durchblutung)
Juckreiz
II
Ödeme
Blasenbildung
Nekrosen möglich
Rötung der Haut
Krustenbildung
III
Nekrose betrifft die ganze Hautschicht und teilweise das Subkutangewebe
Gefühllosigkeit
Keine Veränderungen sichtbar
IV
Vereisungen mit Zerstörung aller Gewebsschichten
Gewebezerfall (Nekrose)
Therapie:
Schutz vor weiterer Auskühlung
Langsames erwärmen der betroffenen Körperteile
Kein Reiben der betroffenen Stellen → potenzielles Trauma möglich
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Therapie
Vermeidung eines weiteren Wärmeverlustes
Eine Wiedererwärmung der Patient:innen ist der zentraleTherapieansatz, jedoch präklinischschlechtumsetzbar. Deshalb steht hier die Vermeidung eines weiteren Wärmeverlustes sowie eine symptombasierte Therapie im Vordergrund.
Achtung
AktiveWiedererwärumgsoll wegen der Gefahr eines Wiedererwährmungskollaps mit Blutdruckabfall und Kreislaufversagen präklinisch vermiedenwerden!
Indikation:
Alle Patient:innen mit Hypothermie und erhaltenen Kreislauf
Material:
Wolldecken, Patient:innendecken, Rettungsdecken
Warme Infusionslösungen (40-46 °C): allerdings meist erst effektiv ab einer Infusionsrate von 500 ml/h
Hibler Packung oder Ready-Heat wenn vorhanden
Durchführung:
Patient:innen möglichstschnell vom kalten Untergrund in den RTW verbringen
Leicht hypotherme Patient:innen können warme Getränke zu sich nehmen
Frühzeitig an Wärmesysteme wie Ready-Heat etc. denken und vorbereiten (Körperstamm orientiert)
An Ressourcen im Umkreis der Patient:innen denken und nutzen
Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter
Erfolgskontrolle:
Temperaturmessung
Tipp
Bei Verdacht auf Hypothermie unbedingt daran denken, den Rettungswagen zu beheizen (Temperatur ca. 24–26 °C). So wird eine weitere Auskühlung verhindert und eine sanfte passive Wiedererwärmung eingeleitet.
Lagerung:
Patient:innensollen aufgrund der hohen myokardialen Irritabilität nichtunnötigbewegt werden und horizontal gelagert werden
Immobilisation: Patient:innen sollen ab moderater Hypothermie, mittelsVakuummatratzeimmobilisiert werden
Wenn es bei der Bergung zu einer Umverteilung des Blutes kommt, sodass peripheres, kaltes Blut in zentralerer Regionen fließen kann, kann es zu Rhythmusstörungen und Bergungstod kommen
Oxygenierung und Beatmung
Die Indikation zur Beatmung soll bei schwerwiegenderHypothermie großzügig gestellt werden
Info
Falls eine Analgesie oder Narkose nötig ist, sollte die Metabolisierung der verschiedenen Medikamente beachtet werden.
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Besondere Situationen
Reanimation bei Hypothermie:
Hypothermie hat einen zerebroprotektiven Effekt durch Reduktion des Stoffwechsels und Hemmung von schädlichen Effekten der Hypoxie. Das bedeutet, dass selbst ein längerer Kreislaufstillstand überlebt werden kann.
Für den Rettungsdienst heißt das: „Nobody is dead until warm and dead.“ Das Herz reagiert empfindlich auf niedrige Temperaturen und Lagerungsmaßnahmen können bereits ein Kammerflimmern auslösen. Das Flimmern kann nur nach Wiedererwärmung unterbrochen werden.
Empfehlungen für die Reanimation bei Hypothermie:
Temperatur feststellen
Mindestens 1 Minute lang die Vitalzeichen prüfen, am besten in Kombination mit einem EKG (Im Zweifel immer mit der Wiederbelebung beginnen)
Falls die Umstände keine kontinuierliche CPR erlauben:
intermittierende HLW bei < 28 °C / unbekannter Temperatur → 5 Minuten CPR, dann 5 Minuten Pause im Wechsel
intermittierende HLW bei < 20 °C → 5 Minuten CPR, dann 10 Minuten Pause im Wechsel
DieHerzdruckmassage und die Beatmungsrate sollen sich nicht von der Reanimationssituation bei normothermen Patient:innen unterschieden
Körperkerntemperatur
Maßnahmen
< 30 °C
Auf Medikamente wird verzichtet, bis die Kerntemperatur wieder > 30 °C beträgt
Wenn Kammerflimmern mit 3 Schocks nicht beherrschbar ist, sollen weitere Defibrillation verschoben werden, bis die Kerntemperatur > 30 °C beträgt
> 30 °C
Die Verabreichungsintervalle für Medikamente verdoppeln sich auf 6-10 Minuten
> 35 °C
Normale Verabreichungsintervalle der Medikamente, wie bei normothermen Patient:innen
Die Hypothermie ist bei den möglichen reversiblen Ursachen der Reanimation in den H´s und HITS aufgeführt
Transportziel sollte ein Zentrum mit der Möglichkeit zum Extracorporeal Life Support (ECLS) oder zur Extracorporeal Membrane Oxygenation (ECMO) sein, um eine kontrollierte Wiedererwärmung bei gleichzeitiger Perfusion lebenswichtiger Organe zu gewährleisten
Für einen längeren Transport kann ein mechanisches CPR-Gerät sinnvoll sein
Polytrauma:
Polytraumatisierte Patient:innen können durch direkte Kälteexposition, Hämorrhagischen Schock, Anästhetika, Muskelrelaxanzien und Wärmeverlust durch Entkleiden eine geringere Körperkerntemperatur aufweisen
Tödliche Trias: Koagulopathie, Azidose und Hypothermie führen zu einer erhöhten Mortalität
Prävention durch Wärmeerhalt ist deshalb essenziell
Lawinenunfälle:
Bei Lawinenunfällen wird eine Person von rutschenden oder wirbelnden Schneemassen begraben.
In einer Reanimationssituation:
Gestartet wird mit 5 Beatmungen, da die Hypoxie die wahrscheinlichste Ursache des Kreislaufstillstands ist
Es soll eine Standard-ALS Reanimation erfolgen, wenn die Person < 60 Minuten verschüttet ist
Bei Lawinenopfern ohne Atemwegsverlegung und einer Verschüttungsdauer > 60 Minuten: Reanimationsmaßnahmen mit Transport in Zentrum, mit Möglichkeit zur ECLS-Wiedererwärmung
Ertrinken:
Durch Eintauchen eines Körperteils / oder gesamten Körpers unter Wasser (Immersion und Submersion) kommt es zu Panik und der Atemreiz setzt ein → Aspiration von Flüssigkeit → Laryngospasmus → Hypoxie
Kommt es zu einer Reanimationssituation, soll mit 5 Beatmungen gestartet werden
Ertrinkungsunfälle gehen häufig mit Hypothermie einher
File:Sinking.gif: Michael N. Ericksonderivative work: Jerimee, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Wenn ein Teil des Körpers oder der gesamte Körper unter Wasser sind, kann es zu Ertrinkungsunfällen kommen.
Tipp
OhrthermometerkönnenfalschniedrigeWerteliefern, wenn sich im Ohr Wasser oder Schnee finden und nicht mit der tatsächlichen Körperkerntemperatur übereinstimmen,
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Weitere Therapie im klinischen Setting
Versorgung in der Notaufnahme
In dieser Notlage kann es helfen, sich mental auf die nächsten Schritte vorzubereiten. Dafür ist es ratsam, schon auf der Fahrt zum Krankenhaus zu erklären, wie das weitere Procedere im Krankenhaus aussieht und worauf die Person sich potenziell einstellen muss.
Achtung
Da die Therapie je nach aufnehmendem Krankenhaus und Behandler:in variieren kann, empfiehlt es sich nicht, einen bestimmten Behandlungsweg detailliert zu beschreiben. Eine grobe Skizzierung des weiteren Behandlungspfades reicht völlig aus, um Unsicherheiten zu minimieren. Die weiteren Informationen dienen ausschließlich eurer Information als Fachpersonal!
Für die Behandlung in der Notaufnahme ist eine kontinuierliche Temperaturmessung (beispielsweise ösophageal) essenziell.
Externe nichtinvasive Wärmemethoden:
Durch spezielle Wärmedecken, die mit bis zu 43 °C warmer Luft gefüllt sind
Figure out: Costanzo S, Cusumano A, Giaconia C, Mazzacane S. A proposed methodology to control body temperature in patients at risk of hypothermia by means of active rewarming systems. Biomed Res Int. 2014;2014:136407. doi: 10.1155/2014/136407. Epub 2014 Nov 17. PMID: 25485278; PMCID: PMC4251640.
Wärmedecken werden im Krankenhaus verwendet und sind mit einem Gerät verbunden, welches warme Luft in die Decke pustet.
Invasive Wiedererwärmung:
Warme Infusionen (können die Körperkerntemperatur um 3 °C/h anheben)
Ventilation mit warmen Inhalationsgasen (Effekt ist jedoch eher gering)
Über einen zentralen Venenkatheter (ZVK) kann ein intravaskulärer Thermokatheter mit Wärmeballon eingeführt werden. Hierüber kann warme Flüssigkeit verabreicht werden
Mittels Hämodialyse und Hämofiltration können stabile hypotherme Patient:innen durch die aktive Erwärmung des Dialysats erwärmt werden
Kardiopulmonaler Bypass
ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung)
Van Meurs, K, Lally, KP, Peek, G, Zwischenberger, Extracorporeal Life Support Organization, Ann Arbor 2005., CC BY 2.5, https://creativecommons.org/licenses/by/2.5, via Wikimedia Commons
va-ECMO
Stoffwechsel- und Gerinnungsmanagement:
Überwachung und Korrektur von metabolischen Störungen
Gerinnungsüberwachung
Weitere Versorgung in der Klinik
Ursachenklärung und Prävention:
Primäre Ursachen:
Wärmeleitung (Konduktion) und Konvektion: Der Körper kommt mit kalten Oberflächen in Berührung, wodurch Wärme direkt an diese abgegeben wird (z. B. Liegen auf kaltem Boden)
Wärmestrahlung (Radiation): Der Körper gibt Wärme in Form von elektromagnetischen Wellen an die Umgebung ab
Verdunstung (Evaporation): Wärmeverlust durch die Verdunstung von Flüssigkeit, z. B. Schweiß oder feuchte Kleidung
Sekundäre Ursachen:
Thermodysregulation: zum Beispiel bei Alkoholintoxikation, Schlaganfall oder kardiovaskulären Ereignissen
Mangelnde Wärmeproduktion: zum Beispiel bei Patient:innen mit Nebenniereninsuffizienz oder Hypoglykämie
Erhöhter Wärmeverlust: zum Beispiel bei Verbrennungen oder Schock
Präventionsmaßnahmen:
Bei zugrunde liegenden Erkrankungen ggf. Optimierung der medikamentösen Therapie
Info
In manchen Regionen wird während kalter Temperaturen (ab 0 °C), durch ehrenamtliche Kräfte ein Kältebus besetzt, der sich um hilfsbedürftige Wohnungslose kümmert und beispielsweise warmen Tee sowie Deckenverteilt. Es können auch Notunterkünfte vermittelt werden.
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Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall. Das Zielkrankenhaus sollte über eine Intensivstation verfügen und eine Notaufnahme mit einem Schockraum vorweisen.
Patient:innen mit Hypothermie ab dem Stadium II (32-28 °C) und passendem klinischen Eindruck sollen in eine Klinik mit Möglichkeit zur invasiven Wiedererwärmung gebracht werden. Die Verdachtsdiagnose Hypothermie soll im Vordergrund stehen und das Risiko maligner Herzrhythmusstörungen muss bedacht werden.
Bei instabiler Kreislaufsituation soll der Transport unter kontinuierlicher Kreislaufüberwachung und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung erfolgen
An regelmäßigeTemperaturmessungen denken und diese dokumentieren
SchonenderTransport unter Immobilisation
Bei weiten Strecken → an frühzeitige RTH Alarmierung denken
Bei moderater Hypothermie (32-28 °C) → Transport in ECMO Zentrum
Überwachung der Vitalparameter
Regelmäßige Temperaturmessung
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Prüfungswissen
Definition:
Körperkerntemperatur < 35 °C
Milde Hypothermie → 35–32 °C
Moderate Hypothermie → 32–28 °C
Schwere Hypothermie → < 28 °C
Ursachen:
Primäre Wärmeverluste:
→ Konduktion und Konvektion: Kontakt mit kalten Oberflächen (z. B. Boden)
→ Radiation: Wärmeabstrahlung
→ Evaporation: Wärmeverlust durch Verdunstung (Schweiß, nasse Kleidung)
Sauerstoffgabe und großzügige Indikation zur Beatmung
Vitalparameter überwachen:
EKG → Risiko der malignen Herzrythmusstörungen
Besondere Situationen:
Reanimation bei Hypothermie:
Hypothermie hat einen zerebroprotektiven Effekt → Nobody is dead until warm and dead
Lagerungsmaßnahmen könnenKammerflimmernauslösen
Vitalzeichen sollen mindestens 1 Minute lang geprüft werden
< 30 °C → Kein Adrenalin, wenn Kammerflimmern nicht beherrschbar ist mit 3 Schocks, werden weitere Defibrillationen verschoben (bis die Körperkerntemperatur > 30 °C beträgt)
> 30 °C → Die Verabreichungsintervalle von Adrenalin verdoppeln sich auf 6-10 Minuten
Hypothermie ist eine der möglichen reversiblen Ursachen
Polytrauma:
Tödliche Trias: Koagulopathie, Azidose, Hypothermie sorgen für erhöhte Mortalität
Prävention durch Wärmeerhalt ist essentiell
Transport:
Stadium II (32-28 °C) oder schwerer: Klinik mit invasiven Wiedererwärmungsmethoden
Gefahr maligner Arrhythmien → Immobilisation und schonender Transport
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