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Inhalationstrauma (RD)

Inhalationsverbrennung, Reizgasinhalation, Rauchgasvergiftung
26 Minuten Lesezeit

Ein Inhalationstrauma bezeichnet die Schädigung der Atemwege durch das Einatmen von Rauchgasen, Reizgasen, Flüssigkeiten oder Verbrennungsprodukten, die bei Bränden oder chemischen Unfällen entstehen. Dabei können je nach Art, Dauer und Intensität der Exposition unterschiedliche Schädigungsmuster auftreten.

Die Auswirkungen betreffen in der Regel mehrere Ebenen der Atemwege: Obere Atemwege, untere Atemwege und Alveolen.

Die Pathophysiologie eines Inhalationstraumas beschreibt die schädlichen Wirkungen toxischer Substanzen, Hitze oder Partikel auf die Atemwege und die Lunge. Diese Verletzungen können in drei Hauptkategorien eingeteilt werden: thermische Schäden, chemische Schäden und systemische Effekte durch toxische Gase.

Je nach Schweregrad kann ein Inhalationstrauma zu Hypoxämie, Atemwegsobstruktion, Lungenödem oder sogar zum akuten Lungenversagen (ARDS) führen. Eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung, einschließlich Atemwegssicherung und gegebenenfalls Antidotgabe, sind entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

Um den Einstieg in das Thema Inhalationstrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Rauchgasintoxikation
  • Ort: Wohnung in einem Mehrfamilienhaus
  • Alarmzeit: 12:30 Uhr
  • Anrufer:in: Patientin selbst
  • Anzahl der Betroffenen: 1 Person
  • Zusatzinfo:
    • Patientin, 40 Jahre alt, nach Wohnungsbrand
    • Starke Rauchentwicklung gemeldet
    • Patientin ist ansprechbar, klagt über Atemnot
    • Kombi-Einsatz: Polizei + Feuerwehr ebenfalls auf Anfahrt 

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes kniet die Patientin auf dem Gehweg vor dem Nachbarhaus und wird durch eine Einsatzkraft, der bereits eingetroffenen Feuerwehr, betreut.

Die Lage ist wie folgt:

  • Die Patientin wirkt unruhig, ist wach und orientiert
  • Auf ihrer Kleidung und im Gesicht sind leichte Rußspuren sichtbar
  • Sie berichtet, dass sie versucht hat, den Brand in ihrer Küche selbst zu löschen, dabei jedoch Rauch eingeatmet hat
  • Seitdem klagt sie über Atemnot und ein Engegefühl im Hals
  • Die Patientin hat ihre Wohnung eigenständig verlassen 
Fallbeispiel: Inhalationstrauma (RD)

Ersteindruck nach xABCDE-Schema 

Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Inhalationstrauma aussehen könnte. 

Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.

x

Kein aktiver äußerer Blutverlust sichtbar

 

A

  • Atemwege angeschwollen, inspiratorischer Stridor hörbar
  • Schleimhäute blass, mit Rußspuren
  • Patientin spricht selbständig

 

Akutes
A-Problem

B

  • Inspektorisch:
    • Thoraxexkursion beidseits physiologisch
    • Keine Lippenzyanose
    • Keine gestauten Halsvenen sichtbar
    • Tachypnoe, 26/Minute
  • Auskultatorisch:
    • Beidseits Stridor
  • Palpatorisch:
    • Thorax insgesamt stabil
  • SpO2: 89 %

Akutes  
B-Problem

C

  • Hautkolorit blass
  • Rekap-Zeit: 2 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses an der A. radialis
    • Rhythmisch
    • Gut tastbar
    • Tachykard, 117/Minute
  • Blutdruck: 110/60 mmHg

Kein
C-Problem

D

  • Wach, orientiert, ansprechbar
  • GCS 15
    • Öffnen der Augen: 4
    • Beste verbale Reaktion: 5
    • Beste motorische Reaktion: 6
  • Pupillenkontrolle:
    • Isokor
    • Mittelweit
    • Lichtreagibel

Kein 
D-Problem

E

  • Keine Verletzungen ersichtlich
  • Symptome:
    • Atemnot, geschwollene Atemwege mit Rußspuren
    • Inspiratorischer Stridor
  • Allergien / Infektionen: keine bekannt
  • Medikamente:
    • Weder Dauermedikation noch Akutmedikation eingenommen
  • Patientengeschichte: keine bekannten Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: Frühstück um ca. 09:00 Uhr
  • Ereignis: Küchenbrand in der Wohnung
  • Risikofaktoren: keine

 

Kein 
E-Problem

 

 Achtung

Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.

Ein Inhalationstrauma bezeichnet die Schädigung der Atemwege durch das Einatmen von Rauchgasen, Reizgasen, Flüssigkeiten oder Verbrennungsprodukten, die bei Bränden oder chemischen Unfällen entstehen. Dabei können je nach Art, Dauer und Intensität der Exposition unterschiedliche Schädigungsmuster auftreten.

Die Auswirkungen betreffen in der Regel mehrere Ebenen der Atemwege:

  • Obere Atemwege: Thermische Schäden wie Schleimhautverbrennungen, Schwellungen oder Nekrosen, die zu einer Verengung oder Obstruktion führen können
  • Untere Atemwege: Chemische Reizstoffe oder Rußpartikel verursachen Entzündungen, Bronchospasmen oder Schleimhautschäden
  • Alveolen: Eindringende toxische Substanzen wie Kohlenmonoxid oder Zyanide können die Sauerstoffaufnahme und den Gasaustausch massiv beeinträchtigen

Je nach Schweregrad kann ein Inhalationstrauma zu Hypoxämie, Atemwegsobstruktion, Lungenödem oder sogar zum akuten Lungenversagen (ARDS) führen. 

Die Ursache eines Inhalationstraumas ist das Einatmen von Rauchgasen oder Reizgasen, die unterschiedliche Schädigungen hervorrufen können, wie thermische Verletzungen, chemische Reizungen der Atemwege oder systemische Vergiftungen durch toxische Substanzen. 

Zu den häufigsten Unfallmechanismen zählen:

  • Wohnungsbrände:
    • Einatmen von Rauchgasen, Rußpartikeln, Kohlenmonoxid und Zyaniden
  • Industrie- oder Chemieunfälle:
    • Exposition gegenüber Reiz- oder Giftstoffen wie Chlorgas, Ammoniak oder Nitrose Gasen
  • Explosionen:
    • Einatmen von überhitzten Gasen und Verbrennungsprodukten
  • Unfälle mit Chemikalien im Haushalt:
    • Einatmen von Reizgasen durch falsch gemischte Reinigungsmittel (z. B. Chlorprodukte)
  • Fahrzeugbrände:
    • Inhalation von Rauchgasen und toxischen Verbrennungsprodukten (z. B. Kunststoffdämpfe)
  • Schweiß- und Industriearbeiten ohne ausreichenden Schutz:
    • Einatmen von Metalloxiden oder toxischen Dämpfen
 Merke

Ein Inhalationstrauma entsteht durch drei Mechanismen:

  1. Systemische Effekte durch toxische Gase
  2. Thermische Schäden durch Hitze
  3. Chemische Schäden durch Reizgase

1. Systemische Effekte durch toxische Gase:

  • Kohlenstoffmonoxid (CO):
    • Bindet mit hoher Affinität an Hämoglobin und bildet Carboxyhämoglobin → reduzierte Sauerstofftransportkapazität und Gewebehypoxie
  • Zyanid (HCN):
    • Hemmt die mitochondriale Zellatmung durch Blockade der Cytochrom-c-Oxidase
    • Folge sind eine zelluläre Hypoxie und rasche Organdysfunktion
 Achtung

Die häufigste unmittelbare Todesursache bei Bränden ist die Hypoxie durch Rauchgasinhalation, insbesondere durch Kohlenstoffmonoxid (CO).

2. Thermische Schädigung durch direkte Hitzeeinwirkung:

  • Schleimhautschwellung (Ödem) → Obstruktion der oberen Atemwege
  • Entzündungsreaktion und Nekrose des Gewebes
  • Gefahr eines Laryngospasmus durch Reizung der Schleimhaut
 Info

Schäden durch Hitze treten vor allem in den oberen Atemwegen auf, da heiße Luft dort abgekühlt wird, während heißer Wasserdampf bis in die unteren Atemwege vordringen kann.

3. Chemische Schädigung:

  • Chemisch reaktive Reizgase schädigen respiratorische Epithelzellen durch direkte chemische Reaktionen mit Zellmembranen, Proteinen und Enzymen
  • Viele Reizgase reagieren nach Kontakt mit Wasser in den Atemwegen (Hydrolyse) und bilden sekundär Säuren, oder reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die oxidativen Zellschaden verursachen
  • Freisetzung von Entzündungsmediatoren (z. B. Zytokine, Prostaglandine) führt zu erhöhter Gefäßpermeabilität, Schleimhautödem und gestörter mukoziliärer Clearance

Auswirkungen:

LungeSystemische Reaktion 
  • Einatmung von Ruß und Partikeln führt zu mechanischen Schäden und Blockade der unteren Atemwege
  • Toxisches Lungenödem durch kapillare Leckage infolge der Entzündungsreaktion
  • Gefahr einer akuten respiratorischen Insuffizienz (ARDS)
  • Verlust der Surfactant-Produktion (durch Schädigung der Pneumozyten Typ II) → Kollaps der Alveolen wird begünstigt
  • Freisetzung von Entzündungsmediatoren kann zu einem systemischen inflammatorischen Response-Syndrom (SIRS) führen
  • Toxische Gase beeinträchtigten den Sauerstofftransport und die Zellatmung, z. B. durch Kohlenmonoxid oder Zyanid
 Achtung
Besonderheiten bei Brandrauch

Brandrauch enthält eine Vielzahl von Reiz- und Giftstoffen, deren Zusammensetzung von Brandgut und Brandverlauf abhängt. Es entstehen kombinierte Schäden durch thermische, chemische und systemische Einflüsse.

Typische Zeichen 

Kohlenstoffmonoxidintoxikation:

  • Frühsymptome (HbCO-Wert von >20 %):
    • Sehschwäche
    • Kopfschmerzen
    • Schwindel
  • Fortschreitende Symptome (HbCO-Wert von >40 %):
    • Bewusstseinsstörungen bis Bewusstlosigkeit
    • Neurologische Ausfälle
    • Übelkeit
    • Tachykardie (im Verlauf Bradykardie)
    • Repolarisationsstörungen (relative Myokardischämie)
    • Hypotonie
 Achtung
SpO2-Werte Pulsoxymetrie

Die herkömmliche Pulsoxymetrie ist für die Erkennung einer CO-Intoxikation ungeeignet, da sie nicht zwischen HbCO und sauerstoffgesättigtem HbO₂ unterscheiden kann. Dadurch wird eine falsch hohe Sauerstoffsättigung angezeigt.

Zyanid- oder Blausäureintoxikation:

  • Dyspnoe
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
Fiberoptische Bronchoskopie bei Patient mit Inhalationstrauma
Fieberoptische Bronchoskopie nach Inhalationstrauma
  • Tinnitus
  • Krämpfe
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit
  • Tachykardie (im Verlauf Bradykardie)
  • Repolarisationsstörungen (relative Myokardischämie)
  • Hypotonie

Inhalation von heißen Rauchgasen:

  • Rußablagerungen im Gesicht und in den Atemwegen
  • Verbrennungen im Gesicht (Begleitverletzungen)
  • Reizung der Augenbindehäute

Generalisierte Zeichen

 Merke
Endotracheale Intubation

Bei Anzeichen eines Inhalationstraumas wie Verbrennungen im Gesicht, Verrußung von Nase und / oder Rachen, verkohlten Nasenhaaren oder einem inspiratorischen Stridor als Hinweis auf eine beginnende Atemwegsverlegung, sollte die Intubationsindikation großzügig gestellt werden. Eine Verzögerung der Atemwegssicherung kann die Intubation erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.

Gleichzeitig ist eine präklinische Atemwegssicherung an sich ein risikobehafteter Eingriff, der sorgfältig abgewogen werden muss. Dabei sollten die beginnende Atemwegsverlegung und der respiratorische Zustand der erkrankten Person gegen die verfügbaren Ressourcen, den Transportweg, die Kompetenzen des Teams und die eigenen Fähigkeiten abgewogen werden, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

  • Dyspnoe
  • Tachypnoe
  • Ggf. Zyanose
  • Husten
  • Heiserkeit
  • Stridor
  • Schwellung der oberen Atemwege
  • Ggf. auskultatorische Rasselgeräusche 
 Info
Für weitere Informationen siehe auch Verbrennung (RD) → Diagnostik

Neben der standardisierten Anamnese ist eine explizite Anamnese zu dem Hergang und den genauen Umständen des Inhalationstraumas vonnöten. Dabei sind mehrere Parameter wichtig.

Die wichtigsten Parameter sind:

  • Ursache des Inhalationstraumas
  • Dauer der Exposition
  • Beteiligte Substanzen
  • Messung von CO, bzw. präklinische Blutgasanalyse, wenn möglich

Aktuelle Anamnese

  • S (Symptome): Dyspnoe, Tachypnoe, Husten, Heiserkeit, Stridor, Schwellung der Atemwege, ggf. Verbrennungen im Gesicht, Rußablagerungen in Gesicht und Atemwegen
    • Hinweise auf Kohlenstoffmonoxidintoxikation?
      → Sehschwäche, Kopfschmerzen, Schwindel, neurologische Ausfälle, Bewusstseinsstörungen, CO-Wert?
    • Hinweise auf drohende Atemwegsverlegung?
      → Rußablagerung im Gesicht und in den Atemwegen, Stridor, Schwellung
    • Dauer der Exposition?
      → Je länger, desto wahrscheinlicher ist ein schwerer Verlauf
  • A (Allergien, Infektionen): bekannte Allergien oder Infektionen?
  • M (Medikation): Dauer- und Akutmedikation?
  • P (Patientengeschichte): Vorerkrankungen?
  • L (Letzte…): letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme?
  • E (Ereignis): Brände jeglicher Art, Explosionen, Chemieunfälle
  • R (Risiko): Pulmonale Vorerkrankungen?
  • S (Schwangerschaft): mögliche Schwangerschaft bei weiblichen Patientinnen 
 Tipp
Nutze Schemata

Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf ein Inhalationstrauma abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.

Körperliche Untersuchung

Inspektion: 

  • Ggf. Verbrennungen im Gesicht
  • Husten
  • Rußablagerungen in Haaren, Gesicht und Atemwegen
  • Ggf. Schwellung der Atemwege
  • Reizung der Augenbindehäute

Auskultation: 

Bei einigen thermischen Unfällen werden toxische Gase und Rauch produziert. Dabei gibt es verschiedene Gefahren, die kontrolliert werden sollten:

  • Kohlenstoffmonoxid (CO)
    • Entsteht bei unvollständiger Verbrennung
    • Ist geruchslos und wird initial nicht wahrgenommen
    • Zeigt hohe Affinität zum Hämoglobin und blockiert so die innere Atmung
    • Muss zielgerichtet in speziellen Zentren versorgt werden
  • Rauch und Ruß
    • Durch die mechanische Einwirkung auf die Atemwege entstehen Schäden am Gewebe und den gasaustauschenden Strukturen
    • Es kann zu Schwellung, Entzündung und Infektionen kommen, was beispielsweise zu Atemwegsobstruktionen führen kann
    • Auch ein toxisches Lungenödem durch die Einwirkung auf die tiefen Atemwege ist möglich und entwickelt sich oft erst mit zeitlichem Versatz
  • Eine ausführliche Auskultation ist wichtig, um eine Obstruktion oder ein beginnendes Lungenödem früh zu detektieren und entsprechend früh therapieren zu können 

Vitalparameter:

  • SpO₂-Messung zur ersten Orientierung bezüglich der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff 
 Achtung
Ein guter SpO₂-Wert bedeutet nicht gleich eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff!

Da die Messung des SpO₂ mittels Infrarot-Sensoren nur die erfolgreiche Bindung eines Stoffes an das Hämoglobin misst und nicht differenziert, welcher Stoff gebunden ist, kann dieser Wert nicht uneingeschränkt als positiv bewertet werden. 

CO hat eine vielfach höhere Bindungsaffinität an Hämoglobin als Sauerstoff. Da es sich dabei um ein geruchloses und unsichtbares Gas handelt, das bei unvollständigen Verbrennungen entsteht, kann es passieren, dass bei einer Person mit Verbrennungen ein hoher SpO₂-Wert bei unzureichender Sauerstoffversorgung auftritt. 

  • Messung von CO, bzw. präklinische Blutgasanalyse, wenn möglich
  • Messung von Herzfrequenz und Blutdruck, um Aussagen über die generelle Kreislaufsituation treffen zu können
  • Messung der Körpertemperatur
 Info

Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.

Eigenschutz beachten

  • Gefahrenquelle identifizieren: Besteht eine Gefahr für die Rettungskräfte? (z. B. offenes Feuer, Rauch, Chemikalien)
  • Umgebung sichern: Einsatzstelle nur betreten, wenn keine akute Gefahr durch Feuer, einsturzgefährdete Gebäude oder toxische Substanzen besteht
  • Sicherheitsabstand: Abstand zur Gefahrenzone halten, bis die Situation als sicher eingestuft wurde
 Merke

An die Gefahr von erhöhter Kohlenstoffmonoxid-Konzentration denken! Wenn vorhanden, CO-Warngeräte tragen

CO Warner
Ein CO-Warngeräte gibt bei überschreiten eines bestimmten CO-Wertes einen lauten Alarmton von sich, um Rettungsdienstpersonal zu warnen.
Konzentration MessgerätMaßnahmen 
> 30 ppm
  • Raum lüften
  • Person in belüfteten Bereich bringen
  • Maximale Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich: 15 Minuten 
> 60 ppm 
  • Schnellstmögliche Rettung der Patient:innen aus Gefahrenbereich
  • Maximale Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich: 5 Minuten 
> 200 ppm 
  • Sofortiges Verlassen des Gefahrenbereichs
  • Rettung durch die Feuerwehr abwarten

Basismaßnahmen

Patient mit O2 Maske
  • Sauerstoffgabe per Maske (10-15 l /Minute) 
  • Patient:innen mit erhöhtem Oberkörper lagern
  • Kreislaufmonitoring:
    • Erheben von Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck

Spezifische Maßnahmen

  • Bei Dyspnoe und / oder Stridor: Inhalation von β2-Sympathomimetikum zum Beispiel Salbutamol 2,5 - 5 mg oder erwäge Adrenalin 2-5 mg inhalativ
  • Ggf. Gabe von Glukokortikoiden, zum Beispiel Prednisolon 250 mg i.v.
    • Expertenmeinung: Keine standardisierte Gabe, kann bei Inhalation von Chlorgas erwogen werden
  • Bei Verdacht auf toxisches Lungenödem → nichtinvasive Beatmung (CPAP-PS)
  • Bei bestehender oder drohender respiratorischer Insuffizienz → eskalierendes Atemwegsmanagement
  • Angepasste Volumensubstitution je nach Kreislaufsituation
  • Bei Mischintoxikationen mit Brandrauch können spezielle Antidote, zum Beispiel Hydroxycobalamin 5 g i.v. über 15 Minuten eingesetzt werden
 Info
Inhalatives Adrenalin

Inhalatives Adrenalin kann insbesondere bei einem Bronchospasmus im Rahmen eines Inhalationstraumas eine sinnvolle Alternative zu Salbutamol darstellen. Durch die α-adrenerge Vasokonstriktion der Gefäße in den oberen Atemwegen wird das Schleimhautödem reduziert und die Schleimproduktion vermindert. Gleichzeitig führt die β₂-adrenerge Wirkung zu einer Dilatation der terminalen Bronchien. Dadurch verbessern sich die Lungencompliance und die Oxygenierung der Patient:innen. Basierend auf den Empfehlungen zur Anaphylaxie erscheint eine Dosierung von 2-5 mg sinnvoll

 Merke
Endotracheale Intubation

Bei Anzeichen eines Inhalationstraumas wie Verbrennungen im Gesicht, Verrußung von Nase und / oder Rachen, verkohlten Nasenhaaren oder einem inspiratorischen Stridor als Hinweis auf eine beginnende Atemwegsverlegung, sollte die Intubationsindikation großzügig gestellt werden. Eine Verzögerung der Atemwegssicherung kann die Intubation erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.

Gleichzeitig ist eine präklinische Atemwegssicherung an sich ein risikobehafteter Eingriff, der sorgfältig abgewogen werden muss. Dabei sollten die beginnende Atemwegsverlegung und der respiratorische Zustand der erkrankten Person gegen die verfügbaren Ressourcen, den Transportweg, die Kompetenzen des Teams und die eigenen Fähigkeiten abgewogen werden, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Schwieriges Atemwegsmanagement

Bei einem Inhalationstrauma kommt den Atemwegen eine zentrale Bedeutung zu. Hitze oder Reizstoffe können schnell zu einer starken Schwellung der oberen Atemwege führen. Da ein solches Ödem oft dynamisch entsteht, ist an die frühzeitige Atemwegssicherung zu denken. Mit zunehmender Schwellung wird die Intubation immer schwieriger,

Man sollte stets auf schwierige Intubationsbedingungen vorbereitet sein und entsprechendes Equipment griffbereit halten. Brandverletzungen im Gesichts- und Halsbereich können durch Eiweißdegeneration zu Gewebekontrakturen führen, die die Beweglichkeit von Kopf und Hals erheblich einschränken. 

 Merke

Scheitert die endotracheale Intubation, kann eine Notfall-Koniotomie notwendig werden.

Koniotomie:

Bei der Koniotomie wird das Ligamentum cricothyreoideum medianum durchtrennt, um einen künstlichen Atemweg zu schaffen. Dies ist eine Notfallmaßnahme („Ultima Ratio“) bei akuter Erstickungsgefahr.

Strukturen des Kehlkopfs
Strukturen des Kehlkopfes (Larynx). Die Luftröhre (1-4) und therapeutische Eingriffe (A,B), 1)Schildknorpel , 2)Lig. cricothyroideum, 3) Ringknorpel, 4)Luftröhre, A)Koniotomie, B)Tracheotomie                                

Durchführung einer Koniotomie:

  1. Schildknorpel fixieren
  2. Mit Zeigefinger Ligamentum cricothyreoideum (Ligamentum conicum) ertasten
  3. Haut in vertikal durchtrennen
  4. Ligamentum cricothyroideum horizontal durchtrennen
  5. Tubus platzieren
Durchführung einer Koniotomie
Durchführung der Koniotomie.

Bei einem Inhalationstrauma ist der Transport in eine geeignete Klinik entscheidend, um lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern und Patient:innen die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen:

Auswahl der Zielklinik:

  • Priorität hat ein Zentrum mit Intensivstation und Erfahrung in der Behandlung von Inhalationstraumata
  • Bei Rauchgasvergiftung oder Verbrennungen → Transport in ein Zentrum für Verbrennungsmedizin
  • Bei Hinweisen auf eine CO-Vergiftung → Erwägung Transport in eine Klinik mit hyperbarer Sauerstofftherapie

Wichtige Maßnahmen während des Transports:

  • Sicherstellung und Überwachung der Atemwege
  • Sauerstoffgabe mit hoher Konzentration (100 %), um Kohlenmonoxid und andere Gase aus dem Blut zu verdrängen
  • Überwachung von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein
 Achtung

Atemwegsödeme können sich verzögert entwickeln. Bei spontan atmenden Patient:innen ist eine besonders gründliche Überwachung der Atemwege wichtig!

Der Transport sollte so schnell wie möglich erfolgen, wobei eine frühzeitige Kommunikation mit der Zielklinik essenziell ist, um die optimale Versorgung zu gewährleisten.

Je nach Verletzungsschwere und Gesamtsituation kann ein Transport mittels Rettungshubschrauber erwogen werden. Gründe dafür sind die Notwendigkeit eines schonenden Transports oder eine lange Wegstrecke (z. B. für die Verbringung zu einer hyperbaren Sauerstofftherapie oder in ein Verbrennungszentrum).

Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:

Definition:

Schädigung der Atemwege durch Rauchgase, Reizgase, Flüssigkeiten oder Verbrennungsprodukte (z. B. bei Bränden oder chemischen Unfällen). Die Auswirkungen betreffen in der Regel mehrere Ebenen der Atemwege

  • Obere Atemwege
  • Untere Atemwege
  • Alveolen

Ursachen:

  • Wohnungsbrände
  • Industrie- oder Chemieunfälle
  • Explosionen
  • Unfälle mit Chemikalien im Haushalt
  • Fahrzeugbrände
  • Schweiß- und Industriearbeiten ohne ausreichenden Schutz

Pathophysiologie:

  • Thermische Schädigung durch direkte Hitzeeinwirkung → Obstruktion der oberen Atemwege
  • Chemische Schädigung → Entzündungsreaktion + Schädigung der Zellmembran
  • Systemische Effekte durch toxische Gase:
    • Kohlenstoffmonoxid bindet mit hoher Affinität an Hämoglobin und verdrängt Sauerstoff → Hypoxie
    • Zyanid hemmt die mitochondriale Atmung → metabolische Azidose und Zellschädigung

Symptome:

  • Obere Atemwege: Atemwegsobstruktion, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor, Gefahr eines Laryngospasmus.   
  • Untere Atemwege: Husten, Atemnot, Bronchospasmen, Hypoxämie, Gefahr von akuter respiratorischer Insuffizienz (ARDS)
  • Alveolen: Alveolenkollaps (Atelektasen)
  • Systemische Symptome: Hypoxie, metabolische Azidose, Zeichen einer systemischen Entzündungsreaktion (SIRS)

Diagnostik:

  • Anamnese:
    • Ursache des Inhalationstraumas?
    • Dauer der Exposition?
    • Beteiligte Substanzen?
  • Auskultation
  • Messung von CO, bzw. präklinische Blutgasanalyse, wenn möglich
  • SpO₂-Messung zur ersten Orientierung bezüglich der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff
  • Messung von Herzfrequenz und Blutdruck, um Aussagen über die generelle Kreislaufsituation treffen zu können
  • Messung der Körpertemperatur

Therapie:

  • Sauerstoffgabe
  • Bei Lungenödem → Nichtinvasive Beatmung (CPAP, CPAP-PS)
  • Ggf. Endotracheale Intubation
  • Dyspnoe + Stridor Inhalation von β2-Sympathomimetikum oder Adrenalin
  • Ggf. Gabe von speziellen Antidoten 

Transport:

  • Bei Rauchgasvergiftung oder Verbrennungen → Transport in ein Zentrum für Verbrennungsmedizin
  • Bei Hinweisen auf eine CO-Vergiftung → Erwägung Transport in eine Klinik mit hyperbarer Sauerstofftherapie
  • Wichtige Maßnahmen während des Transports:
    • Sicherstellung und Überwachung der Atemwege
    • Sauerstoffgabe mit hoher Konzentration (100 %), um Kohlenmonoxid und andere Gase aus dem Blut zu verdrängen
    • Überwachung von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein
 Tipp

Wenn ihr mehr Informationen und weitere therapeutische Maßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus dem klinischen Bereich.

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Zuletzt aktualisiert am 25.07.2026
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