Zusammenfassung
Injektionen sind eine häufig eingesetzte Methode zur Verabreichung von Medikamenten in der Pflege, die eine schnelle und gezielte Wirkstoffabgabe ermöglicht, insbesondere wenn eine orale Einnahme nicht praktikabel oder nicht wirksam genug ist.
Die verschiedenen Injektionsarten, darunter intrakutan, subkutan, intramuskulär und intravenös, unterscheiden sich in ihren Anwendungsgebieten sowie in ihren Vor- und Nachteilen. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von mehreren Faktoren ab, wie etwa dem gewünschten Wirkungseintritt, dem zu verabreichenden Volumen und dem Gesundheitszustand des Patienten.
Eine sorgfältige Vorbereitung, Einhaltung der Hygieneregeln und fachgerechte Durchführung sind entscheidend, um die eigene Sicherheit und die der Patienten zu gewährleisten. Besonders wichtig ist die 6-R-Regel, die sicherstellt, dass Patienten zur richtigen Zeit das richtige Medikament in der richtigen Dosierung und auf die richtige Weise erhalten. Fehler bei der Verabreichung von Injektionen können schwerwiegende Folgen haben, weshalb eine gründliche Vorbereitung und Durchführung unerlässlich ist.
DefinitionInjektionen sind medizinische Verfahren, bei denen sterile Flüssigkeiten, meist Medikamente oder Impfstoffe, mit Hilfe einer Spritze und Nadel
direkt in den Körper eingebracht werden. Sie können in verschiedene Gewebeschichten injiziert werden, darunter intramuskulär (in einen Muskel), subkutan (unter die Haut) oder intravenös (in eine Vene). Injektionen ermöglichen eine schnelle und gezielte Verabreichung von Wirkstoffen, was besonders bei Notfällen oder bei Medikamenten, die nicht oral eingenommen werden können, von Vorteil ist.
Injektionsarten

Greg Knobloch, Public domain, via Wikimedia Commons
Intrakutane Injektion (i.c.)
- Medikament wird in die oberste Hautschicht injiziert
- Anwendung: Häufig bei Allergie- oder Tuberkulintests
- Lokale Reaktion, die gut beobachtet werden kann
- Nadel
in flachem Winkel (ca. 15°) einführen
TippEine kleine Quaddel ist ein Hinweis auf eine korrekte Injektion.
Subkutane Injektion (s.c.)
- Medikament wird in das Unterhautfettgewebe injiziert
- Geeignet für Medikamente wie Insulin
oder Heparin - Gewährleistet langsame und kontinuierliche Freisetzung des Wirkstoffs
AchtungInjektionsstelle
Bei der subkutanen Injektion ist die Wahl der Injektionsstelle wichtig.
- Geeignete Stellen: Bauch, Oberschenkel, Oberarm (es sollte ausreichend Unterhautfettgewebe vorhanden sein)
- Injektionsstelle regelmäßig wechseln zur Vermeidung von Hautreizungen oder Lipodystrophien

Tim Reckmann from Hamm, Deutschland, CC BY 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons
Intramuskuläre Injektion (i.m.)
- Medikament wird in einen Muskel injiziert.
- Ermöglicht schnelle Aufnahme in den Blutkreislauf
- Anwendung: Häufig für Impfstoffe oder Schmerzmittel
- Injektion im 90°-Winkel durchführen
- Geeignete Muskeln: Deltamuskel, Vastus-lateralis-Muskel (Oberschenkel), Gluteus medius (Gesäß)
- Korrekte Identifikation der Injektionsstelle ist erforderlich zum Vermeiden von Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen
Intravenöse Injektion (i.v.)
- Medikament wird direkt in die Vene verabreicht
- Sofortige Wirkung
- Anwendung: Oft in Notfällen oder zur schnellen Verabreichung von Flüssigkeiten und Medikamenten
AchtungLangsame Injektion und Überwachung
Besondere Vorsicht ist erforderlich, da das Medikament direkt ins Blut gelangt. Eine zu schnelle Injektion kann zu Komplikationen wie Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufversagen führen. Daher ist die Überwachung des Patienten unerlässlich.
Weitere Injektionsarten:
- Intraossäre Injektion:
- Eingesetzt bei Notfallsituationen ohne venösen Zugang
- Erfolgt in den Knochen (z.B. Schienbein
oder Oberarmknochen ) - Bietet schnellen Zugang zum Kreislaufsystem
- Intrathekal Injektion:
- In den Liquorraum der Wirbelsäule
- Intraperitoneale
Injektion: - In die Bauchhöhle, oft bei speziellen Behandlungen wie Chemotherapie
Vor- und Nachteile der Injektionsarten
| Injektionsart | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Intrakutan |
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| Subkutan |
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| Intramuskulär |
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| Intravenös |
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| Oral |
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| Rektal (Zäpfchen) |
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Applikationswinkel von verschiedenen Injektionen
- Intramuskuläre Injektion (i.m.): Die Nadel
wird senkrecht, also im 90-Grad-Winkel, in die Haut gestochen und erreicht den Muskel - Subkutane Injektion
(s.c.): Hier wird die Nadel im 45-Grad-Winkel in die Subkutis eingeführt - Intravenöse Injektion (i.v.): Die Nadel
wird im 25-Grad-Winkel in eine Vene gestochen - Intrakutane Injektion (i.d.): Der Einstich erfolgt im flachsten Winkel von <10-15 Grad. Die Nadel
dringt dabei nur knapp unter die Hautoberfläche, also in die Dermis, ein
Rechtliche Punkte
Anordnungsverantwortung:
- Injektionen gehören zu den ärztlichen Aufgaben können jedoch an geschultes Pflegepersonal delegiert werden
- Injektionen dürfen in der Regel nur auf Anordnung ärztlichen Personals durchgeführt werden
- Die Pflegekraft ist verantwortlich für die korrekte Umsetzung der Durchführung und die Einhaltung des Anordnungsrahmens
- Bei Unklarheiten sollte die Pflegekraft Rücksprache mit dem anordnenden Arzt oder der anordnenden Ärztin halten
Durchführungsverantwortung:
- Pflegekräfte sind verantwortlich für die fachgerechte Durchführung der Injektion
- Sie müssen sicherstellen, dass alle notwendigen Maßnahmen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Injektion getroffen werden
- Ziel ist es, die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten
Dokumentationspflicht:
- Jede durchgeführte Injektion muss dokumentiert werden
- Die Dokumentation sollte folgende Punkte umfassen:
- Art der Injektion (z.B. subkutan)
- Verabreichtes Medikament (z.B. niedermolekulares Heparin
) - Dosis (z.B. 40 mg)
- Zeitpunkt (z.B. 19:00)
- Mögliche Reaktionen des Patienten (z.B. keine unerwünschte Reaktionen)
- Eine lückenlose Dokumentation ist notwendig, um die Patientensicherheit zu gewährleisten und rechtliche Risiken zu minimieren. Weiterhin ist die Dokumentation wichtig für die Abrechnung der Leistungen
Materialvorbereitung
Je nach Injektionsart sind unterschiedliche Spritzen und Kanülen erforderlich. Für intramuskuläre Injektionen werden Kanülen benötigt, die lang sind und einen größeren Durchmesser haben, während für subkutane Injektionen
Spritzenarten
- Einmalspritzen: Diese sind am häufigsten im Gebrauch und in verschiedenen Volumen erhältlich, meist von 1 ml bis 50 ml
- Insulinspritzen: Speziell für die Verabreichung kleiner Mengen (wie Insulin
) mit feiner Skalierung - Tuberkulinspritzen: Für sehr kleine Mengen (bis 1 ml), oft bei intrakutanen Injektionen verwendet
Kanülenarten
- Kanülenlänge: Variiert typischerweise zwischen 8 mm und 50 mm

Zephyris, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
- Durchmesser (Gauge, G): Der Durchmesser wird in Gauge angegeben
- Gauge verhält sich reziprok zum Durchmesser: Je größer G, desto kleiner der Durchmesser der Kanüle
- Grobe Orientierung
: - Dünnere Kanülen (23G bis 30G): Für subkutane und intrakutane Injektionen
- Dickere Kanülen (20G bis 23G): Für intramuskuläre oder intravenöse Injektionen, da sie einen schnellen Medikamentenfluss ermöglichen
- 14G (2,1 mm): Schnelle Volumengabe, Notfallmedizin
- 20G (0,9 mm): Blutentnahme, Routine-Infusion
- 21G (0,8 mm): intramuskuläre Injektion
- 22G (0,7 mm): intravenöse Injektion
- 23G (0,6 mm): subkutane Injektionen
- 24G (0,5 mm): subkutane Injektionen
, Injektionen bei Kindern und Kleinkindern, empfindliche Venen - 25G (0,5 mm): subkutane Injektionen
, intrakutane Injektionen - 30G (0,3 mm): Insulininjektionen, intrakutane Injektionen
- Sicherheitskanülen: Nach der Anwendung wird eine Schutzvorrichtung aktiviert, um Nadelstichverletzungen
zu vermeiden - Filterkanülen: Filterkanülen können bei Glasampullen verwendet werden, um Partikel herauszufiltern
Injektionslösung und Medikamente prüfen und vorbereiten
- Vor der Injektion prüfen: Auf Verfärbungen, Trübungen oder Partikel. Verfärbte oder verunreinigte Lösungen dürfen nicht verwendet werden
- Verfallsdatum: Das Verfallsdatum überprüfen, um sicherzustellen, dass das Medikament noch verwendet werden darf
- Zubereitung: Auf die genaue Dosierung, die Art des Lösungsmittels und die Mischanweisungen achten. Bei Unsicherheiten Rücksprache mit der Apotheke oder dem ärztlichen Personal halten
- Lagerung: Sicherstellen, dass die Injektionslösung bei der richtigen Temperatur gelagert wurde. Temperaturabweichungen können die Wirksamkeit des Medikaments beeinträchtigen
Hygieneregeln
- Händedesinfektion: Vor und nach jedem Patientenkontakt sowie vor dem Aufziehen der Injektionslösung. Die Desinfektion der Hände ist der wichtigste Schutz vor Kreuzkontaminationen
- Steriles Arbeiten
: Nur sterile Materialien verwenden, um Infektionen zu verhindern. Alle Materialien sollten bis zum Zeitpunkt der Anwendung steril bleiben
AchtungJede Injektion birgt ein Infektionsrisiko. Strenge Hygienemaßnahmen sind unerlässlich, da selbst kleinste Kontaminationen zu schweren Infektionen führen können.
6-R-Regel
Die 6-R-Regel ist die Basis für eine sichere Medikamentengabe. Fehler bei der Injektion können schwerwiegende Folgen haben, wie zum Beispiel eine Überdosierung oder falsche Applikation. Eine sorgfältige Überprüfung vor der Injektion ist daher unverzichtbar.
- Richtiger Patient?
- Richtiges Medikament?
- Richtige Dosis?
- Richtige Applikationsart?
- Richtiger Zeitpunkt?
- Richtige Dokumentation?
Injektionslösung aufziehen - Glasampulle

"Epinephrine 1-1000 (1).JPG” von Intropin, lizensiert unter CC BY 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en
1. Vorbereitung:
- Unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Arbeitsfläche und Spritzentablett desinfizieren - Einwirkzeit abwarten
- Handschuhe verwerfen → Händedesinfektion durchführen → Neue unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Material vorbereiten: Spritze, sterile Filterkanüle, sterile Injektionskanüle, Tupfer und die Glasampulle
- 6-R-Regel beachten
- Ampullenkopf leicht beklopfen, um die Injektionslösung aus dem Ampullenkopf zu mobilisieren
- Vor dem Öffnen den Ampullenhals mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel desinfizieren
2. Abbrechen der Ampulle:
- Mit einem sterilen Tupfer den oberen Teil der Ampulle abdecken, um die Finger zu schützen
- Ampullenhals an der markierten Sollbruchstelle (meistens ein farbiger Punkt oder wie im obigen Bild ein Kreis um den Ampullenhals), mit einem Tupfer zum Schutz, abbrechen. Ein schnelles Abknicken des Ampullenkopfes nach hinten ist meistens ausreichend
- Glasampullen ohne eine Sollbruchstelle sollten mit einer Ampullensäge geöffnet werden

“Oct-2-2015-009.jpg” von British Columbia Institute of Technology ist lizensiert CC BY 4.0. Verfügbar unter https://opentextbc.ca/clinicalskills/chapter/safe-injection-administration-and-preparing-medication-from-ampules-and-vials/
AchtungSicherheitshinweis
Beim Arbeiten mit Glasampullen besteht immer die Gefahr von Schnittverletzungen. Das Tragen von Handschuhen und die Verwendung eines Tupfers sind daher sinnvoll, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.
3. Aufziehen der Injektionslösung:
- Eine Filterkanüle oder eine Kanüle mit einem kleinen Lumen verwenden, um sicherzustellen, dass keine Glaspartikel in die Spritze gelangen
- Spritze und Kanüle aus den sterilen Verpackungen entnehmen. Die Verpackung sollte so geöffnet werden, dass die Sterilität gewahrt bleibt
- Der Spritzenkonus und der Kanülenansatz sollten aus hygienischen Gründen nicht mit den Händen berührt werden
- Die Lösung langsam und vorsichtig aufziehen, um Schaumbildung zu vermeiden
- Der obere Rand der Ampulle ist unsteril und sollte beim Aufziehen mit der Kanüle nicht berührt werden
- Spritze durch leichtes Beklopfen vollständig entlüften
4. Wechsel der Kanüle:
- Nach dem Aufziehen der Lösung die Filterkanüle gegen eine passende Injektionskanüle händisch austauschen (die Injektionskanüle sollte nicht am Abwurf oder ähnlichem “abgestreift” werden, um Kontaminationen zu vermeiden)
- Die Ampulle bei der Spritze belassen, damit ersichtlich ist, welche Substanz sich in der Spritze befindet
5. Spritze auf das Spritzentablett legen:
- Die vorbereitete Injektion auf das desinfizierte Spritzentablett legen und mit Etikett, Name des Patienten sowie der vorgesehenen Uhrzeit für die Gabe versehen
- 6-R-Regel vor der Injektion beachten
Injektionslösung aufziehen - Stechampulle

“Depo-Estradiol (estradiol cypionate) vials.jpg” von Medgirl131, lizensiert unter CC BY-SA 4.0
1. Vorbereitung:
- Unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Arbeitsfläche und Spritzentablett desinfizieren - Einwirkzeit abwarten
- Handschuhe verwerfen → Händedesinfektion durchführen → Neue unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Material vorbereiten: Spritze, 2 sterile Kanülen, Desinfektionstupfer und die Stechampulle
- 6-R-Regel beachten
2. Desinfektion des Gummistopfens:
- Verschluss der Stechampulle öffnen
- Den Gummistopfen der Stechampulle mit einem alkoholischen Desinfektionstupfer gründlich desinfizieren
- Desinfektionsmittel vollständig trocknen lassen, um eine optimale Keimreduktion zu gewährleisten - Einwirkzeit beachten (mindestens 30 Sekunden)
3. Einführen der Kanüle:

“Syringe-1973129__340.jpg” von Myriams Zilles von Pixabay lizensiert unter CC0
- Spritze und Kanüle aus den sterilen Verpackungen entnehmen. Die Verpackung sollte so geöffnet werden, dass die Sterilität gewahrt bleibt
- Der Spritzenkonus und der Kanülenansatz sollten aus hygienischen Gründen nicht mit den Händen berührt werden
- Spritze mit Luft füllen: Die Spritze sollte mit so viel Luft gefüllt werden, wie Flüssigkeit entnommen werden soll
- Gummistopfen durchstechen
- Kanüle gerade einführen, um den Stopfen nicht unnötig zu beschädigen
- Luft in die Ampulle injizieren: Dadurch entsteht ein Überdruck, der die Entnahme von Flüssigkeit erleichtert. Ohne die Injektion von Luft würde bei der Entnahme ein Unterdruck entstehen, der die Entnahme erschwert

Jkgroove, CC BY 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons
4. Aufziehen der Lösung:
- Injektionslösung langsam in die Spritze aufziehen, um Schaumbildung und Luftblasen zu vermeiden
- Spritze durch leichtes Beklopfen vollständig entlüften
5. Wechsel der Kanüle:
- Nach dem Aufziehen der Lösung die Aufziehkanüle gegen eine passende Injektionskanüle händisch austauschen (die Injektionskanüle sollte nicht am Abwurf oder ähnlichem “abgestreift” werden, um Kontaminationen zu vermeiden)
- Die Ampulle bei der Spritze belassen, damit ersichtlich ist, welche Substanz sich in der Spritze befindet
6. Spritze auf das Spritzentablett legen:
- Die vorbereitete Injektion auf das desinfizierte Spritzentablett legen und mit Etikett, Name des Patienten sowie der vorgesehenen Uhrzeit für die Gabe versehen
- 6-R-Regel vor der Injektion beachten
7. Mehrfachentnahme:
- Falls mehrere Entnahmen aus der Stechampulle notwendig sind, Gummistopfen vor jeder Entnahme erneut desinfizieren
- Bei jeder Entnahme eine neue sterile Kanüle verwenden, um Kontamination der Lösung zu verhindern
- Anbruchdatum mit Uhrzeit und Handzeichen auf der Ampulle notieren
- Herstellerangaben zur Lagerung und Haltbarkeit beachten
AchtungSicherheitshinweise
- 6-R-Regel vor der Injektion beachten
- Kanüle nach der Entnahme direkt in einen stichfesten Abwurfbehälter entsorgen, um das Risiko von Nadelstichverletzungen zu minimieren
- Der Gummistopfen sollte stets unbeschädigt bleiben, um die Sterilität der restlichen Lösung zu gewährleisten
Injektionslösung aufziehen - Trockensubstanzen
1. Vorbereitung:
- Unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Arbeitsfläche und Spritzentablett desinfizieren - Einwirkzeit abwarten
- Handschuhe verwerfen → Händedesinfektion durchführen → Neue unsterile Handschuhe anziehen (zum Selbstschutz)
- Material vorbereiten: Spritze, sterile Kanüle, Überleitungskanüle, Lösungsmittel, Trockensubstanz, Desinfektionstupfer
- 6-R-Regel beachten
2. Überleitungskanüle einstechen:
- Verschlüsse der Stechampullen (Lösungsmittel und Trockensubstanz) öffnen
- Die Gummistopfen der beiden Stechampullen mit einem alkoholischen Desinfektionstupfer gründlich desinfizieren
- Desinfektionsmittel vollständig trocknen lassen, um eine optimale Keimreduktion zu gewährleisten - Einwirkzeit beachten (mindestens 30 Sekunden)
- Überleitungskanüle in den Gummistopfen der Ampulle mit dem Lösungsmittel einstechen
- Andere, freie Seite der Überleitungskanüle in den Gummistopfen der Ampulle mit der Trockensubstanz einstechen
3. Lösungsmittel überleiten:
- Lösungsmittel vollständig in die Ampulle mit der Trockensubstanz fließen lassen bis die Trockensubstanz komplett aufgelöst ist
- Hierzu kann die Ampulle vorsichtig geschwenkt werden, um die Trockensubstanz vollständig aufzulösen. Kräftiges Schütteln sollte vermieden werden, da dies Schaumbildung verursachen kann
4. Prüfen der fertigen Lösung:
- Stellen Sie sicher, dass die Lösung klar und frei von Partikeln ist. Bei Trübungen oder sichtbaren Partikeln darf die Lösung nicht verwendet werden
AchtungSicherheitshinweis
Die gesamte Trockensubstanz sollte aufgelöst werden. Dies sollte vor der Gabe noch einmal überprüft werden. Bei Unsicherheiten sollte Rücksprache mit einer Apotheke gehalten werden.
5. Aufziehen der Lösung:
Einführen der Kanüle:
- Spritze und Kanüle aus den sterilen Verpackungen entnehmen. Die Verpackung sollte so geöffnet werden, dass die Sterilität gewahrt bleibt
- Der Spritzenkonus und der Kanülenansatz sollten aus hygienischen Gründen nicht mit den Händen berührt werden
- Spritze mit Luft füllen: Die Spritze sollte mit so viel Luft gefüllt werden, wie Flüssigkeit entnommen werden soll
- Gummistopfen durchstechen
- Kanüle gerade einführen, um den Stopfen nicht unnötig zu beschädigen
- Luft in die Ampulle injizieren: Dadurch entsteht ein Überdruck, der die Entnahme von Flüssigkeit erleichtert. Ohne die Injektion von Luft würde bei der Entnahme ein Unterdruck entstehen, der die Entnahme erschwert
Aufziehen der Lösung:
- Injektionslösung langsam in die Spritze aufziehen, um Schaumbildung und Luftblasen zu vermeiden
- Spritze durch leichtes Beklopfen vollständig entlüften
6. Wechsel der Kanüle:
- Nach dem Aufziehen der Lösung die Aufziehkanüle gegen eine passende Injektionskanüle händisch austauschen (die Injektionskanüle sollte nicht am Abwurf oder ähnlichem “abgestreift” werden, um Kontaminationen zu vermeiden)
- Die Ampulle bei der Spritze belassen, damit ersichtlich ist, welche Substanz sich in der Spritze befindet
7. Spritze auf das Spritzentablett legen:
- Die vorbereitete Injektion auf das desinfizierte Spritzentablett legen und mit Etikett, Name des Patienten sowie der vorgesehenen Uhrzeit für die Gabe versehen
- 6-R-Regel vor der Injektion beachten
InfoBei der Vorbereitung von Trockensubstanzen und dem anschließenden Aufziehen kommt auch die Technik, die beim Aufziehen von Stechampullen verwendet wird zum Einsatz. Falls der Trockensubstanz eine Glasampulle mit Lösungsmittel beiliegt, werden beide zuvor beschriebenen Techniken angewendet.
Fertigspritze

Frank C. Müller, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons. Die Chargennummer und Teile des Handelsnamens wurden unkenntlich gemacht.
Zur Injektion gibt es auch verschiedene vorbereitete Fertigspritzen, die bereits die Injektionsflüssigkeit enthalten und direkt appliziert werden können. Ein Beispiel sind Fertigspritzen zur Thromboseprophylaxe
Der Hauptvorteil von Fertigspritzen besteht darin, dass sie steril und gebrauchsfertig sind, was das Risiko von Infektionen verringert und die Sicherheit sowohl für den Patienten als auch für das medizinische Personal erhöht.
Fertigspritzen sind typischerweise aus Kunststoff gefertigt und sollten nach der Verwendung sicher entsorgt werden, um Kreuzkontaminationen und Infektionen zu vermeiden. Sie sind so konstruiert, dass sie einfach zu handhaben sind, wobei die Nadel

Frank C. Müller, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
Umgang mit toxischen Substanzen
Der Umgang mit toxischen Substanzen erfordert spezielle Schutzmaßnahmen, um Gesundheitsgefahren zu minimieren und den Eigenschutz sicherzustellen.
- Chemotherapeutika
: Arbeiten mit speziellen Einmalhandschuhen, ggf. Abfallentsorgung in speziellen Behältern
Vorbereitung vor der Injektion
- Händedesinfektion nach Betreten des Zimmers
- Informierung des Patienten: Den Patienten über den bevorstehenden Vorgang informieren und erklären, warum die Injektion erforderlich ist und wie sie ablaufen wird. Alle Fragen des Patienten beantworten, um mögliche Ängste oder Unsicherheiten zu reduzieren
- Einwilligung einholen: Vor der Durchführung der Injektion muss die Einwilligung des Patienten eingeholt werden. Der Patient sollte sich damit einverstanden erklären und alle notwendigen Informationen haben, um eine fundierte Entscheidung zu treffen
- 6-R-Regel anwenden:
- Richtiger Patient?
- Richtiges Medikament?
- Richtige Dosis?
- Richtige Applikationsart?
- Richtiger Zeitpunkt?
- Richtige Dokumentation?
- Wischdesinfektion der Arbeitsfläche: Die Arbeitsfläche gründlich mit einem geeigneten Desinfektionsmittel reinigen und desinfizieren, bevor die Materialien darauf abgelegt werden. Die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels sollte beachtet werden, um die Keimreduktion zu gewährleisten
- Erneute Händedesinfektion
- Spritzentablett mit Vorbereiteten Materialien auf dem Nachttisch abstellen
- Injektionsstelle ermitteln: Die geeignete Injektionsstelle entsprechend der Injektionsart (z.B. subkutan, intramuskulär) auswählen. Bei der Auswahl der Injektionsstelle auf Hautveränderungen, Narbengewebe oder andere Hindernisse achten
- Vorbereitung bei Kindern: Bei Kindern kann ein Anästhesiepflaster (EMLA-Pflaster ®) verwendet werden, um die Einstichstelle zu betäuben und Schmerzen zu minimieren. Das Pflaster muss ca. 60 Minuten vor der Injektion aufgeklebt werden, um eine ausreichende Betäubung zu erreichen
- Desinfektion der Injektionsstelle:
- Haut/Punktionsstelle mit geeignetem Desinfektionsmittel reichlich benetzen
- Mit einem Tupfer abwischen
- Erneut mit geeignetem Desinfektionsmittel benetzen
- Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten
- Punktionsstelle nach Desinfektion nicht mehr berühren, um Kontamination zu vermeiden
Schutz vor Nadelstichverletzungen
Nadelstichverletzungen

“Book-pictures-2015-527.jpg” by British Columbia Institute of Technology is licensed under CC BY 4.0. Access for free at https://opentextbc.ca/clinicalskills/chapter/safe-injection-administration-and-preparing-medication-from-ampules-and-vials/
- Nach der Injektion die Kanüle sofort in einen stichfesten Abwurfbehälter entsorgen
- Kanüle nicht recappen: Das Recapping, also das Wiederaufsetzen der Schutzkappe, erhöht das Risiko einer Verletzung. Nach der Injektion sollte die Kanüle sofort in einen stichfesten Abwurfbehälter entsorgt werden
- Verwendung von Sicherheitskanülen: Diese minimieren das Risiko von Nadelstichverletzungen
. Sicherheitskanülen verfügen über eine spezielle Vorrichtung, die nach der Injektion aktiviert wird oder aktiviert werden kann, um den Nadelstichschutz zu gewährleisten. Auch Sicherheitskanülen sollten in einem stichfesten Abwurfbehälter entsorgt werden - Einige Sicherheitsvorrichtungen werden nach der Injektion automatisch aktiviert
Manuelle Sicherheitsvorrichtungen sollten nach der Injektion immer sofort aktiviert werden, um sich selbst und andere zu schützen

Frank C. Müller, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
Thrombosspritze mit Sicherheitsvorrichtung
Video
Quellen
- Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (RKI): https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Punkt_Inj_Rili.pdf?__blob=publicationFile

