Die Intoxikation mit Drogen stellt im rettungsdienstlichen Alltag ein potenziell lebensbedrohliches Einsatzbild dar. Je nach Substanzklasse, Konsummenge und Applikationsform fällt das klinische Bild sehr unterschiedlich aus. Besonders gefährlich sind Mischintoxikationen.
Grundsätzlich lassen sich Drogen in vier große Gruppen einteilen:
- Uppers (Stimulanzien)
- Downers (Sedativa)
- Halluzinogene Drogen
- Neue psychoaktive Substanzen (NPS)
Häufige Ursachen für Intoxikationen sind Überdosierungen bei Drogenabhängigkeit, Mischkonsum, unsachgemäßer Gebrauch, psychische Krisen oder Vorsatz durch Dritte, z.B. beim Einsatz von K.-o.-Tropfen.
Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen zählen die Sicherung der Atmung, die Kreislaufstabilisierung und, wenn möglich, die Gabe eines geeigneten Antidots. Dabei gilt es, lebensbedrohliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Um den Einstieg in das Thema Intoxikation mit Drogen etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
- Stichwort: Krampfanfall
- Ort: Öffentlicher Raum
- Alarmzeit: 02:10 Uhr
- Anrufer:in: Freunde
- Anzahl der Betroffenen: 1
- Zusatzinfo:
- Männlich, 21 Jahre alt
- Verdacht auf Drogenkonsum
- Die Polizei ist ebenfalls alarmiert
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes liegt der Patient reglos auf dem Boden.
Die Lage ist wie folgt:
- Der Patient ist auf laute Ansprache erweckbar, wirkt jedoch deutlich somnolent
- Der Körper fühlt sich stark überwärmt an
- Die Atemkontrolle zeigt eine regelmäßige Atemfrequenz von 25/min
- Die Pupillen sind beidseits weit (Mydriasis)
- Die Begleitpersonen berichten, der Patient habe Alkohol sowie zwei Ecstasy-Tabletten (MDMA) konsumiert
- Auf dem Heimweg sei der Patient plötzlich kollabiert und habe anschließend einen generalisierten Krampfanfall erlitten. Daraufhin wurde der Rettungsdienst alarmiert
- Äußere Verletzungen sind bei der Erstuntersuchung nicht erkennbar

Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer Intoxikation mit Drogen aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x |
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A |
| Kein |
B |
| Kein |
C |
| Akutes |
D |
| Mittelbares |
E |
| Akutes |
AchtungDas hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
DefinitionDrogenintoxikation
Eine Drogenintoxikation entsteht durch die Aufnahme psychoaktiver Substanzen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) und weitere Organsysteme beeinflussen. Die Aufnahme kann oral, intravenös, inhalativ oder über andere Applikationswege erfolgen.
Abhängig von Substanz, Dosis und Begleitfaktoren reicht das klinische Bild von leichten Bewusstseinsveränderungen bis zu lebensbedrohlichen Störungen der Atmung, des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralnervensystems, die eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erforderlich machen.
Uppers (Stimulanzien)
Stimulanzien steigern die Aktivität des zentralen Nervensystems, indem sie die Freisetzung von Dopamin, Noradrenalin und teilweise Serotonin erhöhen sowie deren Wiederaufnahme hemmen. Typische Wirkungen sind Euphorie, gesteigerte Wachheit, vermehrter Antrieb, Tachykardie, Hypertonie und psychomotorische Unruhe. Zu den häufigsten Vertretern zählen Amphetamin, Methamphetamin, MDMA (Ecstasy) und Kokain.
Downers (Sedativa)
Sedativa vermindern die neuronale Erregbarkeit durch eine Verstärkung der GABAA-vermittelten Signalübertragung. Sie wirken angstlösend, beruhigend, schlaffördernd und in höheren Dosierungen hypnotisch oder anästhetisch. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Benzodiazepine, Barbiturate, Propofol und Clomethiazol. Schwere Intoxikationen können zu Atemdepression, Bewusstseinsstörungen und – insbesondere bei Mischintoxikationen – zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.
InfoUpper sind mit einer erhöhten Aktivität (up = engl. hoch, oben, auf), Downers mit einer gedämpfen Aktivität (down = engl. tief, herunter) assoziiert.
Halluzinogene
Halluzinogene verändern die Wahrnehmung, das Denken und die Stimmung vorwiegend durch eine Aktivierung von 5-HT₂A-Rezeptoren sowie teilweise durch eine dopaminerge Wirkung. Typisch sind optische und akustische Halluzinationen, Ich-Störungen, Depersonalisation sowie eine gestörte Zeit- und Raumwahrnehmung. Akut können „Bad Trips“ mit Panik oder paranoiden Wahnvorstellungen auftreten. Auch Flashbacks oder eine Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD) sind möglich.
Neue psychoaktive Substanzen (NPS)
Neue psychoaktive Substanzen (NPS) sind synthetische oder halbsynthetische Drogen, deren Wirkung klassischen Substanzen ähnelt. Hierzu zählen etwa synthetische Cathinone, synthetische Cannabinoide und Design-Benzodiazepine. Je nach Wirkstoff können sie stimulierend, sedierend oder halluzinogen wirken. Aufgrund ihrer hohen Potenz, unvorhersehbaren Zusammensetzung und der häufig fehlenden Standardanalytik besteht ein hohes Risiko schwerer Intoxikationen. Viele dieser Substanzen unterliegen inzwischen dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG).
| Substanz | Beispiele für Szenenamen | Beschreibung | Konsumformen | Aussehen |
|---|---|---|---|---|
| Amphetamine (Speed, Pep) |
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| Amphetaminderivat (Ecstasy, XTC, E) |
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| Methamphetamin (Crystal Meth) |
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| Kokain und Crack |
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AchtungSzenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Substanz | Beispiele für Szenenamen | Beschreibung | Konsumformen | Aussehen |
|---|---|---|---|---|
| Benzodiazepine und Z-Substanzen |
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| Heroin |
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| Tetrahydro-cannabinol (THC, Cannabis) |
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| Hydroxy-butansäure (GHB, Liquid Ecstasy) |
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AchtungSzenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Substanz | Beispiele für Szenenamen | Beschreibung | Konsumformen | Aussehen |
|---|---|---|---|---|
| Lysergsäure-diethylamid (LSD, Acid) |
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| (Es-)Ketamin |
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| Psilocybin (Magic Mushrooms) |
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| Schnüffel-stoffe und Poppers |
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AchtungSzenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Substanz | Beispiele für Szenenamen | Beschreibung | Konsumformen |
|---|---|---|---|
| Neue psycho-aktive Substanzen (NPS) |
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AchtungSzenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
InfoDie Einnahme von Drogen in üblichen Konsummengen ist in den meisten Fällen nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Akute Notfälle treten vorwiegend bei Überdosierung, Mischkonsum oder verunreinigten Substanzen auf.
Häufige Ursachen
- Akzidenteller Konsum: unbeabsichtigte Einnahme zu hoher Dosen, beispielsweise durch Dosierungsfehler oder unkontrollierten Tabletten- bzw. Pulverkonsum
- Gewollter Konsum (Rauschkonsum): bewusste Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erzielung einer berauschenden oder leistungssteigernden Wirkung. Fehlende Erfahrung, hohe Dosierungen oder unbekannter Wirkstoffgehalt können zu einer Intoxikation führen
- Schwankender Wirkstoffgehalt: Vor allem bei illegalen Drogen (z. B. Heroin, Ecstasy oder neuen psychoaktiven Substanzen [NPS]) kann der Wirkstoffgehalt stark variieren, sodass bereits geringe Mengen toxisch wirken können
- Mischintoxikationen: Die gleichzeitige Einnahme mehrerer psychoaktiver Substanzen (z.B. Benzodiazepine und Alkohol oder Opioide und Stimulanzien) verstärkt die toxischen Wirkungen und erhöht das Risiko schwerer Atem- und Kreislaufstörungen
- Therapiebedingte Intoxikation: Überdosierungen durch fehlerhafte Selbstmedikation oder unsachgemäße Anwendung verschriebener Medikamente wie Benzodiazepine, Opioide oder Sedativa
- Suizidale Intoxikation: Gezielte Einnahme hoher Dosen, insbesondere von Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmitteln, häufig im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen
Risikofaktoren
- Polytoxikomanie: Die Kombination mehrerer Drogen verstärkt deren Wirkungen und Nebenwirkungen und erhöht das Risiko schwerer Intoxikationen
- Psychiatrische Erkrankungen: Menschen mit Angststörungen, Depressionen, Psychosen oder anderen psychischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgebrauch und Intoxikationen
- Fehlende Toleranz: Nach längerer Abstinenz oder Entgiftung kann bereits eine zuvor gewohnte Dosis zu einer schweren Überdosierung führen
- Jugendliches Alter und soziale Risikofaktoren: Experimentierverhalten, Gruppendruck und mangelnde Erfahrung begünstigen einen riskanten Drogenkonsum
- Chronischer Drogenkonsum: Langfristiger Konsum fördert Toleranzentwicklung, psychische Abhängigkeit und das Risiko einer Überdosierung
- Neue psychoaktive Substanzen (NPS): Unbekannter Wirkstoffgehalt, hohe Potenz und unvorhersehbare Zusammensetzung erhöhen das Risiko schwerer Intoxikationen deutlich
MerkeReminder: Physiologische Grundlagen
- Drogen beeinflussen die synaptische Signalübertragung, indem sie die Freisetzung, Wiederaufnahme oder Rezeptoraktivierung von Neurotransmittern verändern
- Die Wirkung erfolgt überwiegend über vier zentrale Transmittersysteme:
- Dopamin: Belohnung, Motivation und Antrieb
- Noradrenalin: Wachheit, Aufmerksamkeit und Sympathikusaktivierung
- GABA: Wichtigster hemmender Neurotransmitter des ZNS
- Serotonin: Wahrnehmung, Stimmung und Kognition
- Grundprinzip der Drogenwirkungen:
- Uppers: verstärken die exzitatorische Neurotransmission → gesteigerte Wachheit, Euphorie und Sympathikusaktivierung
- Downers: verstärken die inhibitorische Neurotransmission → Sedierung, Muskelrelaxation und Atemdepression
- Halluzinogene: verändern die sensorische Informationsverarbeitung → Halluzinationen und Realitätsverzerrung
- Dopaminerges Belohnungssystem: Aktivierung des mesolimbischen Systems (VTA → Nucleus accumbens) führt zu einer vermehrten Dopaminfreisetzung und vermittelt Belohnung, Craving und Suchtentwicklung
- Neuroadaptation: Wiederholter Konsum führt zu Rezeptoranpassungen (Up-/Downregulation) und begünstigt Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugssymptome
Die Pathophysiologie einer Drogenintoxikation ist abhängig von der jeweiligen Substanz und ihrem Wirkmechanismus. Durch die Beeinflussung verschiedener Neurotransmittersysteme kommt es zu einer akuten Störung der neuronalen Signalübertragung im zentralen Nervensystem (ZNS) sowie zu Auswirkungen auf weitere Organsysteme.
Je nach Substanz überwiegen stimulierende, dämpfende oder halluzinogene Effekte, die das charakteristische klinische Bild der Intoxikation bestimmen.
Uppers (Stimulanzien)
- Grundmechanismus: verstärkte exzitatorische Neurotransmission → erhöhte Freisetzung und verminderte Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin führen zu einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer ausgeprägten Sympathikusaktivierung
- Folgen:
- Zentrales Nervensystem: Übermäßige Aktivierung kortikaler und limbischer Strukturen → Euphorie, gesteigerte Wachheit, Agitation, Halluzinationen bis zur Intoxikationspsychose
- Herz-Kreislauf-System: verstärkte sympathische Aktivität → Tachykardie, Hypertonie, Vasokonstriktion und Herzrhythmusstörungen
- Augen und Thermoregulation: Sympathikusdominanz → Mydriasis sowie Hyperthermie durch gesteigerte Muskelaktivität und verminderte Wärmeabgabe
- Muskulatur: Gesteigerte neuromuskuläre Aktivität → Tremor, Muskelrigidität und bei schweren Verläufen Rhabdomyolyse
- Komplikationen:
- Krampfanfälle
- Serotonin-Syndrom: besonders durch Kombination serotonerger Substanzen, z.B. MDMA + SSRI
- Multiorganversagen sowie Herz-Kreislauf-Stillstand
MerkeMDMA und Hyponatriämie
MDMA kann die ADH-Ausschüttung steigern und gleichzeitig ein ausgeprägtes Durstgefühl verursachen. Wird daraufhin übermäßig Wasser getrunken, kommt es zu einer Verdünnung des Serumnatriums (Hyponatriämie). Wasser strömt osmotisch in die Zellen ein und kann insbesondere im Gehirn ein Hirnödem verursachen.
Typische Warnzeichen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder Koma.
Downers (Sedativa)
- Grundmechanismus: Verstärkte inhibitorische Neurotransmission durch unterschiedliche Rezeptormechanismen:
- Benzodiazepine und Barbiturate verstärken die GABAA-vermittelte Chloridleitfähigkeit
- GHB/GBL wirkt überwiegend als GABAB-Rezeptor-Agonist
- Cannabinoide (THC) aktivieren CB₁-Rezeptoren und hemmen präsynaptisch die Neurotransmitterfreisetzung
- Alle Mechanismen führen zu einer verminderten neuronalen Erregbarkeit und einer ausgeprägten zentralen Dämpfung
- Folgen:
- Atemzentrum: dosisabhängige Hemmung der Medulla oblongata → Hypoventilation, Hyperkapnie und Atemdepression bis zum Atemstillstand
- Herz-Kreislauf-System: Verminderter Sympathikotonus sowie teilweise direkte kardiale Dämpfung → Hypotonie, Bradykardie und bei schweren Verläufen Kreislaufversagen
- Muskulatur: Verminderte neuromuskuläre Aktivität → Muskelrelaxation, Hyporeflexie und verminderter Muskeltonus mit erhöhter Aspirationsgefahr
- Zentrales Nervensystem: Aktivierung zentraler CB₁-Rezeptoren durch Cannabinoide → Hemmung der Neurotransmitterfreisetzung → Sedierung, verlangsamte Reaktionsfähigkeit sowie gelegentlich Angstzustände, Halluzinationen oder psychotische Symptome
- Komplikationen:
- Atemstillstand infolge ausgeprägter Atemdepression
- Aspiration durch Vigilanzminderung und verminderte Schutzreflexe
- Schock bei schwerer Hypotonie und Bradykardie
- Krampfanfälle und Delir insbesondere im Rahmen eines Entzugs nach chronischem Benzodiazepin- oder Barbituratkonsum
- Herz-Kreislauf-Stillstand als Folge schwerer respiratorischer oder hämodynamischer Insuffizienz
Halluzinogene Drogen
- Grundmechanismus: veränderte exzitatorische Neurotransmission durch unterschiedliche Rezeptormechanismen:
- Klassische Halluzinogene (z.B. LSD, Psilocybin, Mescalin) wirken überwiegend als 5-HT₂A-Rezeptor-Agonisten
- Ketamin hemmt NMDA-Rezeptoren
- Die daraus resultierende Dysbalance serotonerger, glutamaterger und dopaminerger Signalwege führt zu einer gestörten sensorischen Verarbeitung und Realitätswahrnehmung
- Folgen:
- Zentrales Nervensystem: veränderte Aktivität im Thalamus, limbischen System und Assoziationskortex → Halluzinationen, Wahrnehmungsstörungen, Ich-Störungen, Depersonalisation bis zur akuten Intoxikationspsychose
- Herz-Kreislauf-System: gesteigerte sympathische Aktivität → Tachykardie und arterielle Hypertonie
- Augen: Sympathikusdominanz → Mydriasis
- Psyche: gestörte Reizverarbeitung und emotionale Enthemmung → Angstzustände, Panikreaktionen und sogenannte „Bad Trips“
- Komplikationen:
- Krampfanfälle
- Akute Intoxikationspsychose mit Eigen- oder Fremdgefährdung
- Hyperthermie und Herzrhythmusstörungen bei schweren Verläufen oder Mischintoxikationen
- HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder): Anhaltende Wahrnehmungsstörungen durch persistierende neurochemische Veränderungen nach Halluzinogenkonsum
Neue psychoaktive Substanzen (NPS)
- Grundmechanismus: variable Rezeptoraktivierung → Neue psychoaktive Substanzen (NPS) umfassen chemisch veränderte Derivate klassischer Drogen und wirken je nach Substanz stimulierend, sedierend oder halluzinogen
- Folgen:
- Stimulanzienartige NPS: sympathomimetische Überaktivierung → Tachykardie, Hyperthermie und Krampfanfälle
- Cannabinoidartige NPS: Aktivierung zentraler CB₁-Rezeptoren → Dysregulation dopaminerger und glutamaterger Bahnen → Angstzustände, Psychosen und Halluzinationen
- Sedativ-hypnotische NPS: Verstärkte zentrale Dämpfung → Bewusstseinsstörung und Atemdepression
AchtungNeue psychoaktive Substanzen (NPS) enthalten häufig unbekannte Wirkstoffe oder Zusatzstoffe und unterliegen keiner verlässlichen Qualitätskontrolle. Dadurch sind Wirkung, Dosierung und Toxizität oft nicht vorhersehbar. Zudem treten Mischintoxikationen deutlich häufiger auf als bei klassischen Drogen.
Zusammenfassung
| Substanzklasse | Haupttransmittersystem | Grundmechanismus | Zentrale Folgen | Vegetative Folgen |
|---|---|---|---|---|
| Uppers (Stimulanzien) | Dopamin, Noradrenalin, Serotonin | Verstärkte exzitatorische Neurotransmission | Agitation, Halluzinationen, Psychosen, Krampfanfälle | Tachykardie, Hypertonie, Hyperthermie |
| Downers (Sedativa) | GABA, Endocannabinoid-System | Verstärkte inhibitorische Neurotransmission | Sedierung, Bewusstseinsstörung bis Koma | Atemdepression, Bradykardie, Hypotonie |
| Halluzinogene | Serotonin (5-HT₂A), Glutamat (NMDA), Dopamin | Gestörte sensorische Signalverarbeitung | Halluzinationen, Ich-Störungen, Depersonalisation | Mydriasis, Tachykardie, Hypertonie |
| Neue psychoaktive Substanzen (NPS) | Variabel | Variable Rezeptoraktivierung | Je nach Substanz Agitation, Psychosen oder Sedierung | Tachyarrhythmien, Hyperthermie oder Atemdepression |
MerkeZusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einer akuten Drogenintoxikation
- Je nach Substanzgruppe kommt es zu einer Überaktivierung (Stimulanzien), zentralen Dämpfung (Downer) oder gestörten sensorischen Verarbeitung (Halluzinogene) des zentralen Nervensystems
- Klinisch stehen Bewusstseinsstörungen, Agitation oder Halluzinationen, Atemdepression sowie Herz-Kreislauf-Störungen (Tachy- oder Bradykardie, Hyper- oder Hypotonie) im Vordergrund
- Schwere Verläufe können zu Krampfanfällen, Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Atemstillstand sowie Herz-Kreislauf-Stillstand führen
- Neue psychoaktive Substanzen (NPS) bergen aufgrund ihrer unbekannten Zusammensetzung und Potenz ein besonders hohes Risiko für unkalkulierbare und schwere Mischintoxikationen
Typische Zeichen
Downers (Sedativa, Hypnotika, Opioide, GHB/GBL):
- Bewusstseinsstörung: Sedierung mit Benommenheit, Somnolenz, Sopor bis Koma, verlangsamter Reaktion und verminderter Vigilanz
- Atemdepression: Bradypnoe, Hypoventilation bis zum Atemstillstand, insbesondere bei Mischintoxikationen
- Bradykardie und Hypotonie: Folge der zentralen und peripheren Dämpfung bis zum Kreislaufversagen
- Motorische Auffälligkeiten: Muskelrelaxation, Ataxie, Koordinationsstörungen und erhöhtes Sturzrisiko
- Pupillen: Meist Miosis (v.a. bei Opioiden), bei Benzodiazepinen häufig unauffällig
Uppers (Psychostimulanzien, Amphetamine, Kokain, MDMA):
- Psychomotorische Erregung: Unruhe, Hypervigilanz, Agitation, Angst sowie paranoide oder halluzinatorische Intoxikationspsychosen
- Herz-Kreislauf-System: Tachykardie, arterielle Hypertonie, Vasokonstriktion und Hyperthermie
- Neurologische Auffälligkeiten: Tremor, Hyperreflexie, motorische Unruhe bis zu Krampfanfällen
- Pupillen: Typischerweise Mydriasis
- Vegetative Symptome: starkes Schwitzen, Kieferpressen (v. a. bei MDMA), Dehydratation sowie Hyponatriämie durch ADH-Stimulation
Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Ketamin):
- Wahrnehmungsstörungen: optische und akustische Halluzinationen, veränderte Zeit-Raum-Wahrnehmung, Ich-Störungen und Depersonalisation
- Psychische Auffälligkeiten: Panik, Angst, Paranoia, Kontrollverlust und sogenannte „Bad Trips“
- Herz-Kreislauf-System: häufig Tachykardie, Mydriasis sowie Hyper- oder Hypotonie
- Vegetative Symptome: gelegentlich Schwitzen, Schwindel und Übelkeit
- Bewusstseinslage: meist erhalten, der Realitätsbezug kann jedoch unterschiedlich stark eingeschränkt sein
AchtungNeue psychoaktive Substanzen (NPS) werden nicht gesondert aufgeführt, da sie in ihrer Wirkung häufig klassischen Drogen nachempfunden sind und entsprechend ähnliche Symptome und klinische Bilder hervorrufen.
Generalisierte Zeichen
- Hinweise auf Drogenkonsum: Injektionsstellen, Schnupfspuren, Drogenutensilien (z.B. Spritzen, Pulverreste, Pfeifen, Tabletten oder Blister) sowie typische Gerüche können Hinweise auf die konsumierte Substanz liefern
- Traumafolgen: Sturzverletzungen, Platzwunden oder Hämatome infolge von Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen oder psychomotorischer Erregung
- Aspirationszeichen: Erbrochenes im Mund-Rachen-Raum, Husten oder auffällige Atemgeräusche weisen auf eine mögliche Aspiration hin
- Exsikkose: trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor oder Durst als Folge von Hyperthermie, Schwitzen oder verminderter Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei Stimulanzien
MerkeEine Intoxikation mit Downers führt typischerweise zu Sedierung, Hypotonie, Atemdepression und Bewusstseinsstörungen bis Koma. Besonders ausgeprägt sind die Symptome bei Mischkonsum mit anderen ZNS-dämpfenden Substanzen.
| Substanz | Symptome |
|---|---|
| Benzodiazepine und Z-Substanzen |
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| Heroin |
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| Tetrahydrocannabinol (THC, Cannabis) |
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| Hydroxybutansäure (GHB, Liquid Ecstasy) |
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MerkeEine Intoxikation mit Uppers äußert sich typischerweise in einer verstärkten Sympathikusaktivierung. Dazu zählen unter anderem Hypertonie, Tachykardie und Mydriasis.
| Substanz | Symptome |
|---|---|
| Amphetamin (Speed, Pep) |
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| Amphetaminderivat (Ecstasy, XTC, E) |
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| Methamphetamin (Crystal Meth) |
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| Kokain und Crack |
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MerkeEine Intoxikation mit halluzinogenen Drogen führt typischerweise zu Wahrnehmungsveränderungen, Halluzinationen, psychischer Instabilität sowie vegetativen Symptomen wie Tachykardie, Mydriasis und Unruhe. In Einzelfällen auch zu Panikreaktionen oder psychotischen Zuständen.
| Substanz | Symptome |
|---|---|
| Lysergsäurediethylamid (LSD, Acid) |
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| (Es-)Ketamin |
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| Psilocybin (Magic Mushrooms) |
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| Schnüffelstoffe und Poppers |
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Anamnese
- S (Symptome): Veränderung der Wahrnehmung, auffälliges Verhalten
- Hinweise auf Uppers?
→ Hypertonie, Tachykardie, Mydriasis, Euphorie - Hinweise auf Downers?
→ Sedierung, Hypotonie, Atemdepression - Hinweise auf Halluzinogene?
→ Tachykardie, Wahrnehmungsveränderung, Halluzinationen - Hinweise auf neue psychotische Substanzen?
→ Symptome entsprechen je nach Substanz derer von Uppers, Downers oder halluzinogenen Drogen
- Hinweise auf Uppers?
- A (Allergien, Infektionen): Gibt es Hinweise auf Allergien oder Infektionen?
- M (Medikation):
- Chronische Opioid- oder Psychopharmakaeinnahme?
- Substitutionsmedikamente (Methadon, Buprenorphin)?
- P (Patientengeschichte):
- Chronischer Alkoholmissbrauch?
- Psychiatrische Erkrankungen?
- Sonstiger Abusus?
- Drogenabusus
- L (Letzte…):
- Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme?
- Einnahme der Medikation?
- Wenn ermittelbar → Einnahmezeitpunkt der ursächlichen Substanz
- E (Ereignis):
- Was wurde eingenommen?
- Wann erfolgte die Einnahme?
- Welche Menge wurde eingenommen?
- Wie erfolgte die Aufnahme?
- Warum erfolgte die Aufnahme?
- R (Risiko): Polytoxikomanie (Mischkonsum mit Alkohol, Benzodiazepinen, anderen Drogen)
- S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patientinnen
TippNutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Intoxikation mit Drogen abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
| Substanzgruppe | Inspektion | Palpation | Perkussion | Auskultation |
|---|---|---|---|---|
| Uppers |
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| Downers |
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| Halluzinogene |
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Vitalparameter
| Parameter | Downers | Uppers | Halluzinogene |
|---|---|---|---|
| Herzfrequenz | Häufig Bradykardie, bei ausgeprägter Hypoxie ggf. Rhythmusstörungen | Meist Tachykardie, häufig auch Tachyarrhythmien | Meist Tachykardie, gelegentlich Rhythmusstörungen |
| Blutdruck | Meist Hypotonie, bei Mischintoxikationen häufig stärker ausgeprägt | Meist Hypertonie, bei Erschöpfung oder schweren Verläufen ggf. Hypotonie | Normal bis leicht erhöht, gelegentlich Blutdruckschwankungen |
| Atemfrequenz | Bradypnoe bis Apnoe infolge Atemdepression | Meist normal bis erhöht, bei Agitation häufig Tachypnoe | Meist normal, gelegentlich Hyperventilation bei Angst oder Panik |
| Körpertemperatur | Häufig Hypothermie, insbesondere bei längerer Immobilisation | Häufig Hyperthermie durch gesteigerten Stoffwechsel und Muskelaktivität | Meist normal, bei schweren Verläufen oder Agitation Hyperthermie möglich |
| Sauerstoffsättigung (SpO₂) | Meist vermindert, bei schwerer Atemdepression ausgeprägte Hypoxämie | Meist normal, bei Hyperthermie oder Krampfanfällen ggf. vermindert | Meist normal, Hypoxie selten |
| etCO₂ | Erhöht (Hyperkapnie) infolge Hypoventilation | Häufig erniedrigt durch Hyperventilation | Meist normal, bei Hyperventilation ggf. erniedrigt |
| Blutzucker | Meist normwertig, bei Alkohol-Mischintoxikation Hypoglykämie möglich | Meist leicht erhöht durch Katecholaminfreisetzung | Meist normwertig |
Orientierende neurologische Untersuchung
InfoDie orientierende neurologische Untersuchung dient der raschen Beurteilung von Bewusstseinslage, Pupillenreaktion, Motorik, Reflexstatus und Krampfaktivität. Ziel ist die Unterscheidung zwischen einer Drogenintoxikation und einer primär neurologischen Ursache (z.B. Schlaganfall oder intrakranielle Blutung).
- Downers (Sedativa, Opioide): typisch sind Vigilanzminderung bis zum Koma, Miosis (v.a. bei Opioiden), verminderter Muskeltonus, abgeschwächte Reflexe sowie fehlende fokalneurologische Defizite
- Uppers (Psychostimulanzien): typisch sind Hypervigilanz, psychomotorische Erregung, Mydriasis, Tremor, Hyperreflexie sowie eine erhöhte Krampfbereitschaft
- Halluzinogene: typisch sind meist erhaltene Vigilanz mit Bewusstseins- und Wahrnehmungsveränderungen, Mydriasis, variable motorische Auffälligkeiten sowie fehlende fokalneurologische Defizite
Weiterführende apparative Diagnostik
- 12-Kanal-EKG: Erkennung drogenbedingter Herzrhythmusstörungen, Leitungsstörungen und Ischämiezeichen sowie Ausschluss kardialer Differenzialdiagnosen
- Uppers: meist Tachykardie, Tachyarrhythmien, QT-Zeit-Verlängerung (vor allem bei Mischintoxikationen oder zusätzlicher Einnahme QT-verlängernder Medikamente) sowie ggf. ST-Strecken-Veränderungen als Hinweis auf eine Myokardischämie
- Downers: häufig Bradykardie; Rhythmusstörungen sind insgesamt seltener. Methadon kann eine QT-Zeit-Verlängerung verursachen
- Halluzinogene: meist Sinustachykardie, schwerwiegende EKG-Veränderungen oder Arrhythmien sind selten
- Neue psychoaktive Substanzen (NPS): variable EKG-Veränderungen bis zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
MerkeDie elektrophysiologischen Effekte hängen stark von der Substanz, Dosis, Mischkonsum und individuellen Risikofaktoren ab. Ein 12-Kanal-EKG ist bei Verdacht auf Intoxikation unverzichtbar.
Je nach EKG-Muster können Rückschlüsse auf die konsumierte Droge gezogen werden.
InfoDie dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
MerkeDie primären Maßnahmen bei einer Intoxikation mit Drogen im Rettungsdienst sind die Sicherstellung einer ausreichenden Atmung, Stabilisierung des Kreislaufs sowie ggf. die gezielte Therapie durch Antidote.
Basismaßnahmen
- Lagerung:
- Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
- Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit erhaltener Spontanatmung: Seitenlage zur Aspirationsprophylaxe, alternativ Rückenlage bei kontinuierlicher Atemwegsüberwachung und Absaugbereitschaft.
- Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit respiratorischer Insuffizienz: Rückenlage mit konsequentem Atemwegsmanagement
- Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck, Atemfrequenz und Kapnometrie
- Reizarme Umgebung und psychische Betreuung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung („Talking down“) zur Angstreduktion und Deeskalation, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen
- Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Medikamentengabe (z.B. Naloxon) sowie bei Bedarf zur Volumen- und Kreislauftherapie
- Atemwegsmanagement und Sauerstofftherapie:
- Freihalten der Atemwege und bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie oder Atemdepression
- Frühzeitige Beutel-Masken-Beatmung bei unzureichender Spontanatmung, ggf. eskalierende Atemwegssicherung
- Komplikationen erkennen: Persistierende Atemdepression, Aspirationsereignis, Mischintoxikationen, Hyperthermie oder Krampfanfälle frühzeitig erkennen und behandeln
- Zielklinik: nach Stabilisierung Transport in eine geeignete Klinik. Bei persistierender Atemdepression, wiederholter Antidotgaben oder Verdacht auf langwirksame Benzodiazepine bzw. Mischintoxikationen Intensivüberwachung
Spezifische Maßnahmen
Intoxikation mit Uppers und halluzinogenen Drogen:
MerkeDas Ziel der Behandlung ist die Dämpfung der sympathomimetischen Überstimulation und die Verhinderung von Komplikationen (z.B. Krampfanfälle, Hyperthermie).
- Agitation, Unruhe oder Psychosen: Gabe eines Benzodiazepins, z.B. Lorazepam 1 mg oral/bukkal. Antipsychotika, z.B. Haloperidol 5 mg i.m. nur bei unzureichender Wirkung der Benzodiazepine und zurückhaltend dosiert.
- Hypertensive Entgleisung: Blutdrucksenkung, z.B. mit Urapidil 5-10 mg i.v. titriert, max. 50 mg oder Calciumantagonisten entsprechend der klinischen Situation. Betablocker sollen bei Kokain- oder Amphetaminintoxikation nicht als Monotherapie eingesetzt werden, da eine unopponierte α-Rezeptor-Stimulation eine Vasokonstriktion und Myokardischämie verstärken kann
- Tachykardie und Herzrhythmusstörungen: symptomorientierte Behandlung entsprechend dem EKG-Befund. β₁-selektive Betablocker, z. B. Metoprolol 2,5 mg i.v. titiriert, max. 15 mg nur in Kombination mit einem Vasodilatator; bei relevanten Arrhythmien ggf. Amiodaron.
- Hyperthermie: Frühzeitige aktive Kühlung (z.B. Kühlpacks in die Leiste und Achseln). Antipyretika sind nicht wirksam, da die Hyperthermie nicht durch eine Sollwertverstellung des Hypothalamus verursacht wird
- Volumenmanagement: bedarfsgerechte Volumentherapie mit balancierten Vollelektrolytlösungen entsprechend der hämodynamischen Situation
- Krampfanfälle: Behandlung mit einem Benzodiazepin, z.B. Midazolam 5-10 mg i.v.
Achtung„Unopposed alpha effect“ bei Intoxikation mit Kokain
- Kokain hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und führt dadurch zu einer ausgeprägten Sympathikusaktivierung
- Werden zusätzlich reine β-Blocker (z.B. Metoprolol) verabreicht, entfällt die β₂-vermittelte Vasodilatation, während die α₁-vermittelte Vasokonstriktion ungebremst bestehen bleibt („Unopposed Alpha Effect“).
- Mögliche Folgen: ausgeprägte Vasospasmen, hypertensive Krise, Koronarspasmen sowie Myokard- oder zerebrale Ischämien.
- Daher sollten bei Kokainintoxikationen keine reinen β-Blocker eingesetzt werden. Bevorzugt werden α-blockierende oder kombinierte α/β-blockierende Substanzen (z.B. Urapidil oder Labetalol)
Intoxikation mit Downers
MerkeDas Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung der Vitalfunktionen, Sicherstellen einer ausreichenden Atmung und ggf. die Gabe von Antidoten.
- Volumenmanagement: bedarfsgerechte Volumentherapie mit balancierten Vollelektrolytlösungen entsprechend der hämodynamischen Situation
- Aktivkohle bei oraler Einnahme des Toxins erwägen: Frühzeitige Gabe von Aktivkohle Erwachsene: 50-100 g oral, Kinder: 1 g/kgKG, max. 50 g (bei geeigneter Indikation und erhaltener Schutzreflexe bzw. nach Intubation) zur Verminderung der gastrointestinalen Wirkstoffresorption
- Antidottherapie:
- Benzodiazepinen und Z-Substanzen: Flumazenil Erwachsene: initial 0,2 mg i.v., Wiederholung mit 0,1 mg i.v. alle 60 Sekunden bis ausreichende Wirkung, max. 1 mg, Kinder: initial 0,01 mg/kgKG, Wiederholung alle 45 Sekunden bis gewünschte Wirkung, max. 0,05 mg/kgKG kann als spezifisches Antidot zur Aufhebung der Wirkung von Benzodiazepinen eingesetzt werden
- Opioidintoxikation:
- Vital bedrohte Patient:innen, vordergründig Atemdepression oder Apnoephasen: titrierte Gabe von Naloxon Erwachsene: 0,1 mg i.v. oder 0,4-0,8 mg i.m. oder 2 mg i.n., Wiederholung alle 3 Minuten bis ausreichende Spontanatmung vorhanden, Kinder: 0,01 mg/kgKG i.v. oder i.m.
- Bei Reanimation: Bolusgabe von Naloxon Erwachsene: 0,4 mg i.v oder 0,8 mg i.m., Wiederholung alle 3 Minuten bis gewünschter Effekt, Kinder: 0,01-0,02 mg/kgKG
„K.o.-Tropfen“
GHB und Ketamin werden häufig als sogenannte K.-o.-Tropfen missbraucht. Kommt es in diesem Zusammenhang zu einem Einsatz für den Rettungsdienst, sind besondere Aspekte zu beachten:
- Nach Absprache und Einverständnis der Patient:innen → Hinzuziehen der Polizei bei dem Verdacht auf Einsatz von K.o.-Tropfen
- Eine zeitnahe Übergabe in der Klinik ist entscheidend, da die Nachweisbarkeit der Substanz im Blut oder Urin nur für wenige Stunden gegeben ist
Situative Hinweise für den Einsatz von K.-o.-Tropfen:
- Umfeld, oft auf Partys oder im Club
- Keine Erinnerung an die letzten Minuten oder Stunden
- Offenes Getränk wurde konsumiert
- Fremdanamnese auffällig: „Sie war ganz plötzlich weg“, „war erst nur leicht betrunken“
AchtungDer Rettungsdienst trägt hier eine besondere Verantwortung, sowohl medizinisch als auch im Hinblick auf den Schutz der Patient:innen.
Zielklinik
Grundsätzlich richtet sich die Wahl der Zielklinik nach dem klinischen Schweregrad, der Art der Intoxikation, dem Vorliegen von Bewusstseinsstörungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Krampfanfällen, Hyperthermie sowie dem Verdacht auf eine Mischintoxikation oder weitere Komplikationen.
- Leichte Drogenintoxikation: Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung, bei anhaltenden Symptomen stationäre Überwachung
- Schwere Drogenintoxikation: Klinik mit Intensivmedizin, insbesondere bei Atemwegsgefährdung, respiratorischer Insuffizienz, anhaltender Bewusstseinsstörung, Hyperthermie oder notwendiger Beatmung
- Mischintoxikation oder Komplikationen: Krankenhaus mit intensivmedizinischer Versorgung
Transportbegleitende Maßnahmen
- Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Vigilanz, Kapnometrie sowie Blutzucker
- Lagerung:
- Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
- Respiratorische Insuffizienz: Rückenlage mit Atemwegsmanagement und Beatmung.
- Sauerstofftherapie: Bedarfsgerechte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie, respiratorischer Insuffizienz oder erhöhtem Sauerstoffbedarf
- Atemwegsmanagement: Freihalten der Atemwege, Absaugbereitschaft sowie ggf. Beutel-Masken-Beatmung oder Atemwegssicherung
- Volumentherapie: Fortführung einer bedarfsgerechten Volumentherapie entsprechend der hämodynamischen Situation
- Hyperthermie: Fortführung aktiver Kühlmaßnahmen während des Transports
- Reizarme Umgebung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen.
- Dokumentation: Erfassung der vermuteten Substanz (falls bekannt), des Applikationswegs, Zeitpunkts der Einnahme, verabreichter Medikamente einschließlich Wirkung, Vitalparameter sowie sämtlicher präklinischer Maßnahmen
Übergabe in der Klinik
- Strukturierte Übergabe nach standardisiertem Schema, z.B. SINNHAFT oder ISOBAR
- Übergabe relevanter Informationen zu:
- Vermuteter oder gesicherter Drogenaufnahme (Substanz, Applikationsweg, Menge)
- Zeitpunkt der Einnahme bzw. Auffindesituation
- Initialem neurologischen, respiratorischen und hämodynamischen Status
- Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, etCO₂, Blutzucker und weiteren Vitalparametern
- Durchgeführten Maßnahmen (z. B. Sauerstoffgabe, Beatmung, Atemwegssicherung, Aktivkohle, Benzodiazepine, Kühlung oder Antidote) einschließlich deren Wirkung
- Verdacht auf Mischintoxikation, Begleiterkrankungen oder Trauma
- Verdacht auf Komplikationen: Hinweise auf Krampfanfälle, Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Myokardischämie, Rhabdomyolyse, Aspiration, respiratorische Insuffizienz oder hämodynamische Instabilität ausdrücklich kommunizieren
- Hochrisikopatient:innen: Bei notwendiger Beatmung, persistierender Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen, schwerer Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Mischintoxikation oder intensivpflichtigem Verlauf frühzeitige Übergabe an das zuständige Schockraum- bzw. Intensivteam
Definition
DefinitionDrogenintoxikation
Eine Drogenintoxikation entsteht durch die Aufnahme psychoaktiver Substanzen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) und weitere Organsysteme beeinflussen. Die Aufnahme kann oral, intravenös, inhalativ oder über andere Applikationswege erfolgen.
Abhängig von Substanz, Dosis und Begleitfaktoren reicht das klinische Bild von leichten Bewusstseinsveränderungen bis zu lebensbedrohlichen Störungen der Atmung, des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralnervensystems, die eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erforderlich machen.
- Downers (Sedativa): Verstärken die hemmende Neurotransmission und führen zu Sedierung, Bewusstseinsstörungen sowie bei Überdosierung zu Atemdepression
- Halluzinogene: Verändern die Wahrnehmung und das Bewusstsein durch eine Modulation serotonerger Signalwege. Typisch sind Halluzinationen, Ich-Störungen und „Bad Trips“
- Neue psychoaktive Substanzen (NPS): Chemisch veränderte Derivate klassischer Drogen mit stimulierender, sedierender oder halluzinogener Wirkung. Aufgrund ihrer unvorhersehbaren Zusammensetzung und Potenz besteht ein hohes Risiko schwerer Intoxikationen
Ursachen
- Akzidenteller Konsum: unbeabsichtigte Einnahme zu hoher Dosen, beispielsweise durch Dosierungsfehler oder unkontrollierten Tabletten- bzw. Pulverkonsum
- Gewollter Konsum (Rauschkonsum): bewusste Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erzielung einer berauschenden oder leistungssteigernden Wirkung. Fehlende Erfahrung, hohe Dosierungen oder unbekannter Wirkstoffgehalt können zu einer Intoxikation führen
- Schwankender Wirkstoffgehalt: Vor allem bei illegalen Drogen (z. B. Heroin, Ecstasy oder neuen psychoaktiven Substanzen [NPS]) kann der Wirkstoffgehalt stark variieren, sodass bereits geringe Mengen toxisch wirken können
- Mischintoxikationen: Die gleichzeitige Einnahme mehrerer psychoaktiver Substanzen (z.B. Benzodiazepine und Alkohol oder Opioide und Stimulanzien) verstärkt die toxischen Wirkungen und erhöht das Risiko schwerer Atem- und Kreislaufstörungen
- Therapiebedingte Intoxikation: Überdosierungen durch fehlerhafte Selbstmedikation oder unsachgemäße Anwendung verschriebener Medikamente wie Benzodiazepine, Opioide oder Sedativa
- Suizidale Intoxikation: Gezielte Einnahme hoher Dosen, insbesondere von Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmitteln, häufig im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen
Pathophysiologie
| Substanzklasse | Haupttransmittersystem | Grundmechanismus | Zentrale Folgen | Vegetative Folgen |
|---|---|---|---|---|
| Uppers (Stimulanzien) | Dopamin, Noradrenalin, Serotonin | Verstärkte exzitatorische Neurotransmission | Agitation, Halluzinationen, Psychosen, Krampfanfälle | Tachykardie, Hypertonie, Hyperthermie |
| Downers (Sedativa) | GABA, Endocannabinoid-System | Verstärkte inhibitorische Neurotransmission | Sedierung, Bewusstseinsstörung bis Koma | Atemdepression, Bradykardie, Hypotonie |
| Halluzinogene | Serotonin (5-HT₂A), Glutamat (NMDA), Dopamin | Gestörte sensorische Signalverarbeitung | Halluzinationen, Ich-Störungen, Depersonalisation | Mydriasis, Tachykardie, Hypertonie |
| Neue psychoaktive Substanzen (NPS) | Variabel | Variable Rezeptoraktivierung | Je nach Substanz Agitation, Psychosen oder Sedierung | Tachyarrhythmien, Hyperthermie oder Atemdepression |
Klinischer Eindruck
Downers (Sedativa, Hypnotika, Opioide, GHB/GBL):
- Bewusstseinsstörung: Sedierung mit Benommenheit, Somnolenz, Sopor bis Koma, verlangsamter Reaktion und verminderter Vigilanz
- Atemdepression: Bradypnoe, Hypoventilation bis zum Atemstillstand, insbesondere bei Mischintoxikationen
- Bradykardie und Hypotonie: Folge der zentralen und peripheren Dämpfung bis zum Kreislaufversagen
- Motorische Auffälligkeiten: Muskelrelaxation, Ataxie, Koordinationsstörungen und erhöhtes Sturzrisiko
- Pupillen: Meist Miosis (v.a. bei Opioiden), bei Benzodiazepinen häufig unauffällig
Uppers (Psychostimulanzien, Amphetamine, Kokain, MDMA):
- Psychomotorische Erregung: Unruhe, Hypervigilanz, Agitation, Angst sowie paranoide oder halluzinatorische Intoxikationspsychosen
- Herz-Kreislauf-System: Tachykardie, arterielle Hypertonie, Vasokonstriktion und Hyperthermie
- Neurologische Auffälligkeiten: Tremor, Hyperreflexie, motorische Unruhe bis zu Krampfanfällen
- Pupillen: Typischerweise Mydriasis
- Vegetative Symptome: starkes Schwitzen, Kieferpressen (v. a. bei MDMA), Dehydratation sowie Hyponatriämie durch ADH-Stimulation
Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Ketamin):
- Wahrnehmungsstörungen: optische und akustische Halluzinationen, veränderte Zeit-Raum-Wahrnehmung, Ich-Störungen und Depersonalisation
- Psychische Auffälligkeiten: Panik, Angst, Paranoia, Kontrollverlust und sogenannte „Bad Trips“
- Herz-Kreislauf-System: häufig Tachykardie, Mydriasis sowie Hyper- oder Hypotonie
- Vegetative Symptome: gelegentlich Schwitzen, Schwindel und Übelkeit
- Bewusstseinslage: meist erhalten, der Realitätsbezug kann jedoch unterschiedlich stark eingeschränkt sein
Diagnostik
| Substanzgruppe | Inspektion | Palpation | Perkussion | Auskultation |
|---|---|---|---|---|
| Uppers |
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| Downers |
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| Halluzinogene |
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Therapie
Basismaßnahmen:
- Lagerung:
- Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
- Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit erhaltener Spontanatmung: Seitenlage zur Aspirationsprophylaxe, alternativ Rückenlage bei kontinuierlicher Atemwegsüberwachung und Absaugbereitschaft.
- Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit respiratorischer Insuffizienz: Rückenlage mit konsequentem Atemwegsmanagement
- Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck, Atemfrequenz und Kapnometrie
- Reizarme Umgebung und psychische Betreuung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung („Talking down“) zur Angstreduktion und Deeskalation, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen
- Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Medikamentengabe (z.B. Naloxon) sowie bei Bedarf zur Volumen- und Kreislauftherapie
- Atemwegsmanagement und Sauerstofftherapie:
- Freihalten der Atemwege und bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie oder Atemdepression
- Frühzeitige Beutel-Masken-Beatmung bei unzureichender Spontanatmung, ggf. eskalierende Atemwegssicherung
- Komplikationen erkennen: Persistierende Atemdepression, Aspirationsereignis, Mischintoxikationen, Hyperthermie oder Krampfanfälle frühzeitig erkennen und behandeln
- Zielklinik: nach Stabilisierung Transport in eine geeignete Klinik. Bei persistierender Atemdepression, wiederholter Antidotgaben oder Verdacht auf langwirksame Benzodiazepine bzw. Mischintoxikationen Intensivüberwachung
Spezifische Maßnahmen:
- Die Therapie erfolgt symptomorientiert und richtet sich nach der Substanzgruppe sowie den Vitalfunktionen
- Benzodiazepine sind die Medikamente der ersten Wahl bei Agitation, Psychosen und Krampfanfällen infolge einer Intoxikation mit Psychostimulanzien oder Halluzinogenen
- Bei Downer-Intoxikationen stehen die Sicherung der Atemwege und die Behandlung der Atemdepression im Vordergrund. Naloxon (Opioide) und Flumazenil (Benzodiazepine) können in ausgewählten Situationen als spezifische Antidote eingesetzt werden
Besondere Situationen
- GHB/GBL und Ketamin werden häufig als K.-o.-Tropfen missbraucht. Bei entsprechendem Verdacht ist ein zeitnaher Transport in die Klinik wichtig, da der Nachweis der Substanzen nur für wenige Stunden möglich ist
- Typische Hinweise sind plötzlich einsetzende Bewusstseinsstörungen, Erinnerungslücken (Amnesie) sowie der Konsum eines unbeaufsichtigten Getränks
Transport
Grundsätzlich richtet sich die Wahl der Zielklinik nach dem klinischen Schweregrad, der Art der Intoxikation, dem Vorliegen von Bewusstseinsstörungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Krampfanfällen, Hyperthermie sowie dem Verdacht auf eine Mischintoxikation oder weitere Komplikationen.
- Leichte Drogenintoxikation: Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung, bei anhaltenden Symptomen stationäre Überwachung
- Schwere Drogenintoxikation: Klinik mit Intensivmedizin, insbesondere bei Atemwegsgefährdung, respiratorischer Insuffizienz, anhaltender Bewusstseinsstörung, Hyperthermie oder notwendiger Beatmung
- Mischintoxikation oder Komplikationen: Krankenhaus mit intensivmedizinischer Versorgung
TippWenn ihr mehr Informationen und weitere therapeutische Maßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus dem klinischen Bereich.
- Leitsymptom: Vigilanzminderung
- Vergiftungen mit Drogen, Notfallsanitäter. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2023. ISBN: 978-3-13-242121-9
- Drogennotfälle bei Kindern und Jugendlichen – ein Update, Notfallmedizin up2date 2023; 18(02): 197 - 214
- Das Drogentaschenbuch, Scherbaum N, 7. unveränderte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2024. ISBN 978-3-13-245673-0

















