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Intoxikation mit Drogen (RD)

Überdosierung mit Drogen
53 Minuten Lesezeit

Die Intoxikation mit Drogen stellt im rettungsdienstlichen Alltag ein potenziell lebensbedrohliches Einsatzbild dar. Je nach Substanzklasse, Konsummenge und Applikationsform fällt das klinische Bild sehr unterschiedlich aus. Besonders gefährlich sind Mischintoxikationen. 

Grundsätzlich lassen sich Drogen in vier große Gruppen einteilen:

  • Uppers (Stimulanzien)
  • Downers (Sedativa)
  • Halluzinogene Drogen
  • Neue psychoaktive Substanzen (NPS)

Häufige Ursachen für Intoxikationen sind Überdosierungen bei Drogenabhängigkeit, Mischkonsum, unsachgemäßer Gebrauch, psychische Krisen oder Vorsatz durch Dritte, z.B. beim Einsatz von K.-o.-Tropfen.

Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen zählen die Sicherung der Atmung, die Kreislaufstabilisierung und, wenn möglich, die Gabe eines geeigneten Antidots. Dabei gilt es, lebensbedrohliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Um den Einstieg in das Thema Intoxikation mit Drogen etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario 

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Krampfanfall
  • Ort: Öffentlicher Raum
  • Alarmzeit: 02:10 Uhr
  • Anrufer:in: Freunde
  • Anzahl der Betroffenen: 1
  • Zusatzinfo:
    • Männlich, 21 Jahre alt
    • Verdacht auf Drogenkonsum
    • Die Polizei ist ebenfalls alarmiert 

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes liegt der Patient reglos auf dem Boden.

Die Lage ist wie folgt:

  • Der Patient ist auf laute Ansprache erweckbar, wirkt jedoch deutlich somnolent
  • Der Körper fühlt sich stark überwärmt an
  • Die Atemkontrolle zeigt eine regelmäßige Atemfrequenz von 25/min
  • Die Pupillen sind beidseits weit (Mydriasis)
  • Die Begleitpersonen berichten, der Patient habe Alkohol sowie zwei Ecstasy-Tabletten (MDMA) konsumiert
  • Auf dem Heimweg sei der Patient plötzlich kollabiert und habe anschließend einen generalisierten Krampfanfall erlitten. Daraufhin wurde der Rettungsdienst alarmiert
  • Äußere Verletzungen sind bei der Erstuntersuchung nicht erkennbar

Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema

Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer Intoxikation mit Drogen aussehen könnte.

Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.

x

  • Keine lebensbedrohliche, äußere Blutung sichtbar

 

A

  • Atemwege frei
  • Schleimhäute rosig
  • Patient ist bedingt ansprechbar

Kein
A-Problem

B

  • Inspektorisch:
    • Thoraxexkursion beidseits physiologisch
    • Keine Halsvenenstauung sichtbar
    • Regelmäßige Atmung, 25/min
  • Auskultatorisch:
    • Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
  • Palpatorisch:
    • Thorax insgesamt stabil
  • SpO2: 94 %

Kein
B-Problem

C

  • Hautkolorit rosig
  • Rekap-Zeit: 2 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses an der A. radialis nicht tastbar
  • Zentraler Puls:
    • Rhytmisch
    • Mäßig tastbar
    • Tachykardie, 157/min

Akutes
C-Problem

D

  • Auf laute Ansprache erweckbar
  • Z.n. Krampfanfall
  • GCS 12
    • Öffnen der Augen: 3
    • Beste verbale Reaktion: 4
    • Beste motorische Reaktion: 5
  • Pupillenkontrolle:
    • Mydriasis
    • Schwache Lichtreaktion

Mittelbares
D-Problem

E

  • Keine weiteren Verletzungen sichtbar
  • Temperatur: 40,1 °C
  • Symptome:
    • Tachykardie
    • Hyperthermie
    • Z.n. Krampfanfall
  • Allergien / Infektionen: Unbekannt
  • Medikamente: Keine
  • Patientengeschichte: Unbekannt
  • Letzte Mahlzeit: Unbekannt
  • Ereignis: Drogenkonsum, Ecstasy
  • Risikofaktoren: Mischkonsum mit Alkohol 

Akutes 
E-Problem

 Achtung

Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.

 Definition
Drogenintoxikation

Eine Drogenintoxikation entsteht durch die Aufnahme psychoaktiver Substanzen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) und weitere Organsysteme beeinflussen. Die Aufnahme kann oral, intravenös, inhalativ oder über andere Applikationswege erfolgen. 

Abhängig von Substanz, Dosis und Begleitfaktoren reicht das klinische Bild von leichten Bewusstseinsveränderungen bis zu lebensbedrohlichen Störungen der Atmung, des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralnervensystems, die eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erforderlich machen.

Uppers (Stimulanzien)

Stimulanzien steigern die Aktivität des zentralen Nervensystems, indem sie die Freisetzung von Dopamin, Noradrenalin und teilweise Serotonin erhöhen sowie deren Wiederaufnahme hemmen. Typische Wirkungen sind Euphorie, gesteigerte Wachheit, vermehrter Antrieb, Tachykardie, Hypertonie und psychomotorische Unruhe. Zu den häufigsten Vertretern zählen Amphetamin, Methamphetamin, MDMA (Ecstasy) und Kokain.

Downers (Sedativa)

Sedativa vermindern die neuronale Erregbarkeit durch eine Verstärkung der GABAA-vermittelten Signalübertragung. Sie wirken angstlösend, beruhigend, schlaffördernd und in höheren Dosierungen hypnotisch oder anästhetisch. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Benzodiazepine, Barbiturate, Propofol und Clomethiazol. Schwere Intoxikationen können zu Atemdepression, Bewusstseinsstörungen und – insbesondere bei Mischintoxikationen – zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

 Info

Upper sind mit einer erhöhten Aktivität (up = engl. hoch, oben, auf), Downers mit einer gedämpfen Aktivität (down = engl. tief, herunter) assoziiert.

Halluzinogene

Halluzinogene verändern die Wahrnehmung, das Denken und die Stimmung vorwiegend durch eine Aktivierung von 5-HT₂A-Rezeptoren sowie teilweise durch eine dopaminerge Wirkung. Typisch sind optische und akustische Halluzinationen, Ich-Störungen, Depersonalisation sowie eine gestörte Zeit- und Raumwahrnehmung. Akut können „Bad Trips“ mit Panik oder paranoiden Wahnvorstellungen auftreten. Auch Flashbacks oder eine Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD) sind möglich.

Neue psychoaktive Substanzen (NPS)

Neue psychoaktive Substanzen (NPS) sind synthetische oder halbsynthetische Drogen, deren Wirkung klassischen Substanzen ähnelt. Hierzu zählen etwa synthetische Cathinone, synthetische Cannabinoide und Design-Benzodiazepine. Je nach Wirkstoff können sie stimulierend, sedierend oder halluzinogen wirken. Aufgrund ihrer hohen Potenz, unvorhersehbaren Zusammensetzung und der häufig fehlenden Standardanalytik besteht ein hohes Risiko schwerer Intoxikationen. Viele dieser Substanzen unterliegen inzwischen dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG).

SubstanzBeispiele für SzenenamenBeschreibungKonsumformenAussehen 
Amphetamine
(Speed, Pep)
  • Peppers
  • Vitamin A
  • Weißes Pulver in kristalliner Form
  • Amphetamin ist ein synthetisch hergestelltes Sympathomimetikum, welches dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegt
  • Erzeugt ein euphorisches Hochgefühl
  • Hohe Gefahr der psychischen Abhängigkeit
  • Überwiegend durch Schniefen (durch die Nase geschnupft)
  • Rauchen
  • Einreiben der Mundschleimhaut

 

 

Amphetaminderivat 
(Ecstasy, XTC, E)
  • Oft nach dem Prägemotiv auf der Tablette benannt, z.B. Smiley
  • Cadillac
  • Emma
  • Molly (Pulver)
  • Meist: bunte Pillen mit unterschiedlichen Logos
  • Selten: kristallines Pulver
  • Ecstasy ist ein Substanzgemisch. Hauptwirkstoff ist MDMA (Methylendioxy-N-Methylamphetamin) oder dessen Derivate
  • Erzeugt ein euphorisches Hochgefühl
  • Wirkung unvorhersehbar, aufgrund wechselnder Inhaltsstoffe
  • Hohe Gefahr der psychischen Abhängigkeit
  • Überwiegend orale Aufnahme als Tablette
  • Pulver:
    • Aufgelöst in Getränken
    • „Dippen“ (mit einem angefeuchteten Finger aufnehmen und oral einnehmen)
Methamphetamin 
(Crystal Meth)
  • Glass
  • Ice
  • Hard Pep
  • Yaba
  • Piko
  • Kristallines Pulver (in Form von Kristallen)
  • Methamphetamin ist ein Abkömmling des Amphetamins
  • Es führt zu einem Gefühl der Unbesiegbarkeit sowie einer Unterdrückung von Müdigkeit und Hungergefühl
  • Führt zu sehr schneller psychischen Abhängigkeit
  • Überwiegend durch Schniefen (durch die Nase geschnupft)
  • Häufig geraucht (meist in einer Pfeife)
  • Orale Aufnahme 
Kokain und Crack
  • Kokain:
    • Schnee
    • Koks
  • Crack:
    • Steine
    • Cracker
    • Rocks
  • Kokain:
    • Weißes Pulver
    • Alkaloid des Kokastrauchs
  • Crack:
    • Mischung aus Kokainsalz und Natron
    • Weiß-gelbliche Kristalle
  • Beide Substanzen wirken zentral und kardial stimulierend, indem sie die Freisetzung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin steigern
  • Führt zu Euphorie, einer übersteigerten Selbsteinschätzung und einem beeinträchtigten Urteilsvermögen
  • Hohe Gefahr der psychischen Abhängigkeit
  • Kokain:
    • Überwiegend durch Schniefen (durch die Nase geschnupft)
    • Einreiben der Mundschleimhaut
  • Crack:
    • Rauchen (nach Erhitzen auf einer Alufolie)

 

 

 Achtung

Szenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

SubstanzBeispiele für SzenenamenBeschreibungKonsumformenAussehen 
Benzodiazepine und Z-Substanzen
  • Roofies
  • Flunies
  • Benzodiazepine und Z-Drugs gehören zu den verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln
  • Beispielhafte Wirkstoffe Benzodiazepine:
    • Diazepam, Midazolam
  • Wirkstoffe Z-Substanzen:
    • (Es-)Zopiclon, Zolpidem
  • Sedierend, krampflösend, angstlösend
  • Hohes Suchtpotenzial bei Wirkstoffen mit schneller Anflutung im ZNS
  • Überwiegend orale Aufnahme als Tablette
  • Aufgelöst in Getränken

 

Heroin
  • Brown Sugar
  • Teer (für dunkles, klebriges Heroin – „Black Tar Heroin“)
  • Körniges Pulver, Farbe variiert von braun bis weiß
  • Heroin und Diamorphin (sowie Methadon) sind halbsynthetische Derivate des Morphins
  • Stark analgetisch und sedierend
  • Sehr hohes Suchtpotenzial (sowohl körperlich als auch psychisch)
  • Methadon ist bereits in kleinen Mengen (1–2 Tabletten) für Kleinkinder potenziell tödlich
  • Überwiegend intravenöse Aufnahme
  • Inhalative Aufnahme (nach Erhitzen auf Alufolie)
Tetrahydro-cannabinol
(THC, Cannabis)
  • Dope
  • Hasch
  • Gras
  • Shit
  • Bubatz
  • Jibbet

 

  • Wirkstoff THC stammt aus der Hanfpflanze Cannabis sativa
  • Wirkstoffgehalt variiert je nach Sorte und Anbaubedingungen
  • Marihuana:
    • Getrocknete Blüten und Blätter
  • Haschisch:
    • Harz der weiblichen Cannabispflanze
  • Führt zu Euphorie, Entspannung und veränderter Sinneswahrnehmung (z.B. Zeit, Geräusche, Farben)
  • Kann das Auftreten psychotischer Symptome begünstigen
  • Bei regelmäßigem Konsum besteht ein Risiko für psychische und körperliche Abhängigkeit
  • Marihuana
    • Hauptsächlich geraucht (z. B. in Joints)
    • Seltener als Tee zubereitet
  • Haschisch:
  • Häufig geraucht, z.B. in einer Pfeife
  • Gelegentlich oral konsumiert
  • Cannabisprodukte sind auch in Form synthetischer Cannabinoide erhältlich
Hydroxy-butansäure
(GHB, Liquid Ecstasy)
  • Liquid X
  • G-Juice
  • Soap

     

  • Synthetisches Narkotikum (Handelsname: Somsanit BtmG)
  • Farblose, manchmal leicht gelbliche oder trübe Flüssigkeit
  • In niedriger Dosierung stimulierend wirksam
  • In hohen Dosierungen → dämpfend
  • Erzeugt Euphorie und Entspannung, häufig als Partydroge konsumiert
  • Kann eine anterograde Amnesie verursachen, bekannt als sogenannte K.o.-Tropfen“
  • Hohes Risiko für Atem- und Kreislaufstillstand, insb. bei Überdosierung oder Mischkonsum mit anderen ZNS-dämpfenden Substanzen (wie z.B. Alkohol)
  • Bei regelmäßigem Gebrauch besteht eine erhebliche Gefahr der körperlichen und psychischen Abhängigkeit
  • Orale Aufnahme (in Getränken)
  • Häufig als Mischkonsum in alkoholischen Getränken 

 

 

 

 

 

 

 Achtung

Szenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

SubstanzBeispiele für SzenenamenBeschreibungKonsumformenAussehen 
Lysergsäure-diethylamid
(LSD, Acid)
  • Cubes
  • Deep Purple
  • Löschpapier
  • Papers
  • Mikros
  • Trips

 

  • Mit Lösung getränktes, bunt bedrucktes Papier
  • Halbsynthetische Substanz, chemisch verwandt mit Serotonin
  • Wird aus Lysergsäure gewonnen, einem Alkaloid des Mutterkornpilzes (Claviceps purpurea)
  • Kann intensive Wahrnehmungsveränderungen bis hin zu „Horrortrips“ und im Einzelfall auch anhaltende psychotische Zustände („Hängenbleiben“) auslösen
  • Geringes körperliches Suchtpotenzial, psychische Risiken bestehen jedoch insbesondere bei vorbelasteten Personen
  • Orale Aufnahme (mit Lösung getränktes, bunt bedrucktes Papier → “Trips” )

 

(Es-)Ketamin
  • Special K
  • Kate
  • Vitamin K
  • Farblose Flüssigkeit
  • Weißes, kristallines Pulver
  • (Es)Ketamin ist ein Narkotikum, das vor allem in der Notfallmedizin und eingesetzt wird
  • NMDA-Rezeptor-Antagonist im zentralen Nervensystem
  • Führen zu dissoziativen Zuständen (z.B. „Nahtod-Erlebnisse“) sowie zu halluzinatorischen Effekten
  • Partydroge
  • Kann eine anterograde Amnesie verursachen, bekannt als sogenannte K.o.-Tropfen“
  • Bei wiederholtem Gebrauch besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit
  • Flüssigkeit:
    • Intravenöse Aufnahme
    • Orale Aufnahme (in Getränken)
    • Rauchen (in Lösung getränkte Zigaretten)
  • Pulver:
    • Orale Aufnahme (in Getränken)
    • Schniefen

 

Psilocybin
(Magic Mushrooms)
  • Shrooms
  • Zauberpilze
  • Psilos
  • Psilocybin ist ein natürlich vorkommendes Tryptamin-Alkaloid
  • In Pilzen der Gattung Psilocybe (z.B. Kahlköpfe) enthalten
  • Stimulation der Serotonin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem
  • LSD-ähnliche, halluzinogene Wirkung mit veränderter Wahrnehmung und Bewusstseinslage
  • Sehr geringes Suchtpotenzial, jedoch psychische Risiken bei bestehenden Erkrankungen

 

  • Orale Aufnahme (rohe oder zubereitete Pilze)
Schnüffel-stoffe und Poppers
  • Poppers:
    • Rush
    • Locker Room
    • Liquid Gold
    • Rock Hard
    • Blue Boy
    • Purple Haze
    • Bang
    • Buzz
  • Schnüffelstoffe:
    • Flüchtige Lösungsmittel, die flüssig oder gasförmig vorliegen, z.B. Benzin, Trichlorethylen, Aceton
    • Enthalten in Alltagsprodukten wie Klebstoffen, Nagellackentfernern, Lacken und Verdünnungsmitteln
  • Poppers:
    • Sammelbegriff für eine Gruppe flüchtiger, stark riechender Flüssigkeiten, die chemisch zu den Alkylnitriten gehören (z.B. Amyl-, Butyl- oder Isopropylnitrit)
    • Ursprünglich Angina-pectoris-Medikament
    • Als aromatisierte Inhalationsflüssigkeit in kleinen Fläschchen erhältlich
  • Wirkung über plötzliche Vasodilatation → kurzfristiger zerebraler Sauerstoffmangel, was zu einem rauschähnlichen Zustand führt
  • Poppers steigern das sexuelle Lustempfinden und entspannen die Muskulatur, unter anderem auch den Schließmuskel → Anwendung beim Sex (vor allem beim Analverkehr und beim Fisten)
  • Cave: Die Kombination mit PDE-5-Hemmern (z. B. Sildenafil), Antihypertensiva oder nitrathaltigen Angina-pectoris-Medikamenten kann zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen
  • Inhalative Aufnahme:
    • Tiefes Inhalieren der Dämpfe
    • Direkt aus dem Originalbehältnis
    • Aus einer Plastiktüte („Bagging“)
    • Über ein getränktes Tuch oder Taschentuch („Huffing“)

 

 

 

 Achtung

Szenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

SubstanzBeispiele für SzenenamenBeschreibungKonsumformen
Neue psycho-aktive Substanzen (NPS)
  • Ivory Wave
  • Blue Mystic
  • Badesalze
  • Kräutermischungen
  • Spice
  • Cloud Nine
  • K2
  • Früher als „Legal Highs“: bezeichnet → der Gesetzgeber reagiert oft verzögert auf neue Substanzen
  • Imitieren Wirkung klassischer Drogen
  • Gruppe synthetischer Designerdrogen, meist sogenannte „Research Chemicals“
  • Chemisch leicht veränderte Substanzen aus der pharmazeutischen Forschung
  • Häufig enthalten:
    • Synthetische Cannabinoide
  • Inhaltsstoffe oft unklar, insbesondere bei Mischpräparaten, teilweise mit pflanzlichen Beimengungen
  • Je nach Substanz wirken sie als:
    • Uppers (Stimulanzien)
    • Downers (Sedativa)
    • Halluzinogene
  • Über das Internet erhältlich und dadurch leicht verfügbar
  • Orale Aufnahme:
    • Tee
    • Tablette
    • In Getränken aufgelöst
  • Rauchen
  • Schniefen (vor allem „Badesalze“)
 Achtung

Szenenamen ändern sich häufig und können je nach Region stark variieren. Die hier aufgeführten Begriffe dienen daher lediglich als Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 Info

Die Einnahme von Drogen in üblichen Konsummengen ist in den meisten Fällen nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Akute Notfälle treten vorwiegend bei Überdosierung, Mischkonsum oder verunreinigten Substanzen auf.

Häufige Ursachen

  • Akzidenteller Konsum: unbeabsichtigte Einnahme zu hoher Dosen, beispielsweise durch Dosierungsfehler oder unkontrollierten Tabletten- bzw. Pulverkonsum
  • Gewollter Konsum (Rauschkonsum): bewusste Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erzielung einer berauschenden oder leistungssteigernden Wirkung. Fehlende Erfahrung, hohe Dosierungen oder unbekannter Wirkstoffgehalt können zu einer Intoxikation führen
  • Schwankender Wirkstoffgehalt: Vor allem bei illegalen Drogen (z. B. Heroin, Ecstasy oder neuen psychoaktiven Substanzen [NPS]) kann der Wirkstoffgehalt stark variieren, sodass bereits geringe Mengen toxisch wirken können
  • Mischintoxikationen: Die gleichzeitige Einnahme mehrerer psychoaktiver Substanzen (z.B. Benzodiazepine und Alkohol oder Opioide und Stimulanzien) verstärkt die toxischen Wirkungen und erhöht das Risiko schwerer Atem- und Kreislaufstörungen
  • Therapiebedingte Intoxikation: Überdosierungen durch fehlerhafte Selbstmedikation oder unsachgemäße Anwendung verschriebener Medikamente wie Benzodiazepine, Opioide oder Sedativa
  • Suizidale Intoxikation: Gezielte Einnahme hoher Dosen, insbesondere von Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmitteln, häufig im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen

Risikofaktoren

  • Polytoxikomanie: Die Kombination mehrerer Drogen verstärkt deren Wirkungen und Nebenwirkungen und erhöht das Risiko schwerer Intoxikationen
  • Psychiatrische Erkrankungen: Menschen mit Angststörungen, Depressionen, Psychosen oder anderen psychischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgebrauch und Intoxikationen
  • Fehlende Toleranz: Nach längerer Abstinenz oder Entgiftung kann bereits eine zuvor gewohnte Dosis zu einer schweren Überdosierung führen
  • Jugendliches Alter und soziale Risikofaktoren: Experimentierverhalten, Gruppendruck und mangelnde Erfahrung begünstigen einen riskanten Drogenkonsum
  • Chronischer Drogenkonsum: Langfristiger Konsum fördert Toleranzentwicklung, psychische Abhängigkeit und das Risiko einer Überdosierung
  • Neue psychoaktive Substanzen (NPS): Unbekannter Wirkstoffgehalt, hohe Potenz und unvorhersehbare Zusammensetzung erhöhen das Risiko schwerer Intoxikationen deutlich
 Merke
Reminder: Physiologische Grundlagen 
  • Drogen beeinflussen die synaptische Signalübertragung, indem sie die Freisetzung, Wiederaufnahme oder Rezeptoraktivierung von Neurotransmittern verändern
  • Die Wirkung erfolgt überwiegend über vier zentrale Transmittersysteme:
    • Dopamin: Belohnung, Motivation und Antrieb
    • Noradrenalin: Wachheit, Aufmerksamkeit und Sympathikusaktivierung
    • GABA: Wichtigster hemmender Neurotransmitter des ZNS
    • Serotonin: Wahrnehmung, Stimmung und Kognition
  • Grundprinzip der Drogenwirkungen:
    • Uppers: verstärken die exzitatorische Neurotransmission → gesteigerte Wachheit, Euphorie und Sympathikusaktivierung
    • Downers: verstärken die inhibitorische Neurotransmission → Sedierung, Muskelrelaxation und Atemdepression
    • Halluzinogene: verändern die sensorische Informationsverarbeitung → Halluzinationen und Realitätsverzerrung
  • Dopaminerges Belohnungssystem: Aktivierung des mesolimbischen Systems (VTA → Nucleus accumbens) führt zu einer vermehrten Dopaminfreisetzung und vermittelt Belohnung, Craving und Suchtentwicklung
  • Neuroadaptation: Wiederholter Konsum führt zu Rezeptoranpassungen (Up-/Downregulation) und begünstigt Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugssymptome

Die Pathophysiologie einer Drogenintoxikation ist abhängig von der jeweiligen Substanz und ihrem Wirkmechanismus. Durch die Beeinflussung verschiedener Neurotransmittersysteme kommt es zu einer akuten Störung der neuronalen Signalübertragung im zentralen Nervensystem (ZNS) sowie zu Auswirkungen auf weitere Organsysteme. 

Je nach Substanz überwiegen stimulierende, dämpfende oder halluzinogene Effekte, die das charakteristische klinische Bild der Intoxikation bestimmen.

Uppers (Stimulanzien)

  • Grundmechanismus: verstärkte exzitatorische Neurotransmission erhöhte Freisetzung und verminderte Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin führen zu einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer ausgeprägten Sympathikusaktivierung
  • Folgen:
    • Zentrales Nervensystem: Übermäßige Aktivierung kortikaler und limbischer Strukturen → Euphorie, gesteigerte Wachheit, Agitation, Halluzinationen bis zur Intoxikationspsychose
    • Herz-Kreislauf-System: verstärkte sympathische Aktivität → Tachykardie, Hypertonie, Vasokonstriktion und Herzrhythmusstörungen
    • Augen und Thermoregulation: Sympathikusdominanz → Mydriasis sowie Hyperthermie durch gesteigerte Muskelaktivität und verminderte Wärmeabgabe
    • Muskulatur: Gesteigerte neuromuskuläre Aktivität → Tremor, Muskelrigidität und bei schweren Verläufen Rhabdomyolyse
  • Komplikationen:
    • Krampfanfälle
    • Serotonin-Syndrom: besonders durch Kombination serotonerger Substanzen, z.B. MDMA + SSRI
    • Multiorganversagen sowie Herz-Kreislauf-Stillstand 
 Merke
MDMA und Hyponatriämie

MDMA kann die ADH-Ausschüttung steigern und gleichzeitig ein ausgeprägtes Durstgefühl verursachen. Wird daraufhin übermäßig Wasser getrunken, kommt es zu einer Verdünnung des Serumnatriums (Hyponatriämie). Wasser strömt osmotisch in die Zellen ein und kann insbesondere im Gehirn ein Hirnödem verursachen.

Typische Warnzeichen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder Koma.

Downers (Sedativa)

  • Grundmechanismus: Verstärkte inhibitorische Neurotransmission durch unterschiedliche Rezeptormechanismen:
    • Benzodiazepine und Barbiturate verstärken die GABAA-vermittelte Chloridleitfähigkeit
    • GHB/GBL wirkt überwiegend als GABAB-Rezeptor-Agonist
    • Cannabinoide (THC) aktivieren CB₁-Rezeptoren und hemmen präsynaptisch die Neurotransmitterfreisetzung
    • Alle Mechanismen führen zu einer verminderten neuronalen Erregbarkeit und einer ausgeprägten zentralen Dämpfung
  • Folgen:
    • Atemzentrum: dosisabhängige Hemmung der Medulla oblongataHypoventilation, Hyperkapnie und Atemdepression bis zum Atemstillstand
    • Herz-Kreislauf-System: Verminderter Sympathikotonus sowie teilweise direkte kardiale Dämpfung → Hypotonie, Bradykardie und bei schweren Verläufen Kreislaufversagen
    • Muskulatur: Verminderte neuromuskuläre Aktivität → Muskelrelaxation, Hyporeflexie und verminderter Muskeltonus mit erhöhter Aspirationsgefahr
    • Zentrales Nervensystem: Aktivierung zentraler CB₁-Rezeptoren durch Cannabinoide → Hemmung der Neurotransmitterfreisetzung → Sedierung, verlangsamte Reaktionsfähigkeit sowie gelegentlich Angstzustände, Halluzinationen oder psychotische Symptome
  • Komplikationen:
    • Atemstillstand infolge ausgeprägter Atemdepression
    • Aspiration durch Vigilanzminderung und verminderte Schutzreflexe
    • Schock bei schwerer Hypotonie und Bradykardie
    • Krampfanfälle und Delir insbesondere im Rahmen eines Entzugs nach chronischem Benzodiazepin- oder Barbituratkonsum
    • Herz-Kreislauf-Stillstand als Folge schwerer respiratorischer oder hämodynamischer Insuffizienz

Halluzinogene Drogen

  • Grundmechanismus: veränderte exzitatorische Neurotransmission durch unterschiedliche Rezeptormechanismen:
    • Klassische Halluzinogene (z.B. LSD, Psilocybin, Mescalin) wirken überwiegend als 5-HT₂A-Rezeptor-Agonisten
    • Ketamin hemmt NMDA-Rezeptoren
    • Die daraus resultierende Dysbalance serotonerger, glutamaterger und dopaminerger Signalwege führt zu einer gestörten sensorischen Verarbeitung und Realitätswahrnehmung
  • Folgen:
    • Zentrales Nervensystem: veränderte Aktivität im Thalamus, limbischen System und AssoziationskortexHalluzinationen, Wahrnehmungsstörungen, Ich-Störungen, Depersonalisation bis zur akuten Intoxikationspsychose
    • Herz-Kreislauf-System: gesteigerte sympathische Aktivität → Tachykardie und arterielle Hypertonie
    • Augen: Sympathikusdominanz → Mydriasis
    • Psyche: gestörte Reizverarbeitung und emotionale Enthemmung → Angstzustände, Panikreaktionen und sogenannte „Bad Trips“
  • Komplikationen:
    • Krampfanfälle
    • Akute Intoxikationspsychose mit Eigen- oder Fremdgefährdung
    • Hyperthermie und Herzrhythmusstörungen bei schweren Verläufen oder Mischintoxikationen
    • HPPD (Hallucinogen Persisting Perception Disorder): Anhaltende Wahrnehmungsstörungen durch persistierende neurochemische Veränderungen nach Halluzinogenkonsum

Neue psychoaktive Substanzen (NPS)

  • Grundmechanismus: variable Rezeptoraktivierung → Neue psychoaktive Substanzen (NPS) umfassen chemisch veränderte Derivate klassischer Drogen und wirken je nach Substanz stimulierend, sedierend oder halluzinogen
  • Folgen:
    • Stimulanzienartige NPS: sympathomimetische Überaktivierung → Tachykardie, Hyperthermie und Krampfanfälle
    • Cannabinoidartige NPS: Aktivierung zentraler CB₁-Rezeptoren → Dysregulation dopaminerger und glutamaterger Bahnen → Angstzustände, Psychosen und Halluzinationen
    • Sedativ-hypnotische NPS: Verstärkte zentrale Dämpfung → Bewusstseinsstörung und Atemdepression
 Achtung

Neue psychoaktive Substanzen (NPS) enthalten häufig unbekannte Wirkstoffe oder Zusatzstoffe und unterliegen keiner verlässlichen Qualitätskontrolle. Dadurch sind Wirkung, Dosierung und Toxizität oft nicht vorhersehbar. Zudem treten Mischintoxikationen deutlich häufiger auf als bei klassischen Drogen.

Zusammenfassung

SubstanzklasseHaupttransmittersystemGrundmechanismusZentrale FolgenVegetative Folgen
Uppers (Stimulanzien)Dopamin, Noradrenalin, SerotoninVerstärkte exzitatorische NeurotransmissionAgitation, Halluzinationen, Psychosen, KrampfanfälleTachykardie, Hypertonie, Hyperthermie
Downers (Sedativa)GABA, Endocannabinoid-SystemVerstärkte inhibitorische NeurotransmissionSedierung, Bewusstseinsstörung bis KomaAtemdepression, Bradykardie, Hypotonie
HalluzinogeneSerotonin (5-HT₂A), Glutamat (NMDA), DopaminGestörte sensorische SignalverarbeitungHalluzinationen, Ich-Störungen, DepersonalisationMydriasis, Tachykardie, Hypertonie
Neue psychoaktive Substanzen (NPS)VariabelVariable RezeptoraktivierungJe nach Substanz Agitation, Psychosen oder SedierungTachyarrhythmien, Hyperthermie oder Atemdepression
 Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einer akuten Drogenintoxikation
  • Je nach Substanzgruppe kommt es zu einer Überaktivierung (Stimulanzien), zentralen Dämpfung (Downer) oder gestörten sensorischen Verarbeitung (Halluzinogene) des zentralen Nervensystems
  • Klinisch stehen Bewusstseinsstörungen, Agitation oder Halluzinationen, Atemdepression sowie Herz-Kreislauf-Störungen (Tachy- oder Bradykardie, Hyper- oder Hypotonie) im Vordergrund
  • Schwere Verläufe können zu Krampfanfällen, Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Atemstillstand sowie Herz-Kreislauf-Stillstand führen
  • Neue psychoaktive Substanzen (NPS) bergen aufgrund ihrer unbekannten Zusammensetzung und Potenz ein besonders hohes Risiko für unkalkulierbare und schwere Mischintoxikationen

Typische Zeichen

Downers (Sedativa, Hypnotika, Opioide, GHB/GBL):

  • Bewusstseinsstörung: Sedierung mit Benommenheit, Somnolenz, Sopor bis Koma, verlangsamter Reaktion und verminderter Vigilanz
  • Atemdepression: Bradypnoe, Hypoventilation bis zum Atemstillstand, insbesondere bei Mischintoxikationen
  • Bradykardie und Hypotonie: Folge der zentralen und peripheren Dämpfung bis zum Kreislaufversagen
  • Motorische Auffälligkeiten: Muskelrelaxation, Ataxie, Koordinationsstörungen und erhöhtes Sturzrisiko
  • Pupillen: Meist Miosis (v.a. bei Opioiden), bei Benzodiazepinen häufig unauffällig

Uppers (Psychostimulanzien, Amphetamine, Kokain, MDMA):

  • Psychomotorische Erregung: Unruhe, Hypervigilanz, Agitation, Angst sowie paranoide oder halluzinatorische Intoxikationspsychosen
  • Herz-Kreislauf-System: Tachykardie, arterielle Hypertonie, Vasokonstriktion und Hyperthermie
  • Neurologische Auffälligkeiten: Tremor, Hyperreflexie, motorische Unruhe bis zu Krampfanfällen
  • Pupillen: Typischerweise Mydriasis
  • Vegetative Symptome: starkes Schwitzen, Kieferpressen (v. a. bei MDMA), Dehydratation sowie Hyponatriämie durch ADH-Stimulation

Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Ketamin):

  • Wahrnehmungsstörungen: optische und akustische Halluzinationen, veränderte Zeit-Raum-Wahrnehmung, Ich-Störungen und Depersonalisation
  • Psychische Auffälligkeiten: Panik, Angst, Paranoia, Kontrollverlust und sogenannte „Bad Trips“
  • Herz-Kreislauf-System: häufig Tachykardie, Mydriasis sowie Hyper- oder Hypotonie
  • Vegetative Symptome: gelegentlich Schwitzen, Schwindel und Übelkeit
  • Bewusstseinslage: meist erhalten, der Realitätsbezug kann jedoch unterschiedlich stark eingeschränkt sein
 Achtung

Neue psychoaktive Substanzen (NPS) werden nicht gesondert aufgeführt, da sie in ihrer Wirkung häufig klassischen Drogen nachempfunden sind und entsprechend ähnliche Symptome und klinische Bilder hervorrufen.

Generalisierte Zeichen

  • Hinweise auf Drogenkonsum: Injektionsstellen, Schnupfspuren, Drogenutensilien (z.B. Spritzen, Pulverreste, Pfeifen, Tabletten oder Blister) sowie typische Gerüche können Hinweise auf die konsumierte Substanz liefern
  • Traumafolgen: Sturzverletzungen, Platzwunden oder Hämatome infolge von Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen oder psychomotorischer Erregung
  • Aspirationszeichen: Erbrochenes im Mund-Rachen-Raum, Husten oder auffällige Atemgeräusche weisen auf eine mögliche Aspiration hin
  • Exsikkose: trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor oder Durst als Folge von Hyperthermie, Schwitzen oder verminderter Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei Stimulanzien
 Merke

Eine Intoxikation mit Downers führt typischerweise zu Sedierung, Hypotonie, Atemdepression und Bewusstseinsstörungen bis Koma. Besonders ausgeprägt sind die Symptome bei Mischkonsum mit anderen ZNS-dämpfenden Substanzen.

SubstanzSymptome
Benzodiazepine und Z-Substanzen
  • Sedierung, Benommenheit
  • Ataxie
  • Amnesie
  • Atemdepression (v.a. bei Mischkonsum)
  • Bewusstseinsstörungen bis Koma
 Heroin
  • Starke Sedierung, verlangsamte Reaktionen
  • Miosis („stecknadelgroße Pupillen“)
  • Bradykardie
  • Atemdepression bis Apnoe
  • Bewusstseinsstörungen bis Koma
  • Zyanose
Tetrahydrocannabinol
(THC, Cannabis)
  • Leichte Sedierung
  • Wahrnehmungsveränderungen (Farben, Geräusche, Zeitgefühl)
  • Redseligkeit („Kiffer-Talk“)
  • Gangunsicherheit
  • Psychotische Episoden möglich (v.a. bei hoher Dosis oder psychischer Vorbelastung)
  • Gesteigerter Appeptit
Hydroxybutansäure
(GHB, Liquid Ecstasy)
  • Synkopale Neigung
  • Muskelerschlaffung, Myoklonien
  • Atemdepression
  • Amnesie (K.o.-Tropfen-Effekt)
  • Lebensgefahr bei Kombination mit Alkohol oder Benzodiazepinen
 Merke

Eine Intoxikation mit Uppers äußert sich typischerweise in einer verstärkten Sympathikusaktivierung. Dazu zählen unter anderem Hypertonie, Tachykardie und Mydriasis.

SubstanzSymptome
Amphetamin (Speed, Pep)
  • Psychomotorische Unruhe
  • Agitation, Rededrang („Laberflash“)
  • Tachykardie, Hypertonie, Mydriasis
  • Bruxismus (Zähneknirschen / Kieferklemme)
  • Paranoide Gedanken
Amphetaminderivat (Ecstasy, XTC, E)
  • Euphorie, gesteigerte Empathie, emotionale Nähe („Liebesdroge“)
  • Motorische Unruhe, Kiefermahlen, Zähnepressen
  • Wahrnehmungsveränderungen, gelegentlich Angst oder Panik
Methamphetamin (Crystal Meth)
  • Ausgeprägte Erregung, teils aggressives Verhalten
  • Hyperaktivität, Schlaflosigkeit, gesteigerte Leistungsfähigkeit
  • Starker Rededrang, grimassieren („Gesichtsfasching“)
  • Ggf. Halluzinationen, paranoide Psychosen, Dehydrierung
Kokain und Crack
  • Intensive Euphorie, übersteigerte Selbsteinschätzung, Impulsivität
  • Gesteigerte motorische Aktivität, Verfolgungswahn
 Merke

Eine Intoxikation mit halluzinogenen Drogen führt typischerweise zu Wahrnehmungsveränderungen, Halluzinationen, psychischer Instabilität sowie vegetativen Symptomen wie Tachykardie, Mydriasis und Unruhe. In Einzelfällen auch zu Panikreaktionen oder psychotischen Zuständen.

SubstanzSymptome
Lysergsäurediethylamid
(LSD, Acid)
  • Intensive Halluzinationen (visuell, auditiv)
  • Veränderte Raum- und Zeitwahrnehmung
  • Euphorie oder Angst (Horrortrip)
  • Tachykardie, Mydriasis
  • Möglich: psychotische Symptome, Panikattacken
 (Es-)Ketamin
  • Symptome von der Dosierung abhängig:
    • Zu Beginn → Euphorie, Entspannungsgefühl
  • Mit steigender Dosis → Angstzustände, Stimmungsschwankungen, Vigilanzminderung
  • Paranoide Gedanken, Halluzinationen
  • Dissoziativer Zustand mit Bewegungsunfähigkeit und Ich-Auflösung („K-Hole“)
  • Bei hohen Dosen: Tachykardie, Hyperthermie, Übelkeit, Krampfanfälle
Psilocybin
(Magic Mushrooms)
  • Visuelle Halluzinationen, („träumerischer“ Zustand)
  • Verändertes Zeitempfinden, emotionale Labilität
  • Orientierungslosigkeit, seltener Angstzustände
  • Meist ruhigerer Rausch als bei LSD
Schnüffelstoffe und Poppers
  • Schnüffelstoffe:
    • Benommenheit, Schwindel, kurzfristiger Rauschzustand
    • Motorische Koordinationsstörungen
    • Verwaschene Sprache
    • Kopfschmerzen
    • Bei hoher Dosis: Bewusstlosigkeit, Atemdepression
  • Poppers (Alkylnitrite):
    • Plötzlicher Blutdruckabfall, Wärmegefühl, Flush
    • Kurzzeitige Euphorie
    • Entspannung der glatten Muskulatur

Anamnese

  • S (Symptome): Veränderung der Wahrnehmung, auffälliges Verhalten
    • Hinweise auf Uppers?
      → Hypertonie, Tachykardie, Mydriasis, Euphorie
    • Hinweise auf Downers?
      → Sedierung, Hypotonie, Atemdepression
    • Hinweise auf Halluzinogene?
      Tachykardie, Wahrnehmungsveränderung, Halluzinationen
    • Hinweise auf neue psychotische Substanzen?
      → Symptome entsprechen je nach Substanz derer von Uppers, Downers oder halluzinogenen Drogen
  • A (Allergien, Infektionen): Gibt es Hinweise auf Allergien oder Infektionen?
  • M (Medikation):
    • Chronische Opioid- oder Psychopharmakaeinnahme?
    • Substitutionsmedikamente (Methadon, Buprenorphin)?
  • P (Patientengeschichte):
    • Chronischer Alkoholmissbrauch?
    • Psychiatrische Erkrankungen?
    • Sonstiger Abusus?
    • Drogenabusus
  • L (Letzte…):
    • Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme?
    • Einnahme der Medikation?
    • Wenn ermittelbar → Einnahmezeitpunkt der ursächlichen Substanz
  • E (Ereignis):
    • Was wurde eingenommen?
    • Wann erfolgte die Einnahme?
    • Welche Menge wurde eingenommen?
    • Wie erfolgte die Aufnahme?
    • Warum erfolgte die Aufnahme?
  • R (Risiko): Polytoxikomanie (Mischkonsum mit Alkohol, Benzodiazepinen, anderen Drogen)
  • S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patientinnen 
 Tipp
Nutze Schemata

Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Intoxikation mit Drogen abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.

Körperliche Untersuchung

SubstanzgruppeInspektionPalpationPerkussionAuskultation
Uppers
  • Schweißausbrüche
  • Motorische Unruhe
  • Mydriasis
  • Puls: Tachykardie
  • Warme Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch
Downers
  • Motorische Verlangsamung
  • Blasse Haut
  • Atemdepression
  • Vigilanzminderung
  • Ggf. Miosis
  • Puls: Bradykardie
  • Kalte Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch
Halluzinogene
  • Motorische Koordinationsstörungen
  • Meist Mydriasis
  • Puls: Tachykardie
  • Warme Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch

Vitalparameter

ParameterDownersUppers Halluzinogene 
HerzfrequenzHäufig Bradykardie, bei ausgeprägter Hypoxie ggf. RhythmusstörungenMeist Tachykardie, häufig auch TachyarrhythmienMeist Tachykardie, gelegentlich Rhythmusstörungen
BlutdruckMeist Hypotonie, bei Mischintoxikationen häufig stärker ausgeprägtMeist Hypertonie, bei Erschöpfung oder schweren Verläufen ggf. HypotonieNormal bis leicht erhöht, gelegentlich Blutdruckschwankungen
AtemfrequenzBradypnoe bis Apnoe infolge AtemdepressionMeist normal bis erhöht, bei Agitation häufig TachypnoeMeist normal, gelegentlich Hyperventilation bei Angst oder Panik
KörpertemperaturHäufig Hypothermie, insbesondere bei längerer ImmobilisationHäufig Hyperthermie durch gesteigerten Stoffwechsel und MuskelaktivitätMeist normal, bei schweren Verläufen oder Agitation Hyperthermie möglich
Sauerstoffsättigung (SpO₂)Meist vermindert, bei schwerer Atemdepression ausgeprägte HypoxämieMeist normal, bei Hyperthermie oder Krampfanfällen ggf. vermindertMeist normal, Hypoxie selten
etCO₂Erhöht (Hyperkapnie) infolge HypoventilationHäufig erniedrigt durch HyperventilationMeist normal, bei Hyperventilation ggf. erniedrigt
BlutzuckerMeist normwertig, bei Alkohol-Mischintoxikation Hypoglykämie möglichMeist leicht erhöht durch KatecholaminfreisetzungMeist normwertig

Orientierende neurologische Untersuchung

 Info

Die orientierende neurologische Untersuchung dient der raschen Beurteilung von Bewusstseinslage, Pupillenreaktion, Motorik, Reflexstatus und Krampfaktivität. Ziel ist die Unterscheidung zwischen einer Drogenintoxikation und einer primär neurologischen Ursache (z.B. Schlaganfall oder intrakranielle Blutung).

  • Downers (Sedativa, Opioide): typisch sind Vigilanzminderung bis zum Koma, Miosis (v.a. bei Opioiden), verminderter Muskeltonus, abgeschwächte Reflexe sowie fehlende fokalneurologische Defizite
  • Uppers (Psychostimulanzien): typisch sind Hypervigilanz, psychomotorische Erregung, Mydriasis, Tremor, Hyperreflexie sowie eine erhöhte Krampfbereitschaft
  • Halluzinogene: typisch sind meist erhaltene Vigilanz mit Bewusstseins- und Wahrnehmungsveränderungen, Mydriasis, variable motorische Auffälligkeiten sowie fehlende fokalneurologische Defizite

Weiterführende apparative Diagnostik

  • 12-Kanal-EKG: Erkennung drogenbedingter Herzrhythmusstörungen, Leitungsstörungen und Ischämiezeichen sowie Ausschluss kardialer Differenzialdiagnosen
    • Uppers: meist Tachykardie, Tachyarrhythmien, QT-Zeit-Verlängerung (vor allem bei Mischintoxikationen oder zusätzlicher Einnahme QT-verlängernder Medikamente) sowie ggf. ST-Strecken-Veränderungen als Hinweis auf eine Myokardischämie
    • Downers: häufig Bradykardie; Rhythmusstörungen sind insgesamt seltener. Methadon kann eine QT-Zeit-Verlängerung verursachen
    • Halluzinogene: meist Sinustachykardie, schwerwiegende EKG-Veränderungen oder Arrhythmien sind selten
    • Neue psychoaktive Substanzen (NPS): variable EKG-Veränderungen bis zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
 Merke

Die elektrophysiologischen Effekte hängen stark von der Substanz, Dosis, Mischkonsum und individuellen Risikofaktoren ab. Ein 12-Kanal-EKG ist bei Verdacht auf Intoxikation unverzichtbar.

Je nach EKG-Muster können Rückschlüsse auf die konsumierte Droge gezogen werden. 

 Info

Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.

 Merke

Die primären Maßnahmen bei einer Intoxikation mit Drogen im Rettungsdienst sind die Sicherstellung einer ausreichenden Atmung, Stabilisierung des Kreislaufs sowie ggf. die gezielte Therapie durch Antidote.

Basismaßnahmen

  • Lagerung:
    • Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
    • Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit erhaltener Spontanatmung: Seitenlage zur Aspirationsprophylaxe, alternativ Rückenlage bei kontinuierlicher Atemwegsüberwachung und Absaugbereitschaft.
    • Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit respiratorischer Insuffizienz: Rückenlage mit konsequentem Atemwegsmanagement
  • Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck, Atemfrequenz und Kapnometrie 
  • Reizarme Umgebung und psychische Betreuung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung („Talking down“) zur Angstreduktion und Deeskalation, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen
  • Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Medikamentengabe (z.B. Naloxon) sowie bei Bedarf zur Volumen- und Kreislauftherapie
  • Atemwegsmanagement und Sauerstofftherapie:
    • Freihalten der Atemwege und bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie oder Atemdepression
    • Frühzeitige Beutel-Masken-Beatmung bei unzureichender Spontanatmung, ggf. eskalierende Atemwegssicherung
  • Komplikationen erkennen: Persistierende Atemdepression, Aspirationsereignis, Mischintoxikationen, Hyperthermie oder Krampfanfälle frühzeitig erkennen und behandeln
  • Zielklinik: nach Stabilisierung Transport in eine geeignete Klinik. Bei persistierender Atemdepression, wiederholter Antidotgaben oder Verdacht auf langwirksame Benzodiazepine bzw. Mischintoxikationen Intensivüberwachung

Spezifische Maßnahmen

Intoxikation mit Uppers und halluzinogenen Drogen:

 Merke

Das Ziel der Behandlung ist die Dämpfung der sympathomimetischen Überstimulation und die Verhinderung von Komplikationen (z.B. Krampfanfälle, Hyperthermie).

  • Agitation, Unruhe oder Psychosen: Gabe eines Benzodiazepins, z.B. Lorazepam 1 mg oral/bukkal. Antipsychotika, z.B. Haloperidol 5 mg i.m. nur bei unzureichender Wirkung der Benzodiazepine und zurückhaltend dosiert.
  • Hypertensive Entgleisung: Blutdrucksenkung, z.B. mit Urapidil 5-10 mg i.v. titriert, max. 50 mg oder Calciumantagonisten entsprechend der klinischen Situation. Betablocker sollen bei Kokain- oder Amphetaminintoxikation nicht als Monotherapie eingesetzt werden, da eine unopponierte α-Rezeptor-Stimulation eine Vasokonstriktion und Myokardischämie verstärken kann
  • Tachykardie und Herzrhythmusstörungen: symptomorientierte Behandlung entsprechend dem EKG-Befund. β₁-selektive Betablocker, z. B. Metoprolol 2,5 mg i.v. titiriert, max. 15 mg nur in Kombination mit einem Vasodilatator; bei relevanten Arrhythmien ggf. Amiodaron.
  • Hyperthermie: Frühzeitige aktive Kühlung (z.B. Kühlpacks in die Leiste und Achseln). Antipyretika sind nicht wirksam, da die Hyperthermie nicht durch eine Sollwertverstellung des Hypothalamus verursacht wird
  • Volumenmanagement: bedarfsgerechte Volumentherapie mit balancierten Vollelektrolytlösungen entsprechend der hämodynamischen Situation
  • Krampfanfälle: Behandlung mit einem Benzodiazepin, z.B. Midazolam 5-10 mg i.v.
 Achtung
„Unopposed alpha effect“ bei Intoxikation mit Kokain
  • Kokain hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und führt dadurch zu einer ausgeprägten Sympathikusaktivierung
  • Werden zusätzlich reine β-Blocker (z.B. Metoprolol) verabreicht, entfällt die β₂-vermittelte Vasodilatation, während die α₁-vermittelte Vasokonstriktion ungebremst bestehen bleibt („Unopposed Alpha Effect“).
  • Mögliche Folgen: ausgeprägte Vasospasmen, hypertensive Krise, Koronarspasmen sowie Myokard- oder zerebrale Ischämien.
  • Daher sollten bei Kokainintoxikationen keine reinen β-Blocker eingesetzt werden. Bevorzugt werden α-blockierende oder kombinierte α/β-blockierende Substanzen (z.B. Urapidil oder Labetalol)

Intoxikation mit Downers

 Merke

Das Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung der Vitalfunktionen, Sicherstellen einer ausreichenden Atmung und ggf. die Gabe von Antidoten.

  • Volumenmanagement: bedarfsgerechte Volumentherapie mit balancierten Vollelektrolytlösungen entsprechend der hämodynamischen Situation
  • Aktivkohle bei oraler Einnahme des Toxins erwägen: Frühzeitige Gabe von Aktivkohle Erwachsene: 50-100 g oral, Kinder: 1 g/kgKG, max. 50 g (bei geeigneter Indikation und erhaltener Schutzreflexe bzw. nach Intubation) zur Verminderung der gastrointestinalen Wirkstoffresorption
  • Antidottherapie:
    • Benzodiazepinen und Z-Substanzen: Flumazenil Erwachsene: initial 0,2 mg i.v., Wiederholung mit 0,1 mg i.v. alle 60 Sekunden bis ausreichende Wirkung, max. 1 mg, Kinder: initial 0,01 mg/kgKG, Wiederholung alle 45 Sekunden bis gewünschte Wirkung, max. 0,05 mg/kgKG kann als spezifisches Antidot zur Aufhebung der Wirkung von Benzodiazepinen eingesetzt werden
  • Opioidintoxikation:
    • Vital bedrohte Patient:innen, vordergründig Atemdepression oder Apnoephasen: titrierte Gabe von Naloxon Erwachsene: 0,1 mg i.v. oder 0,4-0,8 mg i.m. oder 2 mg i.n., Wiederholung alle 3 Minuten bis ausreichende Spontanatmung vorhanden, Kinder: 0,01 mg/kgKG i.v. oder i.m.
    • Bei Reanimation: Bolusgabe von Naloxon Erwachsene: 0,4 mg i.v oder 0,8 mg i.m., Wiederholung alle 3 Minuten bis gewünschter Effekt, Kinder: 0,01-0,02 mg/kgKG

K.o.-Tropfen“

GHB und Ketamin werden häufig als sogenannte K.-o.-Tropfen missbraucht. Kommt es in diesem Zusammenhang zu einem Einsatz für den Rettungsdienst, sind besondere Aspekte zu beachten:

  • Nach Absprache und Einverständnis der Patient:innen → Hinzuziehen der Polizei bei dem Verdacht auf Einsatz von K.o.-Tropfen
  • Eine zeitnahe Übergabe in der Klinik ist entscheidend, da die Nachweisbarkeit der Substanz im Blut oder Urin nur für wenige Stunden gegeben ist

Situative Hinweise für den Einsatz von K.-o.-Tropfen:

  • Umfeld, oft auf Partys oder im Club
  • Keine Erinnerung an die letzten Minuten oder Stunden
  • Offenes Getränk wurde konsumiert
  • Fremdanamnese auffällig: „Sie war ganz plötzlich weg“, „war erst nur leicht betrunken“
 Achtung

Der Rettungsdienst trägt hier eine besondere Verantwortung, sowohl medizinisch als auch im Hinblick auf den Schutz der Patient:innen.

Zielklinik

Grundsätzlich richtet sich die Wahl der Zielklinik nach dem klinischen Schweregrad, der Art der Intoxikation, dem Vorliegen von Bewusstseinsstörungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Krampfanfällen, Hyperthermie sowie dem Verdacht auf eine Mischintoxikation oder weitere Komplikationen.

  • Leichte Drogenintoxikation: Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung, bei anhaltenden Symptomen stationäre Überwachung
  • Schwere Drogenintoxikation: Klinik mit Intensivmedizin, insbesondere bei Atemwegsgefährdung, respiratorischer Insuffizienz, anhaltender Bewusstseinsstörung, Hyperthermie oder notwendiger Beatmung
  • Mischintoxikation oder Komplikationen: Krankenhaus mit intensivmedizinischer Versorgung

Transportbegleitende Maßnahmen

  • Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Vigilanz, Kapnometrie sowie Blutzucker
  • Lagerung:
    • Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
    • Respiratorische Insuffizienz: Rückenlage mit Atemwegsmanagement und Beatmung.
  • Sauerstofftherapie: Bedarfsgerechte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie, respiratorischer Insuffizienz oder erhöhtem Sauerstoffbedarf
  • Atemwegsmanagement: Freihalten der Atemwege, Absaugbereitschaft sowie ggf. Beutel-Masken-Beatmung oder Atemwegssicherung
  • Volumentherapie: Fortführung einer bedarfsgerechten Volumentherapie entsprechend der hämodynamischen Situation
  • Hyperthermie: Fortführung aktiver Kühlmaßnahmen während des Transports
  • Reizarme Umgebung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen.
  • Dokumentation: Erfassung der vermuteten Substanz (falls bekannt), des Applikationswegs, Zeitpunkts der Einnahme, verabreichter Medikamente einschließlich Wirkung, Vitalparameter sowie sämtlicher präklinischer Maßnahmen

Übergabe in der Klinik

  • Strukturierte Übergabe nach standardisiertem Schema, z.B. SINNHAFT oder ISOBAR
  • Übergabe relevanter Informationen zu:
    • Vermuteter oder gesicherter Drogenaufnahme (Substanz, Applikationsweg, Menge)
    • Zeitpunkt der Einnahme bzw. Auffindesituation
    • Initialem neurologischen, respiratorischen und hämodynamischen Status
    • Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, etCO₂, Blutzucker und weiteren Vitalparametern
    • Durchgeführten Maßnahmen (z. B. Sauerstoffgabe, Beatmung, Atemwegssicherung, Aktivkohle, Benzodiazepine, Kühlung oder Antidote) einschließlich deren Wirkung
    • Verdacht auf Mischintoxikation, Begleiterkrankungen oder Trauma
  • Verdacht auf Komplikationen: Hinweise auf Krampfanfälle, Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Myokardischämie, Rhabdomyolyse, Aspiration, respiratorische Insuffizienz oder hämodynamische Instabilität ausdrücklich kommunizieren
  • Hochrisikopatient:innen: Bei notwendiger Beatmung, persistierender Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen, schwerer Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Mischintoxikation oder intensivpflichtigem Verlauf frühzeitige Übergabe an das zuständige Schockraum- bzw. Intensivteam

Definition

 Definition
Drogenintoxikation

Eine Drogenintoxikation entsteht durch die Aufnahme psychoaktiver Substanzen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) und weitere Organsysteme beeinflussen. Die Aufnahme kann oral, intravenös, inhalativ oder über andere Applikationswege erfolgen. 

Abhängig von Substanz, Dosis und Begleitfaktoren reicht das klinische Bild von leichten Bewusstseinsveränderungen bis zu lebensbedrohlichen Störungen der Atmung, des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralnervensystems, die eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erforderlich machen.

  • Downers (Sedativa): Verstärken die hemmende Neurotransmission und führen zu Sedierung, Bewusstseinsstörungen sowie bei Überdosierung zu Atemdepression
  • Halluzinogene: Verändern die Wahrnehmung und das Bewusstsein durch eine Modulation serotonerger Signalwege. Typisch sind Halluzinationen, Ich-Störungen und „Bad Trips“
  • Neue psychoaktive Substanzen (NPS): Chemisch veränderte Derivate klassischer Drogen mit stimulierender, sedierender oder halluzinogener Wirkung. Aufgrund ihrer unvorhersehbaren Zusammensetzung und Potenz besteht ein hohes Risiko schwerer Intoxikationen

Ursachen

  • Akzidenteller Konsum: unbeabsichtigte Einnahme zu hoher Dosen, beispielsweise durch Dosierungsfehler oder unkontrollierten Tabletten- bzw. Pulverkonsum
  • Gewollter Konsum (Rauschkonsum): bewusste Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erzielung einer berauschenden oder leistungssteigernden Wirkung. Fehlende Erfahrung, hohe Dosierungen oder unbekannter Wirkstoffgehalt können zu einer Intoxikation führen
  • Schwankender Wirkstoffgehalt: Vor allem bei illegalen Drogen (z. B. Heroin, Ecstasy oder neuen psychoaktiven Substanzen [NPS]) kann der Wirkstoffgehalt stark variieren, sodass bereits geringe Mengen toxisch wirken können
  • Mischintoxikationen: Die gleichzeitige Einnahme mehrerer psychoaktiver Substanzen (z.B. Benzodiazepine und Alkohol oder Opioide und Stimulanzien) verstärkt die toxischen Wirkungen und erhöht das Risiko schwerer Atem- und Kreislaufstörungen
  • Therapiebedingte Intoxikation: Überdosierungen durch fehlerhafte Selbstmedikation oder unsachgemäße Anwendung verschriebener Medikamente wie Benzodiazepine, Opioide oder Sedativa
  • Suizidale Intoxikation: Gezielte Einnahme hoher Dosen, insbesondere von Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmitteln, häufig im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen

Pathophysiologie

SubstanzklasseHaupttransmittersystemGrundmechanismusZentrale FolgenVegetative Folgen
Uppers (Stimulanzien)Dopamin, Noradrenalin, SerotoninVerstärkte exzitatorische NeurotransmissionAgitation, Halluzinationen, Psychosen, KrampfanfälleTachykardie, Hypertonie, Hyperthermie
Downers (Sedativa)GABA, Endocannabinoid-SystemVerstärkte inhibitorische NeurotransmissionSedierung, Bewusstseinsstörung bis KomaAtemdepression, Bradykardie, Hypotonie
HalluzinogeneSerotonin (5-HT₂A), Glutamat (NMDA), DopaminGestörte sensorische SignalverarbeitungHalluzinationen, Ich-Störungen, DepersonalisationMydriasis, Tachykardie, Hypertonie
Neue psychoaktive Substanzen (NPS)VariabelVariable RezeptoraktivierungJe nach Substanz Agitation, Psychosen oder SedierungTachyarrhythmien, Hyperthermie oder Atemdepression

Klinischer Eindruck

Downers (Sedativa, Hypnotika, Opioide, GHB/GBL):

  • Bewusstseinsstörung: Sedierung mit Benommenheit, Somnolenz, Sopor bis Koma, verlangsamter Reaktion und verminderter Vigilanz
  • Atemdepression: Bradypnoe, Hypoventilation bis zum Atemstillstand, insbesondere bei Mischintoxikationen
  • Bradykardie und Hypotonie: Folge der zentralen und peripheren Dämpfung bis zum Kreislaufversagen
  • Motorische Auffälligkeiten: Muskelrelaxation, Ataxie, Koordinationsstörungen und erhöhtes Sturzrisiko
  • Pupillen: Meist Miosis (v.a. bei Opioiden), bei Benzodiazepinen häufig unauffällig

Uppers (Psychostimulanzien, Amphetamine, Kokain, MDMA):

  • Psychomotorische Erregung: Unruhe, Hypervigilanz, Agitation, Angst sowie paranoide oder halluzinatorische Intoxikationspsychosen
  • Herz-Kreislauf-System: Tachykardie, arterielle Hypertonie, Vasokonstriktion und Hyperthermie
  • Neurologische Auffälligkeiten: Tremor, Hyperreflexie, motorische Unruhe bis zu Krampfanfällen
  • Pupillen: Typischerweise Mydriasis
  • Vegetative Symptome: starkes Schwitzen, Kieferpressen (v. a. bei MDMA), Dehydratation sowie Hyponatriämie durch ADH-Stimulation

Halluzinogene (LSD, Psilocybin, Ketamin):

  • Wahrnehmungsstörungen: optische und akustische Halluzinationen, veränderte Zeit-Raum-Wahrnehmung, Ich-Störungen und Depersonalisation
  • Psychische Auffälligkeiten: Panik, Angst, Paranoia, Kontrollverlust und sogenannte „Bad Trips“
  • Herz-Kreislauf-System: häufig Tachykardie, Mydriasis sowie Hyper- oder Hypotonie
  • Vegetative Symptome: gelegentlich Schwitzen, Schwindel und Übelkeit
  • Bewusstseinslage: meist erhalten, der Realitätsbezug kann jedoch unterschiedlich stark eingeschränkt sein

Diagnostik

SubstanzgruppeInspektionPalpationPerkussionAuskultation
Uppers
  • Schweißausbrüche
  • Motorische Unruhe
  • Mydriasis
  • Puls: Tachykardie
  • Warme Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch
Downers
  • Motorische Verlangsamung
  • blasse Haut
  • Atemdepression
  • Vigilanzminderung
  • Ggf. Miosis
  • Puls: Bradykardie
  • Kalte Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch
Halluzinogene
  • Motorische Koordinationsstörungen
  • Meist Mydriasis
  • Puls: Tachykardie
  • Warme Haut
  • Physiologisch
  • Physiologisch

Therapie

Basismaßnahmen:

  • Lagerung:
    • Bewusstseinsklare Patient:innen: stabile, komfortable Lagerung
    • Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit erhaltener Spontanatmung: Seitenlage zur Aspirationsprophylaxe, alternativ Rückenlage bei kontinuierlicher Atemwegsüberwachung und Absaugbereitschaft.
    • Bewusstseinsgestörte Patient:innen mit respiratorischer Insuffizienz: Rückenlage mit konsequentem Atemwegsmanagement
  • Monitoring und Basisdiagnostik: kontinuierliche Überwachung mittels EKG, SpO₂, Blutdruck, Atemfrequenz und Kapnometrie 
  • Reizarme Umgebung und psychische Betreuung: Reduktion äußerer Reize sowie verbale Beruhigung („Talking down“) zur Angstreduktion und Deeskalation, insbesondere bei Halluzinogen- oder Psychostimulanzienintoxikationen
  • Venöser Zugang: Anlage eines intravenösen Zugangs zur Medikamentengabe (z.B. Naloxon) sowie bei Bedarf zur Volumen- und Kreislauftherapie
  • Atemwegsmanagement und Sauerstofftherapie:
    • Freihalten der Atemwege und bedarfsorientierte Sauerstoffgabe bei Hypoxämie oder Atemdepression
    • Frühzeitige Beutel-Masken-Beatmung bei unzureichender Spontanatmung, ggf. eskalierende Atemwegssicherung
  • Komplikationen erkennen: Persistierende Atemdepression, Aspirationsereignis, Mischintoxikationen, Hyperthermie oder Krampfanfälle frühzeitig erkennen und behandeln
  • Zielklinik: nach Stabilisierung Transport in eine geeignete Klinik. Bei persistierender Atemdepression, wiederholter Antidotgaben oder Verdacht auf langwirksame Benzodiazepine bzw. Mischintoxikationen Intensivüberwachung

Spezifische Maßnahmen:

  • Die Therapie erfolgt symptomorientiert und richtet sich nach der Substanzgruppe sowie den Vitalfunktionen
  • Benzodiazepine sind die Medikamente der ersten Wahl bei Agitation, Psychosen und Krampfanfällen infolge einer Intoxikation mit Psychostimulanzien oder Halluzinogenen
  • Bei Downer-Intoxikationen stehen die Sicherung der Atemwege und die Behandlung der Atemdepression im Vordergrund. Naloxon (Opioide) und Flumazenil (Benzodiazepine) können in ausgewählten Situationen als spezifische Antidote eingesetzt werden

Besondere Situationen

  • GHB/GBL und Ketamin werden häufig als K.-o.-Tropfen missbraucht. Bei entsprechendem Verdacht ist ein zeitnaher Transport in die Klinik wichtig, da der Nachweis der Substanzen nur für wenige Stunden möglich ist
  • Typische Hinweise sind plötzlich einsetzende Bewusstseinsstörungen, Erinnerungslücken (Amnesie) sowie der Konsum eines unbeaufsichtigten Getränks

Transport

Grundsätzlich richtet sich die Wahl der Zielklinik nach dem klinischen Schweregrad, der Art der Intoxikation, dem Vorliegen von Bewusstseinsstörungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Krampfanfällen, Hyperthermie sowie dem Verdacht auf eine Mischintoxikation oder weitere Komplikationen.

  • Leichte Drogenintoxikation: Krankenhaus mit internistischer oder notfallmedizinischer Versorgung, bei anhaltenden Symptomen stationäre Überwachung
  • Schwere Drogenintoxikation: Klinik mit Intensivmedizin, insbesondere bei Atemwegsgefährdung, respiratorischer Insuffizienz, anhaltender Bewusstseinsstörung, Hyperthermie oder notwendiger Beatmung
  • Mischintoxikation oder Komplikationen: Krankenhaus mit intensivmedizinischer Versorgung
 Tipp

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Zuletzt aktualisiert am 11.07.2026
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