Zusammenfassung

Ipratropiumbromid ist ein inhalatives Anticholinergikum
Im Rettungsdienst wird es bei bronchialer Obstruktion, insbesondere bei Asthma bronchiale
Der Wirkeintritt erfolgt rasch (innerhalb von
Lernkarte
Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Anticholinergika
, Parasympatholytika - Handelsnamen: z.B. Atrovent®, Ipratropium Teva®
Indikationen
- Bronchiale Obstruktion
- Asthma bronchiale
- COPD
- Anaphylaxie mit bronchialer Obstruktion
- Asthma bronchiale
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Kritische Indikationsstellung:
- Engwinkelglaukom
- Blasenentleerungsstörung
- Paralytischer Ileus
Dosierung
- Erwachsene:: 0,5 mg inhalativ (maximal 2 mg/Tag)
- Ergänzend zu: 2,5–5 mg Salbutamol
inhalativ
- Ergänzend zu: 2,5–5 mg Salbutamol
- Kinder:
- 0–5 Jahre: 0,125–0,25 mg inhalativ (maximal 1 mg/Tag)
- 6–12 Jahre: 0,25 mg inhalativ (maximal 1 mg/Tag)
Besonderheiten
- Erst SABA (z.B. Salbutamol
) dann SAMA vernebeln - Durch die Verneblung kann Ipratropiumbromid in die Augen gelangen → Sehstörungen, erhöhtes Risiko für ein Engwinkelglaukom
- Paradoxe Bronchospasmen möglich: sofortige Beendigung der Ipratropium-bromid-Gabe und Therapie mit Salbutamol
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: innerhalb 1 min
- Wirkdauer: ca. 4–6 Std
- Metabolisierung: Geringe systemische Metabolisierung nach inhalativer Anwendung, überwiegend hepatisch
- Ausscheidung: Hauptsächlich renal als unveränderter Wirkstoff und inaktive Metabolite
Wirkung
- Ipratropiumbromid ist ein Anticholinergikum
, das als kompetitiver Antagonist an den muskarinergen Acetylcholinrezeptoren wirkt - Es gehört zur Gruppe der SAMA (Short-acting muscarinic-antagonist)
→ Diese Blockade führt zur Entspannung der glatten Muskulatur in den Bronchien, was als Bronchodilatation oder Bronchospasmolyse bezeichnet wird
InfoGeringe systemische Wirkung
Als quartäres Ammoniumderivat wird Ipratropiumbromid kaum resorbiert und passiert die Blut
-Hirn-Schranke nicht → Anticholinerge Nebenwirkungen treten daher überwiegend lokal und deutlich schwächer ausgeprägt auf als bei systemisch wirksamen Anticholinergika .
Nebenwirkungen
- Kopfschmerzen
- Tachykardie
- Mundtrockenheit
- Harnretention
- Verstopfung
- Augenschmerzen, Sehstörungen, erhöhter Augeninnendruck
- Allergische Reaktionen
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Anderen Anticholinergika
(z. B. Atropin ) → Verstärkte anticholinerge Effekte und mehr Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Tachykardie , Harnverhalt ) - β₂-Sympathomimetika (z. B. Salbutamol
, Fenoterol) → Synergistische Bronchodilatation durch unterschiedliche Rezeptormechanismen
- Anderen Anticholinergika
- Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Parasympathomimetika/cholinerge Substanzen (z. B. Physostigmin) → Funktioneller Antagonismus
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Pharmakologie des Atmungssystems (RD) Akuter Asthmaanfall (RD) Akut exazerbierte COPD (RD) Intoxikation mit anticholinergen Substanzen (RD) Parasympathikus
Quellen
- Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG: Fachinformation Atrovent® LS 250 µg/ml Lösung für einen Vernebler, Stand: August 2020
- S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
