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Kardiale Dekompensation

7 Minuten Lesezeit

Eine kardiale Dekompensation beschreibt die Verschlechterung einer Herzinsuffizienz. Das Herz ist nicht mehr fähig, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz (bis 2026 „akute Herzinsuffizienz“) sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass eine dringliche Behandlung oder Therapieintensivierung nötig ist, meist mit intravenösen Diuretika.

Eine Herzinsuffizienz entsteht als Folge einer anderen Erkrankung. Ursächlich können rhythmologische Erkrankungen (z.B. Vorhofflimmern), vaskuläre Pathologien (z.B. eine koronare Herzerkrankung (KHK) oder ein akuter Herzinfarkt) sowie eine Herzklappenerkrankung sein. Auch Herzmuskelentzündungen oder eine Herzbeuteltamponade können zu einer dekompensierten Herzinsuffizienz führen. Weitere extrakardiale Ursachen, an die gedacht werden sollte, sind eine Lungenarterienembolie, eine Aortendissektion, ein Hypertonus, eine Anämie, eine neu begonnene Therapie mit NSAR oder Glucocorticoiden sowie eine Hypo- oder Hyperthyreose.

Für die Klassifikation, Pathophysiologie, ausführliche Diagnostik und Therapie der chronischen Herzinsuffizienz siehe Herzinsuffizienz.

Bei der Herzinsuffizienz kann es zu einem Vorwärtsversagen (es wird nicht mehr ausreichend Blut ausgeworfen) und einem Rückwärtsversagen (das Blut staut sich zurück) kommen. Je nachdem, ob das rechte oder das linke Herz betroffen ist, treten unterschiedliche Symptome auf. Im weiteren Verlauf kommt es häufig zu einer Globalinsuffizienz, also zu einer Insuffizienz des rechten und linken Herzens, mit einem Vorwärts- und Rückwärtsversagen.

Herzinsuffizienz Symptome

 Bei pulmonaler Symptomatik siehe auch Lungenödem.

  • Klinik und Anamnese:

    Kardiales Unterschenkelödem
    • Linksherzinsuffizienz – Vorwärtsversagen: Leistungsminderung, Synkopen (zerebrale 
      Minderperfusion)
    • Linksherzinsuffizienz – Rückwärtsversagen: Dyspnoe, Orthopnoe, Husten („Asthma cardiale“)
    • Rechtsherzinsuffizienz – Vorwärtsversagen: Dyspnoe
    • Rechtsherzinsuffizienz – Rückwärtsversagen: Halsvenenstauung, beidseitige Unterschenkelödeme, Nykturie (nächtliche Rückresorption der Ödeme führt zu vermehrter Urinproduktion in der Nacht), Stauungsleber (ggf. mit „Cirrhose cardiaque“, Aszites und Ikterus)
    • Auskultation: Herzgeräusche als Hinweise auf Klappenvitien, feuchte Rasselgeräusche bei Lungenödem, abgeschwächtes Atemgeräusch bei Pleuraergüssen
  • Pulsoxymetrie
  • Blutgasanalyse (BGA)
  • Labor:
    • Troponin: zum Ausschluss eines Myokardinfarktes als Ursache
    • NT-proBNP: korreliert mit der Schwere der Herzinsuffizienz. NT-proBNP <300 pg/ml, BNP <100 pg/ml oder MR-proANP <120 pg/ml machen eine dekompensierte Herzinsuffizienz unwahrscheinlich
    • Entzündungsparameter: Dekompensation der Herzinsuffizienz durch Infekt
    • Kreatinin: Ausschluss einer Nierenschädigung im Rahmen eines kardiorenalen Syndroms
    • Elektrolyte: insbesondere Natrium und Kalium (Beeinflussung durch Diuretika und Überwässerung)
  • EKG: Identifikation von Herzrhythmusstörungen als Auslöser der Dekompensation (z.B. Vorhofflimmern) und Ausschluss eines ST-Strecken-Hebungsinfarktes (STEMI)
  • Echokardiographie: Einschätzung der Pumpfunktion (LV-EF, diastolische Funktion), Identifikation von Klappenvitien, Identifikation von Rechtsherzbelastungszeichen bei Lungenarterienembolie, Wandbewegungsstörungen bei Myokardinfarkt
  • Sonographie der Pleura und der V. cava inferior: zur Einschätzung des Flüssigkeitshaushaltes
  • Röntgen-Thorax: pulmonalvenöse Stauung, Lungenödem, Pleuraergüsse
  • Bei Verdacht auf eine Myokarditis: Kardio-MRT
  • Bei Verdacht auf KHK/Myokardinfarkt: Koronarangiographie

 Bei pulmonaler Symptomatik siehe auch Lungenödem.

  • Die Therapie gliedert sich in eine kurzfristige Therapie mit dem Ziel der Symptomlinderung und eine langfristige Therapie der Grunderkrankung (siehe Herzinsuffizienz → Therapie)
  • Sitzende Lagerung
  • Sauerstoffgabe nur bei SpO2 <90 % (ESC 2026). Zielbereich 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko 88–92 % (S3-Leitlinie Sauerstoff 2021)
  • Bei starker Angst oder Unruhe: zunächst beruhigen, ggf. vorsichtig ein Benzodiazepin (z.B. Midazolam oder Diazepam). Opioide nicht routinemäßig, nur bei starken, anders nicht beherrschbaren Schmerzen oder Angst (z.B. Morphin niedrig dosiert) ➜ CAVE: Atemdepression
  • Diuretische Therapie zum Volumenentzug mit intravenösem Schleifendiuretikum (z.B. Furosemid 40 mg i.v. ohne diuretische Vortherapie, sonst doppelte orale Tagesdosis i.v.). Ansprechen prüfen: Natrium im Spontanurin nach 2 h ≥70 mmol/l oder Urinmenge nach 6 h ≥100 ml/h
  • Intravenöse Vasodilatatoren (z.B. Nitroglycerin) können bei systolischem Blutdruck >110 mmHg als Initialtherapie erwogen werden
  • Ggf. Inotropikatherapie bei systolischem Blutdruck <90 mmHg mit Minderperfusion trotz Standardtherapie (z.B. Dobutamin i.v. nach Blutdruck titriert bei geringer linksventrikulärer Auswurfleistung - Noradrenalin + Dobutamin bei persistierender Hypotonie)
  • Bei fehlender Ausscheidung/Dialysepflichtigkeit: Dialyse mit Negativbilanzierung
  • Bei ausgeprägten Pleuraergüssen/Aszites: Pleura-/Aszitespunktion
  • Bei persistierendem kardiogenem Schock: mechanische Kreislaufunterstützung
    • Veno-arterielle extrakorporale Membranoxygenierung (va-ECMO) oder mikroaxiale Pumpe (z.B. Impella) nach Entscheidung des Shock-Teams
    • Bei fehlender Erholung: dauerhaftes linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD = Left Ventricular Assist Device) oder Herztransplantation
  • Kausale Therapie (z.B. elektrische Kardioversion bei Vorhofflimmern, Koronarintervention bei Herzinfarkt, Perikarddrainage bei hämodynamisch relevantem Perikarderguss etc.)
  • Etablierung einer Herzinsuffizienzmedikation: SGLT2-Hemmer nach initialer Stabilisierung noch im Krankenhaus beginnen. Die Basistherapie (FMT = Foundational Medical Therapy) vor Entlassung zügig einleiten und in den ersten 6 Wochen bei engmaschigen Kontrollen auftitrieren
Herzinsuffizienztherapie Übersicht

Ein praktisches Fallbeispiel zum Thema findest du hier: Fall 7: Atemnot und dicke Beine

Ein praktisches BGA-Fallbeispiel zum Thema findest du hier: BGA-Fallbeispiel 2

Ein praktisches EKG-Fallbeispiel zum Thema kardiale Dekompensation findest du hier: EKG-Fallbeispiel 3, EKG-Fallbeispiel 9

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2026
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