Zusammenfassung
Kolon
Epidemiologie
- Divertikel des Dickdarms sind häufiger bei Männern und im höheren Lebensalter auf (ca. 65% der >85-Jährigen)
- Divertikel sind keine Präkanzerosen
Ursache & Pathophysiologie
Divertikel entstehen bei erhöhtem intraluminalen Druck (z.B. Obstipation
Klinik

Die Klinik ist eher unspezifisch und Divertikel sind in der Regel asymptomatisch, solange keine Komplikationen auftreten. Divertikel sind häufig ein Zufallsbefund bei der Vorsorgekoloskopie.
- Krampfartige Bauchschmerzen im linken Unterbauch („Linksappendizitis“)
- Verstärkte Darmgeräusche, veränderte Defäkation (Diarrhoe
/Obstipation ), Flatulenz, ggf. Übelkeit & Erbrechen - Ggf. okkulte Blutungen mit Anämie-Zeichen oder Hämatochezie
(Blutauflagerungen auf dem Stuhl) - Bei Divertikulitis: Fieber
Diagnostik
- Anamnese & körperliche Untersuchung
- Druckschmerz im linken Unterbauch, ggf. walzenförmige Resistenz tastbar
- bei generalisierter Peritonitis: schmerzhaft bei leichtem Beklopfen der Bauchhaut, Zeichen eines akuten Abdomens
mit Abwehrspannung - Ggf. schmerzhafte DRU
- Labor:
- Laboranalyse des Blutes: Entzündungsparameter (erhöht)
- Laboranalyse des Urins: DD: Nierensteine oder Harnwegsinfekt
- Abdomensonografie (1. Wahl): erste Beurteilung bei V.a. Divertikulitis
- Wandverdickung des Sigmoids, Darstellung von entzündeten Divertikeln mit Umgebungsreaktion und ggf. Abszess oder freie Flüssigkeit
- Bei unklarem Sonografie-Befund/V.a. Abszess/Fistel/Peritonitis: CT (Abdomen) mit Kontrastmittel i.v., oral oder per Einlauf
- Bei akutem Abdomen
: Röntgen (Abdomen) - Röntgenbild: ggf. freie Luft
sichtbar
- Röntgenbild: ggf. freie Luft
- In entzündungsfreiem Intervall/bei Blutung/zum Karzinomausschluss: Koloskopie
/Sigmoidoskopie
AchtungBei akuter Divertikulitis sollten endoskopische Maßnahmen aufgrund des Perforationsrisikos nicht durchgeführt werden!
Therapie
Konservative Maßnahmen (bei unkomplizierter Divertikulose)
- ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Gabe von Flohsamenschalen, ggf. Gewichtsreduktion
Allgemeine Maßnahmen bei Divertikulitis:
- Analgesie:
- Metamizol
: stärkstes Nicht-Opioid-Analgetikum , spasmolytische Wirkung, CAVE: Agranulozytosegefahr - Opioide
: in der Akuttherapie bei starken Schmerzen (bspw. Pethidin aufgrund geringer Spasmogenität)
- Metamizol
- Stadiengerechte Therapie (ggf. antibiotische oder chirurgische Therapie) anhand Classification of Diverticular Disease
- Stationäre Aufnahme
- Antibiotische Therapie: sollte gramnegative und anaerobe Bakterien erfassen → häufige Kombinationen:
- Ceftriaxon oder Cefuroxim + Metronidazol
- Ampicillin/Sulbactam
- Piperacillin/Tazobactam
- Bei Penicillinüberempfindlichkeit: Ciprofloxacin + Metronidazol
- Ceftriaxon oder Cefuroxim + Metronidazol
- Operative Therapie:
- Minimalinvasive Sigmaresektion
- Bei Sepsis/akutem Abdomen
: Notfalloperation (<6 Std. nach Diagnosestellung), ggf. zweizeitiger Eingriff mit Anlage eines protektiven Ileostomas und Rückverlagerung (Alternativ: Hartmann-Operation)
Bei Blutung
- Flüssigkeitssubstitution, supportive Therapie
- Bei andauernder Blutung Interventionsmaßnahmen: endoskopische Maßnahmen, angiografische Embolisation oder operativer Eingriff
InfoHartmann-Operation
Die Hartmann-Operation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein erkrankter Darmabschnitt entfernt und ein künstlicher Darmausgang, ein Stoma, angelegt wird. Der Rektumstumpf wird blind verschlossen. Die Hartmann-Operation wird in der Regel bei komplizierter Sigmadivertikulitis, Darmperforationen, Darmischämie oder karzinombedingten Stenosen im Sigma- oder Rektumbereich durchgeführt.
Komplikationen
- Divertikelblutung
- Lokale Entzündung der Schleimhaut:
- Divertikulitis durch Darminhalt im Divertikelsack
- Fistelbildung:
- Zu anderen Organen (z.B. Harnblase, Scheide, andere Darmabschnitte, Haut)
- Kolovesikale Fistel: Entweichen von Luft beim Wasserlassen (sogenannter „Champagnerurin“)
- Freie Perforation:
- Generalisierte Peritonitis (selten)
- Abszess
- Stenosen:
- Entstehung durch wiederholte Entzündungen → Notfall: mechanischer Ileus
- Entstehung durch wiederholte Entzündungen → Notfall: mechanischer Ileus

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Quellen
- S3-Leitlinie Divertikelkrankheit / Divertikulitis, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
- S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Blutung, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS)



