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Kolon-Divertikel, Divertikulose & Divertikulitis

6 Minuten Lesezeit

Kolon-DivertikelDivertikulose und Divertikulitis betreffen den Dickdarm, besonders im höheren Alter. Kolon-Divertikel sind Ausstülpungen der Mukosa und Submukosa durch muskuläre Schwachstellen der Darmwand, meist durch erhöhten Druck verursacht. Divertikulose bezeichnet das Vorhandensein mehrerer Divertikel, während Divertikulitis die Entzündung dieser Divertikel beschreibt. Symptome einer Divertikulitis umfassen krampfartige Bauchschmerzen im linken Unterbauch, veränderte Defäkation, Flatulenz, Übelkeit, Erbrechen, okkulte Blutungen und Fieber. Komplikationen sind peridivertikuläre Abszesse, Fistelbildung (z.B. kolovesikale Fistel mit Pneumaturie) und selten eine freie Perforation mit generalisierter Peritonitis. Diagnostik erfolgt durch Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboranalysen und bildgebende Verfahren (Sonografie, CT). Die Therapie besteht bei unkomplizierter Divertikulose in ballaststoffreicher Kost und ausreichender Flüssigkeitszufuhr, bei Divertikulitis in Antibiotika und ggf. chirurgischen Eingriffen (z. B. Sigmaresektion oder Hartmann-Operation).

  • Divertikel des Dickdarms treten häufiger bei Männern und im höheren Lebensalter auf (ca. 65% der >85-Jährigen)
  • Divertikel sind keine Präkanzerosen

Divertikel entstehen bei erhöhtem intraluminalen Druck (z.B. Obstipation durch ↓Flüssigkeitszufuhr & ballaststoffarme Ernährung, Adipositas) an Stellen, an denen kleine Blutgefäße (Vasa recti) die Darmwand durchdringen. Da an diesen Stellen der Widerstand geringer ist. Ebenso können Motilitätsstörungen oder eine Bindegewebsschwäche (z.B. Kollagenose, Alterung) die Entstehung begünstigen.

Sigmadivertikulitis

Die Klinik ist eher unspezifisch und Divertikel sind in der Regel asymptomatisch, solange keine Komplikationen auftreten. Divertikel sind häufig ein Zufallsbefund bei der Vorsorgekoloskopie.

  • Krampfartige Bauchschmerzen im linken Unterbauch („Linksappendizitis“) 
  • Verstärkte Darmgeräusche, veränderte Defäkation (Diarrhoe/Obstipation), Flatulenz, ggf. Übelkeit & Erbrechen
  • Ggf. okkulte Blutungen mit Anämie-Zeichen oder Hämatochezie (Blutauflagerungen auf dem Stuhl)
  • Bei Divertikulitis: Fieber
  • Anamnese & körperliche Untersuchung 
    • Druckschmerz im linken Unterbauch, ggf. walzenförmige Resistenz tastbar
    • bei generalisierter Peritonitis: schmerzhaft bei leichtem Beklopfen der Bauchhaut, Zeichen eines akuten Abdomens mit Abwehrspannung
    • Ggf. schmerzhafte DRU
  • Labor:
  • Laboranalyse des Blutes: Entzündungsparameter (erhöht)
  • Laboranalyse des Urins: DD: Nierensteine oder Harnwegsinfekt
  • Abdomensonografie (1. Wahl): erste Beurteilung bei V.a. Divertikulitis
    • Wandverdickung des Sigmoids, Darstellung von entzündeten Divertikeln mit Umgebungsreaktion und ggf. Abszess oder freie Flüssigkeit
  • Bei unklarem Sonografie-Befund/V.a. Abszess/Fistel/Peritonitis: CT (Abdomen) mit Kontrastmittel i.v., oral oder per Einlauf 
  • Bei akutem Abdomen: Röntgen (Abdomen) 
    • Röntgenbild: ggf. freie Luft sichtbar 
  • In entzündungsfreiem Intervall/bei Blutung/zum Karzinomausschluss: Koloskopie/Sigmoidoskopie
 Achtung

Bei akuter Divertikulitis sollten endoskopische Maßnahmen aufgrund des Perforationsrisikos nicht durchgeführt werden!

Konservative Maßnahmen (bei unkomplizierter Divertikulose)

  • ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Gabe von Flohsamenschalen, ggf. Gewichtsreduktion

Allgemeine Maßnahmen bei Divertikulitis: 

  • Analgesie:
    • Metamizol: stärkstes Nicht-Opioid-Analgetikum, spasmolytische Wirkung, CAVE: Agranulozytosegefahr
    • Opioide: in der Akuttherapie bei starken Schmerzen (bspw. Pethidin aufgrund geringer Spasmogenität)
  • Stadiengerechte Therapie (ggf. antibiotische oder chirurgische Therapie) anhand Classification of Diverticular Disease
    • Stationäre Aufnahme
    • Antibiotische Therapie: sollte gramnegative und anaerobe Bakterien erfassen → häufige Kombinationen:
      • Ceftriaxon oder Cefuroxim + Metronidazol
      • Ampicillin/Sulbactam
      • Piperacillin/Tazobactam
      • Bei Penicillinüberempfindlichkeit: Ciprofloxacin + Metronidazol
    • Operative Therapie:
      • Minimalinvasive Sigmaresektion
      • Bei Sepsis/akutem Abdomen: Notfalloperation (<6 Std. nach Diagnosestellung), ggf. zweizeitiger Eingriff mit Anlage eines protektiven Ileostomas und Rückverlagerung (Alternativ: Hartmann-Operation)

Bei Blutung

  • Flüssigkeitssubstitution, supportive Therapie
  • Bei andauernder Blutung Interventionsmaßnahmen: endoskopische Maßnahmen, angiografische Embolisation oder operativer Eingriff
 Info
Hartmann-Operation

Die Hartmann-Operation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein erkrankter Darmabschnitt entfernt und ein künstlicher Darmausgang, ein Stoma, angelegt wird. Der Rektumstumpf wird blind verschlossen. Die Hartmann-Operation wird in der Regel bei komplizierter Sigmadivertikulitis, Darmperforationen, Darmischämie oder karzinombedingten Stenosen im Sigma- oder Rektumbereich durchgeführt.

  • Divertikelblutung
  • Lokale Entzündung der Schleimhaut:
    • Divertikulitis durch Darminhalt im Divertikelsack
  • Fistelbildung:
    • Zu anderen Organen (z.B. Harnblase, Scheide, andere Darmabschnitte, Haut)
    • Kolovesikale Fistel: Entweichen von Luft beim Wasserlassen (sogenannter „Champagnerurin“)
  • Freie Perforation:
    • Generalisierte Peritonitis (selten)
  • Abszess
  • Stenosen:
    • Entstehung durch wiederholte Entzündungen → Notfall: mechanischer Ileus
Komplikationen von Sigmadivertikeln
Lernkarte Sigmadivertikulitis
 
  • S3-Leitlinie Divertikelkrankheit / Divertikulitis, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
  • S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Blutung, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS)
Zuletzt aktualisiert am 08.08.2026
Akute Appendizitis
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
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