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Kontinenzförderung

JG
14 Minuten Lesezeit

Eine Harninkontinenz bezeichnet den unwillkürlichen Urinverlust, der durch Störungen in Blase, Harnröhre oder Muskulatur entstehen kann. Ursachen sind Beckenbodenschwäche, neurologische Erkrankungen, Infektionen oder anatomische Veränderungen. Es handelt sich meist um ein Symptom einer Grunderkrankung. Die Einteilung erfolgt nach Schweregrad (leicht bis sehr schwer) oder nach Form, z. B. Belastungs-, Drang- oder Überlaufinkontinenz.

Risikofaktoren sind vielseitig: Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung und Übergewicht belasten den Beckenboden. Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Multiple Sklerose können die Blasenkontrolle beeinträchtigen. Folgen sind oft Scham, Isolation und gesundheitliche Probleme, wie Infektionen.

Pflegekräfte sollten das Risiko individuell einschätzen, z. B. durch Gespräche und Beobachtungen der Umgebung und des Allgemeinzustands. Hilfsmittel wie Miktionsprotokolle unterstützen die Analyse. Zur Prävention gehört die Behandlung von Grunderkrankungen sowie Maßnahmen wie Sturzprophylaxe, Ernährungsberatung und Beckenbodenübungen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist essenziell, um die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern.

Eine Harninkontinenz beschreibt den unfreiwilligen Verlust von Urin. Es handelt sich um ein Symptom oder eine Gruppe von Symptomen, keine eigenständige Erkrankung. Betroffene können ihre Blase wenig oder gar nicht bewusst steuern.

 Merke

Da die Harninkontinenz keine eigenständige Erkrankung ist, spricht man nicht von Inkontinenzprophylaxe, sondern von Kontinenzförderung.

Einteilung nach Schweregrad:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Harninkontinenz einzuteilen. Eine gängige Einteilung erfolgt nach Schweregrad:

Leichte InkontinenzMittlere InkontinenzSchwere InkontinenzSehr schwere Inkontinenz
Es werden ein paar Tropfen Urin zwischen den Toilettengängen bis hin zu 100 ml in einem Zeitraum von ca. vier Stunden verloren. Dies kann beispielsweise beim Lachen, Husten oder durch Nachtröpfeln passieren (vergleichbar mit etwa einer halben Tasse)Es können unregelmäßig bis zu 200 ml Urin über einen Zeitraum von ca. vier Stunden verloren gehen. Dabei tritt ein starker, nicht unterdrückbarer Harndrang auf, und die Toilette wird nicht immer rechtzeitig erreicht (entspricht etwa einem kleinen Glas Wasser)Sehr große Mengen von mehr als 200 ml können innerhalb von vier Stunden abgehen. Die Betroffenen haben kein Gefühl der Kontrolle über die Blase und erleben oft keine vollständige EntleerungDer gesamte Blaseninhalt entleert sich unkontrolliert und dauerhaft

 

Einteilung nach Kontinenzform:

Weiterhin kann man zwischen den übergeordneten Formen der Harninkontinenz unterscheiden. Es gibt eine:

  • Funktionelle Harninkontinenz: Hierbei kommt es zu unfreiwilligem Urinverlust, weil normalerweise kontinente Patient:innen die Toilette zu spät erreichen, beispielsweise aufgrund von Mobilitätseinschränkungen oder Umweltfaktoren
  • Harninkontinenz aufgrund veränderter Speicher- und Entleerungsfunktion: Diese Form entsteht durch Störungen der Blasenfunktion, wie etwa einer geschwächten Muskulatur oder neurologischen Erkrankungen

Je nach Ursache können aber noch viele weitere Formen unterschieden werden. In der Abbildung werden die häufigsten Formen der Harninkontinenz dargestellt:

Die häufigsten Formen von Inkontinenz
Die häufigsten Formen von Inkontinenz

In der nachfolgenden Tabelle werden alle bisher bekannten Formen der Harninkontinenz mit den jeweiligen Merkmalen aufgelistet:

FormMerkmale

Belastungsinkontinenz (oder Stressinkontinenz)

  • Belastungsinkontinenz entsteht nicht durch psychischen Stress, sondern durch körperliche Belastung
  • Harnverlust durch körperliche Belastung: z. B. Husten, Niesen, Lachen oder schweres Heben
  • Der Blasenschließmuskel ist zu schwach, um Urin bei erhöhtem Druck im Bauchraum (z. B. durch Husten oder Lachen) zurückzuhalten
  • Häufigste Form bei Frauen, oft bedingt durch Schwangerschaften, Geburten oder hormonelle Veränderungen

Dranginkontinenz

  • Unwillkürlicher Urinverlust aufgrund einer Störung der Blasenfunktion, bei der die Blase den Urin nicht richtig speichern kann
  • Unkontrollierbarer, überfallartiger Harndrang: tritt so plötzlich auf, dass Urin nicht gehalten werden kann, z. B. auf dem Weg zur Toilette
  • Blase ist nicht maximal gefüllt, da der Harndrang unabhängig von der Füllmenge auftritt
  • Patient:innen verspüren übermäßig oft den Drang, auf die Toilette zu müssen (auch nachts, sogenannte Nykturie)
  • Sonderform: Giggle-Inkontinenz
    • Diese Sonderform ist äußerst selten und tritt fast ausschließlich bei Kindern, insbesondere Mädchen vor der Pubertät, auf
    • Nicht erhöhter Druck im Bauchraum, sondern ein Reflex löst den Urinabgang aus
    • Ausgelassenes Lachen führt zu einer nicht steuerbaren kompletten Blasenentleerung ohne vorherigen Harndrang

Überaktive Blase (ÜAB; oder Reizblase)

  • Die überaktive Blase (ÜAB) wird oft fälschlicherweise mit der Dranginkontinenz gleichgesetzt, ist jedoch eine eigenständige Krankheitsbezeichnung
  • Eine ÜAB muss nicht zwangsläufig mit einer Dranginkontinenz einhergehen: Patient:innen können auch häufigen Harndrang verspüren, ohne unwillkürlichen Urinverlust
  • Patient:innen entleeren ihre Blase häufig und in kleinen Mengen, da der Harndrang oft unabhängig von der tatsächlichen Füllmenge der Blase auftritt

Mischinkontinenz (Kombination von Belastungs- und Dranginkontinenz)

 

  • Ausgeprägter, plötzlicher Harndrang, der schwer kontrollierbar ist
  • Urinverlust bei körperlicher Aktivität: z. B. beim Husten, Lachen oder Heben schwerer Gegenstände
  • Ursachen: Kombination aus Schwäche des Blasenschließmuskels (führt zu Urinverlust bei Belastung) und Speicherungsstörung oder Überaktivität der Blase (führt zu plötzlichem Harndrang)

Reflexinkontinenz (oder neurogene Blase)

  • Signale vom Gehirn werden auf dem Weg zur Blasenmuskulatur unterbrochen oder gestört, wodurch Patient:innen die Muskulatur nicht wie gewollt steuern können → Kommunikation zwischen Gehirn und Blase gestört ist → die Blase entleert sich nicht gewollt, sondern durch unkontrollierte Reflexe
  • Typisches Symptom: unwillkürliche Blasenentleerung ohne vorherigen Harndrang, z. B. während alltäglicher Aktivitäten
  • Formen:
    • Spinale Reflexinkontinenz: Nervenbahnen zwischen Harntrakt und zentralem Nervensystem (z. B. Rückenmark) sind gestört (Ursache: Rückenmarksverletzungen oder Erkrankungen wie Multiple Sklerose)
    • Supraspinale Reflexinkontinenz: Nervenverbindungen funktionieren aufgrund von Störungen in höheren Gehirnregionen, wie einem Schlaganfall oder einer Demenz, nicht mehr

Überlaufinkontinenz (oder Inkontinenz bei chronischer Harnretention/-harnverhalt)

 

  • Urin kann nur tröpfchenweise abgegeben werden, da die Blase nicht vollständig entleert werden kann → große Mengen an Restharn verbleiben in der Blase, die schließlich überläuft
  • Typisches Symptom: kontinuierliches Harntröpfeln, das durch den Druck des überschüssigen Restharns in der Blase verursacht wird

Extraurethrale Inkontinenz

  • Seltene Form der Harninkontinenz
  • Urin tritt nicht durch die Harnröhre aus, sondern durch fehlgebildete oder fehlliegende Gänge, die aufgrund anatomischer Anomalien entstehen
  • Ursache: Im Kindesalter treten oft Fehlbildungen der unteren Harnleiter auf (z. B. ektopische Ureteren), während im Erwachsenenalter meist Fisteln, z. B. nach Operationen oder Bestrahlungen, die Ursache sind
  • Symptom: Ein kontinuierlicher Harnabgang über fehlliegende Ausgänge, der meist ohne Kontrolle erfolgt und zu erheblichem Leidensdruck führen kann

Nykturie (nächtlicher Harndrang im Erwachsenenalter)

  • Häufige Form der Harnstörung im höheren Alter, bedingt durch altersbedingte Veränderungen in der Blasenfunktion und anderen körperlichen Prozessen
  • Verstärkter Harndrang nachts, der zu häufigen Unterbrechungen des Schlafs führt und die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen kann
  • Auslöser: Herzerkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz), Diabetes mellitus, Medikamente wie Diuretika, hormonelle Veränderungen (z. B. durch Menopause) oder größere Trinkmengen am Abend

Enuresis (Bettnässen im Kindesalter)

  • Enuresis liegt vor, wenn ein Kind nach seinem 5. Lebensjahr mindestens zwei Nächte im Monat unwillkürlich Urin verliert (nächtliches Einnässen)
  • Ein Harnwegsinfekt oder Einnässen tagsüber sind ausgeschlossen
  • Ursache: In den meisten Fällen entwickelt sich die Blasenkontrolle langsamer, häufig aufgrund genetischer Veranlagung

Kindliche Harninkontinenz

  • Symptome: nachts Einnässen und tagsüber Schwierigkeiten mit der Harnkontrolle, wie häufiger Harndrang oder ungewolltes Harnträufeln
  • Meist handelt es sich um eine krankheitsbedingte Dranginkontinenz → Kinder möchten das Spielen nicht unterbrechen, verzögern den Toilettengang und verlieren dadurch die Kontrolle über die Blase
  • Inkontinenz mit Miktionsaufschub: Dabei wird die Toilette in bestimmten Situationen absichtlich nicht aufgesucht, bis der Urin nicht mehr gehalten werden kann und die Blase unkontrolliert entleert wird
Risikofaktoren und Ursachen einer Harninkontinenz
Risikofaktoren und Ursachen einer Harninkontinenz

Auswirkungen einer Harninkontinenz

Auswirkungen einer Harninkontinenz
Auswirkungen einer Harninkontinenz
  • Gespräch führen:
    • In einer ruhigen Umgebung ohne Mithörer, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die es Patient:innen erleichtert, offen über sensible Themen zu sprechen.
    • Offene Fragen stellen:
      • Verlieren Sie ungewollt Urin?
      • Verspüren Sie häufig starken Harndrang?
      • Müssen Sie pressen, um Wasser zu lassen?
      • Haben Sie das Gefühl, Ihre Blase nicht vollständig entleeren zu können?
      • Wie oft müssen Sie nachts auf die Toilette gehen?
  • Beobachtungen: Nervöses Hin-und-Her-Rutschen auf dem Stuhl, mitgebrachte Inkontinenzmittel, nasse Unterhosen auf der Heizung, Uringeruch → diese Beobachtungen können auf bestehende Inkontinenzprobleme hinweisen, da sie typische Anzeichen für Schwierigkeiten im Umgang mit der Blasenfunktion sind
  • Zustandsveränderungen von Patient:innen:
    • Mobilitätsverschlechterungen: z. B. langsameres Gehen, Schwierigkeiten beim Aufstehen oder häufiges Hinfallen → dokumentiert werden sollten Veränderungen in der Gehgeschwindigkeit, benötigte Hilfsmittel oder die Häufigkeit von Stürzen
    • Verwirrtheitszustände
  • Assessmentinstrumente: diese Instrumente dienen dazu, Muster und Probleme beim Wasserlassen zu erkennen
    • Miktionsprotokolle: dokumentieren die Häufigkeit, Menge und Umstände der Blasenentleerung
    • Kontinenzprofile: bieten eine umfassendere Analyse der Kontinenzfähigkeit

Kontinenzprofile:

ProfilKennzeichen
Kontinenz
  • Kein unfreiwilliger Harnverlust
  • Keine Maßnahmen der Kontinenzförderung
  • Keine personelle Hilfe
Unabhängig erreichte Kontinenz
  • Kein unfreiwilliger Harnverlust
  • Maßnahmen sind erforderlich
  • Keine personelle Hilfe
Abhängig erreicht Kontinenz
  • Kein unfreiwilliger Harnverlust
  • Maßnahmen sind erforderlich
  • Personelle Hilfe ist erforderlich
Unabhängig kompensierte Inkontinenz
  • Unfreiwilliger Harnverlust
  • Keine personelle Hilfe bei der Versorgung mit Hilfsmitteln
Abhängig kompensierte Inkontinenz
  • Unfreiwilliger Harnverlust
  • Unversorgte Inkontinenz
 Merke

In der Klinik sollte immer eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von z. B. Pflegekräften, Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen und Ernährungsberater:innen erfolgen, um einen guten Therapieerfolg für die Patient:innen zu gewährleisten.

RisikofaktorenPräventive Maßnahmen

Erkrankungen

  • Klärung und Diagnose von Grund- und Begleiterkrankungen: wie z. B. Diabetes mellitus, neurologische Störungen (z. B. Multiple Sklerose, Parkinson), oder urologische Erkrankungen wie Harnwegsinfekte oder Prostataprobleme.
  • Behandlung von Grund- und Begleiterkrankungen: wie z. B. die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes mellitus oder die Verabreichung von Anticholinergika bei überaktiver Blase.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: von z. B. dem Hausarzt mit Urologen, Gynäkologen oder Neurologen
    • Kooperation ermöglicht eine umfassende Diagnostik, individuell abgestimmte Therapieansätze und eine bessere Betreuung der Patient:innen durch den Austausch von Fachwissen.
  • Überprüfung des Medikamentenplans: gibt es Medikamente, die eine Inkontinenz bedingen, wie z. B. Diuretika, Antidepressiva oder Betablocker?
    • Wenn solche Medikamente identifiziert werden, sollte geprüft werden, ob sie abgesetzt, durch besser verträgliche Alternativen ersetzt oder ihre Dosierung angepasst werden kann

Hygiene

  • Regelmäßige Intimpflege:
    • Beachten der Wischrichtung bei Frauen: Verschleppung von Keimen aus dem Analbereich in den Intimbereich vermeiden und Infektionen vorbeugen
    • Korrekte Manipulation der Vorhaut bei Männern → Cave: nicht bei männlichen Säuglingen, da die Vorhaut bei Säuglingen häufig noch mit der Eichel verklebt ist und ein Zurückziehen zu Verletzungen führen kann
    • Einsatz geeigneter Wachzusätze: wie z. B. pH-neutrale Waschlotionen oder milde Seifen, die die Haut schonen und den natürlichen Säureschutzmantel erhalten
    • Regelmäßiger Wechsel von Inkontinenzmaterial: idealerweise alle 4-6 Stunden, um Hautreizungen zu vermeiden → Gebrauchte Materialien sollten in verschlossenen Beuteln entsorgt und an einem kühlen, trockenen Ort gelagert werden, bis sie entsorgt werden können.
  • Menstruierende Frauen und Mädchen: Regelmäßiger Wechsel von Tampons und Einlagen (spätestens alle 8h)
  • Frauen im Wochenbett: besondere Anforderungen an die Hygiene aufgrund von Lochien (Wochenfluss) → dazu gehört das regelmäßige Wechseln von Binden, das Reinigen des Intimbereichs mit warmem Wasser ohne aggressive Seifen und das Vermeiden von Vollbädern, um Infektionen vorzubeugen

Ernährung

Ernährung
  • Individuell angepasste Aufnahme von Flüssigkeit: bevorzugt Wasser und ungesüßte Tees → fördert Produktion von Sekundärharn (der nach der Filtration durch die Nieren übrigbleibt und Abfallstoffe ausscheidet) und beugt so einer Harnwegsinfektion vor
    • Empfohlene Trinkmenge: 1,5-2 Liter am Tag (bei Herz- oder Nierenproblemen sollte die Trinkmenge individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden)
  • Überaktive Blase: Koffein vermeiden → Koffein wirkt harntreibend, da es die Durchblutung der Nieren erhöht und die Blasenkontraktionen verstärken kann, was zu einem verstärkten Harndrang führt.
  • Ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung: mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, z. B. Äpfel, Karotten und Haferflocken
    • Fördern eine gesunde Verdauung, regulieren den Blutzuckerspiegel und tragen zur allgemeinen Gesundheit bei
  • Maßnahmen zur Obstipationsprophylaxe
  • Reduktion von Übergewicht

Bewegung

Richtung
  • Regelmäßige Bewegung:
    • Körpergewicht aufrechterhalten, das dem Beckenboden das „Tragen“ der inneren Organe erleichtert, da ein höheres Gewicht den Beckenboden stärker belastet und seine Funktion beeinträchtigen kann → Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen, ein gesundes Körpergewicht zu halten und den Beckenboden zu entlasten
    • Stärkung der Muskulatur
    • Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit
    • Verbesserung von Körperfunktionen
  • Geeignete Sportart finden: z. B. Yoga, Pilates → fördern die Stabilität und Flexibilität des Körpers, stärken die Tiefenmuskulatur und sind besonders gelenkschonend
  • Bei bettlägerigen Patient:innen: regelmäßige Bewegungsübungen im Bett durchführen, wie das Anziehen und Strecken der Beine, das Heben der Fersen oder sanfte Drehbewegungen des Oberkörpers, um die Durchblutung zu fördern und Muskelabbau zu verhindern
  • Besonders wichtig: Sturzprophylaxe
    • Sicheres Schuhwerk, wie z. B. rutschfeste Sohlen, geschlossene Schuhe mit gutem Halt und flachen Absätzen, um ein Abrutschen oder Stolpern zu vermeiden
    • Umgebung beachten: z. B. Stolperfallen entfernen, wie Teppiche oder herumliegende Gegenstände

Orientierung und Tagesstruktur

Orientierung
  • Sichere Umgebung schaffen:
    • Wohnraumanpassung: z. B. Haltegriffe im Bad oder Toilettensitzerhöhung und gut erreichbare Lichtschalter
    • Ausreichende Beleuchtung auf dem Weg zur Toilette: z. B. durch den Einsatz von Bewegungsmeldern, Nachtlichtern oder dimmbaren Lichtquellen, um Stolperfallen zu vermeiden
  • Tagesstruktur vorgeben: z. B. feste Zeiten für Mahlzeiten, Spaziergänge und Toilettengänge einplanen, um Sicherheit und Orientierung zu fördern
  • Menschen mit Demenz:
    • bildhafte Beschilderung des Weges zur Toilette: z. B. durch Piktogramme oder farbige Markierungen
    • Aufforderung zum Toilettengang durch klare und ruhige Ansprache, unterstützt durch Gesten oder visuelle Hinweise
  • Vertrauensaufbau
  • Professionelle Beziehungsgestaltung
  • Hektik vermeiden: kann Stress und Verunsicherung bei Patient:innen erhöhen
    • Klare Abläufe, ausreichende Zeit für Aufgaben und eine ruhige Kommunikation

Weitere Risikofaktoren

  • Offener und sensibler Umgang mit dem Thema: Reduktion von Schamgefühlen durch respektvolle Gespräche, aktives Zuhören und eine einfühlsame Kommunikation ohne Druck oder Wertung
  • Kleidung: leicht zu öffnen und schnell ausziehbar
  • Physiotherapie: Beckenbodentraining, z. B. für Schwangere
    • Hilft, die Muskulatur zu stärken, die Geburt zu erleichtern und Inkontinenz vorzubeugen
    • Auch für andere Patient:innen trägt es zur Stabilisierung des Beckenbodens und zur Verbesserung der Lebensqualität bei
  • Blasentraining: Bewältigungsstrategien des Harndrangs
    • Empfohlene Trinkmenge zwischen 8 und 18 Uhr einnehmen → nächtlichen Harndrang verhindern
    • Ablenkung beim ersten Harndrang: z. B. mit dem Aufsagen eines Gedichts, tiefem Atmen, dem Zählen von Zahlenreihen oder dem Summen einer Melodie
  • Toilettentraining: Entleerungsrhythmus mit festen Entleerungszeiten
  • Miktions- und Trinkprotokoll über mind. 3 Tage: Dokumentation von Trinkmenge, Häufigkeit und Zeitpunkten des Wasserlassens → helfen, Muster zu erkennen und die Therapie individuell anzupassen
  • Hilfsmittel: Verordnung durch den Arzt möglich
    • Vaginalkonen stärken die Beckenbodenmuskulatur
    • Kondomurinale für diskrete und hygienische Urinableitung
    • Toilettenstühle und Urinflaschen für eine erleichterte Nutzung im Alltag
    • Geeignetes Inkontinenzmaterial, das Hautschutz und Komfort bietet
  • Einbezug von Angehörigen in die Pflege:
    • Beratung und Anleitung zum Umgang mit Pflegehilfsmitteln
    • Besuchen von Pflegekursen für Angehörige: z. B. zur richtigen Anwendung von Inkontinenzmaterial, zur Durchführung von Mobilitätsübungen oder zum Erkennen von Hautproblemen.
  • Bei psychischer Belastung: Entspannungsübungen
  • Al-Abtah et al.: I care Pflege. Georg Thieme Verlag 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (2024) Expertenstandard Kontinenzförderung in der Pflege
  • Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) (2021): Inkontinenz. Praxistipps für den Pflegealltag
  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) (2024): Sk2-Leitlinie Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten – Diagnostik und Therapie
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2025
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