Zusammenfassung
Eine Kontraktur ist eine Bewegungseinschränkung, die hauptsächlich durch Gelenksteifigkeit und Funktionsstörungen der Extremitäten gekennzeichnet ist. Eine Kontraktur ist oft schwer zu behandeln und mit starken Schmerzen verbunden. Die häufigste Ursache ist eine Bewegungseinschränkung bzw. Immobilität. Diese führt dazu, dass Muskeln nicht mehr gedehnt werden und sich auf Dauer verkürzen. Weitere Ursachen können Schmerzen, bestimmte Medikamente (z. B. sedierende Mittel), Wunden oder eine fehlende bzw. falsche Positionierung der Patient:innen sein.
Kontrakturen
Definition

Becguglielmino, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
Unter dem Begriff Kontraktur werden mehrere beobachtbare Merkmale zusammengefasst. Dazu zählen Gelenksteifigkeit, Funktionsstörungen der Extremitäten, Gelenkverformungen und ein gesteigerter Widerstand gegen passive Muskeldehnung. Kontrakturen
Das betroffene Gelenk weist eine verhärtete Muskulatur auf und kann deshalb nur eingeschränkt oder auch gar nicht aktiv gebeugt oder gestreckt werden. Außerdem können Pflegekräfte das Gelenk nur eingeschränkt in eine andere Richtung bewegen (passive Bewegung). Diese Einschränkungen führen zu einer stark eingeschränkten Beweglichkeit und Mobilität
Risikofaktoren und Ursachen
- Ruhigstellung: durch z. B. freiheitsentziehende Maßnahmen oder strikte Bettruhe
- Menschen befinden sich über einen längeren Zeitraum in einer Position und ignorieren die Funktionsstellung der Gelenke → schon bei 4-14 Tagen Ruhigstellung bildet sich elastisches Bindegewebe um die Gelenkkapsel und der Bewegungsradius sinkt
- Reduzierter Mobilitätsradius und fehlende Bewegung: meist verringern ältere Menschen ihren Bewegungsradius, z. B. aus Angst vor Stürzen, aufgrund von reduzierten sozialen Kontakten oder aufgrund von Erkrankungen → infolgedessen kommt es zur Verkürzung der Muskeln und Muskelabbauprozessen
- Erkrankungen:
- Demenz: kann zu Bewegungsunfähigkeit und fehlender Orientierung
führen - Schlaganfall mit dereguliertem Muskeltonus
: führt zu Muskelspastik oder -schwäche - infantile Zerebralparese: verursacht muskuläre Störungen und Bewegungseinschränkungen
- Demenz: kann zu Bewegungsunfähigkeit und fehlender Orientierung
- Unfälle oder Operationen: z.B. Querschnittlähmung
, Verbrennungen , Schulterfrakturen, Wunden → verbunden mit Schmerzen können Unfälle und Operationen zu Schonhaltungen und Bewegungseinschränkungen beitragen - Medikamente: sedierende und bewusstseinseinschränkende Medikamente tragen zu Bewegungseinschränkungen bei
- Dermatogene Kontrakturen
: z.B. durch großflächige Narben - Fehlende oder falsche Positionierung: Kissen unter den Kniekehlen und gleichzeitig ein leicht erhöhter Oberkörper stellen die Gelenke ruhig → Folge: ein erhöhter Muskeltonus
und Schmerzen beim Bewegen der Gelenke nach Beendigung der Positionierung
MerkeHohlräume sollten so unterpolstert werden, dass der Muskeltonus
flächig abgegeben werden kann.
Auswirkungen:
- Immobilität: die Dekubitus- und Sturzgefahr ist erhöht und Bettlägerigkeit
kann entstehen - Unbeweglichkeit von Fingern und Zehen: schmierige Beläge in den Zwischenräumen (Intertrigogefahr)
- Starke Schmerzen
- Entstehung von Ulzera in den komprimierten Hautschichten: schlimmstenfalls führt dies zu einer Amputation der betroffenen Extremität
Einschätzung des Kontrakturrisikos
MerkeEs gibt keine speziellen Instrumente zur Einschätzung des Kontrakturrisikos
- Physiotherapie: Performanztests (Bewegungsfähigkeit von Patient:innen analysieren)
- Bewegungsaufforderungen nachkommen, z. B. aus dem Liegen aufstehen oder sich hinlegen
- Performanztest: sollte als Hilfsmittel auch in der Pflege eingesetzt werden
- Umsetzung eher spielerisch im Alltag, z. B. Handtuch vom Haken neben dem Kopf nehmen → Beobachtung: kann der Oberkörper gedreht, der Kopf gehoben und die Finger bewegt werden
- Komplexe Instrumente: z. B. Resident Assessment Instrument (RAI), das Geriatrische Basis Assessment (GBA)
- Wichtige Fragen: z. B. wie bewegen sich die Patient:innen im Bett, wie sitzen sie an der Bettkante oder können sie gehen oder stehen?
Maßnahmen zur Prophylaxe
| Risikofaktoren | Präventive Maßnahmen |
|---|---|
Reduktion des Bewegungsradius |
|
Demenz |
|
Fehlende oder falsche Positionierung |
|
Schmerzen und Schonhaltung |
|
Medikamente |
|
Sonderform Spitzfuß
Die Spitzfußprophylaxe hat das Ziel, eine Kontraktur im oberen Sprunggelenk
Prophylaktische Maßnahmen:
- Füße in physiologischer Mittelstellung (90°) lagern: Positionierungsmaterial hinter die Füße legen → Vermeidung einer Positionierung in dauerhafter Streckstellung
- Decke über das Fußende hinaus und nicht auf den Füßen platzieren
- Bewegungsübungen (aktiv oder passiv): Fußgelenke regelmäßig beugen und strecken
- Beim Sitzen z.B. im Rollstuhl
: Füße auf den Fußrasten positionieren und Streckstellung vermeiden
Quellen
- Jana Mossanen in Intensivmedizin 2021; 17: 282-286. Spitzfußprophylaxe – Schritt für Schritt. Georg Thieme Verlag.
- Al-Abtah et al.: I care Pflege. Georg Thieme Verlag 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
