Kopfschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom. Meistens sind die Kopfschmerzen harmlos. Im Notfall ist die Identifikation von sekundären Kopfschmerzformen, also Kopfschmerzen im Rahmen von anderen Grunderkrankungen, bspw. Schädel-Hirn-Traumata oder Enzephalitiden, entscheidend.
Häufig ist durch eine strukturierte Anamnese und körperliche sowie neurologische Untersuchung die Einordnung der Kopfschmerzen bereits möglich. Bei Hinweisen für sekundäre Kopfschmerzen sollte eine Bildgebung und ggf. eine Liquorpunktion erfolgen.
- Anamnese: Wann? Wie lange? Wie stark? Wo? Wie? Welche Begleitsymptome? (OPRST-Schema)
- Körperliche Untersuchung: Hinweise auf einen Infekt? Nasennebenhöhlen, Zahnstatus
- Neurologische Untersuchung: Vigilanz, fokal-neurologisches Defizit, Meningismus, Hirnnerven
- Labordiagnostik: je nach klinischem Verdacht: kleines Blutbild, CRP (Kopfschmerzen können bei einem allgemeinen Infekt, z.B. einer Grippe, vorliegen, aber auch ein Hinweis für eine Meningitis sein), Blutzucker, BGA, Elektrolyte, etc.
- Bei Hinweisen für eine sekundäre Ursache oder unklaren Befunden:
- Bildgebung: cCT, cMRT
- Liquorpunktion

| Symptomatik | Diagnose | Therapie |
|---|---|---|
| Plötzlicher starker Vernichtungskopfschmerz | Subarachnoidalblutung (SAB) | Sofort CT-Angiographie |
| Neuartige Kopfschmerzen/ veränderter Charakter | Verschiedene Ursachen | MRT im stationären Aufenthalt |
| Erhöhtes Thromboserisiko | Sinusvenenthrombose | MRT (venöse Phase) |
| Nach Lumbalpunktion | Liquorunterdrucksyndrom | MRT im stationären Aufenthalt |
| Bewusstseinsstörung | Verschiedene Ursachen | Sofort CT-Angiographie |
| Fieber, Meningismus | Meningitis, Enzephalitis etc. | CT zum Ausschluss erhöhten Hirndrucks → Liquorpunktion |
| Erbrechen | Erhöhter Hirndruck | Sofort CT |
| Fokal neurologisches Defizit, Sehstörung | Schlaganfall | Sofort CT-Angiographie |
| Einseitiger Visusverlust | Zentralarterienverschluss, Glaukomanfall | Fundoskopie, CT-Angiographie |
| Druckschmerzhafte A. temporalis | Arteriitis temporalis | CT-Angiographie |
MerkeSNNOOP10 – Warnhinweise auf eine sekundäre Ursache bei Kopfschmerzen:
Systemische Symptome (z.B. Fieber, Erbrechen etc.)
Neoplasm: bekannte Tumorerkrankung
Neurologische Symptome (Vigilanzminderung, Meningismus etc.)
Onset - Einsetzen der Kopfschmerzen (z.B. hochakut → SAB)
Older Age (höheres Alter)
Pattern Change (Änderung des Kopfschmerzcharakters)
Poisitonsabhängig: lageabhängiger Kopfschmerz
Precipitated: Auslösung durch Niesen, Husten oder körperliche Belastung
Papilledema: Papillenödem
Progressive: zunehmende Kopfschmerzen bzw. atypischer Verlauf
Pregnancy: Schwangerschaft oder Wochenbett
Painful eye: schmerzhaftes Auge mit autonomen Begleitsymptomen
Posttraumatischer Kopfschmerz: Beginn nach Trauma
Pathologie des Immunsystems: Immunsuppression/Immundefizienz
Painkiller: Medikamentenübergebrauch oder neues Medikament im zeitlichen Zusammenhang
InfoEine Migräne kann die typischen Symptome einer sekundären Kopfschmerzform vortäuschen. Sie äußert sich häufig in starken einseitigen pulsierenden Kopfschmerzen und kann mit einer Aura (vor Beginn der Kopfschmerzen bis zu 60 Minuten: Lichtempfindlichkeit, Flimmerskotome, sensible Symptome) einhergehen. Es kann eine medikamentöse Schmerztherapie mit Analgetika (ASS i.v. oder p.o) und bei starken Schmerzen eine Therapie mit Triptanen erfolgen.
- Leichte bis moderate Schmerzen: Nicht-Opioid-Analgetika (z.B. Ibuprofen oder Paracetamol bei Fieber)
- Moderate bis starke Schmerzen: Kombination zweier Nicht-Opioid-Analgetika mit einem Opioid Analgetikum (z.B. Ibuprofen + Paracetamol + Oxycodon)
- Neuralgiforme Schmerzen: Zusätzlich Carbamazepin oder Pregabalin


