Zusammenfassung
Der Begriff künstliche Ernährung bezeichnet die Nährstoffzufuhr mithilfe medizinischer Hilfsmittel (z.B. Ernährungssonden) für Patient:innen, die ihren Nährstoffbedarf durch normale Nahrungsaufnahme nicht (oder nicht ausreichend) decken können. Ziel ist es, Mangelzustände durch eine individuell angepasste und krankheitsspezifische Nährstoffzufuhr zu vermeiden.
Es stehen verschiedene Formen der künstlichen Ernährung zur Verfügung, die in Abhängigkeit von der Funktionsfähigkeit des Verdauungstraktes und den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen ausgewählt werden. Man unterscheidet 2 Hauptformen: Enterale Ernährung und Parenterale Ernährung.
Enterale Ernährung
Enterale Ernährung:
- Definition: die enterale Ernährung erfolgt über den Magen
-Darm-Trakt (in der Regel mithilfe einer Sonde) - Voraussetzung: Funktionsfähigkeit des Verdauungstraktes
- Verabreichungswege:
- Nasensonde (begrenzte Anwendungszeit)
- Nasogastrale Sonde: Sonde wird über die Nase bis in den Magen
gelegt - Duodenalsonde/Jejunalsonde:
- Alternative, wenn eine gastrale Ernährungstherapie
nicht möglich oder nicht wirksam ist (z.B. aufgrund fehlender Transportmechanismen) - Sonde wird in der gleichen Weise wie eine nasogastrale Sonde gelegt; Ziel ist jedoch das Duodenum
(bzw. Jejunum )
- Alternative, wenn eine gastrale Ernährungstherapie
- Nasogastrale Sonde: Sonde wird über die Nase bis in den Magen
- Perkutane Ernährungssonde
: Sonde wird direkt über die Bauchdecke in den Magen oder in das Jejunum eingeführt → Langzeitanwendung möglich (Ernährungstherapie >4 Wochen)
- Nasensonde (begrenzte Anwendungszeit)
- Kontraindikationen:
- Gastrointestinale Dysfunktion (z.B. gastrointestinale Blutungen
, Ileus, akutes Abdomen , intestinale Obstruktion…) - Hämodynamische Instabilität
- Gastrointestinale Dysfunktion (z.B. gastrointestinale Blutungen
- Vorteile (im Vergleich zu parenteraler Ernährung):
- Kostengünstiger
- Geringere Komplikationsrate (z.B. geringeres Infektionsrisiko)
- Physiologisch natürlicher Verdauungsweg → Anregung der Darmmotilität & Vorbeugung einer Zottenatrophie (Erhaltung der Darmaktivität und –schleimhaut)
MerkeEnterale Ernährung - Verabreichungswege
Grundsätzlich sollte die Ernährungssonde
„so hoch wie möglich und so tief wie nötig“ gelegt werden. Im Vergleich zu anderen transnasalen Sonden ist die Anlage der nasogastralen Sonde einfacher und weniger komplikationsanfällig.
AchtungNach internationalen Empfehlungen ist die enterale Nährstoffzufuhr aufgrund des besseren Nutzen-Risiko-Profils der parenteralen Ernährung grundsätzlich vorzuziehen.
→ In der Klinik gilt daher der Grundsatz: „If the gut works, use it!“
Parenterale Ernährung
Parenterale Ernährung:
- Definition: intravenöse Verabreichung von Nährstoffen unter Umgehung des Verdauungssystems
- Verabreichungswege:
- Zentrale parenterale Ernährung: über zentralen Venenzugang → In der Regel bevorzugte Methode!
- Periphere parenterale Ernährung: über peripheren Venenzugang (möglicher Einsatz bei kurzfristiger Zufuhr niederkalorischer Lösungen)
- Kontraindikation: Möglichkeit einer ausreichenden Nährstoffversorgung durch enterale Ernährung
- Vorteile:
- Unabhängig von der Funktionalität des Verdauungstraktes
- Präzise Steuerung der Nährstoffzufuhr
- Nachteile:
- Erhöhtes Komplikationsrisiko (z.B. Katheter-assoziierte Infektionen oder Elektrolytentgleisungen)
- Kostenintensiver und aufwendiger
AchtungReizreduktion durch zentrale Verabreichung
Die in der parenteralen Ernährungstherapie
verwendeten Nährlosungen haben eine hohe Osmolarität und damit venenreizende Eigenschaften. In den zentralen Venen verteilt sich die Lösung aufgrund des höheren Blutflusses schneller. Durch die Verabreichung über zentralvenöse Zugänge wird das Risiko von starken Reizungen, Schmerzen und Venenentzündungen reduziert.
Minimal Enteral Feeding
Minimal Enteral Feeding (oder Minimal Enteral Nutrition) bezeichnet ein in der Intensivmedizin etabliertes Konzept. Dabei werden dem Magen
- Vorteile dieses Konzepts sind z.B.:
- Aufrechterhaltung der Darmfunktion (z.B. durch Stimulation der Mukosa)
- Stimulierung der intestinalen Hormon
- & Enzymproduktion - Förderung der Darmbarriere und Immunfunktion
Quellen
- S2k Leitlinie Klinische Ernährung in der Intensivmedizin, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM)
- Seron-Arbeloa C et al.: Enteral Nutrition in Critical Care, Journal of Clinical Medicine Research, 2013, doi: http://dx.doi.org/10.4021/jocmr1210w
- Suter P.: Checkliste Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2008, ISBN: 9783131526731

