Medi Know
Logo Image

Künstliche Ernährung

4 Minuten Lesezeit

Der Begriff künstliche Ernährung bezeichnet die Nährstoffzufuhr mithilfe medizinischer Hilfsmittel (z.B. Ernährungssonden) für Patient:innen, die ihren Nährstoffbedarf durch normale Nahrungsaufnahme nicht (oder nicht ausreichend) decken können. Ziel ist es, Mangelzustände durch eine individuell angepasste und krankheitsspezifische Nährstoffzufuhr zu vermeiden.

Es stehen verschiedene Formen der künstlichen Ernährung zur Verfügung, die in Abhängigkeit von der Funktionsfähigkeit des Verdauungstraktes und den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen ausgewählt werden. Man unterscheidet 2 Hauptformen: Enterale Ernährung und Parenterale Ernährung.

Enterale Ernährung:

  • Definition: die enterale Ernährung erfolgt über den Magen-Darm-Trakt (in der Regel mithilfe einer Sonde)
  • Voraussetzung: Funktionsfähigkeit des Verdauungstraktes
  • Verabreichungswege:
    • Nasensonde (begrenzte Anwendungszeit)
      • Nasogastrale Sonde: Sonde wird über die Nase bis in den Magen gelegt
      • Duodenalsonde/Jejunalsonde:
        • Alternative, wenn eine gastrale Ernährungstherapie nicht möglich oder nicht wirksam ist (z.B. aufgrund fehlender Transportmechanismen)
        • Sonde wird in der gleichen Weise wie eine nasogastrale Sonde gelegt; Ziel ist jedoch das Duodenum (bzw. Jejunum)
    • Perkutane Ernährungssonde: Sonde wird direkt über die Bauchdecke in den Magen oder in das Jejunum eingeführt → Langzeitanwendung möglich (Ernährungstherapie >4 Wochen)
  • Kontraindikationen:
    • Gastrointestinale Dysfunktion (z.B. gastrointestinale Blutungen, Ileus, akutes Abdomen, intestinale Obstruktion…)
    • Hämodynamische Instabilität
  • Vorteile (im Vergleich zu parenteraler Ernährung):
    • Kostengünstiger
    • Geringere Komplikationsrate (z.B. geringeres Infektionsrisiko)
    • Physiologisch natürlicher Verdauungsweg → Anregung der Darmmotilität & Vorbeugung einer Zottenatrophie (Erhaltung der Darmaktivität und –schleimhaut)
 Merke
Enterale Ernährung - Verabreichungswege

Grundsätzlich sollte die Ernährungssonde „so hoch wie möglich und so tief wie nötig“ gelegt werden. Im Vergleich zu anderen transnasalen Sonden ist die Anlage der nasogastralen Sonde einfacher und weniger komplikationsanfällig. 

 Achtung

Nach internationalen Empfehlungen ist die enterale Nährstoffzufuhr aufgrund des besseren Nutzen-Risiko-Profils der parenteralen Ernährung grundsätzlich vorzuziehen.

→ In der Klinik gilt daher der Grundsatz: „If the gut works, use it!“

Parenterale Ernährung:

  • Definition: intravenöse Verabreichung von Nährstoffen unter Umgehung des Verdauungssystems
  • Verabreichungswege:
    • Zentrale parenterale Ernährung: über zentralen Venenzugang → In der Regel bevorzugte Methode!
    • Periphere parenterale Ernährung: über peripheren Venenzugang (möglicher Einsatz bei kurzfristiger Zufuhr niederkalorischer Lösungen)
  • Kontraindikation: Möglichkeit einer ausreichenden Nährstoffversorgung durch enterale Ernährung
  • Vorteile:
    • Unabhängig von der Funktionalität des Verdauungstraktes
    • Präzise Steuerung der Nährstoffzufuhr
  • Nachteile:
    • Erhöhtes Komplikationsrisiko (z.B. Katheter-assoziierte Infektionen oder Elektrolytentgleisungen)
    • Kostenintensiver und aufwendiger
 Achtung
Reizreduktion durch zentrale Verabreichung

Die in der parenteralen Ernährungstherapie verwendeten Nährlosungen haben eine hohe Osmolarität und damit venenreizende Eigenschaften. In den zentralen Venen verteilt sich die Lösung aufgrund des höheren Blutflusses schneller. Durch die Verabreichung über zentralvenöse Zugänge wird das Risiko von starken Reizungen, Schmerzen und Venenentzündungen reduziert

Minimal Enteral Feeding (oder Minimal Enteral Nutrition) bezeichnet ein in der Intensivmedizin etabliertes Konzept. Dabei werden dem Magen-Darm-Trakt kleine Nährstoffmengen zugeführt, auch wenn der/die Patient:in eigentlich parenteral ernährt wird. Die verabreichte Nahrungsmenge ist dabei so gering, dass sie den Bedarf nicht deckt, aber dennoch wichtige physiologische Vorteile bietet.

  • Vorteile dieses Konzepts sind z.B.:
    • Aufrechterhaltung der Darmfunktion (z.B. durch Stimulation der Mukosa)
    • Stimulierung der intestinalen Hormon- & Enzymproduktion
    • Förderung der Darmbarriere und Immunfunktion
Zuletzt aktualisiert am 28.12.2024
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Ernährung)
Nierenerkrankungen (Ernährung)
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz