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Lagerungsarten im OP

6 Minuten Lesezeit

Die richtige Lagerung von Patient:innen im Operationssaal ist essenziell, um den chirurgischen Zugang zu optimieren, Komplikationen zu vermeiden und die Sicherheit der Patient:innen zu gewährleisten. Es gibt verschiedene Lagerungsarten, die je nach Art des Eingriffs, den anatomischen Gegebenheiten sowie individuellen Patientenfaktoren ausgewählt werden.

Allgemeine Vorbereitungen für die Lagerung:

  • Präoperative Beurteilung: Berücksichtigung von Vorerkrankungen, Kreislaufstatus und möglichen Druckstellen
  • Lagerungshilfen: Einsatz von Kissen, Gelpolstern, Sicherheitsgurten und Anti-Rutsch-Matten zur Druckentlastung und Stabilisierung
  • Anästhesiologische Aspekte berücksichtigen: Sicherstellung der Atemwege und Vermeidung hämodynamischer Komplikationen

Wichtige Aspekte bei der Lagerung:

  • Freie Zugänglichkeit des Operationsgebietes muss gewährleistet sein
  • Zugang der Anästhesie zu Infusionsarm und Tubus sicherstellen
  • Gute Fixierung mittels Gurten und Stützen → regelmäßige Kontrolle
    • Beingurt sollte ca. 5 cm (handbreit) oberhalb der Knie angebracht werden
    • Armgurt sollte auf Höhe des Unterarms angebracht werden
    • Unterarm sollte höher als Ellenbogen sein
    • Bei Abduktion ≤60° → Pronation der Hand
    • Bei Abduktion >60° → Supination der Hand
  • Prävention von Lagerungsschäden durch gezielte Polsterung:
    • Polsterung von Knochenvorsprüngen: Fußspitzen, Fersen und Ellenbogen sollten nicht direkt aufliegen
    • Schutz von Nervengewebe:
      • Plexus brachialis: Armabduktion <90°
      • N. ulnaris & N. radialis: Ellenbogen frei lagern oder polstern
      • N. fibularis communis: Kein Druck auf das Fibulaköpfchen
    • Weitere empfindliche Strukturen: Genitalbereich, Brustbereich, Halswirbelsäule

Lagerungsarten im OP 

Rückenlagerung:

  • Anwendung: Standardlagerung für die meisten operativen Eingriffe, optimaler Zugang zu Abdomen, Thorax, Extremitäten und Kopf, besonders geeignet für laparoskopische Eingriffe
  • Wichtig:
    • Ausgelagerte Arme sollten bis maximal 90° abduziert werden
    • Starke Überstreckung des Kopfes vermeiden
    • Geringeres Risiko für Lagerungsschäden
Rückenlagerung (OP-Lagerung)
Rückenlagerung

Kopftieflagerung (Trendelenburg-Lagerung):

  • Anwendung: Operationen im Unterbauch und Becken (z. B. gynäkologische oder urologische Eingriffe) → Verlagerung der Bauchorgane nach kranial
  • Wichtig:
    • Person durch kurze Vakuummatratze und Anti-Rutsch-Unterlage zusätzlich fixieren
    • Kopftieflagerung mit Kippung von ≤45°
    • Komplikationen: Compliance der Lunge reduziert, kardiale Vorlast erhöht durch verstärkten venösen Rückstrom aus den unteren Extremitäten, ggf. erhöhter intrakranialer Druck
Kopftieflagerung (Trendelenburg-Lagerung)
Kopftieflagerung (Trendelenburg-Lagerung)

Fußtieflagerung (Anti-Trendelenburg-Lagerung):

  • Anwendung: Eingriffe im Oberbauch (z. B. Cholezystektomie, Reflux-Operationen) → Verlagerung der Bauchorgane nach kaudal
  • Wichtig:
    • Fußbrett mit Polsterung zur Sicherung
    • Person durch kurze Vakuummatratze und Anti-Rutsch-Unterlage zusätzlich fixieren
    • Komplikationen: Reduzierte Vorlast → reduzierter arterieller Blutdruck und HZV
Fußtieflagerung (Anti-Trendelenburg-Lagerung)
Fußtieflagerung (Anti-Trendelenburg-Lagerung):

Steinschnittlagerung:

  • Anwendung: Urologische, gynäkologische und kolorektale Operationen
  • Wichtig:
    • Beugung von Knie- und Hüftgelenke um ca. 90°
    • Komplikationen: Ischiadicus- und Peronaeusläsionen, Kompartmentsyndrom
Steinschnittlagerung
Steinschnittlagerung

Bauchlagerung:

  • Anwendung: Wirbelsäulen-, Nieren- und neurochirurgische Eingriffe, dorsaler Zugang zum Retroperitoneum
  • Wichtig:
    • Spezielles Kopfkissen zur achsengerechten Lagerung des Kopfes
    • Augen müssen frei von Druck sein
    • Zehen frei gelagert
    • Komplikationen: Atemwegsobstruktion, Augendrucksteigerung
Bauchlagerung
Bauchlagerung

Seitlagerung:

  • Anwendung: Thorax-, Nieren- und Hüftoperationen, lateraler Zugang zu retroperitonealen Strukturen
  • Wichtig:
    • Kopf achsengerecht lagern
    • Arme in Neutralstellung → Radialispuls kontrollieren
    • Komplikationen: fehlerhafte Messung des Blutdrucks (am oberen Arm falsch niedrig, am unteren Arm falsch hoch), Schulterschmerzen, N. ulnaris-Läsion
Seitlagerung
Seitlagerung

1. Nervenschäden (Periphere Neuropathien)

  • Ursachen
    • Druck auf den Nerv durch unsachgemäße Polsterung oder enge Fixierungen
    • Überdehnung bei extremer Gelenkstellung oder starkem Zug
    • Minderdurchblutung (Ischämie) durch lange Lagerung mit unzureichender Perfusion
  • Häufig betroffene Nerven & typische Lagerungen
    • N. ulnaris → Rückenlagerung, unzureichende Polsterung am OP-Tisch
    • N. radialis → Hängende Armlagerung z.B. über die Tischkante
    • N. ischiadicus → Steinschnittlagerung mit übermäßiger Hüftbeugung
    • N. fibularis → Steinschnittlagerung, Druck auf den Fibulakopf
    • Plexus brachialis → Seitenlagerung ohne ausreichendes Axillarpolster
  • Symptome
    • Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
    • Kraftminderung bis hin zu Lähmungen
  • Diagnostik
    • Elektroneurografie (ENG): Sinnvoll ab Tag 7 postoperativ
    • Elektromyografie (EMG): Aussagekräftig ab 2–3 Wochen postoperativ
  • Prävention
    • Sorgfältige Polsterung druckgefährdeter Stellen (z. B. Ellenbogen, Knie, Achsel)
    • Vermeidung extremer Gelenkstellungen
    • Regelmäßige intraoperative Kontrolle der Extremitätenposition

2. Schäden am Auge

  • Ursachen
    • Direkter Druck auf den Augapfel → Thrombose der A. centralis retinae → Retinaischämie
    • Anhaltender hoher Augendruck → Ischämische Optikusneuropathie
    • Hypotonie während der OP → Ischämie der Retina oder des Sehnervs
    • Austrocknen oder direktes Trauma → Hornhautverletzung
  • Symptome
    • Sehverlust (plötzlich, schmerzlos)
    • Gesichtsfeldausfälle
  • Prävention
    • Augenschutz durch spezielle Pflaster oder Augenkammern
    • Druck auf den Bulbus vermeiden (v. a. in Bauchlagerung!)
    • Optimierung der Kreislauffunktion während langer OPs

3. Schäden an Haut, Weichgewebe & Gefäßen

Dekubitus (Druckgeschwür)

  • Ursachen:
    • Längere OP-Dauer ohne Umlagerung
    • Lagerung mit punktuellem Druck auf Haut und Weichteile
    • Arterielle Hypotonie und Hypothermie → Durchblutungsstörungen
  • Frühsymptom: Nicht wegdrückbare Rötung der Haut (Stadium I)
  • Prävention:
    • Großflächiger Hautkontakt mit Unterlage zur Vermeidung von Druckspitzen
    • Druckverteilende Gelkissen & Weichlagerung
    • Regelmäßige Lagerungskontrollen und Positionswechsel

Kompartmentsyndrom

  • Ursachen:
    • Hochlagerung der Extremität über Herzniveau
    • Langer venöser Rückstau durch Druck auf Gefäße
  • Frühsymptome:
    • Schmerzen, Taubheitsgefühl, motorische Ausfälle
    • Schwellung & harter Muskelkomplex
  • Prävention:
    • Vermeidung von Druck auf Muskelgruppen

4. Gelenk- und Bänderverletzungen

  • Ursachen:
    • Fehlen der muskulären Stabilisierung durch Relaxation
    • Unphysiologische Streckung oder Verdrehung während der OP
  • Frühsymptome:
    • Schmerzen und Schwellung postoperativ
    • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Prävention:
    • Vorsichtiger Umgang mit den Extremitäten
    • Vermeidung ruckartiger Gelenkbewegungen
    • Verhinderung des Abrutschens der Extremitäten durch Fixierung

5. Thrombosen & Hämodynamische Komplikationen

Thrombosen

  • Ursachen:
    • Eingeschränkter venöser Abfluss durch OP-Lagerung
    • Lange Immobilisation
    • Erhöhte Gerinnungsneigung durch Hypovolämie
  • Prävention:
    • Frühzeitige Mobilisation nach der OP
    • Intermittierende pneumatische Kompression intraoperativ
    • Medikamentöse Thromboseprophylaxe (z. B. Heparin)

Hämodynamische Instabilität

  • Ursachen:
    • Vena-cava-Kompressionssyndrom (v. a. in Rückenlagerung bei Schwangeren!)
    • Plötzliche Lagewechsel → Kreislaufreaktionen
    • Bauchlagerung → Beeinträchtigung des venösen Rückflusses
  • Prävention:
    • Sorgfältige Planung der Lagerung vor der OP
    • Langsame Anpassung der Körperposition zur Kreislaufstabilisierung

6. Respiratorische Komplikationen

Tubus- oder Katheterdislokation

  • Ursachen:
    • Kopfrotation in Seitenlagerung
    • Verlagerung des Thorax in Bauchlagerung
  • Prävention:
    • Doppelte Fixierung des Tubus (z. B. Klebeband + Halteband)
    • Kontinuierliche Kontrolle durch Anästhesieteam

Respiratorische Insuffizienz

  • Ursachen:
    • Verlegung der Atemwege durch unzureichende Kopfpositionierung
    • Eingeschränkte Thoraxexpansion in Bauchlagerung
  • Prävention:
    • Optimierung der Beatmungseinstellungen nach Lagerung
  • S2k-Leitlinie Empfehlungen zur Verhinderung lagerungsbedingter Schäden in der operativen Gynäkologie, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Stand 2020, Abrufdatum 12.02.25
  • Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) und Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC): Verantwortung für die prä-, intra- und postoperative Lagerung des Patienten. Vereinbarung des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten und des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen. In: Anästh Intensivmed. Nummer: 28, 1987, p.65.
  • Ninow, Beate & Staudacher, Diana & Meier, Bernadette. (2023). Patientenlagerung im OP: Grundlagen und Best Practice. Im OP. 13. 241-255. 10.1055/a-2099-2842.
  • Duru, Sadik & Gnant, Michael & Markstaller, Klaus & Bodingbauer, Martín. (2018). Standards der OP-Patientenlagerung Korrekte Lagerung und technische Ausstattung im modernen OP-Saal: Korrekte Lagerung und technische Ausstattung im modernen OP-Saal. 10.1007/978-3-662-57483-6. 
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2025
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