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Laxantien

Abführmittel
5 Minuten Lesezeit

Laxantien sind Medikamente, die zur Behandlung von Verstopfung (Obstipation) eingesetzt werden. Obstipation ist ein sehr häufiges Krankheitsbild. In Deutschland sind ca. 10% der Bevölkerung betroffen (Prävalenz). Obstipation kann die Lebensqualität stark einschränken, daher ist die Kenntnis der konservativen und medikamentösen Therapie wichtig.

 Definition

Obstipation ist charakterisiert durch eine harte Stuhlkonsistenz und eine reduzierte Stuhlfrequenz (<3 mal/Woche) trotz starken Pressens. Laxantien bzw. Abführmittel sind Medikamente, die die Stuhlentleerung fördern.

Bei chronischem Laxantien-Abusus kann es mit Ausnahme der Quellmittel zu einem Teufelskreis mit reduzierter Darmtätigkeit und erneuter Obstipation kommen. Weitere Nebenwirkungen sind:
Hypokaliämie
Hyponatriämie mit sekundärem Hyperaldosteronismus
Hypocalcämie

Teufelskreis bei Laxantienabusus
 Merke

Initial sollte eine Ernährungsumstellung mit gesteigerter Ballaststoff- und Flüssigkeitsaufnahme und mehr körperliche Aktivität durchgeführt werden. Beim Versagen der Initialtherapie kann eine medikamentöse Laxantientherapie durchgeführt werden.

Es werden allgemein 4 verschiedene Gruppen unterschieden

  1. Osmotisch wirkende Laxantien
  2. Hydragoge Laxantien
  3. Quellmittel
  4. Gleitmittel
WirkstoffeWirkungIndikationenBesonderheiten

1. Osmotisch wirkende Laxantien
a) Isoosmotisch

  • Macrogol
  • Osmotische Wasserbindung 
  • Obstipation
  • Darment- leerung vor Koloskopie oder Darmchirurgie
  • Aufweichung des Stuhls 
  • Gute Wirksamkeit (1. Wahl)

b) Zucker und Zuckeralkohole 

  • Lactulose  
  • Lactose
  • Osmotische Wasserbindung
  • Lactulose: bakterielle Metabolisierung mit pH-Wert-Senkung 
    Reduzierte Ammoniakbildung durch Hemmung der bakteriellen Urease
  • Obstipation
  • Lactulose insbesondere bei Therapie der hepatischen Enzephalo-pathie (Ammoniak ↓)
  • Bei längerer Kolonpassagezeit, Wirksamkeit reduziert

c) Salzhaltige/ salinische Laxantien

  • Natrium-sulfat (Glaubersalz)
  • Magnesium-sulfat (Bittersalz)
  • Magnesium-hydroxid
  • Osmotische Wasserbindung
  • Anwendung nicht empfohlen

Nebenwirkungen:

  • Gefahr von Elektrolytverschiebungen bei Resorption (Hypernatriämie, Hypermagnesiämie)
  • Gefahr einer Nierenschädigung und eines paralytischen Ileus

2. Hydragoge Laxantien

  • Bisacodyl
  • Natrium-picosulfat (Diphenyl-methan-derivat) 
  • Prokinetische Wirkung
  • Niedrige Dosis: 
    → Reduzierte Flüssigkeitsresorption (antiresorptiv)
  • Hohe Dosis:
    → Gesteigerte Flüssigkeitssekretion (hydragog)
  • Obstipation
  • Darment-leerung vor Koloskopie oder Darmchirurgie
  • Bisacodyl-Zäpfchen
     → Schneller Wirkeintritt (10-20 min)
  • Bisacodyl oral
    → Wirkeintritt nach 6-12 Stunden
  • Anthranoide
  • Pflanzlicher Farbstoff mit abführender Wirkung
  • Obstipation
  • Darment-leerung

Nebenwirkung:  

  • (Pseudo-)Melanosis coli
    ⟶ Harmlose Dunkelfärbung der Kolonmukosa

3. Quellmittel

  • Leinsamen
  • Flohsamen
  • Weizenkleie
  • Vermehrte Wasserbindung durch Quellung
    → Erhöhtes Stuhlvolumen
    ⟶ Motilitätssteigerung
  • Prophylaxe und Therapie der Obstipation 
Cave:  bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme
⟶ Gefahr eines mechanischen Ileus

4. Gleitmittel

  • Paraffin
  • Verbesserte Stuhlpassage
    → Stuhl weicher und gleitfähiger
  • Anwendung nicht empfohlen

Nebenwirkungen:

  • Reduzierte Resorption fettlöslicher Vitamine (E, D, K & A)
  • Lipidpneumonie bei Aspiration
  • Fremdkörperreaktion

Kontraindikationen:

  • Ileus
  • Appendizitis
 Info
Sonderfall: Opioid-induzierte Obstipation:

Im Rahmen einer Therapie mit Opioiden sollte begleitend eine präventive Laxantientherapie mit Macrogol durchgeführt werden. Alternativ können Naloxon-haltige Kombinationspräparate zum Einsatz kommen, welche die periphere Wirkung auf den Darm abschwächen, ohne aber die zentrale schmerzhemmende Wirkung des Opioids zu beeinflussen.

Medikamentöse Therapie: Stufentherapie bei Obstipation

Lernkarten: Gastrointestinaltrakt
Beispielseite

Link zum Download

  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 17.12.2024
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