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Legen einer Magensonde

10 Minuten Lesezeit

Das Legen einer Magensonde ist ein routinemäßiger klinischer Eingriff, bei dem ein Kunststoffschlauch über die Nase oder den Mund in den Magen vorgeschoben wird. Es gibt dabei sowohl diagnostische als auch therapeutische Indikationen. Diagnostische Indikationen umfassen beispielsweise die Bestimmung des Magen-pHs oder die Probenentnahme von Magensaft. Zu den therapeutischen Indikationen gehören unter anderem die Ableitung des Mageninhalts (z.B. bei Ileus, während Operationen, bei unklarem Erbrechen) oder die Sicherstellung der enteralen Ernährung. Kontraindikationen für das Legen einer Magensonde sind insbesondere Schädelbasisfrakturen und Ösophagusvarizen, -tumore oder -verätzungen.

Magensonde
Transnasale Magensonde
  • Therapeutisch:
    • Enterale Ernährung und Medikamentengabe
    • Entlastung bei Ileus oder Subileus
    • Ableitung von Mageninhalt bei gastrointestinalen Blutungen
    • Zwangsernährung (z. B. bei Anorexie)
    • Ableitung von Luft bei Meteorismus
    • Magen-Darm-Atonie
    • Behandlung bei Pankreatitis
    • Gabe von Aktivkohle bei Intoxikationen
  • Diagnostisch:
    • Gewinnung von Mageninhalt zur pH-Messung oder mikrobiologischen Diagnostik (z.B. bei Verdacht auf eine Tuberkulose)
    • Überwachung bei oberer gastrointestinaler Blutung
  • Weitere Indikationen:
    • Bei kieferchirurgischen Eingriffen mit Verdrahtung von Ober- und Unterkiefer
    • Bei Schluck- und Kaustörungen (z. B. nach Schlaganfall)
    • Während oder nach Operationen
  • Schädelbasisfraktur
  • Ösophagusvarizen, -tumore, -verätzungen
  • Nasenrachenraumtumoren oder -traumata
  • Schwere anatomische Fehlbildungen der oberen Atem- und Verdauungswege

Die mündliche Aufklärung sollte in einfacher, verständlicher Sprache erfolgen und folgende Punkte umfassen:

  • Zweck des Eingriffs (z. B. Entlastung des Magens oder Ernährung)
  • Ablauf (Einführung der Sonde durch die Nase oder den Mund)
  • Mögliche Beschwerden (z. B. Würgereiz, leichte Schmerzen)
  • Risiken (z. B. Aspiration, Schleimhautverletzungen)
 Info

Bei bewusstlosen Patient:innen wird vom mutmaßlichen Patientenwillen ausgegangen.

  1. Einmalhandschuhe
  2. Händedesinfektionsmittel
  3. Nierenschale
  4. Gleitgel mit Lokalanästhetikum
  5. Lokalanästhetikumspray
  6. Magensonde
  7. Bei Bedarf: Becher mit Wasser
  8. 50 ml Spritze
  9. Stethoskop
  10. Auffangbeutel
  11. Pflaster zum Fixieren
Material für das Legen einer Magensonde

Vorbereitung:

 Tipp

Zuerst alle benötigten Materialien zusammenstellen und erst dann das Patientenzimmer betreten, um unnötige Unterbrechungen zu vermeiden. 

  1. Begrüßung und Vorstellung der eigenen Funktion, um Vertrauen herzustellen
  2. Aufklärung über die geplante Maßnahme und Einholung der mündlichen Einwilligung
  3. Identifikation der Patient:innen: Name und Geburtsdatum erfragen
  4. Händedesinfektion und Anziehen von Einmalhandschuhen
  5. Ausmessen der Magensonde: Die Länge wird vom Mundwinkel über das Ohr bis zur Magengrube bestimmt und markiert
  6. Patient:innen auffordern, die Nase kräftig zu schnäuzen, um das Nasenloch zu klären, und ggf. lockere Zahnprothesen zu entfernen
  7. Identifikation des besser durchgängigen Nasenlochs: Durch abwechselndes Zuhalten der Nasenlöcher erfragen, welches besser durchgängig ist
  8. Lokalanästhetikumspray applizieren: In das ausgewählte Nasenloch sprühen, dabei Einwirkzeit beachten (ca. 1–2 Minuten)
  9. Auftragen eines Lokalanästhetikumgels: Auf die Spitze und den distalen Teil der Magensonde
  10. Bereitstellung einer Nierenschale zur Entlastung bei auftretendem Würgereiz
Abmessung der Sondenlänge
Ausmessen der Magensonde
Auftragen eines Lokalanästhetikumgels
Auftragen eines Lokalanästhetikumgels

Anlage der Magensonde:

  1. Ankündigen der Maßnahme und Patient:innen auffordern, den Kopf gerade zu halten
  2. Horizontales Einführen der Magensonde durch das besser durchgängige Nasenloch bis zum ersten Widerstand
  3. Patient:innen auffordern, den Kopf nach vorne zu neigen, sodass das Kinn die Brust berührt, um den Eintritt in den Ösophagus zu erleichtern
  4. Bei Bedarf Patient:innen ein Glas Wasser reichen und zum Schlucken auffordern, da der Schluckakt die Epiglottis schließt und den Weg in den Ösophagus erleichtert (nicht bei Rachenanästhesie oder Magensaftdiagnostik)
  5. Die Magensonde während des Schluckakts zügig bis zur zuvor abgemessenen Länge (40–50 cm) vorschieben
Anlage der Magensonde
Anlage der Magensonde

Lagekontrolle („Blubber-Probe“): 

  • Ansetzen einer luftgefüllten 50-ml Spritze an das Sondenende, entleeren der Spritze und gleichzeitiges Auskultieren im Bereich der Magengrube
    • Richtige Lage im Magen: Ein gluckerndes Geräusch ist hörbar. Rückfluss von Magensaft ist ein zusätzlich positives Zeichen, jedoch nicht immer vorhanden
    • Bei Luftnot, starkem Hustenreiz oder Beschwerden an eine Fehllage in der Trachea denken. In diesem Fall die Magensonde sofort zurückziehen
    • Falls Unsicherheiten bestehen, kann die Lage auch durch eine pH-Messung des Aspirats (pH <5 als Hinweis auf Magenlage), Ultraschall- oder eine Röntgenkontrolle überprüft werden
Lagekontrolle Magensonde
Lagekontrolle („Blubber-Probe“)

Abschluss:

  • Fixierung der Magensonde: Die Sonde mit geeignetem Pflaster an der Nase sicher befestigen, um ein Verrutschen zu vermeiden
  • Anschließen des Auffangbeutels oder anderer Systeme zur vorgesehenen Nutzung
  • Dokumentation der Maßnahme: Zeitpunkt, verwendete Materialien, beobachtete Besonderheiten sowie das Ergebnis der Lagekontrolle im Patientendossier festhalten
Fixierung der Magensonde
Fixierung der Magensonde
  • Mechanisch:
    • Schleimhautverletzungen (Nase, Rachen, Speiseröhre)
    • Verlagerung in die Trachea
    • Blutung
    • Vagusreizung mit Bradykardie und Schwindel
  • Infektiös:
    • Nasopharyngitis
    • Erosive Ösophagitis
    • Aspirationspneumonie
  • Sonstige:
    • Unbehagen oder Ablehnung seitens der Patient:innen
  1. Lagekontrolle und Durchspülen:
    Vor der Entfernung sollte die Sonde mit Wasser durchspült werden, um verbleibende Magensaftreste zu entfernen
  2. Vorbereitung der Patient:innen:
    Patient:innen auffordern, einige Male forciert ein- und auszuatmen
  3. Sonde entfernen:
    Die Sonde während der Ausatmung zügig und gleichmäßig zurückziehen. Dabei auf mögliche Widerstände achten und den Vorgang bei Beschwerden sofort pausieren.
  4. Nachsorge:
    • Mund- und Nasenpflege durchführen, um verbleibende Rückstände zu entfernen und die Schleimhäute zu reinigen
    • Klebereste von der Haut entfernen und bei Bedarf hautschonende Reinigungsmittel verwenden
  5. Dokumentation:
    Die Entfernung der Magensonde sowie eventuell beobachtete Auffälligkeiten (z. B. Blutspuren, Beschwerden) im Patientendossier vermerken.
  • Menche, N. et al.: PflegeHeute - Kapitel 7: Ernährung. Elsevier GmbH. 2023, ISBN: 9783437267796
  • Al-Abtah et al.: I care Pflege. Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
  • S2k-Leitlinie Klinische Ernährung in der Intensivmedizin, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), Stand 2018, Abrufdatum: 16.01.2025
Zuletzt aktualisiert am 19.03.2026
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