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Leitsymptom Abdominalschmerz

12 Minuten Lesezeit

Das Leitsymptom Abdominalschmerz ist ein häufiges und oft komplexes Problem in der präklinischen Notfallmedizin. Sie können durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden, die von harmlosen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen. Eine schnelle und präzise Einschätzung ist essenziell, da einige Ursachen, wie ein akutes Abdomen oder eine rupturierte Aortenaneurysma, sofortige Interventionen erfordern.

Red-Flags bei Abdominalschmerzen sind alarmierende Symptome oder klinische Zeichen, die auf eine schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Ursache hindeuten können. Sie erfordern eine sofortige diagnostische Abklärung und oft eine dringliche medizinische oder chirurgische Intervention.

Red-FlagMöglicher Hinweis auf
Plötzlicher, sehr starker Schmerz, gefolgt von vorübergehender SymptomlinderungHohlorganperforation, akute Mesenterialischämie
Schock (marmorierte Haut initial oft an den Knien, Rekapillarisierungszeit >3 Sekunden, Tachykardie, Tachypnoe, ggf. Hypotonie)
  • Hypovolämer Schock (Exsikkose, Blutung)
  • Distributiver Schock (Sepsis, Anaphylaxie, neurogener Schock)
  • Kardiogener Schock (Myokardinfarkt, akute kardiale Dekompensation)
  • Obstruktiver Schock (Aortendissektion, Lungenarterienembolie, Perikardtamponade, Spannungspneumothorax)
Abwehrspannung und PeritonismusAkute Peritonitis, Entzündungen im Bauchraum, akutes Abdomen
IkterusHepatobiliäre Obstruktion, Pankreatitis, akute Leberinsuffizienz
Zunehmende Schwellung des AbdomensDarmobstruktion (Ileus), massiver Aszites
Kontinuierliches, schwallartiges Erbrechen, Koterbrechen (Misere)Darmobstruktion (Ileus)
Stuhl- und WindverhaltDarmobstruktion (Ileus)
Progressiver, ungewollter GewichtsverlustMalignität, chronische Erkrankungen (z.B. Zöliakie)
Schmerzen, die in Rücken oder Brust ausstrahlenPankreatitis (gürtelförmig), Aortendissektion (wandernd, reißend), akutes Koronarsyndrom
BluterbrechenObere gastrointestinale BlutungÖsophagusvarizenblutung (oft frisches Blut), gastroduodenale Ulkuskrankheit (oft kaffeesatzartig durch Kontakt mit Magensäure)
Teerstuhl (Meläna)Eher bei oberer gastrointestinaler Blutung, Ösophagusvarizenblutung (schwarze Färbung durch Verdauung des Blutes durch Darmbakterien)
Frisches Blut im Stuhl (Hämatochezie)Eher bei unterer gastrointestinaler Blutung (rote Blutbeimischung)
Vaginale BlutungExtrauterine Gravidität, Uterusmyome, Hypermenorrhö im Rahmen der Menstruation
VigilanzminderungSchock, Intoxikation, Enzephalopathie, neurologische Erkrankung, metabolische Entgleisung
Hohes FieberInfektionen wie z.B. bei einer Peritonitis
Zustand nach BauchtraumaOrganverletzung, intraabdominelle Blutung, Hohlorganperforation
 Achtung

Bei Bauchschmerzen sollten differentialdiagnostisch immer auch kardiale (z.B. akutes Koronarsyndrom), pulmonale (z.B. basale Pneumonie oder Pleuritis) und endokrinologische Ursachen (z.B. diabetische Ketoazidose) in Betracht gezogen werden.

KrankheitsbildTypische
Anamnese
Körperliche UntersuchungWeiterführende Diagnostik
Abdominelle HernieErhöhter intraabdomineller Druck (Heben schwerer Lasten, Adipositas)Sichtbare Beule, Zunahme der Beschwerden beim Husten/Pressen/ Stehen, HustenanprallKlinische Diagnose durch Anamnese und körperliche Untersuchung
Akutes AortensyndromPlötzlicher, reißender Brust-, Rücken-oder Bauchschmerz, VernichtungsschmerzBlutdruck- und Pulsdifferenz an den Armen, neurologische DefiziteCT-Angiographie, EKG, Echokardiographie
Akutes KoronarsyndromBrustschmerz, Ausstrahlung in Arm, Oberbauch oder Kiefer, Übelkeit, kardiovaskuläre RisikofaktorenZeichen einer akuten Herzinsuffizienz (Hypotonie, gestaute Halsvenen, Tachypnoe, feuchte Rasselgeräusche)EKG, Troponin, Echokardiographie, Koronarangiographie
Akute HepatitisDruckgefühl im Oberbauch, dunkler Urin, Ikterus, GelenkschmerzenGelbfärbung der Skleren und Haut, LebervergrößerungLeberfunktionstests, Sonografie, Hepatitis-Serologie
AppendizitisAkuter Beginn, rechtsseitiger Unterbauchschmerz, Übelkeit, FieberDruckschmerz im rechten Unterbauch, kontralateraler Loslassschmerz, Psoas-ZeichenLabor (Entzündungsmarker, Urinstatus, ggf. Schwangerschafts-test)
Sonografie
Colitis ulcerosaBlutige Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, schmerzhafter StuhlgangAbdominelle Druckschmerz, ggf. extraintestinale Manifestationen (z.B. Erythema nodosum, Iritis, Arthritis)

Labor (Entzündungs-marker, ggf. pANCA↑), Stuhldiagnostik, Sonografie,

Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien

DivertikulitisSchmerzen im linken Unterbauch, Fieber, veränderte StuhlgewohnheitenLokaler Druckschmerz im linken Unterbauch, AbwehrspannungLabor (Entzündungsmarker, Urinstatus), Sonografie, ggf.
CT-Abdomen mit KM
Extrauterine GraviditätEinseitige Unterbauch-schmerzen, sekundäre Amenorrhö, azyklische vaginale BlutungenSchmerzhaftigkeit bei der gynäkologischen Untersuchung, Schockzeichenβ-hCG-Test,
Transvaginale Sonografie
Gallenkolik und GallenblasenentzündungPlötzlicher, krampfartiger Schmerz im rechten Oberbauch, ÜbelkeitDruckschmerz im rechten Oberbauch, ggf. Ausstrahlung in rechte Schulter, bei begleitender Gallen-blasenentzündung: positives Murphy-Zeichen

Labor (Entzündungsmarker, Cholestase- und Leberparameter)

Sonografie

GastritisOberbauch-schmerzen, Übelkeit, NSAR, Alkohol, StressEpigastrischer DruckschmerzGgf. Endoskopie mit Biopsien
Gastroduodenale UlkuskrankheitOberbauch-schmerzen, NSAR- Einnahme, HP-Infektion , StressDruckschmerz im EpigastriumEndoskopie mit Biopsie
GastroenteritisDurchfall, Erbrechen, BauchkrämpfeDiffuse abdominelle Schmerzhaftigkeit, DehydrationNur bei Warnsymptomen erweiterte Diagnostik
Gastrointestinale Blutung (obere)Teerstuhl (Meläna), Bluterbrechen, SchwindelBlässe, Prüfung auf Meläna, ggf. SchockzeichenLabor (Hämoglobin-bestimmung, Laktat), Endoskopie
Gastrointestinale Blutung (untere)Frisches Blut im Stuhl (Hämatochezie),Blässe, Stuhluntersuchung, ggf. SchockzeichenLabor (Hämoglobin-bestimmung, Laktat), Endoskopie
HarnwegsinfektionDysurie, Brennen beim Wasserlassen, Fieber, FlankenschmerzBei aufsteigendem Infekt (Pyelonephritis): Klopfschmerz im Bereich der NierenlagerUrinanalyse (Teststreifen, Mikroskopie, Kultur) ggf. Sonografie
LeberzirrhoseIkterus, Aszites, Caput medusae, Verwirrtheit, Alkoholkonsum, Hepatitis, chron. LebererkrankungHepatomegalie, Splenomegalie, Aszites, neurologische Symptomatik (hepatische Enzephalopathie)Labor (Leberwerte, Lebersynthese-parameter), Sonografie
Mechanischer IleusGespanntes Abdomen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Stuhl- und WindverhaltDistendiertes Abdomen, hochgestellte, initial metallisch klingende  Darmgeräusche (Hyperperistaltik)Abdomenübersichts-röntgen im Stehen, Sonografie, CT-Abdomen mit KM
MenstruationsbeschwerdenZyklusabhängige Unterbauch-schmerzenDruckdolenz im Unterbauch, ggf. Schmerzen bei der gynäkologischen UntersuchungGgf. Ausschluss einer ursächlichen Grunderkrankung (z.B. Endometriose)
Mesenterial-ischämiePlötzliche stärkste Bauchschmerz, gefolgt von vorübergehender Besserung und erneuter BeschwerdezunahmeInitial oft unauffälliger körperlicher Untersuchungsbefund, im Verlauf: paralytischer Ileus mit „Totenstille“ in der Auskultation und AbwehrspannungLabor (Entzündungsmarker, LDH, Laktat)
CT-Angiografie, ggf. explorative Laparotomie
Morbus CrohnBauchschmerzen, chronische Durchfälle, Gewichtsverlust, Aphten, Fisteln, Abszesse, 15-35 LJOft Druckschmerz im rechten Unterbauch, ggf. extraintestinale ManifestationenLabor (Entzündungs-marker, Anämiediagnostik) Stuhluntersuchung 
Ileokoloskopie mit Biopsie
NierenkolikPlötzliche, starke Flankenschmerzen, Ausstrahlung in den Unterbauch/Leiste, HämaturieNierenklopfschmerzUrindiagnostik,
Sonografie der Nieren, ggf. CT
ObstipationWeniger als drei Stuhlgänge pro Woche, harter Stuhl, Anstrengung bei der Defäkation

Stuhlwalze im linken Unterbauch tastbar

 

Nur bei Warnsymptomen erweiterte Diagnostik
RefluxösophagitisSodbrennen, saures Aufstoßen, retrosternale SchmerzenMundraum (Mundgeruch, Zahnerosionen)Endoskopie, 
pH-Metrie
Ösophagus-varizenblutungBluterbrechen (Hämatemesis), Meläna, Zeichen von LeberzirrhoseBlässe, Blutdruckabfall, Tachykardie, SchockzeichenEndoskopie, Labor (Leberfunktion, Blutbild)
PankreatitisPlötzlicher, starker Oberbauchschmerz, gürtelförmig, Übelkeit, ErbrechenEpigastrische Druckempfindlichkeit, AbwehrspannungLabor (Lipase, Blutbild, Leberwerte, Entzündungsmarker, Retentionsparameter), Sonografie
Paralytischer Ileus

Bauchschmerzen, Erbrechen, Stuhl- und Windverhalt

Vorgeschichte von abdominalen Operationen oder Medikamenten-einnahme,

Gespanntes Abdomen, Verminderte bis fehlende Darmgeräusche („Totenstille“),Abdomenübersichts-röntgen im Stehen, Sonografie, CT-Abdomen mit KM
UterusmyomeMenstruelle Beschwerden, Zwischenblutungen, UnterbauchschmerzenPalpable Raumforderung im BeckenGynäkologische Untersuchung, transvaginaler Ultraschall
ZöliakieDurchfall, Gewichtsverlust, abdominelle Beschwerden, Malabsorptions-symptomeBlässe, MeteorismusAnti-Transglutaminase-IgA, Dünndarmbiopsie

Der Schmerzverlauf kann oft wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben.

SchmerztypSchmerzverlaufBeispiele

Perforationsschmerz

Typischerweise in drei Stadien:

  • Initial: plötzlich einsetzender, starker Schmerz
  • Anschließende Phase der relativer Schmerzlinderung
  • Erneute Schmerzzunahme mit Abwehrspannung
Perforationsschmerz

Kolikschmerz

 

  • Krampfartiger, wellenförmiger Schmerz, der in Intensität variiert
  • Häufig durch die Bewegung von Hohlorganen wie dem Darm, Ureter oder Gallengängen, wenn diese versuchen, ein Hindernis (z.B. Stein, Tumor) zu passieren
Kolikschmerz

Entzündungsschmerz

  • Ein anhaltender, oft dumpfer Schmerz, der mit der Zeit stufenweise zunimmt
  • Mit lokaler Entzündungsreaktion wie Rötung, Schwellung und Überwärmung sowie systemischen Symptomen wie Fieber
Entzündungsschmerz

 

Die Schmerzausstrahlung beschreibt das Phänomen, dass Schmerzempfindungen nicht nur am Ursprungsort wahrgenommen werden, sondern auch in entfernte Körperregionen projiziert werden können. Diese Ausstrahlung kann diagnostische Hinweise liefern, da bestimmte Erkrankungen des Abdomens charakteristische Muster der Schmerzausstrahlung aufweisen.

 

Schmerzausstrahlung

Ein akutes Abdomen ist ein medizinischer Notfall, der durch starke, potenziell lebensbedrohliche Bauchschmerzen gekennzeichnet ist und eine sofortige Diagnostik und (meist chirurgische) Therapie erfordert.

 Merke

Das akute Abdomen ist keine eigenständige Krankheit, sondern stellt einen Symptomkomplex dar, der eine unmittelbare Diagnostik und Therapie erforderlich macht, um das Überleben der Patient:innen zu sichern.

Leitsymptome

  • Akuter Bauchschmerz
  • Abwehrspannung (Peritonismus)
  • Kreislaufreaktion bis hin zum Schock (z.B. Tachykardie, Hypotonie)
  • Gestörte Peristaltik: Hypoperistaltik (paralytischer Ileus), Hyperperistaltik (initial bei mechanischem Ileus), Meteorismus 
  • Vegetative Begleitreaktion: Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Dyspnoe, Kaltschweißigkeit

Differentialdiagnosen

Das akute Abdomen kann durch viele verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden. Auch extraabdominelle Erkrankungen, die in das Abdomen ausstrahlen können (z.B. Myokardinfarkt, Pleuritis, Erkrankungen des Bewegungsapparates), sollten differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Die häufigsten Ursachen sind:

  1. Appendizitis (ca. 20%)
  2. Gallenkolik (ca. 10%)
  3. Ileus (ca. 5%)

Praktisches Vorgehen

Um Verzögerungen bei der Erstversorgung zu vermeiden, haben wir einen praktischen Algorithmus entwickelt, an dem du dich orientieren kannst. Dabei gehen wir auch auf die innerklinische Diagnostik und Therapie des akuten Abdomens ein.

Algorithmus: akutes Abdomen

In der Notfallmedizin ist eine effektive Schmerztherapie entscheidend. Der Einsatz nicht-medikamentöser Maßnahmen wie beruhigende Ansprache, adäquate Lagerung, Schienung, Reposition und gezielte Kühlung kann oft erste Linderung schaffen. Für stärkere Schmerzen sollte eine medikamentöse Behandlung erwogen werden, wobei Basismonitoring und Notfallausrüstung stets bereitzuhalten sind. Bei der Gabe von Analgetika müssen Kontraindikationen beachtet. Lokale SOPs und Leitlinien sind zu berücksichtigen.

WirkstoffDosis (Erwachsene)Wirkeintritt & WirkdauerKontraindikationen (Auswahl)Besonderheit
Leichte Schmerzen
Ibuprofen200-400 mg p.o.
(maximal 2,4g/Tag)
  • Ca. 15 min
  • Ca. 6-8 Std
GI-Blutungen, NiereninsuffizienzAntiphlogistische Wirkung, Fiebersenkung
Paracetamol1000 mg i.v. (maximal 4 g/Tag)
  • Ca. 15 min
  • Ca. 4-6 Std
LeberschädigungFiebersenkung, 1. Wahl bei Schwangerschaft und Neugeborenen, Antidot: Acetylcystein
Mittelstarke bis starke Schmerzen
Metamizol500-1000 mg i.v. (langsame Injektion oder als Kurzinfusion, maximal 4 g/Tag)
  • Ca. 5 min
  • Ca. 3-5 Std.
Hypotonie, BlutbildungsstörungenSpasmolytische Wirkung, vor Gabe über Agranulozytose-Risiko aufklären, Hypotonie bei zu schneller i.v.-Gabe
Starke Schmerzen
Piritramid
7,5-15 mg i.v. (15–30 mg i.m.)
  • Ca. 5 min
  • Ca. 6 Std
Atemdepression, 
Koma
Nur parenteral anwendbar, Antidot: Naloxon
Morphin2 mg i.v. (titiert nach Wirkung, maximal 10 mg)
  • Ca. 5 min
  • Ca.  4-5 Std
Atemdepression, Lungenfunktions-störung, erhöhter HirndruckAntidot: Naloxon
Starke Schmerzen 
Esketamin
  • 0,125–0,25 mg/kgKG i.v.
  • 0,25–0,5 mg/kgKG i.m.
  • 0,5–1 mg/kgKG i.n.
  • Ca. 1 min 
    (i.v.-Gabe)
  • Ca. 10-15 min
Akutes Koronarsyndrom, Bluthochdruck (>180/100 mmHg)Dissoziative Anästhesied.h. narkotische und analgetische Wirkung bei erhaltenen Schutzreflexen/ Spontanatmung
Fentanyl50–100 μg i.v. (titiert nach Wirkung)
  • Ca. 2 min
  • Ca. 30 min
Fehlende Möglichkeit zur Beatmung, erhöhter Hirndruck

Monitoring!

Antidot: Naloxon

Liegt keine konkrete Indikation für eine bestimmte Lagerungsform vor, so ist die betroffene Person so zu lagern, wie es für sie am angenehmsten ist (Schonhaltung). Um zusätzliche Schäden durch die Lagerung zu vermeiden, ist bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung eine Immobilisierung (Schaufeltrage, Spineboard, Vakuummatratze) erforderlich.

LagerungsformDurchführungIndikationenBesonderheiten
Oberkörperhoch-lagerung mit KnierolleRückenteil um 30° aufgerichtet, Beine durch Knierolle angewinkeltAbdominalschmerzen, akutes Abdomen
  • Entspannung der Bauchdecke
  • Schmerzlinderung durch reduzierte peritoneale Reizung
Stabile SeitenlagerungStabile Seitenlage mit überstrecktem Kopf zur Prävention einer AspirationPatient:innen mit eingeschränktem Bewusstsein und erhaltener Spontanatmung; Vermeidung einer Aspiration
  • Vermindertes Risiko einer Atemwegsverlegung - Abfluss von Sekret / Erbrochenem
  • Mögliche Schädigung des Rückenmarks bei Wirbelsäulenverletzungen
SchocklagerungBeine hoch (45–70°) oder gesamte Trage 15° Kopf tief gelagert

Schockzustände (Ausnahme kardiogener Schock!),

akuter Volumenmangel

  • Autotransfusion durch erhöhten venösen Rückstrom zum Herzen (Vorlast erhöht)
  • Verbesserte zerebrale Perfusion
  • Möglicher Anstieg des Hirndrucks
Flache LagerungFlachlagerung

Kardiogener Schock und systolischer Blutdruck <80 mmHg,

Wirbelsäulen-verletzungen

  • Verbessert die zerebrale Durchblutung bei kardiogenem Schock (nach Stabilisierung kann der  Oberkörper zur Entlastung des Herzens hoch gelagert werden)
30°-Oberkörper-hochlagerungRückenteil um 30° aufgerichtetSchädel-Hirn-Trauma mit stabilen hämodynamischen Verhältnissen und ausreichendem zerebralen Perfusionsdruck (CPP), Schlaganfall
  • Verbesserte Abfluss von venösem Blut aus dem Gehirn
  • Entspannung der Bauchdecke
  • Mögliche zerebrale Minderdurchblutung bei Hypotonie
  • Reduktion des venösen Rückstroms zum Herzen (Senkung der Vorlast)
Sitzende LagerungRückenteil um 80-90° aufgerichtet, Beine herabhängendLinksherzinsuffizienz, kardiales Lungenödem, respiratorischer Notfall (Asthma, COPD)
  • Verbesserung der Atmung durch Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
  • Senkung der Vorlast
  • Mögliche zerebrale Minderdurchblutung bei Hypotonie
LinksseitenlagePatientinnen mit lumbalem Kissen in Linksseitenlage bringenSchwangere Patientinnen im letzten Trimenon zur Prävention eines Vena-cava-Kompressions-syndrom
  • Reduziert den Druck des Uterus auf die Vena cava inferior (VCI) und verbessert den venösen Rückstrom zum Herzen bei Schwangeren

1. Strukturiertes Vorgehen: Gehe immer strukturiert vor. Beginne mit einer systematischen und fokussierten Anamnese und Untersuchung. So vergisst du keine Punkte und behältst den Überblick.

2. Lebensbedrohliche Differenzialdiagnosen im Blick behalten: Behalte potenziell lebensbedrohliche Diagnosen im Hinterkopf, bewerte sie frühzeitig und schließe sie nicht voreilig aus.

3. Häufiges ist häufig: Konzentriere dich zunächst auf häufig vorkommende Diagnosen, um den Fokus zu wahren und nicht in unwichtigen Details verloren zu gehen. Bei dem Leitsymptom Luftnot und einer vorbestehenden Herzinsuffizienz ist ein kardiales Lungenödem wahrscheinlicher als z.B. eine pulmonale Beteiligung im Rahmen eines Goodpasture-Syndroms (Vaskulitis).

4. Patient:innenaussagen kritisch hinterfragen: Hinterfrage die von den Patient:innen dargebotenen Informationen kritisch, da Wahrnehmungsverzerrungen möglich sind. Achte trotzdem darauf, stets einfühlsam zu kommunizieren und nehme die Aussagen der Patient:innen immer ernst.

5. Medikationsgeschichte als Hinweis nutzen: Berücksichtige die aktuelle Medikation als wichtige Quelle für mögliche Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren, z.B. doppelte Plättchenhemmung als Hinweis für einen Stent in den Koronararterien oder die Einnahme von NSAR und Cortisol als Risikofaktor für einen gastroduodenalen Ulkus.

6. Besonnenheit und Reflexionszeit: Bewahre in akuten Situationen Ruhe und nehme dir Zeit zum Nachdenken. Reflektiere mögliche Diagnosen und handele bedacht.

7. Therapie auch ohne finale Diagnose möglich: Falls die exakte Diagnose nicht sofort klar ist, kannst du dennoch adäquate Erstmaßnahmen ergreifen. Zu Beispiel ist es immer sinnvoll, die Patient:innen zu beruhigen und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Weiterhin kann insbesondere bei Luftnot und einer geringen Sauerstoffsättigung in der Pulsoxymetrie Sauerstoff verabreicht werden.

8. Kontinuierliche Reevaluation: Evaluiere und passe die Diagnose und Therapie kontinuierlich an, selbst nach eingeleiteten Maßnahmen. Beachte die Reaktion der Patient:innen auf die Therapie. Eine Verschlechterung oder eine Verbesserung nach einer Therapieeinleitung gibt wichtige Hinweise.

9. Übung macht den Meister: Es ist nicht immer leicht auf die richtige Diagnose zu kommen. Übung und eine kontinuierliche Weiterbildung sind daher entscheidend. Weiterhin solltest du lernen Unsicherheiten zu akzeptieren. Es ist nicht immer möglich eine Diagnose mit 
100%-iger Genauigkeit zu stellen. In einigen Fällen kommt es zu einer Besserung nach einer Therapie, ohne dass eine Diagnose gestellt werden konnte.

10. Kommunikation im Team: Tausche dich im Team aus, um die Arbeitsdiagnose gemeinsam festzulegen. Kommuniziere offen und tausche dich mit erfahrenen Kolleg:innen aus. Auch erfahrene Kolleg:innen machen Fehler. Scheue dich nicht, die Diagnose oder das Vorgehen zu hinterfragen. Du solltest dabei jedoch immer freundlich bleiben und konstruktive Kritik äußern.

Zuletzt aktualisiert am 17.12.2024
Leitsymptom: Übelkeit und Erbrechen
Abdominelle Untersuchung
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