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Leitsymptom: Husten

ME
12 Minuten Lesezeit

Husten ist ein physiologischer Schutzreflex der Atemwege, bei dem Luft – ggf. mit Sekret – aus den Atemwegen mit Druck ausgestoßen wird. Er kann willkürlich oder unwillkürlich ausgelöst werden und dient, gemeinsam mit der mukoziliären Clearance, der Reinigung der Atemwege von Fremdkörpern, Schleim oder irritativen Substanzen.

Obwohl Husten ein physiologischer Mechanismus ist, kann er durch seine Intensität, Häufigkeit, Dauer oder das Vorhandensein von Auswurf auf eine pathologische Ursache hinweisen. Er gehört zu den häufigsten Leitsymptomen sowohl bei akuten als auch bei chronischen Erkrankungen der Atemwege.

 Merke

Akuter Husten: < 3 Wochen
Subakuter Husten: 3 - 8 Wochen
Chronischer Husten: > 8 Wochen

 Achtung
Akut lebensbedrohliche Differentialdiagnosen
  • Lungenarterienembolie
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS)
  • Pneumothorax (inkl. Spannungspneumothorax)
  • Gefäßarrosion bei Tumorerkrankung

Weitere Differentialdiagnosen

Infektiöse Ursachen:

  • Akute virale Infektionen: Influenza, Rhinoviren, Covid-19
  • Bakterielle Infektionen: Pneumonie, akute Bronchitis, Keuchhusten (Pertussis), Tuberkulose
  • Chronische bakterielle Infektionen: chronische Bronchitis

Allergische Ursachen:

  • Allergische Rhinitis
  • Allergisches Asthma bronchiale

Obstruktive Lungenerkrankungen:

  • Asthma bronchiale
  • COPD 

Sonstige Ursachen:

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
  • Medikamenteninduzierter Husten: ACE-Hemmer, nicht-selektive β-Blocker bei vorbestehendem Asthma bronchiale
  • Lungenkarzinom
  • Interstitielle Lungenerkrankung
  • Neoplasien der Trachea / Larynx / Pharynx
  • Fremdkörperaspiration
  • Herzinsuffizienz (Lungenödem)
  • Psychogener Husten:  habitual, bei Angst oder Stress
  • Raucherhusten, Schadstoffexposition
 Merke

Red Flags sind Warnsymptome, die auf eine akut lebensbedrohliche Ursache hinweisen und ein sofortiges Handeln erfordern.

Red Flags

  • Sepsiszeichen: Tachykardie, Hypotonie, Vigilanzminderung
  • Hohes Fieber > 39 °C + reduzierter Allgemeinzustand
  • Massive Hämoptysen oder Hämoptoe
  • Neu aufgetretene oder progrediente Dyspnoe, Hypoxie, Zyanose
  • Inspiratorischer Stridor → Hinweis auf obere Atemwegsobstruktion
  • Thoraxschmerz (v. a. pleuritisch oder retrosternal)
  • Bewusstseinsstörung
  • Immunsuppression 
 Info
  • Hämoptysen: Blutbeimengung im Auswurf
  • Hämoptoe:  Aushusten von Frischblut

Basismaßnahmen

  • Vitalparameter erfassen: Blutdruck, Herzfrequenz, EKG, SpO₂, Körpertemperatur messen
  • i.v. Zugang (bei Schock oder Sepsis mindestens 2 großvolumige Zugänge)
  • 12-Kanal-EKG (bei V.a. auf akut lebensbedrohliche Erkrankung innerhalb von 10 Minuten)
  • Blutabnahme mit folgenden Parametern:
    • Labor:
      • Entzündungsparameter: CRP, BSG, Procalcitonin (bei V.a. Sepsis, Hinweis auf bakterielle Infektion)
      • Blutbild: Leukozyten, Thrombozyten
      • Troponin, CK-MB: Hinweis auf eine Myokardschädigung
      • NT-proBNP: Hinweis auf eine Herzinsuffizienz
      • D-Dimere: bei Verdacht auf Lungenarterienembolie bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit
      • LDH: unspezifisch, Hinweis auf Hämolyse oder Malignität
      • Gerinnung: Quick/INR, PTT
      • Nierenparameter: Kreatinin, GFR
      • Leberparameter: Transaminasen, Bilirubin
    • BGA:
      • Blutgase: Hypoxämie, Hyperkapnie
      • pH
      • Elektrolyte
      • Hb
      • Laktat: Hinweis auf Schock / Gewebshypoxie

Ersteinschätzung

  • Kreislaufstabilität beurteilen (z. B. Hautkolorit, Blutdruck, Herzfrequenz, Vigilanz)
  • Red Flags prüfen
  • Akute Maßnahmen bei Auffälligkeiten:
    • SpO₂ < 94 %: O₂-Gabe (Ziel-SpO₂ 92–96 %, Reservoirmaske), ggf. Atemwegssicherung
    • Schockzeichen: Schockindex (HF/RR), ggf. Katecholamine (Ziel-MAD 60–70 mmHg), Defibrillation vorbereiten
    • Blutverlust / Hämoptyse: Volumengabe, ggf. Erythrozytenkonzentrate
 Tipp

Die strukturierte Versorgung erfolgt nach dem xABCDE-Schema, das in Notfallsituationen standardisiert angewendet wird.

Anamnese und Fremdanamnese Körperliche Untersuchung Bildgebung
  • Hustencharakter:
    • Dauer: akut vs. chronisch (>8 Wochen)
    • Verlauf: intermittierend vs. kontinuierlich
    • Trockener vs. produktiver Husten
      • Sekret: weißlich, gelb, grün, blutig
  • Auslöser / Zeitlicher Bezug:
    • Nachts / morgens
    • Jahreszeit / Allergenbelastung
    • Belastung, Kälte, Umgebung
  • Begleitsymptome:
    • B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust
  • Vorerkrankungen:
    • Pulmonal, kardiovaskulär, onkologisch, psychiatrisch
    • Allergien, Autoimmunerkrankungen
  • Risikofaktoren:
    • Rauchen, Schadstoffexposition,
  • Inspektion:
    • Allgemeinzustand, B-Symptome, Kachexie
    • Zeichen einer chronischen Hypoxie (z.B. Trommelschlägelfinger), Zyanose
    • Zeichen einer Herzinsuffizienz: periphere Ödeme, gestaute Halsvenen
    • Hinweis auf Lungenerkrankung (z.B. Fassthorax bei COPD)
    • Ggf. Untersuchung der Mundschleimhaut, Rachen und Tonsillen
  • Auskultation:
    • Hinweise auf Obstruktion, Rasselgeräusche, Bronchialatmen
  • Palpation:
    • Vergrößerte Lymphknoten (zervikal, supraklavikulär, axillär)

       

 

  • Röntgen-Thorax: Basisdiagnostik bei persistierendem Husten
  • Sonographie: Pleuraergüsse, Lungenstauung
  • Thorax-CT: bei unklarer Befundlage, Tumorverdacht oder interstitieller Lungenerkrankung
 Merke
Sekretfarbe:
  • Glasig: normales Bronchialsekret
  • Weißlich: Schrankenstörung / Eiweißreich (z. B. bei Virusinfekt)
  • Gelblich / grünlich: Hinweis auf bakterielle Entzündung
  • Rot / blutig: Hämoptyse, differenzialdiagnostisch abklärungsbedürftig
 SymptomatikDiagnostikSonstiges 
Akute Bronchitis
  • Hustencharakter:
    • Akut
    • Anfangs trocken, dann produktiv
    • Hämoptysen möglich
  • Erkältungssymptome:
    • Rhinorrhö, Halsschmerzen
    • Fieber, Unwohlsein
    • Kopf- und Gliederschmerzen
    • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Anamnese / Risikofakoren:
    • Kontakt mit erkälteten Personen
    • Häufig viral verursacht, gelegentlich sekundär bakteriell
  • Körperliche Untersuchung:
    • Auskultation: oft unauffällig, ggf. verschärftes Atemgeräusch
    • Ggf Giemen oder Brummen bei bronchialer Obstruktion
  • Labor:
    • CRP erhöht
    • Bei bakterieller Infektion: Leukozytose möglich
 

Pulmonale Tuberkulose 

 

  • Hustencharakter:
    • Chronisch
    • Produktiv (gelb-grün)
    • Hämoptysen möglich
  • Dyspnoe
  • Atypische Allgemeinsymptome:
    • Gewichtsverlust, subfebrile Temperaturen
    • Nachtschweiß, Abgeschlagenheit

 

 

  • Anamnese/Risikofaktoren:
    • Reise- oder Migrationsanamnese, Kontakt zu Erkrankten
    • Immunschwäche: HIV, Tumorerkrankung, Diabetes, Alkohol-/Drogenabusus
  • Labor:
    • Entzündungsparameter evtl. erhöht
    • Sputum / BAL: PCR + Kultur (Goldstandard)
    • Quantiferon-Test (IGRA): indirekter Nachweis, frühestens nach 8 Wochen positiv
  • Thorax-Röntgen oder CT: pulmonale Kavernen
  • Cave: Isolationspflichtig!
  • Extrapulmonale Manifestationen möglich
  • Ähnliches Risikoklientel bei HIV und Hepatitis (ggf. Testung erwägen)
Pneumonie
  • Hustencharakter:
    • Akut
    • Anfangs trocken, dann produktiv
    • Hämoptysen möglich
  • Dyspnoe
  • Fieber
  • Schwäche
  • Pleura- / Brustschmerzen
  • Ggf. Zyanose
  • Bei Sepsis / septischer Schock
    • Hypotonie
    • Tachypnoe
    • Bewusstseinsstörung 
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Vorbestehender Atemwegsinfekt → ambulant erworbene Pneumonie
    • Klinikaufenthalt, Pflegeheim → nosokomiale Pneumonie
    • Immunsuppression (z. B. Chemotherapie, Diabetes mellitus)
    • Pulmonale Vorerkrankungen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Auskultation: feinblasige Rasselgeräusche, Bronchialatmen
    • Erhöhte Körpertemperatur:Fieber
  • Labor: erhöhte Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten), ggf. Leber-/Nierenparameter bei Sepsis
  • BGA: ggf. Hypoxämie, Laktat↑ bei Schock
  • Bildgebung: Röntgen-Thorax → Infiltrate
  • Score: CRB-65 zur Schweregradbeurteilung
  • Cave: septischer Schock bei schwerem Verlauf
Influenza (A)
  • Hustencharakter:
    • Akut
    • Meist trocken, ohne Auswurf
  • Begleitsymptome:
    • Hohes Fieber (meist > 38,5 °C)
    • Ausgeprägte Abgeschlagenheit, Schwächegefühl
    • Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
    • Halsschmerzen, ggf. Heiserkeit
    • Häufig plötzlicher Beginn des Krankheitsgefühls
  • Influenza-Schnelltest (Antigen): orientierend, aber begrenzte Sensitivität
  • Goldstandard: PCR-Nachweis aus Nasen-Rachen-Abstrich
  • Labor: häufig kaum CRP- oder Leukozytenanstieg (viral!) 
  • Saisonale Häufung (v. a. Wintermonate)
  • Erhöhte Risiko für schweren Verlauf bei alten Menschen und chronischen Erkrankungen oder Immunsuppression
Asthma Bronchiale
  • Hustencharakter:
    • Akut
    • Anfallsartig
    • Mit oder ohne Auswurf möglich
  • Dyspnoe:
    • Anfallsartig auftretend, häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden
    • Trigger: Allergene, Infekte, körperliche Belastung, kalte Luft oder Reizstoffe
    • Meist reversibel, kann jedoch bei schwerem Anfall persistieren
    • Typischerweise mit erschwertem Exspirium (→ verlängerte Ausatmung)
    • Zyanose
    • Tachypnoe
    • Ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, z. B. Kutschersitz, Nasenflügeln
  • Brustenge
  • Tachykardie, in späten Stadien auch Bradykardie möglich
  • Bewusstseinsstörung bei respiratorischer Erschöpfung
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Atopie / Allergien (z. B. allergische Rhinitis, atopisches Ekzem)
    • Positive Familienanamnese für Asthma oder andere atopische Erkrankungen
    • Bekanntes Asthma bronchiale
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: verlängertes Exspirium, ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, exspiratorischer Stridor
    • Auskultation: exspiratorisches Giemen, Brummen oder Pfeifen. bei schwerer Obstruktion: leises oder fehlendes Atemgeräusch („silent chest“)
    • Perkussion: hypersonorer Klopfschall
  • BGA
    • Frühphase: Hyperventilation infolge der Atemnot → respiratorische Alkalose (pH ↑, pCO₂ ↓), pO₂ normal
    • Spätphase: respiratorische Erschöpfung → respiratorische Azidose (pH ↓, pCO₂ ↑), pO₂ ↓
  • Labor: ggf. erhöhte Entzündungsparameter
  • Sekundärer Pneumothorax (z. B. durch Husten)
  • Status asthmaticus: potenziell lebensbedrohlich, häufig mit Intubationsindikation
  • Sonderfall: medikamenten-assoziertes Asthma bei Erwachsenen (z. B. durch Acetylsalicylsäure (ASS), NSAR, nicht-selektive Betablocker)
COPD
  • Hustencharakter
    • Chronisch
    • Auswurf weißlich bis gelb
    • Oft morgendliches Abhusten
  • Chronische Dyspnoe, häufig Verschlechterung bei akuter Exazerbation (AECOPD)
    • Je nach Schweregrad: Belastungsdyspnoe bis Ruhedyspnoe
    • Tachypnoe
    • Zyanose bei fortgeschrittener Gasaustauschstörung
    • Ggf. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (z. B. Kutschersitz)
  • Bewusstseinsstörung bei schwerer Hyperkapnie möglich
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Bekannte COPD
    • Starker Nikotinkonsum
    • Berufliche oder Umwelt-Noxen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: verlängertes Exspirium, ggf. Fassthorax, Kachexie, Trommelschlegelfinger
    • Auskultation: exspiratorisches Giemen/Brummen, bei schwerer Obstruktion leises oder fehlendes Atemgeräusch („silent chest“)
    • Perkussion: hypersonorer Klopfschall
  • BGA: häufig Hyperkapnie, Hypoxämie, respiratorische Azidose, evtl. kompensiert
  • Labor: ggf. erhöhte Entzündungsparameter (z. B. bei infektiöser AECOPD)
  • Bildgebung:
    • Röntgen-Thorax: tiefstehendes Zwerchfell, ggf. Infiltrate bei Infekt
    • CT-Thorax: Lungenemphysem, Bronchiektasen, Bullae
    • Echokardiographie: Zeichen eines Cor pulmonale (z. B. Rechtsherzhypertrophie)
  • Sekundärer Pneumothorax (z. B. bei rupturierter Bulla
Pertussis
  • Hustencharakter:
    • Akut, im Verlauf über Wochen bestehend
    • Anfallsweise, stakkatoartige Hustenstöße
    • Typisch: keuchendes Einziehen der Luft („Whoop“) nach Hustenstoß
    • Hustenattacken häufig nachts, teils mit Würgen oder Erbrechen
    • Dauer: Wochen bis Monate (3-Phasen-Verlauf)
  • Begleitsymptome:
    • Initiale Erkältungssymptomatik: Rhinorrhö, Halsschmerzen, Kopfschmerzen
    • Typischerweise kein Fieber
    • Krankheitsgefühl, oft unterschätzt im Frühstadium
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Charakteristischer Husten
    • Kontakt mit Erkrankten (hoch ansteckend!)
    • Unzureichender Impfschutz (kein lebenslanger Schutz)
  • Labor:
    • Leukozytose (bis >30.000/μl) mit Lymphozytose
  • Erregernachweis:
    • Frühphase (erste 2–3 Wochen):
      PCR aus Nasopharyngealsekret (Goldstandard)
    • Spätphase (ab Woche 3):
      Serologie (Antikörpernachweis gegen Pertussis-Toxin)

 

  • Meldepflichtige Erkrankung nach Infektionsschutzgesetz
  • Keine anhaltende Immunität nach Impfung oder Erkrankung
  • Häufig im Kindes- und Jugendalter
Herzinsuffizienz 
  • Hustencharakter:
    • Akut oder Chronisch
    • Trocken
  • Dyspnoe
  • Zyanose
  • Tachypnoe
  • Palpitationen, Synkopen bei begleitenden Rhythmusstörungen
  • Rechtsherzinsuffizienz (Stauungszeichen):
    • Periphere Ödeme, Pleuraerguss, Aszites
    • Nykturie
    • Hepatomegalie, ggf. Splenomegalie
    • Jugularvenenstauung
  • Linksherzinsuffizienz
    • Rückwärtsversagen:
      • Lungenstauung, nächtlicher Husten, basale Rasselgeräusche
    • Vorwärtsversagen:
      • Müdigkeit, Schwäche, zerebrale Minderperfusion (Verwirrtheit, Vigilanzstörung)
      • Kardiorenales Syndrom mit Nierenfunktionsverschlechterung
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Kardiale Vorerkrankungen: KHK, arterielle Hypertonie, Klappenvitien, Z. n. Myokardinfarkt
    • Alter, Diabetes mellitus, Rauchen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: periphere Ödeme, Halsvenenstauung, Aszites (v. a. bei Rechtsherzinsuffizienz)
    • Auskultation: basale Rasselgeräusche
  • EKG: Unspezifische Veränderungen
  • Labor:
    • NT-proBNP / BNP erhöht (sensitiver Marker)
    • Ggf. Nieren- oder Leberwerte pathologisch bei Minderperfusion oder Stauung
  • BGA: ggf. Hypoxämie
  • Bildgebung:
    • Echokardiographie: Systolische Dysfunktion (erniedrigte EF) oder diastolische Funktionsstörung. Kammer-/Vorhofvergrößerung, Klappenvitien
    • Sonografie: Pleuraerguss, Aszitis, Hepatomegalie. Splenomegalie, B-Linien bei Lungenödem
    • Röntgen-Thorax: pulmonale Stauung, Kardiomegalie, Pleuraerguss
  • Cave: Kardiogener Schock bei schwerem systolischen Pumpversagen → Notfall mit hoher Letalität
GERD
  • Hustencharakter:
    • Chronisch, meist trocken
    • Häufig nachts oder morgens verstärkt (Rückfluss im Liegen)
    • Kann durch postprandiales Liegen oder Sprechen getriggert werden
  • Begleitsymptome
    • Sodbrennen, saures Aufstoßen, Regurgitation von Speisebrei
    • Brennender Schmerz hinter dem Sternum oder epigastrisch, meist postprandial
    • Heiserkeit, v. a. morgens
    • Luftaufstoßen, Globusgefühl, gelegentlich Dysphagie
    • Chronische Rachenreizung möglich
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Adipositas, Rauchen, Alkoholkonsum
    • Auslösende Nahrungsmittel: Alkohol, Kaffee, Schokolade, fettreiche Mahlzeiten
    • Medikamentöse Trigger:
      • Reduzierter Sphinktertonus: Benzodiazepine, Calciumantagonisten
      • Schleimhautschädigung: NSAR, Bisphosphonate, Zytostatika
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: bei Langzeitverlauf ggf. Foetor ex ore, Zahnschmelzdefekte
    • Laryngoskopie: evtl. Schleimhautreizungen
    • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD):
      • Refluxösophagitis, Erosionen, ggf. Z-Linie, Hiatushernie
      • Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Tumoren)
  • GERD ist eine der häufigsten Ursachen für chronischen Husten ohne pulmonale Ursache
Lungenarterien-embolie
  • Hustencharakter:
    • Akut
    • Oft trocken
    • Hämoptysen möglich
  • Dyspnoe
    • Akut
    • Häufig belastungsunabhängig, oft in Ruhe
    • Einseitiger, stechender, atemabhängiger Throaxschmerz
    • Tachypnoe
    • Ggf. Zyanose
  • Ggf. Schocksymptomatik
  • Angst / "Todesangst"
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Oft Zustand nach tiefer Beinvenenthromose (TVT) oder LAE
    • Immobilisation (z. B. Langstreckenflug, postoperative Phase, Gips)
    • Thrombophilie, Malignom, Pille + Rauchen, Adipositas
  • Körperliche Untersuchung:
    • Ggf. Halsvenenstauung bei Rechtsherzbelastung
    • Zeichen der Zentralisation: Kaltschweißigkeit, Blässe, verlängerte Rekap-Zeit
  • EKG:
    • Sinustachykardie als häufigstes EKG-Zeichen
    • SI-QIII-Typ, SISIISIII-Typ
    • Rechtsschenkelblock, T-Inversion in Ableitung III, aVF, V1–V3, P-pulmonale
  • Labor:
    • D-Dimere: bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit einer LAE
      • Negativ → Ausschluss
      • Erhöht bei LAE, aber auch unspezifisch bei anderen Erkrankungen
    • Troponin und NT-proBNP erhöht bei Rechtsherzbelastung
  • BGA:
    • Hypoxämie (↓ pO₂)
    • Hypokapnie (↓ pCO₂) durch Hyperventilation
    • Respiratorische Alkalose (↑ pH)
    • Laktat↑ bei Schock oder Gewebehypoxie
    • In Spätstadien oder bei schwerem Verlauf: Hyperkapnie
  • Bildgebung:
    • CT-Angiographie (CTPA): Diagnostischer Goldstandard bei stabilen Patient:innen mit hoher klinischer Wahrscheinlichkeit einer LAE
    • Echokardiographie: Zeichen der Rechtsherzbelastung (D-Sign, Ventrikeldilatation, paradoxe Septumbewegung), v. a. bei instabilen Patient:innen
    • Ggf. Beinvenensonographie bei klinischem TVT-Verdacht
  • Scores:
    • Wells-Score zur Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit
    • Alternativ: PESI-Score
  • Klinische Präsentation ist oft unspezifischDyspnoe kann einziges Symptom sein
  • D-Dimer-Diagnostik nur bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit sinnvoll zur Ausschlussdiagnostik
Pneumothorax
  • Hustencharakter:
    • Akut / plötzlicher Beginn
    • Trocken
    • Stoßweise
  • Dyspnoe
    • Akut
    • Zunächst belastungsabhängig, später ggf. in Ruhe
    • Einseitiger, stechender, atemabhängiger Thoraxschmerz, Tachypnoe, ggf. Zyanose
    • Tachypnoe
  • Bei Spannungspneumothorax:
    • Gestaute Halsvenen
    • Zyanose
    • Schocksymptomatik
  • Anamnese / Risikofaktoren:
    • Lungenvorerkrankungen (z. B. COPD)
    • Junge, schlanke Männer ohne Vorerkrankungen
    • Körperliche Belastung, Trauma, Pneumothorax in der Anamnese
    • Rauchen
  • Körperliche Untersuchung:
    • Inspektion: Asymmetrisches Atemmuster, Ggf. gestaute Halsvenen
    • Auskultation: Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch ("silent chest")
    • Perkussion: Hyposonorer Klopfschall
  • BGA: ggf. Hypoxämie, Hyperkapnie, Laktaterhöhung bei Schock
  • Bildgebung:
    • Röntgen-Thorax (im Stehen): Luft im Pleuraspalt, Pneu-Linie. bei Spannungspneumothorax ggf. Medialstinalverschiebung
    • Sonografie (im Liegen): Barcode-Sign und fehlendes Pleurareiben, kein Seashore-Sign
    • CT: bei unklaren Befunden oder Polytrauma
  • Sonderform: Spannungspneumothorax:
    • Ventilmechanismus führt zu zunehmender Luftansammlung im Pleuraspalt
    • Folge: Mediastinalverlagerung, Kompression der Gegenseite, hämodynamische Instabilität
Zuletzt aktualisiert am 04.05.2026
Intrakranielle Blutungen
Leitsymptom: Dyspnoe
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