
Lidocain ist ein Klasse-Ib-Antiarrhythmikum und Lokalanästhetikum vom Amid-Typ. Es blockiert schnelle Natriumkanäle, erhöht die Reizschwelle und senkt die Erregbarkeit der Herzmuskelzellen, wodurch insbesondere ventrikuläre Tachyarrhythmien unterdrückt werden.
Im Rettungsdienst wird Lidocain vor allem bei Kammerflimmern/pulsloser ventrikulärer Tachykardie als Alternative zu Amiodaron, bei ventrikulärer Tachykardie sowie als Lokalanästhetikum bei intraossärer Punktion (Erwachsene) eingesetzt. Die Gabe erfolgt i.v. unter kontinuierlichem Monitoring. Typische Nebenwirkungen betreffen vor allem das ZNS (Parästhesien, Unruhe, Krampfanfälle, Somnolenz) sowie kardiale Effekte wie Bradykardie, AV-Block oder Hypotonie. Bei Intoxikation kann eine intravenöse Lipidtherapie („Lipid rescue“) erforderlich sein.
- B. Braun Melsungen AG: Fachinformation Lidocain 1 % B. Braun Injektionslösung, Stand: Oktober 2014
- Leitlinie: Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC), überarbeitete Version 2022
- S3-Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin (DAS-Leitlinie), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9

