Zusammenfassung
Lokalanästhetika sind Wirkstoffe, welche durch die Blockade von spannungsabhängigen Natriumkanälen die Bildung und Fortleitung von Aktionspotentialen reversibel blockieren (ohne die Nerven zu schädigen!).
- Man unterscheidet:
- Lokalanästhetika vom Estertyp (Bsp.: Procain, Tetracain)
- Lokalanästhetika vom Amidtyp (Bsp.: Lidocain
, Bupivacain)

- Um an den Wirkort zu gelangen, muss das Lokalanästhetikum in der lipophileren ungeladenen Form vorliegen (siehe Abbildung), denn nur dann besitzt es eine ausreichende Gewebegängigkeit
- Die lokalanästhetisch wirkende Form ist allerdings die protonierte, geladene Form des Moleküls (Aminogruppe kann protoniert werden)
AchtungIn entzündetem Gewebe herrscht ein niedriger pH-Wert
(viel H+), daher liegt das Lokalanästhetikum überwiegend in der geladenen Form vor und ist aufgrund der reduzierten Gewebegängigkeit weniger wirksam!
Übersicht
| Typ | Wirkstoff | Wirkdauer | Besonderheiten |
| Estertyp | Procain | kurz | Selten verwendet |
| Tetracain | lang | Selten verwendet | |
| Amidtyp | Lidocain | mittel | Klasse Ib Antiarrhythmikum |
| Mepivacain | mittel | Infiltrationsanästhesie | |
| Prilocain | mittel | Cave: Methämoglobin | |
| Ropivacain | lang | Periduralanästhesie | |
| Bupivacain | lang | Starke motorische Blockade |
Wirkdauer:
- Kurzwirksam: Wirkdauer 0,5–1 Stunden
- Mittellangwirksam: Wirkdauer 1–3 Stunden
- Langwirksam: Wirkdauer >3 Stunden
Indikationen
- Oberflächenanästhesie von Haut und Schleimhaut
- Bsp.: Rachenanästhesie bei Gastroskopie
(Spray) - Bsp.: Salbenform bei Hämorrhoiden
- Bsp.: Rachenanästhesie bei Gastroskopie
- Infiltrationsanästhesie durch Injektion des Anästhetikums in das Gewebe
- Bsp.: Zahnheilkunde
- Bsp.: Chirurgische Wundversorgung

- Periphere Leitungsanästhesie
: gezielte Betäubung von bestimmten Nervenbündeln oder Nerven - Leitungsblock nach Oberst (für Finger und Zehen)
- Plexusanästhesie
- Rückenmarksnahe Regionalanästhesie
- Spinalanästhesie
- Periduralanästhesie
(PDA )
- Spinalanästhesie
- Intravenöse Regionalanästhesie („Bier-Block“)
- Operative Eingriffe an den Extremitäten
Wirkdauer
Durch Kombination mit Vasokonstriktoren wie Adrenalin
Nebenwirkungen
- Vor allem relevant bei intravasaler Gabe oder Überdosierung ZNS (initial oft im Vordergrund)
- In der ungeladenen Form können Lokalanästhetika die Blut-Hirn-Schranke passieren
- Warnzeichen:
- Verwaschene Sprache
- Sehstörungen
- Perorales Kribbeln (Parästhesie)
- Schwindel
- Metallischer Geschmack
- Generalisierter Krampfanfall
- Koma mit Atemlähmung
- Herz:
- Grund: negativ inotrop, negativ dromotrop, negativ chronotrop
- AV-Block
- Ventrikuläre Extrasystolen
- Asystolie möglich
- Allergie:
- Allergische Reaktionen (v.a. Ester-Typ oder gegen Konservierungsstoffe)
Therapie bei Lokalanästhetika-Intoxikation
Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST)
- Lokalanästhetika-Zufuhr beenden
- Oxygenierung sicherstellen, ggf. Beatmung
- Bei Herzkreislaufstillstand ⟶ Kardiopulmonale Reanimation
- Intravenöse Gabe von einer 20 %igen Lipidlösung („lipid
rescue“) - Behandlung von Krampfanfällen (Antikonvulsiva
-Gabe)
TippVor Injektion eines Lokalanästhetikums immer aspirieren, um intravasale Gabe und damit die gefährlichen Nebenwirkungen zu verhindern.
Medikamenten-Spickzettel
Quellen
- S1-Leitlinie: Prävention & Therapie dersystemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST), Aktualisierte Handlungsempfehlungen des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Regionalästhesie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
- Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
- Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
- Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
- Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
