Kommt es zu einer Verlängerung der korrigierten QT-Zeit (QTc), so bezeichnet man dies als Long-QT-Syndrom. Ein Long-QT-Syndrom kann entweder angeboren oder erworben sein.
Beim Long-QT-Syndrom liegt im EKG ein verlängertes QT-Intervall vor.
Das QT-Intervall geht vom Anfang der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Es beschreibt den Anfang der Kammerdepolarisation bis zur Repolarisation der Kammern. Man sollte mithilfe der Bazett-Formel die frequenzkorrigierte QT-Zeit berechnen: QTc = QT-Zeit in ms./√RR-Abstand oder QTc = QT-Zeit in ms./√(60/Frequenz)
Der Normwert der frequenzkorrigierten QTc-Zeit liegt zwischen 360-440 ms.
Tipp
Bei einer Herzfrequenz von 60 Schlägen pro Minuten entspricht die QT-Zeit der frequenzkorrigierten QTc-Zeit.
Angeborenes Long-QT-Syndrom
Ein angeborenes Long-QT-Syndrom mit Innenohrschwerhörigkeit wird auch als Jervell-Lange-Nielsen-Syndrombezeichnet. Die angeborene Form ohneInnenohrschwerhörigkeit bezeichnet man als Romano-Ward-Syndrom.
Auffällig werden die Patienten häufig schon im Kindesalter durch rezidivierendeSynkopen.
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Erworbenes Long-QT-Syndrom
Im klinischen Alltag sind vor allem die erworbenen Formen relevant. So können bestimmte Medikamente die Repolarisation beeinflussen und so zu einem erworbenen Long-QT-Syndrom führen. Insbesondere bestimmte Antiarrhythmika, Antipsychotika und Antibiotika führen häufiger zu einem Long-QT-Syndrom. Bei QT-verlängernden Medikamenten sind eine QTc-Ausgangsmessung und Verlaufskontrollen (z. B. nach Dosissteigerung, Interaktionen, Elektrolytverschiebungen) sinnvoll. Bei einer QTc-Zeit-Verlängerung von >470 ms bei Frauen oder >450 ms bei Männern sollte die Medikation ggf. umgestellt oder abgesetzt werden.
Auch bestimmte Erkrankungen, wie z.B. eine Elektrolytstörung, eine Subarachnoidalblutung oder ein Herzinfarkt können zu einem Long-QT-Syndrom führen.
Merke: Es besteht ein erhöhtes Arrhythmierisiko bei einer Kombination mehrerer QT-verlängernder Substanzen, Elektrolytstörungen und gleichzeitiger Bradykardie. Eine Bradykardie erhöht das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien beim Long-QT-Syndrom, da eine niedrige Herzfrequenz die Aktionspotenzialdauer und damit die QT-Zeit weiter verlängert. Die verlängerte Repolarisation begünstigt frühe Nachdepolarisationen, die Torsade-de-pointes auslösen können.
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Torsade-de-pointes-Tachykardien
Ein Long-QT-Syndrom erhöht das Risiko für sogenannte Torsade-de-pointes-Tachykardien. Torsade-de-pointes bedeutet übersetzt Spitzenumkehrtachykardie. Bei dieser liegt zuerst ein Sinusrhythmus mit einer verlängerten QT-Zeit vor. Durch eine, in der vulnerablen Phase, einfallende Extrasystole, kommt es zu einem plötzlichenEinsetzen der Tachykardie. Sie stellt sich mit einem breiten QRS-Komplex, der um die isoelektrische Linie unduliert und an Größe zu- und abnimmt, dar.
Die Torsade-de-pointes-Tachykardie ist eine lebensbedrohliche Arrhythmie. Es kann zu einem spontanen Sistieren, aber auch zu einem Übergang in ein Kammerflimmern kommen.
Die Akuttherapie besteht aus der i.v.-Gabe von Magnesium und ggf. einer Defibrillation bei Instabilität. QT-auslösende Substanzen sollten abgesetzt werden und Elektrolytverschiebungen, falls vorhanden, korrigiert werden (v. a. K⁺/Mg²⁺). Bei Bradykardie sollte eine Frequenzsteigerung evaluiert werden.
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Therapie
Therapie des angeborenen Long-QT-Syndroms
Ziel der Behandlung des angeborenen Long-QT-Syndroms ist die Reduktion des Risikos für Torsade-de-pointes-Tachykardien, Synkopen und einen plötzlichen Herztod durch eine Senkung adrenerger Trigger und die Stabilisierung der Repolarisation.
Basistherapie:
Nichtselektive Betablocker (z. B. Propranolol) ohne intrinsische sympathomimetische Aktivität als Mittel der ersten Wahl
Ziel: Dämpfung sympathischer Trigger und Reduktion ventrikulärer Arrhythmien
Metoprolol gilt als weniger effektiv und wird nicht bevorzugt
Linksseitige kardiale sympathische Denervation bei rezidivierenden Arrhythmien trotz Betablocker oder bei Betablockerunverträglichkeit oder häufigen ICD-Auslösungen
Senkt adrenerge Trigger ohne Bradykardie-induzierte QT-Verlängerung
Allgemeine Maßnahmen:
Strikte Vermeidung QT-verlängernder Medikamente
Korrektur von Elektrolytstörungen
Regelmäßige QTc-Kontrollen
Familienuntersuchung und genetische Beratung
Lebensstilberatung
Prognose:
Unter adäquater Betablockade ist die Mortalität deutlich reduziert. Das Risiko bleibt jedoch abhängig vom Genotyp und der klinischen Präsentation bestehen, sodass eine lebenslange kardiologische Betreuung erforderlich ist.
Therapie des erworbenen Long-QT-Syndroms
Ziel der Behandlung des erworbenen Long-QT-Syndroms ist die Verkürzung der QT-Zeit und die Prävention von Torsade-de-pointes-Tachykardien sowie von einem plötzlichen Herztod. Zentrale Maßnahmen sind die rasche Beseitigung auslösender Faktoren und die Stabilisierung der myokardialen Repolarisation.
Basismaßnahmen:
Absetzen aller QT-verlängernden Medikamente (z. B. bestimmte Antiarrhythmika, bestimmte Antibiotika, Antipsychotika)
Korrektur von Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie und Hypomagnesiämie
Zielwerte: Kalium im oberen Normbereich (≈ 4,5–5,0 mmol/l), Magnesium normal bis leicht erhöht
Weitere Maßnahmen:
Behandlung zugrunde liegender Ursachen (z. B. Elektrolytstörungen, Myokardischämie, Intoxikation, Hypothyreose)
Engmaschiges Monitoring (Telemetrie, QTc-Kontrollen) bis Normalisierung der QT-Zeit
Prognose:
Bei konsequenter Beseitigung der auslösenden Faktoren ist das erworbene Long-QT-Syndrom in der Regel reversibel, das Risiko maligner ventrikulärer Arrhythmien sinkt deutlich.
Akuttherapie bei Torsade-de-pointes:
Magnesiumsulfat i.v. (unabhängig vom Serum-Magnesium wirksam)
Hypokaliämie konsequent behandeln
Bei hämodynamischer Instabilität: sofortige Defibrillation
Vermeidung von Bradykardien (Ziel 80-100/min) zur QT-Verkürzung: z. B. Orciprenalin i.v. (off-label) oder temporäres Schrittmacher-Pacing, insbesondere bei Bradykardie-getriggerten Episoden
Bei hohem Risiko, Rezidiven oder Z.n. ventrikulärer Tachykardie: ggf. Implantation eines Herzschrittmachers oder ICDs
QT-verlängernde Medikamente absetzen
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Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026
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