Zusammenfassung
Das Lungenkarzinom (auch Bronchialkarzinom, Lungenkrebs) ist einer der häufigsten Tumore. Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung des Lungenkarzinoms ist das Rauchen. Das Lungenkarzinom wird nach Histologie, Prognose und Therapie in das kleinzellige Lungenkarzinom (= small cell lung cancer, SCLC) und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (= non small lung cancer, NSCLC) unterteilt. Histologisch handelt es sich bei Lungenkarzinomen meist um Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome oder seltener neuroendokrine Tumoren. Klinisch werden die Patient:innen mit persistierendem Husten, Dyspnoe

(Bild 1: Lange123, CC BY-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons, Bild 2: Emmanuelm at en.wikipedia, CC BY 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons. Die Abbildung ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Das Bild wurde zugeschnitten
Epidemiologie
- Das Lungenkarzinom ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen
- Insgesamt erkranken Männer häufiger
- Die Inzidenz liegt in Europa bei etwa 50/100.000 Einwohner
- Das mittlere Erkrankungsalter liegt beim SCLC bei 67 Jahren und beim NSCLC bei 69 Jahren
- Das Lungenkarzinom geht mit einer hohen Letalität einher → Bei Männern ist das Lungenkarzinom die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache.
Ursachen
Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Lungenkarzinoms sind:
- Rauchen: Zigarettenrauch ist für etwa 85% der Lungenkarzinome verantwortlich. Dabei bestimmen die Dauer und die Menge (gemessen in Pack-years = Anzahl Jahre x Anzahl Schachteln pro Tag) des Rauchens das Risiko, ein Lungenkarzinom zu entwickeln, auch Passivrauchen erhöht das Risiko
- Exposition gegenüber beruflichen Karzinogenen: Asbest, Chrom, Arsen, Haloether, ionisierende Stoffe, Nickel, PAH (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
- Exposition gegenüber anderen inhalativen Reizstoffen: Verkehrsabgase, Feinstaub, Radon, etc.
- Genetische Prädisposition: Erkrankung eines Elternteils erhöht das Erkrankungsrisiko für die Kinder
- Lungenerkrankungen mit Ausbildung von Narbengewebe prädisponieren insbesondere zur Entwicklung von Adenokarzinomen: Chronisch-entzündliche Erkrankungen, Tuberkulose
Pathophysiologie
- Wie bei vielen Erkrankungen wird auch beim Lungenkarzinom ein Zusammenwirken von genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren vermutet
- Auf der Grundlage von genetischen Veränderungen und der Exposition gegenüber Risikofaktoren kommt es zur Epitheldysplasie
Klassifikation
Einteilung in kleinzelliges und nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
- Die Unterscheidung in „Kleinzeller“ und „Nicht-Kleinzeller“ erfolgt anhand von histologischen Aspekten, der Zellteilungsrate und dem Wachstumsverhalten
- Da das kleinzellige Lungenkarzinom sehr schnell wächst, hat die Einteilung therapeutische und prognostische Konsequenzen
| Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC = small cell lung cancer) | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC = non-small lung cancer) | |
|---|---|---|
| Anteil | 15% aller Lungenkarzinome | 85% aller Lungenkarzinome |
| Histologie |
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| Lokalisation |
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| Besonderheiten |
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| Prognose |
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Histopathologische Klassifikation:
- Die häufigsten histologischen Formen des Lungenkarzinoms sind das Adenokarzinom, das Plattenepithelkarzinom
und neuroendokrine Tumore - Seltenere Formen sind das bronchioloalveoläres Karzinom (auch: Alveolarzellkarzinom, diffus wachsendes Adenokarzinom entlang der Bronchialwände, wenig invasiv), großzellige Karzinome und weitere histologische Mischformen
- Einige Merkmale der wichtigsten histologischen Typen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt
| Adenokarzinom | Plattenepithelkarzinom | Neuroendokrine Tumore | |
|---|---|---|---|
| Anteil | 40% aller NSCLC | 45% aller NSCLC | Meistens SCLC Seltener NSCLC |
| Risikofaktoren |
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| Lokalisation |
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| Pathologie |
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| Histologie | ![]() “Adenocarcinoma, invasive - Case 210 (7146047393).jpg” von Yale Rosen from USA, CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons | ![]() “Squamous cell carcinoma 3.jpg” von Yale Rosen, CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons | ![]() Yale Rosen from USA, CC BY-SA 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons. Die Abbildung ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Das Bild wurde zugeschnitten. |
Weitere histologische Typen:
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Klinik
TippTipp: Die Symptome eines Lungenkarzinoms resultieren aus drei Hauptfaktoren:
- Lokales Tumorwachstum: lokale Invasion ins umliegende Gewebe und Obstruktion der Atemwege
- Metastasierung: Absiedelungen des Primärtumors in anderen Körperregionen
- Paraneoplastischen Symptome: durch den Tumor verursachte, systemische Effekte, die nicht direkt durch die lokale Tumorpräsenz oder Metastasen zu erklären sind
1. Lokales Tumorwachstum
- Frühe Symptome können sein:
- Chronischer Husten
- Zentraler Tumor: eher Dyspnoe und Stridor durch Obstruktion der Atemwege
- Peripherer Tumor: eher Thoraxschmerzen durch Infiltration der Pleura
- B-Symptomatik
: Fieber , ungewollter Gewichtsverlust (>10% in den letzten 6 Monaten), Nachtschweiß - Lymphknotenschwellungen
- Chronischer Husten
- Spätsymptome sind:
- Hämoptysen: Blutiges Sputum
- Pleuraergüsse: Oft blutig
- Zeichen der Invasivität: Parese des N. laryngeus recurrens oder des N. phrenicus
, Dysphagie bei Kompression des Ösophagus , Heiserkeit, obere Einflussstauung - Zeichen der Hypoxämie: Nagelveränderungen (Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel)
- Tumorkachexie
- Hämoptysen: Blutiges Sputum
AchtungEs gibt keine spezifischen Frühsymptome des Lungenkarzinoms. Daher sollte bei folgenden Symptomen immer an das Vorliegen eines Lungenkarzinoms gedacht werden:
- Neu aufgetretene Bronchitis, Asthma bronchiale
oder rezidivierende Pneumonien bei Patient:innenenalter >40 Jahre - Therapieresistente Erkältungen oder persistierender Husten
und Patientenalter >40 Jahre - Hämoptysen
Spezielle klinische Merkmale bei einzelnen Formen des Lungenkarzinoms:
- Pancoast-Tumor: Peripheres Lungenkarzinom der Pleurakuppel mit Infiltration von Thoraxwand und umliegenden Strukturen
- Horner-Syndrom durch Infiltration von Strukturen des Ganglion stellatum
➜ Ptosis, Miosis, Pseudoenophthalmus, (ggf. auch Anhidrosis) - Infiltration des Plexus brachialis
➜ Sensibilitätsstörungen im Schulter- und Armbereich - Einengung der Halsvenen ➜ Obere Einflussstauung, Gesichtsödem
- Ggf. lokale Knochendestruktion
➜ Rippenschmerzen
- Horner-Syndrom durch Infiltration von Strukturen des Ganglion stellatum

Jmarchn, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons. Die Abbildung ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Das Bild wurde zugeschnitten. Es wurde ein Pfeil ergänzt.
2. Symptome durch Metastasen
- Lymphogene Metastasen: Lymphknotenschwellungen vor allem hilär und mediastinal
- Hämatogene Metastasierung:
- Gehirn➜ Kopfschmerzen
, Paresen - Knochen➜ Knochenschmerzen, pathologische Fraktur
- Leber
➜ Appetitlosigkeit, Ikterus , Oberbauchschmerzen - Nebennieren
➜ oft asymptomatisch

3. Paraneoplastische Syndrome
MerkeParaneoplastische Syndrome kommen vor allem bei SCLC und neuroendokrinen Tumoren vor.
- Überproduktion von ADH
➜ Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH ): Erhöhte ADH -Spiegel bewirken eine Hyponatriämie , die zu Müdigkeit, Verwirrung und Krampfanfällen führen kann - Ektope Produktion von ACTH ➜ Cushing-Syndrom
: Eine abnormale Ausschüttung des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) durch den Tumor führt zu Symptomen wie stammbetonte Adipositas , Bluthochdruck und Hautveränderungen - Produktion von IGF-1 ➜ Hypoglykämien
: Der Tumor produziert Insulin -ähnliche Wachstumsfaktoren, die zu niedrigen Blutzuckerspiegeln und damit verbundenen Symptomen wie Zittern, Schwitzen und Bewusstseinsverlust führen - Produktion von Parathormon
-ähnlichen Peptiden (PTHrP) ➜ Pseudohyperparathyreoidismus mit Hyperkalzämien : Parathormon -ähnliche Peptide führen zu erhöhten Kalziumspiegeln im Blut, was zu Nierensteinen, Gelenkschmerzen und Ulcus ventriculi (“Stein, Bein und Magenpein“) führen kann - Produktion von Antikörpern gegen präsynaptische Kalziumkanäle➜ Lambert-Eaton-Syndrom: Myasthenie-ähnlichem Syndrom mit belastungsabhängiger Schwäche der proximalen Extremitäten, tritt meist bereits vor der Diagnose der Tumorerkrankung auf
- Antineuronale Antikörper (Anti-Hu, Anti-Yo) ➜ Paraneoplastische Polyneuropathie und paraneoplastische zerebelläre Degeneration
- Immunologische Reaktion ➜ Polymyositis, Dermatomyositis: Eine Fehlsteuerung des Immunsystems führt zu Entzündungen der Muskeln und der Haut
- Periostale Reaktionen ➜ Hypertrophe pulmonale Osteoarthropathie (Pierre-Marie-Bamberger-Syndrom): Dieses Syndrom umfasst Knochenschwellungen und Schmerzen in den Röhrenknochen, Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel, zu 90 % assoziiert mit dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom
- Hämatologische Veränderungen ➜ Thrombozytose
, Thromboseneigung, Phlebitis migrans, Anämie
Diagnostik
AchtungDa kleinzellige Lungenkarzinome schnell wachsen, kommt der Früherkennung und Frühdiagnostik eine besondere Bedeutung zu.
Anamnese
- Aktuelle Anamnese: Symptomatik, Verlauf, Begleitsymptomatik, Husten
, therapierefraktäre Verläufe von Atemwegsinfektionen - Vegetative Anamnese: B-Symptomatik
mit Fieber , Gewichtsverlust, Nachtschweiß - Medikamentenanamnese
- Vorerkrankungen: chronische Erkrankungen, frühere Krebserkrankungen
- Sozialanamnese, Berufsanamnese: Exposition gegenüber inhalativen Schadstoffen
- Risikofaktoren: Rauchen
- Familienanamnese: Krebserkrankungen in der Familie
Körperliche Untersuchung
- Allgemeiner Zustand: Beurteilung des Ernährungszustands, Hinweise auf einen Gewichtsverlust (Kleidung sitzt locker, Gürtel enger, Hautfalten)
- Inspektion: Haut und sichtbare Schleimhäute auf Zyanose oder Blässe untersuchen, Überprüfung auf vergrößerte Lymphknoten, insbesondere im Hals- und Klavikularbereich, obere Einflussstauung, Nagelveränderungen
- Palpation: Abtasten der Lymphknotenstationen (Hals, Achseln, supra- und infraklavikulär)
- Perkussion: Bei Pleuraerguss
: hyposonor - Auskultation: Überprüfung auf pathologische Atemgeräusche
wie Stridor oder Rasselgeräusche - Orientierende neurologische Untersuchung
Labor
- Ausschluss von Differentialdiagnosen:
- Blutbild
, Elektrolyte, Nierenwerte , Leberwerte, LDH
- Blutbild
- Bei Verdacht auf eine respiratorische Insuffizienz
- Tumormarker
: Haben nur wenig Relevanz und werden nicht standardmäßig bestimmt, wenn V.a. ein Lungenkarzinom besteht - CYFRA-21-2: Kann vor allem bei NSCLC erhöht sein
- NSE
: Neuronen-spezifische Enolase: kann bei SCLC erhöht sein - LDH
: Marker für Zellzerfall, kann bei SCLC erhöht sein
Bildgebende Verfahren
- Röntgen-Thorax
: - Indikation: Immer indiziert als Basisdiagnostik zum Staging des Lungenkarzinoms, Lokalisationsdiagnostik
- Weitere Informationen zur praktischen Befundung siehe
Neoplasien im Röntgen-Thorax
- CT
-Thorax : - Indikation: Immer indiziert zum Staging des Lungenkarzinoms, Lokalisationsdiagnostik
- Durchführung mit Kontrastmittel
- Häufig als CT
-Thorax + Abdomen durchgeführt (direkter Nachweis von Leber - oder Nebennierenmetastasen

"Thorax pa peripheres Bronchialcarcinom li OF markiert.jpg" von Lange123, CC BY-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons.

“Thorax CT peripheres Brronchialcarcinom li OF.jpg” von Lange123, CC BY-SA 3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ via Wikimedia Commons.
Karzinomverdächtige Befunde in der Bildgebung (Röntgen-Thorax , CT )
- Pulmonale Rundherde
- Unscharf begrenzte Transparenzminderungen
- Ggf. mit Einschmelzungen oder nekrotisch verändert
- Ggf. mit Spiculae (spitze, ausstrahlende Ausläufer)
- Größenzunahme im Vergleich zu früheren Aufnahmen
- Keine Verkalkungen
- Unscharf begrenzte Transparenzminderungen
- Stenosierter Bronchus mit distaler Atelektasenbildung, poststenotischer Pneumonie oder poststenotischer Überblähung
- Vergrößerte hiläre oder mediastinale Lymphknoten
- Pleuraerguss
AchtungJeder pulmonale Rundherd
gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Lungenkarzinom!
Histologische Sicherung der Diagnose
- Indikation: Zur Diagnosesicherung sollte immer eine Biopsie des verdächtigen Rundherdes erfolgen
- Möglichkeiten der Probengewinnung:
- Transbronchiale Biopsie: Durchführung einer Bronchoskopie
mit endobronchialem Ultraschall, auch Feinnadelbiopsie mediastinaler Lymphknoten möglich, ggf. auch transösophageale Biopsie möglich - Transthorakale Biopsien: Bei peripheren Rundherden, CT
- oder Sonografie-gesteuert - Thorakoskopische Biopsie: VATS = Video assistierte Thorakoskopie
mit Probenentnahme, seltener mit offener Thorakotomie
- Transbronchiale Biopsie: Durchführung einer Bronchoskopie

"Biopsie Lunge Computertomographie BC.png" von Hellerhoff, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons.
Staging-Untersuchungen
Nach Diagnosestellung des Lungenkarzinoms durch die histologische Diagnosesicherung, schließen sich Staginguntersuchungen an. Diese dienen der TNM-Klassifikation, Lokalisationsdiagnostik, Ausschluss von Fernmetastasen und Evaluation der Therapiemöglichkeiten.
- CT
-Thorax mit Kontrastmittel: - Falls noch nicht bei Primärdiagnostik erfolgt
- Schädel-MRT
- Indikation: Ausschluss von Hrinmetastasen bei Diagnose eines Lungenkarzinoms mit kurativer Therapieindikation
- Alternativ kann auch ein CT
des Schädels mit Kontrastmittel durchgeführt werden
- Sonografie der Leber
: - Indikation: abdominelle Metastasen vor allem Leber
- und Nierenmetastasen
- Indikation: abdominelle Metastasen vor allem Leber
- CT
-Abdomen: ergänzend zur Abdomensonografie - Knochenszintigrafie:
- Indikation: Ausschluss von Knochenmetastasen
- PET
-CT - Indikation: Ausschluss von Fernmetastasen; Detektion von Knochenmetastasen; zur Ausbreitungsdiagnostik als Alternative zum CT
-Thorax
➜ Durchführung vor allem bei kurativer Therapieindikation zum Ausschluss von Kontraindikationen - Sehr sensitiv einen bisher unbekannten Primärtumor detektieren
- Indikation: Ausschluss von Fernmetastasen; Detektion von Knochenmetastasen; zur Ausbreitungsdiagnostik als Alternative zum CT
Pleurapunktion
- Indikation: Maligner Pleuraerguss
, zytologische Untersuchung auf maligne Zellen - Ausschluss einer pleuralen Beteiligung
Lungenfunktionsdiagnostik
- Indikation: Präoperativ bei kurativem Therapieansatz
- Die Lungenfunktionsdiagnostik
sollte immer vor invasiven, diagnostischen und/oder therapeutischen Schritten stehen, da hierdurch die Operabilität überprüft wird - Patient:innen gelten als operabel und können sich einer Pneumektomie unterziehen, wenn folgende Werte der Lungenfunktionsdiagnostik
vorliegen: - FEV1 >2 Liter oder 80% des Sollwertes
- Diffusionskapazität
/ DLCO >60% des Sollwertes
- Für eine Lobektomie gelten ähnliche Grenzwerte:
- FEV1 >1,5 Liter oder 80% des Sollwertes
- Diffusionskapazität
/ DLCO > 60% des Sollwertes
- Bei grenzwertigen Befunden kann ergänzend eine Lungenszintigrafie oder eine Spiroergometrie
durchgeführt werden
Histopathologie
Genauere histopathologische Untersuchungen nach Biopsie erlauben prognostische Einschätzungen und Hinweise auf Therapiemöglichkeiten
- Immunphänotypisierung
- Molekularpathologische Untersuchungen: Mutationsanalysen von Tumorzellen, z.B. Untersuchung auf Mutationen von BRAF-V600E-Mutation, EGFR, ALK-Translokationen, PD-L1-Expression, etc.
Differentialdiagnosen
- Tuberkulose: Kann Ursache eines pulmonalen Rundherdes sein
- Lungenmetastasen zum Beispiel Mammakarzinome und kolorektale Karzinome
- Pleuramesotheliom: Asbest-assoziierte Krebserkrankung
- Benigne Lungenveränderungen: Fibrome, Chondrome, etc.
- Sarkoidose: kann eine hiläre Lymphadenopathie verursachen
- Andere Ursachen von chronischem Husten: Chronische Bronchitis, COPD
, Asthma bronchiale
Therapie
Therapeutische Strategien bei Lungenkarzinom werden je nach Klassifikation des Tumors und Tumorstadium eingesetzt.
- Vor Therapieentscheidung erfolgt die Besprechung in der Tumorkonferenz
- Einige der Therapieansätze befinden sich noch in klinischer Forschung
- Zusätzliche bestimmende Faktoren sind:
- Der Allgemeinzustand der Patient:innen (ECOG)
- Alter
- Staging
- Vorerkrankungen
- Patient:innenwille
Therapieoptionen
Die Therapie des Lungenkarzinoms beinhaltet die folgenden Therapieansätze:
- Operation: + mediastinale, interlobäre, hiläre Lymphknotendissektion, über VATS oder offene Thorakotomie
- Pneumektomie bei zentralen Tumoren
- Lobektomie/Bilobektomie mit oder ohne Manschettenresektion
- Keilresektion: Kleinere, periphere Tumore
- Radiotherapie: Neoadjuvant und adjuvant
- Radiotherapie des Schädels
- Indikation: Kurativer Therapieansatz des SCLC, wenn sich der Tumor in Remission befindet
- Chemotherapie: Neoadjuvant oder adjuvant
- Eingesetzte Substanzen je nach Klassifikation und Therapieregimen: Etoposid, Carboplatin, Cisplatin, Docetaxel
, Gemcitabin, Atezolizumab - Die Wahl der Chemotherapeutika
und ihrer Kombination mit anderen Substanzen wird anhand von histologischen Untersuchungen, Mutationsanalysen und Therapieansprechen getroffen
- Eingesetzte Substanzen je nach Klassifikation und Therapieregimen: Etoposid, Carboplatin, Cisplatin, Docetaxel
- PD-L1-Antagonisten (Durvalumab, Pembrolizumab): Bei histologischen Nachweisen von hoher PD-L1-Expression
- VEGF-Inhibitoren
(Bevacizumab, Nintendanib, Ramucirumab): Einsatz auch bei fehlenden Treibermutationen möglich in Kombination mit Chemotherapie - Individuelle systemische Therapien („Targeted therapies“) nach Mutationsnachweis für folgende Mutationen:
- Tyrosinkinase-sensitive EGFR-Mutation: Erlotinib, Afatinib, Gefitinib
- BRAF-V600E-Mutation
- ALK-Translokation
- ROS1-Translokation
- NTREK-Alteration
- RET-Alteration
- cMET-Alteration
Supportive Therapie
- Frühzeitig palliative Therapiekonzepte in Betracht ziehen
- Schmerztherapie (WHO-Stufenschema
) - Behandlung von Knochenmetastasen: Bisphosphonate
, Denosumab (Antikörper gegen den RANK-Liganden ➜ hemmt den Knochenabbau durch Osteoklasten), Strahlentherapie - Pleurodese bei rezidivierenden Pleuraergüssen
- Bronchoskopie
: Stentimplantation bei Obstruktion, Ablation oder Koagulation von Tumoranteilen in den Bronchien - Antiemetische Therapie
- Anxiolytische Therapie
- Behandlung paraneoplastischer Syndrome
Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms
- Da die Diagnose des SCLC meistens spät gestellt wird, kommt häufig nur noch eine systemische Therapie in Betracht
- Die Therapieentscheidung richtet sich nach der Einteilung in very limited, limited und extensive disease (angelehnt an die UICC-Stadien) ➜ Diese Einteilung ist übersichtlicher, um die Therapieentscheidung nach der Ausbreitung des Tumors zu richten
- Das SCLC spricht initial meistens gut auf die Chemotherapie an, besitzt aber schlechte Heilungschancen
- Operation: nur im Stadium der very limited disease ➜ Heilung möglich
- Radiochemotherapie: Neoadjuvant zu Verkleinerung des Tumors, adjuvant
- Wahl der Chemotherapeutika
: Kombination von Cisplatin + Etoposid, Einsatz und Kombination anderer Substanzen möglich - Für targeted therapies fehlt es bisher an Ergebnissen in Studien
- In allen Stadien prophylaktische Schädelbestrahlung
- Wahl der Chemotherapeutika
| Klassifikation und Therapie des SCLC | |||
|---|---|---|---|
| Stadium | Merkmale | Anteil | Therapie |
| Very limited disease |
| 5% |
|
| Limited disease |
| 20% | ➜Tumorausdehnung ermöglicht Therapie
|
| Extensive disease |
| 75% | ➜Tumor zu ausgedehnt für kurative Therapie
|
Anmerkungen:
| |||
Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms
MerkeDie Therapieentscheidung wird anhand der UICC-Stadien getroffen.
Kurativer Therapieansatz: Bis Stadium IIIA
- Operation: Radikale Lobektomie mit Lymphknotendissektion
- Alternativen:
- Parenchymsparende Operationen bei funktioneller Inoperabilität
- Alternativ: Radiotherapie bei funktioneller Inoperabilität
- Radiotherapie:
- Lokale Radiatio bei Infiltration der Thoraxwand
- Neoadjuvante Radiochemotherapie bei Pancoast-Tumor
- Chemotherapie: Adjuvant nach Operation in den Stadien II bis IIIA und N2-Lymphknotenstatus
- Wahl der Chemotherapeutika
ist abhängig von der histologischen Tumorentität und den Treibermutationen
- Wahl der Chemotherapeutika
- Therapie mit Durvalumab: Bei PD-L1-positiven Befunden nach Operation
Palliativer Therapieansatz: Ab Stadium IIIB
- Chemotherapie: Platinhaltig, ggf. + Bevacizumab
- Häufig eingesetzte Kombination: Cisplatin + Etoposid
- Pebrolizumab, Atezolizumab: Bei hoher Expression von PD-L1 (>50%)
- Individuelle systemische Therapien bei nachgewiesenen Mutationen als Kombinationstherapie zur Chemotherapie oder als Alternative (s.o.)
AchtungDer palliative Therapieansatz wird teils schon ab dem Stadium IIIA durchgesetzt ➜ Sobald sehr ausgedehnte oder fixierte Lymphknotenmetastasen vorliegen.
| Klassifikation und Therapie des NSCLC anhand der UICC-Stadien | |||
|---|---|---|---|
| UICC | TNM | Merkmale Weitere Informationen siehe TNM-Klassifikation | Therapie |
| 0 | Tis | Carcinoma in situ |
|
| I | IA: T1, N0 IB: T2a, N0 |
|
|
| II | IIA: T2b, N0 IIB: T1, N1 T2a,b, N1 T3 |
|
|
| III | IIIA: T1, N2 T2a,b, N2 T3 T4 |
CAVE: Sehr heterogenes Stadium; teils weitere Einteilung in Untergruppen |
|
IIIB: T1, N3 T2a,b, N3 T3 T4 IIIC: T3 T4 |
|
| |
| IV | M1a, M1b |
|
|
| V | M1c |
| |
Komplikationen
Metastasierung
- Hämatogen: Gehirn, Knochen, Leber
, Nebennieren - Lymphogen: Lymphknoten (mediastinal, supraklavikulär), pulmonal
- Lymphangiosis carcinomatosa: Verbreitung von Tumorzellen entlang der Lymphbahnen
Weitere Komplikationen:
- Nervenschädigung durch Kompression: N. phrenicus
, Zwerchfellhochstand - Maligne Pleuraergüsse
- Pulmonale Blutungen durch Tumoreinbruch
- Lungenembolie
Prävention
- Die wichtigste Komponente der Prävention ist die Raucherentwöhnung und Vermeidung von Passivrauchen
- Bei Patient:innen mit beruflichen Risiken sollte der Arbeitsschutz überprüft, regelmäßig kontrolliert und wenn nötig verbessert werden, z.B. nach Asbestexposition
Prognose
- Das Lungenkarzinom besitzt durch die fehlenden Frühsymptome und daraus resultierend späte Diagnosestellung generell eine sehr schlechte Prognose
- Die schlechteste Prognose besitzt das kleinzellige Lungenkarzinom
- Die Prognose ist abhängig von der Klassifikation des Lungenkarzinoms, histologischen Subtypen, Tumorstadium und –größe und vom Allgemeinzustand der Patient:innen
- Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt zwischen 10 und 20%
- Bei der Diagnosestellung sind nur ca. 35% der Lungenkarzinome noch operabel
- Molekulare Veränderungen, die speizifische Therapieansätze ermöglichen, können die Prognose verbessern
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Quellen
- S3-Leitlinie: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH)





