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Lungenödem (Röntgen-Thorax)

10 Minuten Lesezeit

Im Rahmen einer kardialen Dekompensation kann es bei einem Rückwärtsversagen des linken Herzens zu einem pulmonalvenösen Rückstau des Blutes in die Lunge kommen. Aufgrund des erhöhten hydrostatischen Drucks in den Lungengefäßen kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in den Lungen und zu einem Lungenödem. Andere Ursachen für ein Lungenödem können unter anderem eine Niereninsuffizienz (verminderter onkotischer Druck durch Proteinurie und verminderte Flüssigkeitsausscheidung), Leberinsuffizienz (verminderter onkotischer Druck durch reduzierte Proteinsynthese), toxische oder medikamentöse Ursachen (insbesondere Zytostatika) oder auch Infektionen sein. 
Eine Stauung kann auf dem Röntgenbild nicht immer sicher beurteilt werden. Beim Lungenödem kann zwischen einem interstitiellen und einem alveolären Lungenödem unterschieden werden. Dabei sammelt sich die Flüssigkeit immer zuerst interstitiell und im weiteren Verlauf alveolär an.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild siehe Lungenödem.

Klassifikation der pulmonalvenösen Stauung
  • Grad 1: Basoapikale Umverteilung (Kranialisation): Dieses Zeichen beschreibt eine Umverteilung des Blutflusses von den unteren zu den oberen Lungenbereichen. Im Röntgenbild erkennt man eine verstärkte Gefäßzeichnung in den oberen Lungenfeldern
  • Grad 2: Interstitielles Ödem
    • Kerley-Linien: Kerley-Linien sind verdickte interlobuläre Septen, die als feine, horizontale Linien, vor allem in den basalen Abschnitten der Lunge, sichtbar sind und auf ein interstitielles Ödem hinweisen
    • Peribronchiales Cuffing: vermehrte Verschattung der Bronchialwände
    • Perihiläre Unschärfe mit unscharfer Begrenzung von Gefäßen, Herzschatten und Zwerchfell: Dieses Zeichen ist charakterisiert durch eine unscharfe, verdichtete Darstellung der perihilären Strukturen (normalerweise scharf abgrenzbar) sowie unscharfe Konturen von Herz, Gefäßen und Zwerchfell
  • Grad 3: Interstitielles und alveoläres Ödem 
    • Konsolidierungen bis zum Schmetterlingsödem: Durch die vermehrte Flüssigkeit in den Alveolen ist die Dichte erhöht und die Lunge zeigt fleckige, konfluierende Verschattungen, in denen die luftgefüllten Bronchien teilweise sichtbar sind (positives Bronchopneumogramm). Bei bihilärer, symmetrischer Verschattung spricht man auch von einem Schmetterlingsödem, da die Form an einen Schmetterling erinnert

Weitere Zeichen

  • Kardiomegalie: Vergrößerung des Herzens, der Herz-Thorax-Quotient ist > 0,5
  • Begleitender Pleuraerguss

Eine Erweiterung der Pulmonalgefäße im Bereich des Oberlappens ist immer pathologisch, da sie im Widerspruch zur einwirkenden Schwerkraft steht.

Basoapikale Umverteilung (Kranialisation)
Geringe basoapikale Umverteilung, nebenbefundlich: Kardiomegalie. Fremdmaterial (Sternalcerclagen, Mitra-Clip®, mediastinales Clipmaterial)

Die Kerley-Linien treten typischerweise bei einem interstitiellen Lungenödem auf. Es werden Kerley-Linien A, B und C unterschieden. Am häufigsten sind die Kerley-B-Linien.

  • Kerley-A:
    • Lokalisation: Meist apikal (A)
    • Anatomisches Korrelat: verdickte Interlobularsepten
    • Morphologie: Sie ziehen radiär/schräg vom Hilus nach kranial und sind ca. 2-6 cm (rote Pfeile). 
  • Kerley-B
    • Lokalisation: Meist basal (B)
    • Anatomisches Korrelat: erweiterte pulmonale Lymphgefäße
    • Morphologie: Horizontal verlaufende Linien (1-2cm) in den peripheren basalen Lungenanteilen oft mit Kontakt zu Pleura (hellblauer Pfeil). 
  • Kerley-C
    • Lokalisation: Meist zentral (C)
    • Retikuläre, kurze Linien, erreichen Pleura nicht und verlaufen nicht radiär vom Hilus (dunkelblauer Pfeil). 
Kerley Linien im Fokus
Kerley-Linien
Kerley-Linien in der Übersicht. Nebenbefundlich: Schrittmacher.

Das peribronchiale Cuffing beschreibt eine manschettenartige Verdickung und Verdichtung um die Bronchien (grüner Pfeil, Arterie blauer Pfeil). Wie die Kerley-Linien ist dies ein Hinweis auf ein interstitielles Ödem.

Peribronchiales Cuffing

Die perihilären Gefäße und Strukturen erscheinen durch das ödematös geschwollene perivaskuläre Interstitium unscharf begrenzt. Man spricht auch von perihilärem „Haze".

Perihiläre Unschärfe bei Lungenödem
Links: Normalbefund mit klar erkennbaren Grenzen von Hilusregion und Herz.
 Rechts: deutliche perihiläre Unschärfe, Hilusregion und Herzkontur unscharf begrenzt

Als Schmetterlingsödem wird im Röntgenbild eine bilaterale, perihiläre, unscharf begrenzte Verschattung bezeichnet.

Schmetterlingsödem

Die Vergrößerung des Herzens kann man im Röntgenbild mithilfe des Quotienten aus Herzbreite und Thorax-Durchmesser indirekt beurteilen (Herz-Thorax-Quotient). Dieser sollte im Regelfall <50 % sein.

Kardiomegalie
Herz-Thorax-Quotient > 50 %.Nebenbefundlich: Zweikammerschrittmacher, EKG-Elektroden

Für ein praktisches BGA-Fallbeispiel zum Üben der BGA-Auswertung siehe: BGA-Fallbeispiel 2

Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
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