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Maldigestion & Malabsorption

7 Minuten Lesezeit

Unter Maldigestion versteht man eine Störung der Verdauung. Die Folge ist meist Durchfall. Bei der Malabsorption ist die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Nahrungsbrei ins Blut gestört. Dies führt bei längerem Bestehen zu einer Malnutrition, einer Mangelernährung. Treten Maldigestion und Malabsorption gemeinsam auf, spricht man von einem MalassimilationssyndromMalassimilation beschreibt die Unfähigkeit des Verdauungstraktes, die aufgenommene Nahrung zu verarbeiten und zu verwerten.

 Pathophysiologie & mögliche Ursachen

Ernährung

Gesunde Ernährung
Nährstoffarme Ernährung/Hungern

Intraluminale Verarbeitung

Darm

Inaktivierte Enzyme/fehlende Enzyme für Substrathydrolyse

  • Fehlende Laktase: Laktoseintoleranz
  • Fehlende Enzyme: Pankreasinsuffizienz, chronische Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Mukoviszidose, Disaccharidase-Mangel
    Inaktivierung der Lipase: Zollinger-Ellison-Syndrom

Mangelnde Durchmischung des Speisebreis/↑Transit

  • (partielle) Gastrektomie oder Magenbypass
  • Hypothyreose
  • Diabetes Mellitus (Neuropathie)
  • ↓Gallesalze
  • ↓Synthese: Pathologie der Leber
  • ↓Sekretion: Cholestase
  • Inaktivierung: Dünndarmfehlbesiedlung
  • Exkretion: Pathologie/Resektion des Ileums

↓Nährstoffverfügbarkeit

  • Nutzung durch Bakterien: Dünndarmfehlbesiedlung
  • ↓Intrinsic-Factor: Gastrektomie, Gastritis Typ A (Perniziöse Anämie)

Aufnahme durch Mukosa

Fehlende Hydrolyse am Bürstensaum & defekter Nährstofftransport in die Enterozyten

  • Schleimhautpathologien: Infektion (Morbus Whipple, Giardiose), Zöliakie, Morbus Crohn, Medikamenteneinnahme (Antibiotika, Neomycin, Cholestyramin, Orlistat), Strahlung, Infiltration (Neoplasien, Amyloidose), systemische Sklerose, Störung der Durchblutung
  • Schleimhautverlust & Kurzdarmsyndrom: angeboren, Resektion, Infarkt
  • Spezifische Defekte der Schleimhautfunktion: Mangel der Hydrolase, ⍺-β-Lipoproteinämie, Hartnup-Syndrom (vererbte Stoffwechselstörung → gestörter Aminosäurentransport durch die Zellmembran), Vitamin-B12-/Folsäureaufnahmedefekt, Microvillous inclusion disease (MVID)

Transport in Blut & Lymphe

Nährstofftransport in Blut und in Lymphgefäße

  • Blut: Vaskulitis, Störung der Durchblutung
  • Lymphe: intestinale Lymphangiektasie, intestinales Lymphom, tuberkulöse Enteritis, Strahlung, maligne Neoplasie (Infiltration)

Klinisch können sich Malabsorption & Maldigestion durch gastrointestinale Symptome wie Diarrhoen, Flatulenz & Blähungen äußern. Zudem kann es zu Gewichtsverlust ggf. mit Wachstums- und Gedeihstörung, chronischer Abgeschlagenheit & Müdigkeit kommen. Bei längerem Bestehen treten Mangelerscheinung von Nährstoffen auf. Die Malnutrition führt außerdem zur Anfälligkeit für Infektionen.

Fehlender Nährstoff Klinik
EisenEisenmangelanämie, Koilonychie (Löffelnägel), Cheilitis (Lippenentzündung), Plummer-Vinson-Syndrom (s.o.)
Vitamin B12Perniziöse Anämie, Neuropathie, Demenz, Hunter-Glossitis (Zungenentzündung), funikuläre Myelose
FolsäureMegaloblastäre Anämie
Calcium, Magnesium, PhosphatOsteoporose & pathologische Frakturen, Zahnschmelzveränderungen, Tetanie & Parästhesie
ZinkWundheilungsstörung, Beeinträchtigung des Geschmackssinns, Dermatitis, Akne, brüchige Nägel, dünnes Haar
Vitamin ANachtblindheit, trockene Haut
Vitamin DKind: Rachitis; Erwachsener: Osteomalazie
Vitamin ENeurologische Alterationen, Hämolyse, Muskelschwäche
Vitamin KBlutungsneigung: Hämatome & Ekchymosen
FetteMalnutrition und Gewichtsverlust, Steatorrhoe (Fettstuhl) + Flatulenz (= Blähungen)
ProteineMalnutrition und Gewichtsverlust, Muskelatrophie, Beinödeme, Amenorrhoe, ggf. Minderung der Libido
KohlenhydrateMalnutrition und Gewichtsverlust, Diarrhoe + Blähungen
  • Anamnese & körperliche Untersuchung (BMI sollte berechnet werden)
    • Vorangegangene Dünndarmresektion: Kurzdarmsyndrom!
  • Laboranalysen des Blutes: Blutbild, Entzündungsparameter, Ferritin, Vitamin B12, Folsäure, Gesamt-Eiweiß, Beta-Carotin (Provitamin A), Vitamin D, Calcium, Magnesium, INR, aPTT, TSH, Nachweis von Transglutaminase-IgA
  • Laboranalysen des Stuhls: Test auf okkultes Blut, Testung auf Bakterien & Parasiten, ggf. Fettgehalt im Stuhl & fäkale Elastase (Test auf exokrine Pankreasinsuffizienz)

     Tipp

    Pankreasinsuffizienz, Zöliakie & Z.n. Dünndarmresektion gehören zu den häufigsten Ursachen einer Malabsorption und sollten daher zuerst ausgeschlossen werden.

 Info

Nach Anamnese, körperlicher Untersuchung und genannter Labordiagnostik lässt sich bei Malabsorptions- und/oder Maldigestionssymptomatik in der Regel schon eine wahrscheinliche Diagnose angeben. Je nach Verdachts-Ätiologie sollte eine spezifische Diagnostik erfolgen (siehe Tabelle für spezifische Testmöglichkeiten nach Ursache).

Fehlender NährstoffSpezifische Testmöglichkeiten
Eisen, Vitamin B12, Folsäure
  • Blutbild (mikrozytär, hypochrom), Ferritin↓, Transferrinsättigung↓, löslicher Transferrinrezeptor↑(sTfR)
  • Blutbild (makrozytär, hyperchrom),
  • Vitamin B12↓, Holotranscobolamin↓ (frühester Marker), Methylmalonsäure (MMA) und Homocystein↑,
  • Folsäure
Vitamin A, D, E, K
  • A: β-Carotin (Provitamin A), Retinol
  • D: 1,25-OH-Vitamin D
  • E: Vitamin E (⍺-Tocopherol)
  • K: INR, aPTT und ggf. Koller Test (DD: Leberfunktionsstörung oder Malabsorption)
Fette
  • Qualitativ: Sudan-III-Färbung des Stuhls
  • Quantitativ: Fettgehalt im Stuhl (>7g Fette/Tag pathologisch) im Stuhl (72h)
Proteine
  • Hypoproteinämie (Hypoalbuminämie)
  • Fäkale ⍺1-Antitrypsin-Clearance
Kohlenhydrate
  • H2-Atemtest
  • D-Xylose-Absorptionstest (Differenzierung von Pankreasinsuffizienz und Malabsorption durch den Dünndarm)
  • D-Xylose-Absorptionstest:
    • Zweck: Differenzierung zwischen Pankreasinsuffizienz und Dünndarm-Pathologien
    • Durchführung:
      • Orale Gabe: 25g Xylose werden eingenommen
      • Resorption: D-Xylose wird ohne Beteiligung von Pankreasenzymen über die Dünndarmschleimhaut resorbiert
      • Messung:
        • 5h-Sammelurin: Bestimmung der Xylose-Konzentration
        • Serum: Optionale Messung nach 1-2 Stunden
    • Ergebnisse:
      • Physiologisch: Exkretion von ca. 25% (5g) Xylose im Urin → keine Malabsorption, deutet auf Pankreasinsuffizienz hin
      • Pathologisch: Exkretion <4g Xylose im Urin → Malabsorption aufgrund einer Pathologie der Mukosa (z.B. Zöliakie, Infektion)
      • Niedrige Xylose-Werte im Urin oder Serum deuten auf eine Resorptionsstörung der Dünndarmschleimhaut hin
  • H2-Atemtest:
    • H2-Laktulose-Atemtest: Quantifizierung der Dünndarmpassagezeit (orozökale Transitzeit)
    • H2-Laktose-Atemtest: Testung auf Laktoseintoleranz
    • H2-Glukose-Atemtest: Testung auf Dünndarmfehlbesiedlung
  • ÖGD mit Dünndarmbiopsie ± Bakterienkultur aus Lumensekret; ggf. Videokapselendoskopie (zur Untersuchung distaler Dünndarmanteile)
  • Röntgenkontrastmitteldarstellung (mit Barium): Suche nach Läsionen, Transitverhalten, Dilatationen, Verringerung der Schleimhautfaltenzahl
  • Abdomensonografie
  • CT (Abdomen)/MRT
UrsacheSpezifische Testmöglichkeiten
Pankreasinsuffizienz
  • Serum: Serum-Trypsinogen
  • Stuhl: fäkale Elastase; fäkales Chymotrypsin
  • Bildgebung: Ultraschall, CT (Abdomen) oder MRT
  • Spezifischere Pankreasfunktionsdiagnostik in speziellen Laboren
Zöliakie
  • Tissue-Transglutaminase-Antikörper (tTG-Ak) + Endomysium-Antikörper (EMA) IgA/IgG + Gesamt-IgA
  • Bestimmung von HLA-DQ2 und -DQ8 (Ausschluss einer Zöliakie)
  • ÖGD + Biopsie-Entnahme
Dünndarmfehlbesiedlung
  • Probe der Dünndarmflora durch Aspiration + Bakterienkultur
  • Glukose H2-Atemtest
  • 14C-Xylose-Atemtest
Infektion
  • Stuhl: Bakterienkultur, Testung auf Parasiten: ggf. Serologische Testung
  • Endoskopie mit Biopsie-Entnahme ± Bakterienkultur aus Lumensekret
↓Verfügbarkeit der Gallensalze
  • Leberwerte inkl. Cholestase-Parameter
  • Reabsorption: SeHCAT-Szintigrafie (Testung mit markierten Gallensäuren) oder diagnostischer Therapieversuch mit Cholestyramin; fäkale Gallensäuren im Stuhl, 14C-Glykocholat-Atemtest
  • Bildgebung: Ultraschall, CT/MRT (Abdomen) Diagnostik
Vitamin-B12- Mangel
  • Schilling-Test (heute selten verwendet)
  • Anti-parietal Zellen und Intrinsic-Factor Antikörper im Serum
  • Ggf. Magenbiopsie bei V.a. Gastritis Typ A
Disaccharidasemangel
  • Auslassversuch
  • H2-Atemtest
Laktoseintoleranz
  • H2-Atemtest

 

Die Therapie richtet sich primär nach der Ätiologie (kausale Therapie). Daneben kann symptomatisch mit Substitution von Flüssigkeit & Nährstoffen therapiert werden.

Zuletzt aktualisiert am 04.02.2025
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