Zusammenfassung

Milliways, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
Das Meckel-Divertikel ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Gastrointestinaltrakts (1-3% der Population). Das Meckel-Divertikel entsteht durch die unvollständige Zurückbildung des Ductus omphaloentericus (Dottergang) in der 6. Embryonalwoche. Das Meckel Divertikel tritt am häufigsten in den letzten ~60 cm des Ileums auf. Die Größe beträgt 10mm bis zu 12 cm. Zudem fällt es in die Kategorie eines “echten“ Divertikels, d.h. alle Wandschichten beulen sich zu einem Divertikelsack aus. Die Mukosa entspricht der des Ileums, wobei in ca. 50 % der Fälle ektope Magenschleimhaut vorliegt. Seltener lassen sich Pankreasgewebe oder Mukosa des Duodenums/Jejunum
Epidemiologie
2er-Regel:
- 2 % der Population haben ein Meckel Divertikel
- Meist diagnostiziert vor dem Alter von 2 Jahren
- 2% haben Symptome
- 2:1 Verhältnis von Männern zu Frauen
- Innerhalb von 2 feet (10-90 cm) von der Ileozökalklappe,
Länge 2 inches (5 cm), 2 cm Durchmesser - 2 Schleimhauttypen (Ileum
Mukosa oder ektope Mukosa)
Klinik
- Meist asymptomatisch
- Symptomatisch, wenn Komplikationen auftreten:
- Ulkusbildung: okkulte Blutung & ggf. chronische Eisenmangelanämie
, Abdominalschmerzen - Blutung
- Obstruktion (v.a. bei Kindern): geblähter Bauch, akute Abdominalschmerzen, Erbrechen, Stuhlverhalt, ggf. Schockzustand
- Durch Invagination
- Durch Adhäsionen, die sich um das Divertikel wickeln
- Durch Volvulus → Ischämie!
- Durch innere Hernie
- Divertikulitis
(selten): Abdominalschmerzen (periumbilikal), Übelkeit, Erbrechen, Fieber , lokale Abwehrspannung (DD: Appendizitis) - Perforation mit Abszessbildung oder generalisierter Peritonitis (Peritonitis-Zeichen)
- Ulkusbildung: okkulte Blutung & ggf. chronische Eisenmangelanämie
Diagnostik
- Anamnese & körperliche Untersuchung (ggf. lokale/generalisierte Peritonitis-Zeichen)
- Laboranalyse: Entzündungsparameter, Urinstatus, Schwangerschaftsausschluss (Appendizitisdiagnostik)
- Abdomensonografie
- 99mTc-Pertechnetat-Szintigrafie (Suche nach ektoper Magenschleimhaut)
- Ggf. Endoskopie bei Blutung zur Differentialdiagnostik

JasonRobertYoungMD, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
InfoMeckel-Divertikel vs. akute Appendizitis
Die Klinik einer Meckel-Divertikulitis
kann der einer akuten Appendizitis sehr ähneln. Oft ist es schwierig, diese beiden Pathologien präoperativ zu differenzieren, daher gilt:
- Bei einer Appendektomie sollten die letzten ~100 cm des Ileums auf ein Meckel-Divertikel hin überprüft werden
- Bei Divertikulitis
besteht ebenfalls eine OP-Indikation. Somit ist ein explorativer chirurgischer Eingriff zur Differentialdiagnose dieser Pathologien gerechtfertigt und bewahrt vor weiteren Komplikationen (explorative Laparoskopie).
Therapie
- Bei asymptomatischem Meckel-Divertikel: keine Therapie
MerkeWird bei einem Kleinkind intraoperativ ein Meckel-Divertikel gefunden, sollte dies (auch bei ausbleibender Symptomatik) entfernt werden. Bei einem Zufallsbefund bei einem Patienten über dem Kleinkindalter besteht Indikation zur Resektion nur bei einer Größe > 2 cm oder beim Verdacht auf eine maligne Entartung.
- Chirurgischer Eingriff: keilförmige Divertikel-Exzision oder segmentale Ileumresektion (offen oder laparoskopisch)
- Indikation: Symptome, Komplikationen, >2 cm, maligne Entartung
- Not-OP: bei Perforation, Darmverschluss oder starken Blutungen
- Stabilisierende Sofortmaßnahmen bei Blutung, Perforation, Darmverschluss
- Medikamentöse Therapie
- Bei Ulkusbildung: PPIs
- Ggf. Antibiotika
-Gabe
- Bei Ulkusbildung: PPIs
- Medikamentöse Therapie
Quellen
- Empfehlungen zur Therapie der akuten Appendizitis, Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)

