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Medikamente in der Kardiologie

8 Minuten Lesezeit

Neben den interventionellen Therapieverfahren wie der Koronarintervention mittels Herzkatheteruntersuchung oder dem interventionellen Herzklappenersatz (z.B. mittels TAVI) spielen Medikamente eine wichtige Rolle in der Therapie von kardiovaskulären Krankheiten.

WirkstoffgruppeWirkprinzip
ß-Blocker (z.B. Metoprolol, Bisoprolol)

Blockieren die ß1-Rezeptoren (kardioselektive) und die ß2-Rezeptoren (unselektive ß-Blocker)

→ negativ inotrop, negativ dromotrop & negativ chronotrop

→ Renin↓, RAAS

ACE-Hemmer (z.B. Ramipril)

Hemmen das Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)

→ Weniger Angiotensin II

→ Aldosteronsekretion sinkt

→ Abnahme der Angiotensin II vermittelten Vasokonstriktion

→Natriumretention sinkt

Wirken nephroprotektiv

Wirken kardioprotektiv (reduzieren Remodelling nach Myokardinfarkt)

AT-1-Rezeptor-Blocker (z.B. Valsartan, Candesartan)Hemmen den AT-1-Rezeptor (Effekt wie ACE-Hemmer)
Direkte-Renin-Inhibitoren (Aliskiren)Hemmt Renin kompetitiv
Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (= ARNI) (Entresto)

Kombination aus Sacubitril und Valsartan (1:1)

Valsartan: AT-1-Rezeptorblocker

Sacubitril: hemmt die Protease Neprilysin

→ Abbau von ANP, BNP (natriuretische Peptide) gehemmt

→ Natriurese, Vasodilatation, Sympatholyse

Calciumantagonisten: Nifedipin- oder Dihydropyridin-Typ (z.B. Amlodipin – Nifedipin-Typ)

Blockiert die Ca2+-Kanäle der Gefäße

→ Vasodilatation an Widerstandsgefäßen (v.a. Arteriolen) und an Herzkranzgefäßen

Calciumantagonisten: Diltiazem-Typ

Wirken auf Ca2+-Kanäle von Gefäßen und am Herzen

→ Vasodilatation sowie negativ inotrope, chronotrope und dromotrope Wirkung

Calciumantagonisten: Verapamil-TypWirken am Herzen → Negativ inotrop, chronotrop, 
dromotrop
Urapidil

Antagonismus an postsynaptischen α1-Rezeptoren

→ Blutdrucksenkung

Stimulation zentraler Serotonin (5HT1A)-Rezeptoren

→ Hemmung der sympathischen reflektorischen Gegenregulation

WirkstoffgruppeWirkprinzip
Carboanhydrase-Hemmer (z.B. Acetazolamid)Durch die Hemmung der Carboanhydrase im proximalen Tubulus wird die Bicarbonat- (HCO3-) und Natriumrückresorption gehemmt (mehr HCO3- und Na+ verbleiben im Harn
Schleifendiuretika (z.B. Furosemid, Torasemid)

Hemmen reversibel den Natrium-Kalium-2-Chlorid-Cotransporter (NKCC) am dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife

→ Dadurch verbleibt mehr Natrium (und Kalium sowie Chlorid) im Harn und bindet Wasser

→ Sehr effektive Diuresesteigerung

Daneben wird auch die parazelluläre Rückresorption von Magnesium und Calcium reduziert

Furosemid: führt bei intravenöser Gabe auch zur Dilatation der venösen Kapazitätsgefäße („venöses Pooling“)

Thiaziddiuretika (z.B. Hydrochlorothiazid)

Hemmen den Natrium-Chlorid-Symporter am distalen Tubulus

→ Es verbleibt mehr Natrium im Harn und bindet Wasser

→ Es wird mehr Urin gebildet (~ gesteigerte Diurese)

→Durch die verminderte Natriumkonzentration in der Zelle steigt die Triebkraft des basolateralen Natrium-Calcium-Austauschers (NCX)

→ Durch die geringe intrazelluläre Calciumkonzentration kann mehr Ca2+ aus dem Harn ins Blut aufgenommen werden

→ Es folgt wie bei den Schleifendiuretika eine gesteigerte Natriumrückresorption und Kaliumausscheidung in den Hauptzellen des Sammelrohrs

Der Blutdrucksenkende Effekt durch Vasodilatation setzt ca. 2 Wochen nach Therapiebeginn ein

Kaliumsparende Diuretika (Adolsteronantagonist z.B. Spironolacton – Aldosteronunabhängig z.B. Amilorid)

Kaliumsparende Diuretika hemmen Na+-Kanäle im spätdistalen Tubulus und in den Hauptzellen des Sammelrohrs
→ Dadurch sinkt die Na+-Resorption und die K+

Sekretion

→ Das im Harn verbleibende Natrium bindet osmotisch H2O

Adolsteronantagonisten:

  • Wirkung verzögert (Wirkeintritt per os nach ~ 24 Std.)

→ Verminderte Expression des ENaC (Natrium-Kanal), ROMK (Kalium Kanal) und der Natrium-Kalium-ATPase

Aldosteronunabhängige Diuretika                    

→ Wirkung direkt, kein Einfluss auf die GFR

→ Wirken von luminal

WirkstoffgruppeWirkprinzip
Klasse I (Natriumkanal-Blocker) (z.B. Ajmalin, Lidocain, Flecainid)

Sie blockieren die schnellen Natrium-Kanäle

→ Hierdurch wird ein größerer Reiz notwendig, um

ein Aktionspotenzial auszulösen

→ Die Herzmuskelzellen sind somit weniger erregbar und es dauert länger bis eine Zelle erneut erregt werden kann

So kann die Fortleitung ektoper Erregungen, also Erregungen, die nicht am Sinusknoten entstehen, unterdrückt werden. Auch akzessorische Leitungsbahnen, wie sie z.B. bei der AV-Reentry-Tachykardie auftreten, können so beendet werden

Die Klasse-I-Antiarrhythmika können weiter unterteilt werden in:

  • Ia: binden den Natriumkanäle nur im offenen Zustand (Bsp.: Ajmalin)
  • Ib: verkürzen das Aktionspotential, binden den Natriumkanal im inaktivierten Zustand (Bsp.: Lidocain)
  • Ic: hemmen den Natriumkanal im offenen und inaktivierten Zustand, haben keinen Einfluss auf das Aktionspotential (Bsp.: Flecainid)
Klasse II (Betablocker) (z.B. Metoprolol, Bisoprolol)

Durch die Blockade der ß1-Rezeptoren können die Katecholamine nicht mehr binden und die stimulierende Wirkung bleibt aus
→ Negativ chronotrop, negativ dromotrop und negativ inotrop

Alle Patienten sollten nach einem Herzinfarkt oder im Rahmen der Herzinsuffizienztherapie (prognoseverbessernd) ß-Blocker erhalten, es sei denn es liegen Kontraindikationen vor

Klasse III (Kaliumkanalblocker) (z.B. Amiodaron)

Die Klasse-III-Antiarrhythmika blockieren die repolarisierenden Kalium-Kanäle

→ Hierdurch kommt es zu einer Verbreiterung des Aktionspotenzials und zu einer Verlängerung der Refraktärzeit

→ Somit können ähnlich zum Mechanismus der Klasse-I-Antiarrhythmika Reentry-Kreise unterbrochen werden

Klasse IV (Calciumkanalantagonisten: Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazem-Typ) (z.B. Verapamil)

Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazem-Typ hemmen insbesondere die L-Typ-Calciumkanäle und wirken daher vor allem am Sinus- und AV-Knoten

Die Calciumantagonisten wirken primär auf die Überleitungsgeschwindigkeit des AV-Knotens ➜ Behandlung von Vorhofflimmern oder -flattern mit einer schnellen Überleitung auf die Kammern (Einsatz wenn Kontraindikationen gegen ß-Blocker vorliegen)

Nur die Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazem-Typ wirken antiarrhythmisch. Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ können sogar proarrhythmogen wirken

Adenosin

Aktiviert K+-Kanäle im Sinusknoten und hemmt Ca2+-Kanäle im AV-Knoten
→ Negativ chronotrop und bathmotrop

Kann den AV-Knoten für einige Sekunden vollständig blockieren (sehr kurze Halbwertszeit <10 Sek.)

MagnesiumMagnesium ist ein physiologischer Calciumantagonist
Ivabradin

Ivabradin hemmt die Funny Natriumkanäle im Sinusknoten
→ Verlangsamte Depolarisation und Reduktion

der Herzfrequenz (negativ chronotrop)

Herzglykoside (z.B. Digoxin, Digitoxin)

Herzglykoside hemmen die Natrium-Kalium-ATPase

→ Dadurch verbleibt mehr Natrium in der Zelle
→ Die Triebkraft für den Natrium-Calcium-Antiporter nimmt ab

→ Mehr Calcium verbleibt intrazellulär

→ Positiv inotrop

→ Negativ dromotrop

Herzglykoside aktivieren zentrale Vaguskerne (Parasympathikus aktiv) ➜ Negativ dromotrop, negativ chronotrop, positiv bathmotrop (Erregbarkeit ist gesteigert)

WirkstoffgruppeWirkprinzip
Irreversibler COX-Inhibitor 
(z.B. Acetylsalicylsäure (= ASS))

COX1:  Hemmung der Thromboxan-Synthese der Thrombozyten
Thromboxan kann nicht resynthetisiert werden
→ Daher Thrombozytenaggregationshemmung für 7-11 Tage

COX2: Hemmung der Prostacyclin-Synthese des Endothels
→ Prostacyclin kann resynthetisiert werden 
→ Analgetischer, antipyretischer Effekt (fiebersenkend) für 6-8 Stunden

ADP-Rezeptor-Antagonisten 
(z.B. Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor)

Hemmung der ADP-abhängigen Thrombozytenaktivierung

→ Keine Aktivierung von Gp2b/3a und damit keine Quervernetzung der Thrombozyten

Clopidogrel und Prasugrel werden als Prodrugs erst durch Metabolisierung in der Leber aktiviert

Glykoprotein 2b/3a-Antagonisten (z.B. Tirofiban)

Hemmung von Gp2b/3a

→ Verhinderung der Bindung von Fibrinogen und der Quervernetzung der Thrombozyten

WirkstoffgruppeWirkprinzip
Unfraktioniertes Heparin (UFH)

Bindung an Antithrombin und Thrombin: Hemmung um das 1000-fache verstärkt:

Thrombin + Faktor Xa Hemmung

Niedermolekulares Heparin (NMH) (z.B. Enoxaparin)Bindung an Antithrombin: selektive Faktor Xa Hemmung
Vitamin-K-Antagonisten (indirekte orale Antikoagulantien
(z.B. Phenprocoumon, Warfarin)
Unselektiver kompetitiver Vitamin K-Antagonismus
Direkte Thrombin-Inhibitoren (Direkte orale Antikoagulantien (= DOAKs)) 
(z.B. Dabigatran)
Selektiver Thrombin Antagonismus
Direkte Faktor Xa-Inhibitoren (Direkte orale Antikoagulantien (= DOAKs)) 
(z.B. Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban)
Selektive direkte Hemmung von Faktor Xa
WirkstoffgruppeWirkprinzip
AtropinParasympatholytikum: kompetitive Antagonisten an den muskarinergen Acetylcholinrezeptoren
NO-Donatoren (enzymatische NO-Donatoren (organische Nitrate) 
z.B. Glyceroltrinitrat – Nicht-enzymatische NO-Donatoren z.B. Glyceroltrinitrat)

Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in enzymatischer oder nicht-enzymatischer Reaktion in der glatten Muskulatur der Gefäße

⟶ Durch NO wird die Guanylatcyclase aktiviert, welche dadurch vermehrt cGMP bildet
⟶ cGMP führt über verschiedene Mechanismen zur Vasodilatation
⟶ Daraus resultieren drei Effekte:

1. Vorlastsenkung durch Dilatation der venösen Kapazitätsgefäße („venöses Pooling“)

2. Nachlastsenkung durch arterielle Vasodilatation

3. Koronardilatation

Zuletzt aktualisiert am 11.02.2025
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