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Mekonium-Aspirations-Syndrom

SK
9 Minuten Lesezeit

Das Mekonium-Aspirations-Syndrom (MAS) tritt auf, wenn ein Neugeborenes während oder kurz vor der Geburt Mekonium in die Atemwege aspiriert, was eine Atemwegsobstruktion und chemische Pneumonitis verursachen kann. Häufig sind posttermine Neugeborene betroffen. Klinisch zeigt sich MAS durch Atemnot, Zyanose und häufig ein auffälliges Röntgenbild mit fleckigen Infiltraten. Die Erstversorgung konzentriert sich auf eine effektive Beatmung, ohne eine Routine-Intubation zur Aspiration. Die Behandlung umfasst Sauerstoffgabe, CPAP oder Beatmung bei schwereren Fällen und gegebenenfalls Surfactant-Therapie oder inhalative Stickstoffmonoxidtherapie. Das MAS birgt Risiken für Langzeitschäden wie chronische Lungenerkrankungen, weshalb engmaschige Nachkontrollen notwendig sind.

Die Aspiration von mekoniumhaltigem Fruchtwasser kann zu einer komplexen Lungenerkrankung führen, die sich klinisch als akute Atemnot manifestiert. Betroffen sind vor allem reife, hypotrophe Neugeborene. Vorrangiges Ziel der Therapie ist die Stabilisierung der Atmung und des Herz-Kreislauf-Systems, was im Einzelfall schwierig sein kann. Je nach mildem oder schwerem Verlauf kann eine komplette Remission erreicht werden oder sich als Spätkomplikation eine pulmonale Hypertonie entwickeln. Die Letalität der Erkrankung liegt bei 1,2 %. Präventiv kann bei Terminüberschreitung eine Geburtseinleitung angestrebt werden.

 Info
Mekonium

Mekonium ist der erste Stuhl des Neugeborenen. Gebildet wird Mekonium ab der 10.-16. SSW - aufgrund der geringen Darmtätigkeit des Fötus jedoch normalerweise intrauterin nicht ausgeschieden. Mekonium ist eine Substanz aus eingedickten intestinalen Sekreten, Zellen und Fruchtwasserbestandteilen und durch den typischerweise hohen Biliverdin Gehalt sieht er postnatal dunkelgrün bis schwarz aus. Die regelrechte Ausscheidung erfolgt regelrecht in den ersten 12-48 Lebensstunden des Neugeborenen. Die Ausscheidung von Mekonium ist assoziiert mit der Reife von Neugeboren. Zudem können intrauterine oder unter der Geburt auftretende kindliche Hypoxien (subpartale kindliche Hypoxien) zu einem vorzeitigen Mekonium Abgang führen. 

Mekonium

Mekoniumhaltiges Fruchtwasser

Mekoniumhaltiges Fruchtwasser (umgangssprachlich „grünes Fruchtwasser“) = Durch frühzeitigen Mekoniumabgang pränatal kommt es zu einer veränderten Fruchtwasserfarbe und -konsistenz. Klinisch relevant ist v.a. „Erbsenbrei-artiges“ Fruchtwasser, bei dem der Mekonium Gehalt hoch ist und das Fruchtwasser verdickt, welches vor allem bei Oligohydramnion vorkommt. 

  • Nach übertragener Schwangerschaft in 30-50 %
  • Bei termingerechten Geburten in 10-20 %
  • Selten bei Frühgeburten 

Mekoniumaspiration

Mekonium Aspiration wird das Eindringen von mekoniumhaltigen Fruchtwasser in die Atemwege vor, während oder nach der Geburt genannt.

  • Bei Geburten aus mekoniumhaltigem Fruchtwasser in 25-30 % 

Mekonium-Aspirations-Syndrom

Mekonium-Aspirations-Syndrom ist die Kombination aus einer Mekoniumaspiration und der Entwicklung einer Lungenerkrankung, die sich mit akuter Atemnot und erhöhtem Sauerstoffbedarf (FiO2 > 21 % für SpO2 > 92 % für mind. 12 h) auszeichnet. Einteilung erfolgt in folgende Schweregrade je nach Sauerstoffbedarf.

  • Mild: FiO2 22-40 % für < 48h
  • Moderat: FiO2 22-40 % für > 48h oder FiO2 > 40 %
  • Schwer: mechanische Beatmung > 48 h und/oder Komplikationen
  • Bei Geburten aus mekoniumhaltigem Fruchtwasser in ca. 5 % → ca. 0,05-0,5 % aller Neugeborenen 
 Merke

Eine Geburt aus mekoniumhaltigen Fruchtwasser führt nicht zwingend zu einem Mekonium-Aspirations-Syndrom. Mekoniumhaltiges Fruchtwasser ist jedoch zwingend für die Entwicklung eines Mekonium-Aspirations-Syndroms.

Ursachen fetaler Hypoxie

  • Kindliche Ursachen
    • Übertragung
    • Infektionen
    • IUGR (intrauterine Wachstumsrestriktion)
  • Maternale Ursachen
    • Plazentainsuffizienz
    • Listerien Infektion
    • Nabelschnurkomplikationen (Prolaps, Kompression, Umschlingung)

Folgen der fetalen Hypoxie

  • Vasokonstriktion mesenterialer Gefäße & Darmischämische → Hyperperistaltik & Sphinkter Relaxation → frühzeitiger Mekoniumabgang
  • Vorzeitige Atemtätigkeit → Mekoniumaspiration 

Abläufe nach Mekoniumaspiration

  • Mechanische Obstruktion von Bronchien und Alveolen → Kombination aus Arealen mit Atelektasen und Emphysem („air trapping“) und extra alveoläre Luftansammlungen
  • Chemische Pneumonie durch Inflammation durch toxische Bestandteile des Mekoniums
  • Mekonium inaktiviert Surfactant → Vorgänge wie beim Atemnotsyndrom Frühgeborener
  • Konstriktion der Lungengefäße
Entstehung des Mekonium-Aspirations-Syndroms
Entstehung des Mekonium-Aspirations-Syndroms

Akut postnatal

  • Atemdepression (Apnoe, Schnappatmung, Dyspnoe mit subkostalen, interkostalen & jugulären Einziehungen, Tachypnoe)
  • Kreislaufinsuffizienz (Bradykardie, Hypotonie, Zentralisation, Herzstillstand)
Interkostale Einziehung eines Neugeborenen
interkostale Einziehungen eines Neugeborenen

Im Verlauf (ca. 24-48 h) 

  • Durch chemische Pneumonie → evtl. erneute Verschlechterung der respiratorischen Situation 

Komplikationen

  • Air-Leak-Syndrom: pathologische Ansammlung von Luft in verschiedenen Kompartimenten des Thorax, die durch eine Verletzung der Alveolarstrukturen oder Atemwege entsteht
  • Persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen (PPHN) 
  • Klinische Untersuchung:
    • typischerweise mit Mekonium bedecktes Neugeborenes
    • Sichtbare Einziehungen bei Atmung
  • Auskultation
    • Pulmonal: regionale Minderbelüftungen und Rasselgeräusche
    • Kardial: Bradykardie bis Asystolie
  • Pulsoxymetrie
  • Blutgasanalyse:
    • Hypoxämie
    • Hyperkapnie
    • Respiratorisch oder gemischt respiratorisch-metabolische Azidose
  • Labor
    • Blutkulturen
    • Differenzialblutbild
    • Entzündungsparameter
      • CRP
      • Interleukin 6
  • Echokardiografie: zum Ausschluss angeborener Herzfehler und Beurteilung der Strömungsverhältnisse
  • Röntgen-Thorax: dichte fleckige Infiltrate neben überblähten Arealen, evtl. extraalveoläre Luft
Thorax-Röntgenbild eines weiblichen Neugeborenen mit Mekoniumaspiration
Röntgen-Thorax eines Neugeborenen mit Mekonium-Aspirations-Syndrom

Ziel der Therapie des Mekonium-Aspirations-Syndroms ist die Stabilisierung der Atmung und Herzkreislaufsituation und kann sich als außerordentlich schwierig erweisen. 

  • Beatmung (Beatmungsmodus je nach klinischer Symptomatik: CPAP, Hochfrequenzoszillationsbeatmung bis ECMO als Ultimo ratio)
  • Surfactant, da das Mekonium zu einer Surfactant-Inaktivierung führt
  • Inhalatives Stickstoffmonoxid
  • Antibiotika
  • Analgosedierung 
 Merke

Bereits im Mutterleib kann Mekonium eingeatmet werden, und nach der Geburt lässt es sich meist nicht mehr ausreichend entfernen. Ein übermäßiges Absaugen der Atemwege nach der Geburt kann zudem die rasche Einleitung der notwendigen Beatmung verzögern.

 

  • Milder Verlauf: Meist Symptombesserung innerhalb von 24-72 h und vollständige Ausheilung in ca. 7-10 Tagen
  • Schwerer Verlauf: Häufig Übergang in persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen und Letalität von ca. 1,2%
  • Bei Terminüberschreitung Angebot der Geburtseinleitung
  • Bei fetaler Hypoxie Sectio Caesarea
  • Bei intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR) ggf. Geburtseinleitung unter Abwägung der Risiken 
Zuletzt aktualisiert am 13.11.2024
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