Ein metabolisches Syndrom beschreibt eine Kombination aus den kardiovaskulären Risikofaktoren: stammbetonte Adipositas, Dyslipoproteinämie, Glucosetoleranzstörung und arterielle Hypertonie. Ein metabolisches Syndrom ist meistens durch eine Überernährung und einen Bewegungsmangel bedingt.
1. Zentrale (stammbetonte) Adipositas mit einem Taillenumfang von ≥80 cm bei Frauen und ≥94 cm bei Männern (bei einem BMI ≥30 Kg/m2 ist der Taillenumfang nicht mehr entscheidend, da von einer zentralen Adipositas ausgegangen werden kann)
2. Zusätzlich zwei weitere Faktoren:
- Erhöhte Triglyceridwerte: ≥150 mg/dl
- Erniedrigtes HDL-Cholesterin: Frauen <50 mg/dl; Männer <40 mg/dl
- Spezifische Behandlung der erhöhten Triglyceridwerte oder der erniedrigten HDL-Cholesterinwerte
- Erhöhte Blutdruckwerte: systolisch ≥130 mmHg oder diastolisch ≥85 mmHg
- Erhöhter Nüchternblutzucker ≥100 mg/dl oder Diabetes mellitus Typ 2
3. Erweiterte Kriterien:
- Albuminurie Grad A2, Hyperandrogenämie bei Frauen, gestörte Fibrinolyse
- Hyperurikämie: liegt häufig begleitend vor, jedoch wahrscheinlich kein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen
| Begriff | Body-Mass-Index (BMI) |
| Untergewicht | <18,5 |
| Normalgewicht | 18,5-24,9 |
| Übergewicht (Präadipositas) | 25,0-29,9 |
| Adipositas Grad I | 30,0-34,9 |
| Adipositas Grad II | 35,0-39,9 |
| Adipositas Grad III (Adipositas permagna) | ≥40 |
| Abdominelle Adipositas | Taillenumfang >88 cm (Frauen) und >102 cm (Männer) |
BMI = Körpergewicht in Kg/Körpergröße in Metern2 = Kg/m2 Bei Kindern: alters- und geschlechtsspezifische Berechnung | |
Adipositas stellt selbst keine eigenständige Erkrankung dar. Sie ist ist jedoch ein Risikofaktor für viele Erkrankungen und sollte daher therapiert werden. Eine Adipositas kann zu folgenden Erkrankungen/Befunden beitragen:
- Insulinresistenz ➜ Diabetes mellitus Typ 2
- Dyslipoproteinämie: verringertes HDL, erhöhtes LDL, Hypertriglyceridämie
- Kardiovaskuläre Erkrankungen wie z.B. eine KHK
- Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates: z.B. Arthrose
- Karzinome: Ösophaguskarzinom, Kolonkarzinom, Mammakarzinom, Nierenzellkarzinom
- Hyperurikämie ➜ Gicht
- Gestörte Fibrinolyse
- Hormonelle Störungen: z.B. Hyperandrogenämie bei Frauen oder Testosteronmangel bei Männern
- Demenz
- Pulmonale Komplikationen: z.B. Schlafapnoe-Syndrom
Siehe auch Artikel Arteriosklerose und kardiovaskuläre Prävention.
- Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität
- Ggf. Verhaltenstherapie oder Gruppentherapie
- Therapie der einzelnen Risikofaktoren/Erkrankungen des metabolischen Syndroms:
- Therapie der arteriellen Hypertonie
- Therapie der Dyslipidämien
- Therapie des Diabetes mellitus
- Therapie der Adipositas:
- Bei allen Patient:innen: Ernährungs-, Bewegungs-, und Verhaltenstherapie
- Ggf. begleitend Orlistat: hemmt Lipasen im Gastrointestinalbereich und vermindert somit die Absorption von Fetten

- Bei ausbleibendem Therapieerfolg bei einer Adipositas permagna: ggf. bariatrische Chirurgie
- Operation mit dem Ziel einer reduzierten Nahrungsaufnahme
- z.B. durch einen Roux-Y-Magenbypass oder einen Schlauchmagen (Verkleinerung des Magenvolumens ➜ schnelleres Sättigungsgefühl und/oder Ausschalten eines Dünndarmabschnittes ➜ künstlich herbeigeführte Malabsorption)
- Anschließend ist dennoch eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität erforderlich
- Prävention: ausgewogene bedarfsgerechte Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität

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- Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Dyslipidamien, European Society of Cardiology (ESC), Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
- S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

