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Mitralklappeninsuffizienz

7 Minuten Lesezeit

Bei der Mitralklappeninsuffizienz schließt die Mitralklappe nicht vollständig, wodurch Blut in den linken Vorhof zurückfließt.

Ursachen sind degenerative Veränderungen, rheumatisches Fieber, eine Endokarditis oder eine ischämische Herzkrankheit. Dies führt zu einer Volumenbelastung und ggf. Herzinsuffizienz.

Die Symptome umfassen unter anderem Dyspnoe und Müdigkeit. Die Diagnose erfolgt mittels einer Echokardiographie.

Leichte Fälle werden medikamentös behandelt und sollten regelmäßig überwacht werden. Schwere oder symptomatische Fälle erfordern meist eine chirurgische Klappenrekonstruktion oder -ersatz oder bei eingeschränkter OP-Fähigkeit minimalinvasive Verfahren wie MitraClip®.

Die Mitralklappeninsuffizienz ist das häufigste erworbene und das zweithäufigste behandlungsbedürftige Vitium in Deutschland. Die Prävalenz steigt stark mit dem Alter an.

  • Degenerativ:
    • Häufig durch einen Mitralklappenprolaps (Mitralklappensegel schlagen in den linken Vorhof zurück) ➜ verursacht z.B. durch degenerative Prozesse, einen Myokardinfarkt (Papillarmuskelnekrose) oder eine Endokarditis
      • Mitralklappenprolaps bleibt in ca. 90% der Fälle asymptomatisch
    • Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom
    • Papillarmuskelschädigung durch eine Unterversorgung im Rahmen einer KHK
  • Infektiös/Rheumatisch: Endokarditis ➜ ggf. akute Mitralklappeninsuffizienz
  • Iatrogen: Mitralklappensprengung im Rahmen einer Ballonvalvuloplastie zur Therapie einer Mitralklappenstenose
  • Sekundär: linksventrikuläre Dilatation (z.B. im Rahmen einer dilatativen Kardiomyopathie) oder Anuluserweiterung (z.B. im Rahmen eines über viele Jahre bestehenden Vorhofflimmerns)
    • Bei den sekundären Ursachen ist die Mitralklappe normal und ein normaler Klappenschluss wäre möglich. Es liegt jedoch eine Dilatation des linken Ventrikels oder eine Anuluserweiterung vor, sodass die Mitralklappensegel auseinandergezogen werden und somit kein vollständiger Schluss mehr möglich ist
Mitralklappeninsuffizienz
  • Symptome:
    • Chronisch (Symptome der Links- und Rechtsherzinsuffizienz): Dyspnoe, Husten, Leistungsminderung, Venenstauung, periphere Ödeme, Stauungsleber und Stauungsnieren
    • Akut: Lungenödem, kardiogener Schock
      • Durch Papillarmuskelnekrose, Ruptur oder Verlängerung der Chordae tendineae Mitralklappenprolaps durch Myokardinfarkt, infektiöse oder rheumatische Endokarditis
  • Auskultation: Systolikum mit Fortleitung in die Axilla mit Punctum maximum über dem 5. ICR links medioklavikulär
  • EKG: ggf. Hinweise auf eine Linksherzhypertrophie, P-sinistroatriale („P-mitrale“), im Verlauf ggf. P-dextroatriale aufgrund der Rechtsherzbelastung
  • TTE und im Verlauf ggf. TEE: Beurteilung des Schweregrades und des Mechanismus der Mitralklappeninsuffizienz, LVEF, Evaluation der Möglichkeit zur Mitralklappenrekonstruktion
Mitralklappenprolaps in der Echokardiographie
Mitralklappenprolaps in der Echokardiographie
Hochgradige Mitralklappeninsuffizienz in der Echokardiographie
Hochgradige Mitralklappeninsuffizienz in der Echokardiographie
  • Ggf. präoperativ oder präinterventionell Rechtsherzkatheter: zur Bestimmung des Pulmonalarteriendrucks
  • Ggf. präoperativ oder präinterventionell Linksherzkatheter: zur Einschätzung der Mitralklappeninsuffizienz und der Druckverhältnisse und zum Ausschluss einer KHK, die präinterventionell oder intraoperativ (mit)therapiert werden sollte

Akute Mitralklappeninsuffizienz

  • Notfallmedizinische Überwachung und ggf. intensivmedizinische Therapie ➜ ggf. notfallmäßige Operation
    • Bei der akuten Mitralklappeninsuffizienz bestehen noch keine Kompensationsmechanismen, sodass es zu einem Lungenödem und kardiogenem Schock kommen kann

Chronische Mitralklappeninsuffizienz

  • Symptomatische Mitralklappeninsuffizienz:
    • EF >30%: operative Rekonstruktion (bevorzugt) oder Klappenersatz
      • Biologischer Klappenersatz: mindestens 3 Monate Antikoagulation
      • Mechanischer Klappenersatz: lebenslange Antikoagulation mit Cumarinen
    • EF <30% und/oder linksventrikulärer endsystolischer Durchmesser >55 mm: medikamentöse Herzinsuffizienztherapie
      • Bei ausbleibendem Therapieerfolg: operative Rekonstruktion oder Klappenersatz
    • Bei hohem OP-Risiko oder Kontraindikationen für eine OP: Mitralklappenclipping (siehe Mitral- und Trikuspidalklappenintervention)
Mitralklappenintervention
Interventionelles Mitralklappenclipping

Für praktische EKG-Fallbeispiele zum Thema zum Üben der EKG-Auswertung siehe: EKG-Fallbeispiel 1.1, EKG-Fallbeispiel 1.2

Zuletzt aktualisiert am 26.09.2024
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