Die Innervation der unteren Extremität erfolgt über die Rami ventrales der Spinalnerven des Lenden- und Kreuzabschnitts (Th12-S4) des Plexus lumbosacralis. Der Plexus lumbosacralis wird weiter in Plexus lumbalis (Th12-L4) und Plexus sacralis (L4-S4) unterteilt.
Andreas Raether, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons. Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Markierungen und Beschriftungen ergänzt.
Der Plexus lumbalis ist hauptsächlich für die Versorgung der Muskeln und Hautbereiche im proximalen, ventralen Abschnitt der unteren Extremität zuständig, insbesondere für die Vorderseite des Oberschenkels. Der M. quadratus lumborum, M. psoas major und minor, M. iliacus und Mm. intertransversarii lumborum werden aus direkten Ästen des Plexus lumbalis innerviert.
N. iliohypogastricus:
Ursprung
Th12-L1 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Verläuft an der Vorderfläche des M. quadratus lumborum
Zieht zwischen M. transversus abdominisund M. obliquus internus abdominis
Verläuft kranial des Lig. inguinale entlang nach medial
Äste
Rr. musculares
R. cutaneus lateralis
R. cutaneus anterior
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch (Rr. musculares):
Kaudale Anteile des M. transversus abdominis und M. obliquus internus abdominis
Sensibel:
Laterales Gebiet der Hüfte (R. cutaneus lateralis)
Kraniales Gebiet des Leistenbandes (R. cutaneus anterior)
Ansicht von ventral
N. ilioinguinalis
Ursprung
L1 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Zieht hinter dem M. psoas major auf dem M. quadratus lumborumnach kaudal
Durchdringt den M. transversus abdominisnach ventral (oberhalb der Crista iliaca)
Parallel des Leistenbandes zieht er nach medial zum Leistenkanal (Canalis inguinalis)
Mann: Er durchquert mit dem Samenstrang (Funiculus spermaticus) den Leistenkanal und zieht zum Hoden (Skrotum)
Frau: Er durchquert mit dem Lig. teres uteri den Leistenkanal und zieht zu den großen Schamlippen (Labia majora)
Äste
Rr. musculares
Nn. scrotales anteriores (Mann) / Nn. labiales anteriores (Frau)
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch (Rr. musculares):
Kaudale Anteile des M. transversus abdominis und M. obliquus internus abdominis
Sensibel (Nn. scrotales anteriores bzw. Nn. labiales anteriores):
Ventralen Skrotumanteile bzw. große Vulvalippen
Ansicht von ventral
N. genitofemoralis
Ursprung
L1-L2 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Durchdringt den M. psoas majornach ventral und teilt sich in einen R. genitalis und R. femoralis
R. genitalis: verläuft im Funiculus spermaticus (Mann) bzw. mit dem Lig. teres uteri (Frau) im Leistenkanal
R. femoralis: verläuft durch die Lacuna vasorum zum Hiatus saphenaus
Äste
R. femoralis
R. genitalis
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch (R. genitalis):
M. crewmaster
Sensibel:
Skrotum bzw. äußere Labien (R. genitalis)
Innenseite des Oberschenkels (R. femoralis)
Ansicht von ventral
N. cutaneus femoris lateralis
Ursprung
L2-L3 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Tritt durch den M. psoas major und verläuft auf dem M. iliacus
Zieht unterhalb des Leistenbandes (medial der Spina iliaca anterior superior) durch den lateralen Teil der Lacuna musculorum und gelangt zur seitlichen Oberfläche des Oberschenkels
Faserqualität
Somatosensibel
Innervationsgebiet
Sensibel:
Haut des lateralen Oberschenkels
Kaudale Glutealregion
Klinik
Die Meralgia paraesthetica ist ein Nervenkompressionssyndrom, das zu Schmerzen und Gefühlsstörungen am anterolateralen Oberschenkel führt. Es entsteht durch die Einklemmung des Nervus cutaneus femoris lateralis, der an der äußeren Vorderseite des Oberschenkels verläuft
Ansicht von ventral
N. femoralis
Ursprung
L1-L4 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Verläuft zwischen M. psoas major und M. iliacusnach kaudal und zieht in der Lacuna musculorum unter dem Leistenband durch in das Trigonum femorale. Von dort gibt er eine Reihe von Ästen ab
Der längste dieser Äste ist der Nervus saphenus, der zusammen mit der Arteria femoralis und der Vena femoralis durch den Adduktorenkanal (Canalis adductorius) verläuft
Der N. saphenus durchdringt das Septum intermusculare vastoadductorium nach ventral und medial
Superficial des Oberschenkels zieht er zum Unterschenkel
Hauptäste
Rr. musculares
Rr. cutanei anteriores
N. saphenus
Faser-qualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch (Rr. musculares):
M. iliopsas, M. pectineus, M. quadriceps femoris, M. sartorius
Sensibel:
Vorderseite des Oberschenkels (Rr. cutanei anteriores)
Medialer Unterschenkel (R. infrapatellaris) und Fuß (Rr. cutanei cruris mediales)
Klinik
Läsion des N. femoralis:
Beugung im Hüftgelenk und Streckung im Kniegelenk gestört
Schweißsekretionsstörungen im Versorgungsgebiet
Ansicht von ventral
Ansicht von ventral
N. obturatorius
Ursprung
L2-L4 (Plexus lumbalis)
Verlauf
Verläuft medial des M. psoas major und unterkreuzt die Vasa iliaca
Tritt durch den Canalis obturatorius (mit A. und V. obturatoria) zum medialen Oberschenkel
Teilt sich in seine beiden Endäste: R. anterior, R. posterior
R. anterior zieht vor dem M. adductor brevisnach kaudal und endet letztendlich als R. cutaneus
Äste
Rr. musculares
R. anterior
R. cutaneus
R. posterior
Faser-qualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch:
R. anterior: M. gracilis, M. pectineus (gemeinsam mit N. femoralis), M. adductor longus, M. adductor brevis,
R. posterior: M. adductor magnus, M. obturatorius, M. adductor minimus (gemeinsam mit N. tibialis)
Sensibel:
R. cutaneus: distales Drittel des medialen Unterschenkels
Klinik
Läsion des N. obturatorius:
Adduktorenschwäche
Innenrotation und Sensibilität der Innenseite des distalen Oberschenkels gestört
Ansicht von ventral; Rechts: Ansicht von medial
Ansicht von ventral
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Der Plexus sacralis befindet sich ventral des Kreuzbeins. Er wird von den Spinalnerven L4-S4 gebildet. Er versorgt die Rückseite des Oberschenkels, den Unterschenkel und den gesamten Fuß. Der M. piriformis, Mm. gemelli, M. obturatorius internus und der M. quadratus femoris werden aus direkten Ästen des Plexus sacralis innerviert.
Ursprung
L4-S1 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verläuft durch das Foramen suprapiriforme (der M. piriformisunterteilt das Foramen ischiadicum majus in ein Foramen suprapiriforme und Foramen infrapiriforme) nach dorsal/lateral zwischen dem M. gluteus mediusund minimus und teilt sich dort in seine Äste
Äste
R. superior
R. inferior
Faserqualität
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch:
M. gluteus medius, M. gluteus minimus, M. tensor fasciae latae
Klinik
Bei einer Schädigung durch eine fehlerhafte intragluteale Injektion kommt es zum Trendelenburg-Zeichen
N. gluteus superior
Ursprung
L4-S1 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verläuft durch das Foramen suprapiriforme (der M. piriformis unterteilt das Foramen ischiadicum majus in ein Foramen suprapiriforme und Foramen infrapiriforme) nach dorsal/lateral zwischen dem M. gluteus medius und minimus und teilt sich dort in seine Äste
Äste
R. superior
R. inferior
Faserqualität
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch:
M. gluteus medius, M. gluteus minimus, M. tensor fasciae latae
Klinik
Bei einer Schädigung durch eine fehlerhafte intragluteale Injektion kommt es zum Trendelenburg-Zeichen
Sagittalschnitt eines männlichen Beckens
Ansicht von dorsal
N. gluteus inferior
Ursprung
L5-S2 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verläuft durch das Foramen infrapiriforme und zieht zum M. gluteus maximus
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervationsgebiet
Motorisch: M. gluteus maximus
Sensibel: Seitliche Glutealregion
N. cutaneus femoris posterior
Ursprung
S1-S3 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verläuft durch das Foramen infrapiriforme (unterhalb des M. piriformis)
Auf Höhe des Tuber ischiadicum gibt er Nn. clunium inferiores ab, die am kaudalen Teil des M. gluteus maximusnach medial ziehen
Weiter kaudal entspringen die R. perineales, die sensibel die Dammregion versorgen
Zwischen dem M. biceps femoris und dem M. semitendinosusziehen die restlichen Fasern zum dorsalen Oberschenkel
Schließlich gelangt er unter der Fascia lata zur Kniekehle
Äste
Nn. clunium inferiores
Rr. perineales
Faserqualität
Somatosensibel
Innervationsgebiet
Sensibel:
Oberschenkelhinterseite
Obere Wade
Untere Glutealregion
Hinterer Teil des Perineums
Ansicht von dorsal
N. ischiadicus
Ursprung
L4-S3 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verlässt das kleine Becken durch das Foramen infrapiriforme(unterhalb des M. piriformis)
Verläuft unter dem M. gluteus maximusund auf dem M. quadratus femoris zum Oberschenkel
Zieht zur Kniekehle und teilt sich in seine beiden Hauptäste
Äste
N. fibularis communis
N. tibialis
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomorisch
Innervationsgebiet
Siehe im folgenden
Ansicht von dorsal
N. tibialis (Ast des N. ischiadicus)
Ursprung
L4-S3 (Plexus sacralis) aus dem N. ischiadicus
Verlauf
Entspringt auf der dorsalen, distalen Seite des Oberschenkels aus dem N. ischiadicus
Verläuft durch die Kniekehle unter dem M. gastrocnemius, wo der N. cutaneus surae medialis abzweigt
Daraufhin zieht er unter dem M. soleus nach kaudal und verläuft zwischen M. soleus und M. tibialis posterior
Verläuft in der tiefen Flexorenloge zur Rückseite des Malleolus medialis im Canalis malleolaris (Tarsaltunnel) und zieht zur Plantarseite des Fußes
Dort zweigt er in die beiden Endäste N. plantaris medialis und lateralis ab
Der N. plantaris medialis zieht auf dem M. quadratus plantaezur Mitte des Fußes und teilt sich schließlich in 3 Nn. digitales plantares communes, deren Endäste (Nn. digitales plantares proprii) die Zehenzwischenräume und die Zehen 1. bis 4. sensibel versorgen
Der N. plantaris lateralis zieht von medial nach lateral auf dem M. quadratus plantaeund teilt sich in einen R. profundus und R. superficialis
Der R. superficialis endet als Nn. digitales plantares communes und Nn. digitales plantares proprii
Äste
N. cutaneus surae medialis
Rr. musculares (Kniekehle)
Rr. musculares (Unterschenkel)
Rr. calcanei
N. plantaris medialis, N. plantaris lateralis
Rr. musculares, Nn. digitales plantares communes
Nn. digitales plantares proprii
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervations- gebiet
Motorisch:
Rr. musculares: M. gastrocnemius, M. adductor magnus, M. soleus, M. plantaris, M. tibialis posterior, M. popliteus, M. flexor digitorum longus, M. flexor hallucis longus
Nn. plantares: Kurze Zehenmuskeln
Sensibel:
N. cutaneus surae medialis und Rr. calcanei medialis und laterales: Haut der Wade und Ferse
Nn. digitales plantares communes: Zehenzwischenräume, Zehen 1. bis 4.
Nn. digitales plantares proprii: Zehenzwischenräume, Zehen 4. bis 5.
Klinik
Sensibilität und Schweißsekretion der Fußsohle und Ferse gestört
Zehenflexion aufgehoben
Schädigung proximal des Knies: Zehenstand (durch Funktionsverlust des M. ticeps surae) nicht möglich
Ansicht von dorsal
Ansicht von plantar
N. fibularis communis (Ast des N. ischiadicus)
Ursprung
L4-S2 (Plexus sacralis) aus dem N. ischiadicus
Verlauf
Gibt an der lateralen Kniekehle den N. cutaneus surae lateralis ab
Der N. cutaneus surae lateralis innerviert sensibel den lateralen Unterschenkel und zweigt den R. communicans fibularis ab. Dieser vereinigt sich mit dem N. cutaneus surae medialis zum N. suralis
Der N. fibularis communis zieht dann medial des M. biceps femorisund seiner Sehne dorsal des Caput fibulae um das Collum fibulae herum in die Fibularisloge. Von dort zieht er nach ventral und innerviert den M. fibularis longus. Ab hier teilt er sich in:
N. fibularis superficialis: verläuft proximal zwischen der Fibula und dem M. fibularis longus. Distal gelangt er zwischen dem M. fibularis brevis und M. fibularis longuszum dorsalen Fuß
N. fibularis profundus: Zieht durch die Peroneusloge (Fibularisloge) und nach Durchtritt durch das Septum intermusculare anterius verläuft er an der Vorderseite des Unterschenkels unterhalb des M. extensor digitorum longusin der Extensorenloge lateral des M. tibialis anteriormit der A. tibialis anterior nach kaudal
Äste
N. cutaneus surae lateralis
R. communicans fibularis
N. fibularis superficialis:
Rr. musculares
N. cutaneus dorsalis medialis
N. cutaneus dorsalis intermedius
N. fibularis profundus:
Rr. musculares
N. cutaneus hallucis lateralis, N. cutaneus digiti secundi medialis
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervations- gebiet
N. cutaneus surae lateralis:
Haut an der lateralen und teilweise dorsalen Seite des Unterschenkels
N. fibularis superficialis:
M. fibularis longus, M. fibularis brevis
Haut des medialen Fußrückens
Zehenzwischenräume zwischen 2. bis 5.
N. fibularis profundus:
Extensoren des Unterschenkels und Fußes
Sensibel den Zehenzwischenraum zwischen 1. und 2. Zehe („Flip-Flop-Areal“)
Klinik
Ein sogenannter Steppergang entsteht durch eine Schädigung des N. fibularis profundus, durch die fehlende Innervation der Dorsalextensoren des Fußes
Ansicht von dorsal
Ansicht von ventral
N. pudendus
Ursprung
S2-S4 (Plexus sacralis)
Verlauf
Verläuft laterodorsalaus dem Becken
Zieht durch das Foramen infrapiriformenach dorsal und verlässt das Becken
Dreht sich um die Spina ischiadica und tritt durch das Foramen ischiadicum minus wieder ins Becken ein
Er tritt in die Fossa ischioanalis ein und zieht an deren Seitenwand im Canalis pudendalis (= Alcock-Kanal, eine Duplikatur der Faszie des M. obturatorius internus) in Richtung Symphyse
Von dort gehen mehrere Äste ab:
Nn. rectales inferiores: ziehen im Canalis pudendalis nach medial und mit der A. rectalis inferior in Richtung des Mastdarms
Nn. perineales: ziehen nach medial. Man unterscheidet oberflächliche sensible und tiefe motorische Äste
N. dorsalis penis bzw. N. dorsalis clitoridis: Ist der Endast des N. pudendus. Das Diaphragma urogenitale und der Musculus transversus perinei profundus werden von ihm durchbrochen und er gibt Äste an das Corpus cavernosum penis/clitoridis ab. Er verläuft unterhalb der Symphyse bis zur Clitoris. Auf der Rückseite des Penis verläuft er bis zur Glans penis
Äste
Nn. rectales inferiores
Nn. perineales
N. dorsalis penis bzw. N. dorsalis clitoridis
Faserqualität
Somatosensibel
Somatomotorisch
Innervations- gebiet
Motorisch:
M. sphincter ani externus, M. bulbospongiosus, M. ischiocavernosus, M. transversus perinei superficialis, M. transversus perinei profundus, M. sphincter urethrae
Sensibel:
Nn. rectales inferiores: Haut um den Anus
Nn. perineales: dorsales Skrotum bzw. äußere Labien
N. dorsalis penis: Schwellkörper und Penishaut
N. dorsalis clitoridis: Schwellkörper und Klitorishaut
Schematische Darstellung des Verlaufs des N. pudendus
Ansicht von dorsal
Sagittalschnitt eines männlichen Beckens
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Plantare Ansicht
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Zuletzt aktualisiert am 16.07.2026
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