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Neurologische Untersuchung

41 Minuten Lesezeit

Die neurologische Untersuchung ist eines der wichtigsten, diagnostischen Instrumente in der Neurologie. Die Untersuchung ermöglicht häufig bereits eine Eingrenzung des Krankheitsbildes und der betroffenen neuroanatomischen Region.

Die hier aufgeführte Untersuchung folgt dem Prinzip „von Kopf bis Fuß“ um eine möglichst flüssige und strukturierte Untersuchung zu ermöglichen. Die Reihenfolge der Untersuchungen ist jedoch keineswegs streng festgelegt. In der klinischen Praxis sollte die Untersuchung um eine internistische Untersuchung ergänzt werden.

Die einzelnen Untersuchungsmethoden sind hier jeweils sehr ausführlich dargestellt. Die Herangehensweise in der klinischen Praxis ist allerdings häufig fokussiert und leitsymptomorientiert. Beispielsweise kommen bei Verdacht auf Morbus Parkinson oder neuromuskulären Erkrankungen spezifischere Untersuchungsmethoden zum Einsatz, die bei anderen Erkrankungen überflüssig sind. In manchen Fällen reicht eine „orientierend-neurologische Untersuchung“ aus. Es sollten daher immer die Verdachtsdiagnose und die Symptome berücksichtigt werden und die Untersuchung daran angepasst werden.

Bestimmte Scoring-Systeme sind ein beliebtes Werkzeug für die Diagnostik neurologischer Erkrankungen. Hier einige Beispiele wichtiger neurologischer Scores:

  • Glasgow Coma Scale (GCS) zur Bewusstseinseinschätzung
  • National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) bei V.a. Schlaganfall 
  • Hunt and Hess Scale bei V.a. Subarachnoidalblutung 
  • Mini-Mental-Tests bei V.a. Demenz 
  • Besinger-Score bei Myasthenia gravis

Hilfsmittel

  • Reflexhammer
  • Pupillenleuchte
  • Für die Untersuchung der Sensibilität: Stimmgabel, Holzspatel
  • Weitere: Wattestäbchen, Frenzel-Brille

Bei geringem Verdacht auf eine neurologische Erkrankung oder im Rahmen einer allgemeinen körperlichen Untersuchung, kann eine orientierende neurologische Untersuchung ausreichen. Ziel ist es, einen Überblick über die wichtigsten Funktionssysteme zu erhalten und mögliche Warnsignale zu erfassen. Es werden nur die wichtigsten Schritte der neurologischen Untersuchung durchgeführt. Je nach vorliegender Symptomatik kann die Untersuchung um weitere Methoden ergänzt werden.

Für die genauere Beschreibung der einzelnen Untersuchungsmethoden siehe einzelne Abschnitte:

  • Bewusstsein und Orientierung
  • Beurteilung der Sprache
  • Nervendehnungszeichen
  • Hirnnervenstatus 
  • Motorik und Reflexe 
  • Koordination
  • Sensibilität
  • Stand- und Gangprüfungen
Orientierende neurologische Untersuchung

Quantitative Bewusstseinsstörung

Eine quantitative Bewusstseinsstörung (Vigilanzstörung) ist eine Veränderung des Bewusstseinszustandes einer Person, die durch Veränderungen der Wachheit und Reaktionsfähigkeit gekennzeichnet ist. 

  • Die Vigilanz wird überprüft, indem man die Patient:innen laut anspricht, einen Weckreiz setzt (z.B. akustische Töne, Lichtreiz oder leichter Druck auf die Schulter) und deren Reaktion beurteilt
  • Bei schläfrigen Patient:innen kann ein leichter Schmerzreiz gesetzt werden (z.B. mit etwas Druck über das Sternum streichen). 

Es können folgende quantitative Bewusstseinszustände unterschieden werden:

  • Wach: Spontane Reaktion, auch ohne Ansprache
  • Somnolent: abnorme Schläfrigkeit, aber gut erweckbar auf Ansprache oder Weckreiz
  • Soporös: tief schlafende Patient:innen, nur durch starke äußere Reize oder Schmerzreize erweckbar
  • Komatös: nicht erweckbare Patient:innen, keine Reaktion auf Schmerzreize
 Merke

Das quantitative Bewusstsein kann außerdem anhand bestimmter Scores beurteilt werden, z.B. mit dem GCS-Score (Glasgow Coma Scale).

Qualitative Bewusstseinsstörung

Eine qualitative Bewusstseinsstörung bezeichnet eine Veränderung der Bewusstseinsinhalte und -prozesse. Es können folgende qualitative Bewusstseinszustände unterschieden werden:

  • Bewusstseinstrübung (z.B. Delir, Intoxitation)
  • Bewusstseinseinengung (z.B. akute Belastungsstörung, Meditation, posttraumatische Belastungsstörung) 
  • Bewusstseinsverschiebung (z.B. Schizophrenie, Drogenkonsum)
 Tipp

Die Sprache der Patient:innen kann grob während der Anamnese und der neurologischen Untersuchung beurteilt werden. 

 Achtung

Herkunft, Muttersprache und Hörvermögen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Beurteilung der Sprache. 

Bei Vorliegen einer Störung der Sprache, sollte diese genauer untersucht werden. Dabei werden folgende sprachlichen Funktionen untersucht:

  • Spontane Sprachproduktion/Redefluss (Beurteilung im Gespräch)
  • Beurteilung von: Sprachmelodie, Geschwindigkeit, Grammatik, etc. 
  • Physiologisch: Flüssige und melodische Sprachproduktion 
  • Sprachverständnis: Aufforderung zu einer bestimmten Aufgabe, z.B. einen Stift aufheben, das rechte Ohr mit der linken Hand anfassen, etc. 
  • Nachsprechen: Aufforderung, einen bestimmten Satz nachzusprechen
  • Benennen: Aufforderung, bestimmte alltägliche Gegenstände zu benennen, z.B. Heben eines Kugelschreibers und fragen „Was ist das?“ 
  • Untersuchung der Aussprache: Ggf. Zungenbrecher nachsprechen lassen, „Die Katze tritt die Treppe krumm“ zur Aufdeckung einer Sprechstörung (Dysarthrie)
 Info

Bei der Untersuchung der Sprache ist die Unterscheidung zwischen einer Sprachstörung (Aphasie) und einer Sprechstörung (Dysarthrie) wichtig. 

Aphasie = Sprachstörung
  • Beeinträchtigung der Sprachproduktion und/oder des Sprachverständnisses durch Schädigung der entsprechenden Hirnareale
  • Einteilung in motorische, sensorische oder globale Aphasien
    • Die Einteilung ist abhängig davon, ob Hirnareale der Sprachproduktion, des Sprachverständnisses oder beider Funktionen betroffen sind 
  • Mögliche Ursachen sind beispielsweise: 
    • Ischämischen Schlaganfall (häufigste Ursache) mit Beteiligung des Sprachzentrums (frontale und temporale Hirnareale)
    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Hirntumore
    • Neurodegenerative Erkrankungen
    • Infektionen (Meningitis, Enzephalitis)
Dysarthrie = Sprechstörung
  • Eine Sprechstörung beschreibt eine Beeinträchtigung der motorischen Fähigkeiten zur Artikulation und Aussprache von Wörtern und Sätzen. Die fehlerhafte Sprechmotorik wird bedingt durch Schädigungen der steuernden Hirnnerven oder zentraler Hirnareale (Hirnstamm, Kleinhirn, Basalganglien). Das Sprachverständnis bleibt bei der Dysarthrie intakt.
  • Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
    • Zentrale Läsionen im Hirnstamm, Kleinhirn oder den Basalganglien
    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Mutiple Sklerose
    • Myasthenia gravis
    • Motoneuronerkrankungen wie Amyotrophische Lateralsklerose (ALS)

CAVE: Sprechstörungen können auch nicht-neurologische Ursachen haben, z.B. Erkrankungen des Pharynx oder Larynx

Durchführung: Durch verschiedene Tests und Bewegungen wird eine Dehnung der Nervenbahnen und Hirnhäute ausgelöst. 

  • Pathologisch ist, wenn es als Reaktion auf die Bewegungen zu elektrisierenden Schmerzen oder einer reaktiven, muskulären Anspannung kommt
  • Positive Nervendehnungszeichen können auf eine Reizung der Hirnhäute bei Entzündungen oder eine Nervenwurzelreizung hinweisen
 Achtung

Ursachen von Nervendehnungsschmerz: 

  • Positive Nervendehnungszeichen erhärten den Verdacht auf eine Meningitis
  • Meningismus bei Subarachnoidalblutung (durch Reizung der Hirnhäute)
  • Insbesondere Lasègue-Zeichen: Nervenreizung durch Bandscheibenvorfall 
TestDurchführungPathologischHinweis
Prüfung auf Meningismus

Beugung des Kopfes in Rückenlage 

Prüfung auf Meningismus
Meningismus = Schmerzhafte Nackensteifigkeit durch reflektorische muskuläre Anspannung bei passiver Dehnung der Hirnhäute Abgrenzung von degenerativen HWS-Veränderungen: Drehung des Kopfes in Rückenlage ist bei Meningismus nicht schmerzhaft, bei degenerativen Veränderungen aber schon
Brudzinski- Zeichen

Passive Kopfbeugung in Rückenlage führt zu Dehnung der Meningen

Brudzinski-Zeichen
Reflektorische Beugung im Hüft- und Kniegelenk (Beine werden automatisch angezogen)  
Lasègue-Test

Passive Anhebung des gestreckten Beins in Rückenlage 

Lasègue-Test
Ausstrahlender Schmerz in das ipsilaterale BeinPositiver Lasègue-Test bei meningealer Reizung oder bei Reizung der Nervenwurzeln der Segmente L4 – S1 oder Des N. ischiadicus, z.B. durch Bandscheibenvorfälle
Umgekehrtes Lasègue-ZeichenPatient:innen liegen auf dem Bauch, passive Hyperextension im Hüftgelenk (durch Anheben des Oberschenkels) führt zu einschießenden Schmerzen im OberschenkelUntersuchung der Segmente L3-L4 / N. femoralis
Bragard- Test

Dorsalextension im Sprunggelenk während des Lasègue-Tests, führt zu einer zusätzlichen Dehnung

Bragard-Test
Ipsilateral einschießender Schmerz beim Bragard-Test bestätigt ein positives Lasègue-Zeichen 
Kernig- Zeichen

Passive Hüftbeugung mit gestrecktem Bein 

Kernig-Zeichen
Reflektorische KniebeugungAlternative Variante: Beugung um 90° im Hüft- und Kniegelenk, dann passive Streckung im Kniegelenk und Beurteilung der Schmerzen

Die Untersuchung der Hirnnerven gehört zu jeder neurologischen Untersuchung und ist insbesondere wichtig, um die Hirnstammfunktion zu prüfen.

 Merke

Ursachen von Hirnnerven-Ausfällen: 

  • Periphere Läsion von Hirnnerven: Während manche Nerven durch ihren Verlauf häufiger von einer Läsion betroffen sind (z.B. Fazialisparese), treten andere Nervenläsionen so gut wie nie isoliert auf
  • Der Ausfall eines Hirnnerven kann auf eine zentrale Hirnstammläsion hinweisen. Durch die enge Nachbarschaft der Hirnnervenkerne und anderer Bahnen im Hirnstamm, kommt es typischerweise zum ipsilateralen Hirnnervenausfall in Kombination mit kontralateraler Hemisymptomatik.

Übersicht - Hirnnervenuntersuchung 

Hirnnerv UntersuchungNormalbefundPathologischer Befund
I. N. olfactorius
  • Überprüfen des Geruchssinnes
  • Kontrolle mit Trigeminusreizstoffen (z.B. Ammoniak) zur Differenzierung einer psychogenen Anosmie
  • Erfolgt häufig anamnestisch
Erkennen von aromatischen Stoffen
  • Anosmie = Verlorener Geruchssinn
  • Hyposmie = Reduziertes Geruchsempfinden
  • Parosmie = = fehlerhafte Wahrnehmung von Gerüchen
II. N. opticus
  • Visusprüfung
  • Gesichtsfeldprüfung mit Fingerperimetrie
  • Prüfen der Pupillenreaktion
  • Ggf. Fundoskopie
  • Keine Visusminderung
  • Keine Gesichtsfeldeinschränkung
  • Pupillen isokor, mittelweit, prompt direkt und indirekt lichtreagibel
  • Keine Auffälligkeiten in der Fundoskopie
  • Visusminderung
  • Gesichtsfeldeinschränkungen: Hemianopsie, Quadrantenanopsie, Zentralskotom, Blindheit, etc.
  • Pathologischer Pupillenreflex
III. N. oculomotorius
  • Prüfung der Augenbewegungen
  • Prüfung der Lidöffnung
  • Pupillenreaktion
  • Keine Augenbewegungsstörungen, keine Doppelbilder
  • Lidöffnung intakt
  • Pupillenreaktion intakt

 

  • Doppelbilder (schräg stehend, häufig durch Ptosis maskiert)
  • Bulbusfehlstellung
  • Ptosis
  • Störung der Pupillomotorik 
IV. N. trochlearis
  • Prüfung der Augenbewegungen
  • Keine Augenbewegungsstörungen, keine Doppelbilder

 

  • Doppelbilder beim Blick nach nasal-unten, stehen vertikal zueinander
V. N. trigeminus
  • Prüfung der Sensibilität im Gesicht
  • Abtasten der Trigeminusdruckpunkte
  • Kornealreflex, Masseterreflex
  • Prüfen der Kaumuskulatur, Mundöffnung und -schluss
  • Sensibilität intakt
  • Kornealreflex intakt
  • Masseterreflex intakt

 

  • Sensible Defizite (zentral vs. Peripher)
  • Pathologischer Kornealreflex: Kein Lidschluss bei Reizen der Kornea
  • Pathologischer Masseterreflex: Keine Adduktion (Schluss) im Kiefergelenk nach Beklopfen des Unterkiefers
  • Störung der Mundöffnung und -schluss

 

VI. N. abducens
  • Prüfung der Augenbewegungen
  • Keine Augenbewegungsstörungen, keine Doppelbilder

 

  • Blickparese nach lateral, zur betroffenen Seite
  • Doppelbilder beim Blick zur betroffenen Seite 

 

VII. N. facialis
  • Prüfung der Mimik
  • Geschmacksprüfung (Vordere 2/3 der Zunge)
  • Ggf. Schirmer-Test zur Funktionsprüfung der Tränendrüse
  • Ggf. Hörprüfung

 

  • Keine fazialen Parese
  • Keine Geschmacksstörung (vordere 2/3 der Zunge)
  • Keine Hyperakusis
  • Keine Störung der Tränensekretion
  • Zentrale vs. Periphere Fazialisparese
  • Geschmackstörung
  • Hyperakusis
  • Gestörte Tränensekretion

à Die Lage der Läsion bestimmt die Ausprägung der Symptomatik

VIII. N. vestibulocochlearis
  • Hörprüfung
  • Nystagmusprüfung
  • Prüfung des vestibulo-okulärer Reflex
  • Frage nach Schwindel 

 

  • Kein reduziertes Hörempfinden
  • Kein pathologischer Nystagmus
  • Hörempfinden vermindert (Hypakusis), ein- oder beidseitig
  • Nystagmus
IX. N. glossopharyngeus
  • Racheninspektion: „A“ sagen und gleichzeitige Beurteilung der Uvula und des Gaumensegels
  • Beurteilung der Schluckmotorik
  • Prüfen des Würgereflex
  • Ggf. Geschmack (hintere 1/3)
  • Ggf. Stimmprüfung
  • Gaumensegel hebt symmetrisch, Uvula steht mittig
  • Keine Abweichung der Uvula zu einer Seite
  • Abweichen der Uvula und des Gaumensegels zur gesunden Seite (Kulissenphänomen)
  • Ggf. Heiserkeit, nasale Sprache (N. vagus)
  • Schluckstörung = Dysphagie
  • Ggf. autonome Störungen (N. vagus)
X. N. vagus
XI. N. accesorius
  • Prüfung des M. sternocleidomastoideus und M. trapezius: Kopfdrehung, Schulterheben gegen Widerstand

 

  • Keine Verminderung der Kraftgrade im Seitenvergleich
  • Ein- oder beidseitige Verminderung der Kraftgrade
  • Scapula alata
  • Muskelatrophien
XII. N. hypoglossus
  • Beurteilung der Zungenmuskulatur
  • Prüfung der Zungenmotorik: Zunge herausstrecken lassen, Zunge gegen die Wange drücken lassen, nach links und rechts bewegen 
  • Zunge strecken gerade
  • Regelrechte Zungentrophik
  • Kein Faszikulieren, keine Fibrillationen 

 

  • Zunge weicht zur kranken Seite ab
  • Faszikulieren oder Fibrillieren der Zungenmuskulatur

CAVE: Die Zunge ist der einzige Muskel, auf dem man Fibrillationen mit dem bloßen Auge erkennen kann à Schädigung des 2. Motoneurons

 Achtung

Zum Thema Hirnnervenuntersuchung findest du hier den ausführlichen Artikel: Hirnnervenuntersuchung

Zur Untersuchung der Motorik gehört eine strukturierte Beurteilung von:

  • Inspektion: Muskelrelief, Muskeltrophik, Faszikulationen, spontane Myoklonien
  • Muskeltonus: Prüfung durch passives Bewegen der Extremitäten
  • Aktive Muskelkraft (Einzelkraftprüfung und Halteversuche)
  • Extrapyramidalmotorik 
 Achtung

Die Beurteilung der Motorik sollte immer im Seitenvergleich erfolgen. 

Inspektion

BefundeBeschreibungPathologie
MuskelatrophieGewebeschwund mit Funktionseinschränkung des Gewebes

Fokale Atrophien können auf eine Schädigung des 2. Motoneurons hinweisen

Generalisierte Atrophien sind eher Folge einer Sarkopenie (= altersbedingter Verlust der Muskelmasse) oder anderer systemischer Ursachen 

KontrakturenDurch Muskulatur bedingte Bewegungseinschränkung in Gelenken

Nicht-neurogen: Bspw. Durch Verkürzung von Sehnen, Vernarbungen der Haut, Gelenkveränderungen

Neurogen: Durch zentrale Lähmungen

Unwillkürliche Muskelaktivität:
Faszikulationen

Mit dem Auge sichtbare Kontraktionen von Muskelfaserbündeln, ohne Bewegungseffekt in Gelenken 

 

(Fibrillationen sind hingegen nicht mit dem bloßen Auge sichtbar, Ausnahme: Zungenmuskulatur)

Bei Schädigung des 2. Motoneurons, bspw. Im Rahmen einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS), Polyneuropathie, peripherer Nervenläsion
MyoklonienMit dem Auge sichtbare Kontraktionen von Muskelfaserbündeln, mit Bewegungseffekt in Gelenken; kann auch als Reaktion auf bestimmte Stimuli auftretenBspw. Im Rahmen eines epileptischen Anfalls
AsterixisKurze Zuckungen durch intermittierendes Aussetzen des Muskeltonus, Auftreten bei Haltearbeit (z.B. als Flapping TremorInsbesondere durch metabolisch bedingte Enzephalopathien: hepatische Enzephalopathie, nephrogene Enzephalopathie, Elektrolytstörungen

Muskeltonus

  • Muskeltonus = Zugrundeliegende Anspannung eines Muskels
  • Durchführung: Passives Durchbewegen der einzelnen Gelenke und Muskeln durch die Untersuchenden
  • Ggf. mit parallel durchgeführten Ablenkungsmanövern, z.B. durch aktive Bewegung der kontralateralen Seite
  • Spezifischere Untersuchungsmethoden:
    • Kopf-Fall-Test: Patient:innen liegen, Kopf wird passiv angehoben und plötzlich losgelassen; Überprüfung des Tonus der Nackenmuskulatur
  • Erhöhung des Muskeltonus: Eine Tonuserhöhung der Muskulatur kann bei verschiedenen, systemischen Erkrankungen vorkommen. Hierbei ist es wichtig, eine Spastik von einem Rigor zu unterscheiden:
    • Rigor:
      • Wächserner Widerstand
      • Stockende, zahnradähnliche Bewegung (Zahnradphänomen)
      • Nicht geschwindigkeitsabhängig: Geschwindigkeit der Bewegung ändert nichts an der Tonuserhöhung
      • Froment-Manöver: Patient:innen werden auffordert mit dem kontralateralen Arm wiederholte Bewegungen auszuführen, dadurch kann die Tonuserhöhung besser beurteil werden
      • Kommt bei Morbus Parkinson oder atypischen Parkinson-Syndromen vor
    • Spastik 
      • Initialer Widerstand gefolgt von plötzlichem Nachlassen des Widerstandes (Taschenmesserphänomen)
      • Geschwindigkeits- und Beschleunigungsabhängig: Je schneller die Bewegung ausgeführt wird, desto höher ist der muskuläre Widerstand, durch eine langsame Bewegung lässt sich die Spastik überwinden
      • Bei Schädigung des 1. Motoneurons
  • Erniedrigung des Muskeltonus:
    • Muskuläre Hypotonie:
    • Mögliche Pathologien: muskuläre Hypotonie (peripher: Läsionen des 2. Motoneurons, Muskelerkrankung; zentral: Kleinhirnläsion, Frühphase zentraler Paresen) 
Spastik und Rigor

Muskelkraft

Orientierende Untersuchung der Muskelkraft: Beidseitigen Händedruck prüfen

Halteversuche: 

  • Orientierende Beurteilung der Muskelkraft bei zentralen Läsionen
  • Durchführung: 
    • Arm-Halte-VersuchAnheben der beiden gestreckten Arme auf Höhe der Schultern, mit den Handflächen nach oben zeigend
    • Bein-Halte-VersuchAnheben beider Beine im Sitzen mit Beugung im Hüftgelenk und Kniegelenk um 90°
  • Durchführung mit geschlossenen Augen
  • Die Extremitäten sollten für mindestens 30 Sekunden gehalten werden
  • Pathologischer Befund: Hinweis auf eine zentrale Parese
    • Einseitiges Absinken einer Extremität
    • Pronation einer Extremität 
 Achtung

Pathologische Halteversuche geben Hinweise auf eine zentrale Läsion, z.B. bei Schlaganfällen oder multipler Sklerose. Bei peripheren Läsionen können die Halteversuche normal ausfallen. 

Einzelkraftprüfung

  • Untersuchung einzelner Muskeln bei V.a. periphere Nervenläsion oder neuromuskulären Erkrankungen
  • Eine ausführliche Untersuchung aller Bewegungen erfolgt meistens nur bei einer gezielten neurologischen Untersuchung
  • Anhand der Prüfung bestimmter Muskelgruppen lassen sich Rückschlüsse auf die Schädigung peripherer Nerven, sowie betroffener Segmente im Rückenmark ziehen
    • Es können somit auch periphere von zentralen Läsionen unterschieden werden
  • Durchführung:
    • Aktive Bewegung der einzelnen Gelenke gegen den Widerstand der Untersuchungen
    • Beurteilung anhand der Kraftgrade 0 – 5
  • Eine Übersicht der zu untersuchenden Bewegungen und der dafür verantwortlichen Nerven und Rückenmarkssegmente zeigt die folgende Tabelle: 
Gelenk / RegionBewegungMuskeln und Segment
Kopf und Hals

Inklination

Reklination

Kopfdrehung

N. accesorius (Hirnnerv) 
Schultergelenk

Oberarm-Abduktion

Oberarm-Elevation

Oberarm-Innenrotation

Oberarm-Außenrotation

M. suprascapularis, C4- C6 

M. deltoideus, C5 – C6

M. subscapularis, C5 – C7

M. infraspinatus, C4 – C6

Ellenbogengelenk

Armbeugung in Supination

Armbeugung in Mittelstellung

Armstreckung

M. biceps brachii, C5 – C6

M. brachioradialis, C5 – C6

M. triceps brachii, C6 – C8 

Handgelenk

Handstreckung

Handbeugung nach ulnar

Handbeugung nach radial

Faustschluss

Extensoren des Unterarms, C6 – C8

M. flexor carpi ulnaris, C7 – Th1

M. flexor carpi radialis, C5 – C7

Fingergelenke

Fingerstreckung (im Grundgelenk)

Fingerbeugung (im Mittel- und Endgelenk)

Fingerspreizung

M. extensor digitorum, C7 – C8 

Mm. flecor digitorum, C7 – Th1

Mm. interossei , C8 – Th1 

Daumengelenk

Adduktion

Abduktion

Extension

Flexion

Opposition

M. adductor pollicis, N. ulnaris, C8 – Th1

Mm. abductor pollicis, N. radialis, C7 – Th1

Mm. extensor pollicis, N. radialis, C6 – C8

Mm. flexor pollicis, C6 – Th1

M. opponens pollicis, C7 – Th1 

Rumpf

Aufsitzen aus dem Liegen

Inspektion und Beurteilung der Wirbelsäule

 
Hüftgelenk

Hüftbeugung

Hüftstreckung

Abduktion

Adduktion

M. iliopsoas, L1 – L4

M. gluteus maximus, L5 – S2

Mm. gluteus medius und minimus, L4 – S1

Adduktoren-Gruppe, L2 – L4 

Kniegelenk

Kniebeugung

 

Kniestreckung

M. biceps femoris, semimembranosus, semitendinosus, L5 – S2

M. quadriceps femoris, L2 – L4 

Sprunggelenk

Plantarflexion

Dorsalextension

Inversion

Eversion

 

M. triceps surae, L5 – S2

M. tibialis anterior, L5 – S1

MM. fibrularis longus und brevis, L5 – S1

M. tibialis posterior, L4 – S1 

ZehengelenkeGroßezehenextension M. extensor hallucis longus, L4 – S1 

Kraftgrade

  • 0 = Keine Muskelaktivität (Plegie, Paralyse = maximale Form der Parese)
  • 1 = Tastbare Muskelaktivität ohne Bewegungseffekt
  • 2 = Bewegung ohne Einfluss der Schwerkraft möglich
  • 3 = Bewegung gegen die Schwerkraft möglich
  • 4 = Bewegung gegen Widerstand möglich
    • Subjektiv kann eine weitere Unterteilung des Kraftgrades erfolgen:
    • 4- Bewegung gegen leichten Widerstand möglich
    • 4 Bewegung gegen mäßigen Widerstand möglich
    • 4+ Bewegung gegen kräftigen Widerstand möglich = latente Parese (nicht offensichtliche Lähmung, die nur im Seitenvergleich auffällt)
  • 5 = normale Kraft
 Tipp

Bei den Kraftgraden 1-4 spricht man von einer Parese, d.h. einer mehr oder weniger ausgeprägten Lähmung von Muskelpartien. Bei einem Kraftgrad von null spricht man von einer Plegie oder Paralyse (~Maximalform der Parese).

 Achtung

Bei zentralen, latenten Paresen kann die Einzelkraftprüfung normal ausfallen. 

Kraftgrade
 Info

Je nachdem, in welchem Muster eine Parese oder Plegie vorliegt, können Rückschlüsse auf die zentrale Läsion gezogen werden 

  • Hemiparese = Eine gesamte Körperseite betroffen
    • Schädigung im Rückenmark (Läsion der Pyramidenbahn) oder zentral im motorischen Kortex → dann häufiger brachiofazial ausgeprägt (Arm und Gesicht betreffend)
  • Monoparese = Eine Extremität betroffen
    • Plexussläsionen, fokale Läsionen zentral
  • Paraparese = Beide Beine betroffen
    • Schädigung des unteren Rückenmarks
  • Tetraparese = Alle vier Extremitäten betroffen 

Extrapyramidalmotorik

Extrapyramidalmotorik = Motorische Symptome, die nicht durch die Pyramidenbahn vermittelt werden, häufig sind damit Störungen des Kleinhirns und der Basalganglien gemeint. Die Untersuchungen werden vor allem bei V.a. Morbus Parkinson oder anderen Bewegungsstörungen ausführlich durchgeführt

  • Untersuchung eines Tremors (= Zitterbewegung)
    • Inspektion der Extremitäten:
      • In Ruhe (Hände auf die Oberschenkel ablegen)
      • Bei Haltearbeit (Arme in Pronation nach vorne strecken und halten)
      • Bei ungezielten und gezielten Bewegungen (Finger-Nase-Versuch, Knie-Hacke-Versuch)
      • Bei alltäglichen Aufgaben (ein Glas Wasser trinken)
    • Beurteilung von Rhythmus und Frequenz
    • Prüfung der Ablenkbarkeit (z.B. Aufforderung, von 100 in 7-er Schritten herabzuzählen)
    • Untersuchung eines Flapping Tremors: Dorsalextension der Hand im Armhalteversuch, Beobachten der Reaktion (CAVE: kein Tremor im eigentlichen Sinne)
TremorformBeschreibung
Aktionstremor
  • Tritt auf oder verstärkt sich, wenn eine Person aktiv ihre Muskeln nutzt, um eine bestimmte Handlung auszuführen
  • Verschwindet bei Muskelentspannung

Bspw. Bei essentiellem Tremor oder Psychogenem Tremor

Haltetremor
  • Unterform des Aktionstremors
  • Tritt auf bei gegen die Schwerkraft ausgeübter Haltearbeit
  • Verschwindet bei Muskelentspannung

Bspw. Bei essentiellem Tremor oder Psychogenem Tremor

Ruhetremor
  • Tritt auf bei Muskelentspannung oder in Ruheposition
  • Verschwindet oder nimmt deutlich ab bei aktiver Ausführung einer Aufgabe oder bestimmter Körperposition 

Bspw. Bei Morbus Parkinson

IntentionstremorKein eigentlicher Tremor, eher eine Form der zerebellären Ataxie (siehe Untersuchung der Koordination)
  • Bradykinese und Hypokinese
    • Bradykinese = Bewegungsverlangsamung
    • Hypokinese = Bewegungsarmut
    • Akinese = Kompletter Verlust der willkürlichen Motorik
    • Weitere Untersuchungen:
    • Beurteilung der Gesichtsmuskulatur: Hypomimie?
    • Beurteilung der Sprache und des Sprechens: Hypophonie?
  • Hyperkinese
    • Hyperkinese = Pathologische Vermehrung unwillkürlicher Bewegungen
      • Chorea = Plötzliche, „tanz-ähnliche“ Bewegungen
      • Athetose = „Schlängelnde“ langsame Bewegungen
      • Ballismus = Plötzliche, schleudernde Bewegungen
      • Tics = Schnelle und sich wiederholende, unwillkürliche Bewegungen

Muskeleigenreflexe

  • Muskeleigenreflexe sind monosynaptische Reflexe -> Sensor und Effektor befinden sich im selben Organ
  • Durchführung: Auslösen eines Reflexes durch das wiederholte Beklopfen der entsprechenden Sehne mit einem Reflexhammer (Locker aus dem Handgelenk)
  • Patient:innen sollten hierbei aufgefordert werden, die Muskeln möglichst zu entspannen
  • Bahnung: Bei nicht auslösbaren Reflexen kann durch bestimmte Manöver eine Bahnung und damit eine Reflexsteigerung erfolgen, z.B. Jendrassik-Handgriff (Verschränken der Hände und Zug nach außen), die Zähne zusammenbeißen
  • Muskeleigenreflexe sind dann pathologisch, wenn:
    • Sie einseitig vermindert sind oder fehlen
    • Sie einseitig gesteigert sind

Beurteilung des Reflexniveaus

  • Normalbefund: Reflexe beidseits symmetrisch, mittellebhaft auslösbar
  • Reflexniveau: Fehlend (-), schwach (+), mittellebhaft (++), lebhaft (+++), gesteigert (++++)
  • Pathologische Befunde:
    • Hyperreflexie, Hyporeflexie, Areflexie
    • Erweiterte Reflexzonen: Wenn ein Reflex mehr als 3 Finger breit von der auszulösenden Sehne auslösbar ist?
    • Überspringende Reflexantwort (segmental benachbarter Muskeln)
    • Kreuzende Reflexantwort (Nach kontralateral überspringender Reflex
 Achtung
  • Reflexe dürfen nie einseitig untersucht werden. Das Reflexniveau einzelner Patient:innen kann sehr unterschiedlich ausfallen, daher ist eine Hyporeflexie meistens erst im Seitenvergleich pathologisch
  • Ein Vergleich der Reflexe in verschiedenen Höhen, z.B. Vergleich der Reflexe am Arm mit den Reflexen der Beine, kann Hinweise auf die Lokalisation einer Schädigung geben 
MuskeleigenreflexeUntersuchungSegment
Masseterreflex

Finger auf das Kinn legen und sanft beklopfen, Beurteilung des Kieferschlusses

CAVE: Einziger Muskeleigenreflex, der über den Hirnstamm verschaltet wird 

N. trigeminus
BSR = BizepssehnenreflexBeklopfen der Bizepssehne führt zu Beugung im EllenbogenC5 – C6 (N. musculocutaneus)

RPR = Radiusperiostreflex

= Brachioradialisreflex 

Beklopfen der Sehne am distalen Radius führt zu Beugung im EllenbogenC5 – C6 (N. radialis) 
TSR = TrizepssehnenreflexArm locker hängen lassen, Extension im Ellenbogen durch Beklopfen der Trizepssehne über dem Olecranon 

C7 - C8

 

Pronatorreflex Pronation im Handgelenk durch Beklopfen des Proc. Styloideus radii C6 – C7

Trömner-Reflex

= Fingerbeugereflex 

Handgelenk locker halten, wiederholtes Berühren der Fingerspitzen führt zu Beugung in den FingerendgliedernC7 – C8
BauchdeckenreflexEindrücken der Bauchdecke unter dem Rippenbogen und über der Smyphyse führt zu Kontraktion der Bauchdecke Th6 – L1
AdduktorenreflexBeklopfen der Adduktorensehne (proximal des Epicondylus medialis) führt zu Adduktion im HüftgelenkL2 – L4
PSR = Patellarsehnenreflex

Bein in leichter Beugestellung halten

Beklopfen der Patellarsehne führt zu Kniestreckung

L3 - L4
Hamstring-ReflexBein von medial auf der Sehen der Mm. Semitendinosus oder semimembranos beklopfen, Kontraktion beobachten L5
TPR = Tibialis-posterior-ReflexBeklopfen der Sehne hinter dem Malleolus medialis führt zu Inversion / Supination des Fußes L5 (N. tibialis) 

ASR = Achillessehnenreflex

Alternativ: Beklopfen der Fußsohle (Plantarreflex)

Fuß mit leichter Dorsalextension vordehnen

Beklopfen der Achilessehne führt zur Plantarflexion des Fußes

S1 (N. tibialis) 

Klonus

  • Definition: Klonus ist die Maximalform von Muskeleigenreflexen
  • Repetitive, rhythmische Muskelkontraktion und -entspannung, die normalerweise als Folge einer schnellen Dehnung eines Muskels auftritt
  • Pathologisch: Nicht erschöpflicher oder erschöpflicher aber nicht-seitengleicher Klonus
  • Pyramidenbahnzeichen (Defekt der Pyramidenbahn: Fehlende Hemmung und Kontrolle des Reflexbogens)

Fremdreflexe

  • Fremdreflexe sind polysynaptische Reflexe, Sensor- und Effektororgan unterscheiden sind damit unterschiedlich
  • Unterscheidung in physiologische und pathologische Fremdreflexe:
    • Pathologische Fremdreflexe sind während einer bestimmten Entwicklungsphase physiologisch. Sind sie darüber hinaus ins Erwachsenenalter vorhanden, gelten sie als pathologisch
Physiologische FremdreflexeUntersuchungPathologie
Hirnstammreflexe
  • Pupillenreflex (Prüfen der Lichtreaktion)
  • Vestibulo-okulärer Reflex
  • Kornealreflex
  • Würgereflex
  • Schluckreflex
  • Hustenreflex
Pathologisch, wenn im Seitenvergleich fehlend oder abgeschwächt
BauchhautreflexKontraktion der Bauchmuskulatur bei Bestreichen der Bauchhaut mit einem SpatelSegmente: Th6 – Th12, abhängig von Durchführung auf verschiedener Höhen 
KremasterreflexKontraktion des M. cremaster bei Bestreichen der Innenseite des Oberschenkels Segment: L1 – L2
AnalreflexUntersuchung während der digital-rektalen Untersuchung → Kontraktion des Schließmuskels durch Bestreichen der perianalen Region Segment: S3 – S5
Pathologische Fremdreflexe UntersuchungPathologie
SaugreflexBerührung der perioralen Region führt zu Mundöffnung und Saugbewegungen Pathologisch außerhalb des Säuglingsalters 
GlabellareflexBeklopfen der Glabella führt zu unerschöpflichem Schluss der Augen Pathologisch z.B. bei Morbus Parkinson
PalmomentalreflexBestreichen des Daumenballens von proximal nach distal führt zum Zucken der Kinnmuskulatur Pathologisch z.B. bei Demenz oder kognitiven Einschränkungen
GreifreflexBerührung der Handinnenfläche führt zur Fingerbeugung Pathologisch nach dem 9. Monat 
Babinski-ReflexKräftiges Bestreichen des Fußaußenrandes, z.B. mit der Spitze des Reflexhammers, physiologisch bis zum 1. Lebensjahr
  • Pathologischer Befund nach dem 1. Lebensjahr: Dorsalextension der großen Zehe, Flexion der anderen Zehen → Pyramidenbahnzeichen 
SchnauzreflexBerührung der Lippen mit einem Spatel führt zu LippenspitzenMöglicher Hinweis auf Morbus Parkinson 
 Info

Pyramidenbahnzeichen:

  • Geben Hinweise auf eine Schädigung des 1. Motoneurons, welches in der Pyramidenbahn verläuft (zentrale Parese)
  • Mögliche Orte der Schädigung:
    • Zentral
    • Im Seitenstrang des Rückenmarks (Tractus corticospinalis = Pyramidenbahn)

Unterscheidung zentraler und peripherer Paresen 

 Schädigung des 1. Motoneurons = zentrale PareseSchädigung des 2. Motoneurons = periphere Parese 
Mögliche Ursachen
  • Zentrale Läsionen: Ischämische Schlaganfälle, intrazerebrale Blutungen, etc.
  • Multiple Sklerose
  • Hirntumore
  • Läsionen im Rückenmark 
  • Periphere Nervenläsionen
  • Motorische Neuropathien
  • Radikulopathien
Klinische Zeichen
  • Parese: Spastisch
  • Muskeln: Eutroph, Tonuserhöhung
  • Muskeleigenreflexe: Hyperreflexie, Reflexzonenverbreiterung
  • Pyramidenbahnzeichen
  • Fußkloni unerschöpflich
  • Im Verlauf: Massenbewegungen 
  • Parese: schlaff
  • Muskeln: Atrophie im Verlauf, verminderter Muskeltonus
  • Muskeleigenreflexe: Hyporeflexe, Areflexie
  • Faszikulationen als Denervierungszeichen 

Die Koordination ist abhängig von dem Zusammenspiel einzelner Muskelgruppen. 

  • Störungen der Koordination können durch verschiedene Funktionssysteme vermittelt werden und weisen z.B. auf zerebelläre Störungen, Störungen der Basalganglien oder sensible Defizite hin
  • Bei Störungen der Koordination können auch andere Bewegungsprozesse, z.B. Sprechen, Schlucken, Augenbewegungen oder generell die Feinmotorik, betroffen sein
 Definition

Ataxie = Grober Überbegriff der eine fehlerhafte Koordination beschreibt

  • Entweder als alleinstehender Befund oder Einteilung bspw. anhand des Ursprungs: zerebelläre Ataxie oder um ein Symptom zu beschreiben: Gang- oder Standataxie
    • Folgen einer zerebellären Ataxie: u.a. Dysmetrie, Dysdiadochokinese, Intentionstremor, Rumpfataxie
    • Gang- oder Standataxien können auch Folge einer zerebellären Ataxie sein
UntersuchungDurchführungPathologisch

Finger-Nase-Versuch

 

Arme gestreckt wie beim Armhalteversuch, dann Berühren der Nase mit den Fingerspitzen, während die Augen geschlossen bleiben
  • Dysmetrie: Finger trifft die Nase nicht
  • Intentionstremor: Dysmetrische Bewegungen des Fingers, Korrekturbewegungen mit höher werdender Amplitude, keine glatte Bewegung (kein eigentlicher Tremor, eher eine Form der zerebellären Ataxie, die bis zum Ziel zunimmt) 
Finger-Folge-VersuchEin Finger der Untersuchenden wird in wechselnder Position vor die Patient:innen gehalten, diese müssen den Finger mit ihrem eigenen Finger berühren
  • Dysmetrie: Finger kann nicht getroffen werden
  • Intentionstremor: Korrekturbewegungen mit höher werdender Amplitude, keine glatte Bewegung
  • Verlangsamte Berührung der Finger
Rebound-PhänomenPatient:innen halten den Arm in 90° Beugestellung, Untersucher zieht fest am Unterarm und lässt plötzlich losBei Kleinhirnerkrankungen: Überschießende Gegenbewegung beim Loslassen, Rückprallphänomen („Rebound“)
Knie-Hacke-VersuchAnheben eines Beines, dann Berührung des kontralateralen Knies mit der Ferse und mit der Ferse am Schienbein entlang hinabgleiten
  • Dysmetrie: Ferse trifft das Knie nicht genau
  • Intentionstremor: Korrekturbewegungen mit höher werdender Amplitude, keine glatte Bewegung
Untersuchung einer Rumpfataxie

Prüfung des freien Sitzens mit geschlossenen Augen, ohne sich anzulehnen. 

Die Patient:innen werden aufgefordert, mit geschlossenen Augen aus dem Sitzen aufzustehen oder die Arme nach vorne zu strecken 

  • Schwanken des Rumpfes in verschiedene Richtungen 

 

Diadochokinese: Ausführen schneller, rhythmischer und wechselnder bzw. antagonistischer Bewegungen 

 

  • Finger-Tapping: Daumen und Zeigefinger mit großer Amplitude spreizen und wieder zusammenführen
  • Schnelle Fingerbewegungen (z.B. Tippen)
  • Schnelle Hacke-Spitze-Bewegungen mit dem Fuß
  • Schnelle Drehbewegungen mit dem Fuß („Zigarette ausdrücken“)
  • Glühbirne eindrehen
  • Dysdiadochokinese: Beeinträchtigung in Ausführung genannter Bewegungen; nicht gleichmäßiger Bewegungsablauf
  • Bradydiadochokinese: verlangsamter Bewegungsablauf
  • Adiadochokinese: Patient:in ist nicht in der Lage schnelle antagonistische Bewegungen auszuführen

 

Die einzelnen sensiblen Modalitäten sollten nacheinander und an verschiedenen Körperstellen untersucht werden. Die Untersuchung erfolgt bei geschlossenen Augen und im Seitenvergleich. Die Patient:innen werden aufgefordert, das Gefühl zu beschreiben. 

UntersuchungDurchführungPathologisch
Berührungsempfinden (= Ästhesie)Bestreichen verschiedener Körperteile im Seitenvergleich
  • Anästhesie (fehlende Wahrnehmung), Hypästhesie (verringerte Wahrnehmung),
  • Hyperästhesie (verstärkte Wahrnehmung),
  • Dysästhesie/Allodynie (ggf. schmerzhafte Missempfindung),
  • Parästhesie (Missempfindung wie Kribbeln oder Taubheit)
Schmerzempfindenz. B. mit einem abgebrochenen Mundspatel oder Zahnstocher, ggf. im Wechsel mit stumpfem Gegenstand (Spitz-Stumpf-Diskrimination)
  • Analgesie (fehlende Schmerzwahrnehmung),
  • Hypalgesie (Verringerte Schmerzwahrnehmung),
  • Hyperalgesie (verstärkte Schmerzwahrnehmung)

CAVE: Das Schmerzempfinden ist genauer auf ein Dermatom begrenzt, als das Berührungsempfinden und kann daher für die genaue Abgrenzung eines betroffenen Dermatoms hilfreich sein 

TemperaturempfindenPrüfung mit zwei Objekten unterschiedlicher Temperatur (z.B. Spitze des Reflexhammers, warmes oder kaltes Glas Wasser)
  • Thermhypästhesie (verringerte Temperaturwahrnehmung),
  • Thermanästhesie (fehlende Temperaturwahrnehmung)
Vibrationsempfinden (= Pallästhesie)

Verwendung einer Stimmgabel und Aufsetzen auf dem Malleolus medialis, Patient:innen bitten zu sagen, wann sie die Vibration nicht mehr spüren, dann den Wert ablesen

Alternativ: Sternum als Referenz, Großzehen- oder Daumengrundgelenk

  • Pallhypästhesie (verringertes Vibrationsempfinden),
  • Pallanästhesie (fehlendes Vibrationsempfinden), bei Werten < 6 – 8 am Malleolus medialis 
Lageempfinden (Wahrnehmung der Gliedmaßen im Raum)Wird überprüft, indem ein Gelenk (z.B. Großzehengrundgelenk oder Fingergelenke) bei geschlossenen Augen vom Untersucher nach oben und unten bewegt wird und die Lageveränderung durch Patient:innen benannt werden muss (CAVE: Körperteil seitlich berühren)
  • Bewegungsrichtung kann nicht benannt werden
Zwei-Punkt-Diskrimination (räumliches Auflösungsvermögen)

Definition: Abstand zwischen zwei Hautstellen, um sie gerade noch getrennt wahrzunehmen 

Setzen zweier Hautreize, Messen des Abstandes und fragen, ob ein oder zwei Reize wahrgenommen wurden 

  • Je nach Körperregion unterschiedlich gute Diskrimination möglich, z.B. Rücken: 6 cm, Arm: 4 cm, Finger: 2 mm

Die sensiblen Modalitäten werden durch verschiedene Rückenmarksbahnen nach zentral weitergeleitet. Daher können bei Rückenmarksschädigungen verschiedene sensible Modalitäten betroffen sein

  • Hinterstrangsystem = Lemniskales System: Verlauf im dorsalen Rückenmark, Kreuzung der Bahnen im Hirnstamm
    • Berührungsempfinden
    • Tiefensensibilität, Propriozeption
    • Vibrationsempfinden
  • Vorderseitenstrang: Verlauf im seitlichen und vorderen Rückenmark, Kreuzung auf segmentaler Ebene in der Commisura alba anterior
    • Temperaturempfinden
    • Schmerzempfinden
 Merke

Sensible Modalitäten können in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein. Die Lokalisation des sensiblen Defizits und welche Modalitäten betroffen sind, ist abhängig vom Ort der Schädigung (Schädigung zentral, im Rückenmark oder peripher). 

Anhand der betroffenen Region und dem Muster, nach dem sensible Defizite auftreten, kann zwischen peripheren und zentralen Ursachen unterschieden werden. 

  • Bei zentralen Läsionen (z.B. im Rückenmark) sind entsprechende Dermatome oder eine Kombination dieser betroffen
    • Komplette QuerschnittssyndromeUnterhalb eines bestimmten Dermatoms sind alle sensiblen Qualitäten ausgefallen
    • Inkomplette Querschnittssyndrome: Durch die Kreuzung der sensiblen Bahnen auf unterschiedlichen Höhen können bei einem inkompletten Querschnitt nur Schmerz- und Temperaturempfinden betroffen sein = dissoziierte Empfindungsstörung
    • Halbeseitiges Querschittsyndrom: Ausfall von Schmerz- und Temperaturempfinden kontralateral und Berührungs- und Vibrationsempfinden ipsilateral
    • Zentrale Läsion der Hirnrinde: Häufig einseitige sensible Symptomatik, je nach betroffener Hirnregion können einzelne Regionen betroffen sein (entsprechend der Somatotopie des sensiblen Kortex)
  • Periphere Neuropathie: Bei peripheren Nervenläsionen sind die von den Nerven innervierten Gebiete betroffen
 Info

Unterscheidung zwischen einer Sensibilitätsstörung und einem sensiblen Neglect:

  • Untersuchung: Sensible Prüfung zuerst einer Seite, dann der anderen Seite, dann beider Seiten gleichzeitig (z.B. am Arm)
  • Pathologisch, wenn die Berührung beider Arme gleichzeitig nur auf einer Seite wahrgenommen wird 

Das Stehen und Gehen wird von mehreren Funktionssystemen koordiniert, und kann dadurch auf komplexe zentrale und periphere Störungen hinweisen. 

UntersuchungDurchführungPathologisch
StandbildMit offenen und geschlossenen Augen
  • Schwanken, Standunsicherheit, Rumpfataxie
Romberg-StehversuchStand mit ausgestreckten Armen auf Schulterhöhe, Füße dicht beieinander, Handflächen zeigen nach oben, dann Aufforderung die Augen zu schließen

(= Romberg-Versuch positiv): 

  • Fallneigung zu einer Seite: Gerichtete Bewegung, eher bei vestibulären Ursachen oder einseitigen Läsionen
  • Ungerichtetes Schwanken bei Augenschluss verstärkt: Hinweis auf Standataxie, z.B. bei zerebellärer Schädigung
Unterberger-TretversuchStand wie beim Romberg-Stehversuch, dann auf der Stelle treten, dabei Beine richtig vom Boden abheben
  • Drehung > 45° in wiederholten Untersuchungen, Hinweis auf zerebelläre Schädigung oder peripher-vestibuläre Ursachen (auf der Seite der Drehrichtung)
EinbeinstandHüpfen auf einem Bein (= monopedale Standprüfung)
  • Fallneigung oder Abstützen notwendig
Retropulsionstest (= Pull-Test)Ruckartiges Ziehen an den Schultern, von hinten - Immer ankündigen, was passiert 
  • Patient:innen können sich durch Auffangschritte nicht im Stehen stabilisieren (Posturale Instabilität) , z.B. bei Parkinson-Syndromen
 Achtung

Standprüfungen sollten immer bei offenen und geschlossenen Augen durchgeführt werden:

  • Bei zentralen Läsionen ist die Symptomatik (z.B. Ataxie) schon mit offenen Augen vorhanden und bleiben bei Augenschluss unverändert
  • Periphere Läsionen können mit geöffneten Augen kompensiert werden – das Schließen der Augen führt zu einer Verstärkung der Symptomatik und kann die Störung demaskieren 

Gangprüfung

  • Beurteilung des Gangbildes
    • Schrittlänge: kleinschrittig, Schrittform: haftend, Beinführung: Breitbeinig, Zirkumduktion
    • Bewegungsinitiation, Bewegungsfluss: Starhemmung, Freezing, Festination (= abnormal beschleunigte Gangart, Schritte werden zunehmend kürzer und schneller)
    • Mitschwingen der Arme
    • Wendeschrittzahl: Mehr als 3 Wendeschritte?
    • Gleichgewicht: Fallneigung in eine bestimmte Richtung (Lateropulsion, Propulsion, Retropulsion, ungerichtete Fallneigung)
    • Beispiele für pathologische Gangbilder: Hinken, Watscheln, Scherengang, Gangataxie, Parkinson-Gangbild, Steppergang, Trendelenburg-Zeichen, Duchenne-Zeichen, Wernicke-Mann-Gangbild, Kamptokormie 
  • SeiltänzergangAuf einer Linie gehen und Füße direkt voreinander setzen
  • Zehengang: Auf den Zehenspitzen gehen, dabei Fersen hochziehen
    • Pathologisch: Nicht möglich bei Lähmung des N. tibialis / S1-Segment
  • FersengangAuf der Ferse gehen, dabei Zehen hochziehen
    • Pathologisch: Nicht möglich bei Lähmung des N. fibularis communis / L5-Segment
 Achtung

Gangstörungen haben nicht selten psychogene Ursachen. Durch Ablenkungsmanöver (z.B. Herabzählen von 100 in 7-er Schritten) kann die Gangstörung bei psychogenen Ursachen verbessert und damit aufgedeckt werden.

Viele neurologische Krankheitsbilder führen zu kognitiven und psychischen Einschränkungen. Daher sollten ergänzend neuropsychologische Untersuchungen erfolgen. Zu einem großen Teil decken sich die neuropsychologischen Untersuchungen mit dem psychopathologischen Befund.

 Merke

Neuropsychologische Symptome treten bei einer Läsion des Kortex auf. Je nachdem, ob die dominante oder die nicht-dominante Hemisphäre geschädigt sind, treten bestimmte Symptome häufiger auf. 

Bereits im Gespräch ergeben sich beiläufig Informationen zu Wachheit, Aufmerksamkeit und Sprache. Bei Demenzen werden häufig strukturierte Tests wie z.B. der MMST = Mini-Mental-Test, der Uhrentest oder der DemTec verwendet.

 Achtung

Neuropsychologische Untersuchungen können nur bei ausreichender Vigilanz erfolgen. Für die Beurteilung spielen ebenso Muttersprache und Bildungsstand eine entscheidende Rolle. 

Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl neuropsychologischer Untersuchungsmethoden mit den zugehörigen pathologischen Befunden. 

 Neuropsychologische UntersuchungenNormalbefundPathologischer Befund
Bewusstsein und Orientierung
  • Bewusstsein: Weckreiz, Schmerzreiz setzen
  • Orientierung: Fragen zur Orientierung zu Zeit, Ort, Person, Situation (ZOPS)
  • Bewusstseinsklar, wach
  • Orientiert zu Zeit, Ort, Person und Situation
  • Somnolent, soporös, komatös
  • Desorientiert zu einer der Modalitäten
  • Verwirrtheit 
Aufmerksamkeit, Konzentration
  • Spontane Interaktion beobachten
  • Rechenaufgaben: Von 100 in 7er Schritten herabzählen lassen
  • Keine Ablenkung durch äußere Reize
  • Konzentration auf Rechenaufgabe möglich 
  • Gesteigerte Ablenkbarkeit durch äußere Reize
  • Rechenaufgabe durch Pausen, Ablenkung etc. abgebrochen
Gedächtnis, Merkfähigkeit 
  • Arbeitsgedächnits: Von 100 in 7er Schritten herabzählen lassen
  • Kurzzeitgedächnis: Zahlenabfolge wiederholen lassen
  • Langzeitgedächnis: Objekte merken und später wiedergeben (5 – 10 Minuten später)
  • Biographische Ereignisse abfragen 
  • Korrektes Lösen der Rechenaufgabe
  • Korrekte Wiedergabe der Zahlenfolge und der Objekte
  • Erinnerung an biographische Ereignisse
  • Amnesie: Anterograd, retrograd, global, katathym, dissoziativ
  • Störungen von Arbeits-, Kurzzeit- oder Langzeitgedächtnis 
Stimmung, Affekt
  • Beobachten oder direktes Nachfragen
  • Keine Affektminerung, -starre
  • Schwingungsfähig
  • Affekt vermindert
  • Reduzierte Schwingungsfähgikeit
Sprache, Aphasie

Beurteilung der Sprache: 

  • Redefluss
  • Sprachverständnis
  • Benennen
  • Nachsprechen
  • Keine Aphasie
  • Keine Dysarthrie
  • Aphasie: Ideomotorisch, ideatorisch, motorisch / sensibel
  • Dysarthrie
  • Paraphasien
  • Neologismen
  • Sprachautomatismen
AlexieAgraphieAkalkulie
  • Lesen lassen
  • Schreiben lassen
  • Rechnen lassen 

Unter Berücksichtung der individuellen Leistung, Herkunft und Intelligenz

  • Keine Alexie
  • Keine Agraphie
  • Keine Akalkulie 
  • Alexie, Agraphie oder Akalkulie 
Apraxie
  • Komplexe Aufforderung befolgen: Zähneputzen, Salutieren
  • Keine Apraxie 
  • Ideomotorische / ideatorische Apraxien
Agnosie
  • Gegenstände benennen lassen, nach Betrachtung, Tasten 
  • Keine Agnosie
  • Visuelle Agnosie
  • Taktile Agnosie
  • Anosognosie
Neglect
  • Setzen eines Reizes (sensorisch, visuell) auf beiden Seiten gleichzeitig und Frage nach Wahrnehmung
  • Reiz wird auf beiden Seiten wahrgenommen
  • Reiz wird nur auf einer Seite wahrgenommen 

Genauere Beschreibung einiger neuropsychologischen Untersuchungsmethoden:

Untersuchung eines Neglect

= Vernachlässigung einer Raum- oder Körperhälfte

  • Untersuchung häufig durch andere Symptome, wie Paresen, Sehstörungen oder Sensibilitätsstörungen erschwert
  • Bezug zu Pathologien: Häufig als Hemineglect bei Schädigung der nicht-dominanten Hemisphäre – dadurch ist meistens die linke Körperhälfte betroffen

Neglect verschiedener Modalitäten und deren Untersuchung:

  • Sensibler Neglect: Prüfung der sensiblen Qualitäten gleichzeitig auf beiden Seiten
    • Pathologisch: Bei gleichzeitiger Testung wird nur eine Seite wahrgenommen
  • Visueller Neglect: Beobachten der Interaktion mit dem Raum, ein Bild nachzeichnen lassen
    • Pathologisch: Aktionen auf der betroffenen Seite im Raum werden nicht wahrgenommen; Der Teil der Zeichnung auf der betroffenen Seite fehlt
  • Motorischer Neglect: Aufforderung, erst einen, dann den anderen, dann beide Arme anzuheben
    • Pathologisch Beim Anheben beider Arme wird nur ein Arm angehoben
  • Olfaktorischer Neglect: Betrifft Gerüche
  • Multimodaler Neglect: Häufigster Neglect, meistens ist nicht eine Sinnesmodalität alleine betroffen, sondern eine Kombination verschiedener Störungen

Untersuchung einer Apraxie

= Störung der Ausführung zielgerichteter Handlungsabläufe, ohne Einschränkung der motorischen Funktion

  • Pathologie: Häufiger bei Läsionen der dominanten Hemisphäre (meistens linkshemisphärisch)
  • Untersuchung: Aufforderung bestimmter Handlungsabläufe, z.B. Mit der Zunge schnalzen, die Zähne putzen, einen militärischen Gruß ausführen, ... 

Einteilung: 

  • Ideomotorische Apraxie:
    • Einzelne Komponenten einer Bewegung können nicht gemeinsam ausgeführt werden
    • Einzelne Körperregionen können betroffen sein
    • Beispiel: Eine Handlung, wie beispielsweise Zähne putzen, kann nicht ausgeführt werden, stattdessen kratzen sich die Patient:innen am Ohr etc. ... 
  • Ideatorische Apraxie:
    • Einzelne Komponenten eines Bewegungsablaufes können ausgeführt werden, aber nicht zu einer komplexen Handlung kombiniert werden
    • Beispiel: Die einzelnen Handlungen für das Versenden eines Briefes (Schreiben, Falten, in den Briefumschlag stecken) können nicht kombiniert werden

Untersuchung einer Agnosie

= Fehlerhaftes Erkennen von z.B. Gegenständen, kann unterschiedliche Sinnesorgane betreffen, ohne Einschränkung des eigentlichen Sinnesorgans

  • Klassifikation:
    • Visuelle AgnosieVisuelles Erkennen von Gegenständen ist gestört, bei okzipitalen Störungen
    • Anosognosie: Nicht Erkennen-Können der eigenen Erkrankung 
    • Taktile AgnosieErkennen von Gegenständen durch Tasten gestört
  • Eine Agnosie kann verschiedene Aspekte betreffen
    • FarbagnosieFarben können nicht erkannt werden
    • Prosopagnosie: Gesichter können nicht erkannt werden 
    • Astereognosie: Gegenstände können nicht erkannt werden 

Untersuchung von Gedächtnisstörungen

  • Kurzzeitgedächtnis oder Arbeitsgedächtnis
    • Untersuchung: Beobachten der Merkfähigkeit im Gespräch, Wiederholen von Zahlenreihen vorwärts und rückwärts oder Wörtern in richtiger und umgekehrter Reihenfolge
  • Kurzzeitgedächtnis: Zahlenabfolge wiederholen lassen
  • Langzeitgedächtnis: Objekte merken und später wiedergeben (5 – 10 Minuten später)
  • Weitere Untersuchungen:
    • Abfragen von biographischen Informationen (z.B. über die eigene Familie) 
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026
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