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Niere (Ren)

EP
10 Minuten Lesezeit
  • Homöostatische Funktionen
    • Regulierung des Wasserhaushalts
      • Konstanthaltung der Wassermenge im Körper (42 L) und der 
        Osmolalität im Blut (290 mosm/kg H2O)
    • Regulation des extrazellulären Volumens
      • Konstanthaltung des extrazellulären Volumens (EZV) von ca. 15 L 
        (spielt eine Rolle bei der langfristigen Blutdruckregulation)
    • Regulierung des Elektrolythaushaltes
      • Konstanthaltung der Konzentration der wichtigsten Elektrolyte 
        wie Na+, K+, Ca2+, Mg2+, HCO3- und Phosphat
    • Regulation des Säure-Basen-Haushaltes
      • Konstanthaltung des pH-Wertes im Blut (7,4) durch Ausscheidung von Säuren und Basen über die Nieren
  • Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen
    • Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten wie Harnstoff 
      ( ca. 20 g/Tag), Kreatinin (ca. 1,2 g/Tag), Ammonium (ca. 1 g/Tag) und 
      Harnsäure (ca. 0,5 g/Tag)
    • Ausscheidung körperfremder Substanzen wie Medikamente
  • Biochemische Funktionen
    • Synthese von Hormonen und Enzymen wie Vitamin D (Calcitriol 
      Calcium- und Knochenstoffwechsel), Erythropoetin (➜ Blutbildung) und 
      Renin (➜ Regulation des Blutdrucks)
    • Synthese von Aminosäuren

Die Niere besteht aus der Nierenrinde (Cortex renalis) und dem Nierenmark (Medulla renalis). Nierenrinde und Nierenmark werden von den sogenannten Nephronen durchzogen. Pro Niere gibt es ca. 1 Million Nephrone, die damit die funktionell kleinste Einheit der Niere bilden. In der Nierenrinde befinden sich die Nierenkörperchen (kapillärer Gefäßknäuel (Glomerulus) + umliegenden Kapsel (Bowman-Kapsel)), die für die Bildung des Primärharns verantwortlich sind. Im Nierenmark befinden sich die Nierenkanälchen, die den Primärharn konzentrieren.

Der innere Aufbau der Niere lässt sich in drei Hauptkomponenten gliedern: die Nierenrinde (Cortex renalis), das Nierenmark (Medulla renalis) und das Nierenbeckenkelchsystem (NBKS). Jede dieser Strukturen erfüllt eine spezifische Funktion bei der Filtration und Ausscheidung von Harn. Die Niere besteht aus 6–9 funktionellen Einheiten, den sogenannten Nierenlappen (Lobi renales), die sich in Rinde und Mark gliedern lassen.

Nierenrinde (Cortex renalis)

Die Nierenrinde bildet einen etwa 1 cm breiten Streifen direkt unterhalb der Nierenkapsel und enthält wesentliche Strukturen für die Harnbildung. Sie liegt oberhalb der Basis der Markpyramiden und erstreckt sich in Form der Columnae renales zwischen den Pyramiden.

  • Nierenkörperchen (Corpuscula renalia): Die Rinde enthält die Nierenkörperchen, die aus einem kapillären Gefäßknäuel (Glomerulus) und der umgebenden Bowman-Kapsel bestehen. Diese Strukturen sind entscheidend für die Bildung des Primärharns.
  • Columnae renales: Säulenartige Gewebestrukturen, die von der Rinde durch das Mark bis ins Zentrum der Niere verlaufen und die Markpyramiden voneinander trennen.
  • Rindenlabyrinth (Labyrinthus corticalis): Das Rindengewebe um die Markstrahlen herum wird als Rindenlabyrinth bezeichnet. Es enthält die gewundenen Tubulusanteile (Partes convolutae) und die Nierenkörperchen.

Nierenmark (Medulla renalis)

  • Das Nierenmark besteht aus 8–12 kegelförmigen Markpyramiden (Pyramides renales), deren breite Basis zur Rinde zeigt. Jede dieser Pyramiden gehört zu einem Nierenlappen.
  • Markstrahlen (Radii medullares): Streifenförmige Strukturen, die von den geraden Anteilen der Nierentubuli (Partes rectae) und den Sammelrohren gebildet werden. Sie verlaufen von der Basis der Pyramiden in die Rinde hinein.
  • Nierenkanälchen (Tubuli): Im Mark befinden sich die Tubuli, die den Primärharn durch Reabsorption und Sekretion konzentrieren. Wichtige Abschnitte sind die Henle-Schleife, der distale Tubulus und die Sammelrohre.
  • Nierenpapillen: Die Spitzen der Markpyramiden, die sogenannten Nierenpapillen, ragen in die Nierenkelche (Calices renales). An den Papillen befinden sich die feinen Mündungen der Ductus papillares, die sogenannten Harnporen (Pori uriniferi).

Nierenbeckenkelchsystem (NBKS)

Die Nierenkelche sammeln den konzentrierten Harn, der aus den Nierenpapillen austritt, und leiten ihn in das Nierenbecken (Pelvis renalis) weiter. Dieses System dient als Sammelstelle, bevor der Harn über den Ureter in die Harnblase transportiert wird.

  • Die Nieren befinden sich primär retroperitoneal (hinter dem Bauchfell) unterhalb des Zwerchfells. Sie liegen beidseitig der Wirbelsäule im
    sogenannten Nierenlager, das von den Muskeln Musculus quadratus lumborum und Musculus psoas major begrenzt wird
  • Die Nieren erstrecken sich vom 12. Brustwirbel (Th12) bis zum 3. Lendenwirbel (L3). Aufgrund der Position der Leber liegt die rechte Niere meist etwas tiefer als die linke
LageRechte NiereLinke Niere
KranialNebenniere (Glandula suprarenalis)
Kaudal
  • Flexura coli dextra des Colons
  • Flexura coli sinistra und  Colon descendes
Dorsal
  • M. psoas major, M. transversus abdominis, M. quadratus lumborum
  • N. subcostalis, N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis
Ventral
  • Lobus dexter der Leber
  • Pars descendens des Duodenums
  • Magen
  • Milz
  • Pancreas

Kontaktflächen der Nieren (Ansicht von ventral):

Kontaktflächen der Nieren

Jede Niere ist von einer dreischichtigen schützenden Bindegewebshülle umgeben. Von innen nach außen sind das:

  • Nierenkapsel (Capsula fibrosa renis)
    • Fest und wenig dehnbar
  • Nierenfettkapsel (Capsula adiposa renis)
    • Umgibt die Niere und Nebenniere
    • Bildet das Nierenlager
  • Nierenfaszie (Fascia renalis, Gerota-Faszie)
    • Umgibt die Niere und Nebenniere samt Nierenfettkapsel
    • Lässt sich unterteilen in ein dickes hinteres Blatt (Fascia retrorenalis oder Zuckerkandl-Faszie) und in ein dünnes vorderes Blatt
  • Hinter der Nierenfaszie befindet sich das pararenale Fett (Corpus adiposum pararenale)

Nierenhüllen (Querschnitt durch den Rumpf, Ansicht von kranial)

Nierenhüllen

Als Nierenhilus bezeichnet man die Einziehung am konkaven medialen Rand der Niere, die als Ein- und Austrittsstelle für alle versorgenden Strukturen der Niere dient.

Nierenhilus
  • Strukturen von ventral nach dorsal:
    • Vena renalis (Nierenvene)
    • Arteria renalis (Nierenarterie)
    • Ureter (Harnleiter)
    • Merkhilfe: VAU
  • Sinus renalis:
    • Erweiterung des Hilus im Inneren der Niere
    • Enthält das Nierenbecken (Teil der Harnwege) und Fettgewebe

Arterien:

Die Hauptarterien der Nieren sind die Aa. renales (1) (A. renalis dextra und sinistra), die aus der Aorta abdominalis entspringen.

  • A. renalis dextra: Verläuft hinter der V. cava inferior zum Hilus der rechten Niere
  • A. renalis sinistra: Verläuft dorsal des Pancreas zum Hilus der linken Niere

Beide Aa. renales geben auf ihrem Weg zum Nierenhilus Äste ab:

  • A. suprarenalis inferior (Nebenniere)
  • Rami capsularis (Nierenkapsel)
  • Rr. ureterici (Ureter)

Beide Aa. renales teilen sich vor dem Hilus in einen:

  • Vorderen Hauptstamm (Ramus anterior)
  • Hinteren Hauptstamm (Ramus posterior)

Von dort gelangt das Blut zunächst in die Segmentarterien (2). Diese münden in die Aa. lobares (3), welche anschließend in die Aa. interlobares (4) müden. Diese verlaufen zwischen zwei Nierenpyramiden kapselwärts. Die Aa. interlobares (4) verzweigen sich in die Aa. arcuatae (5). Aus den Arteriae arcuatae (5) entspringen wiederum senkrecht die Aa. interlobulares (6).

Innenstruktur der Niere (Frontal halbierte linke Niere in der Ansicht von dorsal)

Nierenarterien

Aus den Aa. interlobulares (6) entspringen die Aa. afferentiae (7), die sich in den Glomeruli (8) in zahlreiche parallele Gefäßschlingen aufteilen. Diese Gefäßschlingen münden in die Aa. efferentiae (9), die sich wiederum verzweigen:

  • Die efferenten Gefäße der oberflächlichen Glomeruli geben peritubuläre Kapillaren (10) ab, die ein Gefäßnetz um die Tubuli in der Nierenrinde bilden. Im peritubulären Kapillarnetz finden Resorptions- und Sekretionsprozesse statt
  • Die efferenten Gefäße der tiefer gelegenen Glomeruli, auch als juxtamedulläre Glomeruli bezeichnet, geben die Vasa recta (11) ab, die in langen Kapillarschlingen das Mark versorgen und oft bis zur Papillenspitze absteigen. Die Vasa recta dienen vor allem der Harnkonzentrierung nach dem Gegenstromprinzip

Die peritubulären Kapillaren und die Vasa recta münden schließlich über verschiedene Verzweigungen in die V. renalis (12).

Gefäßarchitektur der Nierengefäße

Gefäßarchitektur der Nierengefäße

Venen:

  • Hauptvenen:
    • V. renalis dextra: Führt venöses Blut von der rechten Niere direkt zur V. cava inferior.
    • V. renalis sinistra: Führt venöses Blut von der linken Niere zur V. cava inferior und verläuft dabei vor der Aorta.
  • Anatomische Besonderheiten
    • Längenunterschied: Die linke Vena renalis ist länger als die rechte, da sie die Aorta überqueren muss.
    • Die linke Nierenvene liegt zwischen der Aorta abdominalis und der Arteria mesenterica superior, was bei erhöhtem arteriellen Druck zur Kompression und Abflussstörung (Nussknacker-Syndrom) führen kann
    • Zuflüsse der V. renalis sinistra:
      • V. suprarenalis sinistra
      • V. testicularis sinistra/V. ovarica sinistra
 Merke
  • Linke Seite: V. suprarenalis und V. testicularis/V. ovarica → V. renalis sinistra
  • Rechte Seite: V. suprarenalis und V. testicularis/V. ovarica → V. cava inferior

Venöse Zuflüsse der Vena renalis:

Venöse Zuflüsse der Vena renalis

Lymphgefäße der Niere:

  • Ziehen zu den Nll. lumbales
    • Nll. lumbales sind um die V. cava inferior und die Aorta abdominalis gruppiert (Nll. cavales/aortici laterales)
  • Weiterer Verlauf der Lymphe:
    • Gelangt von den Nll. lumbales in den Truncus lumbalis dexter und sinister
    • Fließt anschließend in den Ductus thoracicus

Innervation der Niere:

  • Vegetative Innervation:
    • Erfolgt über den Plexus renalis
  • Sympathische Fasern:
    • Ursprung: Ggll. aorticorenalia
    • Wirkung: Überwiegend vasokonstriktorisch (verengen die Blutgefäße)
  • Parasympathische Fasern:
    • Ursprung: Truncus vagalis posterior, ein Nervenast des N. vagus
Zuletzt aktualisiert am 30.12.2024
Harnsystem
Nebenniere (Glandula suprarenalis)
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