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Nierenzellkarzinom

Renales Zellkarzinom, Adenokarzinom der Niere
22 Minuten Lesezeit

Das Nierenzellkarzinom (NCC; auch: renales Zellkarzinom (RCC)) ist der häufigste maligne Tumor der Niere, vorwiegend bei Patient:innen im Alter von 50 bis 70 Jahren. Die häufigsten histologischen Subtypen sind das klarzellige, das papilläre und das chromophobe Nierenzellkarzinom. 

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen Nikotinabusus, Adipositas, arterielle Hypertonie und genetische Prädispositionen wie das Von-Hippel-Lindau-Syndrom. Klinisch bleibt das Karzinom häufig lange asymptomatisch. Die klassische Trias – Hämaturie, Flankenschmerzen und tastbarer Oberbauchtumor – manifestiert sich meist erst im fortgeschrittenen Stadium. 

Diagnostisch stehen bildgebende Verfahren wie die Sonographie der Nieren und das triphasische Kontrastmittel-CT im Vordergrund. 

Therapeutisch ist die partielle oder radikale Nephrektomie der Goldstandard. In ausgewählten Fällen kommen auch ablative Verfahren wie Kryoablation oder Radiofrequenzablation in Betracht. Im metastasierten Stadium werden systemische Therapien wie Immuncheckpoint-Inhibitoren oder Tyrosinkinase-Inhibitoren eingesetzt. Komplikationen umfassen Metastasierung, insbesondere pulmonal, lokoregionär in Lymphknoten, ossär, hepatisch oder zerebral, sowie mögliche Einschränkungen der Nierenfunktion postoperativ. 

Die Prognose korreliert stark mit dem histologischen Subtyp und dem Tumorstadium.

 Defintion

Das Nierenzellkarzinom (NCC) ist ein häufig im oberen Nierenpol lokalisiertes Adenokarzinom der Niere ausgehend vom Tubulusepithel der Nephrone oder Sammelrohre. Es gehört zur Gruppe der epithelialen Nierentumore.

  • 2-3 % aller malignen Tumore bei Erwachsenen, circa 90% aller malignen Nierentumore
  • Manifestationsgipfel: v.a. im Alter von 50 bis 70 Jahren
  • Höhere Inzidenz:
    • Bei Männern (Männer:Frauen → 2 : 1)
    • In Industrieländern
 Info

Das Nierenzellkarzinom ist schätzungsweise der 9. häufigste aller malignen Tumore beim Mann (~3,6%) und der 11. häufigste bei der Frau (~2,1%) (Stand 2020).

  • Frühe hämatogene Metastasierung: in Lunge (~50%) > Knochen > Leber > Gehirn > kontralaterale Niere
  • Per continuitatem: in umliegende Organe, z.B. Pancreas, Milz, Leber, Colon, Gefäße (z.B. Vena cava oder Vena renalis → Ausbildung eines Tumorthrombus)
  • Selten lymphogene Metastasierung (<30%)
 Achtung

20-50% der Nierenzellkarzinome sind bei Diagnose bereits metastasiert!

  • Meist sporadisch
  • Circa 5% hereditär
 Info
Risikofaktoren für das Nierenzellkarzinom:
  • Nikotinabusus (>20 Pack Years) → um 30-50 % erhöhtes Risiko
  • Arterielle Hypertonie und Einnahme antihypertensiver Medikamente
  • Urämietoxine: z.B. bei chronischer Nierenerkrankung (CKD), erworbener polyzystischer Nierenerkrankung
  • Übergewicht bzw. Adipositas
  • Hormonelle Einflüsse: z.B. Androgene
  • Positive Familienanamnese → 2-4-fach erhöhtes Risiko
  • Hereditäre Tumorsyndrome: z.B. Prädisposition für klarzelliges NCC bei Von-Hippel-Lindau-Syndrom
  • Exposition gegenüber Toxinen: z.B. Asbest, Blei, Benzol, Trichlorethylen oder Cadmium
  • Fettreiche Ernährung
  • Wohnort in Industrieländern (aufgrund von Umwelt- und Lebensstilfaktoren)
 Merke
Hinweise für das Auftreten von NCC assoziiert mit hereditären Tumorsyndromen: 
  • Frühes Manifestationsalter
  • Multifokale und/oder bilaterale Manifestation
 Tipp

Ein Trichlorethylen-bedingtes NCC wird als Berufskrankheit anerkannt!

TNM-Klassifikation

TNM-Stadium Ausbreitung
TT1

Tumor ≤ 7 cm, begrenzt auf Niere

  • T1a: ≤ 4 cm
  • T1b: 4-7 cm 
T2

Tumor > 7 cm, begrenzt auf Niere

  • T2a: 7-10 cm
  • T2b: > 10 cm
T3

Infiltration der Nierenumgebung oder der Gefäße innerhalb der Gerota-Faszie - kein Befall der ipsilateralen Nebenniere

  • T3a: Infiltration des umgebenden Fettgewebes oder der Nierenvene (inkl. ihrer segmentalen Äste) oder des Nierenbeckenkelchsystems
  • T3b: Infiltration der Vena cava unterhalb des Diaphragmas
  • T3c: Infiltration der Vena cava oberhalb des Diaphragmas oder Infiltration der Wand der Vena cava
T4Infiltration außerhalb der Gerota-Faszie oder Befall der ipsilateralen Nebenniere
NN0keine regionalen Lymphknotenmetastasen
N1Befall eines regionären Lymphknotens
N2Befall mehrerer, regionärer Lymphknoten
MM0keine Fernmetastasen
M1Fernmetastasen

 

T-Stadien des Nierenzellkarzinoms (NCC)

UICC-Stadien

UICC-StadiumAusbreitung
IT1, N0, M0
IIT2 , N0, M0
IIIT3, N0, M0 oder T1–3, N1, M0
IVT4, N0-N1, M0 oder alle T, alle N, M1
 Merke

Weiterhin ist die Angabe des prozentualen Anteils an Tumornekrosen wichtig für die Tumorbeurteilung. 

  • Merkmale:
    • Adenokarzinom, ausgehend vom Tubulusepithel der Nephrone oder Sammelrohre
    • Überwiegend unilaterales Auftreten, außer im Rahmen hereditärer Tumorsyndrome, wo es bilateral auftreten kann
    • Häufig im oberen Nierenpol lokalisiert, insbesondere bei klarzelligem NCC
    • In frühen Stadien meist 2-5 cm groß, im weit fortgeschrittenen Stadium können NCC einen Durchmesser von > 15 cm erreichen

Histologische Einteilung

 Klarzelliges NCCPapilläres NCCChromophobes NCC

Sammelrohr-Karzinom

(= Ductus Bellini-Ca)

Anteil~80% aller NCC~15% aller NCC~5% aller NCC~1% aller NCC
UrsprungAus Tubulusepithelzellen des proximalem TubulusAus Tubulusepithelzellen des distalen Tubulus oder Schaltzellen des kortikalen SammelrohrsAus Hauptzellen des Sammelrohrs
LokalisationNierenrindeNierenmark
Makroskopie
  • Hellgelbe-fettige Schnittfläche mit zentralen Nekrosen, weißen Narben und frischen roten bzw. älteren schwarzen Einblutungen (buntes Bild)
  • Begrenzt, weich, inhomogen, z.T. zystische Areale
  • Umgeben von dicker Pseudokapsel (= fibrotischer Randsaum)
  • Bräunlich-weiße Schnittfläche mit Einblutungen
  • Fingerförmige Tumorpapillen
  • Begrenzt, weich, zerfallend
  • Umgeben von Pseudokapsel
  • Per definitionem ≥ 3 cm (Abgrenzung zu papillärem Nierenadenom < 3 cm)
  • Hellbraune-graue Schnittfläche
  • Begrenzt
 Merke

Keine Pseudokapsel, Zysten, Einblutungen oder Papillen!

Nur selten Einblutungen.

  • Weiße Schnittfläche
  • Unscharf begrenzt, solide
  • Ggf. Satellitenknötchen (dunkle Punkte)

 

Makroskopischer Befund bei klarzelligem Nierenzellkarzinom (NCC)
Makroskopischer Befund bei papillärem Nierenzellkarzinom (NCC)
Makroskopischer Befund bei chromophoben Nierenzellkarzinom
Makroskopischer Befund bei Sammelrohr-Karzinom (= Ductus Bellini Karzinom)
Mikroskopie
  • Nestförmig, solide wachsende, polygonale Tumorzellen mit blassem Zytoplasma (= klarzellig; aufgrund reduzierter Anfärbbarkeit durch hohen Glykogen- und Lipidgehalt), rundlichen Zellkernen mit kleinen Nukeolen und dünner Zellmembran
  • Umgeben von schmalen fibrovaskulären Strukturen
 Tipp

Kein Fettgewebe! (im Gegensatz zur DD Angiomyolipom

  • Fingerförmige Tumorpapillen mit zentralem BGW-Kern aus
    • Einreihigen, kubischen Tumorzellen ohne Kernatypien (Typ 1, ~10%)
    • Zylindrischen, eosinophilen Tumorzellen mit Kernatypien (Typ 2, ~5%)
  • Klassische Form (80-90%): solide wachsende Tumorzellen stark variabler Größe mit granuliertem, chromophobem (= blassem) Zytoplasma (aufgrund eines hohen Glykogen- und Wassergehaltes), koilozytären Zellkernen (blass, rundlich) und dicker Zellmembran
  • Eosinophile Form (10-20%): nestförmig, solide wachsende Tumorzellen mit granuliertem, eosinophilem (= pinkem) Zytoplasma (aufgrund eines erhöhten Mitochondriengehaltes)

 

  • Tubulo-papillär wachsende, oft spindelzellige, sehr gering differenzierte Tumorzellen mit eosinophilem Zytoplasma und großen Zellkernen
  • Hobnail-Zellen (= Zellen mit prominentem, kuppelförmigem Zellkern, der zur apikalen Seite der Zelle hin vorgewölbt ist)
  • Oft assoziierte Entzündungsinfiltrate (v.a. Lymphozyten, Makrophagen) und/oder desmoplastische Reaktionen (= reaktive Bindegewebsvermehrung)
 Tipp

Die Glomeruli sind i.d.R. nicht betroffen.

Klarzelliges Nierenzellkarzinom
Papilläres Nierenzellkarzinom

 

Klassisches und eosinophiles chromophobes Nierenzellkarzinom

 

Sammelrohr-Karzinom (= Ductus Bellini Karzinom)

 

Immunhisto-chemie

Positiv für u.a.: 

  • Vimentin
  • CAIX (Carbonic Anhydrase IX)
  • CD10
 Merke

Zytokeratin 7 negativ! (im Gegensatz zu anderen NCC-Typen)

Positiv insbesondere bei Typ 1 für u.a.: 

  • Zytokeratin 7 (im Gegensatz zur DD papilläres Nierenzelladenom)
  • Alpha-methylacyl-CoA racemase (AMACR)

Positiv für u.a.: 

  • Zytokeratin 7 und Hale-Kolloidal-Eisenfärbung (im Gegensatz zur DD Onkozytom)
  • E-Cadherin

Positiv für u.a.: 

  • Zytokeration 7
  • Ulex europaeus Lectin 1 (Ulex-1)
Assoziierte Tumorsyndrome (Beispiele)
  • Von-Hippel-Lindau-Syndrom
  • Hereditäres papilläres NCC
  • Hereditäre Leiomyomatose
  • Familiäres papilläres Schilddrüsenkarzinom
  • Birt-Hogg-Dubé-Syndrom
  • Hereditäre Leiomyomatose
Prognose
  • Schlechtere Prognose
  • Beste Prognose aller NCC
  • Moderate Prognose
  • Schlechteste Prognose aller NCC, aufgrund von sehr aggressivem Wachstum und früher Metastasierung
Wichtigste DifferentialdiagnoseAngiomyolipom, zystische NierenveränderungPapilläres NierenzelladenomOnkozytom (insbesondere eosinophilem, chromophobem NCC)Urothelkarzinom des Nierenbeckens 
 Merke

Das papilläre Nierenzellkarzinom ist der einzige Subtyp, bei dem eine Adenom-Karzinom-Sequenz nachgewiesen wurde, d.h. dass es sich aus einer benignen Adenom-Vorstufe (papilläres Nierenzelladenom) entwickeln kann. Bei allen anderen Subtypen ist dies nicht der Fall. 

 Info

Es existieren auch seltenere Mischformen, wie z.B. das klarzellige papilläre Nierenzellkarzinom, das histologische und molekulare Eigenschaften sowohl des klarzelligen als auch des papillären Typs kombiniert. Es zeichnet sich aus durch klarzellige Tumorzellen, welche nestartige papilläre Strukturen bilden. Im Gegensatz zum klassischen klarzelligen NCC hat es eine insgesamt bessere Prognose und zeigt weniger aggressives Verhalten.

Klarzelliges papilläres Nierenzellkarzinom
Mischform klarzelliges papilläres Nierenzellkarzinom

Frühsymptome

  • I.d.R. asymptomatisch

Spätsymptome

 Merke
Trias bei Nierenzellkarzinom
  1. Schmerzlose Makrohämaturie
  2. Flankenschmerzen
  3. Tastbare Raumforderung im oberen Abdomen (in fortgeschrittenen Stadien)
  • B-Symptome: Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, seltener Fieber und Nachtschweiß
  • Ggf. Anämie (20-30%; u.a. durch Anämie der chronischen Erkrankung (ACD), Schädigung des Nierenparenchyms mit reduzierter Erythropoetin Sekretion)
  • Paraneoplastische Syndrome: durch Sekretion von Hormonen oder Mediatoren durch den Tumor selbst oder reaktiv, tumor-assoziiert durch andere Zellen
    • Metabolisch:
      • Stauffer-Syndrom (= reaktive Hepathopathie mit erhöhten Leberwerten und Gerinnungsstörungen, z.B, verlängerte Prothrombinzeit) (wahrscheinlich durch Zytokine und andere inflammatorische Mediatoren↑)
    • Hämatologisch:
      • Polyglobulie (Erythropoetin↑ → Förderung der Erythropoese)
      • Thrombozytose (u.a. Zytokine wie IL-6↑→ Förderung der Thrombopoese)
      • Leukozytose (Zytokine↑)
    • Endokrin:
      • Arterielle Hypertonie (Renin↑)
      • Hypokaliämie (ACTH↑)
      • Hyperkalzämie (Parathormon-ähnliche Peptide↑)
      • Cushing-Syndrom (ACTH↑)
      • Gynäkomastie (Östrogene↑)
      • Hirsutismus (Androgene↑)
  • In fortgeschrittenen Stadien:
    • Mit Tumorvenenthrombose:
      • Vena cava → bilaterale Beinödeme, Thrombose-Zeichen an den Unterschenkeln (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen)
      • Vena renalis → linksseitige, lageunabhängige Varikozelen beim Mann, renal-bedingte arterielle Hypertonie
    • Mit Metastasierung: Knochenschmerzen und/oder pathologische Frakturen, Husten und/oder Dyspnoe, neurologische Ausfälle
    • Bei sehr großem Durchmesser mit Kompression umliegender Organe, z.B.:
      • Gefäßkompression → akutes Abdomen
      • Darmobstruktion → gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen), Obstipation
 Achtung

Bei Patienten mit unklaren Flankenschmerzen und Hämaturie sollte immer ein Nierenzellkarzinom bedacht werden!

 Info

Da die linke Vena testicularis direkt in die linke Vena renalis mündet, kann ein Tumoreinbruch in die linke Vena renalis zu einer venösen Stase in der linken Vena testicularis und resultierend zu Varikozelen am linken Hoden führen. Diese ist - im Gegensatz zu lageabhängigen Varikozelen bei Venenklappeninsuffizienzen - aufgrund der stenotisch oder obstruktiv bedingten venösen Stase lageunabhängig

Anamnese

  • Symptome: Flankenschmerzen, blutiger Urin, Gewichtsabnahme, nächtliches Schwitzen, Fieber, Beinschwellungen
  • Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, Adipositas, chronische Nierenerkrankung, erworbene polyzystische Nierenerkrankung
  • Lebensstil: Nikotinkonsum, fettreiche Ernährung, Wohnort in Industrieländern
  • Familienanamnese: Nierenzellkarzinome oder hereditäre Tumorsyndrome in der Verwandtschaft
  • Berufliche Exposition: Kontakt mit toxischen Substanzen, z.B. Asbest, Blei, Benzol, Trichlorethylen, Cadmium

Körperliche Untersuchung

  • Allgemeinzustand: Beurteilung in Hinblick auf Müdigkeit, Schwäche und Ernährungszustand (potenzielle Gewichtsabnahme)
  • Inspektion auf Zeichen einer oberen Einflussstauung oder Thrombose: z.B. Varikozelen oder Beinödeme, schmerzhafte Rötung und Überwärmung der Unterschenkel
  • Palpation des Abdomens: ggf. palpable abdominale Raumforderung bei sehr großen Tumoren

Labordiagnostik

Serumparameter

  • Retentionsparameter zur Beurteilung der Nierenfunktion (Kreatinin, Harnstoff)
  • Blutbild: Anämie oder Polyglobulie, Thrombozytose, Leukozytose
  • Bestimmung von Calcium, Elektrolyten (v.a. Kalium), LDH, Leberwerte inkl. Albumin, Gerinnungsparameter

Urindiagnostik

  • U-Stix: Makrohämaturie
 Merke

Es gibt keinen spezifischen Tumormarker im Serum für das Nierenzellkarzinom.

Bildgebung

  • Sonografie der Niere: inhomogene Raumforderung mit soliden und ggf. zystischen Anteilen, ggf. Nierengrenzen überschreitend
  • Triphasisches CT-Abdomen mit Kontrastmittel: Beurteilung der Tumorausbreitung, präoperative Planung
    • Merkmale: inhomogene Kontrastmittelaufnahme, ggf. Verkalkungen
    • Alternativ MRT-Abdomen: bei unklarem CT-Befund, Kontraindikationen für CT (z.B. eingeschränkte Nierenfunktion oder Allergie gegen iodhaltiges Kontrastmittel), Verdacht auf Infiltration in die Vena cava oder Vena renalis
  • CT-Thorax mit Kontrastmittel: bei einer Tumorgröße von 3 cm zur Metastasenabklärung in der Lunge und zur Bestimmung der operativen Resektabilität
  • Low-dose Ganzkörper-CT: bei klinischem Anhalt auf Knochenmetastasen
  • cMRT mit Kontrastmittel: bei Verdacht auf zerebrale Metastasen
Sonografischer Befund bei klarzelligem Nierenzellkarzinom (NCC)
 Tipp

In der Bildgebung zeigen klarzellige Nierenzellkarzinome typischerweise eine heterogene Kontrastmittelanreicherung, während bei Angiomyolipome einzelne Fettanteile abgegrenzt werden können.

Nierenbiopsie

  • Sonografisch- oder CT-kontrollierte Stanzzylidnerbiopsie mit Entnahme von mindestens 2 Proben
  • Indikation:
    • Unklare Befunde in der Bildgebung, falls wichtig für die Therapieentscheidung zwischen Operation oder nicht-operativer Therapiemethode
    • Metastasierte Karzinome vor systemischer Therapie
    • Abwartendes Verhalten ("active surveillance")
    • Vor ablativer Therapie
 Achtung

Eine Biopsie sollte nur bei soliden Tumoren durchgeführt werden, da bei zystischen Tumoren ein erhöhtes Risiko für die peritoneale Tumoraussaat besteht

  • Neoplastisch:
    • Benigne Nierentumoren:
      • Papilläres Nierenzelladenom  insbesondere als DIfferentialdiagnose zum papillären NCC
      • Onkozytom insbesondere als Differentialdiagnose zum eosinophilen, chromophoben NCC
      • Angiomyolipom insbesondere als Differentialdiagnose zum klarzelligen NCC
    • Urothelkarzinom des Nierenbeckens insbesondere als Differentialdiagnose zum Sammelrohr-Karzinom
    • Metastasen - z.B. bei Bronchialkarzinom
    • Lymphome, neuroendokrine Tumore oder Sarkome der Niere
    • Nebennieren-Tumore
    • Bei Kleinkindern: Nephroblastom (Wilms-Tumor)
  • Nicht-neoplastisch:
    • Nierenzysten, polyzystische Nierenerkrankung
    • Nierensteine
    • Urogenitaltuberkulose
    • Hämatome oder Abszesse der Nieren

Nicht-Metastasiertes NCC (M0, UICC-Stadium 1-3)

Abhängig vom UICC-Stadium:

  • Stadium 1: organerhaltende Nierenteilresektion
    • Alternativ bei kleinen Tumoren (< 4 cm) + hohem OP-Risiko oder begrenzter Lebenserwartung: ggf. ablative Therapie (z.B. Radiofrequenz-/Kryoablation) oder aktive Überwachung
  • Stadium 2-3: radikale Nephrektomie inklusive der Nierenkapsel und proximalem bis mittlerem Ureter
    • Bei Auffälligkeiten in der Bildgebung oder intraoperativ: zusätzlich ipsilaterale Lymphadenektomie, Adrenalektomie und/oder Tumorthrombektomie
 Achtung

Vor einer ablativen Therapie oder aktiver Überwachung ist eine histologische Diagnosesicherung mittels Biopsie obligat!

 Achtung

Die Ischämiedauer sollte bei der Nierenteilresektion so kurz wie möglich gehalten werden.

Metastasiertes NCC (M1, UICC-Stadium 4)

Abhängig von der Metastasen-Anzahl:

  • Solitäre Metastasen: siehe Stadium 2-3 + Metastasenresektion
    • Bei primärer Irresektabilität: vorher präoperative neoadjuvante Systemtherapie
  • Multiple Metastasen:
    • Palliative Systemtherapie mit Kombination von Medikamenten der zielgerichteten Therapie + Immuntherapie: 1. Wahl Pembrolizumab (Tyrosinkinase-Inhibitor) + Axitinib (Immuncheckpoint-Inhibitor, PD1-Antikörper) oder Nivolumab + Cabozantinib oder Pembrolizumab + Lenvatinib
    • Ggf. zytoreduktive Nephrektomie (= Entfernung der tumortragenden Niere ohne Metastasenchirurgie) bei günstigem Risikoprofil)
 Achtung

Bei insbesondere klarzelligen Nierenzellkarzinomen besteht eine primäre Chemoresistenz! Eine Chemotherapie ist daher nicht im Therapieschema enthalten.

X: Stadiengerechte Therapie des Nierenzellkarzinoms (NCC)
 Merke

Nach erfolgreicher Therapie ist eine regelmäßige Tumornachsorge zur frühzeitigen Erkennung von Rezidiven oder Metastasen erforderlich, i.d.R. durch regelmäßige Kontrollen mittels Sonographie und CT.

 Info
Therapie der paraneoplastischen Hyperkalzämie

Eine symptomatische Behandlung der Hyperkalzämie, z.B. durch Bisphosphonate oder den Einsatz von Denosumab, ist erforderlich, um Komplikationen wie Nierenversagen oder Bewusstseinsstörungen zu vermeiden.

  • Metastasierung, insbesondere in die Lunge
  • Tumorvenenthrombose: Rückstau des Blutes in die Beine durch
    • Tumoreinbruch in die Vena cava mit Tumorvenenthrombose und dem Rückstau des Blutes in die untere Extremität
    • Mechanische Kompression der Vena cava
  • Arterielle Hypertonie:
    • Paraneoplastisch: durch erhöhte Renin-Sekretion
    • Renal-bedingt: durch Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAASaufgrund einer verminderten Nierenperfusion durch
      • Tumoreinbruch in die Vena renalis mit Tumorvenenthrombose und dem Rückstau des Blutes in die zugehörige Niere
      • Mechanischen Kompression der Nierengefäße (arteriell und/oder venös) bei wachsender Raumforderung
  • Sekundäre Nierenfunktionsstörungen bis hin zur chronischen Nierenerkrankung (CKD): durch Nierenkompression und Perfusionsstörung
  • Kompression umgebender Organe bei sehr großem Tumordurchmesser: z.B. Darm → Darmobstruktion, Gefäße → akutes Abdomen
 Merke

Die Prognose ist stark abhängig vom histologischen Subtyp und dem UICC-Stadium (Tumorgröße, Metastasierung).

  • Abhängig vom histologischen Subtyp (geordnet von bester bis schlechtester Prognose): papilläres NCC > chromophobes NCC > klarzelliges NCC > Sammelrohr-Ca
  • 5-Jahres-Überlebensrate abhängig vom UICC-Stadium:
    • Stadium I:   > 90 %
    • Stadium II:   ~85 %
    • Stadium III:  ~70 %
    • Stadium IV: < 15 %
  • Reduktion der Risikofaktoren: Nikotinkarenz, Vermeidung von Übergewicht
  • Genetische Beratung und indviduelle Überwachungsstrategie (z.B. regelmäßige sonografische Kontrollen) bei Angehörigen von Familienmitgliedern mit Tumorsyndromen (z.B. von-Hippel-Lindau-Syndrom) oder bei familiärer Häufung von Nierenzellkarzinomen
 Merke

Es gibt derzeit keine standardisierten Früherkennungsuntersuchungen für Nierenzellkarzinome, die von den Krankenkassen übernommen werden.

Lernkarte Nierenzellkarzinom
 
Zuletzt aktualisiert am 08.08.2026
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